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Seife 4 Rr. 298

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 18. Dezember 1940

Wiesbadener Nachrichten

den in der Nachkriegszeit zu. lösen haben, werden, siegreicher, Beendigung des Krieges wird mit einem

widmet.

s.

Mittwoch Verdunkelung von 17.26—9.22 Uhr

der energisch eingegriffen werden müsse, um

(Nachdruck verboten)

31. Fortsetzung

bewahren.

(Fortsetzung folgt.)

Bilder aus dem alten Wiesbaden

Ein Biebricher ohrfeigt einen Türken

— Prüfungsurlanb gilt als aktiver Wehrdienst. Das Oberkommando des Heeres gibt bekannt, daß allen zur Ab­legung der Abschlußprüfung beurlaubten Studenten die Zeit des Prüfungsurlaubs als aktiver Wehrdienst anzu­rechnen ist.

— Brand eines Kraftwagens. In einem Hof der Rbein- strabe geriet aus noch unbekannter Ursache ein Kraftwagen in Brand, besonders der Führersitz wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuerschntzvolizei löschte die Flammen mit einer Schlauchleitung ab.

— Unfall. In der Adolisallee rutschte eine ältere Frau so unglücklich aus. daß sie sich einen Oberschenkelbruch zuzog und ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. -

Große Aufgaben

Fremdenverkehrsarbeit nur unter grogdeutschen Gesichts« vunkten

Geschäftliches __________

,Außer -Heraniworiuug der Schrif,lenung>

Grütze der Gemeinschaft

Für jeden Soldaten ein Weihnachtspäckchen der Partei

Unsere Soldaten und ihre getreuen Kameraden vom Reichsarbeitsdienst, von der Organisation Todt, von der Technischen Nothilfe und von der Polizei, soweit sie in den besetzten Gebieten eingesetzt sind, werden zum größten Teil Weihnachten 1940 nicht zu Sause verleben können. Aber ihre Sieben und die ganze Heimat sind nicht nur mit ihren Ge­danken und Wünschen bei ihnen, sondern wollen ihnen das Gefühl der Dankbarkeit und Verbundenheit auch durch die weihnachtliche Tat zum Ausdruck bringen. Über die unend­liche Vielzahl von Feldvostpäckchen, die von den Familien selbst an die Front gingen, konnte man sich in diesen Tagen aus jedem deutschen Postamt unterrichten. Die Feiergestal­tung draußen haben die Wehrmacht und für die übrigen Organisationen die dafür zuständigen Stellen übernommen. Dazu hat nun die NSDAP, noch eine große Weihnachts- oftton unternommen, aus der jeder Soldat und gleichgestellte Ginberufene ein Weibnachtspäckchen der Partei bekommen wird.

Im Auftrag des Stellvertreters des Führers hat die NSV. ihre bewährte und erfahrene Organisation in den Dienst der Sache gestellt. Mit Silse von Sonderkontingenten wurden die benötigten Gaben im Großen zentral eingekauft und gleich von den Lieferanten über die Kreise in die Orts­gruppen geleitet, wo alsbald ein eifriges Päckchenvacken be­gann. Viele Millionen von Weihnachtsväckchen der Partei Und io zustande gekommen. Sie enthalten nützliche und an­genehme Sachen. So wurden z. B. rund 160 Millionen Rasierklingen, ir Millionen Zigaretten. 15 Millionen Zigarren. 25 Millionen Rollen Drovs, 8 Millionen Päckchen getrocknete Früchte, 9 Millionen Pakete Lebkuchen zu je 200 Gramm und nicht zuletzt für rund 3 Millionen RM Bücher und Zeitschriften in die Päckchen getan. Der Orisgruvven- leiter der Partei, der die Soldaten seines Bereiches durch feine Blockleiter kennt, tritt auch, mit einem persönlichen Grußwort. als Absender der Weihnachtspäckchen in Erschei­nung.

