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Seite 4 Nr. 284

Wiesbadener Tagblatt

Montag, 2. Dezember 194t

Wiesbadener Nachrichten

„Die innere Verbundenheit ist das Geheimnis des Sieges"

50. Wunschkonzert für die Wehrmacht

An einem Weibnachtstag des Jabres 1935 lauschte ein Rundfunlhörer der Musik, die aus seinem Lautlvrecher drang. Er batte einen Wunsch, fable zum Telefon, vernabm am anderen Ende der Leitung die Stimme Heinz Eoedeckes und hörte wenige Minuten später die ..Weinende Geige" für eine Svende von 20 RM. die dem WHW. zufloß. Damit war jene Einrichtung ins Leben gerufen, die Sonntag für Sonntag das ganze Boll an die Lautsvrecher ruft: denn die Fanfaren des Wehrmacht- Wunschkonzertes künden jedesmal ein Volksereignis an. Eine solche Einrichtung konnte wobl nur bei uns ersteben. Sie stellt einmal einen klingenden Gabentisch dar. zum anderen aber auch wieder einen Svendentisch der ganzen Nation. Und vielleicht kann es nur der Soldat auf ein­samem Vorvostenschifs, im Wachlokal, hoch droben im däm­merigen Lickt des Nordens, der inmitten einer feindlichen Welt lebende Ausländsdeutsche so recht ermessen, was diese Einrichtung bedeutet, die einmal in der Geschichte unseres Volkes einen dauernden Platz finden wird. Es soll hier nicht von einzelnen Darbietungen gelvrochen werden, nicht von den vielen Künstlern, den Musikern und auch den Tech­nikern: es gilt aber den Eindruck wiederzugeben und das Echo der Hörer.

Das Wunschkonzert wuchs aus dem Volke beraus. In idm reicht die Heimat der Front und die Front der Heimat die Hand. Darum ivrach in ihm beim gestrigen 50. Wunsch­konzert Reichsminister Dr. Goebbels und jener General, der als Erster das Eichenlaub des Ritterkreuzes erhielt, der Verteidiger von Narvik. General Dietl. General aber wie Minister wirkten nicht amtlich, sondern lediglich wie zwei Hörer, so kam es uns vor. die ausdrückten, was einmal der Mann im Volk und was der Soldat emvfinden. Vorher war der Marsch der Auslands-Organisation er­klungen: ..Fern vom Land der Ahnen", ehe General Dietl sprach, sang ebenfalls der Chor der Heeres-Unteronizier-

sckule das Lied der Narvikjager. Ein Merkmal .dieies Wunschkonzertes war vor allem iene Dreieinigkeit von altem Volkslied, neuem Marschlied (der Reichsmusikzug des RAD. unter Leitung von Herms N i e l)und edler deutsch», italienischer und javanischer Kunst. Der^ Kern des o0. Wunsch­konzertes war ein Sich-Zurückerinnern an die originellsten Hörerwünsche. ..Was ist uns Deutschen der Rundfunk doch im Kriege geworden. . hatte Dr. Goebbels in seiner Rede ausgerufen, hier fanden wir die Bestätigung für seine stolzen Worte.

Aber ein jedes Wunschkonzert ist auch gleichsam ein gewaltiger Svendentisch. Was gebt da nicht alles an Eeld- und Sachgaben ein. aber uns dünkt, daß es em einziger Strom der Liebe ist. der bier in nüchternen Zahlen greif­bare Gestalt gewinnt. Daß bisher 44 634 Soldaten und Wehrmachtteile ihre Wünsche anmeldeten und erfüllt be­kamen. datz die Geld- und Sachwertsoenden 71/- Mill. RM überschreiten, daß 6300 deutsche Soldaten sozusagen ißt Neu­geborenes aus der Wiege schreien bürten, diese Zahlen sprechen ihre eigene Svrache. „Das Wunschkomert soll tur das ganze deutsche Volk eine Mahnung und ein Ansporn sein", sagte Dr. Goebbels. ..iu6 nicht von den Widrig­keiten des Alltags unterkriegen zu lassen, sondern mutig und erhobenen Hauvtes der Zeit entgegenzutreten . . . Humor und Musik sind dabei die besten Helfer.'

