Seite 2 Nr. 134 .
Wiesbadener Tagblatt
Montag, 10. Sunt 1940
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Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
Violinabend Guila Bustabo
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Groteske „Abwehrmatznahmen" in England
Eingeständnis der wirtschaftlichen Ohnmacht s
Sauptschriftleiier: Fritz GLnthe r; verantwortlich für den politischrn teil: Heinrich Xon Ranz: für Kunü, Unterbaltnna und Sport: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichten, Vororte undwirtschaststeil:Willi pempel; für den Anzeigenteil: Dtto Kaiser; .sämtlich in Wiesbaden. Gesamtleitung: Dr. phil. habile Gustav Schellenbe refunö Dtto K a t f er. — Zur Zeit ist preisllste Nr. 8,gültig. Druck und Verlag: (. Schellenberg*sche Buchdruckerei, Wiesbadener tagblatt, Wiesbaden
Der Zeitpunkt noch ein Geheimnis des Duce
3m Kampf gegen England .wird die Aktion Italiens eine kapitale Bedeutung haben'
wf. Vorerst blickt man in London mit einem Gefühl der Erleichterung auf die große Schlacht in Frankreich und ist froh. daß. sich die Wucht des deutschen Angriffes nicht gegen England direkt gewandt 6ar. Man mackr sich jedoch keine Illusionen und weiß, daß auch ine eigene Stunde kommen wird.'Mit Maßnahmen, die geradezu lächerlich sind und einer hysterischen Angst entspringen, sucht man einer möglichen deutschen Invasion zu begegnen. In den verschiedenen Abschnitten des englischen Mutterlandes werden neue Oberkommandierende ernannt, alles Männer, deren Namen im Empire einen guten Klang besitzen und von denen man hofft, daß sie das Unheil abwenden könnten. Trotzdem ist das Vertrauen denkbar gering. Das zeigt schon ein Artikel im „Sunday Diivatch", in dem gefordert wird, alle Personen, die in England nicht benötigt würden, also alle Kinder. Frauen und alle alten Männer nach Kanada zu evakuieren, überall beseitigt man Wegweiser, die Namensschilder an den Eisenbahn- und Autostatiomen und jetzt sogar alle Geschäfts- und Wirtschaftsschilder, um den deutschen Truppen im Falle der Landung keine Orientierungsmöglichkeiten zu bieten. Man will sogar so weit gehen, daß man alle Grabsteine auf den Friedhöfen beseitigt, die Ortsangaben enthalten. Die Londoner Polizei kündigte an. daß der Befehl zu erwarten sei. auf nicht vorschriftsmäßig verdunkelte Fenster ohne weiteres zu schießen. Das sind Auswirkungen einer völligen Kopflosigkeit, die zwangsläufig das S englische Volk in eine P a n i k st i m m u n g versetzen
n. Wenn die Engländer eurer möglichen deutschen Landung nichts anderes entgegenznsetzen haben, dann dürfen sich sich ruhig heute schon verloren geben.
nach England gerichtet und um sofortige Entsendung von Truppen. Panzerwagen und Flugzeugen gebeten. London hat darauf geantwortet, daß es nicht in der Lage sei, die Franzosen letzt ui unterstützen. Nach der schweren Niederlage in Flandern ist England nicht imstande, ein neues Expeditionskorps aufzustellen und auszurüsten. Was man in England noch an Truppen und Material Hot. das will man auf dem Wege über den Kanal nicht der deutschen Luftwaffe ausliefern, das will man nicht in den großen
Verzweifelter Hilferuf an England
(Eigener Drahtbevicht unserer Berliner Schriftleitung.)
