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Montag. 5. Februar 1940

Wiesbadener Tagblatt

Nr. 30 Seite 7

Tapferes *n 9r°ßer Zeit

Ein Roman aus Deutschlands Freiheitskriegen Von Mariise Kölling

19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wie von ungefähr riß Marion plötzlich die Tür zu Christels Zimmer auf, dann blieb sie bei Christels Anblick scheinbar wie angewurzelt stehen:O, Verzeihung... ich glaubte nicht, daß"du hier wärst..

Warum sollte ich nicht hier sein . . .?" . Christel wandte sich ab, um ihre Verwirrung zu verbergen.

Weil . . . weil . . . dann wüßtest du doch ... ein fran­zösischer Offizier ist nämlich eben so merkwürdig aufgeregt die Treppe hmuntergegcrngen. Ein französischer Offizier, denke doch ...

Christel wußte sich vor Marions beobachtenden Blicken kaum zu retten . . .Du wirst dich versehen haben, Marion..."

Nun lachte Marion hell auf:'Versehen, nein, mein Kind, ich habe immer noch zwei richtige Augen im Kopf. Aber die Möglichkeit, daß ein Franzose hier eingedrungen ist, bringt dich nicht nutzer Fassung?", sagte sie falsch,ja, siehst du, Christel, so wandeln sich die Anschauungen."

Ach sieh mal", Christel war froh über die Ablenkung da past du dich wohl in Onkel Echtermeyer verguckt? Einen anderen preußischen Offizier kennst du doch gar nicht?"

Aber sicher, wer sollte es denn sonst sein, es ist immer der, von dem es die anderen am wenigsten vermuten."

Christel, Marion?" dröhnte jetzt plötzlich von unten Onkel Echtermeyers Stimme durchs Treppenhaus,sapper­lot, wozu hat man denn diese junge Gesellschaft hier, wenn man nichts von ihr hat."

Jawohl, Onkel Echtermeyer, wir kommen schon - . ."

So schnell war die noch nie die Treppe runter", lachte Marron spöttisch hinter Christel her.

10. Kapitel

Seht ihr und das sind die Höhen vor dem Frischen Hasst', sagte Maria zu Christel und Marion und wies aus dem Wagen nach Westen. Die wilde verwegene Flucht mitten durch das Kriegsgebiet lag hinter ihnen, jetzt ging es wieder in einer richtigen Postkutsche durch das ostpreutzische Land, das letzte Stück Preutzen, in das Napoleons Scharen noch nicht gedrungen waren.

Das hertzt, es sind die Ausläufer des uralisch-balttschen

Höhenzuges, der durch ganz Rußland hindurch bis hierher ans Haff herankommt."

Ich habe es mir hier viel flacher vorgeftellt, Frau Mutter, viel melancholischer, aber diese Hügel beleben das Landschaftsbild doch sehr."

Du wirst cs noch melancholisch genug finden, Christel, wenn du mal in die Nähe des Kurischen Haffs kommst. Das ist breiter als das Frische. Man sieht die Küste oft nur als ganz schmalen Streifen, oft gar nicht und dann auf der Nehrung Dünen, Dünen, nichts als Dünen. Ich weiß nicht, Christel, ob die Weite meiner Heimat dir etwas sagen wird, mir gibt diese Welt um Gut Leibischken herum unendlich viel. Aber vielleicht mutz man hier geboren sein, um die Sprache dieser Landschaft zu verstehen."

Ich werde sie jedenfalls nie verstehen, das weiß ich be­stimmt", sagte Marion aus ihrer Wagenecke heraus.Müde wird man hier", wie zur Bekräftigung gähnte sie ganz unge­niertich glaube hier werde ich immer schlafen."

Na, denn schlaf du mal, das ist auch das Beste . . . Christel fühlte sich mehr und mehr durch Marign ggreizt.

Meine Mutter, die hatte eine Heimat, die konnte sich wenigstens sehen lassen", redet Marion boshaft weiter,ich weitz noch genau, wie ich mit ihr in der Champagne war, ein Paradies ist das, nichts als Früchte und Blumen."

Bedauere, nicht aufwarten zu können", lächelte Maria.

Die Menschen hier sind sicher wie ihre Dünen, so lang­weilig und trocken . . ., irgendwo mutzte Marion ihre Wut auslasscn. Sie kam innerlich nicht darüber hinweg, dah man sich jetzt auf einen scheußlichen ostpreutzischen Winter gefaßt machen sollte, bloß weil ihre Pflegeeltern die Marotte hatten, nicht franzosenfreundlich zu sein.

So viel Liebenswürdigkeiten wie du, sagen einem die Menschen hier allerdings nicht", meinte Maria jetzt spöttisch auf Marions Worte. Ach, dieses Kind hatte wirklrch Talent, einem jede Stimmung zu verderben. Und in der bedrückten Gemütsverfassung, in der man ohnehin war, traf so etwas besonders.