Zum Schlüsse aber erklang das Engeland-Lied. das am 9. Oktober 1939 von dieser Stelle aus seine Urauf­führung erlebte, wie ein Schwur in den Äther hinaus.

Karl Emde.

Dank der Wehrmacht

Der Cbef des Oberkommandos der Wehrmacht. Eeneral- feldmarschall Keitel, bat anläßlich des 50. Wunsch­konzertes an den Leiter der Wehrmachts-Wunschkonzerte. Heinz E o e d e ck e. ein Schreiben gerichtet, in dem er den Dank der Wehrmacht und seine besondere Anerkennung für die Gestaltung der Wunschkonzerte zum Ausdruck bringt. An dem Schreiben wird betont, daß die Wunschkonzerte für die Wehrmacht immer mebr ein wichtiges Bindeglied zwischen dem deutschen Volk und feinen Soldaten geworden und.

„Mutz t denn ..

Ewiges Wandern des Artisten

Abschiedsvorstellung und Premiere reichen sich int Variete-Theater die Hand. Und dazwischen liegt der große Zug der Artisten von einem zum anderen Engagement. Rur wenige Stunden stehen hierfür zur Vertilgung. he gilt es weise und überlegt auszunutzen. Unruhe und Nervostta- haben im Artistenleben keinen Platz. Vis zum letzten Trick erfordert der Beruf alle Kräfte des Künstlers und erst dann, wenn ihm der rauschende Veifall des Publikums anzeigt. daß feine Leistung wiederum begeisterten Anklang gefunden bat. wenn sich der Vorhang vor ibm geschloheu hat. ist für ibn das Gastsviel zu Ende, der Start in das neue Engagement beginnt. Und wäbrend das Publikum die!« oder lene be­sondere Leistung auf dem Nachhauseweg lobend bespricht, sitzt der Künstler bereits im Zug. fäbrt in die Nackt hinein, einem neuen Wirkungskreis entgegen. Den .trauen und Männern des Varietes liegt das Wandern im Blut. Kaum haben he sich in einer Stadt etwas eingelebt, beißt es weiter­ziehen. Jeden Abend wirbt der Artist erneut um die Gunst des Publikums. Sie lernen Deutschland kennen und viele von ibnen haben vor dem Krieg das Ausland bereist, das sich ihnen nach Friedensschluß wieder in hohem Maße, er­schließen wird, denn deutsche Artistik bat in, der Welt einen guten Klang. Ein Senior, der einige Zeit der Rübe in unserer Stadt verbrachte und demnächst wieder zu seiner Kunst zurückkebren will, erzählte mir von seinen England- Eastsvielen. Er kennt die Städte, die der OKW.-V.erickt täglich meldet, er kennt ihre Bevölkerung mr ibn gewinnen die Namen Leben, denn der wahre deutsche Artist gebt auf­geschlossenen Auges durch die Welt als em Vertreter ferne« Volkes. Mit einem „Muß i denn, muß i denn zmn Stadtele hinaus" verabschiedete am Samstagabend die Kavelle des „Scala-Varietös" jeden einzelnen der Künstler, non einer Wirkungsstätte, die vielen Artisten im Maus eines Jahres ein schönes Arbeitsfeld zur Freude des Wiesbadener Publi­kums bietet. Der Vorhang fällt. Vorhang auf! Di« Premiere kann starten. P-

Arterienverkalkung

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Mutter hatte ein Geheimnis

. . . und die Freude in der Familie ist groß

na. ich sage ja. wenn man. vor lauter 7 nidjts sprechen, sonst hat man das seit Tagen'streng gehütete Geheimnis enthüllt — da haben wir es Vater kommt morgen auf Urlaub!" — und jetzt ist uns alles klar! ”,x>.