wt. Die Empörung über die plutokratische Gewalt- Politik bat nach dem Bekanntwerden des zwerten Berichtes über die Blockadeschäden, die Italien durch das Freibeutertum der Briten und Franzosen entstanden sind, in Rom und im ganzen Lande ihren Höhepunkt erreicht. Durch die Feststellung der amtlichen Denkschrift, daß bei der derzeitigen Lage, wie sie im Mittelmeerraum besteht, die Freiheit und die Lebensrechte, ja die Möglichkeit Italiens zur Arbeit völlig von dem Willen einer nicht mittelineerischen Macht abhängen, hat die Entschlossenheit, die Unterdrückung io bald roie möglich abzuschütteln, in ihrer ganzen elementaren Wucht sichtbar gemacht. Um die Rückwirkungen der britischen Vlockademaßnahmen auf die rtalienische Wirtschaft beurteilen zu können, muß man sich die Feststellung der amtlichen Denkschrift vor Augen halten, wonach zahlreiche Industrie-Unternehmungen durch die Zurückhaltung der Rohstofflieferungen zur vorübergehenden Arbeitseinstellung und Arbeitseinschränkung gezwungen waren. Die italienischen Häfen liegen voll Güter, die nicht exportiert werden können. Ungeheure Warenmengen verderben und die entstehenden Verluste sind kaum zu berechnen. Aus den Verhandlungen, die zwischen Rom und
Stukas vernichten vier 32-Tonnen-Panzer
Berlin, 8. Juni. Junkers-Sturzkampfflugzeuge unterstützten in zahlreichen Einsätzen das Vorgehen der Erd- truvven. Dabei gelang es ihnen an einer Stelle, vier 32-Tonnen-Pai^er des Gegners zu vernichten.
„ als Freilicht
aufführung darzustellen. Die musikalische Leitung hat Intendant Generalmusikdirektor Clemens Krauß.
* Deutscher Krebsforscher besucht Brasilien. Der deutsche Krebr- forscher Prof. Kevsser, dessen erneuter Besuch bereits von der wissenschaftlichen Welt Brasiliens mit Spannung enrartet - nwt« ben war, tgtf in Rio de Janeiro ein. ■***
Die Engländer aber müssen plötzlich erkennen dog d e u t s ch e S ch l a ch t s ck i f f e. von denen sie ichon behauptet haben, daß sie versenkt oder doch auf das schwerste, beschädigt feien, sehr kräftige Schläge auszuteilan vermögen. Die deutsche Flotte, die nach englischen BerechnuWen kaum noch existieren sollte. Hot eine große Aktion zur Ent- lostuna der im schweren Abwehrkomvf tm Raume von Narvik stehenden deutschen Truppen unternommen und in offenen Gefechten der englischen Marine starke Derluftezugefügt. England hat mäst nur einen starken Prestige-Verlust erlitten, es hat erkennen müssen, da.g auch die deutsche Kriegsmarine ebenso wie die deutsche Lunwane die rückwärtigen Verbindungen der bet Narvik kämpfenden Verbände versorgt. Der Verlust des Flugzeugträgers durfte dabei für diese Verbände besonders schmerzlich, sein, weil gerade der Flugzeuträger eine wesentliche Unterstützung Tur den Angreifer dorftellte.
Zu allen diesen katastrophalen Nachrichten gesellt sich für London und Paris die Sorge um d a s Mi t t e l nie er. Italien fetzt feine gründlichen un» metijobiichen Vorbereitungen für den Kriegsfall fort. In. England und Paris ab« steigt angesichts dieser Entwicklung die Unruhe und Nervosität, zumal der .Daily Erpreß" plötzlich, entdeckt, daß. Italiens Rohstoffvorräte doch sehr viel groyer seien, als man bisher angenommen habe.
französischen Verlmtkessel hineinwerfen. wo es dock bofinungs- los verloren ist. sondern das will man zur Verteidigung des Jnfelreiches selbst haben angesichts der befürchteten deutschen Invasion. Die Reise, die oer in Flandern geschlagene englische General Gort nach Paris unternahm, soll mit diesen recht erheblichen Meinungsverschiedenheiten zu- sammenhängen.
Die Franzosen sind also auf sich allein angewiesen. Ihre We y g a n d - Ln n i e. auf die sie so große Hoffnungen geletzt haben, wurde bereits nach zwei Tagen vollk»mmen überwunden. Auch dieser Verteidigunosgürtel erwies sich als falsche Svekulation. Die Hoffnungen Weygands, durch feine Verteidigunystaktik den deutschen Vorstoß auffangen zu können, waren trügerisch. In diesem Augenblick, in dem also alle französischen Pläne über den Haufen geworfen sind, muß Frankreich nun noch zur Kenntnis nehmen, daß weitere Teile der deutschen Front rum Angriff angetreten sind. Das trifft Weygand um so schroerer. als er, nach dem Eingeständnis französischer Blätter, schon nahezu alle Reserven einsetzfe.
