Wiesbadener Tagblatt
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88. Jahrgang
Samstag/Sonntag, 27./2S. Juli 1940
Nr. 175
100000 BRT. an einem Tag versenkt
Einzigartige Erfolge der deutschen Luftwaffe und unserer Schnellboote
Der OKW-Bericht von heute
. Berliu, 27. Juli. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
, . Die deutschen Unterseeboote erzielten eine Reibe bedeutender Erfolge: Ein Boot versenkte 6 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 33 700 BRT„ e,n, ÄetterS? 26 338 BRT. sowie den schon gemeldeten englische» Zerstörer .Wbirlwind". ein drittes Boot schob aus einem stark gesicherten Seleitrng den bewaffnete»
Deutschland sichert den Balkan-Frieden
Britische Lügen über die Besprechungen mit den südoftenropäischen Staatsmänner«
Die rumänische» Staatsmänner hatten nach der Aussprache mit dem Führer eine Unterredung mit Reichs- aubenminister von Ribbentrop. Am Freitagabend gegen 20 Uhr verlieben sie Salzburg. Samstagmittag treffen ne in der italienischen Sauvtstavt ein. wo sie Gras tziano empfangen wird Am Abend kehren sie nach Bukarest zuruck.
Der italienische Wehrmachtbericht
2"-, Juli (Funkmeldung.) Der italienische Wehr- machtberrcht bat folgenden Wortlaut:
.Das Sauptguartier der Wehrmacht gibt bekannt:
» .Flottenstützpunkt von Malta isi im Laufe der Nacht heftig bombardiert worden. Ander dem bereits gestern l« Nordafrika als abgeschosien gemeldeten Gloueester-Flug- zeug rsi ei« zweites Flugzeua des gleichen Tavs ebenfalls vcruiKlet worden.
Bon den anderen Fronten ist nichts wesentliches tu berichten."
Ungebrochene schöpferische Straft
Der Stellvertreter des Führers eröffnet die »«rohe Deutsch« Kunstausstellung 1940“
as. Die englische Dresse ergeht sich in allen möglichen Kombinationen, aber auch in allen moglufen Verdrehungen tm Zusammenhang mit den Besprechungen der ! ud ost europäischen Staatsmänner in Deutschland Wenn die englischen Blätter uns dabei Annektionsablichten und ähnliches unterschieben, so.ist das mehr als plump. Unser Interesse an dem südosteurovarschen Raum erklärt sich lehr einfach aus wirtschaftlichen Bedürf»,sien. Wir haben daher auch immer zusammen mit Italien in der Richtung gewirkt, dab die Ruhe im europäischen Sudosten.aufrechterhalten bleibt. Im Gegensatz hierzu sind die Weltmächte beitrebt gewesen, auf dem Balkan einen Unruheherd tu schaffen. Das
Europäische Revolution
Von Heinrich Karl Kunz
Britische Herrschsucht, Macht- und Eeldhunger sind die tieferen Ursachen dieses Krieges. Ursachen, die nicht von heute und auch nicht erst seit 1933 gegeben sind. Als das Bismarcksche Deutschland, nach Jahrhunderten der Zersplitterung endlich wieder ein Machtfaktor ersten Ranges, sich anschickte, ein Industriestaat zu werden, wurden' ungeahnte Energien locker, die sich in einem starken wirtschaftlichen Aus- dehnungsdrang realisierten. Ein junges Volk, das als eines der letzten die innere Einigung vollzogen hatte, stieß tatendurstig seine Fen st er in die Welt auf. Der Schaffensund Schöpferdrang der eben anbrechenden industriellen Hochzeit verschmolz mit unbewußten nationalen Impulsen und begründete den beispiellosen Sieaeszug deutscher Arbeit und deutscher Leistung. Der englische Krämer, der die fünf Kontinente als seine ureigenste Domäne betrachtete, traf - plötzlich überall auf die Konkurrenz Deutschlands, das er bisher als ein Land der Dichter und Denker, verträumter Ruine« und politischer Kuriositäten zu schätzen gewohnt war. Eine um so peinlichere Überraschung, als der deutsche Kaufmann eine — an der lässigen Art der Engländer gemeffen — unangenehme Rührigkeit entfaltete, der deutsche Techniker
Handelsdamvfer .Sa mb re" (5260 BRT.) in Roh sÄm8 e ?en Eeleitzng. Bei einem Vor- uob »»lerer -sch » ellboote gegen die englische Südkütte ^iH.romi#6e“,ts bekanntpegeben. vier feinblid« Handels- ?’f e mtt einem 6eiamhnhalt von 32 000 B R T. oer- weiteres Handelsschiff von 2000 BRT. in Brand Bei(6oiien .roottien. Trotz weiterer Verschlechterung der Wetteriage klarte tue Luftwaffe bis zu den Shetland-Inseln »nd »ber der gesamten Östküste von Schottland auf.