— Vergütungen für Lohnausfälle. Unternehmer ge­währen ihren Eefolgschaftsmitgliedern zum Ausgleich von Lohnausfällen, die durch Fliegeralarm oder Beschädigung von Betrieben bei Luftangriffen verursacht sind und nicht durch Nacharbeit ausgeglichen werden, bestimmte.Vergü­tungen nach den Richtlinien des Relchsarbeltsmmisters. Der Reicksfinanzminister bat jetzt entschieden daß aus Billigkeitsgründen von einer Heranziehung dieser Ver­gütungen zur Lohnsummensteuer abgesehen werden soll, weit ihnen eine Arbeitsleistung nickt gegenuberstebt.

— Stillgelegte Wohuungsbauten werden weitergefiibrt. Um Schäden zu vermeiden, die aus einem Überwintern stlll- gelegter Wohnungsbauten in unfertigem Zustand entstehen können, bat der Generalbevollmächtigte für die Bauwlrt- schaft die Eebietsbeauftragten ermächtigt, auf Antrag des Bauherrn die Wetterführung stillgelegter Wobnungsbauten zu genehmigen. Voraussetzung ist. daß sonst volkswirtlckakt- lich nicht vertretbare Schäden zu erwarten find und daß..obne Beeinträchtigung der kriegswichtigen Bauten genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Einsatzbereite PK.-Männer

Die neueste Filmwochenschau

Beauem in den Sessel zutückgelebnj. verfolgen die Filrn- tbeaterbesucher das Kriegsgeschehen auf der Leinwand. Die wenigsten von ihnen denken wohl dakan. daß den Männern ein Dank gebührt, die uns in der Heimat mitten 6mem= führen in den Schicksalskamvf unseres Eroßdeutschen Reiches: den Filmberichtern der Propaganda-Kompanien. Reichsminister Dr. Goebbels emvfin» dieser Tage einige von ihnen, die sich besonders ausgezeichnet haben, unb ließ sich über ihren Einsatz berichten. In der neuesten <rum= Wochenschau sehen wir für einen kurzen Augenblick den Filmberichter einer Marine-PK. an der Kamera und dann seine Bildausschnitte, die er mit dem erfolgreichen U-Boot des Eichenlaubträgers Kavitänleutnant Kretschmer auf Feindfahrt machte. Diese Bilder lind eindrucksvolle Doku­mente von der Einsatzfreudigkeit unserer PK.-Manner tn vorderster Linie, die auch mit binüberfliegen nach England, um dem Besucher der Wochenschauen dokumentarisch die Schläge unserer stolzen Luftwaffe gegen die Rustungs- zentren des Feindes vor Augen zu führen. r „ „

Neben den Szenen aus dem Kriegsgeickehen fesselt die neueste Wochenschau vor allem durch die. Bilder von der diplomatischen Aktivität des Reiches, wie he in dem Besuch des italienischen und des spanischen Außenministers auf dem Bergbof und der Unterzeichnung der Dreiervakt-Urkunden durch die Vertreter Ungarns. Rumäniens und der Slowakei gezeigt werden. Weitere Bilder führen in das. rumänische Erdbebengebiet, in die Schwierigkeiten des italienischen Wiistenkamvfes: in die Rüstungsindustrie unseres Verbün­deten. zu unseren Soldaten im hoben Norden, zur Ruckkebr der Bessarabien-Deutschen ins Reich, zum Einsatz des RAD. in den neuen Ostgebieten, zu den Besuchen unseres Reichs­marschalls in Wien und auf einem Feldflugplatz tm Weiten und anderen Bildausschnitten mebr, die uns die ganze Kampfbereitschaft des deutschen Volkes vor Augen fuhren.

P.

