Seite 2 Nr. 268
Wiesbadener Tagblatt
Mittwoch, 13. November 1940
Eröffnung der deutschen Buchaussiellung in Kopenhagen
Im Schloß Tharlottenborg in Kopenhagen nahmen der deutsche Bevollmächtigte von Renthe-Finl und der dänische Unter« richtsminister Jörgen Jürgensen in feierlicher Form die Eröffnung der vom Reichsmtnisterium für Volksaufklarung und Propaganda vorbereiteten Deutschen Buchausstellung vor. Außer dem Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark, dem dänischen Außenminister, einer Reihe von Gesandten auswärtiger Mächte, den Vertretern des Reichsministeriums für Dolksauftlürung und Propaganda und des Auswärtigen Amtes war ein auserlesener jtreis von Politikern, Gelehrten und Künstlern bei der Eröffnung zugeaen.
In den Reden des dänischen Unterrichtsministers und des bekannten Schriftstellers Svend Borberg wurde die Ausstellung als außerordentliches Ereignis auf dem Wege der Beschäftigung mit dem neuen kulturellen Schaffen des Reiches bezeichnet. Dabei wurden der alten und engen kulturellen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem dänischen Volke gedacht. In einer großen deutsch-dänischen Abteilung find diese kulturellen Zusammenhänge in Dokumenten, Büchern und BUdern verdeutlicht. Diese Beziehungen unter den neu geschaffenen Verhältnissen verstärkt sortzuführen, war der eindeutige Ausdruck dieser Feier.
Das in zehn Abteilungen gegliederte politische, wiffen- schafrliche und dichterische Schrifttum des Nationalsozialismus nannte der deutsche Bevollmächtigte das geistige Unterpfand und die zweite Waffe der Reiches beim Neubau Europas. Es seien jene Zeiten wieder angebrochen, in denen die Völker Europa» erwartungsvoll auf das Kulturfchaffen des Reiches blicken.
Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von der Lübecker Vereinigung für alte Mufik. Aus dem benachbarten mitteldeutschen Raum kommen auch die Dichter und Wissenschaftler, die in Rahmenveranstaltungen der Ausstellung sprechen werden und ihr den Eharakter einer deutschen Kulturepoche geben.
Stimme nicht verschmähte und gelegentlich fast mehr redete als fang. Das gleiche galt von dem beinahe mrtleiderregenden, stimmlich sehr durchdringenden Mime Fritz Steigens. Thomas Solcher ist als Loge ein vorzüglicher Schauspieler dieser besonders lebendig vom Dichter erfaßten Gestalt. Ewald Böhmer beherrschte mit seinem prächtigen Bariton die großartige Eewitterszene. Heinrich S ch l ii t e i und Wolfgang Etterer als wuchtiges Riesenpaar und das wohllautende Terzett der Rheintöchter Ilse Habicht, Erna Maria Müller und Maria Barth seien nicht vergessen. Reicher Beifall wurde allen Mitwirkenden gespendet. Dr. Wolfram W a l dfch mi d t.
