Seite 4 Nr. 6
Wiesbadener Tagblatt
Montag, 8. Januar 1940
Wiesbadener Nachrichten
Wie Wiesbaden den „Tag der Briefmarke" beging Überaus starker Besuch im Kurhaus
Der. „Tag der Briefmarke" stand in diesem Jahre vor allem im Dienst des Kricg^winterhilfswerks. Wre der Vereinsleiter des Wiesbadener Briefmarken- ' Sammler-Vereins von 1885 in feiner Begrüßungsansprache betonte, hatten nck der Reichsbund der Philate- Iisten. Kriegs-WHW. und die Reichsvost zusammen- gefchlossen, um eine vorbildliche und wirksame Durchführung to ermöglichen. In Wiesbaden war es der örtliche Verein, .der mit seiner besonderen Art. die Werbeschau diesmal auszuzlehen, einen unbestrittenen Erfolg erzielte. Es handelte sich diesmal ja nicht darum, eine möglichst große „Ausstellung zu bieten, in der hauptsächlich die Fachleute auf ihre Kosten kamen, sondern es galt, durch eine kleinere, aber klug.ausgewählte „W e r b e s ch a u bei allen Volksgenossen für die gute Sache, in diesem Fall für sinngemäßes Sammeln und gleichzeitig für das WHW. und den Kauf der von diesem und. der Post geschaffenen Zufchlagsmarken zu werben. Daß dies restlos gelungen ist. zeigte der überaus starke Besuch der schau und vor allem der den ganzen Tag andauernde Ansturm auf das Sondervostamt. das Wmlerhilsswerksmarken in großen Mengen verkaufte und eine Unzahl teilweise ganz raffiniert mit diesen kleinen Kunstwerken rreigemachter Sendungen mit einem eigens für diesen Tag geschaffenen Sonder st emvel freimachte. Man sonnte den. überlasteten Beamten von Kerzen die Pausen, die durch die Verdunkelung bei zwei Filmdarbietun- s.enund einem Lichtbild er vor trag zwangsmäßig eingelegt wurden. Am Schluß der Eröffnungsansprache dankte der SBeretnsIetter mit warmen Worten allen denen, die bei der Veranstaltung die umfangreiche Arbeit übernommen hatten, den Ausstellern, der Presse, der Kurverwaltung. der Post und vor allem dem Ausgestalter der Wiesbadener Tagung, Herrn Karl Schmidt.
Die Auswahl der ausgestellten Objekte entsprach durchaus den von uns oben angedeuteten Richtlinien. Auffallend war die schone und geradezu verlockende Aufmachung der verschiedenen Sammlungen. Trotz des teilweise beängstigenden Andrangs konnte jeder dank dem „Richtungsverkehr" be- auent an alle Schätze heran. Diesmal war „Großdeutschland" der Grundgedanke. So kam es. daß vor allem die Marken und Karten des Dritten Reiches in geschmackvollen Anord- itungen zu sehen waren. Eine große Schau der altdeutschen Marken, die von manchen „Zünftigen" vermißt wurde, hätte
„Lachende Geschichte"
Ein „KdF."-Rachmittag im Nahmen der Wehrmachts- betreuung
Im Kurlazarett wurde von der NSE. „Kraft durch Freude" im Rahmen der Wehrmachtsbetreuuna ein bunter Nachmittag veranstaltet, der unseren auf dem Wege der Genesung -befindlichen tapferen Kämpfern heiter-besinnliche Darbietungen brachte, die unter dem Motto „Lachende Geschichte' zum Vortrag gelangten. Von dem Leitsatz „Es ist bei allem Schicksalswalten der Freund Humor nicht auszuschalten", ausgehend, begann man mit dem Vortrag von Anekdoten, angefangen bei unseren großen Musikern, wie Beethoven und Brahms. Auf diesem Streifzug aber vergab man auch Schubert und Schumann nicht, gedachte der Dichter Goethe und Gellert und kam dann zu den Königen und Feldherrn vergangener Zeiten, wie Fttedrich dem Groben, Derff- linger, Wrangel und Moltte. Dabei standen di« hochwertigen musikalischen Darbietungen des Schröter-Trios vom Reichssender Frankfurt, das u. a. verschiedene Sätze von Beethoven, ein Menuett von Schubert und einen Walzer von Brahms zu Gehör brachte, im Vordergrund. Jeweils in den Rahmen des Gesamtvortrages gut eingefügt. sang Frau Hennig-Schmidt mit ihrem weichen Sopran verschiedene Lieder, wie „Die Forelle" von Schubett und „Weiß nicht die Welt" aus der ..Regimentstochter von Donizetti. Die verbindenden Worte für diesen musikalischen Reigen, sowie den Vortrag der Anekdoten hatten Helinka S a g e b i e l und Alwin Büffer übernommen. Beide erwiesen sich dabei als wirkungsvolle Rezitatoren. So fand die froh beschwingte Vortragsfolge starken Beifall.
