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Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung
b e j e i i Lolland
Berlin, 19. Juli. (E. D.) Der Präsident des Deutschen Reichstags gibt bekannt:
Heute abend 19 Ahr tritt der Deutsche Reichstag zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Die Sitzung wird von allen deutschen Sendern übertragen.
Dazu teilt der Reichspropagandaleiter der NSDAP, mit, die Ortsgruppen der Partei bereiten für alle, die nicht selbst Gelegenheit zum Abhören haben, Veranstaltungen vor, in denen sie die Übertragung im Gemei.nschaftsempfang abhören können. Der Deutschlandsender wiederholt die Übertragung am Freitagabend nach dem Nachrichtendienst um 22.15 Ahr.
Die „Verführten"
Von unserem Berliner Schriftleiter W. Abmus
Die Hintergründe der Tokioter Kabinettskrise
Churchill muh der »gegenwärtigen Weltlage" Rechnung tragen
(Einige französische Blätter greifen noch einmal das Gln- geständms auf. das d.er frühere französische Außenminister George Bonnet unlängst machte, als er erklärte, das Frankreich seinerzeit dem Mufsolinischen Vermittlunssrorfchlaa zugestimmt. aber England diesen Vorschlag abgelehnt habe. Das Blatt „Ducote“ schreibt dazu, die Mitteilungen Bonnets zeigten klar, das Las Letzte hätte vermieden werden können. Die Verantwortung Englands sei ungeheuer. Dre Kriegserklärung sei von dem französischen Parlament ergaunert worden, dieses Wort sei nicht »u stark. Es kommt hier also sehr deutlich die Tendenz zum Ausdruck, Frankreich als Unschuldsengel und die Franzosen als di« Verführten hin- zustellen, die diesen Krieg eigentlich gar nicht gewollt hätten. Sollte das Blatt „Ducote“ und sollten die Franzosen überhaupt meinen, mit einer solchen Argumentation Eindruck auf uns machen zu können, so wäre das ein grober Irrtum. Wir kennen die Geschichte des MussoIinrscheu Vermitt- lungsvorsch' auch. Lag zunächst zum ersten Male
wenden würden. Wie nämlich von amtlicher französischer Seite mitaeteilt wird, hat die britische Marine seit dem Waffen- stillstand und sogar noch vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen auf dem Meere Schiffe beschlagnahmt die rund 260 000 Tonnen Lebensmittel nach Frankreich bringen sollten. Dieser Raub ist echt englisch. Er schließt sich mürbia dem ganzen Verhalten Englands dem früheren Bundesgenossen gegenüber an.
Deutsche Stärke und Überlegenheit
(Eigener Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung)
handelt und habet festgestellt, dah zwar am 31. August nachmittags der französische Minikterrat tagte, aber keinerlei Mitteilungen über seine Beratungen den italienischen Stellen, von denen der Vermittlungsvorschlaa ausging, zukommen ließ. Damit war zunächst einmal kostbare «Zeit verloren. Inzwischen zwangen die bewaffneten Einfälle polnischer Banden auf deutsches Reichsgebiet die Reichsregieruna zu offensiver Abwehr. Mussolini hat auch, nachdem die deutschen Truppen die polnische Grenze überschritten hatten, seinen Dermittlungsvor- Ichlag noch nicht aufgegeben, sondern et hat diese Bemühungen fortgesetzt „in mutigem Verantwortungsbewutztseln". wie es Graf Ctano in seiner Kammertede charakterisierte, „um Europa eine traurige Prüfung zu ersparen".