Maria hatte sich dieses Heimkommen einmal anders ge­dacht. Mit dem Gatten hatte sie alle die Wege wieder auf­suchen wollen, die sie als Brautleute zusammen gegangen waren, den Kindern hatte sie stolz zeigen wollen, wo sie ge­boren war, wo sie ihre Jugend verlebt hatte. Nun kam sie als Zufluchtsuchende mit der Tochter, von Mann und Sohn

getrennt, in ein Ostpreußen, das vor dem Schicksal des übrigen Deutschland, vor der Fremdherrschaft zitterte.

Sehen Sie, wie bizarr die Kiefern dort, Frau Mutter" unterbrach Christel Marias Gedankenwie Pinien sehen sie aus. so vom Nordwestwind herübergebogen, fort vom Hass. O doch, Frau Mutter, eigenartig ist die Stimmung hier, aber man friert dabei. Bei uns am Rhein macht die -andschast einem warm", sie hüllte sich fröstelnd in ihre Decken. . . oder ist's die Winterstimmung an sich?"

Watte nur, Christel, wenn wir erst bei Großmutter auf dem Gut sind, da wirst du Ostpreußen auch lieben lernen. Ich wünschte uns nur einen richtigen Winter mit Schnee inid Schlittenfahrten. Dieses naßkalte Wetter ist ja ungemütlich.

Wie zur Bestätigung ihrer Worte hielt die Postkutsche plötzlich. Der Postillion'stieg ab, holte einen Spaten hervor und stach den naffen Lehm aus den Speichen der Rader.

In Topian, an der Pregelbrücke, fanden sie dann den Schlitten vom Gut vor, den mit den besonders breiten Holz- kufen. Christel bekam den Mund gar nicht wieder zu vor Staunen: . , , .

Einen Schlitten? Ja, es liegt doch aber gar kein Schnee?" ,

Ploduks. der alte Kutscher, lachte sein breites ost- preußisches Lachen:

Ja, Freileinchen, mit dem Wagen würden wir gar nicht durchkommen bei dem aufgeweichten Lehmboden. Seit zehn Tagen regnet es hier schon auf einen Platz."

Hätten mal.mit vieren kommen sollen, Ploduks. Mit vier Pferden fahren, das hätte Euren alten Holzschlitten in den Augen des Fräuleins wieder wett gemacht und unser Ostpreußen hätte sich gleich von der vornehmen Seite ge­zeigt". lachte Maria.

Aber, nun laß er sich erst einmal anschauen, Ploduks , Maria gab dem Alten herzlich die Handimmer noch gut beisammen."... , .. , .

Na, es macht sich, Frau Romheld, die Schrumpeln im Jesicht werden halt immer ein bißchen mehr."

.Sieh mal zu, eitel ist er auch", lachte Maria und be­mühte sich, so etwas wie Rührung zu unterdrückenna ja, wie vor 40 Jahren, als er zu uns kam. kann er nicht mehr aussehen, aber er kann doch noch ganz zufrieden [ein.

Sie sah aufmerksam in das alte treue Gesicht. Ploduks, ja das war die Kindheit! Das war die Erinnerung an gluck- liche harmlose Stunden, an die Gesindestube, an Geschichten­erzählen und Pserdeschnitzen. Und an ein rührendes Jnschutz- * genommenwerden, wenn der Herr Vater einmal böse war, der Herr Vater hörte auf ihn.

(Fortsetzung folgt.)

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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen herzensguten treusorgenden lieben Vater

Herrn Karl Engehausen im Alter von 76 Jahren in ein besseres Sein abzurufen.

In tiefer Trauer:-

Cläre Engehausen. -

Wiesbaden, 4. Februar 1940.

Gneisenaustraße 33

Einäscherung: Mittwoch, den 7. Februar, vormittags 11.15 Uhr auf dem Südfriedhof. Von Beileidsbesuchen und Kranzspenden

bittet man absehen zu wollen.

Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme und die vielen Kranz- und Blumenspenden beim Heim­gang unserer lieben Entschlafenen Frau Katharina Lasser geb. Sander

sagen wir auf diesem Wege unseren innig­sten Dank. Ganz besonders danken wir den katholischen Schwestern vom Elisabethen- haus für ihre aufopfernde Pflege und dem MGV. 1842 Wiesb.-Schierstein.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Johann Lasser u. Kinder.

Wiesbaden (Jahnstr. 16), 5. Februar 1940.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank.

Anna Dallapiazzageb. Schüler Franz Dallapiazza.

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Danksagung.

Für die uns In so reichem Maße bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen zugegangenen Beileids­kundgebungen sowie Kranzspenden sagen wir unseren aufrichtigen Dank. Im besonderen danken wir für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Hahn sowie der auf­opfernden Pflege der Schwestern des St.-Joseph-Hospitals.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Arthur Forst.

H. Krieger

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Beiladung. Wer kann von Groß-Gerau nach Wiesb. versch.

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