Seite 4 Nr. 228
Wiesbadener Tagblatt
Freitag, 27. September 1946
Wiesbadener Nachrichten
Ritterkreuzträger Major Cramer
Ein Sckiiler der Wiesbadener Oberrealkchule ausgezeichnet
Al-?ützrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht befünnMfr VS e r-V?er oiel,en Wiesbadenern versönlick S™/, nicht nur als tüchtiger Offizier sondern
S44 «S?tr«aßenbet Sportler einen Namen gemacht hat. mit des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.
• 1 Ziemer wurde am 24. Mai 1911 als ^ndeslnwektors in Straßburg geboren. Er ACh;Jre™'$uIe Strakburg und die Ober- r e a I i ly u l c t h Wiesbaden, auf der er das Reife- dc,^ Jnr 9-tm ?• ?DriI l930 war er als Schütze in
%nÄ' •*’ 21 eingetreten und wurde am 27. Juni 1931 »nh V^er ernannt am 6. Juni 1933 zum Fähnrich ino!- am o r.1118 rl93l äum Leutnant befördert Nachdem er mnnhi3»UI Luftwaffe ubergetrsten war. erfolgte seine Kommandierung zum Vorbereitungslebrgang für die Olvm- Pxa b e-661 der Serressportschule Wünsdorf. Nach verschte- nmn?1 nar?nI r1 «J1 internationalen modernen 5unffantj)f rn Budapest teil. Am 2. August 1936 wurde er wi1Ano^t iln\»19^9 äum Sauclmann und am 19. Juli 1940 außer der Reibe zum Major befördert.
um»« irr >-tiac-m4 r. der schon während des Polenfeld- ffi .5 ,5^dafi°tkavltan erfolgreiche Angriffe geflogen f?Vi bei verschiedenen Einsätzen gegendie eng-
l Vit 41 ’J1 Staffel schwere Treffer auf
HilwV ® 'M f c erzielen. In Norwegen
9rnh«r=»«c -“ut ben<tyXunen oegen die Engländer r Molderiord und Drontbeim. Als Eruppen- 8??,V""deur folg er an der Spitze seines Verbandes gegen Boulogne. Le Havre. Amrens. Nantes. Mehr als 40 000
Tonnen Schiffsraum konnte seine Kruppe versenken. Auch im Kampf gegen England bat Major Eramer durch seinen beispielhaften Einsatz und'die vorbildliche Führung seiner Gruppe im entscheidenden Matze zu den Erfolgen des Kampfgeschwaders beiaetragen.
Der Schulbeginn nach Fliegeralarm
Eine zusätzliche Anordnung für Schüler des schulpflichtigen Alters
Der Reichsminister für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung hat in Erweiterung seines kürzlich veröffentlichten Erlasses über den Schulbeginn nach nächtlichem (Fliegeralarm folgendes angeordnet: Der Vormittagsunterricht für Schüler des schulpflichtigen Alters — d. b. für die Volksschulen und die Klassen 1 bis 4 der Mittel- und höheren Schulen — fällt aus. wenn in der Nacht vorder über 24 llhr hinaus Fliegeralarm gewesen ist. Dieser ausfallende Unterricht wird durch Nachmittagsunterricht, der in die Zeit von 14 bis 1? Uhr zu legen ist und nur wesentliche Schulfächer umfassen soll, ersetzt, wenn die Belegung der Schulgebäude dies gestattet und der Unterricht anderer Schulen oder Klassen nicht geschädigt wird.
— Wer kann Angaben macken? Verloren wurde am 24. September zwischen 15 und 17 Uhr auf dem Wege vom Hotel Rose über Langgasse. Kirchqasse. Moritzstratzc, Landeshaus, Kaifer-Friedrich-Ning, Reisingerbrunnen bis Herbert- Anlagen eine einfache aber als Andenken wertvolle Perlenhalskette mit kleinem goldenen Kastenscklotz und Haken. Die Perlen verjüngen sich nach den Enden zu. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen an die Krim.-Pol.. Z. 78.