Tarnungen unerwünscht

Behelfslieferwagen werden überprüft

Der Reichsverkehrsminister bat festgestellt, daß. vielfach Behelfslieferwagen nicht für echte kriegswichtige Transportbedürfnisse benutzt werden, sondern häufig überwiegend zur Beförderung von Personen dienen. Reine Personenfabrten werden u. a. dadurch ge­tarnt. daß Pakete. Körbe usw. mitgenommen werden, die aber mühelos durch öffentliche Verkehrsmittel befoiberi werden könnten. Vielfach verbleiben diese Gegenstände auch ständig zur Tarnung im Wagen. Andererseits ist feftoenem worden, daß noch viele Kleinlastkrastwagen. beson­ders Dreiradwagen, mit einer Nutzlast unter einer Tonne stilliegen. Diese Kleinlastkraftwagen baden gegen­über den Behelfslieferwagen und den Personenkraftwagen mit Anhänger den Vorteil, daß Nutzlast und Laderaum größer und der Kraftstoff- und Reifenverbrauch geringer sind. Sie sind also, volkswirtschaftlich gesehen, erwünschter. Außerdem bieten sie eine größere Sicherheit „ gegen miß­bräuchliche Personenfabrten. Aus diesen Erwägungen bat

Hu.Len, Fröjteln, rauhrr Hals, Heiserkeit, Schnupfen, Kopfschmerzen sind meist die Anzeichen beginnender Erkältung, die bei Vernachlässigung leicht zur Grippe führen kann. Es ist deshalb ratsam, sofort folgende Schnellkur anzuwenden: ..

Kurz vor dem Zubettgehen ober im Bett möglichst heiß 1—2 Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist unb 1—2 gestrichene Eßlöffel Zucker mit etwa der hoppelten Menge kochenben Wassers gut verrührt trinken unb bann schwitzen! In hart­näckigen Fällen wirb diese Anwenbung 1—2mal — abenbs — wiederholt. Zur Nachkur, und um Rückfällen entgegenzu­wirken, nehme man nach einige Tage, und zwar 2 -3mal täglich, einen Teelöffel Klosterfrau-Melissengeist in einet Tasse Pfefferminz- ober anberent Tee.

Machen auch Sie einmal einen Versuch! Den bekannten Klosterfrau-Melissengeist in bet blauen Packung mit ben brei Nonnen erhalten Sie bei Ihrem Apotheker ober Drogisten in Flaschen zu RM. 2.80. 1.65 unb 0.90 (Inhalt: 100, 50 und 25 ccm). Vergessen Sie 'ihn nicht bei Ihrem nächsten Einkauf! Die Wirkung van Klosterfrau-Melissengeist wird Sie gewiß befriedigen.

— Formationsurlaub der HI. Die Reichsiugendführung der NSDAP, teilt mit: Der Weihnachtsurlaub Sämtlicher Formationen der Hitler-Jugend dauert vom 23. Dezember 1940 bis 2. Januar 1941 einschließlich. Wahrend dielet Zeit fällt jeglicher HJ.-Dienst aus. Durch eine Besitzung der Dienststellen der HI. ist auf Anordnung der Einsatz der Hitler-Jugend für besondere Aufgaben gewährleistet.

— Wo werden die Marschallstäbe der Generalseidmar­schälle hergestellt? In der Stadt der Gold- und Silber­schmiede. in Hanau. Hier befindet fick auch das Denkmal der Gebrüder Grimm, die aus dieser Stadt stammen. Und so steckt unser Rhein-Maingau voller Merkwürdigkeiten Man blättere nur einmal in dem soeben erschienenen K d F. - Jab re sheft das mit dem Bilde der Pfalz be, Caub ge­schmückt ist und man wird staunen über die landschaftliche Vielfalt, eine reichen Güter aus Geschichte und Kunst Aber auch die Arbeit ist nicht vergessen: Heinlesi bei. Hochheim. Schieferbergbau im Taunus, die einsame Muhle „im Uiatgl, ein Marmorbruch bei Limburg. Westerwalder Topserbande. der oberbessische Bauer hoch zu Roß. Eine Seite 'n diesem überaus reichhaltigen Heft, das eine schone Weihnachtsgabe von „Kraft durch Freude" darstellt. ist Wiesbaden ge-

der Reichsverkehrsminister unter dem 9. 12. 1940 angeord­net. daß die Zulassungsstellen die als Behelfslieferwasen zugelassenen Fahrzeuge überprüfen. Hierbei sind An­regungen der Wirtschaftsämter und der Rustungskom- mandos zu berücksichtigen und die betreuenden Organi­sationen (Industrie- und Handelskammer. Handwerks­kammer usw.) gutachtlich zu Horen. ~ f ,,

