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Wiesbadener Tagblatt

8. 64eUenbera'fd)e Swtonuferei. ^aablati. ansx «ix Z. , Lrlchetnungszett:

Erfcheiimngszeit

Wöchentlich

6 Ausgaben

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage

Nr. 68

Freitag, 21. Marz 1941

89. Jahrgang

Britische Illusionen zerstört

Der ungarische Auhenminister in München

Strtiägüd) xach«in«g,.

®t'<Mftsgett > L Uhr morgen» bie < Uhr abend» außer Sonn- u. Feiertag»

Berliner Büro Berlm-HBümereborf

S. Schelleuderg'Iche Buchdnateret,lagblati. Sans* Fern!vrecher-Samniel.!«r 59631 Erahtanidjrift. Tag blatt Wiesbaden. Poltlchecklomo Franltutt a M Sir. <405.

. Am Donnerstag schon wieder Tagesalarm

Anher London anch je eine Stadt an der Südküfte und an der Südostlüste angegriffen Amerikanische Auaemenaen be­richten über das militärische Inferno

Kein »absolut sicheres Abwehrmittel" gegen die deutschen Nachtangriffe

Längere und herzliche Aussprache mit

München, 21. März. (Funkmeldung.) Der Königlich Ungarische Aubenmimster Ladislaus von B a r d o s s y traf erreitagoormittag nach seiner Amtsübernabme zu keinem ersten Besuch in Deutschland ein. Der Reichs- Minister des Auswärtigen von Ribbentrop begrünte den Auhenminister des verbüudeteu Ungarn auf dem Münchener Sauvtbahnhof, wo sich zum Empfang Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht eingefunden hatten. Bon ungarischer Seite waren erschienen der Königlich Ungarische Gesandte »n Berlin, S z t o j a y, und der Königlich Ungarische General­konsul i« München, Freiherr von Mispe-Eerkten- berge r. Eine Ebreukomvanie erwies dem ungarischen Augenminister die Ehrenbezeigungen, worauf der Re'chs- auhenminister den ungarischen East im Kraftwagen ins HotelRegina" begleitete.

Auhenminister von Bardossu legte au der Ewigen Wache in München einen Kranz nieder. Ankchliekend stattete von Bardossy dem Reichsmiuifter des Auswärtige», von Rib­bentrop, in Hotel »Lier Jahres,eite«" einen Besuch ab. Der Reichsauhenmiuister und Auhenminister von Bardossu hatten eine längere herrliche Aussprache über gemeinsam interessierende Fragen.

J'mel Jnönr an den Führer

Der türkische Botschafter überreicht ein Handschreiben seine» Präsidenten

. , Merlin. 20. März. Der türkische Botschafter Gerede hat dem Führer^ ein persönliches Handschreiben des türkr- jchen Staatsvrandenten Ismet I n ö n ü überreicht. Der Führer bat den türkischen Botschafter gebeten, dem türkischen Staatspräsidenten seinen Dank für die Botschaft zu

Rrichsauhenminister von Ribbentrop

an. Im Jahre 1922 gelang er im Range eines Ministerial- sekretar- in den Verband des Außenministeriums, wo er in der Dresseabteiluna zuerst als Stellvertreter des Leiters, spater, vom Jahre 1924 an. im Range eines Sektionsrates als Leiter der Abteilung wirkt und sich durch seine außer- se wohn liche E e i it e s i ck ä r f e und Leiftungsfäbigkeit allseitige und ungeteilte Anerkennung erwirbt. 1930 zum Aganon-rat Erster Klaue ernannt, wird er der ungarischen Gemndtschait in London als deren erster Beamter zugeteilt. Wiederholt wirkt erauf diesem Volten in Anwesenheit des Gesandten als Eeschaitstraaer. Hier knüpft er auch wert­volle ...Beziehungen zu führenden Persönlichkeiten der europäischen Diplomatie an. 1934 wird er mit der Leitung der ungarischen Gesandtschaft in Bukarest betraut und> meichzeitm zum AuueroWentlicken Gesandten und Bevoll­mächtigten M'niiter ernannt. Diesen Posten bekleidete Erzellen, Bardosiy bis. ,u seinem Amtsantritt als Königlich Ungarischer Auhenmin'.st-r am 5. Februar 1941. Am 11. Sep­tember 1940 vergeb der Reichsoerweser Bardosiy die Würde eines Geheimen Rates.