Das Schuljahr beginnt Anfang September und dauert bis Ende August. Es ist eingeteilt' in den theoretischen Ausbildungskurs von September bis Ende April und die praktische Hotelausbildung während des Sommers. Der fremdsprachliche Unterricht wird auch während des zweiten Halbjahres fortgesetzt. Nach einer mündlichen und schriftlichen Abschlußprüfung erhält die Schülerin ein Abschlußzeugnis. Der Unterricht erstreckt sich auf Deutsch. Geschichte. Volkswirtschaftslehre, allgemeine und besondere Hotelbetriebo- lebre. Rechnen und Buchhaltung. Küchendienst. Ernährungs-
Die »Hobe Schule" über dem Neckartal
(Photo Meuer)
und Kochlebre. Nahrungsmittelkunde. Zimmerdienst. Wäschebehandlung. Hallen- und Sveiseraumdienst. Fremdenverkehrs- und Werbewese-n, Englisch. Französisch. Italienisch. Kurzschrift. Maschinenschreiben und Leibesübungen Wer diesen vielgestaltigen Lehrplan mit 36 Wochen stunden mit Erfolg absolviert hat. ist eine perfekte Hotel- oder Eaststätten- gebilfin und kann bei Bewährung in mancherlei Berufe aufsteigen. Sie kann Zimmerbeschlietzerin. Wäscheoerwalterin. Haushälterin. Büfettfräulein. Kaffeeköchin. Saaltochter und schließlich als höchste Stufe Leiterin von Fremdenheimen werden.
Das Schlotzhotel in Heidelberg wurde vorher völlig erneuert und für den neuen Zweck umgebaut. Während der Saison werden etwa hundert Zimmer für Gäste zur Verfügung stehen. Diese Zahl wird sich noch erhöhen, da der bis- herige Chauffeurbau des Schloßhotels so umgebaut wird, datz die Schülerinnen dort wohnen können. Mit diesem ersten Schulhotel sind der Frau neue Möglichkeiten im Hotelberuf eröffnet.
Das erste deutsche Schulhotel
Der neue Beruf der Hotel- und Gastttättengebilfin
Am 23. September öffnete das erste deutsche Schulhotel, erne. einzigartige berufsvorbereitende Erziehungsstätte in del berg, ferne Pforten. 50 junge Mädchen haben in eb hoch über dem Schlag einzig gelegen mit p-6-”1 berühmten Blick auf bas. Neckartal. Einzug gehalten. Sie werden dort keine Gaste lettt. sondern Schülerinnen des ersten Schulbotels. Und gleichzeitig stnd diese 50 Mädchen die ersten Vertreterinnen eines neuen Berufs, der
U = und Eaststättensehilfin. Das. Schlotzhotel wird wie- bisher auch wei- ^bln dem Verkehr zur.Verfügung stehen. M. mt,Vb <»rer ber xn, der Saison von War bis August hier wohnen wird überwiegend von. weiblichem Personal betreut. Denn was die Schülerinnen während des Winters von September bis Mai in fleißigem theoretischem Unterricht im Schul- ootel gelernt haben, das wird im Sommer praktisch angewendet. Junge Mädchen in hübschen Uniformen werden am Portal den Gast empfangen, freundlich begrützt den East der werbliche Portier und nimmt die Anmeldung entgegen. Junge Mädchen geleiten um auf sein Zimmer, besorgen lernend die Reinigung der Schube, das Aufräumen des Zimmers, die Ausbesserung der Wäsche sowie dre Bedienung im Zimmer, in Restaurant und Sveisesaal In der Hotelbuchhaltung sitzen lML.eMadchcn..ste schreiben dem East, wenn er abrersen will, dre Rechnung und kassieren. Sie walten in der Küche und im Keller, kurz, ste erledigen alle Arbeiten, die rn einem..modernen Hotelbetrieb nur vorkommen können.