London geführt werden, geht einwandfrei hervor, daß England die nationale Wirtschaft Italiens zu kontrollieren beabsichtigt und seine Produktion durch Kontigentierung der Einfuhr lahmzulegen versucht. Die italienische Regierung ist auf derartige Zumutungen natürlich nicht eingegangen. Wie weit die Briten ihre Piraterie trieben, zeigt etn Fall, wo mitten im adrtatiichen Meer Schiffe, die den Verkehr zwischen Italien und Albanien vermitteln, angehalten und in Kontrollhäfen dirigiert wurden. Aus diesem zweiten Blockadebericht gehe so stellt „Giornale d'Jtalia" fett, die offensive Zielsetzung der französisch-britischen Politik hervor. London habe die Freiheit der Verbindungen zwischen Italien und seinem Imperium angegriffen, mit dem offensichtlichen Zweck. Italiens Prestige zu beleidigen und seinen lebenswichtigen Handelsverkehr »u vernichten. Daraus erkenne man, was von Verhandlungsoorschlägen, die London und Pans im Augenblick der größten Not an Italien richte, zu hallen fei. Die Worte sprächen von Verständigung, die Tatsachen aber bestätigten die Unterdrückungstendenz oer beiden imperialen Demokratien. Italien müsse lür die Verteidigung seiner berechtigten und lebenswichtigen Interessen, sowie für die Achtung der internationalen Normen kämpfen. Italien schreite entschlossen auf seinem Weg vorwärts, als arbeite« tarne Großmacht seine Freiheit, seine Rechte auf Leben und Arbeit zu verteidigen.
Staatsminister garinacci hielt bei einem Empfang zu Ehren des deutschen Staatssekretärs Hermann Esser, der sich zur Besichtigung der Kunstausstelluim in Cremona aufhält. eine Rede, in der er u. a. sagte: „Kameraden aus dem Dritten Reich, wenn Sie zu Ihrem tapferen Volk beim« kehren, dann sagen Sie dem Führer und ganz Deutschland, daß alle Italiener bereit sieben. Sie erwarten nur die mannhafte Stimme des Duce, sie erwarten von ihm den Befehl, der den Weg vorzeichnet. Ich preise den Ruhm Deutschlands und Italiens, der beiden furchtlosen Führer und den Triumvh der gemeinsamen Sache."
Der Direktor des .,Telegrafo". der bekannte und dem italienischen Außenminister nahesiebende Journalist An- saldo, sagte in seiner letzten Rundfunkansprache an das italienische Heer, daß ddr Zeitpunkt des italienischen Eingreifens noch ein Geheimnis Mussolinis lei. Bei dem Kampf gegen England werde die Aktion Italiens eine kapitale Bedeutung haben, dann werde Italien seine Einheit vervollständigen und die Sklavenketten brechen, die es zum Gefangenen des Mittelmeeres mache.
Pares— Bordeaux, etwa 100 Kilometer nordöstlich von Bordeaux z, verlegen. Diese Nachricht hat. wie ein dänisches Blatt berichtet, die Stimmung in Paris auf das ernsteste- beeinflußt. französische Zeitungen bemühen sich deshalb um den Nachweis, daß gar nichts katastrophales darin liege, wenn et ne Regierung ihren Sitz verlege. Die neue Form des Krieges, so meint beispielsweise die „Evogue". rechtfertige einen solchen Vorgang vollkommen.
Es ilt nicht weiter verwunderlich, daß die Framosen diesen Umständen verzweifelt sich um englische f bemühen. Mit den Syrnvathietelegrammen, die £ ihnen bisher zukommen ließ, ist ihnen nicht gedient. R« bat denn auch nach einer Unterredung mit dem frami Staatspräsidenten Lebrun einen neuen SOS.
