Ferdinand Marian, Kristina Söderbaum, Heinr. George
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Louuerstag. 24. Oktober 1340
Wiesbadener Tagblatt
Rr. 251 Seite 7
25. Fortsetzung
(Nachdruck verboten)
von dir.
„Sag mal, Walter", begann er dann zögernd, deiner Zeit vielleicht eine Schwester Dorothea in
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wedderschen Klinik?"
Der andere erwiderte mit einem pfiffigen Lächeln und meinte daun nachdenkend:
SM&i 3 {ach UaMacec!
Wenn sie mit „Soltit“ behandelt werden, halten sie dreimal solange und werden außerdem wasserdicht. Das spart Geldl
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Harlunger wußte in seiner Erregung kaum noch, was er sagte.
Der andere hob nachdenklich die Schultern und sah dem Rauch seiner Zigarre nach.
„Das kann ich-natürlich nur annehmen. Sie hatte ja dort nichts mehr zu suchen."
„Warum?" ereiferte sich Harlunger. Er fühlte in diesem Augenblick keinerlei Hemmungen mehr. Mochte der andere von ihm denken, was er wollte. „Sie konnte ja auch Bekanntschaften in San Remo gemacht haben? Zum Beispiel die Kollegen, die euren Patienten behandelten."
Gerbing begriff noch nicht, worauf diese Frage hinauswollte.
„Ich finde, du interessierst dich da in einem so außerordentlich weitgehendem Matze für diese Schwester Dorothea, mein Lieber ... ich glaube doch, du .. ."
Mit rascher Bewegung erhob sich Harlunger.
„Dazu habe ich auch allen Grund", sagte er frostig. „Ich bin mit Dorothea Rittberg verlobt. Deine Mitteilungen waren jedenfalls sehr aufschlußreich für mich. Ich danke dir für deine Offenheit."
Ohne weiter eine Antwort Eerbings abzuwarten, ging er hinaus.
(Fortsetzung folgt.)
„Dorothea —? Augenblick mal . . . ja, natürlich. Ein verdammt hübsches Mädel sogar. Alter Freund ...“, er hob warnend bat Finger, „solltest du da etwa . ..?"
Das breite Lachen des ehemaligen Kameraden ärgerte Herbert.
„Ach, lächerlich", wehrte er mit einer ungeduldigen Be
„Natüilich. Das verlange ich ja auch gar nicht
Ich kann mir ganz gut vorstellen, daß es sich dabei vermutlich um eilte Liebesgeschichte handelt, nicht wahr?" forschte Herbert weiter. Er gab sich große Muhe, seiner Frage einen beiläufigen Ton zu geben, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte.
Der andere hatte denn auch feine diebische Freude daran, als er sah, dah der Freund wie ein Fisch an der Angel zappelte.
„Mag sein", meinte er, als sei ihm die Geschichte schon langweilig. „So genau erinnere ich mich auch nicht mehr an die Sache. Das sagte ich dir ja schon. Jedenfalls, als sie damals aus San Remo zurückkam, nahm sie ihren Dienst bei Rohwedder nicht wieder auf.“
Herbert fatz starr. Im buchstäblichen Sinne des Wortes. Und es dauerte eine ganze Weile, bis er zu sich zurückfand.
Dorothea in San Remo . . .?
Niemals hatte sie davon gesprochen. Und hatte er nicht auch von Jupp Karten aus San Remo . . .?
„San Remo . . .?", wiederholte er dann fragend. Er hatte im Augenblick nur diesen einen Gedanken, der alles in ihm ausfüllte. Er hatte sich also doch nicht getäuscht. „Was hatte sie denn dort zu tun?“
Gerbing hatte eigentlich die feste Absicht gehabt, Herbert alles zu sagen, was er von der Sache wußte. Denn Dorothea hatte dem Professor damals alles gebeichtet und durch das innige Verhältnis, das zwischen Rohwedder und Pram- minger bestand, blieb auch den übrigen Angestellten der Klinik die Sache nicht verborgen und hatte wochenlang ein dankbares Tagesgespräch abgegeben. Aber nun sah et doch, datz dem anderen die Geschichte merkwürdig nahezugehen schien. Unversehens wurde auch er ernster. Wer weiß, wie die beiden zueinander stehen, dachte er. Die Wahrheit konnte in gewissen Fällen auch zerstörend wirken.
„Sie ging damals auf Veranlassung Rohwedders nach San Remo. Es handelte sich um einen völlig aussichtslosen Fall von Tuberkulose. Der Patient starb auch in der Tat schon nach wenigen Wochen."
„Und Doris . . . ich meine, Schwester Dorothea, kam bann gleich wieder zurück?"
wegung ab. „Schwester Dorothea hat sich bei Kestenberg um eine Anstellung beworben und da habe ich dem Alten versprochen, daß ich mich auf der Durchreise in München über sie erkundige. Das ist alles. Du weißt ja, wie das so ist. Ich konnte Da natürlich nicht gut nein sagen, obgleich ich lieber gleich durchgefahren wäre."
