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Sauerbruch operiert
Von Dr. H. Fritsche
Russische Kritik an der britischen Jndienpolitik
Englands Schuld an der geistigen Rückständigkeit der indischen Millionenmafsen
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Sauerbruck durch Augenschein kennenzulernen. Jeder der Gäste bekommt einen weißen Mantel geliehen und mutz sich ein Schutztuch vor den Mund binden. Man tritt... um hernach gut sehen zu können, auf lange hölzerne Fußbänke. Die Overationen nnden unter gewaltigen, em blendendes Licht spendenden Lampen ftatt- wahren Kolossen der Be- leuchtungs-Ovtik. zwei an der Zahl. Außerdem stehen noch zusätzliche, jeweils, von den Assistenten »u bedienende Stab- lamven in dem gläsernen.Raum, durch dessen Fenster man in die triste Atmosphäre einer verregneten, vorwinterlichen Stunde blickt, Hebt man aber den Blick nach der anderen Seite emvor. so schwebt über dem, Saal, in dem Messer. Zange und Säge dem Leben dienstbar sind, eine glaierne Galerie ein abgeschlagener Balkon, auf dem Tas rur Tag Stubenten sitzen und aus das Geschehen drunten unter den Riesenlampen hinabschauen,, das ihnen die ernste Verpflichtung des beruflichen Nachelierns auferlegt.
«keine Sekunde kommt das oerantwortungsschwere Hin und Her der Operationsschwestern zum Stillstand. Em grober Sauersto-ffavarat wird berbeisefadren. der rast un=
geworfen wird. Die Geschwulst ist entfernt, ein Leben ist der Erde zurückgewonnen, das ohne diesen schwierigen und ernsten Eingriff verloren gewesen wäre. Das operative . Schließen der großen Wunde geschieht wiederum mit einer Sicherheit und Sauberkeit, die den Zuschauer mit Bewum derung und Dankbarkeit angesichts einer solchen Meister- leistung erfüllt. Die Kleinarbeit der letzten Nahte wird den Assistenten überlajsen.
Mantelwechsel. Kndewaschen und em paar erklärende Worte für die Gäste, dann geht bereits die zweite Operation vonstatten. die Resektion eines unheilbar erkrankten Magens. Ebe sie recht zur Besinnung kommen, blicken die Gäste auch schon in das geöffnete Lelbesinnere des Patienten, wo Sauerbruchs Hände mit einer begnadeten Sicherheit leicht und elegant die notwendigen Schnitte vollführen. Auch hier haben die Assistenten alsbald die letzten Kleinigkeiten zu erledigen, bis der Wagen mit dem Operierten fortgefahren wird und ein dritter Fall des Retters harrt.
Hier ist es abermals die Lunge, der der Meister der gegenwärtigen Lungenchirurgie„Heilung bringen soll. Vor längerer Zeit wurde von der Patientin ein Knochensplitter eingcatmet und bald daraus ausgebustet. Seitdem liegt ein schweres Lungenleiden vor. das die Abschnürung eines Lungenlavvens mittels Gummischlauches notwendig macht. Wiederum bahnen Mester und Zange mit rascher yü6: einen Weg ins innere des Brustkorbes, wiederum rauscht der Sauerstoffapparat, die Hande der Schwestern reichen lautlos und flink die Instrumente herbei, ein Assistent streichelt besänftigend die Wangen der Patientin, die in ibrer kunstgerecht erzielten Narkose gar nicht ahnt, daß die Hand eines der bedeutendsten Chirurgen über ihre Lunge gleitet und dort der Natur den Weg zur Abstoßung des Krankhaften ermöglicht.
2m Verlaut von knapp anderthalb Stunden sind drei tief einsreuettoe. schwere Operationen, man möchte fast sagen: spielimd. vollzogen worden. Die Glasgalerie der Studenten wird leer, die Augen der Gäste lösen stch vom Bannkreis der Riesenlampen und blicken durchs Fenster in den Alltag, besten Pflichten und Freuden drei todgeweihte Menschen durch das überlegene Können eines Mannes »urückgegeben wurden, hinter dellen eleganter »und sicherer Overationsmethodik außer einer angeborenen ärztlichen Genialität auch der ganze Arbeitsernst eines echt deutschen Gelehrtenfleißes steht.
