Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit
88. Jahrgang
Dienstag, 18. Juni 1940
Nr. 141
M
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"Frankreich, muss die Waffen niederlegen
sichrer unv vuce In München lieber himöerttaufenb Gefangene an einemTag Gesamte Ausstattung zahlreicher Divisionen und mehrerer Festungen erbeutet / Besonders erfolgreiche Luftangriffe auf Transportschiffe in der Loire-Mündung und auf Bahnhof Rennes / Die Orne überschritten
Petain bittet um Bedingungen
Führerhauptquartier, 17. Juni (Funkmeldung). Der Ministerpräsident der neugebildeten französischen Regierung, Marschall PHtain, hat in einer Runkfunkansprache an das französische Bolt erklärt, daß Frankreich nunmehr die Waffen niederlegen mühte. Er wies dabei hin auf einen von ihm bereits unternommenen Schritt, die Reichs- regierung von diesem Entschluß in Kenntnis zu setzen und die Bedingungen zu erfahren» unter denen das Deutsche Reich bereit sei, den französischen Wünschen zu entsprechen.
Der Führer wird den Königlich Italienischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini zu einer Aussprache treffen, in der die Haltung der beiden Staaten überprüft werden soll.
Eine historische Begegnung
München. 18. Juni. (Funkmeldung.) Der Führer traf Dienstagmittag aus dem Führerhauvtauartier kommend in München zu dem angekündigten Zusammentreffen mit dem Duce ein.
as. Mit der denkbar größten Spannung siebt die ganze Welt den Beschlüssen entgegen, die der Führer und der Duce gemeinsam bei ihrem heutigen Zusammentreffen fassen werden. Zeitlich liegen »wischen dieser Zusammenkunft der beiden groben Staatsmänner, die Eurova neu gestalten, und ibrem letzten Zusammentreffen auf dem Brenner nur genau drei Monate. Wie bat sich in dieser kurzen Zeit das Bild Eurovas gewandelt. In Frankreich ermahnt der Rundfunk die Bevölkerung ..Geduld und Kaltblütigkeit zu bewahren" und die kommenden Ereignisse mit gröbler Ruhe zu erwarten. Es wird in der Tat den Franzosen nichts weiter übriybleiben. als Geduld zu üben, denn wenn sie es wirklich eilig gehabt hätten mit dem Ende des Krieges, dannhättenkiebedingungs- los kavitulieren müssen. Aber daran denken ne nicht, ja ihr Aubenminikter versucht sogar noch den Anschein zu erwecken, als ob man Zeit zu Verhandlungen habe, obwohl der französische Rundfunk selbst zugeben muß. daß militärisch alles verloren ist. zumal die französische Armee in vier verschiedenen Eruvven getrennt und jede dieser Eruvven für sich umzingelt sei.
Der militärische Zusammenbruch Frankreichs schreitet denn auch schnell weiter vorwärts, wie sich aus dem heutigen OKW.-Bericht ergibt. Die Übergabe von Festungen und die grobe Zahl von Gefangenen kennzeichnen diesen fortichreitenden Zusammenbruch. Die Widerstandskraft ist im ganzen gebrochen, wenn auch im einzelnen nach wie vor Widerstand geleistet wird. Der Gegner ist also erschüttert. hat aber den Kampf keineswegs überall aufgegeben. Gegen ihn wurde von den deutschen Truvven erneut ein außerordentlicher Raumgewinn erzielt. Die Luftwaffe bat den Franzosen wiederum klar gemacht. was es heibt. sich in einen Kamvf mit Deutschland einzulassen. Kennzeichnend ist im übrigen auch, dab derfran- »ösische Rundfunk an die Bevölkerung novellierte, ihre Wohnstätten nicht eu verlassen und nicht weiter den Riesenstrom der Flüchtlinge zu vermehren, der bereits auf sechs Milli o n e n geschätzt wird und sich auf allen Straßen, die nach Süden führen, ergießt.
Kamvf kennenzulernen, den — jedenfalls Churchill und die anderen Eravvenkrieger um ihn herum — bisher vom Hörensagen offenbar noch nicht verstanden haben. England scheint wirklich eine Insel zu sein, ein Land für die, die erst die Wirklichkeit aus ihrer g e i st i g e n Isolation herausreißen wird. Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit.