Es ist die „Hohe Schule" des Hotels, die ganz besonders durch die Initiative des Leiters der Gruppe Beherbeigungswesen in der rrachgruppe Gaststätten- und Beberber- yungsgewerbes. Fritz Gabler in engster rmsammenarbeit mit Staat. Stadt Heidelberg und der Wirt- schaftsgruvve Gaststatten- und Beherbergungsgewerbe Berlin gegründet wurde. Heidelberg hat nun neben der dort schon seit zwölf. fahren bestehenden Neichssachsckule für das Hotel- und Gaststattengewerbe eine weitere Spezialschule für weibliches Hotelpersonal erhalten, die „Berufsfachschule für Hotel- und Gaststattengehilfinnen". Beide im übrigen völlig getrennte, aber unter einer Leitung stehende Schulen sind tm Winter in den Raumen des Schlotzhotels untergebracht.
Gaststättenlehrling und Gaststättengehilfin ist der neue Perm. für den das neue Schulhotel vorbereiten wird. Auf- genommen werden junge Mädchen ab 15% Jahren ohne praktische Vorbildung im Gaststättenberuf. In einer Auf- nahmeprufung mutz lediglich der Nachweis erbracht werden, datz sie..in der Lage sind, den Anforderungen des Unterrichts zu genügen. Der Lehrgang dauert ein Jahr. Innerhalb der ersten sechs Monate mutz ein dreijähriger Lehrvertrag abgeschlossen werden, wobei der Lehrgang als erstes Lehrjahr angerechnet wird. Die Schulleitung berät bei der Wahl des Lehrbetriebes. Das Schulhotel wird als Internat geführt.
Sorge um den Nachwuchs
Jugendfckutz verbürgt Hockleistungskraft
. Auf dem Gebiete des Jugendarbeitsrecktes sind trotz der Kriegszeit die Arbeiten tatkräftig weitergeführt worden. Der Iugendschutz verbürgt die Sicherstellung der Hochleistungskraft, die für das WirtlKafts- schaffen unumgänglich notwendig ist. 45 135 Betriebs- jugcndwalter und -walterinnest betreuen und erziehen dre Jugendlichen unmittelbar an ihrem Arbeitsplatz. Ihre Arbeit hat sich besonders auf dem Gebiete des 2stgend- arbeitsrechtes ausgewirkt. Iugendschutz ist Volksschutz: in dieser Erkenntnis gipfelt die gesamte Arbeit des Jugendarbeitsrechtes. Wenn der Jugend geholfen wird, so wrH damit sogleich dem ganzen Volke geholfen, denn das Volk mutz ein Interesse an der Sickerung einer gesunden, leistungsfähigen und wehrtauglichen Generation haben. p.
TAG-PANIERMEHL
TIP1X /
Viele tausend Grütze der Kameradschaft
Die Partei verschickt Feldpoktväckche»
Dienststellen der NSDAP/ sind nie stille, verlassene Winkel gewesen und werden es auch niemals sein. Hier pulsiert das Leben, herrscht die Arbeit für das Gemeinwohl. ergeben sich immer wieder neue Aufgaben, die. kaum gestellt, angevackt und gelöst werden. Wer aber in diesen -laßen die bekannten Diensträume betritt, findet einen Hochbetrieb bei so fröhlichen Gesichtern wie selten zuvor: Die Partei verschickt Feldvostväckchen an ihre Front- lameraden.
Natürlich stehen alle Ortsgruppen der NSDAP, rote auch die Einheiten der Gliederungen seit Kriegsausbruch mit ihren eingerückten Kameraden in engster Verbindung. Sie senden ihnen regelmäßig Berichte über die Arbeit in der Heimat und ihre Erfolge, sie stellen ihnen pünktlich die "gewohnten Zeitungen zu. erfreuen sie mit Büchern und Päckchen mit kleinen Gebraucksgegenständen und Erfrischungen. Diesmal aber hat sich gleich der ganze Kreis ans Packen gemacht und seine Dienststellen in wahre Warenhäuser verwandelt. Am stärksten sind natürlich alle Arten Packungen mit Zigarren. Zigaretten. Zigarillos und Tabak vertreten. Rasterapparate. Rasterklingen. Seife. Puder. Paste und Kämme tragen der Körperpflege des Soldaten Rechnung. Als Erfrischung während der Anstrengungen des Dienstes sind Trockenfrüchte. Fruchtsäfte. Drops. Datteln und Schokolade beigefügt. Für die Freizeit sorgen Spiele und ausgewäblte Werke aus dem reichen Schatz deutschen Schrifttums.