Die Umfieoiung uns Mionieu
78 Sonderzüge, 58 Trecks
Zeuge dreier schwerer Operationen sein zu dürfen, ine . Deutschlands führender Chirurg mit überlegenem Können ausführte, bleibt unvergeßlich. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der ersten Operation herrscht im Overanonssaal jenes nüchtern-emsige Leben, das für die grobe (Ebtnirgie kennzeichnend ist. Die Schwestern ordnen auf den tahrdaren Tischen Instrumente aller Art. ein jedes doppelt und dreifach. ja zehn- und zwanzigfach, damit im gegebenen Augenblick auch nicht die geringste Verzögerung durch Fragen oder Suchen eintreten kann. Gläserne Injektionsspritzen werden geprüft und zurechtgelegt, aus einem geräumigen vanmchub- kasten kommen zahlreiche Gummihandschuhe zum Vorichein, die mit Talkum übervudert sind, um rasch am die Hand gestreift werden zu können.
Allmählich erscheinen neben den Assistenten mich die Gäste im Overationssaal. Chirurgen, die stch am^ dortml« dungskurius als Hoher beteiligen und die nun men sind, um die Technik ihres weltberühmten
schaudererregenden geistigen Rückständigkeit zu erhalten, um leben kulturellen Aufschwung des Landes m unterbinden. Man brauche nur einen Blick am den Stand der Volksbildung in Indien zu werfen, auf die erschreckenden Analphabetenzinern. auf das Gesundheitswesen usw.. um stch von der Verlogenheit aller Redensarten über die ..hohe Million" Englands in Indien zu überzeugen.
Dabei nählne der englische Imperialismus gerade die von ihm selbst geförderte geistige Rückständigkeit der Millionenmallen des indischen Volkes zum Vorwand, um die Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft über dieses angeblich „unreife Volk" zu begründen. Im indischen Volk seien jedoch, so Meibt der Versaller. neue Kräfte wachgeworden, die dazu berufen sind, eine führende Rolle im Kamps für die nationale und soziale Befreiung zu spielen.
zehn Jahren Kriegs- und Nachkriegszeit sank das deutiche Volkstum in Polmsch-Wolhynien auf die Hälfte seines Bestandes herab.
Die schwersten Schläge hat das Deutschtum durch die Verschleppungen nach Sibirien erlebt. Als die Vertriebenen auf ihre Scholle zurückkehrten, glich diese einer Wüstenei. Haus und Hof waren niedergebrannt, die Äcker verwüstet und verunkrautet. Mit echt deutscher Zähigkeit haben die Heimaekehrten ihr Land von neuem urbar gemacht. Schließlich bewirtschafteten sie wieder durchschnittlich 40 bis 60 Morgen Land und erzielten gute Erträge. Die Wirtschaften von 40 Morgen arbeiteten in der Regel mit zwei Pferden. Im Kubstall standen fünf Milchkühe. 2m Schutze des Eroßdeutschen Reiches werden die umgesiedelten Bauern es noch besser haben.
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Deutsch-Przemysl, 28. Jan. Der Reichsfübrer H und Chef der deutschen Polizei Himmler, begrüßte in seiner Eigenschaft als Reichskommissar zur Festigung des deutschen Volkstums den letzten aus Galizien eintreffenden Treck auf der Erenzbrücke über den San. Gleichzeitig traf auch der vorletzte Eisenbahntransport Volksdeutscher aus Galizien ein. Diese Volksdeutschen kamen aus dem etwa 700 Familien zählenden rein deutschen Dorf Brigidau. in das seit 1784 keine Polen einheiraten durften. Insgesamt 104 000 Deutsche aus Galizien und Wolhynien sind an den deutschen Grenzposten jetzt vorbeigekommen. davon 30 000 im Treck. In der Begleitung war der Stellvertreter des Generalgouverneurs für die besetzten polnischen Gebiete. Reichsminister Dr. Seyß-Jnauart und der Leiter der volksdeutschen Mittelstelle, ff-Obergruppenführer Lorenz. Der Reichsfübrer ff nahm im Kreise der Volksdeutschen das von der NSV. bereitgestellte Mahl ein, nachdem er zuvor einen ausgedehnten Gang durch das erste Lager für die Rückgeführten gemacht hatte, das in der Pionierkaserne in Deutsch- Przemysl eingerichtet wurde.
