Sette 6 Nr. 63
Wiesbadener Tagblatt
Donnerstag, 14. MSrz 194®
Mus Gau und Provinz.
— Mainz, 14. März. Das Sondergericht Darmstadt verurteilte in seiner Mainzer Tagung den 21jährigen Kurt Burckart aus Würzburg wegen Rücksalldicbstahls in zwei Fällen in Verbindung mit Verbrechen gegen § 2 der Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. September 1939 wegen eines weiteren Rückfalldiebstahls und Verbrechen im Sinne des § 4 der genannten Verordnung sowie wegen Betruges in zwei Fällen zu acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Buckart stahl im Schutze der Ver- dunkelungsmaßnahmen in Mainz zwei Fahrräder, und einer Mainzer Ehefrau, deren Mann im Felde steht, 85 RM llnter- stützungsgelder.
- Nackenheim, 14. März. An dem Nackenheim gegenüber- liegenden'Rheinufer konnte ein Angler aus Mainz drei Hechte im Gewicht von sieben, acht und zehn Pfund fangen.
= Gernsheim, 14. März. Auf der Fahrt zwischen Aschaffenburg und Gernsheim stürzte der über vier Jahre alte Junge des hiesigen Schissers Karl Schäfer in Gegenwart seiner Mutter aus dem fahrenden Zug. Nur mit Gewalt konnten die Mitreisenden die Mutter daran hindern, während der Fahrt ihrem Kinde nach- zuspringen. Nachdem der Zug durch Ziehen der Notbremse zum Halten gebracht war, fand man den Knaben, der beim Fallen einen Eenickbruch erlitten hatte, tot neben den Schienen auf.
— Bacharach, 14. März. Die Aufsichtsbehörde in St. Goar hat der Stadt Bacharach die Genehmigung zum Ankauf des „Alten Zollhof" (bisher Hotel Alter Zollhof") zur Einrichtung des Rathauses erteilt. Der große massive Bau, der unter Denkmalschutz steht, wird in seiner Gestaltung ein Schmuckstück darstellen.
= Koblenz, 14. März. Auf tragische Weise kam in Ehrenbreitstein ein kleines Kind um» Leben. Aus bis jetzt noch nicht geklärter Ursache geriet das Bettchen, in dem das Kind lag, in Flammen. Das Kind trug hierbei so schwere Brandwunden davon, daß es den schweren Verbrennungen erlag.
— Frankfurt a. M., 14. März. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte einen 39jährigen Angeklagten wegen Untreue in zwei Fällen zu fünf Monaten Gefängnis. Der Angeklagte unterhielt fast zu gleicher Zeit Beziehungen zu zwei Zeuginnen und hatte sich mit der einen verlobt. Er erbot sich, ihnen ihre Ersparnisse in Wertpapieren anzulegen und erhielt 3250 bzw. 625 RM, die er veruntreute.
— Egelsbach bei Langen, 14. März. Einem Geflügelzüchter in Egelsbach wurden unter dem Schutz der Verdunkelung 28 Legehühner'gestohlen.
Der Brief
Das alte Fräulein legte den Strickstrumvf in den Schoß, rückte die Brille weiter nach vorn auf die Nase und sah über die Gläser hinweg zur Standuhr. Es war breimertel neun, und fünfzehn Minuten später pflegte sie jeden Abend schlafen zu gehen. Dann blickte sie auf das Knäuel, das tbr zu Füßen lag. Es batte nur noch Wolle für eine gute halbe Stunde. Da würde sie wohl einmal von ihrer Gewohnheit abgehen müssen: denn sie mochte es nickt, mit einem übrig- gelassenen Rest am andern Tag die Arbeit zu beginnen. Sie schob die Brille wieder vor die Augen und ließ die Nadeln spielen. „ . , „ . v ,,
Das Knäuel wurde kleiner und kleiner, und schon war das weiße. zusammengefaltete Papier zu sehen, um das sie — wie vor ihr die Mutter und Großmutter — die Wolle stets wickelte. Als alles verstrickt war. legte sie die Arbeit zür Seite auf das Nähtischchen und bückte sich, das Papier aufzub^ben. Es war ein Briefumschlag, und sie strich ihn glatt, weil sie wissen wollte, an wen das Schreiben einst gerichtet gewesen wäre. Vielleicht konnte es ihren Gedanken, die vor dem Einschlafen noch gern ins Vergangene schweiften, eine bestimmte Richtung geben. . ,,
Während sie nun mit ihren welken Fingern den Umschlag entkniillte. bemerkte sie. daß er geicklosien war.und Blätter in sich barg. Das Siegel freilich war abgebrockelt und nur sein Umriß noch zu erkennen.
