Seite 6 Nr. 271
Wiesbadener Tagblatt
Samstag/Sonntag, 16./17. November 1948
Äus Gau und Provinz
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Wie kam man znr Spätlese
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12. August 1938.
fingen (Boden), Bahnhofstroße 28.
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Hans STÜCK Weberg. 8, R. 28951
Im Kurhaus:
ihglockengeläut und Paukengeroitter. Die i Dem Motiv des Bergsteigens abgesehen,
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20 grobe Reschen Btskirchener Heilquelle Kerlssprudel RM 12.60, 25 grolje fleschen RM 14.-. Niederlage: p. WIRTH K.-G., Wiesbaden Güterbahnhof West Rnf 200 54
Wirklich gute Cigaretten zu mischen, erfordert einen fast unvorstellbaren Geschmackssinn *}
) Nur ein selten begabter Mischungs-Meister vermag die seinen Geschmacks-Schattierungen vieler Hunderter von Tadatsorten, Me er fortlaufend Rauchproben unterzieht, zu unterscheiden und daraus jahraus jahrein den gleichen, vollendeten Wohlgeschmack der Quoll» täts-Cigarette zu komponieren.
Zielen aus dem Busch
Von Heinrich Leis
Blasenleiden
Dos Wasser höbe ich als Arznei betrachtet, und auf diese Weise bin ich die Entzündung der Blase losgeworden. Mein leiden habe Id) jetzt 17 Jahre und mich so durchgeschlagen, Ihr Wasser heilt. M. A. FECKER, Kaufmann, J5h«
X Koblenz. 16. Noo. 2m 99. Lebensjahre steht der Müller Jakob Nivva-Kellenbach. ein Altveteran von 1866 und 1870/71.
— Bernkattel-Cues. 16. Nov. Als 3rau Gertrud Port, die bereits einmal ein Menschenleben vor dem Tod« durch Ertrinken rettete, vom Selbe kam, hörte sie die Schreie eines vierrädrigen Jungen, der sich kramvfbaft am Rand eines in die Mosel binaustreibenden Nachens feftbielt. Sofost sprang die Frau in ihren schweren Arbeitskeidern in die Flut, wurde iedoch durch den starken Wind abgetrieben. Glücklich wieder an Land, versuchte Re mit einer langen Stange, den Nachen heranzubolen. als ein Kabn. mit Leuten einer im Hasen liegenden Baggermaschine beseht, bett Knirps aus seiner lebensgefährlichen Lage befreite.
aver ttng Den Anprall, stürmte aufs neue, mitten tm Getümmel. sich rücksichtslos einsetzend, stürzte der König, von enter Kugel gegen die Brust getroffen. Der Pelz hatte die Wucht des Bleis gemindert, es war nur eine leichte Wunde. ..An meinem Leben hängt am wenigsten", sagte Friedrich zu den Adjutanten, die ibn aufrichteten, „ein jeder tue seine Pflicht!
— Rüdesbeim t. Rim.. 16. Nov. Landrat Tbone konnte an folgende fünf Eefolgschaftsrnitglieder des Eas- verforgungszweckverbandes Rheingau das durch den Führer verliehene Treudienst-Ehrenzeichen in Silber für 25fanrtge Dienstzeit überreichen: Leonhard Adam. Karl irischer. Hermann Löscher. Franz Stutzer und Johann Weyer. — Im Münchhof erfolgte die Freisprechung von drei Gesellen des Fleischerbandwerks: Karl Höhn. Josef Brunner und Willi Lamm.
x Niederlahnstein. 16. Nov. An die hiesige Obstverwertungsgenossenschaft wurde bisber Obst im Werte, von 300 000 RM aus der hiesigen Obstbaugemeinde abgeliefert. Andere Gemeinden, so Dberlabnftein lieferten für 80 000 RM. Braubach für 50 000 RM. Filsen für 130 000 RM Obst ab.
Erkundigung einzuholen. Als der Bote in Fulda ankam, erinnerte sich der Bischof und fand den verschloffenen Bericht in der Tasche feines damaligen Gewandes. Hierdurch verstrichen natürlich vier Wochen Zeit, während welcher die Trauben ganz faul wurden. Diese faulen Trauben aber gaben einen niegetofteten Wein; und von dieser Epoche an führte man aus dem Johannisberge die Spötlefe ein, von wo aus sie sich allmählich verbreitete. Erst im Jahre 1822 wurde die Spätlese im Rheingau allgemein eingeführt.
