Wiesbadener Tagblatt
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Nr. 28
89. Jahrgang
Montag. 3. Februar 1941
Dunkle Ahnungen in England
Das britische Echo der Führer-Rede
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6 Ausgaben Unterhaltungsbeilage
Blutige Unruhen in Wa'iristan
Kabul, 2. gehr. In verschiedenen Ortschaften des nordwestindischen Hochlandes W a z i r i st a n kam es wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen den aufständischen Waziri- Stämmen und englischen Truppen, die vor % Jahren zur endgültigen Niederwerfung des Aufstandes in Waziristan zusammengezogen worden waren. Es gab zahlreiche Tote und Verwundete auf beiden Seiten.
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Ein Artikel der „Times" zeigt, daß die deutsche Luftwaffe den Engländern nicht geringe Sorgen bereitet. Das englische Blatt muß nämlich nach einigen recht allgemein gehaltenen Sätzen zugSveu, daß „die Lustmacht ::r.: ernstliche Bedrohung der Seemacht dar stellt, so geschickt sich diese auch auf die neuen Verhältnisse einzustellen und so eng sie auch mit ihrer eigenen Luftmacht zusammenzuarbeiten vermag." Die „Times erinnert dabei an die so unerfreulichen Erfahrungen, die England in der Straße von Sizilien machen mußte. Hier hätten allerdings die Engländer erneut erkennen müssen, wi« gefährlich es für sie ist. sich den Angriffen der deutschen und der italienischen Luftwaffe auszusetzen.
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„Was hat BuNit Frankreich gesagt?"
Eine amerikanische Zeitung macht stch Gedanken — Er nnernngeu an die Doppelrolle des USA.-Botschafters in London im Weltkrieg
„Wir werden einen Krieg erleben, wie er noch nie in der Wett stattfand"
Blutige Zufammenstöhe in Südafrika
Polizei wirst Träuengasbomben — 140 Verletzte
Aus solchen Äußerungen können die Engländer keinen Trost entnehnen. Deshalb spielen in der englischen Agitation die Versprechungen für die Zeit nach dem Kriege eine um so größere Rolle. ,L6ir mögen es wollen oder nicht", so erklärte Minister Dalian, „nach dem Kriege wird es eine neue Welt geben, die sehr verschieden von der alten sein wird." Dazu kann man nur sagen, daß es also auch in englischen Hirnen langsam dämmert. Rur wird die neue Welt nicht von den Hem-schaften gestaltet aerh»n. die das vlutokratischen England regieren. Die soziale Welt, so bat der Führer sestgeftellt, wird am Ende die siegreiche sein.
Der firieg der Zermürbung
Von Konteradmiral Gabow
Der flüchtige Triumph über den Erfolg in der libyschen Wüste hat Englands Aufmerksamkeit nicht von den Haupt- * sdrgen abzulenken vermocht. Was bedeuten Sollum und Barbia, wenn die City in Trümmern liegt, die Westhäfen „völlig ohne Geschäft" sind, wie der USA.-Konsul aus Southampton meldet, und über den Jndustriewerken Zerstörung und Rohstoffmangel herrscht! Der Regierungsapparat versucht, der Not organisatorisch zu begegnen: Ausschüsse für Beschleunigung der Produktion, für Regelung der Finanzfragen, für Erhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugung gehen nach bewährtem Muster ans Werk, um die Kritik von den Regierungsstellen abzuleiten, und ein Admiral ist er- na rt als „Oberbefehlshaber für Lieferungs- und Trans- vo. wesen", d. h. als Sündenbock für die Admiralität, wenn sie ihre Aufgabe auch weiter nicht erfüllen kann. Man verlangt von ihm die Eigenschaften Nelsons.
New Aork, 2. Febr. In einem Leitartikel des New Bork Daily Mirror" heißt es: „Was hat Bullit Frankreich nun. wirklich gesagt?" In der Vernehmung vor dem Äus- Ichuk des Unterhauses habe Bullit behauptet, er habe Frankreich keilwn Grund zur Annahme aegeben. daß die Vcr- slnlgten Staaten zu Hilfe kommen würden. Ganz ausführlich batte er.den bekannten Brief Daladiers an Roose- v.e lt bei. stch, und ebenso zufällig batte der Vorsttzende Bloom «nen^vrivaten Brief Bullits vor fick liegen, den Bullit vor suni wahren an Vizestaatssekretär Moore geschrieben haben will. Bullits angeblicher Brief an Moore sei viel zu alt. um irMnbetwas zu beweisen, und bei Daladiers Brief sei es merkwürdig, daß er ihn spontan an Roosevelt geschrieben haben soll.