Die Hände des Frauleins zitterten, als sie den Umschlag wandte und näb.tzr unter die Kerzen hielt, dieAtnckrift zu entziffern. Der Brief war an si« selbst gerietet: Emine
von Burckertsdorf konnte sie deutlich lesen, es tauschte sie kein Svuk. Die Handschrift kannte sie nicht, und doch wußte sie sofort, wer der Schreiber war und was in dem Briefe stand. , ....
Vor fünfzig Jahren war es geweien. als König ttrieorich den großen Krieg begann. Eine Schwadron auf dein Vormarsch nach Sachsen batte im Dorf genächtigt und die Herren Offiziere im Schloß.. Bei der Abenotafel jag neben ihr. der siebzehnjährigen Demoiselle, der jüngste Leutnant. Unb. an dessen linker Seite die Schwester, ein wenig, schmollend insgeheim. weil sie ohne Tisckherrn bleiben mußte.
Das Eisen zog sich in die Lange: Der Vater batte geredet. der Rittmeister einen Trinkspruch ausgebracht, und die Mutter erkundigte sich nach gemeinsamen Bekannten. Und während der Reden, als aller Augen zum Kovl der Tafel gerichtet gewesen waren, batte sie den Blick des Leutnants auf ihrem Nacken gefühlt. Sie wandte sich um. ibn strafend anzusehen, aber es war ein Lächeln geworden wider ihren Willen. . , m , o„
Der Rittmeister batte geendigt mit den Worten: »Wer weiß, wann wir wieder einmal in einem gastlichen Haute unsere Gläser gegen die solch liebenswürdiger Damen klingen lassen dürfen. So wollen wir denn, meine Herren von der dritten Schwadron, das Angedenken an diesen Abend mit uns tragen, wenn wir über lehmige Äcker die österreichischen Batterien niederreiten. Dann werden wir rotnen, wofür wir kämpfen unb. wenn es sein muß. sterben."
Uber ben Rand der mit silbrigem Klange sich berührenden Kelche batte Bert bann geflüstert: „Weiß ick es auch? unb sie batte „3a“ genickt.
Die Schwester schmollte noch, als sie schlafen gingen, unb weigerte tbr ben Gutenachtkuß. Sonst batten sie stets eine halbe Stunde lang in ben Schlummer sich geplaudert: dock in jener Rächt lag jede schweigend da, unb bte Augen wollten nickt zufallen. . . ~ ,
Am anbern Morgen, vor bem zeitigen yrubitutf. batte sie Bert allein an ber Eßzimmertür getrosten, Er batte ihre Hanb festgehalten und gejagt: ..Mademoiielle Emilie, wenn der Krieg zu Ende ist, werde ick an Euch schreiben unb fragen, ob 3br noch so bentt mie beute unb ick vor Eure Eltern treten darf. Hat fick aber Euer Sinn gewandt, so vernicklet den Brief. Dann ist er nickt für Euch bestimmt.
„Unb wenn ber Brief — nicht kommt?, wollte sie versuchen zu scherzen, weil die Tränen ibr aufstiegen.
„Dann betet für mich!“ hatte er geantwortet, tbr bte Hand geküßt unb bie Tür geöffnet. • , r.
Der Krieg war- zu Ende gegangen nach sieben Jahren und der Brief nicht gekommen. Und heute fand sie ibn in einem Wollknäuel versteckt. Da lag er nun auf dem Nao- tischchen. neben dem Strumpf, dessen Faden ibn mehr als vierzig Jahre verborgen gehalten batte.