Überall werden ste herzliche Freude auslösen, die tausend und abertausend Grütze treuer Kameradschaft, die nicht zuletzt auch die lebendigen Zeugen eines gläubigen Vertrauens und eines unbeugsamen Siegeswillens eines starken und wahrhaften Volkes sind.
— Wiesbadens Anlagen im Serbstschmuck. Zu dem kraftvollen Rot der dekorativen Cannae gesellt sich jetzt das hellere Rot der 6alöten, die wir überall, angefangen beim Kurgarten bis zu den Bahnhojsanlagen. vom Kockbrunnen bis zu den Blumenbeeten in Biebrich. finden. Daneben leuchten uns verschiedene Phlox-Arten in lilarot und violettblau entgegen, die sich zusammen mit den aoldbronce- wrbigen und gelben Blüten der winterharten javanischen Chrysanthemums trefflich ausnebmen. Den ausdauernden Herbstasternarten mit ihren zahlreichen lilakranzförmigen Blumen, steht noch der fächerförmige Solidago zur Seite und auch die fette Henne fehlt unter den Svätblühern nicht. Selbst Rosen finden wir noch", so am Bahnhof, ebenso in der Friedensanlage, in Biebrich und an der Brunnenkolonnade. Der wilde Wein trägt gleichfalls allenthalben zur Belebung des Stadtbildes bei. Seine flammendrot gefärbten Blätter zieren die Mauern des Nerobergbahnviadukts wie die Häuser der Hindenburgallee. Eine lebendige Note in das Grün der Anlagen bringen die roten Fruchtdolden der Ebereschen.
— Unfall im Haushalt. In der Platter Stratze schnitt stch eine Frau beim Kartoffelschälen so unglücklich in den Ballen der linken Hand, datz sie eine stark blutende Wunde davontrug und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mutzte.
— Goldene Hochzeit. Unsere Mitbürger, der Geh. und Oberregierungsrat a. D. Hermann v. Kruse und Frau Gertrud, geb. de Terra, Rauenthaler Stratze 20, begehen heute das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Unseren herzlichen Glückwunsch.
— Wiesbadener Biehhofmarktberickt vom 26. Sevt. Für 50 kg Lebendgewicht in RM:. Ochsen a) 44,5—46,5, b) 42,5, c) 37.5: Bullen a) 44.5. b) 40.5. c) 35: Kühe a) 42,5—44,5, b) 37—40,5. c) 27—34,5. d) 15—25; Färsen a) 45,5. b) 39—41,5, c) 35—36,5: Kälber a) 59. b) 5». c) 42—50. d) 32^40: Schweine a) 58. W I. 58. H. 57. c) 55. d) 52. Hammel b) I. 51.
mehr eine gepuderte Belehrung ab. sondern nahm den Apfel frech wie ehedem und ursprünglich in die rechte Hand, auf die Faust. Rieb ihn dann über den linken Ärmel, bitz herzhaft zu, daß es krachte, die Backen 'schwollen wie Fußbälle, sie Zähne, die fletschenden, schliffen sich weiß.
Mein Kamerad und seine Frau schrien vor Vergnügen: Endlich einer, der anständig feinen Apfel ißt! riefen sie, machten mirs nach — ich aber beschloß, nie mehr — auch nicht in wichtigen Dingen — nach fremden Manieren zu schielen, sondern das zu tun, was mir jeher als gesund und nahrhaft kräftic-rmaßen bekommen war.
Äpfel und Menschen
Erlebtes von Heinz Steguweit
Die Äpfel, mögen sie von Boskop fein oder Goldparmänen und Reinetten heißen, ja, die Äpfel scheinen eine Gattung der Besonderheit. Wachsame Hesperiden hüteten ste in Heros Gärten, Schiller legte sie in die Schublade des Schreibtisches, so heißt es, dann stieg durch die Rillen des Möbels ein Klima auf, in dessen nahrhaftem Zephir ein Don Carlos gedeihen konnte, auch Wallenstein und das Lied von der Glocke.