Moskau, 27. Jan. Unter der Überschrift „Die britischen Zivilisatoren in Indien veröffentlicht die „Jswestiia einen bemerköiswerten Artikel. Gestützt auf ausführliche Einzelangaben und mit dem Hinweis auf größtenteils englische Quellen führt der Verfasser den Nachweis, daß der englische Imperialismus, der Indien mit räuberischen Methoden ausbeute, zugleich die zivilisatorische Entwicklung des Landes unterbunden habe; redoch hätten es die Engländer von jeher verstanden, stch ihrer zivilisatorischen Million in Indien zu rühmen und sich als sogenannte „Wohltäter" Indiens aufzusvielen. Im einzelnen befaßt sich der Artikel insbesondere mit dem Stand des »chul- und Voiksbildungswesens "in Indien, deren „schmachvolle Ergebnisse" nur mit der Absicht der britischen „Zivilisatoren erklärt werden könne, das indische Volk in Ungewißheit und Aberglauben, einer, wie sich das Blatt ausdrückt, geradezu
Gedenksendung zum 30. Januar
Die Aufzeichnungen Dr. Goebbels'
Berlin, 28. Jan. Der Großdeutsche Rundfunk bringt am Dienstagabend von 20.30 bis 22.00 Ubr über alle Sender eine Eedenksendung zum 30. Januar 1933. Reichsminister Dr. Goebbels batte die Absicht, in dieser Reichssendung selbst das Wort zu ergreifen. Es ist ihm das aber wegen Arbeitsüberlastung leider nicht möglich. Er bat dem deutschen Rundfunk deshalb aus seinen privaten Aufzeichnungen, die später einmal veröffentlicht werden sollen, die über den entscheidungsvollen Januar 1933 niedergelegten Abschnitte zur Verfügung gestellt. Der deutsche Rundfunk bat für die Verlesung dieser Abschnitte, die innerhalb der Reichssendung gegen 21,00 Uhr erfolgen wird, den Staatsschau- spieler Rittmeister Karl Ludwig Diehl gewonnen.
Der musikalische Teil der Sendung wird ausgefubrt von dem Mustkkorps der SA.-Gruvve Berlin-Brandenburg, und mehreren SÄ.-Chören unter Leitung von SA.-Oberführer Su6ieL
Der Krieg im Norden
Die beiderseitigen Heeresberichte
Helsinki, 28. Jan. Der 26. Januar verlief auf der Karelischen Landenge — Io teilt der finnische Heeresbericht vom 27. Januar mit —verhältnismäßig ruhig. Einige russische Batterien sollen durch finnische Artillerie zum Schweigen gebracht worden sein. Nordostwärts vom Ladoga-See. wo die Kämpfe schon seit einigen Tagen andauern, sollen die Finnen weitere Angriffsversuche abge- wiesen haben. An den Frontabschnitten herrschte erfolgreiche Patrouillentätigkeit. , __ , ,, .
Die Seestreitkräfte melden, daß finnische Kustenbatterien die Tätigkeit der Landstreitkräfte unterstützt haben, und. daß ein russisches Unterseeboot vor einigen Tagen tn entern finnischen Minenfeld vernichtet worden sei. Sowiettsche Flugangriffe richteten sich auf I v a l o. S a v u k os ft. Kuusamo und Valtimo in Nordfinnland. Im Verlaufe des Tages find, entsprechend dem finnischen Heeresbericht, drei russische Flugzeuge abgeschosten worden. „ .
Der Bericht des Eeneralstabes des Militärbezirks Leningrad vom 27. 1. lautet: Erkundungstätigkeit, die fowietifchen Luftstreitkräfte führten Aufklärungsflüge durch.
Madrider Zeitung würdigt die llmkiedlungsaktio« der Volksdeutschen aus Rußland.
Madrid. 29. Jan. (Funkmeldung.) Die Madrider Zeitung „ABC" hebt die reibungslose Abwicklung der Um» liedlungsaktion der Volksdeutschen aus Rußland und dem Baltikum hervor. Die ganze Aktion sei wahrhaft vorbildlich und zeuge von dem vaterländischen Geist bet Volksdeutschen, die sich selbst durch die strenge Kälte nicht zurückhalten ließen, dem Ruf des Führers zu tolgen. Deutschland könne stolz darauf fein, während eines Krieges um feine Existenz die größte Völkerwanderung der neueren Geschichte durchgctübrt zu haben. Der deutsche Organl- sationsgeist habe Wunder vollbracht.
erschöpfliche Anmarsch der blitzenden Instrumente will kein Ende nehmen. Die Röntgenfilme der heutigen Overations- fälle hängen am Fenster. Die Assistenten haben sich vollständig zusammengefunden. lebet mit einem weißen Kopftuch und einem vorgebundenen Mundschutz vermummt. Die Sauberkeit- und Sachlichkeit des Saales wirkt nicht kalt, sondern seltsam erregend. Hier wird dem Tod wahrhaftig tn einer makellos blanken Rüstung entgegengetreten.