— Grütze an die Heimat senden von.der AtlantiMste in Frankreich folgende Wiesbadener: die Unteroffiziere Karl Hardt. Emil Jörg. Adolf Dmges - Ramback, Adolf Jeckel - Sonnenberg. W. Schrobe -Biebrich. Dte Gefreiten Hermann Dörr - Sonnenberg. Wllh. Morshäuser. Wilhelm Vogel - Sonnenberg. 2. Stern - Biebrich, und die Sheser Otto Bester. Fritz Hammer - Bierstadt. Euitav Kautz, Pbilivv Althenn-Biebrick. „ . .

— Auszeichnung. Hans P^euß. Dotzbeimer Str. 16. zur Zeit im Felde, wurde zum Gefreiten befördert und mit dem Hanzer-Sturmabzeichen ausgezeichnet.

— Erleichterte Prüfung für Kriegsteilnehmer.. Nach einer Verordnung des Generalbevollmäckliglen für dte Reicksverwaltung können zur vereinfachten ersten lurlstiscken Staatsvrüfung Recktsstudenten schon nach vier statt bisher sechs Studienbalbjabren zugelassen werden, wenn he wah­rend des Krieges sechs Monate Wehrdienst geleistet haben. Es wird weiter bestimmt, daß bei der Zulassung zur verein­fachten »roßen Staatsvrüfung während des Krieges ge­leisteter Wehrdienst bis zu iecks Monaten aut den Vorberei­tungsdienst angerechnet werden kann._______________________

Meine Schwester und ich kommen eines Tages aus dem Dienst bzw. aus der Schule nach Hause und finden Mutter noch am Putzen. Das fiel uns auf. war aber weiter nicht von Bedeutung, denn eine Hausfrau hat ja mal längere Einkäufe oder sonst etwas zu erledigen, daß sie nicht zur gewohnten Zeit fertig sein kann. Am nächsten Tag aber, die Zimmer waren inzwischen noch blanker als he ohnehin schon sind, wenn nur drei Menschen in einer Wovnung wohnen — der Vater ist draußen und trägt den grauen Rock und der Bruder steht mit dem Arbeitsdienst in Frankreich — die den ganzen Tag ihrem Berufe und dem Dienst nachgehen. .

Es wird nicht viel geivrochen. wir sehen nur alle, daß etwas mit Mutter los ist. Sie ist fast krankhaft hinter allem her, was nicht sofort nach Benutzung an Leinen Platz.zuruck- kommt, jedes — und es gibt immer welche, wo sich jemanb bewegt — Stäubchen regt Re aut. Hier ist etwas zu tun. dort werden Deckchen zurechtgelegt. Blumenvasen gestellt, kurz man weiß mit diesem ungewohnten Wesen in den letzten Tagen aber auch nichts mehr anzusangen. Fragen hat keinen Zweck, Antwort gibt es nur ausroeidjenbe. „Kommt Besuch? — „Wüßte nicht!" — „Hat jemand Geburtstag? — aber das müßte man doch eigentlich wissen! Es wurde geraten, hm und her überlegt, nichts tonnten wir herausbekommen, aber alles schien zu Hause wie verhext. Auf einmal fangt auch noch tut Rahmen des Möglichen ein Einkäufen an. das und jenes wird besorgt, zwar fein sorgfältig verstaut, aber einen Jemen Riecher" für so etwas hat man doch. Und da . . .! Mutter hat sich verklappt: sie spricht mit uns ganz belanglose Dinge, aber auf einmal rutscht ihr etwas dazwischen^ was nicht tn ihr Programm paßte — 1. .. ?.