tm« fI *1 *1 ?3 c u 8 e oriffett die Hafenanlagen Ear^diff. Aberthow und H'attings an. Zahl- Brande wurden beobachtet. Weitere Angriffe rich- reten sich gegen de» Eisenbahnknotenpunkt Tunbritg?- W«lIls und bie groben Erdöllager von Tbamesbaven. .. Britische Flugzeuge unternahmen in der Nacht zum 27. Juli Einiluge nach West- und Südwestdeutsch- tand. Die wenigen abgeworfenen Bomben richteten
Flugzeug wurde im Luftkampf, eines durch Flak abgeschosien s^„Ein eiBenes Flugzeug ging, im Luftkamps über dem Kanal verloren, ein weiteres wird vermibt.
München, 27. Juli. (Funkmeldung.) Während die deutsche Luftwaffe englische Schiffe, Hafen, Flugplätze und anderes mit Bomben belegt und in heldenhaften Kämpfen den britischen Fliegern ihre Überlegenheit-beweist, während deutsche U- und Schnellboote den frivol begonnenen Blockade- krieg zu einer täglich wachsenden Gefahr für das Jnselreich iberoen lassen, eröffnete die „Große Deutsche Kunstausstellung 1940" am Samstag ihre Pforten.
Kunst ist für das nationalsozialistische Deutschland keine einsame Insel im Strom des Lebens. Kunst schöpft aus dem Leben und gibt für das Leben. Darum schließen wir auch im Kriege unsere Kulturstätten nicht, wie andere Völker es tun. Wir wissen, die geistige Waffe ist scharf, sie wird gestärkt im künstlerischen Erleben. Gerade jetzt im Lärm der Waffen und im Rüstungskampf der Heimat soll diese Quelle nicht versiegen. Die Münchener Kunstausstellung ist in diesem Geiste ausgerichtet. Die Schau, bie 13 97 Werke von 7 51 Künst - lern umfaßt, ist eine Krönung deutschen Kulturschaffens in harter Kriegszeit. Sie ist ein eindrucksvolles Zeugnis für den Kulturwillen des nationalsozialistischen Deutschlands, den der uns aufgezwungene Krieg nicht lähmt, sondern anfeuert und beschwingt.
Mögen es auch äußere Umstände in diesem Krieg, in dem ■mit um Sein oder Nichtsein der Nation ringen, es dem Künstler nicht immer leicht gemacht haben, Pinsel und Meißel zu führen. Das Ergebnis solcher Arbeit aber, die Deutsche
Kunstausstellung 1940, zeugt von einem seelischen Schwung und einer hochstrebenden Leistungskrast, auf die der deutsche Künstler stolz sein darf.
In einfachem und schlichtem, aber würdigem und weihe- vollem Rahmen eröffnete heute morgen nach einer Rede von Reichsminister Dr. Goebbels der Stellvertreter des Führers, ReichsMinister Rudolf Heß, in Gegen- wart zahlreicher führender Persönlichkeiten aus Partei, Wehrmacht und Staat und in Anwesenheit vieler Träger klangvoller Namen aus den Kreisen der Kultur, der Wirt- und.Wissenschaft, die Große Deutsche Kunstausstellung 1940 und übergab damit die Werke der zeitgenössischen Künstler der Öffentlichkeit.