Es ist nun richtig, daß bei der Fortsetzung der italienischen Bemühungen die französische Regierung sich nicht ablehnend verhalten hat. sondern „eine positive Antwort“ erteilte, daß aber der Konferenzvorschlag Mussolinis an der unmöglichen Stellungnahme Englands und vor allem des Außenministers Lord Halrfar scheiterte. Die Franzosen können sich aber nicht von der Schuld reinwaschen, da« sie keinen ernsthaften Versuch machten, die englische Ablehnung zu verhindern. Sie waren tatsächlich auch von Anfang an entschlossen gewesen. den deutsch-polnischen Konflikt zum Kriegsvorwand zu nehmen und hatten genau so wemg wie die Engländer die Polen darüber im unklaren gelassen, daß sre Polen, sollte es zum offenen Konflikt kommen, unterstützen würden. Tatsächlich setzte Paris damit ja auch nur eine Politik fort, die es feit ie betrieben hatte. Wir erinnern nur daran, daß man in Frankreich schon bei der Heimkehr Österreichs in das Reich geneigt war. zu marschieren, und wir erinnern weiterhin daran, daß auch wahrend der tschechoslowakischen Krise die Pariser Regierung den Herrschaften in Prag den Rucken stärkte. Wenn in beiden Fällen trotz erheblicher militärischer Vorbereitungen auf französischer Seite der offene Konflikt vermieden wurde, so lag das keineswegs an der Fttedenswtlltgketf der französischen oder der englischen Regierung, sondern lediglich daran, daß sich bei den Mobilmachungen allzu große Mängel herausgestellt hatten und daß man nck nicht zum Schlagen itarf genug fühlte. Man war aber entschlossen diese Mangel unter allen Umständen zu über« winden. Das tft lehr klar in der Pariser Zusammenkunft Chamberlain und Haltfar mit den maßgebenden französischen Mannern, am 23. und 24. November 1938 zum Ausdruck gekommen. in denen Frankreich ein englisches Erpeditionskorvs und England die Stärkung der französischen Luftwaffe forderten und erreichten Gewiß bat es Bann noch Schwankungen auch m der französischen Politik gegeben; man denke nur an den Austausch der deutsch-französischen Erkkä-
U-Boot versenkt 31300 BRT.
Ein anderes U-Boot schoß aus stark gekichertem Gelertzng einen großen bewaffneten Handelsdampfer — Luftwaffe versenkte vier Handelsschiffe und beschädigte zwölf Handelsschiffe nnb'iwei Vorpostenboote — Feindliches U-Boot durch Bombentreffer versenkt — 12 Flugzeuge und 2 Sperrballone abgeschossen
Berlin, 19. Juli. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die deutsche ll-Bootwaffe hat weitere Er- folge zu verzeichnen. Ein U-Boot versenkte 31300 BRT. feindlichen Sandelsschiffsraum. Einem anderen U-Boot gelang es. ans einem stark gesicherten Geleitzug einen großen bewaffneten Sandelsdamvfer heraus- rukchießen. Deutsche Kampfflugzeuge griffen wiederum Flugplätze. Hafenanlagen und Barackenlager in England sowie Schiffsziele vor den Küsten von Rordschottland und im Hanal mit grobem Erfolge an.
Vier Handelsschiffe von insgesamt 12 000 bis 14 000 BRT. wurden durch Bombentreffer versenkt. 12 Handelsschiffe und zwei Vorvostenboote teilweise ko schwer beschädigt, daß mit dem Toialverlukt mehrerer Schiffseinheiten }u rechnen ist.
Wie nachträglich bekannt wird, gelang es am 17. 7. ein feindliches U-Boot durch BombenFt e f f e r zu versenken.
In Nord west - und Westdeutschland verhinderte unsere Abwehr gezielte nächtliche Bombenwürfe des Feindes, so daß nur geringer Personen- und Sachschaden entstand. Flakartillerie schoß hierbei drei feindliche Flugzeuge ab.
Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern 12 Flugzeuge und zwei Sperrballone. Bon diesen wurden sieben Flugzeuge in Luftkämpfen, fünf durch Flakartillerie abgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge werden vermißt.
la ab.
Wie anders das Bild in London. Furcht und Nervosität beherrschen die englische Hauvmadt. wie sie die ganze Insel in Bann schlagen. Auf der Suche nach einem neuen Schlagwort, das Beruhigung schaffen soll, ist man nun darauf verfallen, die in aller Eile an der Südküste errichteten Verteidigungsanlagen als Churchill-Linie zu bezeichnen. An den Verteidigungslinien hat es weder in Holland noch in Belgien gefehlt. In Frankreich gab es einmal eine Weygand-Linie. und es gab einmal eine Maginot-Linie. die der Stolz aller Franzosen war. Glaubt man in England wirklich, daß eine Churchill-Linie Schutz bieten könne, das wäre mehr als naiv.
