Wiesbadener Tagblatt
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88. Jahrgang
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Nr. 295
Samstag/Sonntag. 14./15. Dezember 1940
Sheffield ein zweites Coventry
Das Zentrum der englischen Stahlindustrie wurde vernichtend getroffen
Einseitigkeit der Verluste
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Ein einziges riesiges Flammenmeer
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Das Fest gerichteten Ä
Wöchentlich mit einer täglichen
Zeitwende
Von Heinrich Karl Kunz
lebt vor der Tür. Die in unseren Straßen auf»
Die Verluste der „Carnarvon Castle" *
Tot« und 82 Verwundete — Die Maschinenanlage war halb zerstört
Norwegens größtes Schiff auf Mine gelaufen
Rew York. 14. Dez. (Funkmeldung.) Maßgebende New Yorker Schiffahrtskreike erklärten, daß die „Oslofrord" (18873 BNT.). Norwegens größtes Schisf. vor zwei Tagen in der Nähe von New Castle auf eine Mine ausgelaufen sei. „Oslofjord", von England geraubt, befand sich aus dem Wege nach Kanada.
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von bestem Erfolg gekrönt waren. Ein wichtiges Gebiet mit zahlreichen Industrieanlagen ist in einer Ans- dchnung von 128V mal 120l?Meter vollständig zertrümmert und ausgebrannt. Ein umfangreicher Teil der Kai- und Hafenanlagen" ist eingestürzt. Ein Gaswerk erhielt mehrere Volltreffer. In dem benachbarte» Hafen von Aoonmouth konnten ähnliche Zerstörungen festgestellt werde».
Rio de Janeiro, 14. Dez. (Funkmeldung.) I» dieser Woche ist seit vier Wochen zum erstenmal wieder eia englischer Dampfer bitt erngetroffen. In der brasilianischen Vssentlichkeit wurde bei dieser Gelegenbrit das fast völlige Ausbleiben der englischen Schiffahrt im Südatlantik mit Befremden diskutiert. .Wie das englandfreundlichr Abendblatt „(Hobo“ lebt mitterlt.. hat die Royal Mail ihre Südallantikfahrt überbauet unterbrochen.
Hnjeigenpceile; Em Millimeier Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, preis 7 Rpf. der 85 Millimeter breiten Spalte Mi ieztteil 60 Rpf.. sonst sout Preisliste Nr. 9 Nachlässe nach Preisliste Nr. 9. - Schluß bet An; eigen-Annahme 9‘/. Uhr vormittags.
es. Berlin, 14. Dez. (Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Die amerikanischen Korrespondenten in England betonen in ihren neuesten Berichten, daß die deutsche Luftwaffe Großbritannien keine Atempause gewährt. Die Folgen ihrer Vergeltungsschläge könnten nicht mehr .verheimlicht werden. Die amerikanische Zeitschrift -Time" stellt dazu fest, datz der Angreifer keine Vertu st e erleide, während der Feind vernichtende Zerstörungen auf sich nehmen müsse. Gegen die deutschen Nacht- ~~2":ne, so fügt das Blatt hinzu, gebe es für England keine wirksame Verteidigung.