Feldwebel Adolf w. Saftler.
Der kurze Tag
Don Hans Christoph Äeetgel
gönn. Und wiederum mit neuangefachtem Mut stürmten die Preußen, denen das bell im Brand lodernde Dorf Küvtitz die Richtung wies, denen der durch Sturz mit dem Pferd verletzte General von Hülsen auf einer Protze sich voranfabren liest. In kurzen Stunden des sinkenden Abends batte die Entscheidung sich gewandt, waren die Höben genommen, das Feuer schwieg, kalte Sternenklarbeit breitete sich über die Erde: noch war der erfochtene Sieg nicht zu ermessen. In der kleinen Dorfkirche zu Elsnig sah König Friedrich, in den Pelz gehüllt, auf den Altarstufen. Befehle für die wartenden Kuriere ausschteibeM und der Raum ringsum war angefüllt von verwunderen Soldaten.
Im Morgengrauen des neuen Tages schienen die Gespenster von Nacht und Not weggeweht wie die Schatten des Dunkels. Der Feind hatte zerschlagen das Fela geräumt, in haltloser Flucht auseinanderstiebend vor den Krummsäbeln der Husaren. Noch einmal ward dem alten Zieten glorreiche Erfüllung seines Reiterlebens, ihm, der klein von Gestalt, bählich von Gesicht, rauh und karg ein echter Sohn der Moorbeide geblieben, von hitzigem Blut, das Herz erfüllt von schlichter Frömmigkeit, das Auge funkelnd mit dem Blick des stoßbereiten Falken. Wie der Blitz daherfahrend mit seinen Schwadronen, entschied er diese letzte, graste Schlacht des siebenjährigen Krieges, und die roten Waffenröcke der Husaren mochten dem Überrumpelten* Feind gleichsam Flammen scheinen, die aus Wald und Gestrüpp, auch durch Das diesige Dunkel dieses Novemberabends, mit unaufhaltsam fortzündender Lohe sich ausbreiteten, dast wildes Erschrecken in die zerrütteten Reiben fiel. Ein Schreckensruf unter den Feinden, Jubel der Sieger schwang mit dem von Mund zu Mund gegebenen „Zielen aus dem Busch!", das wie Angriffssignal auftönte, wie es oft kecke Streifscharen der Panduren zersprengt batte, mit dem berübmten Husarenritt Hohenfriedberg. mit der Attacke von Leuthen durch die Herzen geflammt war, stürmisch sich Babn brechender, alle Widerstände niederwerfender vreustischer Reitergeist.
Das erste Früblicht fab König Friedrich wieder inmitten seiner Truppen, und als Zieten rintras, trotz seiner sechzig Jahre sich leicht und gewandt wie xin Jüngling aus dem Sattel schwingend, da eilte der König ihm entgegen, schlost den alten Waffengefährten stumm in die Arme, indes die Erregung ihm die Stimme verschlug und ringsumher Bivat- ruf der siegreichen Kämpfer, noch die mit blutgetränkten Verbänden kauernden Verwimdeten emvorreihend, über den von trüben Schneewehen durchnäbten. schlachtzerwühlten Boden sich erhob.
Auch Daun, der österreichische Heerführer, war im hin und her wogenden Kampf verletzt worden: während ein vreustischer Reiterangriff die feindliche Schlachtordnung durchftiest. Kürassiere und Bavreuth-Dragoner-Regimenter niederritteu und ihre Fahnen erbeuteten, harrte er im Feuer aus. bis an den bedrohten Punkten di» Lage wiederber- S«stellt schien. Neueingesetzte Heeresteile gewannen von den Sreufcen heisterkämvften Boden zurück, und nach den schweren lerlusten von Friedrichs in ihre Ausgangsstellung zuriick- geroorrenen Sturmtruvven wollte der Sieg sich den Kaiserlichen zuneigen. dast ihr Feldherr schon des Erfolges sicher das Schlachtfeld verliest, feine Wunden verbinden zu lallen.