Im letzten Weltkrieg hatten wir in London einen Bot- Wjter.jo fährt der Leitartikel fort, der dem Foreicm Office ermie Warnungen aus Washington übermittelt bat und gleichzeitig privatim sagte, man möge ne ignorieren. Haben wir diesmal einen Botschafter in trrankreich gehabt, der das
Land offiziell warnte, keine Hilfe von den Vereinigten Sraa- ten.zu erwarten,.aber gleichzeitig durchblicken ließ, daß geschickte Manipulationen uns doch hinein b r i n g e n könnten. Die amerikanischen Korrespondenten in Bordeaux wurden kur, vor dem Waffenstillstand hellhörig und mißtrauisch, als Reynaud alles auf die Karte seiner giwgaufgemachten Botschaft an Roosevelt setzte. Diese Korrespondenten wußten, daß kein amerikanischer Präsident eine so ent icheidende Antwort geben konnte, wie ne in dem Augenblick erforderlich war. um den französischen Widerstand aufrechtzuerhalten. cte konnten keine andere Erklärung finden, als daß irgend lernand Reynaud zu der Annahme veranlaßt hatte,,er konnte eine solche entscheidende Antwort bekommen, und He konnten in diesem jemand niemand anderen ver- muten, als unteren Botschafter. Über die Doppelrolle unseres Boffchatters Page in London erfuhren wir erst nach Be- kyrdignng des Weltkrieges. Sollten wir uns. bevor wir einen neuen Krieg riskieren nicht erst genau von der Rolle über» zeugen, die Bullit in Paris gespielt bat?
Frie-ensverhandlunqen in Tokio
Die Bedingungen des Waffenttillitandsvertrages zwischen Thailand und Französtsch-Jndochina.
Tokio. 2. Febr. (Ostasiendienst des DNB.) Nack Abschluß des Wafienstillstandsabkommens zwischen Thailand und Franwiiich-J n d o ch i n a gab die javanische Delegation, die die Vermittlung durchaeführt hatte, am Samstagmorgen eine Erklärung ab. die sich mit dem Inhalt des Abkommens befaßt. Danach besteht das Abkommen aus zehn A'tikeln. di. u. a. die beiderseitige Zurückziehung oer Truppen. Einsetzung einer Polizeiverwaltung in der entmilitarisierten Zone und Festlegung einer Demarkationslinie zu Sanbe. zu Wasser und in der Luft vorsehen. Ein weiterer Artikel regelt den Austausch der Gefangenen.
Die Delegationen Thailands und Fran.'öjiich-Jndochinas iur d,e Friedenskonferenz werden in den nächsten Tagen in Flugzeugen. die von Jovan zur Verfügung gestellt werden, nach Tokio fliegen. Die Friedensoerhandlungen werden vor- ausstchtlich im lavanifchen Außenministerium geführt.
daß die amerikanische Hilfe zu spät kommen könnte. So gestand der amerikanische Marineminister Knox ein, daß ihm diese Gedanken große Sorgen bereiten. Bemerkenswert waren auch seine Worte, daß England noch nicht in der Lage gewesen sei, neue erfolgreiche Eeleitzugmethoden zu finden, oder auf andere Weise der kl-Boot-Gefahr Herr zu werden. Auch die ausländischen Korrespondenten in London weisen in ihren Berichten immer wieder ganz besonders auf die Bedeutung der U-Boot-Gefahr hin. Sie unterstreichen dabei, daß diese Gefahr für England um so größer ist. als ja England seine Hoffnungen auf die amerikanischen Lieferungen setzt.
So knüppelt England Indien nieder
Moskau, 2. Febr. Einer Meldung des indischen Blattes „Hindustan Times" zufolge, die in der TASS, wiedergegeben wird sinb nach den statistischen Angaben, die von dem Komitee des Indischen Nationalkongresses für die Provinz Bandschab veröffentlicht worden sind, in der genannten Provinz bis zum Oktober des vergangenen Jahres etwa 600 Personen auf Grund desEesetzes über die Verteidigung Indiens verhaftet worden. Unter den Verhafteten befinden sich sechs Mitglieder der Gesetz
gebenden Versammlung der Provinz Panbschab und fünf Mitglieder des Vollzugskomitees des Provinzialkongresses von Pandschab.