Wie richtig diese Darstellungen sind, zeigt die schon int gestrigen OKW.-Bericht erwähnte Tatsache, datz in der Nacht M Freitag Sheffield im rollenden Einsatz mit grösstem Erfolg angegriffen wurde. Damit ist wieder em ausserordentlich wichtiges Ziel getroffen worden. Sheffield, eine der größten Industriestädte in Mittel-England, mit etwas über eine halbe Million Einwohner, ist als Sitz der ältesten englischen Messerschmiede bekannt. Man hat es deshalb auch gelegenlich als das „englische Solingen" bezeichnet. Heute ist Sheffield der Sitz ausserordentlich wichtiger RLstungsbetriebe. Hier hat auch die Euglish Steel Corporation einen Teil ihrer i Betriebe, in denen Panzerplatten gewalzt und Ge- schützrohre hergestellt werden und zwar in Betrieben, die zu den modernsten Englands gehören. Außerdem befinden sich in Sheffield Gewehrfabriken, Eranat- drehereien und überhaupt solche Werke, die dem Bedarf des englischen Heeres, der Marine und der Luftwaffe dienen. Wenn auch die. englische Zensur sich wieder bemüht, die außerordentliche Wirkung des deutschen Vergeltungsangriffes auf Sheffield, das man als,das Zentrum der englischen Stahlindustrie ansprechen kann, nicht zutage treten zu lassen, so muß doch selbst der englische Rundfunk eingestehen, datz „eine Anzahl von Gebäuden" zerstört, datz
ieihnachtstannen erinnern uns täglich daran, und die Vorfreude unserer Kinder. Doch der Krieg gibt unsere Gedanken, die sich sonst in diesen Wochen in tausend Heimlichkeiten erschöpften, nicht frei. Weihnacht, Winterwende. wird uns zum Symbol. Wie das Jahr im Dunkel der langen Nächte zur Neige geht, so versinkt eine längst gestrig gewordene Epoche der Geschichte in eine Vergangenheit, der kein Loblied nachklingen wird. Die Welt des plutokratischen Imperialismus zerbricht in Gewittern aus Stahl und Sprengstoff. Ein grandioses, winterliches Sterben, bereits vom Licht eines neuen Jahres, eines neuen Wachsens, einer neuen Zeit überstrahlt. Von dem Glauben an ein besseres Morgen, das uns der Führer in seiner Rede umritz, von dem Glauben an den Anbruch des sozialistischen Zeitalters, in dem Deutschland leine Erfüllung und die Welt ihre Freiheit finden wird. So wächst die zweite Winterwende dieses Krieges über sich selbst hinaus zur erdweiten Zeitwende.
Montevideo, 13. Dez. Das Mittagsblatt „Tribuna Populär" teilt mit, datz laut Bericht der technischen Prüfungskommission, die die Regierung ' von Uruguay vor der nachgesuchten Verlängerung der Liegezeit des britischen Hilfskreuzers „Carnarvon Castle" eingesetzt hatte, die Zahl der Toten auf dem Schiff noch um zehn höher gewesen sei als bereits gemeldet. Sie beträgt '3 7,. während 82 Mann verwundet' wurden. Zehn uruguayische Ärzte wurden zur Betreuung der Verwundeten herangezogen. Dem Kommissionsbericht zufolge, der 200 Seiten umfasst, hatte der britische Hilfskreuzer zwei schwer« und mehrere mittlere Treffer. Die Maschinenanlage war halb zerstört. « . '
General Hertzog aus dem Parlament ausgeschieden
New Pork, 13. Dez. Der frühere südafrikanische Mi- nisteroräfident General H « r tz o g und Finanzminister Havenga sind, wie Associated Press meldet, aus dem Parlament ausgeschieden.
Slratzen beschädigt seien und daß man den Verkehr habe umleiten müssen. In den Berichten der schwedischen Korrespondenten kommt das klarer zum Ausdruck, wenn es hier heißt, „besonders schwer betroffen wurde das Geschäftsviertel, wobei es sich wohl um das östliche Viertel, dem Sitz der Schwerindustrie, handeln dürste." Das ergänzt die deutsche Meldung dahin, dass die zuletzt eingesetzten Kampfverbände etwa 60 Brandherde zählten. Wenn weiferhin in dieser deutschen Meldung an-Coventry erinnert wird, so weiß jedermann, was das zu bedeuten hat. Ausgelöscht, wie die Rüstungsindustrie von Coventry, wurde nunmehr auch die von Sheffield.
Diesen Schlag hat England hinnehmen müssen, während sich noch die Auslandspresse mit den außerordentlichen Schä- oen beschäftigte, die der deutsche Vergeltunysangriff auf Birmingham hervorrief. In London spricht man von diesen Dingen nicht gern. Wenn man schon von Bomben reden muss, dann läßt man lieber, um die Aufmerksamkeit von den großen Schäden abzulenken, einen neutralen Korrespondenten berichten, datz der bekannte Fußballplatz von Wembley Bombentreffer erhalten habe. Die Löcher, die hier in den Rasen gerissen wurden, seien aber bereits, so wird zur Beruhigung hinzugefügt, wieder mit einer frischen Grasnarbe überdeckt. Mit solchen Mittelchen glaubt man die Welt davon ablenken zu können, datz Englands Rüstungsstätten Nacht für Nacht schweren Schaden erleiden. Zugleich möchte man die Engländer selbst wieder glauben machen, datz die britische Luftwaffe die deutschen Städte schwer zu treffen wisse. So erschienen an den Mauern Londons Plakate, die eine Landkarte von Deutschland und der europäischen West- Mste Zeigen. Eingezcichnete rote Bomben sollen hier die Vernichtung bestimmter Industriezentren und anderer militärischer Ziele durch die britische Luftwaffe andeuten. Das ist also der alte englische Wunschtraum und der alte englische Schwindel, der die Londoner trösten soll, während Nacht für Nacht die deutsche Luftwaffe gewaltige Zerstörungen in der englischen Rüstungsindustrie anrichtet.