Sie waren damals, als der Friede kam, entsann sich das Fräulein, nach Berlin gereist, um den Einzug Friedricks mitanzuieben. In diesen Tagen mußte etn Bote das Schreiben gebracht haben. . „ , n , ,
Wie aber war es tn das Knäuel gekommen? Hatten die Mädchen es in der Gesindestube berumliegen lassen, anstatt es tn ibr Zimmer zu bringen?, bann lernanb tn ber Dämmerung Wolle gewickelt — ebne binzusehen. bas erstbeste Papier zur Einlage genommen, bas sich dort fand? -
Sie batte bet Schwester alles erzählt gehabt. — Nein, das war ein gemeiner Gedanke. Die Schwester war tot. und rnqn verdächtigt niemand, der sich nicht mehr oerqntwonen kann. Es blieb ja auch gleichgültig jetzt, warum ber Briet nicht in ihre Hände gekommen war. . _ ,
Bert hatte, erfuhr sie damals durch Bekannte, ein Jahr nach Kriegsende seine Base geheiratet, die seine Nachbarin war unb als einzig überlebenbes Kinb die Besitzung ihres Vaters erbte. Das schien Emilie bann Erklärung genug, weshalb der Brief ausblieb. Sie hatte Bert für einen Schuft gehalten und er sie für «in flatterhaftes Ding,
Einen Augenblick verlangte es das Fräulein, die Zeilen zu lesen, die für sie bestimmt gewesen waren. Dann aber nahm sie den Brief und hielt ibn über bie Kerze, hielt ibn brennend in der Hand, bis bie Flamme fast ihre Finger versengte. ließ ihn schließlich auf ben Boden fallen, wo er vollends zu Asche verbrannte.
Wirtschaftsteil
Steigerung des Viehbestandes
Nach bett Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes hat bie Viehzählung vom 4. Dezember 1939 ein lehr günstiges Ergebnis gehabt. Es würbe im Eroßdeutschen Reich folgenber Viehbestanb festgestellt: In Millionen Stück: Rinbvieh 23,9, davon: Milchkühe 11,9. Schweine 29,1. Schafe 5,2, Ziegen 3,0. Febervieh 111,7, bavon: Hühner 103,3. Bienenstöcke 3,6.
Der Schweinebestanb ist nach biefem abschließenden Ergebnis mit 29,1 Millionen Stück um fast 500 000 Stück größer als bei ber vorläufigen, bereits veröffentlichten Ermittlung, bie 28,6 Millionen Stück ergab.
Beim Rindvieh sind die im vergangenen Jahr durch bie Maul- unb Klauenseuche verursachten Verluste burch verstärkte Nachzucht bereits wieber ausgeglichen worben. Unser Rinbvieh- bestanb,- bie wichtigste Quelle unserer Fettversorgung, ist also voll leistungsfähig. Der Milchluhbestanb allein ist um über eine Million Stück, ber Eesamtrinbviehbestanb um fast 1,5 Mill. Stück »räßer als vor bem Weltkrieg. Eine Steigerung bes Bestandes ist weiterhin trotz ber sich im Krieg für bie Viehhaltung ergebenben Schwierigkeiten eingetreten bei ben Schafen, Hühnern und Bienenstöcken. Der Schafbesianb liegt nunmehr um 1,5 Mill Stuck hoher als vor ber Machtübernahme im Jahre 1932. Die Zahl ber Hühner ist seit 1932 sogar um 5,5 Mill. Stück gestiegen, bavon allein im letzten Jahr um fast eine Million Stück. Die Grundlage unserer Versorgung mit viehwirtschaftlichen Erzeugnissen, unter „Viehbestand. ist also durch den Krieg in keiner Weise beeinträchtigt, sondern im Gegenteil weiter gestärkt worden.
Wiener Messe 1340. Am dritten Messetag verstärkte sich das Auslandsgeschäft weiterhin, aber auch beim Inland waren in allen Geschäftszweigen stärkstes Interesse und lebhafte Kauflust vorhanden Auf ber Automobil- unb Motorrabmesse würben günstige Auslanbsabschlüsse in Personenwagen mit Ungarn, Rumänien unb Bulgarien gemacht. Anfragen lagen aus Schweben unb Norwegen vor. Bei Lastkraftwagen unb Motorrabern beschränkte sich bie Geschäftstätigkeit hauptsächlich auf Anfragen. Lanbmaschinen hatten sehr lebhaftes Jnteresie bes In- unb auch des Auslanbes. In Büromaschinen war das Südosteuropagetchaft rege, für Jnlandsaufträge mußten Lieferfristen von 3 Monaten und mehr verlangt werden. Im Messepalast wurden große Quantitäten aus bestem Material in der Lederwaren- und auch in ber Modewarengruppe umgefetzt.
