Wiesbadener Tagblatt
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Nr. 74
Freitag. 28. März 1941
89. Jahrgang
8. 6**Uea8«rg'f<6e «»churmi-rtt, ^ragblatt-H-u,» v-rnIpnch-r.Sammkl.Nr 59631 Drahtanichrift. Tagblatt Wiesbaden. Poltkcheckkonto Frankfurt a. M Dir. 7405.
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Schicksalsgemeinschaft für alle Eventualitäten
MafSHOka beim Führer
Eine längere Besprechung über alle aktuellen politischen Probleme
3m Geiste herzlicher Freundschaft
Berlin, 27. März. Der Führer empfing am Douners- tagsachmittag in Gegenwart des Reichsministers des Aus- wärtigen von Ribbentrop den Kaiserlich-Japanische» Außenminister Ssosuke Matsuoka in der Rene» Reichskanzlei za einer längeren Unterredung, der auch der Kaiserlich-Japanische Botschafter in Berlin, O s h i m a, and der deutsche Botschafter in Tokio, Ott, beiwohnten. Die Besprechung über alle aktuellen politische» Probleme verlies im Geiste der herzlichen Freundschaft die Deutschland und Japan verbindet.
Eine Ehrenformation der Leibstandarte „Adolf Hitler" erwies dem japanischen Außenminister bei der An- und Abfahrt die militärischen Ehrenbezeigungen.
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as. Die Weltpresse verfolgt die Berliner Besprechungen des javanischen Außenministers Matsuoka mit gespannte cher Stürmern amtet t. überall wird sehr ausführlich über die Empfänge berichtet. Selbstverständlich nimmt die Reichsbauvtstadt selbst regsten Anteil an allen Vorgängen. Die Berliner Bevölkerung, die am Mittwoch den- javanischen Außenminister mit größter Herzlichkeit empfing, bereitete ihm auch gestern überall dort, wo er ßch sehen lieb, überaus herzliche Kundgebungen. Den vohevunkt bildete die große Kundgebung auf dem Wilhelmplatz, wo auf die Kunde, daß der Führer den javanischen Außenminister empfangen werde, etwa 15 0 0 00 Personen zusammengeströmt waren, die in begeisterte Heilrufe ausbrachen, als sich der Führer mit dem hohen East zu seiner Rechten und dem javanischen Botschafter Osbima yt feiner Linken, auf dem historischen Balkon zeigten. Minutenlang dauerte der Jubetsturm der Menge, die den weiten Platz bis zum letzten Winkel füllte. In den Trink- spruchen. die am Abend zwischen dem Reichsaußenminister und dem japanischen East gewechselt wurden, wurde dann •
der Welt noch einmal die Bedeutung dieses Besuches vor Augen geführt. Wenn dabei Matsuoka das Wohl ausbrachte auf das größte Bündnis, das die West je gesehen habe, so sind das Worte, die man nirgends überhören kann. Die Ansprache Matsuokas zeigte aber auch, wie der Wert dieses Besuches sowohl im Persönlichen, a l s auch im Sachlichen liegt. Die großen Partner finden Gelegenheit, durch ein persönliches Sichkennenlernen eine noch wirksamere Arbeitsmethode herbeizuführen, die es ihnen erlaubt, die Probleme unmittelbar anzupacken und ihrer Lösung ent- gegenzusühren. Der Reichsaußenminister verwies daraus, daß dieses wichtige Treffen in der Zeit des Endkampfes gegen England staitfindet. über den Ausgang dieses Kampfes kann nirgends der geringste Zweifel bestehen. Englands Schicksal ist heute bereits entschieden und der Dreimächtepakt ift das politische Fundament, auf dem die jungen Völker den Sieg und die Freiheit erstreiten.
Fortführung der Verhandlungen
Weitere Besprechungen der Außenminister Matsuoka mit vou Ribbentrop und Funk
Berlin, 28. März. (Funkmeldung.) Der Reichsmiuister des Auswärtige», von Ribbentrop empfing am Frei- taaoormittag de» Kaiserlich-Japanischen Außenminister Yosuke Matsuoka zu einer weiteren Unterredung.
