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Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 27. November 1940

Bergführer^lM'H' macht sein Glück

Roman von Fritzi Ertler

13. Fortsetzung (Nachdruck verboten)

„Weshalb hat man denn dann diese Tiere ausgerottet?"

„Weil das Herz und die Leber von einem Steinbock jede Krankheit geheilt haben, weil die Menschen, die schon auf dem Totenbett gelegen sind, wieder gesund haben werden dürfen, wenn sie das Herz oder die Leber von einem Stein­bock gegessen haben. Aus den Hörnern von einem Steinbock hat jeder hohe Herr ohne Angst trinken können, auch wen er noch so viele Feinde um sich gehabt haL

Wenn ihm einer ein Gift oder stmst einen Wehdamm in das Trinkzeug geschüttet hat, dann hat es im Steinbockhorn aufgeschäumt wie in einer Gletschermühle, und der Herr hat dann gewußt, daß ihn einerchat vernichten wollen."

„Woher weißt du denn das alles?" fragte Gertraud den Alten.

„Das hat mir schon mein Vater erzählt; und der hat es wieder vom Großvater gewußt!"

„Und warum soll gerade ich hier ein gutes Gewissen haben?"

„Allen Leuten, die um die Weihnachtszeit und in den Rauhnächten geboren sind", entgegnete der Alte bedächtig, „bringt die Fwite ein großes Glück oder ein großes'Unglück, wenn sie einen Steinbock sehen, kommt nur daraus an, ob sie brave oder böse Menschen sind."

„Jetzt hörst aber auf, Jager! Heut hast einmal dein ganzes Latein dabei!" lachte der Toni. Dann klopfte er dem Alten freundschaftlich auf die Schulter. „Hab schon viele ge­führt durch die Flotten, Jager, hinauf auf den Schwarzen­stein. hat doch keinem Glück öder Unglück bracht."

Aber der Alte blieb ernst. „Waren halt keine Steinbock­leute bis jetzt unter denen, die du geführt hast", meinte er und steckte gemächlich seine Pfeife in Brand.

„Ich glaub gar, Fräulein Gertraud, du denkst noch immer an dem Alten sein Geschwätz", sagte auf dem Wege zur, Ereizerhütte Toni zu seiner Begleiterin, die schweigend vor ihm schritt.

„Ich denke nicht nur an den Alten", entgegnete Ger­traud. „Ich denke noch an so vieles andere!"

„Du hast aber doch ein paar Tage glücklich sein wollen", erinnerte Toni die Frau an ihren Wunsch in Mayrhofen. „Und jetzt hat dich der alte Kampl zum Sinnieren gebracht mit seinem verlogenen Zeug!"

„Du hast recht!" Gertraud lachte, aber es klang ge­zwungen. Dann schritt sie wieder schweigend weiter.

Das Abendlicht warf die letzten heißen Strahlen über die wildzerklüfteten Eismauern des Floitenkees, als Ger­

traud und Toni die Greizerhütte betraten. Das schlechte Wetter der letzten Tage hatte die Touristen verscheucht, auch von den Führern, die sonst auf der Greizerhütte zuweilen aus Touristen warteten, war keiner anwesend. . .

Toni wurde von den Wirtsleuten herzlich begrüßt.

„Hier ist es wirklich ganz anders wie im Stubai." Ger­traud hatte ihre schon lehr stark mitgenommenen Hosen wie­der ungezogen und stano, eine dicke Wollmütze aus dem Kops, vor der Hütte.

Noch brannten die Abschiedsfeuer der Sonne auf dem zerhackten Floitenkamm und beleuchteten die schwarzen Rachen der zahlreichen Spalten, die den Gletscher furchten. Langsam kamen die Sterne herauf und mit ihnen auch die Last der Bergnacht. Hell in scharfen Umrissen hob sich der Floitenkees von dem dunklen Firmament ab. Trotz der warmen Kleidung fror Gertraud im eiskalten Wind, der vom Gletscher herüberwehte. Dann horchte sie auf. Aus der Wirtsstube kamen leise, weiche Töne. Toni war sicher wieder gebeten,worden, Harfe zu spielen! Wie streichlende Hände griffen die Töne nach dem Herzen der einsamen Frau. Sie preßte die Hände vor das Gesicht und schluchzte hart auf. „Was ist nur mit mrr?" flüsterte sie bang vor sich hin. „Mein eigenes Empfinden gleicht einem dunklen Vorhang, und ich weiß nicht, was hinter ihm verborgen ist, wenn er sich öffnen wird. - In Innsbruck erschien mir' der Toni ganz unmöglich mit seinem unbeholfenen Benehmen und seinem ungepflegten Äußeren, und jetzt sehne ich mich wieder darnach, von ihm in die Arme genommen, von ihm geküßt zu werden, an ^seiner Brust zu vergessen, daß es eine große Stadt, Motorräder, Autos, einen Rolf Martens und einen Rennfahrer Rauscher gibt. Liebe ich ihn? Oder ist es nur die Hochgebirgswelt, zu der er gehört, die mich verzaubert hat? Ich weiß es nicht!"

