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Wiesbadener Tagblatt

Verlag

89. Jahrgang

Nr. 18

Mittwoch, 22. Januar 1941

Maltas schwerste Stunden

Die Eindockung der stark beschädigtenIllustrious unmöglich gemacht

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Der Mittelpunkt des Mittelmeers

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Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 7 Rvf., der 86 Millimeter breiten Spalte im Wertteil 60 Rpf-, sonst laut Preisliste Nr. 9, Nachlüsfe nach Preisliste skr. 9. - Schlutz der Anzeigen-Annahme 91/« Uhr vormittags.

günstigere Lage versetzt werden könnten. Die nächsten Wochen würden jedoch für die Lage der britischen Strettkräfte Mittelmeer schwierig sein.

Zwischen Wüste und Meer

Von unserem römischen Vertreter Dr. Gustav Eberlein

Die Engländer sind böse auf die italienischen Achtungen, die Rooseveltumerikaner sind böse, gewisse Neutrale sind böse, eines aber kann der italienischen Presse niemand vor­werfen: daß sie zimperlich wäre. Sie nennt das Kind beim Namen und chmen Misterfolg nicht einen glorreichen Rück­zug. Sie weigert sich ganz entschieden, die grellen Stickvor­lagen, mit denen seinerzeit die Firma Chamberlain und Churchill, ff. Lügengespinste en gros, die Welt über­schwemmte. auszufüllen. Da war das norwegische Muster: Hitlers gröhter strategischer Fehler. Dann das belgisch- holländische. wurde gern gekauft: eine deutsche Verzweif­lungsaktion. Oder darf ich der Dame ein Kistchen Dünkirchen vorlegen: einer der größten Siege der englischen Geschichte.

Und nun macht dieses eigensinnige Italien von den schönen Schablonen einfach keinen Gebrauch! Lehnt sie in Bausch und Bogen ab! 2a. der erste Radio io rech er und -er- lauterer, einer der grasten italienischen Publizisten, der Hauptschriftleiter Giovanni A n s a l d o. ist in Wort und Schrift gegen jeden Beschönigungs- und Bagatellisierungs- versuch auf getreten.Nein, der Fall von Bardia bedeutet einen bemerkensnxrten Erfolg der britischen Waf­fen. Wir haben zu groste Achtung vor uns selbst, um den Fall von Bardia als unbedeutend hinzustellen. Bardia ist von beträchtlicher Bedeutung für das Verteidigungssystem der Cyrenaika. Wir ziehen es vor. ganz offen unsere Ansicht zu sagen."

Gewitz bildet..der Rückschlag im Rahmen des weltum-

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am Kai angetroffen wurde, die Vermutung nahelegt, daß der Flugzeugträger auf Grund geraten ist.

Von englischer militärischer Seite werde, wieNya Dagligt Allehanda" mitteilt, erklärt, daß die britischen Streitkräfte im Mittelmeer jetzt in aller Eile eine neue Taktik entwickeln müßten, um den deutschen Kampffliegern begegnen zu können. Und dennoch halte man in London neue weitere Verluste für unausbleiblich. Man hoffe allerdings, datz durch die Anwendung einer neuen Tak­tik die britischen Streitkräfte im Mittelmeer in eine

Bevin versucht zu kopieren

(Eigener DrabtberiLt unterer Berliner Schriftlei 1 ung.)

freilich den Londoner Rundfunk nicht hindert, von einer sensationellen Revolution in England" zu sprechen.

Auf jeden Fall haben die Ausführungen Benins gezeigt, daß auch dieser Mann, der ja seit Neujahr Leiter des Ausschusses für die Produktion ist, die bisherigen englischen Methoden für unzulänglich erachtete. Er mutzte eingestchen, daß es nicht gelungen sei, die britische Kriegs­industrie insgesamt über den Stand vom letzten Sommer hinaus zu erweitern. Der Minister vertröstete seine Lands­leute auf die amerikanische Hilfe und versicherte, daß die englische Flugzeugindustrie nichts unversucht gelassen habe, um ihre Erzeugung zu steigern. Datz das jedoch nicht gelungen sei, klang deutlich aus der Rede heraus, wenn sich der Minister auch wohlweitzlich darüber ausschwieg, welche verheerenden Wirkungen die deutschen Angriffe auf die eng­lischen Rüstungszentren gehabt hatten, und wie sehr d-e'se deutschen Luftangriffe die englische Erzeugung beeinträch- tigen Ob es Benin gelungen ist, seine zahlreichen Kritiker zu besänftigen, bleibt abzuwarten. Der Verlauf der Unter- Haus-Aussprache erlaubt eine solche Schlußfolgerung jeden­falls nicht ohne weiteres.