Das Ziel der Überprüfung ist. alle dieienigen Behelts- lieferwagen und Personenwagen mit Anhängern auszu- toalten. die nicht überwiegend kriegs- und lebenswichtige Transporte durchführen. Die dann noch verbleibenden Fahrzeuge sollen nach Möglichkeit, durch Kleinlastkraft- wagen ersetzt werden. Bei den Prüfungen find alle Mög­lichkeiten von Einsparungen zu erschöpfen, und die Besitzer gegebenenfalls auf die öffentlichen Verkehrsmittel, auf Transportgemeinschaften usw. zu verweisen. Für die Fraget ob ein als Bebelfsneferwagen benutztes Personen­auto auf Kleinlastwagen umzustellen ist. ist ein strenger Maßstab anzulegen. Nicht befolgte Umstellung bat Still­legung der unwirtschaftlichen Fahrzeuge zur ^pliy. Bei Beschwerden entscheiden die zuständigen Bevollmächtigten für den Nahverkehr. Diese haben bis zum 1. 4. 1941 einen Bericht über die Umstellungsaktion vorzulegen.

Kürzlich tagte in Wien der Reichs f remdenver- kehr sver band. Der dieser Gelegenheit nahm sein Präsident. Staatssekretär Hermann Esser. Stellung zu den Problemen, die die deutschen Fremdenverkebrsgemein- den in der Nachkriegszeit zu lösen haben werden. Nach ftegreicher Beendigung des Krieges wird mit einem gewal­tigen Ansteigen des Reiseverkehrs zu rechnen ieih. Das bringe, wie der Staütssikretar ausfuhrte. auch neue. Orga­nisationsformen für die Fremdenverkehrsarbeit mit n». Diese Fragen werden rechtzeitig ihrer Losung entgegen» geführt werden. Die Bemühungen, die Einrichtungen..des großdeutschen Fremdenverkehrs ohne großen Schaden über die kriegsbedingten Schwierigkeiten hinwegzubringen. waren bisher von Erfolg begleitet. Staatssekretär GH er stellte fest, daß es in der Fremdenverkebrspolitik nur den gesamt­deutschen Gesichtspunkt gebe, denn der Fremdenverkehr lebe nur vom Austausch untereinander. • Fremdenverkehrsarbeit. so betonte er. bat nur dann ihren richtigen Sinn, roenn Re vom großdeutschen Gesichtspunkt aufgefaßt und ausgeubt wird. Es wird die große Aufgabe der kommenden Zeit fein, bei allen Stellen, die sich die Forderung der Fremden- oerkebrsarbeit angelegen fein lallen, das notwendige Ver­ständnis für Zusammenarbeit unb FörderungsbereMckcft zu wecken. Pi

Bergführer^#Ul' macht sein Glück

Roman v on Fritzi Ertler

„Ja, grüß dich Gott, Hochreiter!" Einige Flößer tarnen in ihren schweren, hohen Stiefeln an den Tisch und re'chten Toni die Hand. „Fährst hinaus nach Lenggries?" frag­ten sie.

„Woll, Woll", nickte Toni.

„Willst nicht mit dem Floß hinausfahren?" fragte ein alter Flößer. „Dann könnte mein Marti in der Riß bleiben und die Arbeit mit dem nächsten Floß anfangen. Für dich ist es doch gleich, Hochreiter, ob dü mit der Post oder mit dem Floß hinausfahrst!"

Hochreiter sah auf Dr. Schorfs und Vroni. „Wollt ihr mitrnachen?" fragte er. „Wird schön fein heute auf der Isar, ist so ein klarer Tag!"

Der alte Flößer blickte auf die beiden Gäste. „Wär lieber mit dir allein gefahren", brummte er. „Mußt halt noch ein paar Stämme auflegen, damit sie sitzen können! Ist gach ßeit, die Isar, und hat hohes Master!"

„Wird schon gemacht!" meinte Toni gleichmütig.

Ein paar Stunden später winkten die Wirtsleute und die Gäste der Vorderriß froh einem primitiven Floße nach, besten schwere Stämme fünf Menschen isarabwärts trugen.