Schon dämmerte der Abend herein, da dröbnte von Süden Kanonendonner, wo Zietens unerwarteter Stost be-
erzählte er mir dies:
Der Sage nach soll durch Zufall zuerst im Rheingau aus dem Johannisberge das Spättesen vorgekommen (ein. Bor der französischen Revolution gehörte der Johannisberg' dem Bistum Fulda an. Im Jahre 1775 machte der Kellermeister auf Johannisberg seinen gewöhnlichen Bericht über den Bestand der Trauben, durch welchen jedesmal die Erlaubnis zur Lese eingeholt werden mutzte. Dieser Bericht kam an, und der Fürstbischof, der gerade Gesellschaft hatte, steckte ihn zu sich, um ihn später zu öffnen — vergaß aber gänzlich diese Angelegenheit. Als die Zeit der allgemeinen Lese eintrat, da wartete man von Tag zu Tag aus di« Erlaubnis aus Fulda. Rach einigen Wochen vergeblichen Wartens wurde endlich ein Eilbote abgeschickt, um wegen des unbegreiflichen Aufschubes
Weder ist Herbst. Die Sonne mischt sich in den Frühnebel der herbstlichen Tage, um am Abend, nach dem fröhlichen Beschluß eer täglichen Weinlese, die ölten Burgen und Berge noch einmal in herrlichen Bildern zu vergolden. Es ist die Zeit, da jeden Deutschen in der weiten Welt die zauberhafte Sehnsucht nach der Heimat angeht. Die Herzen werden lebendiger und die Seele empfindet die Freuden des einzigartigen fiefii Weinlese. Umwob
Am Hubertustag (3. November 1760) war es. im fünften Jahr seines gewaltigen Ringens, da plante König Friedrich den entscheidenden Schlag gegen den auf den Höhen bei Torgau tu starker Stellung verschämten Feind. Ein großes Jagen sollte anheben, um von vorn und von rückwärts zu- gl«lch Dauns Streitmacht zu packen und zersprengt gegen die Elbe zu treiben. Der König selbst führte die über die Dommitzscher Heide vorstostende, die Österreicher umgehende Hauptmacht, indes der alte Husarengeneral Zieten bereit stand, mit seinen Reitern, den ihm zugeteilten Erenadier- bataillonen und Geschützen im Höhepunkt des Kampfes von Süden her entscheidend einzugreifen
Eiskalter Regen peitschte nieder, dichttreibendes Gewölk sperrte die Sicht, als den aufmarschierenden Preusten tm Waldgrund vernichtendes Kartätschenfeuer entgegen« schmetterte. Schwere Baumäste barsten, gierige Ernte hielt der Tod unter den Angreifern, stetig blitzten feindliche Feuer- schlunde durch den zu ichneidendem Schneetreiben verstärkten Sturm. Wo die Grenadiere mit arg gelichteten Reihen in dte Stellung der Österreicher einbrachen, warfen Gegenstöße sie zurück, und vorvrechend bieben feindliche Karabiniers tn dte wankenden Reiben ein. Das zweite Treffen der Preußen aber fing den Anprall, stürmte aufs neue, mitten im ®i
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bunte Zeitspanne der Winzer. Eine dieser lügenhaften Geschichten erzählte mir ein alter Ryeingauer Winzer, wir saßen auf der alten Bank vor feinem rebenumranktem Häuschen. Es war ein
.. , * Jmmunbiologisches Forschungsinstitut in Marburg. In diesem Jahre roirb mit Deutschland die gesamte wissenschaftliche Welt sich der großen Verdienste Emil von Behrings erinnern, 6er mit bet Entdeckung des Diphtherie- unb Tetanus- Serum, die Grundlage für die Jmmuntherapie schuf. Eine roissen- schastliche Biographie über bas Lebenswerk von Behring von den Pr-jessoren H. Zeitz und R. Dieling, sowie eine populäre Biographie von dem tn Deutschland unb auch in anderen Landern bekannten Arztdichter Dr. meb. H. Unger sind Bestand- teile dieser Ehrung, die ihren Höhepunkt am 4. Dezember in Marburg linden wirb, wo, wie schon gemelbet, bie llniversiM Marburg eine Ermnerungsfeier mit anschließender Tagung am 5. unb S- Dezember veranstalten wird. Führende Persönlichkeiten d°a dentschen oftentlichen Leben», sowie bedeutende Forscher» petjonlichkeiten des In- und Auslandes haben ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung bereits in Aussicht gestellt. Das Programm Pe.y “• a. Line Denkmalsenthüllung sowie an den Tagen des wissenschaftlichen Kongresses, dem 5. und 6. Dezember, eine Dor- teagsfolge von bedeutenden Forschern auf immunbiologischem Gebiet vor. Sodann wird ein großes immunbiologisches Forschunas- inftitut gegründet werden, mit dessen Vorarbeit sofort begonnen wirb.