Sechs Jahre politischer Erziehung haben nicht das vermocht. was wenige Kriegsmonate erreichten: sie haben auch den letzten weltanschaulichen Zweifler überzeugt. Demokratie und Parlamentarismus? Ihre Presse umwarb gerade uns Deutsche, vries uns die Unübertrefflich
Der glorreichste Sieg
Von Heinrich Karl Kunz
Mr nennen das Erleben der letzten Tage groß und gewaltig und doch fühlen wir das Unzureichende unterer Worte. Was uns bewegt, vermögen sie nicht ausMdrucken. Wir können nur ergriffen feststellen: In fünf SB o 6 en hat die deutsche, die nationalsozialistische SBebrmacht Holland und Belgien zur Kapitulation gezwungen und Frankr e i ck die Waffen aus der Hand geschlagen. In tunt Wochen bat sie das Wort des Führers, das er am Heldengedenktag im Berliner Zeughaus aussvrach. das Wort von dem glorreichsten Sieg der deutschen Geschichte, eingelost. Dank und Ehrfurcht erfüllen uns. Wir danken unserem Führer, der die genialen Feldzuasvläne entwarf, wir danken unseren Soldaten, die sie in beispielloser Hingabe, mit unerhörtem Schwung in die Tat umsetzten. Mit Ehrfurcht aber gedenken wir der Tausende, die ihr Herzblut für diese Stunde Hingaben, der Hunderttausende, die tnt Weltkrieg sielen, ohne dab das beih ersehnte Ziel, der Einzug tn Paris, der Fall Verduns. erzwungen werden konnte. Etn Heldentum und eine Opferwilligkeit ohnegleichen schien damals durch das SBeitagen der politischen Führung nutzlos vertan zu sein. Nun haben die Söhne geerntet, was die Väter säten: den Sieg! Auf dem Eiffelturm, über dem Schlob von Versailles, über den Forts von Skibun weht die Reichskriegsflagge. Durch den Arc de Triomvbe hallt der harte Schritt deutscher Bataillone und die hunderttausende toter Helden, die von den Friedhöfen von Langemark, von der Lorettohöhe. von Verdun, von der Somme und aus der Champagne marschierten unsichtbar in ihren Reiben mit. Das bittere..U m s o n st" i ft ausgetilgt. Ihr Sehnsuchtsbild. das sic auch in der Hölle des Trommelfeuers nie verließ. das große, starke, das siegreiche Deutschland, ist strahlende Wirklichkeit geworden. Vollendet von einem, der namenlos in ihren Reiben kämpfte, der ihr Erbe heilig hielt und m entschlossene Hände nahm. Das deutsche Volk neigt sich vor den toten Helden von gestern und heute. Es erlebt ergriffen die Schicksalsstunde der Ration.
Der Bericht des Oberkommandos
Alle unsere Flugzeuge sind zu ihren gekürt. Drei feindliche Flugzeuge Rnl und ein Jagdflugzeug »ft tm Lustkampf
tm oberen Sudan mit Bombe» b elegt wurden, sind zu ihre» Stutzpunkten zurück- kind a« Boden leritört f abgeschossen worden.
Matta, Korsika und Biserta bombardiert
Durch U-Boote zwei Lltanker versenkt — Neun feindliche Flugzeuge vernichtet
Führerhauvtauartier, 18. Juni. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Der militärische Zusamm e n b r u ch Frankreichs schreitet unter dem Druck unserer rastlosen Berfolgung rasch vorwärts. .. ..... _
Zwischen Caen und Le Mans itt bte Otne.an mehreren Stellen überschritten, die Loire,aufwärts Crleans bis Revers und südöstlich davon erreicht. Wie schon dnrch Sondermeldung bekanntgegeben, haben schnelle Truppen das französtfche Rüstungszentrum Le Creuzot besetzt nnd die Fettung Belfort genommen. Die Festung D ii o n ist kampflos g cfa llen Einer klug vorstobenoen beweglichen deutschen Abteilung hat stch anch die Fettung Metz ergeben. , ... ,
Von dort aus wurden nunmehr die noch verteidigten Abschnitte der Maginotlinie bei d er k e 11 s D t ed en - 6ofen auch von rückwärts angegriffen. Der Durchbruch durch die Maginotlinie südlich Saarbrücken wurde bis an den Rbein-Marne-Kanal erweitert.
Am Oberrhein schreitet der Angriff gegen d,e Vogesen vorwätts. Kolmar ist genommen. Allein am
Einige Einflüge der feindliche» Luftwaffe blieben ohne nennenswerten Erfolg. Ein Flugzeug wurde von der Flak abgefchoffen. Der Feind hat tn der Rocht von gestern dte Luftangriffe erneuert, wobei nichtrnilitartsche Ziele getroffen wurden. 3h Mailand wurden Säufer und ein Schwesternhofpiz beschädigt. Zwei Tote nnd einige Verwundete bei der Zivilbevölkerung. In Ligurien hat eine Flakbatterie vier feindliche Flugzeuge ab- gekchossen."