Plötzlich steht Geheimrat Sauerbruch int Saal. Ein Assistent hilft ihm in den Overationsmantel. Während er flüchtig die Gäste begrübt, wird bereits der erste Fall herein» gefahren. Ein Patient, dessen klinischer und röntgenologi- scher Lungenbefund auf eine Geschwulst deutet. Keinerlei Ängst oder Aufregung geht von dem Manne aus. der da. in weiße Tücher gewickelt, sogleich dem heilungbringenden Messer überantwortet werden soll. Ein wenig verlegen lächelt er zu den Studenten droben auf der Galerie emvor, während schon ein Assistent feinen Puls prüft und die Narkose bereits wirksam ist.
Kennzeichnend rur das, was nun folgt, sind die Eleganz und die Geschwindigkeit mit der es sich vor den kaum folgen könnenden Augen bet Zuschauer vollzieht. Rasch und sicher ist die Rückenmuskulatur .durchschnitten, ein mehrfaches leichtes Krachen begleitet die Durchtrennung der Rippen, die von Sauerbruch mit einer scherenartigen Zange vorgenommen wird, ohne das man den Eindruck irgendwelcher 'Gc- waltamvendun« hat. Die bei aller Geschwindigkeit überaus ruhig arbeitenden Hände des Chirurgen binden große Gefäße ab. Durch das Loch, das vom Rücken her im Brustkorb des Patienten entstanden ist, sieht man die Lunge sich rhythmisch heben und senken. Der Sauerstoffapparat rauscht, ein Assistent führt dem Patienten, der die Augenlider bewegt, als schaue er stch in einer ganz anderen Welt als der dieser für ibn so bedeutungsvollen Stunde um, Sauerstoff zu. Unermüdlich reichen die Operationsschwestern, die ihrem Chef jeden Blick nach einem bestimmten Instrument von den Äugen ablefen, das jeweils Benötigte zu. Sauerbruch operiert mit einer Konzentration ohnegleichen, nur von Zeit zu Zeit unterbricht ein energischer Zuruf an Assistenten ober Schwestern die Spannung, die besonders die Gäste empfinden.
3m Nu löst sich die Spannung, als von dem Chirurgen NN töMÜMSrMr Gegenstand in ein bereitstehendes Becken
—er. Sie Umsiedlung der Volksdeutschen aus dem ehemaligen Polen, soweit es russisches Interessengebiet wurde, aus Galizien, Wolhynien und der Gegend um Bialystock nach Eroßdeutschland. kann seit Dienstag. 23. Januar, als abgeschlossen gelten. In unaufhaltsamem Strom rollten vier Wochen lang die Bahnzüge und die Planwagen-Trecks mit den deutschen Umsiedlern über die Sowjetgrenze hinein ins Generalgouvernement und weiter nach den Gemein- ■ fchaftslagern in Lodsch und den anderen vorgesehenen Orten im Innern des Reiches.
Nach der Aufnahme der neuen deutschen Volksgenossen tn die Umsiedlungslisten begann der Transport mit der Bahn bereits am 20. Dezember v. I. Er vollzog sich reibungslos über die Stationen Sanok, Przemysl, Hrubieszow, Brest und Erajewo. Insgesamt waren es 7 8 gestellte Sonderzüge. Jeder Zug hatte Reichsdeutsche Trans- vortbegleiter. Der Transport im Treck auf den Landstraßen wurde über Przemysl und Hrubieszow geleitet und verlief dank der gründlichen deutschen Organisation und trotz der furchtbaren Schneestürme bei mitunter 30 Grad Kälte ebenfalls glatt und in bewunderungswürdiger Ordnung. Diese Tausende von starken, lebenskräftigen Bauern- familien zogen in ihren Wägelchen mit den polnischen Pferdchen davor, befrachtet mit 6 bis 20 Zentner, tagsüber unverdrossen auf den Landstraßen dahin und wurden nach 45 bis 50 Kilometer Marschleistung abends in deutsche Dörfer geleitet, wo das Kommando Tür die Umsiedlung die Nackt- auartiere -mit Verpflegung und Stallung für die Pferde vorbereitet hatte. 56 solcher Trecks haben bis zum 23. Januar die Grenzen überschritten. Jeder Treck bestand durchschnittlich aus 212 Fuhrwerken, so daß heute bei Abschluß dieser modernen Völkerwanderung 11855 Fuhrwerke mit etwa 20 000 Pferden herübergekommen sind.