Jahresversammlung als Auftakt
„ München, 27. Juli. Am Freitagmittag, dem Vortag der Eröffnung der „Großen Münchener Kunstäusstellung 1940“, taot bte änjialt bes öffentlichen Rechtes „Haus ber deutschen Äunft im Festsaal des Künstler-Hauses zu ihrer Jahresversammlung zusammen und bildete damit den würdigen Auftakt zu dem bevorstehenden Ereignis.
ai.rr7^!Il6oritst^un9 wurde eröffnet vom Vorsitzende» des August von Finck, der nach einem Hinweis auf bte burdj den Krieg bedingten völlig anbers gearteten Voraussetzungen betonte, baß nun erst recht bie große A u f • (Fortsetzung auf Seite 3)
ist nicht nut in ben mannigfachen militärischen Plänen Englands und Frankreichs zum Ausdruck gekommen, sondern auch in Vertragen, die sie mit diesen Staaten abschlosien. Sie haben auch letzt noch den Wunsch, den Balkan nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Wir vertreten demgegenüber den Standpunkt, daß die Südoststaaten sich zusammensetzen müsien. um in freier Übereinkunft bie strittigen Fragen tm Geiste ber Gerechtigkeit, der Billigkeit und der Vernunft zu regel». Dieser Standpunkt ist auch in ben SaIz- burger Besprechungen zum Ausdruck gekommen, so schmerzlich bas auch ben Londonern Unruhestiftern sein mag.
Deutsch-türtisches Wirtschaftsabkommen
Berlin, 26. Juli Am 25. Juli ist das im Rahmenabkommen vom 12. Juni d. I. vereinbarte deutsch-türkische Wirtschaftsabkommen in Ankara von deutschen und türkischen Regierungs- Vertretern unterzeichnet worden. Dieses Mckommen regelt ben künftigen Warenaustausch zwischen Deutschland und der Türkei.
Weitere 65000 BRT vernichtet
Luftwaffe trotz schlechtem Wetter weiter erfolgreich tätig
London mimt Aktivität
»s. Berlin. 26. Juli. I» London werden Gerüchte ver- vreitet. nach denen die englische Regierung beabsichtigt, ihre Außenpolitik zu .. aktiv i fieren". Wir glauben gern, daß die englische Regierung derartige Wünsche hat. In die Tat werden sicki solche Pläne und Ideen heute schwerlich noch umsetzen lasien. Überall bat man erkannt, daß die englische Politik nur darauf hinauslief. Unruhe zu stiften und fremde Völker einzuspannen, um für die englischen Plutokraten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Heute will man selbst dort, wo man noch vor nicht, allzu langer Zeit gern auf London hörte, nichts mehr von England wisien. Überall sieht man ein. dab der Aufbau des neuen Europa ohne England erfolgen muß, und erfolgen wird. Wie sehr sich auch auf dem Balkan bie Dinge gewandelt haben, zeigt vielleicht am besten der Besuch führender Staatsmänner einer Reibe von Ländern bes südöstlichen Europas in Deutschland. Heute wollen, so Schreibt hierzu die ..Deutsche diplomatisch-politische Korre- pondenz, „die Nationen dieses Kontinents ihr gegen« eiliges Verhältnis und somit auch ihr Schicksal mit den Fübrermächten ordnen, ohne lang und breit bei denen anzufragen, die sich bisher nur als falsche Propheten erwiesen haben. Die Macht des Erobdeutichen Reiches und Italiens aber beruht darauf, dab England, auch wenn es weiter Krieg führen will, nicht mehr in der Lage ist. Europa noch daran zu hindern, seinen Neubau entschlosien in Angriff zu nehmen." Sehr charatteristisch für den vollkommenen Wandel, ber sich gerade im europäischen Südosten vollzogen bat. ist auch die Tatsache, dab Rumänien nicht nur -englische Agenten und Saboteure a u s ro e i ft fondern dab es auch als Gegenmaßnahme für die Beschlagnahme eines rumänischen Schiffes durch die Engländer bei Port Said 20 kleine englische Dovauschiffe mit Beschlag belegt bat. Sei dieser ganzen Lage ber Dinge kann es. da sich vollkommen klar zeigt, dab London auf dem Kontinent nicht mehr mit» zusprechen hat, nur ein Lächeln auslösen, wenn die englische Prelle sich jetzt plötzlich zum Befürworter der bulgarischen Ansprüche macht.
