Veite 4 Nr. 203
Wiesbadener Zagblatt
Donnerstag, 29. August 1940
_ Wiesbadener Nachrichten
Sie machte einem Narvikkämpfer eine Freude
Was ein Verwundeter in einer Biebricher Wirtschaft erlebte
Aus. Soldatenkreilen wird uns folgendes nette Erlebnis mitgeteilt:
Tatberichten des Rundfunks ist eine Eoisode der Lsrentlichkert bekannt 8ermorden, der zufolge ein Flak- der von der.Front zuruckyekommen war. in einem -oerliner. Geschart beim Einkauf einer Schachtel Zigaretten noch zwei. Mark augerdem erhielt. Aur diese Geschichte bezug nehmend, begann unser ..alter Spieß" in einer Unterkunft d^r Fliegerkameraden mit geheimnisvollem Schmunzeln zu erzählen, tag er uns beweisen wolle, es gäbe nicht nur in Berlin solche, guten Menschen, sondern auch hier, und gespannt horten wir ihm zu. dem in Norwegen der rechte Fuß halb weggeschossen worden war. Er war von Narvik nach Danzig rns Lazarett gekommen und als er dort einigermaßen Merit worden war. kam er zur Ausheilung der Wunde nach Wiesbaden. Einmal ,uhr er nach Biebrich, um dort einen Be- mnnten M besuchen und trank in einer Wirtschaft zwei Bittere. .Der Writm reichte er einen Schein übers Büfett. Sie tarn redoch gleich wieder und gab ihm eine grobe Schachtel Mit Zigaretten und Mischen.der und ihrer Hand lag sein Geld..Er dachte, der Aste lauste ihn. da brachte sie doch tatsächlich.noch dbendrein einen Teller mit gebackenen Eiern an, über die kern Hase druberlpringen konnte. Mit den besten Wünschen Tur eine baldige völlige Genesung ist dann „unser alter Spieß" abmarschiert. Ihr seht also, schloß er seine kleine Erzählung dan es auch.hier liebe Menschen gibt. Di« Schnalle zum EK. leuchtete 6rett und festlich von seinem Waffenrock, an. dem er bereits aus dem Weltkrieg her das E. K. I trug, wahrend er uns^dre Schachtel mit den Zigaretten reichte, und ledei von uns griff sich eine. Wir Soldaten haben ein seines Verständnis für diese Aufmerksamkeiten und schlichten Zeichen des Dankes, und wir bedauern nur. daß so selten eine solche Episode bekannt wird. Darum wird „unser alter Spieß gewiß nichts dagegen haben, wenn wir sein Erlebnis hier zum Besten gegeben zu Nutzen und Frommen aller Leser."
Erleichterung der Borratswirtschaft
Zucker für Einmachezwecke kann schon jetzt bezogen werden
. Mit.den Lebensmittelkarten für die 14. Zuteilungs- verlode ist auch eine neue Reichskarte für Marmelade (wahl- welse Zuckers zur Ausgabe gelangt, die bis zum 12. Januar 1"41 Gültigkeit hat. Es wird darauf hingewiesen, daß es wohl moaltJÖ tit aut"bfeie Karte bereits jetzt Zucker zu beziehen, das redoch die Abgabe von Marmelade nur zu den auf den Einzelabschnitten angegebenen Zeiten, also beginnend mit dem 21. 10.1940, zulässig ist. Demgemäß dürfen die Verteiler die Bestellscheine für Marmelade auch erst eine Woche vor Besinn der betreffenden Zuteilungsveriode zusammen mit den Bestellscheinen der übrigen Lebensmittelkarten entgegen- nehmen, den Bestellschein 16 also erst Mitte Oktober, die Be- stellscheine 17 und 18 weitere vier bzw. acht Wochen später. Chweit tue Verteiler unzulässigerweise solche Bestellscheine schon entgegengenommen haben, sind sie ihren Kunden für die iwtere Lieferung der Marmelade verantwortlich. Sie müssen diese Bestellscheine, die ihnen das Ernährungsamt vorläufig nicht abnrmmt, also sorgfältig verwahren.