stabszahlmeister Klose faßte den Dank der Anwesenden in anerkennenden Worten für die Künstler zusammen und betonte, daß mit derartigen Veranstaltungen die Brücke von der Heimat zu den Soldaten und somit zum Westwall geschlagen werde, denn nach ihrer Rückkehr zur Front werden die Soldaten von den schönen Stunden berichten, die ihnen die Heimat bereitete. 3n diesem Sinne verdient die NSG. „Kraft durch Freude", besonders aber Pg. Wolf, volle Anerkennung. dessen trefflicher Organisation auch diese Veranstaltung wieder zu danken war. gl.
— Die Gauitraseniammlung des Kriegswinterhilfswerks hatte trotz des für die Sammler recht ungünstigen Wetters einen außerordentlich guten (Erfolg. So waren bereits frühzeitig die von Heimarbeiter des Gaues hergestellten Kunst- darzabzeichen, Enten. Hähne. Schwalben und Hunde darstellenden Abzeichen völlig vergriffen, die übrigen Abzeichen nur noch bis auf einen geringen Rest vorhanden, der aber auch rasch abgesetzt wurde.
— Pflichtjahr gehört zur Berufsausbildung. Rach einer grundsätzlichen Entscheidung des Reichsfinanzministers wird die Teilnahme am weiblichen Pflichtjahr als Ausbildung für einen künftigen Beruf anerkannt. Dieser Grundsatz erhält auch für die Berechnung des Schulgeldes Geltung, das für Geschwister von Pflichtjahrteilnehmerinnen beim Besuch höherer Schulen zu entrichten ist. Ein Kind, das das Pflicht- Whr ableistet und dessen Einkommen weniger als 40 RM monatlich beträgt, kann bei der Feststellung der Zahl der Geschwister berücksichtigt werden, nach der sich die Ermäßigung des Schulgeldes berechnet. Diese Entscheidung umfaßt jedoch nicht die Kinder, die das Landjahr besuchen, das im Anschluß an die Volksschule absolviert werden kann.
— Zusammenstoß. Am Samstag gegen 11.30 Uhr kam es auf der Kreuzung Mühlgasse — Er. Vurgstraße zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Lastkraftwagen. Es entstand geringer Sachschaden.
^gtosmflHKinetdeh 5 * 50 RM
Reben den vielen kleinen Gewinnen, die in den letzten Tagen gezogen wurden, waren es viele Losbriefe, die mit einem Gewinn von 5 bzw. 10 RM ausgestattet waren. Aber auch noch höhere Beträge gingen an glückliche Gewinner. So konnten wir grauen Slücksmänner in den letzten Tagen nicht weniger als fünfmal Gewinne über 50 RM vermitteln. Wir freuen uns immer, wenn wir einem Volksgenossen einen EILcksbrief mit einer solch schönen runden Summe »erkaufen können. Das macht Spaß, wenn wir die glücklichen und dankbaren Gesichter der Loskäufer sehen, die ibr Scherslein dem Kriegs-WHW. beisteuern wollten und dann unvermutet ihren Gewinn einstreichen konnten.
über die selbstgewählte Beschränkung hinausgereicht. Vollständige Sammlungen aller deutschen Kolonialmarken, der Saarabstemvelungen. der Luftpostmarken, der Marken Böhmens und Mährens, sowie der neuen Slowakei fügten sich dagegen sehr gut in den Rahmen ein. Wegen der Einzelheiten verweisen wir auf unseren Vorbericht.
Der „Betrieb" wurde durch mehrere Sonderdarbietungen unterbrochen. Dr. Caspari gab einen kurzen Überblick über die Verwendung der Bttefmarke als Mittel für Werbung und Propaganda. Diese Verwendung begann eigentlich erst gegen 1900. nachdem die Marke vorher ein reines Zweckgebilde gewesen war. Der Gedanke, die „Post- guittung“ in Form einer aufklebbaren Briefmarke auf der Postsendung anzubringen, ist übrigens zum ersten Male 1840, also vor 100 Jahren, verwirklicht worden. Von den unzähligen Möglichkeiten, die kleinen, zu vielen Millionen in die Welt hipausflatternden Kunstwerke zu Zwecken der Propaganda auszunutzen, stand gestern an erster Stelle die Werbung und der große klingende Ertrag für das Winterhilfswerk.