New Bork, 14. Dez. (Funffnelduna.) Mackay Radio n«e den irunhotmb des britiiche» Frachters „2____?'
(10350 BRT.) auf, datz er 750 Meile» von der französischen Küste entfernt torpediert worden sei.
Der Krieg hat den engen Rahmen einer nationalen Auseinandersetzung gesprengt. Es geht, so sagte der Führer, um mehr, als um den Sieg des einen oder anderen Landes. Es geht um das Prinzip, um die neue Lebensform, um den Sozialismus, der auch die Beziehungen der Völker »ucia» ander grundlegend umgestaltet. Deutschland und die mit ihm verbundenen jungen Nationen ringen mn die internationalen Voraussetzungen ihres nationalen Sozialismus, der ieroeils aus den Völkern arteigen geboren wird. An seinem Anfang steht das Bekenntnis zum gemeinsamen-Blut und deshalb war die innere Einigung des deutschen Volkes die erste sozialistische Tat des Führers. Die zwischen Parteien und Konfessionen. Ständen und Klassen aufgerissenen Abgründe mutzten zugeschüttet und der Boden eingeebnet und bestellt werden. Ein mühseliges Ackern und Jäten, eine Saat, die jedoch in unseren Herzen bereits eine reiche Ernte trägt. Und diese Ernte, diese Frucht, ist das Gemeinschaftsgefühl. das heute alle Menschen deuffchen Blutes um« schlietzt und so stark über die Grenzen des Reiches hinausstrahlt, datz die in den Räumen des Ostens lebenden Volksdeutschen auf die Aufforderung des Führers hin fast hundertprozentig heimkehrten. Hier bewies stch die Kraft der Gemeinschaft. Hunderttausende lösten sich von der Scholle, die schon den Schweitz, ihrer Urgrotzväter aufgesogen hatte und folgten dem Anruf ihres Blutes. Freiwillig! Niemand konnte auf sie, die der Hoheit eines fremden Staates unterstandet, auch nur den geringsten Druck ausüben. Die härtesten Beschwernisse nahmen sie auf sich. In grimmiger Kälte fuhren bte Wolhynien-Deutschen auf offenen Wagen grenzwärts, frohen Herzens, denn es ging ja der Heimat entgegen, ins Reich der Deutschen. Ein nach nie erlebtes Glaubens- bekenntnis eines Volkes zu sich feltft, zu seinem Führer, das kein Fürst, keine Konfession, von parlamentarischen Parteiführern ganz zu schweigen, je für sich in Anspruch nehmen konnte. Ein Sieg der völkischen Gemeinschaft, der inneren Überzeugungskraft des deutschen Sozialismus.
Die zweite sozialistische Tat des Führers baute sich auf der Vollendung der ersten auf. Als Sprecher der innerlich geeinten deutschen Nation forderte er einen,' ihrer Grötze angemessenen Anteil än den Gütern der Erde. Das deutsche Volk hat ein Recht auf ein anständiges Leben, einen materiellen Wohlstand, der einem der ältefte-t Kulturträger Europas und 80 Millionen fleissigen Menschen nicht vorenthalten werden darf. Mit diesem Anspruch stiess der Führer auf den Widerstand der Besitz-Staaten, vor allem der vluto- kratischen öerrenkaste Englands. Der eindringliche Dooell an die Vernunft, auch die rücksichtsloseste Selbstbeschränkung der deutschen Ansprüche, blieben ergebnislos. Die City bewies mit ihrem sturen Nein, datz in Europa und in der Welt
Tage »ach dem Auslaufen fei der Geleitzug vo» einem U-Boot angegriffen worden, das einen schwedische» Frachter torpedierte. Der Konvoi sei gesprengt und zwei weitere Schiffe seien versenkt worden.