Genug. Ich will erzählen, wie es kam, daß ich die Äpfel heuer nicht anders esse als ehedem; dazu bedarf es vorab des Bekennens, daß ich als Knabe ohne besondere Unterrichtung und gleichsam aus Selbsterziehung einen gewaschenen Apfel in die rechte Hand nahm, auf die Faust, wie man lagt. Alsdann wurde der Apfel rundum gedreht, nach Wurmlöchern abgesucht, und schien die Frucht gesund, wurde sie über den linken Ärmel gerieben, an hohen Feiertagen noch übers Hosenbein. Das Reiben wie Putzen geschah mit polierender Gründlichkeit; mit einer Härte sogar, die auf der Oberfläche des Apfels nicht nur jeden Hauch von Schmutz zugunsten eines lackähnlichen Hochglanzes entfernte, auch alles Lebewesen mußte fliehen, vom Bazillus bis zur Mückenbrut. Endlich schnupperte man noch über den Boskoper ober Gravensteiner, rollte die Augen vor Behagen, dann erst bisien die Zähne hinein, daß es krachte. Fand sich dennoch ein Wurm, spie man den Bezirk seines Unwesens aus, aber am Genuß des im Herbst gereiften Fleisches änderte sich nichts: die Backen schwollen wie Fußbälle, die Zähne schliffen sich weiß. Zehn Jahre lang hatte solches Kauen und Genießen sich gelohnt; ich war kräftig geworden, allein der Klaffenlehrer, der mich beobachtete, schüttelte den Kopf: Diese Art des Äpfelessens fei eine Unart, meinte er, vom Reiben oder Waschen würden die tückischen Bazillen, Kocken und Vibrionen keineswegs vernichtet. Rein, einen Apfel miiffe man schälen — also!
Seit meinem zehnten Lebensjahr schälte ich die Äpfel. Ein leichter Kummer riefelte mir durchs Gemüt, ich trauerte jenen . Zeiten nach, da ich sorgenfrei und unbehelligt die Äpfel gerieben und bann verzehrt hatte; die Ahnungslosigkeit war vorüber wie alles Erguickliche. von dem die Seele nur das goldene Stäubchen der Erinnerung auf ihre Schleppe zu bewahren pflegt. Ach, das Zubeißen ins Üppige und Volle, mir war es immer ein Gleichnis der Aufrichtigkeit gewesen. . .
Fünf Jahre vergingen, eine Wandlung tarn, sie geschah im Hause einer vornehmen Familie zu Blankenese. Ich saß als East
* Carl Schuricht wird am 2. Oktober im Teairo Comunale in Florenz ein Gastkonzert leiten. Er wurde außerdem für Turin und Mailand eingeladen.
* Elisabeth Herbert, die dramatische Altistin des Deutschen Theaters, und die einheimische Pianistin Maria Bergmann bestritten kürzlich in Bad Nauheim auf Einladung der dortigen Kurverwaltung einen Lieder-, Arien- und Klavier-Abend. Die Preffe rühmte das prachtvolle, in allen Lagen voll ausgewertete Organ und den farbenreichen Ausdruck der Sängerin mit besonderem Hinweis auf die ideale Vereinigung von Opern- und Liedbegabung. Die junge Klavierkünstlerin wurde als eine temperamentvolle Musikantennatur gewürdigt, deren qroßliniges Spiel --ne wunderbare Kraft der Verinnerlichung und hohe technische Meisterschaft offenbarte.