Wer dagegen an Stelle von Marmelade Zucker beziehen will.» weil er den Zucker für Einmachezwecke braucht, kann bereit» letzt alle drei Bestellscheine für Zucker beim Verteiler a.bgeben. und den gesamten Zucker darauf auch jetzt schon beziehen. . Selbstverständlich kann man mit der Abgabe der Bestellscheine für Zucker auch bis zum Beginn der betreffenden Zuteilungsveriode warten. Es empfiehlt sich überhaupt, von der Möglichkeit, an Stelle von Marmelade Zucker beziehen zu können, nur dann Gebrauch zu machen, wenn das dafür erforderliche Obst zur Verfügung steht oder mit Sicherheit zu erwarten ist. Verbraucher, die statt Marmelade Zucker beziehen und dann aus irgend welchen Gründen kein Obst einkochen, können unter keinen Umständen damit rechnen. *vor dem 12. Januar 1941, dem Ablauf der Marmeladenkarte neben dem ihnen gelieferten Zucker auch noch Brotaufftrichmittel zu erhalten.
Wichtig für den Einzelhandel
Viel Freude beredete die Brauerei Felsenkeller am Mitt, wochnachmittag wieder 25 Verwundeten Wiesbadener Lazarette. Sie nahmen int Kameradschaftsraum der Brauerei an dem Betriebsavvell teil, bei dem Betriebsführer und Betriebsobmann erhebende Worte der Kameradlchäft zwischen Front und Heimat fanden. Jedem Verwundeten wurde zur Erinnerung ein Buch überreicht. Musik und Gesang des Werk' chores verschönten den Nachmittag, für den der Sprecher der Verwundeten herzlichst dankte.
Mietverpflichtungen nachkommen!
Wenn 'Mietbeihilfen nicht bestimmungsgemäß verwandt werden
Die Vorschritten über den Familienunterhalt, den die Angehörigen unserer Soldaten vom Staate erhalten, sind am 26. 8. 1940 neugefabt uni in mancher Hinsicht geändert worden. Nach wie vor wird jedoch neben dem zur Deckung des laufenden Lebensunterhalts bestimmten Sogenannten „tznterbalts satz" auch eine „Mietbeibilfe" gewährt. Diese soll dem Wobnbedarf der Angehörigen des Soldaten dienen. Mietbeibilfen werden jedoch nur info- tgeit gewährt, als bis- Angehörigen die Miete nicht aus eigenen Mitteln beschaffen können oder von anderer Seite, insbesondere von Angehörigen, erhalten. Es ist nun leider wiederholt vor gekommen, daß Mietbeibilfen von den Emv- fihtgtrn nicht zur Zahlung der Miete, sondern zu sonstigen Zwecken verwandt worden sind. Dies entspricht natürlich nicht dem Willen der Regierung, die mit der Gewährung der Mietbeibilfen beabsichtigt, den Soldaten und ihren Angehörigen die bisherigen Wohnräume zu erhalten, aber andererseits auch die Hausbesitzer vor zu hoben Mietaus- fKtien schützen möchte.
Wenn die Angebörigen der zum Heeresdienst eingezogenen Mieter trotz Bezug von Mietbeibilfen die Miete nicht bezahlen, so würde der Vermieter an sich den lästigen. Sseligen und unsicheren Weg des Prozesses beschreiten
■n, um die Miete zu erhalten. Er müßte auf Grund des gegen den Mieter zu erwirkenden Zahlungsurteils die Mietb-eihilfen beschlagnahmen lassen. Der Reichsinnenminister bat jedoch kürzlich in einem Runderlaß den Vermietern einen anderen Weg gewiesen, der schneller und besser zum Ziele führt als gerichtliche Verfahren. Der Vermieter kann nämlich auf Grund dieses Erlasses beantragen, daß die Mietbeihilfe unmittelbar an ibn selbst ausgezahlt wird. Er muß allerdings den Nachweis erbringen. daß die Angehörigen des Soldaten mit der Miet- zablung für mehr als einen Zablungsabschnitt — bei monatlicher Mietzahlung für mehr als eine Monatsmiete — im Rückstand geblieben sind und somit die Mietbeihilfe nicht bestimmungsgemäß verwandt haben. Wenn die Hausbesitzer von dieser Bestimmung Gebrauch machen, bleiben ihnen viele Unannehmlichkeiten und Verluste erspart. Dr. M.