10 000-Tonner torpediert
Britischer Hilfskreuzer versenkt
Sa» Sebastian. 14. Dez. (Funkmeldung.) Einem amtlichen Bericht der britischen Admiralität zufolge wurde der britische Hilfskreuzer „Korfar" — Kapitän Mae Hardv — torvcdiert. Er ist darauf gesunken.
Drei Dampfer vernichtet
New Bork. 14. Dez. (Funkmeldung.) Die Besatzung des noneegitoen Frachters „Heina" berichtet die Torvedie- r»ng dreier Schiffe ans einem Geleitzug heraus. Drei
• Berlin, 13. Dez. In der Rächt vom 12. zum 13. Dezember 1940 wurde erstmalig Sheffield, das Zentrum der englischen Schwerindustrie — wie bereits im OKW.-Bericht angegeben — von einem Großangriff deutscher Kampfverbände betroffen. Günstiges Angriffswetter mit Erdsicht gestattete den Besatzungen unserer Kampfverbände, die befohlenen Industriezweige klar auszumachen und die Wirkung einwandfrei fe st zu st eilen. Übereinstimmend melden die Besatzungen, daß der Eesamteindruck der erzielten Angriffswirkung ähnlich war wie bei dem Großangriff auf Coventry. Besonders stark wüteten die Brände in den großen Werksanlagen im Nordosten der Stadt, die stch dicht entlang der Straße nach Rotherham hinziehe». Auch in der Stadtmitte und nördlich davon breiteten sich schnell die Brandherde aus. Zahlreiche große und viele kleine Brände untermischt von Detonationen und Stichflammen jede« Ausmaßes reihten sich aneinander und bildeten bolb ein ein« zigesFlainmenmeer. /
Die zuletzt eingesetzten Besamungen haben allein 6 0 Brandherde auszählen können.
Trotz starker Flakakwehr und eingesetzter Nachtjäger gelang es dem Gegner nicht, den Angriff irgendwie wirksam za behindern. Auf über 150 Kilometer Entfernung waren die Brandsackeln von Sheffield für unsere Besatzungen noch deat- lich zu erkennen. Die Zerstörung des Jndustriebereiches von Sheffield in dem Ausmaße, wie sie in der vergangenen Nacht erreicht wurde, bedeutet einen schweren Schlag gegen die Edelstahlerzeugung and -Verarbeitung in Großbritannien. Die britische Rüstungsindustrie ist hierdurch besonders nachhaltig betroffen worden.
liberal! rauchende Ruinen
New Bork, 14. Dez. (Funkmeldung.) Ein JNS.-Bericht aus London stellt fest, datz nach dem großen deutschen Angriff über Sheffield Todesruhe liege, überall sehe man rauchende Ruinen. Die englischen Regierungsbeamten weigerten sich zwar, die deutschen Meldungen über die gewaltigen Zerstörungen in Sheffield zu bestätigen, es stehe aber fest, dass der Angriff ganze Stratzenzüge vernichtet und Brände entfacht habe, die stellenweise erst bei Morgengrauen unter Kontrolle gebracht werden konnten. Verlustziffern ständen noch nicht fest. •
In einer Meldung der United Press wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die deutschen Flugzeuge den Angriff auf Sheffield trotz der englischen Nachtiäger- Patrouillen-Kette und trotz des scharfen Flakfeuers Lurchgeführt hätten. Auf Sheffield sei ein wahrer Hagel von Brand- und schrberen Bomben niedergegangen. Es habe ausgedehnte Schäden gegeben. Das Geschäftszentrum habe schwer gelitten.
Bilderkundung über Bristol
Berlin, 13. Dez. Die am 12. Dezember 1940 durchgeführte Bilderkundung erbrachte den Beweis, daß die gegen Bristol in diesem Monat geführten drei Angriffe
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Britische Südatlantik-Linie unterbrochen
Seit vier Woche» der erste englische Dampfer im Hafen von Rio
