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Seite 10 Nr. 244

Wiesbadener Tagbiatt

Mittwoch, 16. Oktober 1940

______^wischen zwei Welten

K/ Roman von Eruft Stau

18. Fortsetzung (Nachdruck verboten)

Seufzend legte er die Papiere in den Kasten zurück. Er mit seiner seßhafteren Natur würde wohl kaum jemals dazu kommen, nur einen Teil dessen zu sehen. Vielleicht war es auch gut so. Jeder mußte das Feld bestellen, bas ihm sein Schicksal zugewiesen hatte.

An Doris dachte er dabei nicht.

7.

Schwester Dorothea empfand in diesen Wochen so recht die niemals umzustoßende Wahrheit des Wortes, daß Arbeit, daß unermüdliches Schaffen die beste Medizin gegen jedes Leid, gegen jede Not waren. Die Einrichtung der neuen Kinderstation lag zum größten Teil auf ihren Schultern und nahm alle ihre Kräfte vom frühen Morgen bis in den sinken­den Abend hinein in Anspruch.

Profesior Rohwedder hatte in zwei Stockwerken des ge­räumigen Gartenhauses zehn große, sonnendurchflutete Zim­mer frei gemacht, in denen sechzig Betten Platz finden sollten. Alles mußte von Grund auf neu angeschafft und auf die kleinen Bewohner eingestellt werden, die Räume wurden hell und mit lustigen Bildern ausgemalt, im Park wurde ein aus­gedehnter Spiel- und Turnplatz angelegt, ein vorbildliches Licht- und Luftparadies inmitten der Großstadt sollte es werden. Sogar ein besonderes Arbeitszimmer ließ sich Roh­wedder hier einrichten, in dem alles auf die Welt des Kindes eingestellt war, in dem er für seine neuen Schützlinge nur der gute Onkel Doktor sein wollte. Überall aber war man mit größter Eile am Werke, denn der Profesior konnte es kaum erwarten, seinen Lieblingsplan endlich in Erfüllung gehen zu ieBcn.

Von den behördlichen Stellen der Stadt, in deren Händen die Jugendbetreuung lag, die um die vielfältigen Nöte der Kinder in dieser großen Stadt wußten, wurde sein neues Unternehmen freudig begrüßt. Und der letzte Handwerker hatte kaum das Haus verlasien, als auch schon die ersten der kleinen Gäste ihren Einzug in das neue Heim hielten und von ihm Besitz ergriffen. .

Daß es ihnen ein Heim rm wahrsten Srnne des Wortes wurde, war neben dem Profesior in erster Linie Doris zu danken, deren ganze Liebe in mütterlicher Hingabe den jungen Menschenkindern hier galt. Aus Schwester Dorothea wurde gleich in der ersten Stunde die von allen vergötterte Tante

Doris der gute Geist des Hauses, dem man alles anvertrauen durfte, der für alles Verständnis hatte. Obwohl der Profesior ihr ein ausreichendes Hilfspersonal zur Seite gestellt hatte, kamen die kleinen Pfleglinge mit allen ihren Wünschen und Anliegen doch immer wieder zu Tante Doris. Und Rohwedder selbst war jeden Tag aufs neue begeistert, wenn er sah, wie gut sie mit den Kindern auskam.

Da war der kleine Rudi, ein sechsjähriger, etwas altkluger Knirps, dessen Eltern mit einem Obstwagen durch die Straßen der Stadt zogen. Sie konnten sich bei diesem müh­seligen Erwerb zu ihrem eigenen Leidwesen nicht viel um das Kind kümmern und der lichtlose Hof einer grauen Miet­kaserne im Osten war sein ständiger Aufenthalt. Nun lag er hier mit einer üblen Drüsenentzündung und sah ganz ver­schwollen aus, weigerte sich aber mit aller Entschiedenheit, vor dem Profesior den Mund aufzumachen. Wie immer mußte erst Tante Doris eingreifen. , m

„Ich glaube, du bist am Ende gar nicht krank, Rudi , meinte sie und sah ihn zweifelnd, doch mit einem- unmißver­ständlichen Ernst an. _

„Aber ich habe doch eine so dicke Backe, Tante. Das sieht doch jeder", gab er selbstsicher zurück. „Das siehst du doch auch, nicht wahr?"