Hiernach versteht man, wenn die Leute in England nur flüchtig nach Nordafrika blicken, die Fleischrationen bis zur Unsichtbarkeit schrumpfen und die Hilferufe an die USA. nach Rohstoffen und Kriegsgerät sich verdoppeln. Wie steht es mit der Rohstofflage?
Englands einziger heimischer Reichtum ist die Kohle. Für Industrie, Hausbrand und Großausfuhr war immer reichlich da, aber ander Länder, wie Deutschland und USA., für kurze Zeit auch Polen, liefen an England mit der Erzeugung vorbei, schafften mehr, arbeiteten moderner und nahmen ihm seine Kunden weg. Die englische Ausfuhr sank auf die Hälfte herab, die Seefahrt stellte sich um auf 61, Arbeitslosigkeit zog ein in den Kohlenrevieren, ihre „Rationalisierung" scheiterte am Konservatismus, und heute gibt es weder Kohle genug für Hausbrand, noch entlastet die Ausfuhr die Devisenlage. In den Bergwerken fehlt das Grubenholz, seit die nordischen Lieferungen ousblieben, Ersatzversuche mit Betonstempeln mißlangen. Aus dem Reichtum wurde eine Sorgenquelle.
Um beim Holz zu bleiben: England ist seit 200—300 Jahren ein baumarmes Land mit etwas über 5 Prozent waldbestandenem Boden. Den Eichenbestand fraßen die Segelflotten, für den Rest sorgte die Park- und Weidewirtschaft des Großgrundbesitzes. Dörflicher Forstbesitz ist unbekannt. Eine Aufforstung wurde versucht nach dem Weltkriege und versagte, wie alles, was eine autoritäre Staats- und Wirtschaftführung verlangt. Die Einfuhrabhängigkeit be- träflt 93 Prozent, davon sind 72 Prozent aus den nordischen Ländern fast völlig verloren. Der Rest soll vor allem von Kanada (int Winter über Vancouver und Panamakonal) hereinkommen, das ist teuer und weit und muß unsere Hilfskreuzer und U-Boote passieren. Es fehlt an Gruben- und Bauholz, letzteres doppelt fühlbar bei den Zerstörungen und
Stockholm, 2. Febr. Der englische Nachrichtendienst meldet aus Johannesburg, dort sei es in letzter Zeit des öfteren zu Unruhen unter der Bevölkerung und zu Zusammenstößen in den Straßen der Stadt gekommen. Größere Zusammenstöße hätten sich erst, gestern vorwiegend int Zentrum der Stadt ereignet. Die Polizei habe, um die Menschenmassen auseinanderzutreiben, Tränengasbomben geworfen und von ihrem Gummiknüppel Gebrauch gemacht. Nicht weniger als 140 Verletzte seien ins Hospital eingeliefert worden.
Wenn das der Londoner Nachrichtendienst schon zugibt, der stch in solchen Berichten einer sprichwörtlichen „Zurückhaltung" zu befleißigen pflegt, kann man sich ein Bild davon machen, wie es unter britischer Herrschaft im Oranje-„Frei- ftaat“ in Wirklichkeit zugeht.
Mit Panzerautos gegen Zivilisten
New York, 3. Febr. (Funkmeldung.) Associateb Preß berichtet aus Johannesburg (Südafrika) Einzelheiten über die Unruhen. Danach brachen diese bereits am Freitag in der Provinz Transoal aus und konnten erst am Sonntag durch Truppen und Polizeiverstärkungen unterdrückt werden. Die Unruhen, die angeblich nicht auf andere Orte uberge- griffen hoben sollen," begannen mit dem Angriff v o n Militärurlanbern auf Mitglieder des republikanischen und antibritischen Verbandes Osiewabrandwag, der eine nicht politische Versammlung in aller Ordnung durch- gesührt hatte. Die an ihren Bärten kenntlichen Mitglieder der Organisation wurden danach Opfer tätlicher Angriffe seitens der Soldaten. Am Samstagabend flammten bie Unruhen wieder auf, als Soldaten einen bärtigen Mann in einer Straßenbahn überfielen. Bald danach entwickelten sich an vielen Stellen wahre Straßenschlachten. Die Polizei konnte nicht verhindern, daß Soldaten die Fensterscheiben des Zeitungsgebäudes des „I r a n s o a a I e r“ mit Steinen bewarfen. Das Büro der Zeitung „V a d e r l a n d", die Hertzog gehört, wurde ebenfalls beschädigt. Auch zahlreiche Kraftwagen und Schaufenster wurden zerstört. Nach Wiederherstellung der Ruhe fuhren noch stundenlang Panzerautos durch die Straßen.