3nt Zeichen der kulturellen Achse Berliner Staatsoper gastiert in Stern — Gegenbesuch der römischen Königlichen Oper
Im Rahmen des deutsch-italienischen Kulturaustausches wird die Staatsoper Berlin in der Zeit vom 1. bis 10. März 1941 im Teatro Reale in Rom mit „Orpheus und Eurvdice" von Gluck, „Entführung aus dem Serail" von Mozart, „Elektra" von Richard Strauß, „Meisterfinger von Nürnberg" von Richard Wagner und einem Konzert der Staatskapelle einen umfassenden Ausschnitt aus deutschem Opern- und Musikschaffen darbieten. Die Königliche Oper Rom wird ihren Gegenbesuch in der zweiten Hälfte de» April 1941 in Berlin machen. Sie wird „Wilhelm Teil" von Rofiini, „Die Nachtwandlerin" von Bellini, „Maskenball" von Verbi, „Romeo und Julia" von Zandonai und da» Ballett „Der große Krug" von Casella zur Aufführung bringen. '
* Bon der englischen .Plutokratie". In der Monatsschrift „Muttersprache" wirb darauf hingewiesen, daß der Ausdruck „Plutokratie^ im politischen Sinne und aus England angewendet, sich vielleicht zum ersten Male in F. C. Schlosser» „Geschichte des 18. Jahrhunderts", die in erster Auflage 1823 erschien, findet. Es heißt darin: „In England hatte die Revolution von 1688 den Prinzen von Oranien, Wilhelm HL, auf den Thron gebracht, er war aber, nachdem er Jakob H. vertrieben und die neue Ordnung der Dinge begründet hatte, als kräftiger Regent den Aristokraten und Plutokraten, die das Volk ausbeuteien, das er schützen wollte, sehr lästig". Und an anderer Stelle: „Dieses Ansehen des Herzogs von Newcastle beruhte so ficher aus der englischen aristokratisch- plutokratischen Verfassung, daß auch selbst der König nicht imstande war Carteret zu halten, sobald er den Neid und die Eifersucht des eigenfinnigen Herzogs von Newcastle einmal erregt hatte."
s«ptlchrifüeiter:cki, «dn Iber; Stellvertreter: Heinrich Ikarl Knnj, verantwort, "chfiir den politischen teil: Heinrich Karl Kan,; für Kunst, Untetbaltnng, Um« gebong und Sport: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichten, vororte und iVirt. schäft,,eil.. Wim Pempel; für den klnzeigenteil: ®tto Kaiser; sämtlich IN wietdoden. «esamtleitun»: Dr. nhU. habu. Gustav Sche iienberg und Otto Kaiser. — Zar Zeit ist Preisliste Nr.» gültig. Drucku. Verlag: cSchellenberg'sche
Rnchdrnckeeei; Wiesbadener Lagblatt. Wiesbaden
Die heutige Ausgabe umfaßt 10 Seiten
:en
über den Siegermäi
union imrch das
unkt zu erreichen. 'Deshalb ging September 1938 nach. München. Das
Ankunft im Gästehaus der Reichsregierung
Reichsminister des Auswärtigen, von Ribbentrop, gc- leitst Volkskommissar Molotow ins Schloß Bellevue, wo der Chef der Präsidialkanzlei des Führers, Staatsminister Dr. Meißner (links), den East und seine Begleitung empfing. (Weltbild, Ä.)
Beileid des Führers
zur Erdbebenkatastrophe in Rumänien
Der. Führer bat S. Majestät dem König von Rumänien anläßlich der Erdbebenkatastrophe seine Anteilnahme telegraphisch übermittelt.
Mit diesem Vertrag hatte sich ein völlige r. W andel in den Beziehungen beider Länder vollzogen. Darüber hinaus war der englisch-französische Plan eines Zweifrontenkrieges
Mißglückte Rechtfertigung Chamberlains (Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Der überfall der englischen Fremdenlegionäre
Ein Bericht de» französischen Kolonialministeriums über die Lage in Libreville
machte der Oberkommisiar in Dakar Mitteilung, daß er keine telegraphische Verbindung mit Libreville mehr hab«, daß sich aber Fort E e n t i I immer noch in den Händen der loyalen französischen Streitkräfte befindet.
