Wiesbadener Tagblatt
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88. Jahrgang
Dienstag, 9. April 1940
Nr. 83
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Der britischen Intervention zuvorgekommen
Der Norden unter deutschem Schutz
Deutsche Truppen in Dänemark und Norwegen—Die Integrität und politische Unabhängigkeit der beiden Königreiche bleibt unangetastet — Der Frieden Skandinaviens endgültig sicher- ge|tcUt — Die plutokratischen Kriegsausweitungspläne im nordischen Raum vernichtet
Die militärische Aktion
as. Berlin, 9. Avril. (Eigener Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Der Sinn der deutschen Operationen in Dänemark und Norwegen wird am besten gekennzeichnet durch die Feststellung des deutschen Memorandums. daß Deutschland nunmebr nach der Aunerkrait- setzung der nordischen Neutralität durch England die notwendigen Maßnahmen ergriff. Wochenlang haben wir der Entwicklung zugeseben, immer wieder Baßen wir nachdrücklich gewarnt, wenn in der Presse der Westdemokratien zum Ausdruck gebracht wurde, daß der Begriff der Neutralität endgültig beseitigt werden sollte, Hinzu kommt, daß uns Dokumente vorliegen, die nicht den geringsten Zweifel daran lassen, daß England und Frankreich sich keineswegs mit der Minensperre in den norwegischen Gewässern zu begnügen dachten, sondern die Besetzung Norwegens planten, um von dort aus Deutschland anzugreifen. Wie immer Bat der Süßtet blitzschnell die Antwort erteilt. Deutschland Bat damit den Schutz der neutralen Staaten übernommen, die selbst nicht in der Lage sind, ißre Neutralität aufrecht zu erBalten. Dänemark Bat in klarer Erkenntnis der Lage keinen Wider- st a n d geleistet und sich dem deutschen Schutz unterstellt. Norwegen Bat BisBer diese Einsicht noch nicht bewiesen, aber auch Biet wird die deutsche Wehr- macht ihr Ziel erreichen und vetbindern. daß dieses Land zum Ausmatschplatz der Engländer und Franzosen wird. Die deutsche WeBrmacht ist »ei dieser Aktion weitgehend auf den Lufttransport angewiesen, äBnlich wie ia seinerzeit von Marokko nach Spanien Truppen übetgefüBti wurden. Aus den Berichten ergibt sich auch, daß die deutsche WeBrmacht schon an verschiedenen Stellen Norwegens Fuß gefaßt Bat. Auch Norwegen wird schließlich einseßen, daß die Besetzung die beste Eewäbt bietet, daß dieses Land nicht zum Kamvfschauvlatz in dem Ringen zwischen den Westmächten und Deutschland wird. Deutschland Bat seine Antwort allen jenen erteilt, die mit dem Überfall auf die ..Altmar t“ glaubten, einen Probefall schaffen zu können, und die immer wieder versicherten, daß die Neutralität aus dem internationalen Wörterbuch gestrichen werden würde. Aber die We st Mächte Baben mit dieser blitzschnellen Antwort Deutschlands nicht gerechnet, wie man noch immer von de» deutschen Entschlußkraft überrascht wurde. Auch Bier wird Deutschland dafür sorgen, daß die Pläne der Kriegsßetzer. Nordeurova in den Krieg einzubezießen. endgültig scheitern.
Die Besetzung Dänemarks
Der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht
Berlin, 9. April. ( Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt folgende Sondermeldungen bekannt:
Am Diensiagfrüh haben deutsche motorisierte Truppen und Panzerkräfte die deutsch-dänische Grenze bei Flensburg und Tondern überschritten und sind im Bormarsch über Apenrade und Esbjerg nach Norden.
3m Morgengrauen sind deutsche Truppen irn K l e i u e n Belt bei Nittelfahrt gelandet und haben sich in den Besitz der dortigen Belt-Brücke gesetzt.
Deutsche Seestreitkräfte sind im Großen Belt einge- druugen und haben Truppen in Korsör und Nyborg gelandet.
Bon Warnemünde kommend sind Truppen und ein Pauzerzug mit der Fähre in Gjedser gelandet und haben von dort den Vormarsch nach Norden angetreten. Gleichzeitig wurde die Brücke Bordingborg im Südteil der Insel Seeland besetzt.
Deutsche Truppen find im Morgengrauen in Kopenhagen gelandet. Die Zitadelle und die Nundsunkstation wurden besetzt. Seit 8 Uhr besindet fich die ganze Stadt in devtscher Hand.