„Ist aber der Teufel schiach heut!" Mit aller Gewalt stemmte sich Toni in die Ruder des Floßes. Nur er, der alte Flößer und ein junger Holzknecht bedienten das ungefügige Fahrzeug.

Der Himmel war von reinstem Blau, die Berge lagen dunkel, und nahe waren die Wälder an das Geröllbett der Isar herangeschoben. Klar und hellgrün, in ungezügelter Wildheit, stürmten die Master des Bergkindes vorwärts und trieben mit dem Floß ihr übermütiges Spiel. Es war ein hartes Stück Arbeit, Die zusammengehaltenen langen Baum­stämme aus einer der zahlreichen Flußwindungen in die andere zu bringen, ohne daß das Floß an den Felsen, die da und dort die Wellen cinengten, ernsten Schaden nahm. Dann wieder knirschte das Floß trotz des hohen Wasterstandes über Geröllbänke, die mit ihren grauen Armen das Holz festhalten wollten. Toni mußte oft das Ruder verlosten und mit der schweren Axt die eisernen Floßhaken immer wieder in die Stämme treiben, um diese vor dem Auseinanderbersten zu

gehen. Frau Maria hat ja gar keine Beweise. Vroni ist nicht nur leichtsinnig, die ist auch schlau. Hier muß auf ganz andere Art geholfen werden. Sie haben dem Hochreiter einen unschätzbaren Dienst geleistet, Frau Maria."

Befreit lachte Maria und hatte doch naste Augen. Ihr wurde so leicht um das Herz, und sie kümmerte sich nicht mehr darum, was hier eigentlich im Gange war, fragte auch den Sepp nicht, besten glönzenbe Augen oen ganzen Abenb an Hochreiter hingen, der außergewöhnlich ernst war. Nur als Ferdi, ehe sie schlafen gingen, nochmals in das Zimmer des Ehepaares kam, fragte sie diesen: „Na, war es dann wertlos, daß ich mit euch in die Berge gefahren bin?“

Ganz zerknirscht kraute sich Ferdi das Haar. Sepp aber nahm feine bessere Hälfte um die Hüfte und sah lachend zu ihr auf: „Daß meine Maria etwas nicht bemerken sollte, bas gibt es ja gar nicht! Weißt du, Ferdl, wie ich stolz bin auf den Scharfsinn meiner Gattin.“

4»

Im Gasthaus zur Sorberriß faßen unter ben schattigen Bäumen bes Wirtsgartens Dr. Schorfs, Hochreiter unb Vroni plaubernb zusammen. Vroni atmete innerlich auf. Noch einen ober zwei Tage, bann reiste der Arzt. ber so burdjbringenbe Augen hatte, wieber nach Berlin ab, unb sie war mit Toni allein. Sie fieberte förmlich darnach, noch ein paar Monate hinter sich zu haben. Dem Hans würde sie ausweichen, wenn sie nach Bad Tölz kam, er durfte nicht ahnen, daß et ber Vater eines Kinbes war, bas Hochreiter lieben unb an sein Herz nehmen würbe. ,

Dr. Schorff unb Hochreiter hatten noch etntge schwer zu ersteigende Hochgipfel gemacht. Immer banger würbe es bem Arzt ums Herz. Wenn sie oben auf ben Höhen saßen, unb ber Bergfriebe um sie war, bann konnte Toni oft von bem Kinbe zu sprechen beginnen, bas er in einigen Monaten sein eigen nennen würde. Dr. Schorfs sah, mit welch hartem Entschluß Toni seine Berge verließ, unb er war froh, baß er ihm wenigstens diese wieder zurückgeben konnte. Aber wie würbe Hochreiter eine neue Enttäuschung aufnehmen? Dr. Schorff mußte, baß ber Mann tief verwundet war und daß er diese Wunde stolz oerbarg. Zum zweiten Male war Hoch­reiter ber Spielball eines Weibes geworben, zum zweiten Male würbe ihm seine Ehrlichkeit auf bie häßlichste Art ge­lohnt. Hart, fast abstoßenb wirkte bas Gesicht bes Arztes. Er wtzrde di? jliupeflofe ^Betrügerin schon unschädlich machen.