Die junge Geigerin Euila B u st a b o feierte am Samstag im großen Kurhaussaal wieder einen ihrer Triumphe. Es erübrigt sich, hier nochmals hervorzuheben, mit welcher absoluten Vollkommenheit sie jeder Aufgabe gerecht wird. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, ihr echtmustkalisches Temperament, ihre verblüffende Virtuosität oder den seelenvollen Ton ihres herrlichen Instrumentes. Der Strich ist breit und groß, besonders auf der G-Saite weiß ste .mächtige Töne hervorzuzaubern, die unmittelbar aus. dem Herzen dringen und an den Gesang einer dunklen Altstimme erinnern. Mit der Innigkeit und Zartheit des Ausdrucks weiß sie aber gleichzeitig einen fast männlichen Ernst zu verbinden. Niemals wirtz ste süßlich, niemals nervös/Wie in ihrer Haltung beim Spiel hat ste auch in der Auffassung eine wahrhaft klassische Ruhe. Und was vielleicht das Erstaunlichste ist: Bei allem Hervortreten einer starken Persönlichkeit weiß sie sich doch vollkommen dem Stil des jeweils vorgetragenen Werkes anzupassen. Bei der Sonate in E-Dur von I. S. Bach wahrte sie besonders in dem Adagio eine fast kantatenhafte Feierlichkeit und verlieh selbst den zahlreichen, die Melodie begleitenden Verzierungen eine gewisse gedämpfte Herbheit. Anders behandelte sie das sogenannte Adelaide-Konzert in E-Dur. das natürlich für Orchesterbegleituna gedacht ist. Es handelt sich um eine frühe Komposition W. A. Mozarts, die nicht gerade tief angelegt ist und mehr als ein anmutiges Spiel mit Formen gewertet werden muß. Euila Bustabo faßte denn auch die drei Säße im klassisch heiteren Sinne auf, ohne die Tempi zu überstürzen und mit brillantem Vortrag wirken zu wollen. Selbst die drei einaeftieuten, schwierigen Kadenzen zeichneten sich durch Maß und Ruhe aus. Wieder anders die Sonate in A-Dur von Johannes Brahms, deren verhaltene Glut zu Flammen der Leidenschaft durchbrach. Das Allegro mit seinem liedhaft schlichten Eingang, die edle Eantilene des zweiten Satzes, die von einem feueiigen ..Vivace" unterbrochen wird, das beschwingte Finale mit leichten Anklängen an das Lied „Meine Liebe ist grün wie der Fliederbusch", diese ganze beglückende Stimmung wurde von Euila Bustabo mit tiefer Einfühlung in das Wesen der Brahms'schen Musik wieder- gegeben. Dazu kam, daß Musikdirektor August Vogt hier aus oer Rolle des anschmiegsamen Begleiters heraustreten konnte und seinen Klavierpart in einer der Violinistin ebenbürtigen Weise ausbaute und in allen Einzelheiten meisterhaft durchgestaltete, sodaß man die „Thuner Sonate" — sogenannt, weil sie gelegentlich eines Aufenthalts am Thuner See 1887 komponiert wurde — als den Höhepunkt des ganzen Abends bezeichnen dürfte. Es folgten noch einige kleinere Stücke, so die Bearbeitung einer Melodie von Christoph W. Gluck, die den großen Ton der Künstlerin in schwelgerischer Art zur Geltung brachte. Die Bravourstücke von Paganini und Sarasate bewiesen eine erstaunliche Fingerakrobatik mit Springbogen. Pizzicati.und Flageolette- Tönen, deren Schwierigkeiten ebenso spielend überwunden wurden wie das rasende Tempo des „Perpetuum mobile" von Franz Ries. Unter den Zrmaben fiel eine „Pastorale" von I. Stravinsky durch eigenartige Melodie und kühne Harmoniesierung aus. Die Zu- S&ue ehrten die Meisterin mit Blumenspenden und nicht enden- wollendem Beifall. Dr. Wolfram Waldschmidt.
daß sich butter ihren absichtlich spitz und scharf gesungenen Worten, eine im tiefsten Herzen verletzte Siebe birgt. Ein ausgezeichneter, ganz deklamatorischer Stil ermöglichie es ihr mit der Szene des Todesrrankes eine erschütternde Bühnenwirkung zu erreichen. Jede Gebärde war psychologisch durchdacht und gleichzeitig von klassischem Adel. Ihre herrliche Stimme konnte Helena Braun vor allem in dem 3mie« gelang mit Tristan zur Geltung bringen, wo sich eine Perle lyrischer Musik am. die andere reiht. Bald war der Gesang von dämonischer Gewalt, bald wieder von größter Zartheit im verhauchenden Piano. Bei dem Liebestod am Schluß steigerte sich die künstlerische Gestaltung zu einer Gewalt von hinreißender Kraft. Man ist versucht zu behaupten: Es gibt nur eine Isolde, und sie heißt Helena Braun. Thomas Solcher ist an dieser Stelle bereits früher gewürdigt ---.— />-. *■- erneute Feststellung, daß der Tristan zählt, daß ferne etwas herb getönte.