In Frankreich braucht man sich über Linien und VerteiLi- gungswerke keine Sorgen mehr zu machen. Aber es scheint, als ob einigen französischen Gemütern bas. was sich vollzog, nämlich die, völlige Niederwerfung ihres Heimatlandes, noch nickt aanz klar zum Bewußtsein gekommen ist. In den im unbesetzten Gebiet erscheinenden französtschen Zeitungen tauchen langsam die alten Hetzer wieder aus und beten wieder ihr altes Sprüchlein herunter. Reuter-Kommentare und Reuter-Meldungen nehmen in diesen Zeitungen einen großen Platz ein. als hätte cs keine Vernichtung französischer Schiffe, keinen Mord an französischen Matrosen durch England gegeben. Die Artikel aber sind etwa auf den Ton gestimmt. Frankreich sei nur beseitigt worden, weil man Deutschland großmütigerweise wieder habe hochkommen lassen. Das sei sozusagen die ganze Kriegsschuld! Auch der „Temv s" hat die Lage noch immer nicht erfaßt. Er beschäftigt sich mit den jetzt ziemlich eng am- einanderfolgenden Sitzungen des französischen Kabinetts und erklärt hierzu, daß vor allem zwei aktuelle Fragen die Re- gierung immer wieder beschäftigten, nämlich das Problem er Flüchtlinge und das Problem der Landwirtschaft. Das ttan- zöstsche Blatt führt dann weiter aus. daß Frankreich gegen- wärtta von seinen Reserven lebe. Man müsse aber Vorsorge treffen, daß das Wirtschaftsleben wieder in Gang komme, und gerade deshalb sei es bedauerlich, daß Frankreich durch eine, wie die Zeitung lagt, chinesische Mauer in em besetztes und unbesetztes Gebiet geteilt sei. Es Jet notwendig, die Flüchtlinge in ihre Städte, den Bauer auf sein Dorr zurückzubringen. Dazu ist zu bemerken, daß die deutsche Regierung den Franzosen in der Flüchtlingsfrage weit entgegen gekommen ist. und daß tüele der Flüchtlinge es nur Bern deutschen Soldaten, nicht aber der französischen Regierung danken, wenn Re an ihren Wohnsitz zurückkehren konnten. Wenn aber der „Temos" Beschwerden über den Wanensttll- stand an unsere Adresse richtet, so scheint er sich ,nicht mehr zu erinnern, wie lange also damals der Waffenstillstand dauerte. Wenn stch die Herren des „Temos" aber noch einmal die Mühe machen würden, die Waffenstillstands beinngungen nach- zulefem die Deutschland damals auferlegt wurden, so wurden ne mühelos feststellen können, daß stch die Alliierten damals nicht im mindesten um die Ernährungslage Deutschlands kümmerten. Obwohl die Blockade die deutsche Zivilbevölkerung schwer traf, wurde dennoch in den Waisenstillstandsbedingungen bestimmt, daß die Blockade bestehen bleibe. Amerikanische Schifte mit Lebensrnitteln für Deutschland durften die Fahrt nicht antieten. Darüber hinaus hatten die Franzosen dann noch im Friedensverttag dem ausgehungetten Deutschland die Ablieferung von nicht weniger als 140 000 Milchkühen. 120 000 Scharen, 10 000 Ziegen und anderes Vieh auferlegt. Das muß zur Steuer der Wahrheit noch einmal sestgestellt und den Franzosen in die Er
os. Berlin, 19. Juli. Die Reichshauptstadt bat geiient mit einem Jubel sondergleichen und mit tiefster Dankbarkeit die erste aus dem Feld heimgekehrte Berliner Division begrüßt. Als erste große Vorhut der Soldaten, die das Reich beschützen, so kehrten diese stegreichen Truppen in die Heimat zurück. Nichts zeigt wohl bester die deutsche Stärke und die deutsche Überlegenheit, als daß Deutschland noch mitten im Kriege einen solchen Einzug — und er ist nicht der einzige seiner Art — erleben kann. Die Ansprachen, die General Fromm als Befehlshaber des Ersatzheeres und Reichsminister Dr. Goebbels als Gauleiter von Berlin hielten, richteten stch zunächst an die Angehörigen der heim- gekehrten Berliner Division, aber in ihnen schwang die ganze geschichtliche Symbolkraft. die dieser Einzm, auf der historischen Siegesstraße der alten preußischen Armeen, durch das Brandenburger Tor. die Linden entlang, iift ganz Deutschland und für Europa hat. Siegesfahnen. Girlanden. Blumen, Freude und Stolz sondergleichen über die Taten und Leistungen unserer Soldaten, das war und ist Berlin, das ist Deutsch-
rnnerung gerufen werden.