Antonescu nach Rom abgereist
Bukarest. 12. Nov. Der Chef der rumänischen Regierung. General Antonescu. reist am heutigen DienslW- abend auf die Einladung des Duce hin nach Rom ab. Er wird u. a. von Außenminister Sturdza begleitet. Die Mission wird einen Sonoerzug benutzen und am Donnerstag früh in Rom Eintreffen. ,
Genf. 12. Nov. Wie aus Vichy gemeldet wird. gab das französische Kolonialministerium einen Bericht über die Lage in Libreville auf. der besagt, daß bis .Montag- abend in Vichy keine Bestätigung der von ausländischen Rundfunksendern angekündigten Übergabe von Ltbremlle, der Distriktsbauotstadt von Gabun, nach dem Übenall durch die englischen Fremdenlegionäre de Eaulles etngettoffen jet. Dagegen habe der Vizegouverneur von Franzosisck- Äquatorialafrika. General Tetu. am 10. November abends dem französischen Oherkommisiar in Dakar em Telegramm gesandt, in dem mitgeteilt wurde, daß aut die Aufforderung an den Anführer der Rebellen, die Zivilbevölkerung eoakure- ren ru lassen, eine Antwort eingelaufen fei. die. besagte: „Sie sind von allen Seiten eingeschlossen. Es bangt von „ihnen allein ab. blutige und unnütze Kamme zu vermeiden. Ich bestebe erneut darauf, daß Sie die Stadt übergeben. — General Tetu schloß fein Telegramm mit der Mitteilung ad. daß die mörderischen Kämpf e vor den Toren der Stadt weitergeb en. Um 22 Uhr am Sonntagabend
rollern", die Jacht Wilhelm II. Der Zar hatte damals gerade die Niederlage der Russen im Kriege mit Japan zu verwinden. er war auf England durch die russisch-englischen Zwischenfälle schlecht zu sprechen, und diese Stimmung benutzte der Kaiser, um zu einem Vertrage zu gelangen, der mit einem Schlage die Machtverhältnilfe in Europa umstürzen sollte. Er überredete den Zaren zu einem deutsch-russischen Deiensto- bündnis. und der Zar war auch bereit, ein solches Bündnis zu unterzeichnen. Die Entwicklung vollzog sich dann freilich wesentlich anders, als Wilhelm II. glaubte erwarten zu können. Er stieb bei seinem eigenen Kanzler Bülow auf Bedenken und Widerstand, und auch die Stimmung des Zaren schlug bald um. nadiöem die Franzosen zu erkennen gegeben hatten, daß sie schwerste Bedenken gegen den Vertrag von Biörkoe hegten. So blieb Biörkoe eine Episode, über die Bülow in feinen „Denkwürdigkeiten" etwas von oben herab urteilt: „daß sich durch einen Handstreich in wenigen stunden eine Jett 15 Jahren bestehende Machtgruvpierung nicht andern läßt. Bülow hat daraus aber nickt die Erkenntnis gezogen, daß nun durch intensive Arbeit diese Machtgruvvieruna batte ümgestaltet werden müßen, und so ging unter ihm und seinen Nachfolgern die Entwicklung ihren Weg weiter: die Einkreisung Deutschlands wurde vollendet.
as. Berlin. 13. Nov. Winston Churchill bat sich am Dienstag als Grabredner betätigt. Er bat dem irgendwo m London tagenden Unterhaus — das Parlaments- baude gab man bekanntlich auf — offiziell den Tod Chamberlains mitgeteilt. Dieser Nackruf war genau so verlogen, wie die sonstigen Reden Churchills. Er war verlogen soweit, er den Mann betraf, dem er galt, Chamberlain, dessen Friedensliebe Churchills glaubte ber- vorheben »u muffen. Die Welt weiß heute lehr genau, daß nicht der Friede Chamberlains Ziel war. sondern daß sich dieser Mann ganz in den Dien st der Kriegshetzer unv Churchill gestellt batte. Chamberlains soge- irgnnte Friedenspolitik diente nur dazu, einen für den in England beschlossenen Krieg gegen Deutschland möglichst 8 u n st i gen Zeitpunkt zu erreichen. Deshalb ging auch Chamberlain tm September 1938 nach München. Das ist von zuständiger englischer Seite bestätigt worden, hat doch das Reuterbüro selbst beim Tode Chamberlains zugegeben. ..daß er es war. der durch eine einzige mutige Tat den Krieg um 12 Monate hinaussckob. und auf diese Weise verhinderte, daß die Katastrovbe über England in einem Augenblick bereinbrach. in dem. wie wir jetzt willen, unsere Verteidigung noch nicht ausgereickl hätte, um einer Herausforderung entgegenzutreten." Damit ist von englitöer Seite noch einmal klargestellt worden, daß München in den Augen Chamberlains und in den Augen