viertes Zyklriskorisert
Das vierte Zykluskonzett stand zum großen Teil im Zeiten des neuen Italien. Die Vortragsfolge begann mit einem Orchesterwerk des heute 44jährigen, aus Rom gebürtigen Mario Labroca, der sich besonders durch zahlreiche Kammermusikwerke einen Namen gemacht hat und auch als geistreicher Mustkpolitiker geschätzt wird. Die gestern erstmalig aufgeführte, einsätzige „Sonata“ für Orchester ist ein köstliches, leicht beschwingtes Merkchen, bas man sich als Ouvertüre einer komischen Oper vorstellen könnte. Es steckt etwas von der Ausgelassenheit und Buntheit des alten römischen Karneval darin. Das Hauptthema, das von den Holzbläsern und dem obligaten Klavier gebracht wird, klingt so lustig wie die Schellen einer Narrenkappe. Das Ganze ist ein in den Raum des großen Orchesters erweitertes Stück Kammerkonzert. Weniger leicht konnte man sich mit dem nun folgenden Konzert in C=bur für Violoncello von E. Francesco M a l i p i e r o befreunden, der übrigen» der Lehrer Labrocas war unb noch heute zu ben führenden Neutönern Italiens gehört. Das' Stück bewegt sich zum Teil in absonderlichen unb eigenwilligen Linien. Am meisten spricht noch ber zweite Satz, ein Largo an, bas von eblen Geigentönen eingeleitet wirb. Aus dem hellen Hintergrunb des Streichorchesters zeichnet sich bie dunkle Linie des Cello wie der Gesang einer Altstimme ab, wodurch dieser Teil' ber Komposition einen seltsamen, traumhaften Zauber gewinnt. Der letzte Satz mit Pauken unb Trommel, abgerissenen Akkorben des Soloinstrument» unb gewagten Toninterroallen hat wieder einen grotesken, fast brüskierenden Charakter. Enrico M a i n a r b i, einet bet glänzendsten italienischen Celjo» virtuosen, widmete sich der Wiedergabe de, ihm gewidmeten, herben und auch gebankenteichen Werke» in selbstloser Hingebung unb siegte mit dem großartigen Schwung und einem an Ekstase grenzenden Temperament übet alle Schwierigkeiten. Kein gtötzeter Gegensatz läßt sich denken al» der, bet zwischen dem mobeinen Meister unb Luigi Bocche11ni, der 1743 in Lucca geboten wurde, in Paris seine ersten Kammermusikwerke schrieb, in Madrid Hofkapellmeister wurde, bann für ben seht musikalischen König Ftiebrich Wilhelm H. von Preußen wirkte unb schließlich 1805 in größter Dürftigkeit starb. Er war ein vorzüglicher Cellospieler und hat viel für biefes Instrument geschrieben. Enrico Mainardi brachte sein Konzert in B-bur für Violoncello unb Orchester. Es wat echte Rokokomusik, was wir hörten, melodiös, fast zärtlich unb gleichzeitig virtuosenhast. Für Italien kenn-
melodischer Abenb, rote so oft bie Abende am Rhein, geschaffen zum Singen unb Jubeln unb auch zum erzählen besinnlicher Geschichten.