Insgesamt stnd nach vorläufiger Schätzung 130 0 0 0 Menschen deutschen Blutes in das Mutterland ihrer Vorfahren heimgekehrt. Sie lebten bisher durchweg in geschlossenen Siedlungen und achteten mit deutscher Zähigkeit darauf, daß ihre Gruppierungen nicht zersprengt wurden. Soweit sie nicht in den größeren Städten des Cftens — Lemberg, Stanislau, Stryj, Luzk, Rowno, Vialmtock — einem Gewerbe nachgingen, waren Re Bauern. In Wolhynien hatten ihre Väter und Großväter ganz besonders schwer um Existenz. Volkstum und Kirche zu kämpfen. Seinerzeit bei der Ansiedlung im Lande der schwarzen Madonna, hart an der russischen Grenze, wurde ihnen keinerlei Staatsunterstützung gewährt, sie genollen keine Vorrechte. Die Besttzer der großen Güter, meist Polen, verpachteten den Eingewanderten brachliegendes Land, das Re bann mühsam als eigen erwarben. Es waren meist arme Leute, Landarbeiter, Handwerker, von den Jesuiten aus Westvolen vertrieben. Sie zogen auf der großen Heerstraße von Lublin über Luck. Rowno bis zum msstschen Kiew. In der Nähe dieser Heerstraße stnd die ersten deutschen Siedlungen Wolhyniens entstanden. Die zweite deutsche Einwanderungswelle flutete in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts über das Land, da viele Deutsche aus Westvolen nach dem ersten polnischen Aufstand fliehen muhten. um sich eine neue Heimat im Osten zu suchen. Die .. polnischen Gutsbesitzer machten mit den fleißigen deutschen Pächrern die denkbar besten (Erfahrungen. Sie schickten deshalb immer wieder Agenten aus, die weitere Deutsche ins Land ziehen sollten.
Wie sah dieses Land einst aus? Wolhynien, an sich ein ' fruchtbares Gebiet, lag in jenen Jahren zum großen Teil noch ungerodet da. Urwälder bedeckten weite Flächen, und über die vorhandene Scholle pfuschte der polnische Bauer mit dem hölzernen Hackenvflug. Die deutschen Siedler brachten neues Leben, neuen Aufschwung. Der eiserne Pflug wurde eingeführt. Die völlig entartete Viehwirtschaft kam wieder zur Höhe. Aus eigener Kraft, ganz auf sich selbst angewiesen, ohne staatliche Hilfe haben fick die Deutschen i§re Kolonien geschaffen. Es war eine barte Arbeit. Ein Sprichwort, bas damals geprägt wurde, gibt davon Kunde: „Der erste arbeitet sich tot, der zweite leidet Not. der dritte erst bat Brot..." 80 Jahre lang wurde in Ruhe, meist im System des Einzelbofes gesiedelt. Die deutschen Kolonisten erfreuten stch eines gewissen Wohlstandes. 308 deutsche Siedlungen blühten, darunter 155 Eigentümersiedlungen. Weit über 100 000 Deutsche hatten allein in Wolhynien eine neue Heimat gefunden. Da brach 1914 der Weltkrieg aus. In
Papier auf dem Bajonett — Stahlhelm, die große Mode
Zwei Aufnahmen aus London: Links: Um Passanten im Nebel und bei der Verdunkelung vor der scharfen Bsionettspitze zu warnen, bat dieser Posten helles Papier auf sein Seitengewehr gestem. Wozu.aber überhaupt das Bajonett in der Dunkelheit? Rechts: Vor den Luftschutzkellern der City hebt man Bilder, die an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten sind wie etwa dieses: ein Büromädel im Seidenkleid mit Stahlhelm und Zigarette während der Mittagspause. Darüber prangt ein Schild mit der Aufschrift: „Dein Mut dein Frohsinn, deine Entschlußkraft werden uns den Sieg bringen . . ." Eine eigene Vorstellung vom Wesen des Krieges.
Weltbild (K).
Wiesbadener Tagblatt
Montag, 29. Januar 1940
Nr. 24 Seite 8