Freude aufgeregt ist. soll man nti das seit Tagen streng gehütete haben wir es ...... Vater

stellung von der Frau schlechthin enthält. Vor der wie em. Traum »estalieten Landschaft, teilnehmend an ihrer geheimnisvollen Wirkung, aber dadurch um so plastischer herausgeboben, im feinsten Spiel der Schatten und der Lichter strahlt die Frau, die nicht einmal schön ist, die Melodie seliger Sehnsucht aus. Es ist müßig, hier nach persönlichen Pointen oder Erlebnissen des Malers zu schnüffeln. Im Charakter ihrer Bewegungen und in ihrem bewußten, von Lionardo auf Frauenbildnissen immer mehr vervollkommeien Lächeln, nur darin erschließt sich das Xßeien dieser Frau: ein Ergebnis der gesellschaftlichen Zucht, eine Dame, eine Frau, die eins mit sich selber ist, das Ewig-Weibliche, das binanzieht, ein Wesen, das um die letzte Möglichkeit der inneren Harmonie weiß, das nicht mit dem Verstände, wohl aber in der Tiefe des Herzens fühlt, was ihr am besten steht und dies in aller Ruhe in den leisen, unauffälligen, sicheren und selbst­bewußten Bewegungen offenbart: sie ist nicht des Malers Freundin, Göttin oder Geliebte. Sie ist die leuchtende Freude an sich selber, die Frau an sich.

So herrlichen Bilddeutungen Försters, die nur gaben, was kontrollierbar tn den Bildern selbst zu sehen war, war eine alle drei Vorträge in ihren Ergebnissen zusammemasiende Schau des künstlerischen Wesens Lionardos vorangegangen, ectn streben nachderWahrheit, sein StrebennachEesetzmaßig- leit, seine Verbindung beider zur Harmonie. Er war von unbestechlicher Treue und Wahrheit. Trotzdem blieb er nie an der Oberfläche. Er sah sticht bloß mit einem, ,ondem mit zwei Augen. Er sah auch das Verdämmernde der Dinge. Das Verschwimmende Der festen Ränder seiner Figuren (sfumatoj ist Ausdruck der höch­sten Exaktheit: 5m Streben nach Gesetzmäßigkeit cheiden alle Zu­fälligkeiten aus. Zu komponieren in mathematischen Figuren ist die Art seines Erlebens. Als ihr Ergebnis stellt sich dar die staunens­werte Art, wie er alle Bewegungen aneinander bindet. Das Lefondere und Allgemeine aber der Bilder, Spannung und Ruhe, eint sich in der Tiefe zur letzten Einheit als unmitteufarcs Gleich­nis der Gottheit. Dr. Heinrich R e r ch e r t.

* Herbert Alfen in Lortzing- „Waffenschmied". Lortzings liebenswürdige Oper ging am Samstag nach längerer Pause wieder in Szene. Mil ihrer Melodie, ihrem harmlosen Humor, einem bißchen Romantik und ein klein bißchen bürgerlicher Eefühls- seligkeit ist sic ein Volksstück im besten Sinne des Wortes