Die Töne der Harfe waren verklungen. Toni trat unter die Türe. „Es wird Zeit, schlafen zu gehen. Fräulein Ger-, traud", sagte er mit bedeckter Stimme . „Morgen früh um drei Uhr müllen wir aufsteigen!"

„Um drei Uhx?" .

„2a, um drei Uhr", nickte Toni. „Wir dürfe« nicht in die Mittagshitze hineinkommen, sonst wenn der Gletscher weich wird und er das Laufen anfangt, dann kommen wir nicht mehr weiter!"

„Was es auf diesen Höhen alles gibt! Wo werden wir denn aufsteigen, Toni?"

Hochreiter trat neben sie und zeigte ihr den Weg, den sie morgen nehmen würden. Vom Gletscher herüber tönte ein wildes Bersten und Krachen.

„Die Eletschermänner verschieben drüben die Spalten", lachte Toni. Da war es ihm, als hätte er wieder den Laut gehött, der ihn einmal schon gezwungen hatte, die Haare dieser Frau zu streicheln. Er wandte sich ab und wollte in die Hütte treten. „

„Toni!" Gertrauds Stimme klang klar du^ch die tiefe Stille. „Hast du in deinem Leben schon einmal etwas von der Milchstraße gehört?"

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Toni wandte mit einer raschen Bewegung den Kopf. „Du hältst mich aber für arg dumm", grollte er. „Ich glaub, ich bin doch auch in dte Schule gegangen!" Er sah nicht das brennende Rot, das Gertraud bei dieser Zurechtweisung bis unter die Haare stieg.

„So habe ich es doch nicht gemeint', verbesserte sie sich hastig. „Aber siebst du, wenn ich da hinauf nach den Sternen sehe, dann muß ich immer an die Milchstraße denken, die wir von unserer Erde aus für einen Sternenhaufen halten. Genau so denke ich mir die Menschen!"

„Wie kommst du denn jetzt auf so etwas?"

„So wie man die Milchstraße von der Erde aus sieht, sind die Sterne angeblich in großer Gemeinschaft zusammen. Auch die Menschen leben in großer Gemeinschaft und auch sie find so viele. Aber wenn wir nun mit dem Flugzeug da hinaus­fliegen könnten zur Milchstraße, dann wurden wir vielleicht sehen, daß die Sterne der Milchstraße gar nicht nah beisam­men sind, sondern daß jeder Stern einsam und allein seine Bahn zieht. Siehst du, so einsam ist auch jeder einzelne Mensch, trotzdem wir in so großer Gemeinschaft leben!“

Toni antwortete nicht. Er fühlte, daß hier eine ringende Seele sich nicht mehr zurecht fand. Sie irrte hilflos in dem Labyrinth von hoch und nieder, reich und arm, Herr ober

Knecht, in das sie durch falsche Begriffs gehetzt worden war. Wortlos faßte er nach der Hand (Sertrauös und führte sie in' * die niedere Stube. '

-i>

Es dämmerte noch nicht der Morgen, als Toni und Ger­traud schon hinunter über breite Steinplatten dem wilde« Eletscherbruch des Floitenkees zustrebten. Erst als fie die Ausläufer des Eisstromes erreicht und die Steigeisen ange­schnallt hatten, warf die beginnende Morgendämmerung ihr fahles Licht auf das blanke Eis.

Dann schritten sie hinein in die phantastische Welt des Eletscherbruches. Gertraud blieb immer wieder stehen und sah hinauf an den gewaltigen Eiswänden, die sich drohend vor den Bergsteigern türmten. „Schaurig schön ist das", be­wunderte fie. „So waren einmal die Wellenberge zu beide« Seiten unseres Dampfers, als wir auf der Nordsee schweren Sturm hatten."

„Das Meer möchte ich gerne einmal sehen!" In der Stimme Tonis war em Sehnen. „Aber unsereiner, wo soll man beim bas Gelb hernehrnen, an bas Meer zu fahren!"

„Es gibt auch viele Menschen dort oben, die so gerne ein­mal die Schönheiten der Alpenwelt sehen möchten, glaube mir das, Toni", tröstete ihn Gertraud. „Und doch bleibt ihnen die Alpenwelt versagt!"