Spiegel der Wirtschaft. Der R e i ch s b a n k a u sm e is zum 7 März roeiit eine Verminberung ber Anlage in Wechfeln unb Schecks, Lombards unb Wertpapieren auf 12188 Mill. RMauf. Der Umlauf an Reichsbanknoten hat sich auf 11 724 Mill. RM ermäßigt — Für das Baugewerbe ist eine neue Reichstarif- ordnunq erlassen worden. Sie führt den St-mmarbelterbegriff ein, dem erhöhte Rechte unb Pflichten zuerkannt werden. Die Aufspaltung bet Tarifverhältnisse nach ber Zugehörigkeit eines Baues zum öffentlichen ober privaten Sektor fällt weg. — Die, Mainzer Volksbank e. E. m. b. H., Mainz, berichtet, baß in 1939 Hanbwerk, Hanbel unb Industrie das ganze Jahr über »oll beschäftigt waren und auch die Landwirtschaft des Bezirkes mit einer befriedigenden, im Obstbau sogar ganz ungewöhnlich günstigen Ernte bedacht war. Die llmsatzfteigerung bei bem Institut betrug 12 % (18 %), bie Bilanzsumme stieg auf 20,6 (18,4) Mill. RM. Das Kreditgeschäft war lebhaft. Aus dem Reingewinn von 176 253 (169 820) UM werben wieber 5 % Dividenbe vorgeschlagen.
Berliner Börse vom 14. März. Die Kursgestaltung mies an ben Aktienmärkten bei ber Eröffnung keine einheitliche Lime auf.
Monianmarkt lagen Buderus um % % höher. Harpener,. Hoesch, Mannesmann unb Vereinigte Stahl gaben je % % unb Klöckner VA % her. Rheinbraun * * 3 * * * 7 8A % höher, Leopoldgrube % % niebnqer. Deutscke Erböl büßten 1% % ein. Salzdetfurth 1% niedriger. Farben um % % aur 181% niedriger. Riikgers unb
Schering minus je % %. Um 3 % höher waren hingegen Goldschmidt. Gummi- unb Linoleum-, Kabel- unb Draht-, Textil» unb Brauereianteile Wertschwankungen nicht über % %. AEG. stellten sich um %, Lichtkraft um %, Eesfürel um VA unb Schuckert um 2 % unter Vortags,chluß. Bei ben Berforaungswerten kamen Dessauer Gas A unb HEW. 3A % höher zur Notiz. Von Autowerten gaben Daimler um % % nach. Reichsaltbesitz unverändert 145, Reichs- bahnvorzüge unveränbert 128)2 und Gemeindeumschuldung 97,30 (minus 5 Pf.). Tagesgeld 2% bis 2A %.
Frankfurter Börse vom 14. März. Die im gestrigen Schlußverkehr eingetretene Befestigungen konnten heute keine weiteren Fortschritte machen, da einmal nut wenig Kundschaftsaufträge Vorlagen und zum andern erneut keine Abgaben der Börse erfolgten. Bei sehr ruhigem Geschäft entwickelten sich bie Aktienkurse uneinheitlich, wobei aber Rückgänge bis 1 % überwogen. In fester Haltung zu erwähnen sind Eolchchmidt mit 169% (164%), ferner Rheinbraun mit 260% (257). Am Rentenmarkl herrschte weitere Anlagetätigkeit insbesondere in Pfandbriefen unb Reichsschatzanweisungen, ferner fanden verschiedene 4 %ige Papiere erhöhte Beachtung. lagesgelb 1 % %.
Kreuzworträtsel
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Waagerecht: 1. Arzneimittel gegen Reißen. 5. Gebirge in Asien, 9. Schlußrechnung, 11. Auszug, 12. Engländer. 13. Futterpslanze. 15. Molch. 17. Ährenborfte, 18. Bohnenart. 21. Tiroler Passionsspielort. 23! kleine Wunde, 24. Stadl in Italien. 27. Schieferfelsen, 28. Ostseeinsel, 29. soviel wie fleißig, 30. Held (ck gleich ein Buchstabe).
Senkreckt: 1. Gewinnung von Mineralien. 2. Fürwort.
3. Farbton. 4. lettische Münze, 6. Zinsleiste, 7. Blume, 8. soviel
wie ebenso, 10. Nervengeschwulft. 14. Heiliger. 16. Sckuster-
werkzeug. 19. Raubtier, 20. Strohhaufen. 21. Laubbaum. 22. niederdeutsche Bezeichnung für die Gezeiten, 25. Artikel, 26. Felskopf, Hügel.
Auslösung des Silben-Kreuzworträtiels in Nr. 56: Waagerecht: 1. Seneka. 3. Enge, 4. Puter. 6. Gutenberg.
