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Wiesbadener Tagblatt

Samstag/Sonntag, 27-/28. April 1940

Ansatz seiner durch die täglichen Angriffe deutscher Flieger bedrohten Flotte Zwinge. Auch in Moskau steht man völlig unter dem Eindruck der deutschen Erfolge, bewundert dre Schnelligkeit und Präzision des deutschen Vormarsches und verfolgt die einzelnen Kampfhandlungen mit offener Sympathie für die deutschen Truppen, deren militärische Lerstungen bei der Besetzung Norwegens als außerordentlich bezeichnet werden.

Demgegenüber mutet es fast wie ein grotesker Sch erz an, wenn jetzt ein „Norwegisches Hauptquartier" in edler Gemeinschaft mit der norwegischen Emigranten­zentrale in Schweden durch „Heeresberichte" versucht, die Tatsache der ständigen Verstärkungen der deutschen Truvven in Norwegen zu bezweifeln, da doch nach den allerzuverlässig- Iten Meldungen von Reuter und Havas sämtliche Meere der Welt und damit also auch die Nordsee von den Engländern beherrscht werden. Das „Norwegische Hauptquartier" versucht die Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht mit einem kleinen Greuelmärchen zu widerlegen. Es behauptet nämlich, daß die deutschen Truvven ihre Landungen nicht etwa mit ehrlichem kämpferischen Einsatz durchgefübrt haben, sondern durch brutale und völkerrechtswidrige Vergewalti­gung der norwegischen Zivilbevölkerung. Harmlose norwegi­sche Fischer wurden, so wird allen Ernstes behauptet, ge-' zwangen, mit ihren Booten und ihrer Zivilbesatzung an Bord die Deutschen an Land zu setzen. Selbstverständlich ist dabei auch ein norwegischer Fischer ums Leben gekommen, so daß auch gleich der erforderliche Märtyrer beschafft war. Wenn dann als Erklärung für den ständigen Rückzug, der von einer geflüchteten Regierung zum sinnlosen Widerstand aufgebetzten norwegischen Truppe behauptet wird, daß dieser Rückzug im Kriegsvlan vorgesehen war und nur die Vorbereitung kommender Siege sei, so wird man mit dieser Formulierung an die prahlerischen volnischen Heeres­berichte im Feldzug der 18 Tage erinnert, in denen der Gegner bis zum katastrophalen Ende sich und die anderen mit solchen Redewendungen zu täuschen versuchte.

Wie damals, so steht auch heute das heuchlerische Eng­land. das sich als Beschützer der kleinen Nationen aufspielt, um sie als Schlachtovfer für die britischen Vernichtungsvläne zu benutzen, hinter solchen Phrasen. Wie es Polen benutzte, um den Krieg mit Deutschland entfesseln zu können, so be­reitete es mit Hilfe seines Trabanten Frankreich systematisch einen Eewaltstreich gegen die skandinavischen Länder vor. deren Neutralität ihm bei den Kriegsausweitungsvlänen im Wege stand und deshalb systematisch untergraben werden mußte. Die sogenannten Hilfsmaßnahmen für Finnland waren, wie beweiskräftig festgestellt wurde, nichts weiter als getarnte Vorbereitungen zum Angriff gegen Skandinavien, das mit der Landung eines Erveditions- korps zur Ausfallstellung gegen Deutschland benutzt werden sollte. Der Führer hat durch sein blitzschnelles Handeln das verbrecherische Vorhaben Englands in letzter Minute ver­eitelt. Zehn Stunden nur kamen die deutschen Truppen der englisch-französischen Landung zuvor, die provagandistisch,. politisch und militärisch sehr sorgfältig vorbereitet war. Nor­wegen stebt heute unter dem Schutz des Deutschen Reiches und die Erfolge unserer tapferen Soldaten, der siegessichere Vormarsch aller Wehrmachtsteile sorgen dafür, daß die von England 'geplante Bedrohung des Reiches von Norden her ein für allemal beseitigt wird.