Leerstehende Läden «nd Schaufenster besser ausnutzen
Um zu verhüten, daß das Straßenbild durch leerstehende Laden unb Schaufenster in Mitleidenschaft gezogen wird, hat der Reichsbund der Haus- und Grundbesitzer (e. V.) nach Besprechungen mit dem Reichsring für RS.-Prova- ganba und Volksaufklärung und der Wirtschafisgruppe Einzelhandel seine Mitglieder aufgeforbert, leerstehende Läden bzw. deren Schaufenster benachbarten Einzelbandels- geschaften zu Dekorationszwecken unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Dekoration ist selbstverständlich Sache des Einzelhändlers, der'den leeren Laden bzw. sein Schaufenster für Werbungszwei^e benutzen will.
Die Warenlager geschlossener Einzelbandelsgeschäfte sind melde- und anbietungsvflichtig. Dies geschieht im Interesse einer ordnungsmäßigen Verbraucherversorgung. Soweit es sich nicht um bezugsbeschränkte Waren handelt, besteht eine Meldepflicht bann, wenn beabsichtigt ift, bas Warenlager zu verkaufen. Für beit Wiederaufbau bes Geschäfts nach Kriegsende bient eine Bescheinigung für bte Belieferung mit Waren unb bie Einräumung von Wiedei- bezugsiechten im Rahmen des bann etwa noch bestehenden Bewittschaftungssystems als Grunblage.
Wiesbadener Gerichtssaal
Auch das Licht einer Taicheulamve kann zum Verräter werden
Eine Einwohnerin aus W.-Biebrich batte .wegen Verstoßes gegen den S 9 des Luftschutzgesetzes einen Strafbefehl von 30 RM erhalten unb gegen bfeien Einspruch eingelegt. In drei aufeinanbetfolgenben Nächten, jeweils um Mitternacht. zeigte sich längere Zett ein greller, weit sichtbarer Lichtstrahl, der von einer Taschenlampe berrübrte. mit bei die Angeklagte unvorsichtig berumbantierte. Trotz bei bunflen Vorhänge, der vor dem Fenster aufgebauten Eeranienstöcke und der glockig an den drei Mansardenfenstern herunterfallenden Scheibengardinen, war ein breiter unverdunkelter Spalt geblieben, durch den Licht auf die Straße gedrungen war. Das Gericht verwarf den Ein- spruck. e.
— Lebrlingseinstellung Ottern 1941. Betriebe. Verwaltungen uiw„ die Ostern 1941 Lehrlinge. Anlernlinge. Praktikanten und Volontäre einzustellen beabsichtigen, müssen den Antrag auf Zustimmung zur Einstellung unter Angabe der Zahl der angeforderten Nachwuchskräfte bis zum 1. Oktober 1940 bei ihrem zuständigen Arbeitsamt einreichen. Eine Durchschrift des Antrages ift von den Betrieben. die der Organisation der gewerblichen Wirtschatt angehören, der zuständigen Industrie- und Handelskammer bzw. bei handwerklichen ^Betrieben der zuständigen Innung einzusenden.
Modetorheiten
Revolutionär ist nicht immer geschmackvoll
Unter den Frauen gab es schon immer Vertreterinnen, bie sich bewußt betont männlich fleiben. Ob das in allen Fällen schön unb geschmackvoll ist, wollen wir nicht entscheiden. Soweit es sich um Einzelgängerinnen handelt, mögen sie es mit sich selbst ab machen. Wenn sich jedoch aus einer solchen Entwicklung Verallgemeinerungen anbahnen, so geht bies auch bie Öffentlichkeit an. Unb bazK ist zu sagen, baß nicht alles schön zu sein braucht, mas.als mobern angesprochen wirb. Frauen unb Mädchen in Männerhosen! Bei sportlicher Betätigung sind sie zweckmäßig und praktisch. Aber im Straßenbilb als Tagesbekleibuna sollten sie nicht austauchen, zumal nicht jede Frgu versteht, Männerhosen zu tragen. Zu den modischen Auswüchsen gehört auch das Tragen des Männerhutes, bas ja jetzt erfreulicherweise unterbunben worden ist, sofern es sich um ausgesprochene Herrenhüte handelt. Gegen die sportliche Kopfbedeckung, die sich der männlichen Form anpaßt, ist nichts einzuwenden, ebensowenig wie gegen den flachen Absatz am Frauenschuh, der bequem und gesund ist. ohne daß unsere Frauen sich nun veranlaßt sehen würden, auf Männerschuhen durchs Leben zu schreiten. Mode- »erirrungen, die revolutionär wirken wollen, werden au dem guten Geschmack der überwiegenden Mehrzahl unserer Frauen Schiffbruch erleiden. Dazu gehören auch Männerhosen und Männerhüte als Attribute weiblicher Mode. p.