Bepiasweife; Für 2 Wochm S4 Rvt.. für einen Monat RM. 2.-. «Mchlietzlich Traglohn. Turi Oie BoC dezogm RM 4.35 zuzüglich 36 Rps Bestellgeld. Einzelnummern 10 Rpf. Die B-dlnoerung der Lieferung rechtlerlig, keinen Anspruch aui Rückzahlung des Bezugspreiles

Bon 67000 Gebäuden 51000 zerstört

Wie es in Coventry aussieht

3lew York, 21. März. . (Funkmeldung.) In »Minnea­polis Star Journal" schildert ein Journalist, der Willkie auf seiner Euglandreise begleitete, die verheerende Wirkung der deutschen Bergeltungsschläge aus England. Allein in

s- hier, feien von den 67 000 Gebäuden der Stadt 51000 zerstört.

USA. und der Atlantik

Von Wilhelm Ackermann

Seit Roosevelt mit seiner Parole vomArsenal der Demotrauen" tue Außenpolitik der Bereinigten Staaten auf die Einmllchung in die europäische Auseinanderjetzung sest- gelegt bat,, mblt man in der amerikanischen Öffentlichkeit das Bedürfnis. sick stärker. für den Atlantischen Ozean zu mtereisieren. Das ist die Folge des Verfalls der engllichen Seebeirictiart. die im Weltkrieg noch nicht e" Uich in <yrage stand, die Folge der daraus entstandenen Bedro­hung der Verbindung zwischen Nordamerika und den briti­schen. Inseln. Ein Londoner Minister bat nach Roosevelts längster rednerischer Lenkung oeoauDret, aui e li­tauische Erenzeverliefe nunmehr an der engllichen Oslkuste: eine nicht ganz zeitgemähe Er­innerung an frühere howgemute Feststellungen, daß Eng­lands Grenze am Rbein oder gar an der Weichsel läge. Ganz so ausdehnungsbedürftig ist man denn auch in den ll.EA lelber einltweileu noch nicht. Immerhin wird in der öffentlichen Äteinung mit einer gedachten Linie operiert, die in der Nord-Süd-Ricklung auf etwa Zweidrittel der Ent- lernung zwischen Amerika und England verläuft, und bis su. der diewestlicke H a l b k u g e I reichen soll. Es wird auch davon geredet, bis zu dieser Halbkugelgrenze den Geleit ickutz der Englandlieferungen durch die USA- Flotte erfolgen zu lassen, damit sich.die englischen See- ttreltkralte starker ihren Aufgaben im eigentlichen deutschen Sperrgebiet um die britischen Inseln widmen können. Dah die Berufung auf die westliche Halbkugel als amerikanisches Einiluggeblet aus der Monroe-Doktrin abgeleitet ist. ate ^er~^etr Präsident durch seine Einmischung in eure- vauche Dinge in aller Form über Bord geworfen bat, fällt dabei nicht weiter auf.

Es ist natürlich in erster Linie die Sorge um das Transportproblern. die derzeit das verstärkte Interesse am Atlantischen Ozean erklärt. Man richtet dabei die Blicke zunächst vom rein geographischen Standpunkt aus auf die tu weiten. Entfernungen zwischen den Kontinenten, d. h. nicht aut die üblichen Darnvierrouten. sondern auf die weientlich kürzeren Strecken von Kanada nach England M Norden und von. Süd-Amerika nach Afrika im Süden. Auf dem nördlichen Wege liegen als Etappen die Inseln E ronland und Island. Die erstere, übrigens die grogte Insel des Erdballs, flankiert in breiter Ausdeh­nung die kanadische Ostküste, die andere liegt halbwegs zwi» icken Grönland, und dem Norden der britischen Inseln. Beide sind danucker Besitz. Sie gehörten ursprünglich zu Norwegen, zu dessen ältestem überseeischem Siedlungsraum. Von Island aus. entdeckten norwegische Wikinger im zehnten Jahrhundert Grönland und das nordamerikanische Festland. Zu Dänemark kamen die beiden Inseln 1814, als Norwegen M aus der Vereinigung mit diesem Staate löste und sich in Penonalunum mit Schweden zuiammenschloh. Norwegen bat vor zehn Jahren noch einmal versucht, durch eine über­raschende Besetzung der grönländischen Ostküste die Insel wieder an sich zu bringen, aber eine Haager Schiedsgerichts- entscheldung sprach sie endgültig Dänemark zu. Die Ver- einigten_Staaten haben sich gelegentlich schon für Grönland interesiiert und wollten es durch Kauf erwerben: einmal um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als sie im Westen Alaskas von den Russen gekauft batten, und dann während des Weltkrieges. Dänemark bat beide Male abgelebnt und lehnt auch letzt das nordame.rikanifche Jntereffe an der Insel ab. Die USA sind einstweilen in Grönland nicht so weit gegangen wie die Engländer auf Island, das bekanntlich kurzerhand von britischen Truppen besetzt wurde, obwohl die. Insel nach ihrem Staatsvertrag mit Dänemark für alle Seiten als neutral erklärt ist. Aber sie haben bereits in