Schmerzliche Erkenntnisse der Hetzer (Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)

Anbiederungsversuche Reynauds

as. Berlin. 27. Avril. In der Presse der nichtkrieg­führenden Länder findet die Tatsache, daß das englische Kriegsministerium den verlu st reichen Rückzug englischer Truvven im Gulbrandsdal ,zu- geben mußte, sehr starke Beachtung. Das jugoslawische Blatt „Breme" stellt diese Meldung ganz groß heraus und bemerkt dazu, daß der englische Vorstoß am deutschen Widerstand gescheitert wäre. Auch die italtenndje Presse unterstreicht die Tatsache, daß das englische Kriegs- Ministerium zum ersten Male in einem amtlichen von Reuter verbreiteten Bericht eine Niederlage in Nor­wegen zugeben mußte. lehr nachdrücklich. Die Blätter ver­weisen daraus, daß der deutsch-e Vormarsch durch nichts ausgehalten werden könne. „Die drei deutschen Qeeressäulen". so schreibt „Povolo di Roma", „rücken mit der Ubr in der Sand vor und brechen jeden Widerstand. Selbst amerikanische Blätter, die bisher die englischen Lügenmeldungen in größter Aufmachung Wiedergaben, werden langsam nachdenklich. Die „New Vorjk Times . die sonst immer auf der Seite der Lügner und Hetzer »u finden ist. muß in einem Leitartikel »ugeben. daß das Sviel der West möchte in Skandinavien endgül­tig verloren ist, wenn nicht die Frage baldigst gelost würde, ob die Luftwaffe der Westmächte entscheidend ein­gesetzt werden kann.

Auch die englischen Blätter verkennen nicht die Bedeu­tung gerade dieser Frage, So führt der „Daily Telegraph die für England so schmerzliche Entwicklung daraus zuruck, daß England über keine Luftbasen in Norwegen verfüge. „News Cbronicle" erkennt die Beherrschung des Luftraumes durch die deutsche Luftwaffe mit den Worten an: „Die deutschen Bomber fliegen, wo es ihnen gefallt, ihre wiederholten Angriffe waren äußerst störend." „Daily Herald" aber kommt zu der Gesamtfeststellung „Die Lage in Norwegen bietet kein sehr erfreuliches Bild."

Dem kann sich auch die französische Presse nicht entziehen. Sie ist nicht gerade sehr erbaut, daß die Engländer zuerst falsche Siegesmeldungen verbreiteten und nun den Mißerfolg in Norwegen eingestehen müssen. So

schreibt Oberst Fabry nicht ohne Resignation: „Heute weiß jeder, daß die Deutschen die Flugbasen und die gronen Häfen besetzt halten. Täuschen wrr uns nicht langer selbst und bekennen wir. daß es sich in Norwegen um eine sebr harte Sacke bandelt." Lediglick der franzosilcke Mrnister- vräsident Paul Reynaud glaubt nock an den alten Marcken iesthalten zu können. In einer Rede nn. außenpolttncken Ausschuß der Kammer versicherte er, das es dank dem Widerstand der Norweger den Deutschen nock nicht gelungen sei, eine Verbindung zwischen den im Süden Norwegens stehenden Truvven und denen, die in den atlantilwen „Hafen landeten, herzustellen. Daran schloß sich em.Dank für die Norweger und der Versuch, die Norweger weiter zu sinn­losem Widerstand aufzuvutschen. t

Weiterhin ließ Reynaud deutlich durckblicken. daß er die Hoffnung aus die Türkei und die Hoffnung dar­auf. den Balkan zum Kriegsschauplatz macken zu können, nock nicht aufgegeben bat. Der französische Ministerpräsident hielt es auck für nötig, sich mit Italien zu befassen, Er blieb dabei seiner zuletzt eingeschlagenen Politik treu, dieses Thema nur in sanften Worten zu behandeln. Auck wieder­holte er die Behauptung von einer angeblichen Berstandt- gungsbereitschaft Frankreichs, eine Behauptung, die man tn Italien als io lächerlich emvfindet, daß die italienische Presse es nicht einmal für nötig erachtete, sich eingehender mit dem Unsinn zu befassen. Es ist auch nicht ganz ohne Jrome, daß Herr Reynaud diese sanften Töne gerade in dem Augen­blick anschlug, in dem die Engländer wieder einmal einen italienischen Dampfer, die „Conte di Savoia . in Gibraltar zehn Stunden festbielten. wobei sie sich anmaßender denn je benahmen. Wenn auch Reynaud seine Rede mit der Zusicherung sckloß, daß die Westdemokratien gewillt seien, die Feindseligkeiten im verschärften Maße weiter­zuführen, so scheinen die französischen Abgeordneten doch von dieser Rede nickt restlos begeistert gewesen zu sein. Sie richteten eine große Zabl von Fragen an Reynaud. auf die er mit nichtssagenden Auskünften antwortete. Im übrigen aber dürfte Herr Reynaud sehr froh sein, daß es ihm ge­lang. eine parlamentarische Atempause zu be­kommen. Er konnte das Parlament bis Mitte Mai in die Ferien schicken: bis zu diesem Termin ist er also vor pein­lichen Fragen sicher.