Gute Cigaretten enthalten nur volldurchreifteTabake*)
ATIKAH5a
/ Zur Herstellung von Qualitäts-Cigaretten verwendet man ausschließlich die oberen Blätter der Tabakpflanze, die der Sonne besser ausgesetzt sind und erst geerntet werden, wenn sie ganz durchreift sind. Lor der Verarbeitung werden sie noch 2—3 Jahre gelagert.
, — Ab 1. September Riibmittel auf die neue Klekder« karte. Die neue Kleiderkaite enthält vier besondere Ab- tonittc, die. für den Einkauf von Räbrnitteln bestimmt sind. Der erste dieser Abschnitte wird gleichzeittg mit der neuen Kleiderkarte selbst ab 1. September für den Einkauf gültig, di« übrigen folgen jeweils in Vierteljahresabständen. Auf Grund einer Bekanntmachung der Reichsstelle für Kleidung werden auf den Abschnitt 1 für 25 Pfg. Näbmittel abgegeben. Nähseide kann aber für 50 Pfg. gekauft werden. Da bie alte Kleiberkalte bis zum 31. März 1941 gilt, bleiben auch, bte Nahmittel-Sonderabschnitte bieier Karte bis dahin gültig.» Wer also auf die Abschnitte III. IV unb*. V seiner alten Karte die Näbmittel noch nicht getauft bat. kann bas nodi weiterhin tun.
ein
— Aus bet Bezugscheinpraxis. Wie bei Svortkleibung. Jo., kann auch Badekleidung (mit Ausnahme von Bademänteln) von Vereinsangehörigen ober Betri«bs!vort- gemelnschaften bezogen werden, wenn der Bedarf durch den • Vereinsfuhrer bzw. den Führer einer Wettkamvfgruvve be» Itsctnigt unb. vom zustänbigenISRL.-Ringfübrer bestätigt wirb. — Wintermäntel für Mädchen kosten kündig nicht mehr.38. sondern nur noch 25 Punkte, wenn bie Mäntel aus kunstseidenem Pelzstoff bestehen. — Zwischen schweren unb kubieren Dekorationsstoffen ist in bet neuen Punktliste füt bie Warenbeschaffung end Unterschieb gemacht worben. Als schwere Dekorationsstoffe gelten solche mit über 300 ©Tamm MetergewiM. Hierbei banbelt es sich um bas Quabrat- metergewicht Da im Sanbwerk die verschiedensten Breiten gewebt werben, ist auch allein diese Regelung maßgebend. Alle Dekorationsstoffe a so deren Quadratmetergewicht über 300. Stamm liegt, sind vunktfrei. So ist z B. ein 130 3enttmetet bretter..®arbinen» ober leichter Dekoiations- ftoff von 350 Gramm tut ben laufenden Meter vunktvflich- tig. ba bas Quabratmetergewicht sinter 300 Gramm liegt
Agnes Miegel erhält den Goethepre zs
Feierliche Übergabe durch Oberbürgermeister Dr. Krebs in Frankfurt a. M.