Eine dicke Backe? Natürlich sehe ich das. Aber weißt du auch, woher das kommt, Rudi? Du hast sicher ein paar Murmeln im Mund."

Der Kleine schüttelte lebhaft den Kopf. Glaubte sie ihm etwa nicht?

„Nein. Tante, ganz gewiß nicht", beteuerte er ernsthaft, wie ein Mann. r

„Doch", beharrte sie mit gutgesprelter Strenge. „Gleich gibst du die Murmeln heraus, sonst komme ich nie wieder zu dir ans Bett."

Ein beleidigter Blick traf sie. Der kleine Mann war aufs tiefste gekränkt.

„Wenn du etwa denkst, daß ich schwindele ... da ... guck doch selbst, ich habe keine Murmeln drin . . .". rief er mit Tränen in den Augen und riß den Mund weit auf. Womit Doris ihren Zweck erreicht sah.

Der Professor konnte bei solchen Szenen, die sich täglich mehrfach in allen möglichen Formen wiederholten, so recht von Herzen lachen.

„Ihre Kinder beneide ich jetzt schon, Schwester", meinte er einmal bei einer derartigen Gelegenheit. „Eine solche Mutter haben nicht allzuviele. Ich denke heute schon mit Schrecken an den Tag, an dem sie uns hier einmal verlasien werden."

„Meine Kinder . . .?", wich sie ihm lachend aus. „Die habend doch jetzt schon sehr gut bei mir, denk' ich?" Elück-

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licherweise wurde sie in diesem kritischen Augenblick abge­rufen.

Kopfschüttelnd sah er ihr nach. , r . v. ,

Muß doch wirklich ein furchtbar dummer Kerl sein, btejer Harlunger oder wie er heißt, dachte der Alte. Läßt ein Mäd­chen wie diese Dokis einfach laufen, weil ihr gutes Herz mal für einen anderen geschlagen hat und ahnt nicht, was er selbst damit aus der Hand gegeben hat. Als ob er je in seinem Leben eine besiere Frau finden könnte. Weiß der Himmel, wenn ich nicht schon zu alt wäre, ich würde mich keine Sekunde besinnen, noch einmal . . . llnsinn, alter Knabe, unterbrach er sich dann selbst, damit ist's für dieses Leben zu spät . . . schade...

Abends, wenn die Schar der Kleinen zu Bett gebracht worden war und die unruhigen Geister endlich schliefen, stand Dorothea manchmal noch am Fenster ihres Zimmers und sah auf das bunte Leben und Treiben der Straße hinunter. Schräg gegenüber lag der große, elegante Bau des „Minerva- Hotels", dessen funkelnde Drehtüren von dem ununter­brochenen Kommen und Gehen der Gäste in ständiger Bewe­gung waren. Noch ein Stück weiter hinauf konnte sie die weu- ausladende, glasüberdachte Halle des Bahnhofes „Zoologischer Garten" sehen, und oft lag ein heißes, verlangendes Sehnen

in ihren Blicken, wenn sie den hellerleuchteten Fernzugen nachsah, die von hier aus hinausfuhren in die große, unbe­kannte Welt. Und die Gedanken zogen dann mit ihnen in die Ferne, wurden zum Zaubermantel, der sie hinübertrug an die Stätten, wo die Merksteine standen, die ihrem Leben Richtung gegeben hatten: München mit der Welt Peter Kir- stätters, San Remo mit der stillen Villa Beatus, Mittenwald und sein kleiner, friedvoller Gottesacker und zuletzt Unter­kirchen, das in seinen Weinbergen versponnene Städtchen am Rhein.

Herbert. . .