geworden. Auch der verwöhnte Kenner wird sich immer wieder besonders an den leicht beschwingten Gesangsnurnmern erfreuen, über denen es wie ein letzter Abglanz Mozartfcher Heiterkeit liegt. Die Aufführung erhielt ihr besonderes Gepräge durch das Auf­treten Herbert Alfens von der Staatsoper in Wien. Schon seine hünenhafte Erscheinung paßte zu dem Meister Stadinger, der deutsche Biederkeit ist vom Scheitel bis zur Sohle. Kraftvoll, etwas bärbeißig und polternd, daneben aber voller Herzensgüte war diese Gestalt, die aus einem Gemälde des 16. Jahrhunderts herabgestiegen zu sein schien. Über Alsens prächtige Stimmittel ist an dieser Stelle früher schon manches gesagt worden. Sein wuchtiger und gleichzeitig auch leisen Seelenregungen sich an- schmicgender Baß ist von vollendeter Ausgeglichenheit und scheint besonders nach der Tiefe hin keine Grenzen zu kennen. Alle seine Fähigkeiten faßte der Sänger zusammen in dem Strophenliede, das wie kaum eine andere Opernmelodie in das Bewußtsein der breitesten Massen gedrungen ist: „Auch ich war ein Jüngling im lockigen Haar". Die feine Schattierung bis zum verhauchenden Pianiffimo im Verein mit einer großen Wärme des Vortags entfesselten einen Beifallsturm der Hörer, die den Sänget bereits bei seinem ersten Erscheinen auf der Buhne lebhaft begrüßt und damit bewiesen hatten, daß Herbert Alfen an der alten Stätte seines Wirkens unvergesien geblieben ist. Die übrigen Mit­wirkenden find bekaniK. Erna Maria Müller war als Marie vorzüglich bei Stimme, ihre Töne perlten klar und rein, dabei wußte sie ihre Rolle durch ein liebenswürdiges, echt mädchenhaftes und doch wieder naiv neckisches Wesen lebendig zu gestalten. Besonderen Dank verdiente sie mit dem schelmischen „Ich wollt' ich mär’ kein Mädchen". Ewald Böhmer als Graf von Stefienau lieh den vielen dankbaren Stellen die Fülle seines breit strömenden Bariton, so daß er wirklich „Glanz und Reichtum" feiner Stimme hingab. Recht lustig jnimte er die kleine Eifersucht­szene. Ergötzlich wußte Victor H o s p a ch den dicken Ritt« Adel- hof darMsteve«, kugelrund, ewig aufgeregt, vor (Eifer schwitzend und de-chalsi mit entern riesigen roten Taschentuch bewaffnet, über« dies schwäbelnd, daß es eine Erquickung war. Maria Barth als „alte Schachtel" Jrmentraut, die durchaus nicht abrüsten will, und Fritz Stobern als frischer und sangesfreudiger Knappe Georg leien nicht vergessen. Dr. Richard Tanner wurde als Dirigent der filigranartigen Feinheit der Orchesterpartitur durch saubere Arbeit gerecht. Das ausverkaufte Haus spendete allen Mit­wirkenden herzlichen Dank. Dr. Wolfram Waldschmidt.

„Das melde ich der Partei!"

Strafbare Drohung mit unbegründeten Anzeigen

Eine an die Partei gerichtete unbegründete Meldung, die den Vorwurf einer mangelnden nationalsozialistischen Gesinnung und Ovferbereillckaft enthält, ist nach einer Reicksgerichtsentscheidung einer unbegründeten Anzeige bet der Staatsanwaltschaft gleichzustellen: sie stellt ein übel im Sinne des gegen Erpressung gerichteten § 253 StGB. dar.

Bei der Stellung der Partei im Staate,, die unter den mannigfachsten Lebensverbältnissen über die Würdigkeit der Volksgenossen für Berücksichtigungen von Staats wegen ge­hört wird, und bei dem Werte, der auf eine belastende Gesinnung zur Bewegung zu legen ist. kann eine solche unbe- Sündete Anzeige bei der Partei für den Verdächtigten were Nachteile im Gefolge haben. Ihre Androhung ist reoenfalls geeignet, den Willen des Bedrohten zu beuaeji.

Der bemerkenswerten Entscheidung lag in tatsächlicher Beziehung zu Grunde, daß ein Zeitschriftenwerber, der nickt das Geringste mit der Partei zu tun batte, auf Hausfrauen mit der Drohung einer Meldung bei der Partei einen unzn- läsiigen Druck zur Aufgabe von Bestellungen auszuüben ver­suchte. ..Reichsgerichtsbriefe." (3 D 269/40. — 28. 10. 1940.)