Zu einer ungemein stimmungsuollen Feierstunde, in der die Übergabe des diesjährigen Eoethepreises erfolgte, hatten chch zahlreiche Gäste der Stadt Frankfurt a. M. in den Staatsräumen des Eoethehauses am Hirschgraben zusammengefunden. Nach einer musikalischen Einleitung, die das Lenzewski-Quartett bot, ergriff Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs das Wort und begrüßte die Erschienenen, unter ihnen viele Ehrengäste aus allen Teilen des Reichs. Der Redner stellte zunächst fest, daß das kulturelle Leben auch in Kriegszeiten nicht ruhen dürfe und daß das beuyche Volk auch in ernsten Stunden seine Eeistcsheroen niemals vergessen dürfe. Aus diesem Grunde habe man sich auch hier versammelt, um des Geburtstages des größten deutschen Dichters zu gedenken und gleichzeitig mit der Verleihung des Preises jene Frau zu ehren, die für würdig befunden worden fei, Inhaberin dieser hohen Auszeichnung zu fein. Dr, Krebs zeichnete dann em lebendiges Bild des Schaffens der großen Dlchterin-A g ne s M i e g e l, die als echte deutsche Frau und als unbestechliche Gestalterin ostpreußischen und damit deutschen Volkstums Werke von Ewigkeitswert geschaffen habe. Anschließend überreichte der Oberbürgermeister dann die Urkunde, die folgenden Wortlaut hat: „Frankfurt a. M.. die Stadt des deutschen Handwerks, verleiht Ben von ihr gestifteten Eoethepreis des Jahres 1940 der Dichterin Frau Dr. e. h. Agnes Miegel aus Königsberg in Ostpreußen. Die Ehrung gilt der begnadeten Seherin, die stets für die Wiedergeburt deutscher Art gewirkt Hai. der beschwörenden Gestalterin der Kräfte des preußischen Lebensraumes, die in ihren Werken das Bild des ostdeutschen Menschen in Reinheit, geformt Hai. Die Ehrung gilt damit einer Dichterin, deren schöpferisches Wirken das Wort des Dichterfürsten erneut bestätigt hat:
„Willst du ins Unendliche schreiten, Geh nur im Endlichen «ach allen Seiten!'
Mit starker innerer Bewegung dankte Agnes Miegel füt die Auszeichnung, um bann in ihren Erwiderungsworten ein glühendes Bekenntnis zu Goethe und [einem Werk abzulegen.
In den Räumen des Manskopffchen Museums konnte dann weiterhin in Gegenwart der Dichterin die Ausstellung „Die deutsche Frau der Gegenwart als.schöpferische und darstellende Künstlerin" eröffnet werden. Diese von Professor Dr. Kirchner msammengestellte Schau bringt eine großartige Übersicht über das Schaffen bekannter deutscher Frauen. I H. P-
Die Sprache der Wehrmachtberichte
Schon im Weltkriege und mehr noch heute bei den gigantischen kriegerischen Ereignissen fiel und fällt dem miterlebenden Leser die Kraft und die klare Bildhaftigkeit der Sprache der Wehrmachtberichte auf, die, so mochte man sagen, in einem ebenfalls „wehrhaften" Stile die Chronik des Tages verzeichnen und im Schwung eines feoern^n, aber abgewogenen Rhythmus den Geist und die Taten der kämpfenden Truppen begleiten. Sie sind geradezu wie monumentale Wegzeichen, an die Heerstraße der Zeit gefetzt, in der sich Geschichte in, des Wortes hoher Bedeutung sichtbar vollzieht. Es find knappe, gehämmerte Sätze, die einen Inhalt dicht umfasien, in denen kein Wort zu Diel, keines zu wenig, jedes an feinem Platz, keines ohne Sinn ift. Vorsichtig — der militärischen Lage entsprechend — werden die Unternehmungen vorerst nur angedeutet, die noch im Werden, Schlußfolgerungen nicht eher gezogen, bis sie ausgereift find, wird kein Ereignis, das sich entwickelt, vorausgenommen: bis dann der Augenblick da ist, der erlaubt, in einem packenden Sprachgebilde, alles Vorhergehende zusammenschließend, die großen Linien des Operationsplanes sich abheben und die Wucht des Geschehens oder des Geschehenen mit verstärkter Gewalt in Erscheinung treten zu lasten.
Diese meisterhafte Wortkunst — hergeleitet aus dem Sprachgeist eines Clausewitz und Moltke — in einer wortsparsamen Präzision des Ausdrucks läßt auch erkennen, oft auch nut duich- schimmern, wie aus bet Entwicklung bet Vorgänge, durch den Hinweis auf diesen ober jenen Ott. bet genommen ober durchschritten worden ist, sich bas Geheimnis bes militärischen Planes Stück für Stück enthüllt, unb zwar so, daß sich die lebendige Wirklichkeit des Krieges und fein Ablauf in schlichter Eindringlichkeit und unmittelbarer Eindruckskraft auch dem einfachsten Verständnis erschließt. Die Wehrmachtberichte ermangeln jeher Ruhmredigkeit: bet Ruhm, bas Heldentum des einzelnen wie der Gesamtheit, liegt in dem nicht zu überhöhenden Glanze der männlich-sachlich mitgeteilten realen Tatsachen.