anjtlgenprtile: Ein Mrilimele» HShe bet 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil llrunb. K.re'f Df- 85 Millimeter breiten Spalte im lernen 60 Rvl.. Ion» laut Preisliste Nr. t Nackstaiie nach Preisliste Nr 9 - Schluß her An, eigen »An nähme S>/> Uhr oormiltag»

wurde wesentlich schwerer bewaffnet sein als die bisherige» Jager. Selbstverständlich werde es den Schnelligkeitsrekord brechen, kurzum, es werde ein rechtes Wunderflugzeug wer­den. Schade, dah man es noch nicht bewundern kann, da es vorerst nur in den Hirnen der Konstrukteure, ober gar nur in der Phantasie derDaily Mail" spukt. Aber auch diese Meldung ist uns seltsam vertraut. Von solchen englischen Wunderslugzeugen hören wir ja nicht zum erstenmal. Zu sehen waren sie allerdings noch nicht.

Sehr bemerkenswert ist auch die halbamtliche deutsche Feststellung, dah das Verhältnis im Kräfteeinsatz der deutschen und der englischen Luftflotte 15:1 ist. Auf eine in das Reich einfliegende englische Maschine kommen also 15 deutsche Maschinen über England. Da nun die deut­schen Angrifsspositionen ganz wesentlich günstiger liegen und einen sehr viel kürzeren Anflug ermöglichen, so können die deutschen Maschinen weitaus größere Bombenlasten mitnehmen als die englischen, so daß in dieser Hinsicht das Verhältnis für die Engländer noch un­günstiger ist. Auch diese Feststellungen sind geeignet, die Eng­länder aus ihrem von Herrn Duff Eoover künstlich hochge­züchteten Optimismus wachzurütteln. Sie müffen begreifen daß der Luftkrieg und die Schlacht im Atlantik ihnen noch weitere sehr schwere Schläge bringen werden

Ladislaus Bardossy von Bardos, Königlich Ungarischer Gebeimer Rat. irt am 10. Dezember 1890 in Szombatbelv. Komitat Bas. der enaeren Heimat seiner Familie geboren. Seine Hochschulstudien absolvierte von Bardosiy an den Universitäten Budapest und Berlin 1912 promovierte er in Budapest zum Dr. tut. 19'3 tritt er den Staatsdienst im Ministerium für Kultus unb Unterricht

Ein überzeugender Beweis

as. Berlin, 21. März. (Eigener Drahtbericht unserer Berliner SchristleitunL.) Der deutsche Großangriff auf Lon­don, über den wir gestern bereits berichteten und an dem, wie Reuter schreibt, mehrere hundert Bomber teil« genommen haben, zerstörten nicht nur Lagerhäuser, Fabriken, Werften und Gasometer, er zerschlug auch gründlich englische Illusionen. Immer wieder versicherten ja englische Zeitungen und ausländische Korresponoenten in London, daß man endlich ein absolut sicheres Abwehr- mittel gegen die deutschen Nachtangriffe gefunden habe. Immer wieder pries man die englischen Nachtjäger, die äußerst wirksame Angriffsmethoden entwickelt haben sollten. Nun widerlegten zwar schon die schweren deutschen Angriffe auf Liverpool, Glasgow und Hüll solche englischen Sigita« tionslügen, doch stellte man noch am Mittwoch in England mit Befriedigung fest, daß die Deutschen London bisher ver­schont hätten. Man wollte glauben machen, daßd i e neuen V e r te i d i gun g s m i 11 el die Deutschen abhalten, die Herrschaft im Londoner Luft­raum an sich zu reihen. Der deutsche Angriff, der wenige Stunden nach der Verössentlichung dieses Londoner Wunschtraumes über die englische Hauptstadt hereinbrach und von dem alle deutschen Flugzeuge unver­sehrt heimkehrten, hat auch diese Illusionen endgültig zu­schlagen.