Wir sprachen vom Wein unb ich fragte ihn, wie man wohl zur Spätlese ober Ttockenbeerauslese gekommen fei. Unb bann
. Morgen erwache, ist es mir, als stünde ich nicht vor einem Tage, sondern vor einem ganzen Iahte. Ein leidenschaftlicher Wille, viel zu gestalten, ist in mir. Ich springe vom Lager auf unb weiß, daß ich alles, was ich mir vorgenommen habe, meistern werbe. Unb wenn ber Abend sinkt, blicke ich in die Dämmerung unb seufze die kleine Sorge aus. Denn von allem, was ich mit selber auftrug, heut ju gestalten, ist kaum ein einziges Blatt davon geschrieben worden. Da eile ich im Dämmern tn meinen lieben Wald unb kaum, baß die Bäume mich in ihrem Schatten aufnehmen, frage ich mich schon wieder: War wirklich ber Tag zu kurz? Reicht denn die Stunde nicht aus, mich zu erfüllen? Und ich gebe weiter unb beginne mich zu schämen. Ich weiß, der Holzer, der eben mit Axt unb Säge müde an mit vorbeikommt, ist auch am Morgen an bie Arbeit gegangen und wird jetzt sagen: Es ist genug! — Da fällt mir ein, daß es am Ende doch nicht barauf ankommt, wieviel wir am Tage schaffen, fonbern daß wir überhaupt schaffen. Ist nicht ber lag für uns eine Ordnung? Für uns ist er em Atemzug im Ewigen. Wir können doch wenn mit den ernsten Willen dazu haben, den kurzen Tag zum Iahte werden lassen. Wir brauchen uns nur übet unser kleines Leben zu erheben. Das alles tbirb mir bewußt, ba ich mich an ben Baum lehne unb in ben Tag hineinsehe, ohne etwas anberes vom Schicksal zu wollen, als ba zu [ein: Tausend Wunder gehen vor mir auf. Auf einmal sehe ich zu meinen Fähen Tragödien des emsigen Ameisenvolkes. Ich entdecke die brutale Gewalt des starken Baumes, der um mich her bie kleinen Bäume vergehen läßt. Ich sehe im schroinbenben Tage noch nie geschaute Lichter am Himmelsbome. Ich höre auf einen fernen Kinbergesang unb sehe butch bie Walbschneise hindurch drüben auf dem Acker, jenseits des Hainbaches, den Bauern ohne Rast Furche um Furche ziehen. Geburt unb Tod, Kommen unb Gehen ist um mich. In einem kurzen Augenblick, ba ich bas Leben um mich her sehe, vollzieht sich bas Schicksal einer ganzen Welt. Und ba ich bas erkenne ist bie törichte Frage, warum ber Tag so kurz sei, in mit erstorben. Ich sehe, wie lang unb reich «in Tag ist. Et ist so reich, daß ich kaum verstehe, daß ich morgen wieder bie Augen auftun soll, um zu leben, ba ich doch in einem einzigen Augenblick an biefem Baum so viel von Gott erfuhr, baß ich es kaum heimtragen kann. Ein langes Leben kann so flüchtig "seilt wie ein Atemzug. Eine ganze Stunde kann Ewigkeit werden. Es liegt immer an dir, ob u lange lebst auf Erden. Du hast es selbst in deiner Hand, ob du ewig lebst, denn du kannst, wenn du nur willst, in jeder Stunde deines Lebens in die Ewigkeit treten.
zeichnend ist das Votherrschen der Solostimme gegenüber dem Orchester, das reine Begleitung bleibt, ähnlich dem Verhältnis, bas in ber Oper zwischen, Gesang unb Orchester besteht. Durch bas Allegro zog sich Mamarbis fein schattierter Vortrag wie eine Seelenvolle Arie. Leicht, fast wie selbstverstänblich, waren bie vielen chwierigen Passagen hingestreut, mit vollenbeter Anpassung an las begleitenbe Orchester. Gab schon hier bas breit ausgesponnene Hauptthema dem Künstlet Gelegenheit zu gesanglichem, breitem unb großem Vortrag, so veranlaßte ihn bas Abagio mit ben vielen angehängten Rokokoschnörkeln ein wahres Schwelgen in edler Melodik. Der dritte Satz glich einem höfisch steifen unb boch galanten Menuett. Die Kabenz bes ersten Satzes bewies eine kaum zu überbietende, bravouröse Technik. Wit würden es begrüßen, wenn der Meister einmal an -einem großen, tiefer angelegten Konzertstück feine ungewöhnliche Kraft erprobte.