Blitzartige Antwort
Berlin. 9. Avril. (Funkmeldung.) Seit Monaten versuchen England und Frankreich, aus Skandinavien einen neuen Kriegskchanvlatz gegen Dentschland zu machen. Auch der Versuch der westlichen Plntokratieu. sich in die russisch-finnische Auseinandersetzung einzumischen, verfolgte nebenbei das Ziel, durch die Besetzung Norwegens die Eisen- und Erzgruben in britische Hände zu bekommen, auf alle Fälle die Ausfuhr über Narvicselbst zu verhindern. Der rufiisch-finnische Friedensschluß, der von England und Frankreich ko bedauert wurde, ließ die britischen Kriegsßetzer nicht rußen, neue Wege zur Erreichung ihrer Ziele ,» suchen. Die deutsche Regierung verfolgte diese Bestrebungen aufmerksam. Die Zahl der provokatorischen Reutralitätsverletzuugen nahm immer mehr zu. Schon der Fall .Altmark- zeigte aber auch, daß vor allem Norwegen entweder nicht willens oder nicht fähig ist. diese» Verletzungen wirksam entgegenzutreten. Seitdem find neue Torpedierungen in den uorwegrschen Hoßeitsgewäfieru erfolgt. Als Borläufer der beabsichtigten Besetzung norwegischer wichtiger Stützpunkte fand gestern die Außerkraftsetzung der norwegischen S^obeits- reckte durch die euglische Regierung Ra11.
Die norwegische Regierung bat nur mit einem lahmen Proiest geantwortet.
Die dentscke Reichsregierung aber denkt nicht daran, noch ihrerseits gegen diese britischen Völkerrechtsbrüche ebenfalls nur zu protestiere«. Sie hat daher mit dem heutigen Tage iene Schritte eingrleitet, die notwendig sind, um den Norden Europas endgültig aus de» britischen Kriegsa»sweit«ngsvlänen heraus- zunebmen.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Um dem im Gang befindlichen britischen Angriff auf die Neutralität Dänemarks und Norwegens entgegenzutreten, hat die deutsche WehrmachtdenbewaffnetenSchutz dieser Staaten übernommen.
Hierzu sind heute morgen in beiden Ländern starke deutsche Kräfte aller Wehrmachtteile einFerückt bzw. gelandet.
Zum Schutz dieser Operationen sind umfangreiche Minensperren gelegt worden.
»aoien »ack Süden vorstoßen und von Norde» nach
Deutschland einfallen.
wegis'cke. Sieutri
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Wortlaut des Memorandums
an fich einen vernichtenden
Der Reichsaußenminister schloß seine Erklärung mit den Worten: „Ich bin der Überzeugung daß dieser Schritt des Führers einen altehrwürdigen Teil Europas vor dem sicheren Untergang und der absoluten Vernichtung, die unseren eng» Hießen unb französischen Feinden offensichtlich gleichgültig find, bewahrt ßat.
Erklärung Ribbentrops
Die Westmäckte wollten ganz Skandinavien besetzen unb von Norden in Deutschland eintallen
Deutschland seinerseits ist gleichwohl bestrebt gewesen, dje Rechte der Neutrale» dadurch zu wahre«, daß es den Seekrieg auf die zwischen Deutschland uud seinem Gegner liegenden Meereszonen zu beschränken suchte. Demgegenüber
In Oslo und Kopenhagen überreicht
Berlin, 9. April. (Funkmeldung.) Die deutsche Reichsregieruug bat der norwegischen Regierung folgendes Memorandum übermittelt:
entgegen dem aufrichtigen Wunsche des deutschen Volkes Jinb seiner Regierung, mit dem englischen und französischen Volk i« Friede« und Freundichaft zu leben,.und trotz des Fehlens iedes vernünftigen Grundes zu einem gegenseitigen Streit, haben die Machthaber in London und Paris dem deutschen Bolk den Krieg er»
Mit der Entfesselung dieses von ihnen seit, langem vorbereiteten, gegen den Bestand des. Deutschen Reiches, und die Existenz des devtscken Bolles gerichteten Angriffskrieges habe« England und Frankreich den Seekrieg auch «ege« die neutrale Welt eröffnet.
n$bM818b7,bur*Vie^«8l^Ac Flotte bis ium heutig«. Tage.