Der Kaiserlich-Japanische Außenminister stattete heute vormittag dem Reichswirtschaftsminifter und Präftdenteu der deutschen Reichsbank «kalter Funk im Wirtschafts- Ministerium Unter de» Linden einen Besuch ab. Die Aussprache diente einem Gedankenaustausch über die Gestaltung und Vertiefung der deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen und über die Grundlage für die Organisation des Handels- und Zahlungsverkehrs zwischen dem europäischen und ostastatischen Großranm »ach der fiegreiche» Beendigung des Krieges.
Staatsstreich in Jugoslawien
Der minderjährige König Peter übernahm die Macht.
Belgrad, 27. März. In den ersten Morgenstunden des Donnerstag fand in Belgrad ein militärischer Staatsstreich statt. Der minderjährige König Peter bat durch eine Proklamation die königlichen Macht- befugniste übernommen. Er bat den General Dufchan Simo- witsch mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt.
Die Nachrichtenagentur Avala meldet: Die Regierung, die soeben unter der Präsidentschaft des Armeegenerals Simowitsch gebildet wurde, hat ihre Funktionen aufgenommen. Die Regierung ist von dem Ärmeegeneral Simowitsch nach Beratung mit politischen Persönlickkeiteu gebildet worden.
Die Zusammensetzung der neuen Regierung
Wie die jugoslawische Nachrichtenagentur Avala meldet, setzt nch die Regierung des Armeegenerals Simowitsch wie folgt zusammen: •
Der erste Vizepräsident ist Dr. Matsche k, der zweite Vizepräsident Prof. Slobodan Bvanowttsch, Außen- mrnlster Dr. Montschilo Rintschisch, Innenminister Srdyan Budissavljewitsch, Finanzminister Jura» T > ch u t e y. Marineminister Armeegeneral B o g o l v u b i - l lisch, Justizminister Dr. Veja M a r k w i t s ch. llnterrichts- mmlster T r i f u n o v i t s ch, Verkehrsminifter B o g o l y o - vitsch. Handels- und Jndustrieminister Iwan Andre. Minister für die Forsten Kulenowitsch, Landwirt- schaftsmlnlster Branko Tschubrilowitsch. Minister für bte öffentlichen Arbeiten Kulovetz. Minister für Post-, Telegraf- und Telefonwesen Iwan T o b b a t, Bersorgungs- minister Sava kosanowitsch, interministischer Mi- mster für die physische Erziehung Armeegeneral Bogolyub Fir tsch, Minister ohne Portefeuille Marko Dakowitsch. Die Mitglieder der Regierung haben ihren Eid vor dem König Peter n. geleistet.
Reserveoffiziere einberufen
Die Nachrichtenagentur Avala meldet: Durch den Rundfunk wurden alle Reserveoffiziere aufgefordert, sich heute nachmittag in ihren Offizierskastnos zur Besprechung einzufinden.
Nach einer weiteren Meldung der Stoentur Avala haben die serbischen Sokoln ihre Mitglieder aufgefordert. stch um 17 llhr in den Sokoln-Heimen einzufinden. Sre würden dort weitere Weisungen empfangen.
Die Mitglieder der serbischen Miliz-Organisation E e t n r c i haben die Aufforderung erhalten, stch dem serbischen Heer anzuschließen.
Aufruf zur Ruhe in Belgrad
Der neue Stadtkommandant von Belgrad. Milowitsch S t e v a n i t s ch. bat einnen Aufruf erlassen, in dem er das
Volk auffordert, stch den Anordnungen der Stadtverwaltung zu fugen, Ruhe und Ordnung zu wahren und an die Arbeitsplätze zurückzukehren.
Mitglieder der Regierung Zwetkowitsch verhaftet — Prinzregent Paul geflohen
Belgrad. 28. März. (Funkmeldung.) Es verlautet, daß die Mitglieder der Regierung Zwetkowitkch verhaftet worden kind. Prinzregent Paul soll nach unbestätigten Gerüchten Jugoslawien verlaffen haben.
Deutschfeindliche Demonstrationen
Belgrad, 28. März. (Funkmeldung.) I» den Straßen Belgrads fanden am Donnerstag deutschfeindliche Demonstratio neu statt, an denen sich vor allem Mittelschüler. Studenten und andere halbwüchsige Elemente beteiligten. Die Demonstranten trugen neben jugoslawische n auch englische Fahne» mit. Vor der englischen Gesandtschaft, von welcher Flugblätter »erteilt wurden, fanden Kundgebungen statt.