Gans besonderes Interesse erweckte der Lichtbildervortrag Dr. Dieners, der unter Vorführung aller Marken der „Trachtenserie" die Resultate einer originellen Forschungsarbeit mitteilte. Mit Hilfe der Reichsvost. des Malers D i e b i t f ch , des Preffelichtbildners R e tz l a f f und der verschiedensten »elfer war es dem Redner gelungen, bis zu den lebenden „Modellen" dieser Serie vorzudringen. Sehr unterhaltsam war die verschiedene Art und Weise, wie diese Personen auf Anfragen Dr. Dieners antworteten. Die Originalbriefe und andere damit zusammenhängende Dokumente zogen sämtlich auf der Leinwand an den Zuhörern vorüber. Eine fleißige Arbeit, die vor allem den Beweis erbrachte, daß die schönen Bilder der Trachtenserie wirklich volksverbundene Kunstwerke find.
Der teilweise etwas zu lange Film „Briefmarken spiegeln die Welt" erfüllt sehr wirksam den Zweck. „Laien" und vor allem die Jugend über die weltumspannende Bedeutung der Briefmarke aufzuklären. In teils lustiger, teils belehrender Form werden die geradezu unbegrenzten Möglichkeiten der Briefmarke und des sinngemäßen Sammelns ins rechte Licht gefetzt.
Es war eine reiche Tagung, an der alle, die Laien und die Sammler, ihre Freude hatten. Vor allem wurde der Zweck des Ganzen, die Förderung des Winterhilfswerkes, erreicht. Abschließend können wir sagen: Die Tagung war in schönem Rahmen (Kurhaus!) mustergültig vorbereitet. Entsprechend war auch der Erfolg, der uns schon neugierig macht auf den „Tag der Briefmarke 1941"! hi.
Morgen haben wir Neumond
Mondtabelle für Januar 1940
Seit Beginn der Verdunkelung macht uns der Mond Sorgen oder Freude, je nachdem, ob er uns auf unserem nächtlichen Weg mit feinem Schein erfreut oder aber es vorzieht. sein Licht nicht leuchten zu lassen. Da er sich durch unsere Verdunkelungssorgen keineswegs aus der Ruhe bringen läßt und turnusmäßig da ist oder verschwindet, müssen wir diesem Beleuchtungsfaktor Rechnung tragen. Wir wollen unseren Lesern dabei behilflich sein und veröffentlichen daher eine Mondtabelle für den laufenden Monat Januar. Ein Blick auf diese Tabelle gibt Auskunft, zu welcher Nachtstunde wir mit Mondschein rechnen können.
W
»
K
21
27
18 ~20
£ 11
22
'Uhrietf
1 1MWWWMM LtrzTfs ''v/wrtr
ülfflEI
IQ _Q
0 Q B
a_^sz Q_z5fe a___3
HT__
QllbT
Biese
Die Tabelle zeigt links und rechts die Tagesdaten, oben und unten die Abend- und Morgenstunden von 17 Uhr bis 7 Ubr. Um ein Beispiel zu nennen: in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar ging das letzte Viertel des Mondes kurz nach 24 Uhr auf und stand die ganze Nach! am Himmel. In den Nächten vom 9. auf 10. haben wir Neumond, vom 17. auf 18. tritt der Mond in fein erstes Viertel und vom 25. auf 26. wird uns. Vollmondschein erfreuen. Wir empfehlen unieren Lesern, die Tabelle auszuschneiden, damit sie jeweils feft- stellen können, wann wtt mit Mondschein rechnen können, p.