* bis zum letzten Takt ihre Frische bewahrt und daß ihm in den Szenen des zweiten Aktes Stellen von großer Weichheit gelingen. Die schwierige Aufgabe des bettlägerigen Helden loste er geschickt, vermied uberrealistifche Züge bei dem Aufreißen des Verbandes und wirkte bedeutend bei dem Fluch auf den Trank und den. der ihn gebraut. Margarete Lüddecke fetzte ihre großen stimmlichen Mittel für die Brangäne ein, die sie im Gegematz »ur Isolde als anschmiegsame, mitleidvolle Weibesnatur schilderte. Besonders schön klang ibr sonorer Alt in dem vom Turm erschallenden Warnungsrut. Heinrich Schlüter war ein in der Maske vielleicht allzu greisenhafter König Marke, wußte aber feine passive Rolle durch die Fülle seines warm getöntem Basses erträglich zu machen, während Lothar Weber dem treuem Kurvenal die erforderliche bär- beißioe Biederkeit gab.
Ernst Zulauf leitete das gigantische Werk mit gewohnter llmficht. Weihevoll klang das Vorspiel, das mit den schmerzlichen vier chromatischen Tönen des Hauptmotivs einsetzt, um sich dann in einem Meer von Tonwogen zu verlieren. Sehr schon klangen auch die Vorspiele des zweiten und dritten Aktes, die monbübeiglänate Sommernachtstim- muttfl mit den geheimnisvoll aus der tirerne IjereintönenW Jagdhörnern und das hoffnungslose Aufbegehren der Bässe vor dem dritten Akt in Verbindung mit den Geigen, die gleichsam zum Horizont emvorkletternd die Weite und Öde des Meeres schilderns Das gutbesuchte Haus bereitete besonders Helena Braun, die uns leider bald verläßt, nicht enden wollende Ovationen. Dr. Wolfram Waldschmidt.
Nachdem die Briten ihre demokratischen und varla- memtarischen Freiheiten, auf die sie so stolz waren und die sie Deutschland immer wieder anvriesen. zugunsten der Churchill- Diktatur auf gegeben haben, fetzen sie nunmehr auch ihre viel- gerühmte Kreibandelspolitik außer Kraft. Das ritische Schatzamt fab sich durch die kataftrovbale Kapitalflucht gezwungern. eine verschärfte Devisenkontrolle einrufuhren und Zwangskurse für das Pfund festzusetzen. Die ständig sich verfchärknde Abschwächung des Pfundkurses und sie gewaltigen Lasten der Kriegsfinanzierung haben, ebenso wie der ungeheuer an- gestiegene Passivsaldo der Außenhandelsbilanz, dazu geführt, daß man den letzten Rest yon Freiheit auf dem Währungsgebiet aufgeben und versuchen muß. mit den Handelspartnern Zablungs- und Verrechnung s- abkom.rnen abzuschließen. Wenn ausgerechnet in diesem Augenblick der britische Blockademinister Dalton. dessen ganzes Ministerium reichlich antiquarisch anmutet, davon fvricht. daß England die deutsche Wirtschaft erdrosseln und tbr alle Waren vor der Nase weakaufen wolle, dann wirkt das, gelinde ausgedrückt, komisch. Womit will England diese Waren bezahlen? Das Pfund bat seine Bedeutung auf dem Weltmarkt längst verloren und durch die letzten Maßnahmen des britischen Schatzamtes als internationale Wäh- runa ausgespielt. Damit hat England eine Waffe aufgeben müssen, die im Weltkrieg noch eine ausschlaggebende Rolle spielte und auf die es noch zu Beginn dieses Krieges große Hoffnungen gesetzt hatte. Die Silfsvölker sind verbraucht. die goldenen Kugeln, mit denen man in den letzten Jahrhunderten so oft andere Staaten für britische Interessen kaufte. liegen in den Geldschränken amerikanischer Banken. Nun muß John Bull, wie jede andere Nation, mit dem Blut seines eigenen Volkes für seine Raubpolttik einstehen.