Japanische Generaloffensive in China

Eine Erklärung des Sprechers der Erveditionsarmee

Tokio, 26. April. Nach einer Meldung aus Nanking erklärte der Sprecher der javanischen Erveditionsarmee tn China, die javanischen Streitkräfte in Mittelchina hatten den chinesischen Truppen in verschiedenen Offensiven seit dem letzten Winter schwerste Schädigungen zugefügt und so den Feind jeder Möglichkeit beraubt, gegen die Errichtung der neuen nationalen Regierung aktiv zu werden. Mitte Avril hätten die Javaner weiterhin eine Genera 1 offensive gegen den Feind eingeleitet und so den Durchmesser der von den Javanern beherrschten Gebiete erweitert um die chine­sischen Streitkräfte zu vernichten. Trotz der dauernden Pro­paganda der Regierung von Tschungking für einen aktiven Widerstand der Chinesen und trotz der Behauptung großer Siege habe die feindliche Kamvfkrast schwere Einbuße er­litten. und die Friedenssehnsucht unter den militärischen und zivilen Kreisen in Tschungking nehme täglich »u.

Kurie Umschau

Capoferri in Berlin

Das Mitglied des Großen Faschistischen Rates, Capo­ferri, Präsident des Faschistischen Jndustriearbeiterverbandes und Präsident des Dopolavoro, trifft am Samstag in Berlin ein. Reichsleiter Dr. Ley, auf dessen Einladung Capoferri verschiedene deutsche Betriebe und Einrichtungen der Deut­schen Arbeitsfront besucht, wird seinen italienischen East am Bahnhof begrüßen.

Die Verlustliste des Zerstörers „Hunter"

Die britische Admiralität führt in der Verlustliste des Zerstörers ,Lunter", der bekanntlich bei Narvik versenkt wurde, die Namen von 8 Offizieren, 147 Mann und 2 Mann von dem Küchenpersonal auf. Sie werden sämtlich als ver­mißt angegeben.

Die unheimliche Schnelligkeit des Vormarsches

Stockholm. 26. Avril. Von der Überlegenheit der deutfchenStreitkräfte in Norwegen, von der Blitzes­schnelle, mit der die deutschen Truvven in Oesterdal nach Norden vorstoßen und von der Haltung der deutschen Luftwaffe, die bemüht sei. unnütze Opfer auf norwegischer Seite zu vermeiden, spricht deutlich der Bericht eines Korre- svondenten der schwedischen Zeitung „Stockholms Tidningen". der seine Angaben auf Berichte von Norwegern stützt.

Die Deutschen hätten geschickte Offiziere. Auch die neue Verteidigungslinie, die von den Norwegern errichtet worden sei. sei binnen 24 Stunden von den vormarschierenden deutschen Truvven durchbrochen worden. Wörtlich beißt es dann weiter: „Ein bezeichnender Vorfall, der einen inter­essanten Einblick in die Psychologie des Krieges gibt, wird mir von norwegischer Seite erzählt. Eine deutsche Patrouille fei von Norwegern angegriffen worden, denen es gelang, den Anführer der Deutschen, einen Unteroffizier, schwer zu ver­wunden. Halb im Schnee eingegraben und mit einer großen blutenden Wunde, gab der deutsche Unteroffizier weiter seine Kommandos. Aus leinen scharfen Worten mußten die Nor­weger entnehmen, daß ihnen eine große Übermacht gegen­überstand. und sie zogen sich zurück. Der deutsche Unteroffizier starb an seinen Wunden. Er blieb aus dem Schlachtfeld liegen, hatte aber den deutschen Vormarsch gesichert."