7. Arie. 9. Ate, 10. Erle. 11. Mater. 13. Anno, 14. Latium. 16. Tagore. 17. Ala. 18. Gera. 19. Gebetbuch. — Senkrecht: 1. Segeberg, 2. Kapua, 3. Entente. 5. Terrier, 6. Guatemala,
8. Eleonore, 12. Tertia, 13. Angora, 15. Umlage, 16. Tagebuch.
Rätselhafte Begebenheit
Von F. M. Gokum. Wiesbaden
Fräulein Mimi iah io kummervoll und. dabei - oder gerade deshalb — io entzückend aus. daß t(b b‘£6- *3^ auszuheitern und ihr eine Freude su. macken. Dme Freude wollte ick selbst sein und so schlug ich ihr cor. einen angenehmen Ausgeh-Abend mit mir ^ verbringen Sie lächelte wehmütig, als ick sie einlud. klavvte bte Augendeckel hock, ließ sie-niedersinken und flüsterte: „Ja!
Zuerst gingen wir in ein Kino, welches einen amerikanischen Liebesfilm spielte, in dem sick, die Hauptdarsteller ost und naturgetreu küßten. Mimi seufzte bei iedem Kuß. den die Heldin bekam. Ich streichelte.dann ihr Händchen und trat ihr zärtlich auf die Sckuhe. Sie ließ es geschehen, ohne eine Schmerzemvnnbung zu äußern. Das enullte Mick mit Selbstbewußtsein.
Beim Hinausgehen hing sich Mimi mit züchtig gesenktem Blick in meinen Arm. Mein Selbstbewußtsein wuchs. Es war doch eine Geste des Vertrauens und weiblicher Anschmiegsamkeit. „ . , . , ...
Nun sagte ich. daß wir ein Glas Wem trinken konnten, unb schlug bie Richtung zu einer • gemütlichen Weinstube ein. Unterwegs überkam mich bas Bedurmis. eine Zigarette zu rauchen. Da ick kein Benzin mehr im Feuei^eug. hatte, — was mich sehr verdroß, denn es sieht so großartig aus. wenn man so ein Feuerzeug nonchalant zu bedienen versteht. — befreite ick mich von Mimis Arm unb bat eilten schon eine Weile neben mit gehenben. rauchenden Hingen Gentleman um Seuer. , __ ,
Er war aber kein Gentleman. Obwohl ick, ihn in form« vollendeter Weise um Feuer bat. blickte er mich an, als ob er mich fressen müsse, stieß einen unartikulierten Laut aus unb schlug mir bie Zigarette aus bem Munb. 3n hohem Bogen verschwand sie in ber Dunkelheit. «
„Unerhörte Frechheit!" zischte Mimi. „Schlagen Sie den Flegel hoch nieber!“
Als ick mick auftragsgemäß anschickte, ben.Flegel elegant unb nachlässig nieberzuboxen, baute er mir ben H.itt herunter. Ich war auch deswegen im Nachteil, weil ich keine Ahnung hatte, weshalb ber Mensck mir gram man. Wie ein Gangster ober Wegelagerer iah et eigentlich Nicht aus. Er hatte sogar etwas Trauriges im Blick.
Wir prügelten uns stumm unb verbissen, wobei wir oft über unsere Hüte stolperten, bte am Boden lagen.
..So eine Frechheit!" hörte ick zwischendurch Mimi.
Der Angreifer warf ibr daraufhin einen Blick voller Verachtung unb Trauer zu. Dadurch erlangte ich einest Vorteil, ben ick so geschickt wahrnabm. daß meinem Gegner die Nase blutete, bie Wangenhaut riß unb er nach einem letzten Kinnhaken an ber öauswanb niebedanf.
Schweraimenb warf ich mich in die Brust unb drehte mick zu Mimi um. ~ .... ,
Das arme Kind weinte. Die -tränen stutzten ihr nut so aus ben Augen. Tröstend wollte ick mick ihrer.annehmen, aber sie beachtete mich gar nicht. Schluchzend kniete sie her dem unboflicken Menschen nieder unb begann, ihm das Blut abzuwischen.
„Ack. Karli! Liebster!" rief sie. „Hat er dir tehr. web; getan, der stecke Kerl! Der unverschämte Rowdy!. Guck mich doch mal an. Karli! Ich bin doch wieder bei dir! Komm, jetzt ist alles wieder gut!“ '
Ich suckle meinen Hut unb säuberte ihn im Weitergeben.