Die plötzliche Redseligkeit Harlungers bestärkte Eerbing nur noch in der Annahme, daß Herbert bier seine eigenen Interessen vertrat. Aber er ließ sich nichts anmerken. Wie du willst, mein Junge, dachte er nur bei sich. Ein Heimlichtuer bist du ja schon immer gewesen.
„Meiner unmaßgeblichen Meinung nach brauchtet ihr da gar keine Bedenken zu haben, Herbert", sagte er sachlich und ließ den anderen nicht aus den Augen. „Rohwedder war jedenfalls außerordentlich zufrieden mit ihr. Ich erinnere mich sogar, daß er einmal ausführlich darüber mit mir sprach und wie leib es ihm dabei tat, als sie bahn wirklich abging. Erzähle das nur deinem Alten . ..“
Harlunger sah fragend auf.
„Warum hat er sie dann nicht gehalten? Das verstehe ich nicht recht. Eine Schwester, auf die man sich verlassen kann, läßt man doch nicht so einfach gehen?" wunderte er sich oder tat wenigstens so.
Doch der andere durchschaute seine so stark interessierte Frage.
„Ja . . . weißt du ... es gab damals wohl irgendein dummes Gerede, das ihr wohl die Stadt hier verleidet hatte. Ich entsinne mich nicht mehr so genau an die Einzelheiten, aber wie gesagt . . ."
„Da bin ich aber doch neugierig, Walter. Erzähle nur weiter .. .“
Harlunger rückte nervös die goldgeränderte Brille zurecht und sah sein Gegenüber erwartungsvoll und gespannt an.
„Das kann ich mir lebhaft vorstellen", sagte Eerbing und lächelte.
„Ach ... es war nichts Dienstliches", wich er bet Frage bann aus. „Ich möchte auch um Gottes willen Dem Mädel nichts in ben Weg legen, zumal ich nichts Bestimmtes weiß. Außerbem liegt das alles doch schon Jahre zurück", fügte er langsam hinzu und freute sich, wie sein Besucher immer ungeduldiger wurde.
„Nun, ich bin da anderer Meinung, Walter", widersprach ihm Herbert. „Das Außerdienstliche spielt bei einer Schwester, und vielleicht gerade bei einer Schwester mitunter doch eine große Rolle."
.vielleicht", gab der andere lässig zurück. „Aber sicher nicht, wenn es sich um rein persönliche Dinge handelt. Ich jedenfalls möchte dabei nicht gern den Angeber spielen. Das begreifst du doch?"
Herbert nickte.
„Unsinn, Herbert. Das kannst du bei mir oben ebensogut “nVtLaIIei -Ruhe besorgen. Mein Apparat ist zwar nicht in Ordnung und deshalb mußte ich eben mal hier tele- Pbonteren. Aber ohnedem hätte ich dich ja nicht getroffen, aifo du kommst jetzt mit heraus. Du hast ja hernach den ganzenNachmittag für dich. Um zwei beginnt nämlich meine Sprechstunde."
Harlungen sah mit innerem Unmut, daß cs hier kein Entrinnen gab. Gezwungen fügte er sich.
„Du hast also schon eine eigene Praxis? fragte er dann und ließ sich willig von dem anderen führen.
„Jawohl, alter Junge!" lachte Eerbing übermütig. „Sett ganzen vier Wochen. Spezialist für Nerven- und andere eingebildete Kranke. Nein, nein, du brauchst gar nicht so gönnerhaft zu lächeln. Es waren sogar schon Patienten da, richtige, barzahlende Patienten."
Wenige Minuten später hatten sie Eerbings Behausung erreicht.
„Wem gilt überhaupt deine Sehnsucht hier in München?" fragte Eerbing, als man die neue Einrichtung genügend bewundert hatte und sich nun in seinem Arbeitszimmer gegenüber saß. „Erzähle doch mal...“
Herbert war diese direkte Frage wenig angenehm. So eng waren die Bande nicht, die ihn an den ehemaligen Studienfreund knüpften, daß er ihn nun gleich einen tieferen Einblick in die wenig erfreulichen Dinge gewährte, die ihn hierhergeführt hatten.
„2ch wollte nur die Rohweddersche Klinik aufsuchen, um dort .. .“
„Rohwedder?" fiel Eerbing ein. „Was willst du denn von dem alten Knaben?"
„Wieso? Kennst du ihn?"
. »Na klar, mein Junge. Ich habe doch zwei Jahre lang bei ihm assistiert. , Aber soviel ich weiß, hat er inzwischen verkauft ...”
„So ...?" Herbert saß enttäuscht. Das war eine Nachricht, die feinen ganzen Reiseplan umwerfen konnte. „Seit wann ist er beim von hier fort?"
Gerbing zuckte die Achseln.
„Ich, hörte auch erst vor einigen Wochen davon, als ich nach München zurückkam. Ich war inzwischen längere Zeit am Pathologischen Institut in Darmstadt."
Dann ist also meine ganze Reise hierher umsonst gewesen, dachte Herbert Harlunger vergrämt. Dann konnte er Doris auch ebensogut in jeder anderen Anstalt suchen. Mit einiger Gewißheit hatte er sie nur bei Rohwedder vermuten können. Alles rückte nun wieder in unbestimmte Fernen .. .
Zwischen zwei Welten
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