Der Korresvondent bestätigt, daß der deutsche Vormarsch entlang des Oesterdals mit einer unheimlichen

Schnelligkeit vorwärts gehe. Wo sich Widerstand von norwegischer Seite zeige, werde er gebrochen.,Als den Deut­schen rn einem kleinen Ort Widerstand geleistet worden sei und sich in einer Privatoilla norwegische Truvven verschanzt hätten, hätten die Deutschen die Luftwaffe innerhalb kurzer Zeit verständigen können, die bann mit einer unheimlichen Zielsicherheit das norwegische Maschinengewehrnest mit einer kleinen Brandbombe aus der Lust vernichtet hätte. Wenige Sekunden nach dem Einschlag habe bas Haus in Flammen gestanden und der norwegische Widerstand sei endgültig be­seitigt gewesen. Am Schluß seines Berichtes gibt der Korre- svondeiit Einzelheiten über die Beschießung eines norwegischen Truppentransportes int Elomme- tal wieder, aus denen bervorgebt. mit welcher Zielsicherheit die deutsche Luftwaffe arbeitete.

Kabinett Pierlot bleibt im Amt

Brüssel, 26. April. Das Kabinett Pierlot,beschloß in seiner Sitzung am Freitagnachmittag, dem ausdrücklichen Wunsche des Königs entsprechend, seine Demission wieder zurückzuziehen. Die Regierung Pierlot bleibt damit am Ruder.

Feuer in einer britischen Flugzeugfabrik

Wie Reuter meldet, brach in einer Flugzeugfabrik der Regierung in Denham (Grafschaft Buckinghamshire) Freitag ein Feuer aus, durch das, wie es heißt, „eine An­zahl von Maschinen" vernichtet wurde.

Streik in einem großen englischen Jndustriewerk

In einem großen Jndustriewerk in Luton (Grafschaft Bedford) legten am Donnerstag zweitausend Arbeiter die Arbeit nieder. Sie hatten wegen der Teuerung eine Lohnerhöhung gefordert, die abgelehnt worden war.

Ägypten beschwert stch

Von 800 000 Tonnen Kohle, die Ägypten während der ersten Kriegsmonate in England bestellte, konnte England in den vergangenen acht Kriegsmonaten nur 200 000 Tonnen liefern. Die ägyptische Preffe verlangt von der Regierung energische Abhilfsmaßnahmen.

USA.-Schlachtschifse werden modernisiert

Der Marineausschuß des Unterhauses billigte eine Vor­lage, die für Modernisierung der Schlachtschiffe „New York Texas" und „Arkansas" 5,7 Millionen Dollar vorsiebt. — Der neueste amerikanische Flugzeugträger „Wasp" wurde am Donnerstag in Boston in Dienst gestellt.

Uraufführung im Deutschen Theater:

„Der ewige Quell“ *)

Schauspiel in fünf Akten non Rudolf Schneider-Franke

Rudolf Schneider-Frankes „Der ewige Quell" ist die erste Uraufführung unseres repräsentativen Deutschen Theaters in dieser Spielzeit.