Jetzt, wo sie in einem neuen Leben, in neuer Arbeit Ruhe gefunden hatte, konnte sie öfter und ohne Groll auch an ihn denken. Ob er wohl um diese Stunde auch in seinem Zimmer saß und die Gedanken rückwärts wandern ließ, fragte sie sich in solchen Augenblicken und freute sich, daß diese Fragen ohne Schmerz kamen. Oder ob er sie seit jenem Abend wirklich ganz aus seinen Gedanken gestrichen hatte? Er war ja in allen Dingen so genau, so gewisienhaft, bestimmt würde er ...

, (Fortsetzung folgt.)

Ist das Glttefc unseres Volkes! G Werdet Mitglied der NSV!

Am 15. Oktober 1940 verstarb plötzlich mitten aus einem Leben treuester Pflichterfüllung mein lieber Mann, unser treuer Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

Karl Köbe

Schneidermeister.

In tiefer Trauer im Namen aller Hinterbliebenen:

Frau M. Köbe.

Wiesbaden, Neugasse 4.

Die Einäscherung findet am Freitag, den 18. Oktober, vor­mittags 11.15 Uhr auf dem Südfriedhof statt. — Von Beileids­besuchen bitten wir abzusehen.

Unseren Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser lang­jähriges Mitglied und ehemaliges Vorstandsmitglied

Karl Köbe

Schneidermeister

plötzlich und unerwartet verschieden ist. Wir gedenken seiner in Ehren, er wird für Immer In unseren Reihen weiterleben.

Herrenschneider-Innung Groß-Wiesbaden u.Untertaunus Paul Fr. Bester, Obermeister.

Die Einäscherung findet am 18. Oktober 1940, vormittags 11.15 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

Männer-Gesangverein „HILDA“e. V. Wiesbaden

UnserenMitgliederndietraurigeMitteilung.daß unserEhrenmitglied Karl Köbe

Schneidermeister

plötzlich verschieden ist. Seit 48 Jahren stand er in unseren Reihen als treuer Sänger und Förderer des deutschen Liedes. Wir werden ihn nie vergessen.

Die Einäscherung findet am 18. Oktober 1940, 11.15 Uhr auf dem Südfriedhof statt. Um vollzählige Beteiligung bittet

Der Vorstand.

Am 15. Oktober 1940 entschlief sanft nach langem schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine herzensgute Frau, Schwester, Tante und Schwägerin

Frau Emmi Wolf

im 39. Lebensjahr.

In tiefer Trauer:

Uffz. Reinhold Wolf

nebst Angehörigen.

Wiesbaden, den 16. Oktober 1940.

Goebenstraße 16

Die Beisetzung findet am Freitag, den 18. Oktober 1940, um 15 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

Statt besonderer Anzeige.

Unsere von Herzen geliebte Mutter, Schwiegermutter, Groß­mutter und Urgroßmutter

Frau Anna von Scheven

geb. Simon

Ist heute im 90. Lebensjahr nach kurzem Leiden sanft entschlafen.

In tiefem Schmerz: H. E. von Scheven, Major a. D. zugleich im Namen, der übrigen Hinterbliebenen.

Wiesbaden, Mainzer Str. 19 — Dienstag, den 15. Oktober 1940.

Die Trauerfeier findet in aller Stille statt. — Von Blumen­spenden bitte ich Abstand zu nehmen.

Gestern früh wurde unsere liebe Schwester

Frau .uise Graefe I

geb. Werner

von ihrem Leiden erlöst.

Karl und Helene Werner.

Wiesbaden, Beuthen, Jüterbog.

Kapellensfr. 1,1

Einäscherung Samstag 10.15 Uhr auf dem Südfriedhof.

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Römerberg 6 und 10

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Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom liebsten was man hat, muß scheiden.

Am 15. Okt. verschied unerwartet meine liebe Frau, treusorgende Mutter, Tochter, Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante

Frau Johanna Kratz

geb. Schneider

im blühenden Alter von 40 Jahren.

Im Namen der Hinterbliebenen:

Emil Kratz nebst Kind Ursula

W.-Sonnenberg, den 16. Oktober 1940.

Platter Straße 59

Die Beerdigung findet Freitag, 18. Okt., nachm.

2.30 Uhr auf dem Rambacher Friedhof statt.