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Samstag/Sonntag, 7./& Dezember l?40

Wiesbadener Tagblatt

Drittes Blatt Rr. 289

Roman von Fritzi E r 11 e r

22. Fortsetzung

lNachdruck verboten)

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stände abgeholsen werden könnt«. Es war schwer für sie, mit Vater zu arbeiten. Er hatte seine eigenen Ansichten, von denen er nicht abging, auch wenn ihn Gertraud noch so dringend bat, doch Oberingenieur Halter mehr freie Hand zu lassen. Er verwies sie dann grollend auf Werker, der das ihm geschenkt« Vertrauen so schlecht gelohnt hatte. Bat ihn aber Gertraud, doch die Verbindung mit Martens endlich ganz aufzugeben, so konnte er so ungehalten werden, daß Gertraud lieber schwieg.

Dürfte ich Sie bitten, gnädiges Fräulein, den Rund­funk einen Augenblick einzuschalten", sagte Martens setzt höf­lich.In ein paar Minuten werden Meldungen durchae- geben, die mich interessieren!"

..Gerne!"

Gertraud erhob sich und ging in die Fensternische zu dem grogen Apparat. Da aber die Beleuchtung hier schwach war, hatte sie di« Scheibe anscheinend unrichtig gedreht. Nicht

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ich Gertraud schon öfter gesehen habe", meinte Martens für sich.Da heißt es aufpassen! Lin anderer Mann wird Ger- traud Ringer nicht in di« Arme nehmen, dafür werde ich Sorge tragen."

Er sah, daß sich die kleine Gesellschaft am nächsten Tische erhob. Zuvorkommend dankte er Doktor Schorfs für seinen G" während er die Begleitung des Arztes gar nicht be­achtete. llnd doch war Martens heute in Gestalt einer rund- liqen. frischen Münchnerin sein Schicksal begegnet.

,Mso, Sie haben setzt meine und ich habe Ihre Adresse!" Dr. Schorfs drückte seinen Freunden vor dem Hotel, in dem er wohnte, nochmals herzlich die Hände.Wir werden uns bestimmt nicht mehr aus den Augen verlieren! Auf Wieder­sehen."

Auf Wiedersehen!" entgegneten die drei Menschen herz­lich. Und grüßen Sie bitte bestimmt die Fräulein Ger­traud!" bat Sepp noch den Arzt.

4»

Über di« Dächer Berlins fegte ein frischer Märzwind.

Gertraud saß mit ihrem Dater, Dr. Schorfs, Ober, Ingenieur Halter und Martens plaudernd um den offenen Kamin tm Salon ihrer Villa. Das Gespräch drehte sich in der Hauptsache um Erfindungen in der Autobranche. Mar­tens führte das große Wort. Ohne das Wissen Gertrauds hatte ihr Vater jetzt doch von Martens eine große Summe leihweise erhalten.

Martens hatte eingesehen, daß sein unbedachtes Ve- nehmen im v-Zug Gertraud so weit von ihm entfernt hatte, daß für ihn wenig Aussicht blieb. Noch ärgeren Druck hatte er deshalb auf die Fabrik Ringer ausgeübt, freilich war es ,in Druck, der da war, ohne daß er gesehen oder abgewehrt «erden konnte. Aber alles hatte nichts genützt, Gertraud war immer gleich abweisend geblieben. Die letzte Zeit hatte dann auch noch dieser Dr. Schorfs sehr viel mit Ringer und Gertraud verkehrt, und Martens wußte aus genauen Er­kundigungen. daß der Arzt zwar nicht reich war, aber eine Sroß- Praxis hatte Also hieß es sehr vorsichtig sein und den alten Ringer verpflichten, sonst hatte er schließlich doch noch das Nachsehen.

Martens war viel zu kalt und selbständig, als daß er überhaupt zu einer Liebe fähig gewesen wäre. Aber er wollte besitzen, und er wollte immer da besitzen, wo ihm etwas verweigert wurde. Er hatte sich in den Gedanken verbohrt, datz Gertraud seine Frau werden müsse, und was Martens wollte das setzte er auch durch, Zudem wußte er, °us den Werken Ringers großes Kapital zu schlagen war, nur mußte das alles richtig angepackt werden. Der alte ottnger war wirklich zu abgekämpft, und er war auch schon Schäftenbzurecht^^^ richtig mit den neuesten Errungen-

. ^Eertraud wundert« sich manchmal, daß der Vater jetzt immer Geld zur Verfügung hatte und trotzdem oft so gedrückt und unruhig war. Ei« war ihm in der Fabrik zum treuen Kameraden geworden, und man konnte sie -nicht selten im MN.Arbeitsanzug durch die Hallen laufen sehen. Di» Arbeiter schabten bi« Tochter ihres Chefs. Aber wenn auch das Wollen Gertrauds noch so ehrlich war, es fehlte in dem Betrieb eine feste, tatkräftige Männerhand.