* Florentiner Festspielorchester spielte zugunsten des WHW. Das Florentiner Festspielorchester gab in der Berliner Philharmonie unter der Schirmherrschaft des italienischen Bot- s« £rit!J’on £tej Konzerten, die zugunsten des Kriegs- WHW.. des Deutschen Roten Kreuzes und für die Verwundeten in einem Lazarett veranstaltet werden. Unter der Leitung von ®™.° M " r t n u z z 1 erspielte sich das Orchester mit deutschen und itohentfdfen Sßerten einen starken Erfolg, der eine Zugabe erfor- berte. Die betben anberen Konzerte werben von bein ständigen werben" 6" beS Florentiner Orchesters, Mario Roffi, geleitet ,, * ©efangsmeiiter Littorio Moratti an die Salzburger Sock- schule für Musik berufen. Der bekannte Mailänder Eesangs- padagoge V-ttorio Moratti wird am 1. Oktober seine'Lehr^
<an.ber Salzburger Hochschule für Musik aufnehmen. Moratti, der seine Studien zum Teil in Deutschland gepflegt hat, gewesen fP eten 3a6ten in Deutschland kein Unbekannter
an der Tafel, zum Nachtisch wurde Obst geboten, man sprach von Schopenhauer, Cagliostro und Rembrandt van Rijn. Einige behaupteten, sie hatten Dantes göttliche Komödie von Anfang bis Ende gelesen, diese Lügner. Dann erreichte mich die Silber- platte des Obstes. Ich wußte: Auf der Platte hatten Trauben, Bananen, Pfirsiche und Aprikosen gelegen — ich saß am letzten Kopfende, für mich war ein Apfel, ein Äpfelchen geblieben, rotwangig und duftend. Die Einsamen zu trösten, dazu schien ich immer ausersehen; also nahm ich mich des Früchtchens an und schor ihm mit dem Obstmesser liebkosend den Pelz, wie mich vor fünf Jahren mein umsichtiger Klaffenlehrer gelehrt hatte. Der Bazillen wegen!
Die schärfsten aller Dinge sollten der Verstand und das Obst- meffer sein, daß stch aber beide besonders stumpf gebärden, schien mir im Falle der Blankeneser Familie besonders aristokratisch. Und selbigen Augenblicks, da ich die abgelöfte Schale als Spiralgebilde über dem Teller wirbeln und schweben liefe, erreichte mich das Gelächter der tafelnden Herrschaften. Man nannte mich einen lieben Naturburschen, was, ins Deutsch ber Aufrichtigen übersetzt, geifeen sollte, baß ich ein ausgemachter Flegel sonber Manieren sei. Zugleich wurde mir die Aufklärung zuteil, daß es auf den Gastgeber beleidigend wirke, in gewaschenem Zustand servierte Apfel noch einmal zu schälen, man dürfe ste lediglich in Scheiben und Spalten zerlegen, um nach Entfernung des unbeliebten Kern- gehauses die Frucht zu genießen.
Ich nahm den Rüffel zu mir wie gewaltsam verordneten Baldrian: mit fünfzehn Jahren mußt du noch manches lernen, sprach ich meine Seele an, die nicht ohne rebellische Zuckungen etwas später das vornehme Haus nahe der Elbe verließ. '
2ahre darauf, für einen Jüngling bedeutet die Frist oft Ungeheures, durfte ich als Ausiaufchfchüler klovfenden Herzens an Bord eines Griechen wohnen, der mit feiner Jacht nach großer (fahrt nunmehr durch die Ostfee kreuzte; Bis Gotland wollte er, der Abenteurer reichen Kalibers. Am ersten Tag gab es Äpfel, he schmeckten hesperidisch, zeigen wollte ich, was mir die Schule vornehmer Leute eingetrichtert hatte: Ich wagte es nicht, den Apfel zu schalen, ich zerlegte ihn nur in Scheiben und Spalten, entfernte das unbeliebte Kerngehäuse . . .
Der Grieche rang die Hände:, einen Apfel müffe man sowohl waschen als auch schalen und in Scheiben schneiden, zürnte er — es mag genügen.
2ch zog in den Krieg, die Welt wurde unfriedlich. Der Krieg ging zu Ende, ich zog heim, die Welt wurde noch unfriedlicher. Und dort, wo der Rhein sein Siebengebirge hat, saß ich im Garten etnes alten, mit mir wund gewordenen Kameraden. Die Hausfrau brachte gewaschene Goldparmänen, ich aber wartete nicht