— Ei» SA.-Manu spricht zu seinen Kameraden durch sei« Werk. 3m SA.-Pioniersturm Pi. 1/80 hielt SÄ.-Ober- truvvfiihrer O b e r t r e i s. von Beruf Gewerbelehrer, einige Vorträge über „Das Wesen der deutschen Kunst" und Über die Kunstausstellung in München. Um diese Eedankengänge noch zu vertiefen und durch praktische Anschauung den aus den verschiedensten Berufen stammenden Männern einen Einblick in die Arbeit des Kunstmalers zu geben, entstand eine kleine Ausstellung in der Städtischen Berufsschule. In zahlreicken Bildern ist die Arbeit von zwei Jahrzehnten vor dem Beschauer ausgebreitet. Es find Landschaften aus dem Taunus, in den wesentlichen Linienzügen oft treffend er­faßt. Pilder aus der Heimat des Malers, aus St. Wendel und Olikizzen aus Thüringen. Daneben Stilleben, denn Obertreis ist auch Weidmann und einer jener Menschen, die versuchen, nicht nut das, was sie sehen, abzuschildern, son­dern die Beleuchtung einer Landschaft ihren besonderen durch die Jahreszeit, durch Wolken und die Tagesstunde be­dingten Charakter zu einer Einheit zu verbinden, die auch in ihren Farbwerten natürliches Leben nickt vermifien soll. Am besten dürfte ihm dies bei unter Naturschutz stehenden uralten Buchen gelungen sein., wie sie. in seiner saarlän­dischen Heimat noch zu finden find, bei einem Waldstück, mit Sonnenlachen am Fuß der Stämme oder einem Wildbach, der in eigenartiger Weise zu einem Stück Natur erhoben ist. Und bann sind es vor allem die Sonnenblumen, die fick immer wieder finden: im Ganzen eine erfreuliche Sckau. die Zeugnis ablegt von einem Talent, das in der Stille wirkt. e.

— Keine künstlichen Wursthäute verfüttern! Wenn man Wursthäute an Hunde oder andere Tiere verfüttert, dann muß man darauf achten, daß fie von tierischen Därmen stammen. Es werden ja heute vielfach künstliche Wursthäute hergestellt. Sie sind unverdaulich und stellen überhaupt kein Tierfutter dar. Im Magen des Tieres ballen fie fich zusammen und rufen Verdauungsbelckwerden. aber auck Erstickungen und Darmverschlingungen hervor, so daß die Tiere verenden können. Aus all diesen Gründen sollte man die künstlichen Wursthäute auch nickt unbedacht auf der Straße auslegen, denn ein hungriger Hund fragt nicht lange, was ihm da vor die Schnauze kommt, er geht nur seiner Nase nach, und auck die künstlicke Wursthaut riecht natürlick nach Wurst. Darum gehört die künstlicke Pkurst- haut auck nicht in das Gefäß mit Nahrungsmittelabiällen.

Ä Altpapier • Metalle • Alteisen

Heinrich Gauer

— Richtiges Atmen gesundheitsfördernd. Das Atmen wird von den Menschen fast immer als Nebensächlichkeit angesehen, denn es erledigt fick • gewissermaßen von selbst. Daß dem Körper durck die Nicktacktung. mit der das Atmen von den meisten Menscken behandelt wird, schwere Schäden zugefügt werden, wird dabei völlig übersehen. Wie ernst diese Fragen iedoch find, das hörten die zahlreichen Besucher am Vortragsnackmittag des Prießnitz-Vereins in der „Wartburg", aus dem Munde der Bundesrednerin und Heilvraktikantin Maria E e r w i g aus Darmstadt, die einen wertvollen Vortrag über das ricktige Atmen und feine Vor­teile für den Körper und Geist hielt. Denn außerordentliche Schäden'erleidet der Körper durch ungenügendes und falickes Atmen. In diesem Zusammenhang sorack Frau Eerwig auch über dis Ernährung und die Wichtigkeit, die Svejsen dem Körper io zuzuführen, daß fie die aufbauenden Nähr- mlze noch voll enthalten. Es kommt nickt auf das viele Esten, sondern auf die richtige Nahrungszusammenstellung an. Der Dereinsleiter. Ratsherr W 2 r l i g. gab an­schließend einen Überblick über die Ziele des Vereins und die neuen Richtlinien durch den Reichsärzteführer. In diesem Zusammenhang nahm er Stellung zu einer Rund­frage. in der Menschen über 70 Jahre ihre Lebensweise bekanntgegeben haben.. Zum Schluß wurde eine Wände-