Werderstr. 3
Altpapier • Metalle »Alteisen
Heinrich Gauer
Telefon 24588
Neues aus aller Welt
Berlin teilt mit: Am 12. März dieses Jahres ist bet am 31. Juli 1920 in Czetsk, Kreis Könitz, gebotene. Heinz Völliger hingerichtet worben, ben das Sondergetickt II Berlin am 6. Januar 1940 als Volksschadlmg zum Tode und dauernden Verlust der Ehrenreckte verurteilt hat. Völliger bat Ende vorigen Jahres in Spregelhagen (West- Priegnitz) aus Mache das Anwesen eines Landwirtes angezündet und dadurch für bie Volksgemeinschaft tm Kriege besonders wertvolle Gebäude. Erntevorräte und Maschinen vernichtet. — Gleichzeitig ist der 27 Iahte alte Horst 'M oIchrnenet hingerichtet worben, ben bas Sonbergeiubt in Berlin als Volksschäbling zum Tobe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt bat. Milckmeyer. ber seit seinem 20. Lebensjahr ununterbrochen Verbrechen begangen bat. nutzte vom Oktober bis Dezember 1939 bie Verdunkelung zu zahlreicken schweren Diebstählen und Einbrüchen aus.
Eisenbahnunglück in Belgien. Am Montag stieß bet Expreßzug L ü 11 i <b — X o u r n a i mit einem aus Brussel fommenben Personenzug zusammen. Die beiden Lokomotiven entgleisten, unb ber aus Holz gebaute erste Wagen bes Schnellzuges würbe völlig zertrümmert. 2 2 Personen wurden verletzt, darunter sieben sckwer. Das Unglück ist auf ein Versagen ber Weichen zuriickzufübten.
Britischer Dampfer an der chinesischen Küste gestrandet. Der englische Dampfet „Ariadne Moller" (1800 BRT.) ist auf ber Fahrt von ber Tschekiangküste nack Schanghai geitranbet. 200Fahrgäste würben ausgebootet. Mit dem Totalverlust bes Schiffes ist zu recknen.
Teniente, die unterirdische Stadt. Ergiebige. Kuvfervor- fommen finden sick in Chile auf hoben und höchsten Bergen. So liegt in 3000 Meter Hohe über bet Stabt Rancagua eine Kupfermine, bie seit Jahrzehnten mit größtem Erfolg ausgebeutet wirb. Die Arbeiter dieser Mine wohnen in zwei Orten: Sewell unb Teniente. Währenb bie Häuser von Sewell wie Schwalbennester an ben steilabstützenben Bergbängen kleben und bie Bewohner sick im Winter nicht berauswagen. weil beständig Steinlawinen drohen, die beim Absturz alles mit sich fortreißen. liegt Teniente im Berginnern unterhalb bet Minen und empfängt das Tageslicht nur durch Fenster, die in die Bergwände eingebauen sind unb die viele Monate im Jahr vorn Schnee vettcklosten werden. Von hier aus werden die Arbeiter in Aufzügen in wenigen Minuten 500 Meter hock zur Arbeitsstätte befördert, während sie von ber 250 Meter tiefet liegenden Eisenbahnstation 7 Kilometer entfernt sind. Das untetltdisck gelegene Teniente ist eine erstaunliche Anlage: ber Ort besitzt eine Schule. Gasthäuser unb Klubs, ein Polizeibüro, ein Kino unb ein Tanzlokal, er bat verschiedene Läden und ein Krankenhaus, bas mit allem Notwendigen ausgeftattet ist. Dem Besucher bietet sick ein laby- rintbiiebes Gewirr von Gängen unb Hohlen bar. besten Be- sicktigung lange Zeit in Anspruch nehmen würbe. Das auf ben Terrassen gebaute Sewell erfreut sich "ines größeren Komforts. Es hat eine Bibliothek von 6000 Bänben. ein Theater, ein Schwimmbasin. einen Golfplatz, ber allerdings nickt im Freien liegt, und elektrisches Lickt für alle Häuser. Die Arbeiter der Kuvierminen leben -hier zwar in einem rauben Klima, aber sie sind dock in einer sehr viel besseren Lage als bie Höhlenbewohner von Teniente.
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NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude"
Lrtswaltung Lud.
Am Freitag, 15. Mürz, abends 20.30 Uhr, findet im Restaurant „Deutsches Haus" eine Amtswalteifitzung statt.