Die Demonstrauten unternahmen Angriffe auf deutsche Personen, zerstörten die Auslagen des deutschen Berkehrsbüros und oerwüftetendieRänmedes schwäbisch-deutschen Kulturbundes.
_ Die wichtigsten Zentren der Stadt wurden vom Militär besetzt, die deutsche Gesandtschaft abgeriegelt. In ihr stnd biedeutscheuFraueuuudKiuderiuSicher- bert gebracht worden.
Für Donnerstagabend wurde eiu Alkoholverbot erlassen, der Telefonverkehr innerhalb der Stadt Belgrad war viele Stunden unterbrochen, der Straßenverkehr ist noch bis zur Stunde gestört.
.Aus der Provinz liegen zuverlästige Nachrichten zur Zen noch nicht vor. Bon Regierungskeite wird versichert, daß in allen Teilen Jugoslawiens Rübe »ud Ordnung herrsche. Mißhandlungen von Volksdeutsche» hätte» nicht stattgefunden. Die Prüfung dieser Nachrichten ist zur Zeit nicht möglich.
Am Donnerstagabend fand in Belgrad ein Umzug der Sokol statt, die um 16 llhr i» ihrem Seim einen Festakt ab- gehalten batten. Anschließend fand einManifeftations- marsch durch die Straßen Belgrads statt.
Die Kroaten und die Belgrader Ereignisse
Preßburg, 28. März. (Funkmeldung.) Im .Garbister- »chreibt der Agramer Mitarbeiter des Blattes, das kroatische Volk stünde anch weiterbin treu zur nireundschaft mitDeutschland und zur Verbundenheit mit den Mächten der Neuordnung. Was immer in Belgrad geschehen möge, an dieser HaltungKroatiens werde sich nicht» ändern.
Sie haben mit ihrem Anspruch auf die politische und
Das große Dreieck
Von Wilhelm Ackermann
Seit bte Absicht des javanischen Außenministers bekannt wurde, die Hauptstädte Deutschlands und Italiens mit einem schon aus reisetechnischen Gründen stch ergebenden -4 w ijche n aufeinhalt in Moskau zu besuchen, hat in der angel» •Sfölitoen Presse ein nervöses Rätselraten über Zweck und Ziel dieser Besuche begonnen. Die erste, ein wenig primitive Antwort auf bte eigenen bangen Fragen war bie Ent- beckung, es hanbele sich habet um eine versuchte Gegenwirkung gegen ben Einbnick. ben bie Annahme bes Englandhilfe- sesetzes in ber Welt gemacht habe. Dieser tiefschlürfenbe Etnfall befrtebtgt aber nicht mehr ganz, seit sich inzwischen »ehr schnell gezeigt hat, baß einstweilen bie von ber England- h.rlf? ausgelosten Probleme für ihre Schöpfer, die angel» sächsischen Staaten, grober und schwieriger sind als für die Achse und Japan. In Wirklichkeit sind bte Ursachen ber Matsuoka-Reise zwar einfach genug, aber doch nicht so ober» ftachlich. Sie beruhen auf ber Tatsache, baß ber Berliner Dreimächtepakt, ber bie politische unb militärische Ver» anterung bes schon vorher beftebenben Dreiecks Berlin-Rom- Tokto brachte, durch bte angelsächsische Politik selber nunmehr aktiviert wird. In bieten Pakt steht zu lesen, baß bte bret Machte gegenseitig bas Recht auf eine enb» gültige Reuorbnung in ihren Räumen anerkenne». bas Recht ber Achse für ben europäischen Kontinent, bas Japans für ben fernöstlichen Großraum. Diese Anerkennung hebeutet logischerweise, unb batüber ist insbesondere ben Vereinigten Staaten kein Zweifel gelassen worden, daß dieses Neuordnungsrecht gegen jeden Versuch einer Ein Mischung Dritter verteidigt wird, gleich- gültig, unter welcher Tarnung er stehen sollte. Wenn England letzte verzweifelte Anstrengungen unternimmt, noch irgendwo auf dem europäischen Erdteil einen letzten Fuß stehen zu lassen, wenn es die politische Neugestaltung des alten Kontinents von Afrika oder Kleinasten her zu stören sucht, wenn es im Verein mit Nordamerika Unruheherde in Ostasten zu erhalten oder neu zu schaffen stch bemüht, so be- segnet es bei all dem den gleichgerichteten Interessen der drei Machte..