2n der gleichen Unterhaussitzung wurde Churchill wieder einmal nach den Kriegs- und Friedens- zielen der englischen Regierung gefragt. Der englische Ministerpräsident zog es aber vor, diese Frage unbeant­wortet zu lassen. Er erwiderte nur, daß alle Anstrengungen auf die Kriegführung selbst konzentriert seien. Er werde sich jedoch zu den Kriegs- und Friedenszielen der Regierung äußern,wenn eine gute Gelegenheit sich dazu biete". Im Augenblick sei er nicht imstande, seinen Worten irgend etwas hinzuzufügen.

Die Kriegführung aber dürfte ihm und den Engländern überhaupt um so mehr Sorgen machen, als man in London über das, was der Führer und der Duce auf ihrer letzten Zusammenkunft besprachen, vollkommen im Dunkeln tappt Man hatte mit einer solchen Zusammenkunft nicht im min­desten gerechnet. DieTimes", zu der vorzeitig Gerüchte über diese Zusammenkunft gedrungen waren, erklärte, datz davon wohl keine Rede sein könnte. Eine solche Unter­redung passe nämlich gar nicht in. das Bild, das man sich in England von der Lage Italiens mache. Damit ist also wie­der einmal erwiesen, wie falsch die Engländer die Situation in Italien beurteilen. Ein beson­dersgut unterrichteter Korrespondent" desNews Chro- nide hatte ferner Zeitung aus Lissabon gemeldet, daß Mussolini eigentlich nur noch erwäge, wie er Italien vor dem Zusammenbruch retten könne. Dieser Mann er­klärte, es sei ausgeschlossen, daß Mussolini noch weiterhin mit Deutschland zufamcnarbeiten würde. Jetzt nach der Unterredung des Führers mit dem Duce hat sich der Wind naturgemäß gedreht. Man muß jetzt zur Kenntnis nehmen daß die Gemeinsamkeit der Kriegführung der beiden Achsen­mächte auch nicht im mindesten gescheitert ist. Ja, man fürch- tet v-elmehr m London, daß diese Gemeinsamkeit künftighin noch starker m die Erscheinung treten werde. So zeigt sich in den englischen Kommentaren eine starke Nervosität. Üan redet auch wieder mehr als bisher von der angeblich bevor sieg end en Invasion. Ein schwedischer Kor-, respondent faßt diese ganze Rätselraterei der englischen Presse über die Gesprächsthemen des Führers und des Duce unter der Überschrift zusammen:Der Kriegsschau­platz des Frühlings ist jetzt bestimmt."

Der Schrei, nachneuer Taktik"

Stockholm, 21. Jan. Die schweren und harten Schläge der deutschen Luftwaffe gegen Malta beherrschen das Gesicht der englischen Presse. Der britische Nachrichtendienst läßt kaum eine Gelegenheit vorübergehen, ohne auf die empfind­lichen Angriffe deutscher Flieger hinHuweisen. Soeben ver­merkt man wortreich die neuen Vorstöße der deutschen Luft­waffe im Laufe des 18. Januar, die offensichtlich äußer st erfolgreich gewesen sind.

Dabei verhehlt man nicht die schweren Schäden, die in Malta entstanden sind. Weiter entschlüpfte dem Londoner Nachrichtendienst am 19. Januar vormittags das Einge­ständnis, daß Malta in den zurückliegenden drei Tagen die schwer st en Stunden des ganzen Krieges durchlebt und ernsteste Schäden erlitten habe.

Um ein dickes Pflaster auf die offene Wunde zu kleben, wird dann freilich die Behauptung aufgestellt, an einem ein­zigen Angriffstag feien 15 deutsche Flieger abgeschossen wor­den. In dem Bestreben, nach oben aufzurunden, haben auch diesmal die Briten danebengegriffen. Es fei festgestellt, daß die Zahl der verlorengegangenen deutschen Maschinen sich a n einer einzigen Hand abzählen läßt.