Gertraud grübelt« oft darüber nach, wie diesem Miß­

»Die Fabrik Ringer hat ja an dem Martens eine scheuß- tzche Konferenz" ereiferte sich der Ferdl.Da ist es an der Seit daß die Fräulein Gertraud den Martens heiratet, sonst lst der Betrieb erledigt!" Dr. Schorfs oab keine Antwort, auch die beiden anderen Manner waren still geworden . --Ast das ein lanaes Elend! llnd mit dem Monokel geht der Men ch in das Hofbräuhaus, der ist bestimmt nicht von München! Frau Maria hatte die Worte halblaut gesagt - Dr. Schorfs sah auf Sein Gesicht wurde finster. Da hatte der Lange auch schon den Arzt gesehen. Er verbeugte stch. verbindlich und nahm seinen Platz ganz in der Nähe der Gesellschaft ein.

Wissen Sie, Sepp, wer das ist?" Dr. Schorfs sprach leise, zu Sepp gewandt.

Er kommt mir schon bekannt vor, aber wo ich ihn ge­sehen habe, das weiß ich nicht!" entgegnete der Sepp.

Das ist Martens!"

Der Martens!" Die zwei Männer und besonders Maria wandten kein Auge mehr von dem Fabrikanten, so daß es Dr Schorfs unangenehm wurde.

Wissen Sie eigentlich etwas von Hochreiter?" fragt er so nebenhin.

Den haben wir am Oktoberfest getroffen", berichtete der Sepp^und er hatte in seinen Augen wieder den Ausdruck der Dr. Schorfs schon ausgefallen war, als sie von Scharnitz weg- gesahren waren.Hat uns nicht gefallen, der Hochreiter, gar nicht hat er uns gefallen!"

Ja, wieso denn?" fragte Dr. Schorfs.

Das kann man nicht so sagen", meinte der Sepp.Aber ich fresse auf der Stelle einen Besen, wenn der arme Kerl nicht todunglücklich ist."

Dr. Schorfs gab keine Antwort. Sie dachten alle das gleiche, und doch wollte es keiner aussprechen.

Die Unterhaltung wollte nicht mehr in Fluß kommen .Sobald ich mich im Frühjahr losmachen kann, besuche ich den Toni", sagte Dr. Schorfs.Arbeiten Sie beide noch immer in der gleichen Fabrik?"

Es wird immer schlechter!" Ferdl nickte trübe vor sich hm.Jetzt haben wir ja alle zwei noch eine Beschäftigung, aber wie lange noch, bann packt auch uns die Arbeitslosig-

Dr. Schorfs nahm aus der Brusttasche sein Notizbuch und schrieb seine Adresse den beiden Männern auf.Sollten Sie wirklich arbeitslos werden, dann wissen Sie wo ich in Berlin jtu finden bin", meinte er. Vorläufig lebt ja di« Fabrik Ringer noch, und sie beschäftigt viele Hunderte von Arbeitern."

Dr. Schorfs hatte nicht bemerkt, daß ihn Martens fort« während fixierte.Das ist der Mann, in dessen Gesellschaft

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2n Martens Augen trat ein böser Ausdruck. Da hatte er sich also sehr geirrt, wenn er glaubte, Dr. Schorfs t Pter h'etz es ja an einer ganz anderen Stelle die Hebel' an« fe^cn, Auf alle ^alle mußte dieser Hochreiter unschädlich ge- Atcht werden Er mußte erfahren, wo der Bursche seinen stündigen Wohnsitz hatte.

Martens verabschiedete sich bald von Ringer und von Gertraud, die mit ruhigem Gesicht nach ein paar Minuten bas Zimmer wieder betreten hatte. (Fortsetzung folgt.)

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die klare Stimme des Ansagers tönte aus dem Apparat, fon- dein die weichen Töne einer Harfe kosten einschmeichelnd durch das Zimmer.

haben Sie jedenfalls den österreichischen Sender er­wischt meinte Martens gleichmütig und verstummte bann. Das Frauengesicht unter dem seidenweichen Haar, das jetzt seine natürliche, blauschwarze Färbung hatte, war schrnerz- verzerrt, in den Augen lag eine solche Verzweiflung, daß Dr. Schorfs aufsprang und mit einem Griff den Sender zum Schweigen brachte. Die drei Männer sahen sich an. Jeder oon ihnen wußte, um was es sich hier handelte, nur Ger»