(Fortsetzung folgt.)

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Blaue Dameu- lederbandichube verloren Abzug, aeaen Belabn. Fundbüro Werde Mitglied der I SV.

Allen unseren Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere innigstgeliebte

i Sigrid-Helga

kaum 2 Monate alt wieder von uns gegangen ist.

Heinz Grießbach und Frau

Leni, geb. Brahm

i Wiesbaden, den 24. Nov. 1940

[ Die Beerdigung findet am 28. Nov., 10'/. Uhr vom Portal des Nordfriedhofes aus statt.

Für die liebevolle Anteilnahme, den Blumenschmuck und die Kranzspenden bei dem Heimgang unseres lieben Vaters

Heinrich Geiß

sagen wir hierdurch unseren herzlichen Dank. Besonderen Dank den Schul­kameraden u. -Kameradinnen des Jahr­gangs 1869 zu Wiesbaden-Biebrich und Herrn Dekan Mulot.

Anna, Julie und Arnold Geiß.

'Wiesbaden, Augsburg, den 26. November 1940. Eltvlller Str. 19c.

Am 26. 11. gegen 17 Uhr gingen auf der Fahrt von Mainz nach Wiesbaden

2 bl, Monteuranzüge

mit Kleinwerkzeng verloren.

Der ebrl. Finder wird ge­beten. dieselben abm neben bei Wilhelm Zapf. Wiesb.. Steingalle 27. I. ob. Firma L. Hansohn. Moritzstraße 49.

Aufforderung!

Alle, die an den Nachlaß des am 15. Nov. 1940 verstorbenen zu Wiesbaden. Adolfsallee 37. wokm- bait gewesenen Kleinrentners Adolf Schäfer etwaßSverschulden oder Ansprüche zu stellen beben, wollen dies bis zum 15. Dezember 1940 bei dem unterzeichneten, ge­richtlich bestellten. NachlaßvflegLr anmelden.

Der Nachlatzvileger:

Hoof. Rechtsanwalt u. Notar.

den Folgen

Bruder,

Mein li

Uhrmachermeister

heute

i. November 1940.

'. November 1940,

Freitag,

Südfriedhof statt.

Mann

Heute verschied

Gluth

Wiesbaden

November,

Krankheit sanft entschlafen.

Wiesbaden, Bahnhofstraße

einen treuen Mitarbeiter.

Schwager und Onket

den 26. November 1940.

Am Sonntag, den 24. November 1940 verschi eines Unfalles unser Ärbeitskamerad

Wilhelm Nagel und Dr. Hermann Nagel

Beerdigung findet am Freitag, det is 3 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

Wiesbaden, Frankfurt a.

Bleichstr. 20, Hl

Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.

und Gefolgschaft der Firma L Rettei

Die Einäscherung findet vormittags 10.15 Uhr au

vollendeten 80. Lebensjahr, Die trauernde

Himbeervflameu l Preußen) abs. Fritz Döring.

Schillstr. 26 lks. d. Kable Müble

Das Glück unserer Jugend ist das Glück unseres Volkes I

Kämpfet mit für die Zukunft f

Werdet Mitglied der NSV.I

Am 25. November verschied unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater

Karl Schmittberger

Bildhauer.

In tiefer Trauer;

Frau Regina Schmittberger, geb. Schäfer und Kinder.

Wiesbaden, den 27. November 1940.

Jahnstraße 7

•Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. November, nachmittags 3 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

■.............. ■' Uli...... ■ —BS

Heute morgen entschlief sanft nach langem geduldig ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere innigstgeliebteMutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

Frau Charlotte Gaßmann

geb. Kuntz im 51. Lebensjahr.

In tiefer Trauer:

Heinrich Gaßmann u. Tochter Lotte

Familie Franz Gaßmann

Unteroffizier z. Z. im Felde

nebst Angehörigen.

Wiesbaden (Röderstr. 5), den 25. November 1940.

Beerdigung findet Freitag nachrn. 21/} Uhr auf dem Südfriedhof statt.

—MM—™——»:

Nach langem schwerem Leiden verschied am 21. November 1940 meine innigstgeliebte Frau, unsere treusorgende gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante

Frau Auguste Behrens

geb. Hoffmann

im Alter von 64 Jahren.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Louis Behrens.

Wiesbaden (Seerobenstr. 5III), Aachen, Würzburg.

Clostar-New Jersey USA., den 26. November 1940.

Die Einäscherung hat in aller Stille stattgefunden. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.