VMiWEMZW Samten* Küstenschiffaßrt durch England unb Frankreich ist erst derersteXeiI"es der Reichsregierung befannten brrti-
Vereits seit einiger Zeit hat die Reichsregierung Nachricht. daß sich auf dem ganzen Gebiet Norwegens englische und französische General- und Admiral st abs- offiaiere zur Feststellung und Vorbereitung von Landungsplätzen und zur Planung des Vormarsches nach Süden befinden. ...
Die Reichsregierung war bereits über diese Plane seit längerer Zeit im Bilde, der Welt aber kommt erst letzt, nach dem ohne Warnung erfolgten Einbruch in das neutrale Norwegen. der game ungeheuerliche Zynismus und die Brutalität, mit der England und Frankreich hier im. fneMußen Norden einen neuen Kriegsschauplatz gegen Deutschland .aufrichten wollten, mit seiner ganzen Tragweite zum Bewußtseui.
In der englisch-französischen Note an dre norwegische Regierung vom 8. Avril wird etn neues internatzonales Gesetz proklamiert, wonach einem Äne.gsfuBrenben das Recht zusteht, eine Aktion zu unternehmen der durch die ungesetzliche Handlung des Feindes geschaffenen.Lage gerecht wird. Diese These Baben, wir uns zu ergen gemacht: „England hat Skandinavien vergewaltigt, unb auf diesem internationalen Rechtsbruch bat nunmehr heute d e Führer die entsprechende Antwort erteilt:
die deutsche Wehrmacht wird dafür sorge«, daß sich nunmehr wäßrend dieses Krieges in Norwegen uttb Dänemark kein Engländer oder Stanjof emeßt blicken läßt. Deutschland bat damit die Lander und Volker Skandinaviens vor der Vernichtung bewahrt und wird nunmehr bis zum Kriegsende tut ine wahre
’ Neutralität im Norden ernstesten".
Indem sie zunächst unter völliger Mißachtung der primitivsten Regeln des Völkerrechts versuchte«, die Hungerblockade gegen deutsche «rauen, Kinder und Greise zu errichten. unterwenen sie zugleich auch die neutralen Staaten ihren rücksichtslosen Blockade maß- «ahme«. Die unmittelbare Folge dieser von England unb Frankreich etngefiibrte« völkerrechtswidrigen Kampf methode« bene« Deutschlanb mit feinen Abwehrmaßnahmen Begegnen mußte, war die schwere Sckädi- gnn& der neutralen Schinabrt und des neutralen Handels. Darüber hinaus aber versetzte dieses englische Vorgehen dem Reutralitätsbegri' Schlag.
Kopenhagen akzeptiert
Der dänische Ministerrat erkennt de« deutsche« Schutz an » & dänischen Regierung das deutsche M«mora«dum, Ni i«r^^^ Standpunkt der R-ichsregiernna zu den «SlN»fvaurostsqM Kriegsausweitungsplänen tn SkandmiAien ^«geleg nab die Mitteilung gemacht wird, daß Deutschland den Sch-tz der Neutralität und der Sicherheit Dänemarks ubernimnlt. Die dänische Regierung hat »ach Jes
deutschen Gesandten mit dem dänischen Ministerpräsidenten und dem dänischen Minifterrat beschlossen, mit einem Protest angesichts der Umstände und der Lage de »deutsche» Schntzanzu erkenne» u»d die '»dem Memorandum dargelegten Bedingungen zu »y «P t» Die militärische Aktion zur Sicherstellung des «chutzes Da»e- marks gegen England und Frankreich hat stch völlig reibuagslosvollzogen. Die dänische Regier«^ und das dänische Boll haben den besondere» Umsta»den Rechnung getragen und mit Ruhe uud Besonnenheit die deutschen Maßnahmen ausgenommen.
schen Planes.
Der zweite Teil sollte nach der Reichsregierung vorliegenden Informationen unmittelbar daraus durckgeiuhrt tnorben. Pr bestand in der Besetzung ganz Skandinaviens, das ' .. ...........rtitA Kmmedon«. denn
beißt. Dänemarks, Norwegens und und auch Schwedens, dem; nur durch diese Besetzung Schwedens waren England und Frankreich in der Lage gewesen. Deutschland von den ick^ bischen Erzzufuhren ab'w»neiden. Die engluch-iranzomch^n Truvven solllen dann aui dem Schnellslen Wege in skandi-