Immerhin kann London für eine solche Haltung noch l» Anspruch nehrnen. mit ihr eine alte Tradition seiner 3lseltberrS<öaftsperrobe fortzusetzen, in der es Europa unter das. Schlagwort vorn Gleichgewicht der Kräfte stellte, in der übrigen Welt auf keine Seeherrschaft und seine Allgegenwart pockte. Daß an Stelle dessen inzwischen neue politische Sbeen getreten stnd. deren Zukunftstrachtigkeit stch zusehendst durchsetzt, davor verschließt es einstweilen noch gewaltsam klugen und beschwort ihnen gegenüber teils o" m®)tl(be teils bte demokratische Schicksalsgemeinschc
jenüöer teils bie angel»
l —lickwlsgemeinschaft. Die
• -... ber Vereinigten Staaten aber, wie sie von Roosevelt verkörpert wirb, kann stch auf solche Trabition der Geschichte ober der tragen Gewöhnung nicht berufen. Die bisher als ioIäc Tradition geltende Monroedoktrin würde weiseste Selbstbeschrankung auf ben unmittelbaren ameri- tontfchen Lebensraum erforbern. Sin ihre Stelle ist nun nach Roosevelt ber Anspruch auf bte ..westliche Halbkugel" ge- treten. Zwar gibt es für bte räumliche Ausdehnung dieser Kugelhaltte, rote man sie stch in Washington denkt, noch keine maßgebliche Festlegung. Aber es ist bte Tatsache zu verzeichnen, daß unter bieser Firma bte Einmischung sowohl in europäische wie in ostasiatische Angelegenheiten betrieben wirb Der Dreimächtepakt stellt im Gegensatz zu dielen aggressiven englischen unb nordamerikanischen Ab- Itrofen ein rein aut Abwehr gerichtetes Instrument bar, ein Übereinkommen, besten Ziel in ber Abgrenzung ber Jnter- essenraume unb Einflußzonen vollkommen klar unb e i n= de u tig festgelegt ist, ohne Kautschukeinlage, wie bie „west- liwe Halbkugel Danach weiß bie Gegenseite, mit und ohne Englandhilfegesetz, wo die Schranken aufgestellt stnd hinter denen ste mit der militärischen Kampfkraft des großen Dreiecks zu rechnen hat. Und danach ist ste es, die bte praktische Auswirkung bes Berliner Vertrages heraus» forbert unb auf ben Plan ruft.
Derselbe Präsident Roosevelt, der stch jetzt immer deutlicher als Nachfolger der englischen Weltherrschaft zu o.rkeiimen gibt, hat noch vor halber Jahresfrist über eine einsichtigere und bescheidenere Auffastung verfugt. Damals wollte er die Monxoedoktrm auch für den europäischen und den fernöstlichen Eroßraum anerkennen. Er war zur Proklamation dieser Jdee.schon halb auf ber politischen Bühne: 9n,eJ»nCMiJ5Lac^5iefretSr des Auswärtigen zog ibn im letzten Augenblick noch am Rockzipfel roieber in bie Kulisse. Der SRoote)elf oon bamals hat mit bem von heute nicht mehr viel Äbulichkeit, Slber etne solche Erinnerung macht beutlich. wie wentg bie politische Linie ber Vereinigten Staaten auf geronnenen unb foltben ©runblage rubt wie sehr sie unter
sm- *2* f1 u«& wechseln bet Stimmungen, unter impulsiver Schwankungen steht. Es ist klar, baß solche roetterwenbischen Metboben nicht das Kennzeichen wirklich zukunttsweisenber Politik stnd. daß ste kerne durchdachte Überlegung und keine ernsthafte über- zeugung von der Richtigkeit und Nitolichkeit des eingeschlage- nen Weges verraten. Die Mächte, die von der alten zu einer neuen Ordnung streben, können und wollen stch in diesem
°°U-jufalligen.Entfallen anderer beeinflussen und stören lassen. Ste haben ia auch dagegen das Wert- zeug des Ber 11 n e r Vertrages geschaffen, und es tft nur zu verständlich, daß ste stch über dessen Anroen - ö u n 0 beraten, wenn wiche Improvisationen stch ankündigen pofitit61 bU ber gemeinsamen englisch-amerikanischen Kriegs-