Als gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges dem Haller­bauern von den Kaiserlichen die einzigen beiden Kinder erschlagen wurden, und ihm kein anderer Sinn zum Weiterleben schien als Rache für die ihm und den Entrechteten zugesllgte Unbill zu nehmen, da schenkt dem Verzweifelten sein Weib neue Hoffnung. Am alternden Stamm der bejahrten Hallerehe wird ein neuer Sproß zweigen! Sie fühlt sich Mutter. Als den Halleibauern die Kaiserlichen zum Tode schleppen, weil er in der Qual feines Elendes sein und der Bauern Recht mit Gewalt und flammendem Wort wahrte, weiß er etwas, was ihm Tod und Tortur ver­ächtlich macht: Unterm Herzen der tapferen Margret, die er wohl vor Zugriff geborgen weiß, reift neues Leben: das Haller­blut wird weiterleben. Der Klosterbruder Beatus aber wird an der Qual des Bauern und dem Rechte des Lebens seines wahren Berufes inne. Er hatte, um das Hallerblut zu rächen, einen Kaiserlichen erschlagen, er hat die Kutte mit dem Baueinrock ver­tauscht („ein fromm Werken mit dem Pflug ist auch ein gut Beten'"), er hat mit Hilfe eines vergrabenen Klosterschatzes den Hallerhos wieder aufgebaut, er baut, selbstlos und ohne (die naheliegende) Absicht aus (die einst verehrte, nun verwitwete) Magret die braune Erde um den Hallerhos als Knecht, um den Boden dem Heranwachsenden Hallerbuben zu bereiten. ..Ist doch ein ewiger Quell, aus dem das ewig Leben fließet, so wir es nit Selber versiegend machen. Reck dich auf, Bäuerin, denn die Haller ind.lebend." Und auch der seinen Sobn suchende Wanderer (die poetischste Erfindung des Autors) soll Trost an dieser Erkenntnis finden. Vielleicht fließt auch dem Erschlagenen, irgendwo und unbekannt, in einem Kinde der ewige Quell weiter!

Ein vordergründiges Stück vom Ethos „Blut und Boden!" Das Zeit- und Bilderstück ist epischer Natur. Es ist mehr didaktische Daritellung. in der der „Ewige Quell" roter Faden ist, als ein Drama, in dem der „Ewige Quell" erlitten oder erkämpft würde und damit eine gegeneinander laufende Spannung der Seelen und des Schicksals wäre. Im Milieu, das vielfach um seiner selbstwillen ausgemalt scheint (weite Strecken des ersten und vierten Aktes), liegen die Zusammenstöße. Hier wird das

*) Dr. Heinrich Buchner, Verlag, München.

Recht, besonders das des Bauern wie zwischen Mahlsteinen zerrieben, je nachdem, bald von den Kaiserlichen, bald von den Schweden, immer von der Kirche. Hier wird um es geglitten. Einige chorhafte Stellen der Leidensmelodie der Bauern sind besonders gelungen. Zu diesem Milieu gehört auch die alter- tümelnde Sprache, von der wir oben zwei Proben gaben, und die gewiß den Darstellern einige Mühe matfit. Diese kräftige, aber schwere Sprache bringt im Verein mit bet lastenden Dränanis des starken Milieus, das zum Beispiel im Resektor ausgezeichnet herauskam, etwas Schleppendes in das Ganze. Auch aus diesem Grund sollte die Spielleitung (Dr. S e b r e ch t) manches im Bei­werk streichen, damit aus dem breiten epischen Fluß ein dramatischeres Vorwärts würde. Die Bühnenbilder Schcnk-von Trapps: der Hallerhof mit seiner in satten kräftigen, der Stimmung entsprechenden Farben gehaltenen Umgebung, ein Urwald voll Geheimnisse, in dem Margret ihr Geheimnis offen­bart, das gut gesehene, anschauliche Klosterrefektor, der Neuaufbau des Halleihofes.

Die entwicklungsfähigste Figur des Stückes ist Bruder Beatus: Werner Leonhard, auch äußerlich gut geeignet für das Hagere der Figur, war in allem gedämpft: tn seiner durch den Willen erzwungenen Haltung als Mönch, in dem Aufbegehren gegen die Gewalt der Waffen, und die Forderungen des Abtes, schlicht in seiner Frömmigkeit, selbstverständlich in seinem Dienen als Knecht, kein Üblicher und Übler aus der Kutte Entsprungener, sondern ein Mensch, vor dem man Respekt hat. Härt und gedrückt die Bäuerin von Martha Bruns: aber auch schön, eindringlich in ihrer leisen Offenbarung des Muttergeheimniffes. Rudolf Reif, eine in sich fertige Figur des Autors, rauh, bauernftolz, Verfechter der Thesen des Autors. Klar und frisch der Hauptmann Arno Hassen pslugs. Ein Experiment, ihn später als seinen eigenen Vater auftieten zu lassen, weil das Erinnerungs­bild an den jungen Hauptmann dem Schauspieler in der Dar­stellung und uns im Ausnehmen hinderlich ist. Kraftvoll in seiner polternden Art. prachtvoll aussehend: Falkner-Aloisi als Obrist. Dazu die Landsknechte Eibinger, Sauger, die Bauern Lehrmann, Laube und andere.