radikal vernichtet. Alle Hoffnungen aber, das sich zwischen Berlin und Moskau doch noch wieder Spannungen cinfteUen würden, erwiesen sich als trügerisch, es zeigte sich vlelmebr, und der deutsch-russische Grenz- und Freundsckaftsvertraa vom 28. Seotember v. I. bewies das ebenso wie das Wirtschaftsabkommen vom 11. Februar d. I.. daß sich das deutsch-russische Verhältnis immer enger gestaltete. Der Führer hat in feiner Reichstagsrede im Juli d. I. den Kern der Dinge unter Hinweis auf damalige britische Hetzmeldunaen mit den Worten herausgeschält: „Ich hielt es unter diesen Umstanden iur richtig, vor allem mit Rußland eine nüchterne Jnterellen- festsetzung vorzunehmen, um einmal für immer klarzulegen, was Deutschland glaubt für feine Zukunft als Interellengebiet ansehen zu müllen und was umgekehrt Rußland für feine Existenz als wichtig hält." Wenn jetzt der rufsifcke Regierungschef in Berlin weilt und wenn Besprechungen auf der Grundlage dieser deutsch-rufsischen Vereinbarungen erfolgen, so zeigt das am besten, wie sehr sich diese Politik bewährt hat. Daß sie den Engländern nickt in das Konzept paßt, verrät ihre Presse allzu deutlich. Wir hätten es übrigens auck ohnehin "lcht bezweifelt. Die Engländer sahen damit noch einmal bestätigt.'daß nicht Re es sind, sondern die jungen Völker, die die Grundlagen schaffen für Öen Neubau Europas und Asiens.
Kretschmer beim Führer
Das Eichenlaub znm Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes überreicht
Berlin. 12 Nov. Der Führer und Oberste Befehlshaber überreichte heute in der Reickskanzlei dem U-Vootkommandanten Kavitanleutnant Otto Kreschmer al, sechstem Offizier der deutschen Wehrmacht das ihm aus Slnlaft bet Versenkung., von 200 000 Bruttoregistertonnen Endlichen vandelsschlfsraums verliehene Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eifernen Kreuzes.
Englands nur als Zeitgewinn gedacht war. Davon will der Kriegshetzer Nr. 1. Herr Churchill, heute nichts willen, er möchte gar zu gern die Couren feines Verbrechens verwifchen. Aber das alles hilft ihm nicht, wir und mit uns die Well willen, wo die Kriegstreiber sitzen. Der Kriegsverbrecher Lburckill ist am wenigsten geeignet, feinen Kumvan Chamberlain reinzuwafchen.
Nicht minder verlogen war die Rede Churchills, soweit sie die gegenwärtige Lage betraf. Chamberlain, so meinte er. fei in. dem Bewußtsein gestorben, „daß wir über, den Berg sind". Das steht auf der gleichen Hobe wte dte Redensarten, mit denen der ohne Erfolge aus dem Nahen Osten nach England zuiückgekehtte Herr E d e n um sich wirft. Er versicherte nämlich, „die Zukunft ist uns sicher...und tn einer Rede an die Soldaten im Raben Osten erflarte er: „Wenn die Stunde kommt, werden wir alle zur Siegesfeier heimfahren." Das wird ausgerechnet in einem Augenblick getagt, in dem selbst englische Zeitungen und englische Admiräle über die für England so überaus gefährliche Bedrohung der Seewege klagen. Die „Daily 2Jia.il sieht sich sogar zu der Forderung veranlaßt, die nicht kriegswichtigen Einfuhren noch weiter einzuschränken, denn die größte Gefahr Englands liege, so tagt das Blatt, heute auf der See. wo England im Gegensatz zum Weltkrieg allein kämpfen mülle. Auch Churchill selbst hat ja nicht gewagt, sich völlig dem verlogenen Optimismus hinzugeben. Er bat vielmehr gemeint, daß noch „ein langes und .zufallreiches Leben" vor England liege. Die englifcken Plutokraten willen, was damit gemeint ist. .Sie sind nicht gewillt ihre Kinder, ihre Rennpferde und ihre Hunde solch „Zufällen auszusetzen. Sie ziehen es somit, wie es eben die Erben des Herzogs von Westminster taten, vor. ihre wertvollen Blumensammlungen — tn diesem Falle Orchideen — nach STmerita zu schaffen. Das eim- ltsche Volk blickt diesen Rennvferden und Blumen nach. Es wird sich im Hagel der Bomben und — angesichts der vernichteten Eeleitzüg« wohl feine eigenen Gedanken über Eng- lanös Zukunft machen, da es die Trostlosigkeit der Gegenwart allzusehr emofindet und dieser Trostlosigkeit nicht »u entgehen vermag.