Im übrigen wären Re gut beraten, wenn Re sich mit Kla- flen über die Ernährungslage an ihre englischen Freunde
kennen die Geschichte des Mussolinischen Vermittlungsvorschlages durchaus. Wir wisten daraus aber auch, daß zunächst einmal, nämlich am 31. August, als der Duce zum ersten Male seinen Vorschlag machte. Deutschland zu einer Konferenz einzuladen, um eine Überprüfung der Bestimmungen des Versailler Vertrages, „die die Ursachen der augenblicklich herrschenden Unruhe seien, vorzumchmen. Frankreich lieb keineswegs mit der Antwort beeilte. In den „Berliner Monatsheften hat der Herausgeber August Bach erst kürzlich die Geschickte dieses Vermittlungsvorschlages eingehender be»
wt. über dre Ursachen der Regierungskrise in Tokto wird bekannt, daß das zurückyetretene Kabinett die Erwartungen der Armee nicht befriedigte. Bonai war noch in,dem Begriff befangen, daß die Macht Englands uner- schütterlich sei. Während die Armee darauf drängte, die Konseauenzen aus der englischen Niederlage in Europa zu ziehen unb mit aller Energie die Ausschaltung Großbritanniens im Fernen Osten, vor allen Dingen in China zu betreiben. glaubten die zurückgetretenen Männer klüger zu handeln, wenn Re stch vorerst mit einer Kornpromiß- l o s.u n a begnügten, und sich dadurch England für die Zukunft nicht zum Gegner machten. Die letzten Ereignisse auf den europäischen Kriegsschauplätzen gaben jedoch der von der Armee vertretenen Ausfällung in einem Umfange recht, daß stch, das Kabinett nicht mehr halten konnte und sutück- trat. Fürst Kanone, bet mrt ber Kabinettsbildung be« Etragt wurde, genießt in politischen Kreisen Japans außer- ordemliches Ansehen. Er neigt dem Gedanken einer Etnh ertsp arrei zu. Über seine außenpolitische A u f f a H u n g hat er stch noch nicht ausgesprochen. Er wies ledoch darauf hin. daß Premierminister unbWebr- macht aufs engste zusammenarbeiten müßten. Er werbe vor der endgülrigen Kabinettsbildung eine ein»
dem Außenminister über Außenpolittk unb Wehrmachtfragen haben unb ein gemeinsames Arbeitsprogramm Wegen.. Wie Domei mitteilt verbleibt der Marineminister. ■ Vizeadmiral Voshlba. auch tm neuen Kabinett Außenminister wi^ ber bisherige Präsident ber Südmandschurischen Eisenbahn Matsuoka.
Wie Churchill int Unterbaute mitteilte, ist es in bet größten zwischen Tokio unb Lonbon schwebende Streitfrage, Mm11*.’« be* Frage der britischen Waffenlieferungen an Tschiangkaischek. zu einer vorläufigen Verein- barung gekommen. Dabei muß England erhebliche Zu- gestandnisse gemacht haben, denn Churchill suchte dem Protest ^tner Zuhörer dadurch vorzubauen, daß et darauf htnwres. Jtan molle mit diesem Abkommen Zeit gewinnen, in SLer,s^° ^nBi $ f?ater eine erträgliche Lösung finden ?ctbe. fonft fo großmäulige Schwätzer wies die Unter» bausabgeordneten darauf hin. daß die Spannung im Fernen Osten außerordentlich schnell an« roa ane und baß die britische Regierung der gegemnättigen se. Rechnung tragen müsse und sich nicht verhehlen dürfe, das Großbritannien vor einem Kampf um Leben
Eine Erkenntnis, die nicht gerabe durch ihre Neuigkeit überraschen kann.
88. Jahrgang
Freitag, 19. JuN 1940
Nr. 168
Wiesbadener Tagblatt
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