Ehrung verdienter DRK.-Mitarbeiter
Verleihung von Auszeichnungen auf der Kreisstelle des Deutschen Roten Kreuzes
Im Rahmen einer Seiet fand am Samstagabend auf der Kreisstelle des Deutschen Roten Kreuzes in Wiesbaden die Verleihung von Medaillen an 21 Angehörige der Bereitschaften statt. Der Geschäftsführer. Oberwachtftihrer Bug, begrüßte die Anwesenden und erinnerte an die große Bedeutung des Deutschen Roten Kreuzes im Kriege 1914—18, sowie an das weite Arbeitsfeld nach dem Krieg, als es noch bis zum Jahre 1920 galt, ehemalige deutsche Kriegsgefangene und Internierte in die Heimat zurückzuführen. Der Redner gedachte dann der weiteren Tätigkeit, die das Deutsche Rote Kreuz für das Volksganze leistete und sprach von den Aufgaben. die ihm zufielen, als der Führer die Allgemeine Webr- vfticht wieder einführte. Immer waren die Bereitschaften zur Stelle und haben ihre Pflichten in hohem Maße erfüllt: vor allem die älteren Angehörigen der Bereitschaften, die diesen über acht Jahre angehören, verdienen hierbei volle Anerkennung, die ihnen der Führer durch Verleihung der Medaillen für deutsche Volkspflege ausspricht. Der Redner überreichte daraus mit Worten des Lobes für die ausgezeichneten 21 Angehörigen (Männern und Frauen) der Bereitschaften von Wiesbaden, an der Spitze der DRK.-Haupt- tubrerin Frau v. Westernbagen und dem DRK.-Haupt- lührer H a n t a m e r . die Medaillen. Im Namen aller Ausgezeichneten dankte »auptfübrer Hankamer von der Bereitschaft Wiesbaden M. 1 für die Ehrung. gl.
Wir müssen Geduld haben
Schwere Zeiten für die öffentlichen Verkehrsunternehmen
Die Wintermonate bringen manche Schwiettgkeiten in der Abwicklung der Fahrplane unserer Omnibusse und Straßenbahnen mit sich. Dienten wir nur einmal an Glatteis. Schneefall, Nebel, vor allem dann, wenn diese schlechten Witterungsverhättniffe während der notwendigen Verdunklung, die allein schon ein Hemmschuh für die glatte Abwicklung des Verkehrs ist, einsetzen. Dann lassen sich meist Verzögerungen in der Verkehrsabwicklung nickt umgehen, zumal wir vor allem auck daran denken müssen, daß zuerst die Sicherheit des Verkehrs gewahrt bleibt. Die Fahrer, die zum Teil erst feit einigen Monaten im Dienst und an die Stelle der Männer getreten find, die an der Front die Heimat schützen, sind aufs beste bemüht, es ihren Vorgängern gleich zu tun. 'Aber auch dazu gehört erst eine gewisse Erfahrung. All« Fahrgäste müssen also etwas Geduld üben. Auch die Schaffner haben in den übervollen Wagen eine schwere Arbeit zu bewältigen. Wir wollen versuchen, es ihnen leichter zu machen. Wenn jeder Disziplin wahrt, nicht die Eingänge versperrt, schnell ein- und aussteigt, das Fahrgeld abgezählt bereit hält und besonders vermeidet, größere Geldscheine wechseln zu lassen, wird sich der Verkehr reibungsloser abwickeln als dies bis jetzt hier und da beobachtet werden konnte.
Nicht gleich schimpfen, wenn es einmal nickt so klappt, wie wir es gerne möchten. Alle ärgern sich: der Fahrgast, das Fahrverfonal und auck die Betriebsleitungen. Daß manche Klagen berechtigt find, wissen die verantwortlichen Männer und ste tun alles, was in ihrer Macht liegt, um „Dienst am Kunden" zu üben. Wir müssen im Kriege Haltung bewähren, Reizbarkeit und Schimpfereien auf beiden Seiten tragen zur Besserung der Zustände, die mit zunehmendem Iagesli6t und günstigeren Witterungsoer- bältniffen einen Wandel bringen werden, nicht bei. Geben wir zum Schluß einem Feldgrauen das Wort, der uns u. a. folgendes schreibt: „Wir find guten Mutes, wenn wir auch in Sturm und Sieget} draußen arbeiten (Vau-Batl.). Wir find stolz, als ungediente Leute in vorderster Linie mit» zubauen und wünschten, mancher könnte einmal hier sein, eines teils, um sich ein Bild zu machen, wie so eine Front aussieht, anbernteils, um einmal die Strapazen kennenzulernen. die wir mitmachen und wenn zu Hause der Omnibus mal nickt vünktlick ist. dann sollen die Schimpfer und Kritisterer mal zu uns kommen, dann sind ste still!"
.. Wenn also einmal Omnibus oder Straßenbahn nicht vünttlich kommen oder überfüllt sind, dann wollen wir an die schlichten Worte dieses Kameraden an der Front denken.
v. .