Zur Zeit, da sich diele Geschichte ereignete besuchten all­jährlich Tausende bie Gewachshauier bes Biebricher Scklotz- parks. Für bie Besucher bes Parkes waren genaue Ordnungs- vorschiiften erlasten. u. a war bas Rauchen streng verboten. Die aufsichtsführenden Beamten wachten scharf darüber. Auch der neu angestellte Gartenaufleher August 2 e ibn er nahm lein Amt (ehr genau. Eines Tages taucht vor ihm ein vornehm gekleibeter Herr auf. der mtt Behagen eine Zigarre raucht. Leibner wußte nächt, baß'es der türkische Gesandte Arisiarchi Bey war. Er war mit bem herzoglichen Gartenbaubirektor Tbelemann befreunbet und leitete baraus wohl bas Recht ab sich über bie Besucherordnung des Parkes hinwegsetzen zu dürfen. Leibner 'orderte den Tür­ken auf. das Rauchen einzustellen oder ksin Park zu ver­lassen Der Raucher mochte eine Harnische Bemerkung und rauchte ruhig weiter. Auf die wiederholte Auisorberuns Leidners zur Beachtung ber Besuchervorschriften. warf der Türke bem GortenauHeher bie brennende, Zigarre ins Gesicht, wodurch eine Brandwunde oeruriccht wurde. Im selben Augenblick fiel eine gelaßene Chrreise auf Anstarchi Beys bafür zuständigen Körperteil und seine Brille »erbrochen auf ben Boden Weitere Auseinandersetzungen wurden von bem Türken baraufhin nW beliebt., aber e» brachte den Vorfall sofort zur Anzeige. Das Gericht war otrenbar ber Meinung, baß hier energisch eingegnfien werben müsse, um gewiste nassauische Rückständigkelten.zu beseitigen Aber der Türke machte dem Staatsanwalt die Sache durchaus nicht leicht, denn bei drei Vernehmungen sagte er ledesmal anders

aus. nur baß er bem Gartenaufseher bie Zigarre in das Ge- i (i)t ßfiLv <■ ’ : tue em i i ei'c;. nicu. -LXiIdi u) aber ein ärztliches Attest, Der Türke weigerte sich überdies, feine Aussagen zu beschwören, weil er dazu der Genehmigung seiner Regierung benötige, und der Staatsanwalt verzichtete auf besten Vereidigung als einer „iuriftinben Ungeheuerlich­keit" und beantragte für den Gartenaufseher eine Gefängnis­strafe von einem Jahre. Das Urteil wurde am 24. 7. 1868 gefällt und lautete auf einen Monat Gefängnis. Gegen das Urteil wurde sowohl vom Staatsanwalt wie vom Verurteil­ten Berufung eingelegt, und im Avril 1869 stand der ttall, der in ganz Preugen Aufsehen erregte, wieder zur. Verhand­lung, Das Berufungsgericht änderte das Urteil ab in 14 Tage Gefängnis. Bis dahin reicht die. Tragik des Ohr­feigenfalles. unb nun letzt die Komödie ein:

Der preußische Innenminister L e o n h a r bt hatte sich mit dem Falle befaßt und war wohl anderer Meinung wie die Wiesbadener Richter. Aber da es sich um einen in Preußen beglaubigten Gesandten handelt^ so wagte er nicht einzugreifen, denn das war Sache des. Ministers des Aus­wärtigen. Der hieß damals Otto v. B l s m a r d,. Ein Erlaß ber Strafe auf dem Gnadenwege war nicht möglich, ohne daß er unter Umständen am Bosporus Mißstimmung hervor- gerufen Hätte. Der Meister der Diplomatie fand auch, für solche Bagatellen den richtigen Dreh und — gab bem Türken eine zweite Ohrfeige. Was er mit bem turknchen Gefanbten roäbrenb einer Viertelstunde unter vier Augen vorhanden hat bewahrt uns bie Geschichte nicht auf: aber als „ber Türke von Bismarck schieb. Hatte er eine Eingabe an König Wilhelm I. unterschrieben, in ber er btefen bat. ßeibner zu begnadigen. Was bann auch am 21. Juni 1869 geschah —n.