England scheint den Nachweis erbringen »u wollen, daß es aus all den Erfahrungen, die nach Polen. Norwegen. Holland und Belgien nunmehr auch Frankreich machen mußte, nichts gelernt hat. Die Londoner Presse unterstützt jedenfalls in ihren Kommentaren den Entschluß Courchills. den Kampf fortzusetzen, und erklärt wenn dte Nation sich wie ein Mann erhebe und klar erkenne., was auf dem Spiel stehe, dann könne Deutschland noch niedergeschlagen werden. Aus solchen und ähnlichen..Äußerungen kann man wohl schließen auf die Redeftro m e dte Herr Cburchill beute im Unterhaus zu halten gedenkt. Bemerkenswert ist aber auch weiterhin, baß dte britische Regierung nunmehr den Vorschlag gemacht bat. Frankreich und Großbritannien sollten nicht länger, mehr zwei Nationen bilden, sondern eine, französisch- britische Union. Frankreich, so 6ernt es darin, solle seine verfügbaren Kräfte zu Lande, zu SBafiei und tn der Luft zur Verfügung stellen. Hier ist sehr deutlich erkennbar, daß Herr Churchill noch aus dem Zusammenbruch Frankreichs ein Geschäft machen und dte französische Flotte und nicht zuletzt die französischen Kolonien für England einsacken will Das tft echt englisch, das ist echter C b u r ch l l l. Mit Recht sagt die ..Deutsche diplomattsch-politische Korrespondenz. statt durch dte kürzlichen Ausführungen des Führers nachdenklich zu werden, scheint England es darauf abzuleben. nun wirklich den
gestrigen Tage sind weit über 100 000 Gefangene eingebracht worden.
Die Beute umfaßt" die gesamte Ausstattung zahlreicher französifcher D i v i f t o ne» und mehrerer Fettungen.
Die Luftwaffe setzte den Berfolgungskampf gegen den zwischen der Atlantischen Küste und der oberen Loire zurückflutenden Gegner fort. Besonders erfolgreich war ein Luftangriff auf den mit Transport-, Mnnitions- und Be- triebsitoffzügen überfüllten^ Bahnhof Rennes. Mit gewaltigen Explosionen flogen ganze Züge in die Luft, unter den Truppen brach eine ungeheure Panik aus. In der Loire-Mündung gelang es. die bisher größte Angriffswirkung auf feindliche Transportschiffe zu erzielen.
Gewaltiaer Schiffsraum wurde vernichtet oder schwerbeschädigt. Unter den getroffenen, jum Teil als beladen erkannten Schiffen befanden stch zwei Transporter von je 30 000 Tonnen, zwei Transporter von te 25000 Tonnen, ein Transporter von 20 000 Tonnen, vier Transporter von je über 10 0 00 Tonnen und mehrere kleinere Kriegs- und Handelsschiffe. Neun Schiffe sind gesunken. andere unter. Explostonserkcheinungen teils voll- ttändia ausgebrannt, teils gekentert.
I» der Nacht mm 18.. Juni nahmen englische Flugzeuge ihre Angriffe gegen nichtmilitarische Ziele in Nord- und Westdeutschland wieder auf.
Die Sesamtverluste des Gegners in der Luft betrugen gestern fünf Flugzeuge, ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Durch entschlossenen persönlichen Einsatz haben der Kommandeur eines Schutzenregiments. Major Zimmermann. der Oberleutnant eines Panzerregiments. Malen t b. «ad der Leutnant einer Beobachtungsabteilung. Dan n. die Sprengung wichtiger Brücken durch den Seine tm letzten Augenblick verhindert.
.. Der am 17. 6. bekanntgegebene Eefolg eines U - Bootes gegen einen britischen Hilfskreuzer im Morav- Krth tft durch ganz besonders lavieren und vollen Einsatz des Bootes unter Führung von Kavitänleutnant Kuvvifch erzielt worden.
Rom. 18. Juni. (Funkmeldung.) Der italienische Wehr- machtbericht vom Dienstag bat folgenden Wortlaut:
.Das Oberkommando der italienischen Wehrmacht gibt Meg» bet Nacht vom 16. »um. 17. Juni stnd die F.lotten- b a s i s von Biserta, die militärischen Ziele von Malta und die Flughäfen von Korsika wirksam mtt Bomben belegt worben.
Untere U-Boote haben feindliche Tanker, darunter einen von großer Tonnage, versenkt, Jn Roro- afrila werden die Operationen an der Cvreuatla- Srenze fortgesetzt. In Ottafrika find zahlreiche. Luft- Operationen mit Erfolg durchgefubrt worden... wöbet oer- schiedene Flottenstützpunkte und militärische Ziele