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as. Berltn. 3. Febr. Während die englische Presse zunächst so tat. als ob Tiie Führer-Rede Großbritannien überhaupt nicht berührt habe, da es sich nur um die „üblichen Großsprechereien" gehandelt habe, während die „Times" >o- @ar meinte, die ganze Svortvalastkundgebung habe einen „defensiven Charakter" gehabt, zeigen die letzten Reden englischer Minister, wie sehr man bie „gewal t i yste Kriegsmaschine" fürchtet. Herr D a 11 o n beispielsweise erklärte seinen Landsleuten: „Ein jeder in unserem Land kann in aller nächster Zukunft große persönliche ~ fahren erleben, wie das nie zuvor der Fall gewesen ist. dem Minister für die wirtschaftliche Kriegsführung g
Der deutsche Wehrmachtbericht meldete als Ergebnis des 2. Halbjahres 1940 bie Vernichtung von 190 000 Tonnen britischer Kriegsschiffe. Seit Kriegsbeginn sind das über 300 000 Tonnen von einer Flotte, die mit 1350 000 Tonnen in den Krieg eintrat und sich vielleicht durch Neubauten auf rund 1500 000 Tonnen ergänzte. Davon fehlen also jetzt 360 000 Tonnen oder 20 Prozent. Allein an Zerstörern beläuft sich der Abgang seit Kriegsbeginn auf 40—50, und von den USA.-Booten hört man, daß Re erst teilweise abgeliefert wurden, gründlich neu ausgerüstet werden müssen, lind daß Besatzungen knapp find. Zerstörer sind die Seele des Handelsschutzes, und der britische Seehandel verlor aufs neue in diesem Halbjahr 3,9 Mill. BRT., nachdem die Versenkungen bis zum Sommer bereits 4,986 Mill. BRT. ausgemacht hatten. Das sind weit über 8 Mill. BRT., dazu konnten im Sommer 1,5 Mill. BRT. und jetzt wieder über 2 Mill. BRT., zusammen 3,5 Mill. BRT. als „beschädigt" verrechnet werden. Beschädigung bedeutet Ausfall für Zeit oder dauernd; im ersten Falle muß repariert werden, und die größte Schiffsreparaturstelle war Cardiff. Cardiff ist zerstört.
dem Minister für die wirtschaftliche Kriegsführung gesellt sich der Erste Lord der Admiralität, Alexander, der seinen Zuhörern sagte: „Unabwendbar naht der Tag, an dem bie gewaltigste Kriegsmaschine, die die Welt jemals iah, gegen uns mit ihren ganzen Kräften eingesetzt werden wird." Jenseits des Ozeans stimmt, wie immer, der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King in das von England angegebene Lied ein: „Wir können damit rechnen, io führte er aus, einen Krieg zu erleben, wie er noch niemals in der Welt ftattfanb.“ Nicht minder kennzeichnend ist es, daß dec neue britische Botschafter in Washington. Lord Halifax, auf baldige Verabschiedung des Rooseveltschen Englandbilfe- gesetzes drängt und dabei nicht einmal vor einem Eingreifen in Sie Kongreßoer Handlungen zurückschreckt, wobei er einiges, aber keineswegs angenehmes Aufsehen erregte. Überhaupt ist festzustellen, daß sich der Druck Englands auf di.e USA. weiter verschärft. Offenbar steht auch mit hftser gewünschten Beschleunigung der Verhandlungen über das Pump- und Leihgesetz bi? Znrückberusung Will- t i e 5 nach Amerika in Zusammenhang. Willkie. über denen Aufenthalt die Londoner Prelle io ausführlich berichtete, et ausgefordert worden, schleunigst nach den ÜS9t. zuruckzn- fehren, um Bericht zu erstatten. Man fürchtet tn den USA.,
e. ScheUenderg'sch- Su^lnuteret, „Zagblatt=$aes- Mückentlick
gemipre(6et«6amnKl.’Jlr 59631 Drahtanschrift: Zagblatt Wiesbaden.
Postscheckkonto Frankfurt a. M Nr. -405. einet täglichen