Im Weltkrieg haben beide Völker schwer gelitten, und es hat sich hier die Richtigkeit jenes Wortes, erwiesen, das Reichsaußenminister von Ribbentrop einst sprach: „Deutschland und Rußland ist es früher immer schlecht gegangen, wenn sie Feinde waren, aber gut. wenn sie Freunde waren. Nack dem Weltkrieg hat es nickt an Versuchen einer Zusammenarbeit gefehlt. Der am 16. April 1922 m 91 apaIIo abgeschlossene Vertrag sah die beiden Staaten zum erstenmal nach dem Kriege in einer g ent einsamen Fron t segen- "chten des Weltkrieges. Obwohl der Sowiet- nnion durch das Versailler Diktat der Anspruch auf eine deutsche Kriegsentschädigung eingeräumt worden, war, verzichtete sie dennoch auf dieses Recht und schlo« mit der deutschen Delegation einen Sondervertrag. Vier Jahre spater kam der sogenannte Berliner Vertrag zustande, der. wie es tn der Präambel heißt, von dem Wunsche geleitet war., „alles zu tun, was zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens beitragen kann." Die Ratifikationsurkunden über die Verlängerung dieses Berliner Vertrages wurden mit starker Verspätung am 5. Mai 1933 ausgetauscht, also nach dem Umbruch in Deutschland. Trotzdem handelt es sich bei allen diesen Vereinbarungen nur um Akte, die in der grasen Politik keine entscheidende Wirkung erlangten. Die Wendung tn den deutsch-sowjetischen Beziehungen wurde vielmehr erst herbet- geführt. als Frankreich und England erneut versuchten. Rutz- land für ihre Zwecke einzuspannen und das alte »viel der Zeit vor dem Weltkrieg zu wiederholen. London und Pans waren zum Kriege gegen Deutschland entschlossen, und sie glaubten diesen Krieg nach dem alten Rezept von 1914 fuhren zu können. Mußten ne schon erkennen, daß die Schaffung, der Achse ihre Berechnungen was Italien anlangte völlig über den Saufen geworfen hatte, so wollten sie dock keineswegs auf die sowietrufsifche Hilfe verdickten, um aus diese Weife Deutschland in den Zweifrontenkrieg zu verwickeln. So entspann stck jenes fr a n zösi s ch-e n g l i i cke Liebeswerben um Moskau, das von der deutschen Presse... mit mancherlei ironischen Bemerkungen begleitet wurde. Hatte man in London und Paris etwas feinere Ohren gehabt, so hatte man nicht überhören können, daß Stalin bereits am 10. Marz 1939 erklärte, auf dem Gebiet der Außenpolitik fei Vorsicht am Platze, uni „den Kriegsvroookateuren. die es gewohnt sind, sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer, holen zu Iahen, nicht die Möglichkeit zu ge6enL die Sowjetunion in Konflikte zu ziehen." Diese ablehnende Haltung Sowjetruglands gegenüber den Kriegstreibereien Englands und Frankreichs begegnete sich mit der Initiative des Führers. Wohl versuchten England und Frankreich doch nock zu irgendwelchen Vereinbarungen mit Moskau zu gelangen, aber ihre Unterhändler mußten schließlick ergebnislos abziehen, in. die englnck- französische Ofiiziersabordnuna erlebte sogar nock in Moskau den Tag der Unterzeichnungdes deuts.ck-rusfischen Nichtangriffs- und Konsultativvaktes.