Wie sehr diese neue Lage im Mittelmeer die Engländer durcheinanderbringt, ist auch zu erkennen aus den Wider­sprüchen ihrer Nachrichten. Gegenüber den besagten Einge- ständnissen ist es grotesk, datz Reuter über die letzten An­griffe auf Malta eisern erklärt:Schäden wurden nicht ver­ursacht . . um dann fortzufahren:. . . abgesehen von einigen (!), die unerheblich sind." Angesichts einer soliden Nervosität wundert cs gar nicht weiter, datz von den eng­lischen Verlusten im Mittelmeer keine Rede ist. Allein fünf englische Flugzeuge wurden beim letzten Angriff auf Malta abgeschossen.

Die letzten Angriffe deutscher Stukas haben den schon auf hoher See durch zwei Volltreffer hart mitgenommenen britischen FlugzeugträgerI l l u st r i o u s" in eine außer­ordentlich schwierige Lage gebracht. Die wirksamen Angriffe haben bisher eine Eindockung des beschä­digten Kriegsschiffes unmöglich gemacht, so daß der Flugzeugträger noch am Kai liegend von weiteren schweren Treffern heimgesucht wurde.

Infolge von Wassereinbrüchen war die Illustrious" wie durch Aufklärer festgestellt werden konnte bereits vor mehreren Tagen tief gesackt, was bei dem eigenen Tiefgang des Schiffes von 8 Meter und einer Hafentiefe von 11 Meter die Gefahr des Anfgrund- gehens nahebrachte. Nach den weiteren empfindlichen Schä­den. die das Schiff bei den Bombenangriffen am 19. Januar erlitten hat, baden Aufklärer gemeldet, daß die hilflose Lage, in der dieIllustrious" mit schwerer Schlagseite

as. Berlin, 22. Jan. Die Engländer haben diesen Krieg mutwillig vom Zaune gebrochen, um die Welt vorn Natio­nalsozialismus und seinen Methoden zu befreien. Je länger nun aber dieser Krieg dauert, um so mehr nationalsozia­listische Eigenschaften und Errungenschaften bemühen sich die Engländer nachzuahmen. So hat man in England gern und oft über die wirtschaftlichen Kriegsmatznahmen Deutschlands gespottet. Heute mutz man anerkennen, daß es Deutschland m vorbildlicher Weise gelungen ist, seine Arbeitskräfte recht­zeitig zu mobilisieren und einzusetzen. Jetzt versucht der eng­lische Arbeitsminister Bevin, der in der letzten Zeit beson­ders scharf in England kritisiert wurde, deutsche Methoden zu kopieren. Er verkündete im Unterhaus nämlich die Mobi­lisierung der gesamten Zivilbevölkerung des Landes für die Kriegsindustrie. Feste Formen scheint dieser Plan allerdings noch nicht angenommen zu haben, was

Die erfolgreichen Angriffe beutlet und italienischer Flugzeuge auf feindliche Kriegsschiffe int Zentrum Mittelmeers sowie auf kriegswichtige Ziele der Insel Malta haben die Aufmerksamleit in hohem Maße aus die Straße von Sizilien den Verbindungsweg des westlichen und östlichen Mittelmeers gelenkt. In stärkster Weise bedrohen hier die deutschen Stukaangrfffe die englische Position. (Weltbild-Gliese M)

Ein spates Eingeständnis

Ein wirklich heftiger Luftangriff auf Portsmouth."

Berlin, 21. Jan. Ein Berichterstatter des englischen Nachrichtendienstes kam am Dienstag auf den Zustand der britischen Hafenstadt Portsmouth zu sprechen und er­klärte. die Stadt habe vor zehn Tagen einenwirklich heftigen Luftangriff" auszuhaften gehabt. Schon seit Kriegs­ausbruch habe man dauernd auf Angriffe wie jenen vor zehn Tagen gewartet, dieser habe jedochalle Erwartungen in seiner Heftigkeit übertroffen." Der Lon­doner Lügendienst hat also volle zehn Tage gebraucht, um sich in diesem einen Fall ausnahmsweise einmal zu entern Geständnis dieser Art zu be-memen.

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