Weygand ohne Reserven
ae. Berlin. 10. Juni. Die (Erfolge der neuen An- Srmsschlacht in Frankreich, von deren Beginn das deutsche Volk am Mittwoch durch den Aufruf des Führers zum ersten Male Kunde erhielt, sind so gewaltig, daß selbst die amtlichen französischen Kreise sich gezwungen sehen, einen Ka tast rophenbe richt zu veröffentlichen. Hm den Franzosen die unglaubliche Wucht des deutschen Angriffes ttarzumachen. wählt das Havas-Büro diesmal ein plastisches Bild und spricht davon, daß die Deutschen „vorwärts a e - fturmt seien wie die Kimbern und Teutonen". Auf 4000 Panzerwagen und eine halbe Million Mann schützt das amtliche französische Nachrichtenbüro den deutschen Einsatz ut diesem bisher auf 150 Kilometer Front tobenden Kampf, der. wie Havas sagt, an Hefttgkeit und Erbitterung die grüßten Schlachten des Krieges von 1914/18 hinter sich läßt. Angesichts der wahren Hochilut deutscher Truppenmassen habe der Befehl zum Rückzug gegeben werden müssen. In Paris berechnet man jetzt schon die Entfernung der deutschen Infanteriesoitzen von der französischen Hauptstadt Kennzeichnend für die Stimmung fft auch, da» die Gerüchte von einer beabsichtigten F..lucht der französischen Regierung sich hart- mickia erhalten. Es heißt, daß die Regierung plane, ihren
Im Osufscffsn Theater Wiesbaden;
„Tristan und Isolde"
Bon Richard Wagner.
Bekannt ist Richard Wagners hoffnungslose Siebe zu der schönen und geistreichen Mathilde^ der Mtttn fernes Eon, ners, des Konsuls Wesendonk. Wagner nhreibt aus Zurich an Liszt, er habe nie das eigentliche Gluck der Liebe genossen und wolle deshalb dem schönsten aller Traume ein Denkmal fetzen, in dem diese Liebe, fick einmal so recht sättigen solle. Es handelt sich um das Musikdrama „Tristan und Isolde". „Mit der schwarzen Flagge, die am Ende webt, will ich mich selbst zudecken und sterben. Die. Trägere der eirtsigen wirklichen und leidem chafklicken Siebe hatte für den Meister beinahe den Untergang bedeutet. Aber der Künstler mußte den Leidenskelch bis zur bitteren Neige aus« trinken, um die Dornenkrone des Tristan zu flechten und uns damit ein wahres Heiligtum der KMist zu ickenken. Zufällig geriet Wagner gerade in dieser Krise seines Lebens Arthur Schopenhauers Buch „Die Welt als Wille und Vorstellung" in die Hände. Alles Leben, io lautet der Grundgedanke, ist Leid. Aus dem ewigeit. Kreislauf der Geburten gibt es nur eine Erlösung, nämlich die Verneinung des Willens zum Leben. „ . .
Es ergibt sich nun eine scheinbare Paradoxie. Der Hymnus auf die Liebe der Geschlechter wirb zu einer Totenklage. Mögen die berühmten „Hymnen an die Nacht von Novalis mit ihrer Scheidung des eitlen, prahlerischen Tages und der geheimnisvollen Nacht vor allem auf den Metten Akt eingewirkt haben, so ist doch die Gleichsetzung von Liebes, rausch und Lebensverneinung Wagners eigenster idedanie. Die im Leben getrennt waren, sinken in das Nirwana einer ewigen Liebesnacht, wo es kein Ick und kein Du., keinen Tristan und keine Isolde mehr gibt. Tristan leidet gleich dem späteren Ämfortas an der furchtbaren Wunde, die nW5 anderes bedeutet als den nie zu sättigenden Durst der Liebe, die stärkste Lebensbejahung ist. Man begreift ine Verwechslung des Liebestrankes mit dem Todestrank. Das Paar hatte gewaltsam die Pforte des Ewigen cmireißen wollen. Aber der Selbstmord bringt keine Erlosimg. sondern die Entsagung. Tristan und Isolde warten auf den Siebes» tob. der von selbst eintritt, wenn die Schmerzen reif sind.
Diese ganz gefühlsmäßig, erfaßten Ideen finDen ihren Ausdruck in der Musik. Die Reinheit und Klarheit bet .aller Fülle r naschhafter Farben und die Kunst der sinfonischen Durchgestaltung aller Motive rücken das Werk neben die größten Offenbarungen der Tonkunst. Die schmerzliche Ehrv- matik stellt dieses Drama der Rocht in den schärfsten Gegensatz zu den bald darauf beendeten „Meistersingern. der Over der Diatonik und des lichten Tages..
Eine alles überragende Leistung bot bei der Neueinstudierung Helena Braun als Isolde. Von königlicher Erscheinung mit ihrem hellblonden Haarlchmuck. gestaltete sie den etiten Akt mit echt dramatischer Leidem ckaft. Sie wußte w überzeugen, daß ibr Haß gegen Tristan nicht tm nu utzd