Es ist kein Wunder, daß unsere Wehrmachtberichte in ihrer klaren Umritzftärke und zuverlässigen Ehrlichkeit sich, van Tag zu Tag mehr, das Vettrauen der Welt in dem gleichen Maße erobert haben wie die Tapferkeit unserer Soldaten das feindliche Gelände. Gerade weil sie ohne alle Wortschälle, ohne leichtherzige Versprechungen, ohne Vorwegnahme von unbegründeten Hoffnungen, ohne Selbftlob die kriegettschen Dinge so darstellten, wie sie sich ergaben oder vollzogen. So bieten sie. und Seite um Seite, eine „wehrhafte" Chronik, die nichts zuttickzsnehmen, nichts zu bettch-
trgen, nichts beschönigend zu umschreiben nötig hat. Sie sind gewissermaßen das ojjizielle Kriegstagebuch der Wehrmacht, bas der Wzlt vor Augen gestellt wirb unb die ehern-echte Sprache des deutschen Schicksals spricht: ben Willen zum Sieg, das Bekenntnis zu den Lebensrechten und Lebensgesetzen unseres Volkes. D. H. S.
Kurhaus. In dem Abendkonzert am Mittwoch gastierte Helmi reÄrfJSü! Stadttheater in Koblenz. Die Sängerin, eine geborene Wiesbadenerin, steht hier von ihrem letzten Auftreten her noch in bester Erinnerung. Sie verfügt über eine sympathische hohe ?el s®ortI“B .gepflegt, die Aussprache vorzüglich. Besonders lag der Künstlerin die Arie „Eines Tages sehen Pucclms „Madame Butterfly", die sie aus dem
" T ^°.ri°?nnlge umzuleiten wußte. Ganz in ihrem w°r sie bei Mozarts Konstauze. „Martern aller Art" aus S--gte ihr ckusgesprochenes Talent für das ■ $re ^echnlk^ist tadellos, die Läufe perlen glatt und sauber, die ganze Art berührt anmutig und liebenswürdig. Das gleiche galt von der „Traviata" Verdis, die auch Temperament "erriet. Das Publikum dankte mit viel Beifall und Blumen- spenden. —- Musikdirektor August V-gt hatte bas Konzert als 8? ?* sch -1tallen.isHen A b e n b" mit geschmackvoller Wahl aufgezogen. Wir hotten in bunter Reihe bie Freischütz, ouvetture, die melodiösen Szenen aus „Ariadne" von Rickmrd ®tr“u6 und die operettenhaste Ballettmufik aus Eioconda von ”• "Lnchielll«. Den effektvollen Schluß bildete der Triumphmarsch aus Verdis „Aida". Dr. Wolfram Waldsch m i d t
* Deutsche Vorlesungen in Oslo. In der Universität Oslo ist -ine Reihe von Vorlesungen und Übungen in deutscher Sprache vorgesehen, von denen einige bereits begannen. So liest Lektor Dr. Balk über deutsche Prosaliteratu- von 1330 bis 1900 und über deutsche Landeskunde. Lehrerbeauftragtet Dr. Günther gibt Vorlesungen über Goethes Gedichte und über Nietzsche. Von Mitte September ab wird Dr. Noack, Dozent für Geschichte an der Universität Greifswald, über Deutsche Geschichte von ben Anfäna-n Bis zur Reformation lesen. - ' u
„ * Sonderkursus für Ausländer an der Berliner Universität. In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober veranstaltet das Deutsche Auslandswisienschaftliche Institut an der Universität Berlin wiederum einen Sonderkursus für Ausländer, her biesmal unter dem Motto „Das Reich" Auslänhern, die an den Fragen Deutschlands und der Neuordnung Europas interesiiett find, einen maßgeblichen Einblick in das Wesen und Wirken bes Reiches vermitteln soll.