Reformarbeit in Frankreich
Auflösung sämtlicher Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften
Genf. 12. Nov. Wie aus Vichy gemeldet wird, enthält das amtliche Gesetzblatt vom heutigen Dienstag mehrere große Erlasse, durch die die Auflösung sämtlicher Arbeitgeber- verbändK und Arbeitnehmergewerksckaften verfügt wird. Das Vermögen der aufgelösten Organisationen wird bis zur endgültigen Verfügung, vom Staat Dermaltet. Mit der Auslosung der Trusts und Gewerkschaften wird auch der Einfluß endgültig beseitigt, der sich unheilvoll aus die französische Innen- und Außenpolittk ausgewirkt bet.
Im Deutschen Theater Wiesbaden:
Der Ring des Nibelungen
Wieder einmal und erstmalig unter der Leitung von Dr. Ernst Cremer wird Richard Wagners ,Iking" aufgeführt, und zwar in der vollständigen Reihe, wie es egm Meister beabsichtigt war. Wir begannen gestern mit dem „Rheingold", das als Vorabend für das Verständnis des gigantischen Werkes so überaus wichtig ist. Nicht nur inhaltlich, weil hier der Grundgedanke „Macht gegen Liebe" knapp und monumental formuliert wird, und der schicksalhafte Weg des eigentlichen Helden der Tetralogie, nämlich des Wotan, hier bereits beginnt, sondern vor allem musikalisch. In schöner Klarheit find die Hauptmotive breit nebeneinander gelagert wie mächtige Quadern, auf denen der kunstvolle Bau des Dramas errichtet werden soll. Von hier aus entwickeln sich die mustkalischen Leitgedanken, die sich später immer weiter verästeln. sich umformen und neue Verflechtungen eingehen. Das vielstimmige Gewebe wurde von Ernst C r e m e r mit bekamrter Sicherheit und viel Liebe nachgezeichnet. Die prachtvollen Tongemälde des Wallalaweia und vor allem des Gewitterzaubers mit dem folgenden Einzug der Götter in Walhall waren farben- gefätligr und groß in der Auffassung gehalten. Angenehm wurde die Dampfung des Orchesters während des Gesanges empiumien, so daß die Deklamation der Darsteller mit seltener Deutlichkeit hervortral. Trotzdem gingen keine Feinheiten der Partitur verloren, dramatische oder tonmalerische Figuren traten mit Entschiedenheit hervor, so daß. vielleicht von einigen Sajroantungen in der Blechbläsergruppe abgesehen, der Verlauf der Amfuhrung voll befriedigte. Was die Solisten betrifft, so war die Rolle der Fricka durch Gerda Heuer neu besetzt. Die an sich etwa» blasse Figur dieser Göttin wußte sie durch natuarische Ruhe hoheitsvoll zu gestalten, auch erfreute ihr gepflegter und wohl gerundeter Sopran. Elisabeth Herbert hatte als Erda bei ihrem kurzen Austritt Gelegenheit, die von einem mystischen Schleier umwogte Szene durch die Schönheit ihres sonoren All recht feierlich zu machen. Die kleine, wenig umrifiene Rolle der Freia wutte durch Annelies R o e r i g gesanglich durchaus befriedigend durchgefuhrt. Die übrige Besetzung war die bekannte und an dieser Stelle wiederholt gewürdigte. Lothar Weber fesselte erneut durch die Ätaft seines frischquellenden Bariton und ließ darstellerisch den Riß ahnen, der durch die Seele des Wotan geht. Dabei zeichnete sich sein Spiel durch große Zurückhaltung und Vornehmheit au». Sein Gegenspieler wat Victor Ho spach al, Alberich, der, seiner grotesken Rolle entsprechend eine naturalistische Färbung der