Man bedankte Stück, Darstellung und den sich zeigenden Autor mit freundlichem Beifall. Dr. Heinrich Reichert.

* Der Archäologe Professor Dörpseld f. Der Altmeister der deutschen Archaologte, Prosesior Wilhelm Dörpseld, ist aus der griechischen Insel Leukas im Alter von 8 7 Jahren einem Herzleiden erlegen. Er wird am Sonntag aus Leukas begraben. Ministerpräsident Metaxas beauftragte den Gouverneur von Epirus, am Grabe Dörpselds bei der Beerdigung einen Kranz niederzulegen.

Aus Aunst und Leben

* Der berühmte Seigeulack des Stradivari wiedergefunden. Aus Florenz kommt eine Nachricht, die für den Geigenbau und die Geiger von besonderem Interesse sein wird: der Florentiner Geigenbauer Fernando F e r r o n i hat in einem alten Buch, das von der Zubereitung der Farben und des Lacks handelt, das Rezept für den Lack wiedergefunden, das von Stradivari und den berühmten Cremoneser Geigenbauern des 17. und 18. Jahrhunderts benutzt worden ist. Das Rezept ist fast dasselbe, das heute die besten Instrumentenmacher benutzen: nut der Farbstoff ist ver­schieden, weil der von den Alten gebrauchte sehr teuer und durch wohlfeilere ersetzt ist, der jedoch nicht die wertvollen Eigenschaften des Stradivari-Lacks besitzt. Ferroni hat eine Anzahl Instrumente mit dem nach diesem Rezept hergestellten Lack behandelt und fest- gestellt, daß er mit dem bei den Lremoneser Instrumenten benutzten völlig gleich ist und daß er auch keinen Veränderungen unterliegt, wenn er lange der Sonne ausgesetzt war. Ferroni hat das Rezept der internationalen Eeigenbauschule in Cremona angeboten, als eine Ehrung für Stradivari, obwohl eine ausländische Firma sich sehr darum bemüht hat.

* Fehlspekulation. Der alte Dessauer stand mit seinen Soldaten auf sehr vertrautem Fuß: er wußte so gut wie sie und noch bester zu fluchen; er galt bei ihnen als eine Art Hexenmeister, für kugelfest und unverwundbar, und seine gedrungenen Kraft­ansprachen wirkten anfeuernd in allen Schlachten und Gefahren. Einstmals trifft er am Wege einen Soldaten, der sich des Ungeziefers zu entledigen suchte. „Äerl, was machst du da?" ruft er ihn an. „Ich laufe," antwortet jener barsch. Leopold versetzt zufrieden, in die Tasche greifend: „Da tust du wohl, mein Sohn! Nimm den Taler und lauf dir ein neues Hemd." Das hatte ein zweiter Soldat gehört, der auch von der guten Laune des Feld­marschalls 'profitieren wollte. Er setzt sich an den Weg, an dem Leopold vorbei muß, in gleicher Beschäftigung nieder. Aber der hat die Sache schon durchschaut. >Was machst du da?" fragt et ihn, und, des Talers schon gewiß, erwidert der Soldat: „Ich suche Läuse". „So?" versetzt Leopold, mit der Hand zurückweisend, „da geh' nur zu dem da, der hat welche." 1

6auptfd?riftltiter: Fritz Günthe r; verantwortlich für den politischen teil: Heinrich Kerl Kunz (i. Urlaub); Stellvertreter: Fritz Günther: für Kunst, Unterhaltung und Sport: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichien, Vororte und IDirtfd'afts« teil: Dilli Pempel; für Schlußdienst und Allgemeines: Hans Scharr: für den Anzeigenteil: (Dtto Kaiser; sämtlich in Wiesbaden. Aesamtleituna: Dr. ohil. habil. Gustav Sche ILe n be r« und Dtto K aifer. — Jur Zeit ist Preisliste Rr. 8 gültig. Druck und verlas ■ 6 ^rf'eTTenbera’fd’e Vuck^druckerei. Wiesbadener taablatt, Wiesbaden

Die heutige Ausgabe umfaßt 14 Seiten