Freilich sind die Engländer von unzeitgemäßen Erörterungen auch sonst nicht frei. So lallen englische Zeitungen deutlich erkennen, dab man gern Spanien und Portugal blockieren möchte, um den Achsenmächten Schaden zuzufügen. Mit einem solchen Plan brauchen wir uns praktisch nicht zu beschäftigen. Er ist nichts als Tendenz- m a ch e. um den Eindruck zu erwecken, als ob England heute noch in der Lase sei, eine erfolgversprechende Initiative auf außenpolitischem Gebiet zu entfalten. Man tut darüber hinaus in London auch gern so. als ob man ganz allgemein bie Blockade verschärfen werde. Darüber soll sich angeblich der englische Blockademinister zu Begin» der neuen Woche im Unterhaus äubern. Nach dem. was bisher über diele Pläne bekannt geworden ist, handelt es sich darum, daß man beabsichtigt, das System der von den englischen Konsulaten auszustellenden Verschiffungsscheine zu verschärfen, da man dann weniger Kriegsschiffe für die Blockadekontrolle selbst benötigt. Tatsäck<.ch bandelt es sich also um einen schlecht getarnte» Rückzug, man muß Kriegsschiffe aus dem Blockadedienst herausziehen, um sie für andere Aufgaben freizubekommen, so zur Sicherung der Geleitzüge. Die Maßnahme ist also kein Zeichen der Stärke, sondern ein Zeichen der Schwäche Englands, dellen Flotte unter den Schläge» der Achsenmächte immer neue Verluste erleidet.
Wie stark die Schläge der deutschen Luftwaffe sind, »eigen jede» Tag die Berichte des OKW. Rechnet man nur einmal die Meldungen des Freitag zusammen, so ergibt sich, dab an einem einzigen Tage die Engländer allein durch die Angriffe unserer Luftwaffe und unserer Schnellboote rund 100 000 Tonnen Schiffsraum einbübten. Das zeigt erneut, dab die deutschen Waffen zur See und in der Luft den Raum rings um England beherrschen und den Rest der englischen Seroegungsfrei6eit immer mehr einschnüren. Daß es aber auch auf ber englische» Insel keine Sicherheit mehr gibt, wird illustriert durch die Meldung, daß der englische König zum zweiten Male bei einer Jnspek- tionsfabrt von einem deutschen Luftangriff über« ralcht wurde. Er mußte in einem noch nicht einmal ganz
fertiggestellten Unterstand Zuflucht suchen, in dem er, wie es in einer Meldung heißt, ziemlich lange Zeit verweilte. Wie außerordentlich wirksam die deutschen Luftangriffe sind, zeigt auch der Bericht eines neutralen Beobachters, den die ..Chicagoer Daily News" veröffentlicht und in dem gesagt wird, daß praktisch durch die deutschen Luftangriffe die Häfen und Dockanlagen von Southampton total zerstört worden seien.
Nicht weniger trostlos siebt es für die Engländer dort aus. wo bie Luftwaffe unterer Verbündeten zuschlägt. Malta, dieser einst so wichtige Stützpunkt der Engländer, ist nach über 50 italienischen Bombenangriffen, bei denen über 1500 Tonnen Sprengstoff abge» worfen wurden, so gut wie außer Gefecht gesetzt. Gibraltar, in dellen Hafen beschädigte englische Kriegsschiffe Zuflucht suchten, ist erneut von italienischen Langstreckenbombern mit Erfolg angegriffen worden. Auch in Alexandria haben die -englischen Kriegsschiffe keine Rübe und die groben Erfolge ber italienischen Luftangriffe auf Haifa wagt nicht einmal Churchill abauleugnen. So also steht es um die englische ..Machtposition" im Mittelmeer. Die italienische Luftwaffe, so stellt ein halbamtlicher römischer Bericht fest, kann die entferntesten englischen Stützpunkte int Mittelmeer, in Afrika und Asien angreifen, wenn es ihr beliebt und wenn sie es für richtig hält.