Eine Warnung an alle
300 RM Geldstrafe für Unterlassung der Verdunkelung
Wiesbadens Bevölkerung folgt diszipliniert den Anordnungen der Verdunkelung, die erlassen wurden, um die Sicherheit des ganzen Stadtgebietes zu garantieren. Und trotzdem kann man immer wieder, wenn man in den Abendstunden durch die Sttaßen wandert — vor allem in den Straßen außerhalb der Innenstadt — beobachten, wie Fenster auf tümre ober längere Zeit hell erleuchtet find. Durch eine solche Nichtbeachtung der Verdunkelungsvorfchttften kann der Gesamtheit der Bevölkerung schwerster Schaden erwachsen. Daher muß mit aller Scharfe gegen solche leichtsinnigen Mitmenschen vorgegangen werden. Bevor in einem Zimmer Licht gemacht wird — und fei es auch nur für ganz kurze Zeit — muffen die Berdmikelungsmaßnahmen getroffen fein. Wer spat abends tu die Wohnung zurückkebtt, Darf nicht erst Lickt anmachen und dann für die Verdunkelung sorgen, sondern umgekehrt. Leichtfertiges Sandeln gegen die Ve- Ittmmungen der Landesverteidigung hat mit Volksgemeinschaft nichts mehr zu tun. Diese Volksgenossen verdienen eine exemplarische Strafe. ,
i Wir greifen diese Fragen noch einmal auf im Zusammenhang mit einem Gerichtsurteil, das gegen einen Wies- babener. Einwohner erlassen wurde, der gegen einen Straf, befehl über 300 RM Einspruch eingelegt hatte. Zu feiner Ennchuldigung gab er an. bau ihm für ein Versehen die Strafe zu hoch erscheine. Das Gericht schloß sich bietet Ansicht reboch nicht an. Es konnte auch auf eine geringere Strafe nicht erkannt werben und nur mit Rücksicht auf die Unbestraftheft blieb es bei der Geldstrafe. An sich hätte auck eine Gefängnisstrafe von 30 Tagen verhängt werden können. Dieses Urteil diene allen den Volksgenossen zur Warnung, die es nickt fo genau mit ihrer Verdunkelungspflickt nehmen. Unbelehrbare verdienen harte Strafen. p.
— Hohes Alter. Frau Lina Martin, geb. Boullion, Loreleyring 8, Hth. 2 I., wird am 9. Januar 70 Jahre alt.
»ABC
Lang gaffe
Wenn man gegenüber dem „Tagblatt-Haus" steht, kann man die den Michelsbetg mit dem Kranzplatz verbindende Langgaffe in ihrer ganzen Länge überfchauen. Sie ist neben Kirchgaffe und Wilhelmstraße von jeher eine der wichtigsten Silagen Wiesbadens. An ihren etwas vorspringenden oder etwas zurückwelchenden, Häuserfronten läßt sich gut die Ent- wlcklungsgefckichte unserer Stadt in den letzten hundert Jahren ablesen. Große Geschäfte und Badehäuser machen die
Flo radix-Blutkreislauf-Tee verschafft ruhigen Schlaf, ist erprobt bei Verkalkung, Beklemmung, Atemnot, Herzklopfen, Kopfweh, Schwindel, Unfähigkeit klar zu denken, Gemüfsverstimmung, auch harnausscheidend. Allein echt im
Kräuter-ketormhaus Paula Blumenthal Langgasse 8 — Telefon 27185
Eingangsturen der Hauser zu Geringfügigkeiten, die man allzu leicht übersteht. Besonders stark flutet das Leben bei anders in den späten Nachmittags- und frühen Abend- Itunben durch, die Langgasse bin, die uns recht schmal änmutet. obwohl ste früher gewiß noch schmäler und sicherlich auch nicht so „gradlinig", verlausen ist. Wenige Häuser in der Lang- gaffe sind nicht, umgebaut worden. Die Straße könnte erzählen von Römern und Franken, von Rittern und Reisigen, von plündernden Spaniern und vorbeiklavvernden Prunkkarossen, von dem jungen Goethe, der seiner Schwester schrieb, daß der Abhang hinter der Langgaffe von Nattern wimmele, von den Franzosen des Korsen und reisenden Eng- laiidern. Vielleicht streifte durch diese Straße Dostojewski und Richard Wagner, Max Reger und Johannes Brahms. Unzählige yrembc aus aller Herren Länder flanierten an den Laden vorbei durch jene Gaffe, die einmal feldwegartig schmal den Flecken. mit dem Sauerland verband und über die unter K. U.-Mitarbeiter in mehreren Abhandlungen, die SU gegebener Zeit lottgeführt werden, ausführlich im „Wiesbadener Tagblatt .geichrieben bat. Zu stiller Nachtzeit rauchen aus den Rotten im Straßendamm die Dämpfe der warmen Quellen.
Und nun nächstens zur Kleinen Langgasse.