Maria war am Gnbe ihrer Weisheit angelangt. Brom unb Martens? Die Bergsteiger hatten Maria nichts davon erzählt, daß sie zwischen Gertraud und dem Führer irgend­eine Verbindung vermuteten, auch im Sofbrauhaus war keine Äußerung gefallen, die Maria irgendwie.hatte auf­klären können. Martens hatte Vroni etwas gegeben. Aber was9 Maria war zu weit entfernt von den beiden gewesen, sie hatte nichts unterscheiden können. Ganz zerschlagen ging sie ber Eng zu. „Setzt hab ich immer geglaubt bie Manns- bilber sind io ein oerborbenes Gesindel“, sagte sie zornig. „Von heut ab glaub ich aber, baß bie Weiber genau so schlecht feiH 3nnben nächsten Tagen wich Vroni Maria aus so viel sie nur konnte. Aber auch Maria suchte bie Gesellschaft bes Mädels nicht mehr Sie bekam eine Wut wenn sie Brom sah unb wußte boch gar nicht, was eigentlich Martens im Leben ber Vroni für eine Rolle spielte.

Eines Abenbs horte Maria ein übermütiges „Hula-rala- rala-la" über bie Bergwiesen klingen unb fiel ihrem kleinen Sepp mit solcher Freude um ben Hals, baß es ihn samt bem Rucksack beinahe zu Boden gerissen hätte.

Vroni hielt bie Hand Hochreiters fest m ihren Händen.

Maria bat Dr. Schorff, ihren Mann unb Ottrdl mit ihr u,ch einen kleinen Abendspaziergang hinüber nach ben Almen zu macksin. Die brei Manner waren sehr ermübet von bet Tour, willigten aber ein.

Dann laßen bie vier Menschen auf einem gefällten Baumstamm, unb Maria erzählt« bie Beobachtung, bie sie gemacht hatte.

Die Augen bes kleinen Sepp würben immer runbcr. Das wirb sofort bem Hochreiter gesagt!" rief er empört " Mer Dr Schorfs wehrte rasch ab. „überlasten Sie bas alles mit!“ bat er. „Hier heißt es sehr vorsichtig zu Werke

fragen des deutschen Handwerks

Ordnung der Betriebsgemeinschaft

Wenn auch eine gesetzliche Vervilichtunng zur Bettiebs- orbnung erst bei Betrieben von mehr als 20 Gefolgschaften besteht, bedeutet das im nationalsozialistischen Staat redoch eine Selbstverständlichkeit, daß auch mittlere und kleinere Betriebe -betriebsgemeinschaftlich entsprechend. geordnet und aufgebaut werden. Die weitaus meisten dieser Betriebe sind naturgemäß beim Handwerk vorhanden. Soweit sich hier von einer Betriebsordnung reden läßt, ist sie gewisser­maßen der Ausdruck der sozialen Selbstverant.- wortung, und ihre Erstellung und Gestaltung ist frei­willig bedingt. Die bisher gemachten Erfahrungen haben erwiesen, daß sich auch beim Handwerk betriebsgemeinichaft- liches Denken und Handeln erfolgreich durchgesetzt haben, was allein schon in der Bewertung zahlreicher Betriebe als „Vorbildlicher Kleinbetrieb" usw. zum Ausdruck kommt. Es liegt in der Natur der Kleinbetriebe, daß sich hier keine allzu starren Richtlinien und Anordnungen geben lasten, da die strukturelle Eigenart der Betriebe von Fall zu <rau ganz verschieden ist. Demzufolge bat der Geietzgeber auch davon abgesehen, hier zu einer gesetzlich verankerten Bin­dung zu schreiten.

Damit nun aber allen Meistern und SBetrtebsfuhrern und insbesondere dem Ortshandwerksmeister. der sozusagen den Betriebsobmann für soundsoviele Kleinbetriebe ver­körpert. eine Richtschnur über das Wesentliche eines ge­meinschaftsverbundenen Betriebes gegeben .ist. hat die Reichsbienststelle des Deutschen Handwerks in der DAF. eine entsprechende „Anleitung zur Erstellung einer Be­triebsordnung in Handwerksbetrieben“ berausnebradit. Diele Anleitung wird sich als außerordentlich nützlich er­weisen. denn in ihr ist eindeutig und klar vermerkt, wa: in einer diesbezüglichen Betriebsordnung grundsätzlich aut» zunehmen ist. um dann in der praktischen Betätigung seinen lebendigen Niederschlag zu finden.