Das hält allerdings die Engländer nicht ab, nach einem neuen Trost zu suchen. Der Luftfahrtkorrespondent der Daily Mail" versichert diesen Trost mit der Meldung von einem ganz neuen Jagdflugzeug, das allerdings erst gebaut werden soll. Englische und amerikanische Kon­strukteure hätten sich zusammengetan und ein Jagdslugzeug enlworsen, das mit seinem gewaltigen Aktions­radius geradezu den Luftkrieg revolutionieren würde. Es

New York, 20 März. Nach dem schweren Schlag in der Nacht zum Donnerstag hatte London, einer Meldung der Agentur Asiociated Preß zufolge, in den Nachmittags- stunden des Donnerstag erneut 2uftaIarm. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Ferner hat die deutsche Luftwaffe, wie der Londoner Nachrichtendienst berichtet, int Lause des Donnerstag je eine Stadt an der Südküfte, sowie an der Südost - lüfte angegriffen. Es feieneinige Verluste" zu beklagen, auch sei Sachschaden angerichtet worden.

Sämtliche Nev Yorker Mittagsblätter bringen ausführ­liche Schilderungen über den Nachtangriff auf London, der von der hiesigen Presse allgemein als schwerster des Jahres bezeichnet wird

Der Korrespondent von United Dreh schreibt, dah am Donnerstagmorgen immer noch Bergungsmannschasten, unterstützt von Freiwilligen, fieberhaft die Trümmer der zerstörten Gebäude durchsucht hätten. Wellen deutscher Flug­zeuge hätten während der Nacht Tausende von . Bomben geworfen. Stundenlang habe das Gekrache der Bomben und das Gebelle der Flakartillerie die Stadt zu einem Inferno gemacht. Nur ab und zu habe man das Motorengeräusch britischer Jagdflieger hören können. Tausende von Brandbomben seien allein in ein bestimmtes Gebiet (die Docks) gefallen. Die Brände, die ein Gebiet von 30 bis 40k Quadtatmeilen erleuchtet hätten, [eien schlimmer gewesen als irgend einer seit dem Angriff vom 29. September. Das britische Luftfahrt- und das Innenministerium hätten zugegeben, dah das Verkehrswesen sowie die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserversorgungzeitweise beeinträchtigt" waren. Kurz nach dem Angriff fei der Himmel voller Leuchtfackeln, krepie­render Granaten und Leuchtkugeln gewesen Die Außen- bezirke hätten die Hauptlast des Angriffes aushalten müssen. Eine dichtbevölkerte Gegend (das Hafenviertel), die Bereits früher Gegenstand von Massenangriffen war. sei schwer betroffen worden Teilweise seien ganze Reihen von Gebäuden vernichtet worden. Vier Bomben hätten ein achtstöckiges Gebäude getroffen Drei Luxushäuser in einer vornehmen Straße seien durch Feuer vernichtet worden.

Ein weiterer United-Preh-Bericht sagt, daß die Lon­doner Donnerstagfrüh mit roten Augen zur Arbeit gegangen seien. Müde Feuerwehrleute seien zu ihren Stationen zurück­gekehrt und Luftschutzwarte taumelnd vor Erschöpfung zu ihren Revieren gegangen. Aufräumungs- und Spreng« lolonnen hätten gefährliche Mauern getroffener Gebäude niedergelegt. Ganze Gebiete hätten wegen Ein­sturzgefahr abgesperrt werden müssen. Viele Ver­kehrsmittel seien auf der Strecke liegengeblieben, da die Straßen durch Trümmer versperrt waren. Zahlreiche Lon­doner hätten in den Morgenstunden feststellen müssen, daß ihre Arbeitsstätte beschädigt oder zerstört war, un> sie somit arbeitslos geworden waren. So sei ein

großes Warenhaus völlig ausgebrannt. In einem anderen Stadtteil sei das Druckereigebäude einer Zeitschrift getroffen worden, die bereits bei anderen Angriffen in Mitleidenschaft gezogen war.

Fünfstündiges Feuer est ohne Unter'rechung

«Fünf Stunden lang hat sich ein Feuerfest über London abgespielt, das auch keine einzige Minute unterbrochen wurde", so meldet der Korrespondent vonStockholms Tid- ningen. Bomben allerschwersten Kalibers wurden abge« worfen und augdtdem Tausende von Brandbomben, die viele Feuerherde an,zündeten. Ganze Stadtviertel bebten stunden­lang. An einer Stelle, wo eben noch Gebäude standen, war einen Augenblick später schon ein freier Platz. Als schließlich wieder Ruhe eintrat, do kam sie fast wie eine physische Läh­mung über die Stadt. Die Nacht hat Tod und Verderben über ganze Stadtteile Londons (die Hafen- und Industrie­viertel) gebracht. Als der Morgen graute. lagen Hunderte van Gebäuden in Ruinen Die deutschen Bomber waren von allen Seiten über die Stadt eingeflogen.