Den Schluß des Abends bildete die von Carl Schuticht geleitete „Alpenstnsonie" von Richard Strauß. Das 1915 erstmalig aufgeführte Werk entstand als eine Epätfrucht ber soae- nannten „sinfonischen Dichtungen". Elsi Jahre, während betet sich Strauß bet Tätigkeit für die Oper zugewandt hatte, waren seit dem Erscheinen ber „Sinfonie bomeftita“ verflossen, so daß man glaubte, bie tßerbinbung sei völlig abgerissen. Met ba kam bie „Älpenfinsonie", bie sich von Anfang an einer gewissen Volkstümlichkeit erfreute. Bei bet Kritik dagegen stieß sie auf mehr ober weniger starken Wiberspruch, der mit gewissen Einschränkungen auch heute noch zu Recht besteht. Gewiß ist bie „Alpensinfonie" ein vollroertteer Strauß mit gleißenden Orchesterfarben. Aber ber äußere Aufwanb steht in keinem Verhältnis zu bem inneren Gehalt trotz Orgel, Kuhglockengeläut unb Paukengewitter. Die Thematik, vielleicht von dem Motiv bes Bergsteigens abgesehen, entbehrt ber Eigenprägung. Die auf bem Gipfel bet Wanderung einsetzende Hauptmelodie, bie immer tn neuen Varianten unb Umkehrungen auftaucht, muß auf eine unbewußte Etinnerun bas schöne Abagio aus Max Bruchs Violinkonzert in g-moll zurückzuführen Jein. Ttotzbem erhalten wir ein großartiges Gemälb« einer Alpenlandschast, bie für ben leidenschaftlichen Bergsteiger Strauß zum Erlebnis roupbe. Panoramaartig ziehen dte vielen Bilder an uns vorüber, oft mit virtuosen Kunststücken ausgemalt, wie bei bem weißsprühenden, glitzernden und rauschenden Wassc. fall. Carl Schuricht wußte als Dirigent diese musikalische Wandeldekoration mit einer bis zur Täuschung erhobenen Wirkung vorübetziehen zu lassen. Die Natur selbst schien mit bem Säuseln ber Bäume, bem Brauen nächtlicher Nebel unb bem trompeten- haft stechenben Glitzern bes Gletschereises zu uns zu sprechen. Das Orchester entwickelte einen ungewöhnlichen Glanz. So würbe die Aufführung zu einem großen Erfolg. Dr. W. W a l b s ch m i d t.
— Frankfurt a. 16. Nov. Beim überschreiten der Straße an der Ealluswarte wurde eine 68jcibrige Frau von einem Lastauto überfahren nntz auf der Stelle getötet — Das Sondergericht verurteilte den 26jährigen. vvrb^ straften Willi Bender wegen Diebstahls zu zwei Jabren neun Monaten Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizenaufficht. Der Angeklagte war zwei Monate nach einer Strafverbüßung auf seinem Rad nach Dorf eiben gefahren, wo er Leute bestahl, die ihm früher Wohltaten erwiesen hatten. Von einem Gartengrundstück nahm er zum Trocknen aufgebängte Wäsche im Wert von 45 RM. aus einem Stall sechs Kaninchen, aus einer Waschküche Kleidungsstücke, in einem Keller 28 Gläser C'... gemachtes und fünf Dosen Wurst unb Fleisch. Schließlich eignete er sich in einem anderen Garten nochmals Wäsche an. Das alles packte et auf das Rad. Untermegs merkte er. daß es beschwerlich war. mit so viel Ballast zu fahren, und er versteckte die Hälfte des gestohlenen Gutes unter einer Brücke. — Die gestohlenen Sachen konnten ieM sämtlich den Eigentümern zurückgegeben werden. Der Angeklagte war bet seinem Aufenthalt in Dorfelden von dem Sohn eines der Bestohlenen erkannt worden, der ibn als mutmaßlichen Tater bezeichnete. Der Angeklagte stahl ine Sachen? um zu Heiratsgut zu kommen, denn et wollte in Bälde betraten. Es bestand der Verdacht, daß er unter Ausnutzung der Verdunkelung handelte, doch vermochte das Gericht dies nicht festzustellen. '
6er führet;
ks ist eine Welt von Vorurteilen eingeriffen wursten uni, glauben Sie mir, es wirst Im taufe stet Jahrzehnte immer schöner »ersten. In Viesern Staate tu leben. Immer größer »ersten Me Ruff eben unb an Ihnen »ersten wir unser Volk Immer mehr juetoanber fliehen, in eine immer engere unb innigere berneilischest verwandeln. ,
. = Aschaffenburg. 16. Nov. Vor llnteralmertheim. als ent Lastzug bet langsamer Fahrt in einer Ankeigung sich betand. letzten sich ein neunjähriges Mädchen unb Junge am bie Verbtndungsstange zwischen Lastkraftwagen und Anhänger. Ohne bae es ber Fahrer siemerkte, wrang, bas Mädchen ab unb wurde überfahren. Es war auf ber Stelle tot. — Zu ber Familientragöbie in der Würzburger Straße, die bekanntlich vier Todesopfer forderte, erfahren wir noch, daß nunmehr der Ebemann festgenommen wurde, da et durch fortgesetzte Nötigung und,Drohungen seine Stau zu ber Verzweiflungstat getrieben bat. ,
MARKLOFF, Hellmundstraße 52 / Ruf 22626
fyiuft: Alf-Eisen — Metalle — Flaschen Lumpen — Akten zum Einstampfen
