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Wiesbadener Tagblatt

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Unterhaltungsbeilage Berliner Büro- Berlin-WUmersdorf

Nr. 299

Donnerstag, 21. Dezember 1939

87. Jahrgang

Hatz- und Lügenpropaganda

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)

Die traditionellen Waffen Englands

as. Berlin, 21. Dez. Im Kampf gegen Deutschland seht England seine letzte Waffe ein: den Haß. Je unglücklicher die kriegerischen Aktionen . für England verlausen, um so stärker wird seine Haßpropaganda. So hat jetzt ein promi­nentes Mitglied der englischen Regierung, nämlich der Lord­siegelbewahrer Sir Samuel Hoare, in London eine Aus­stellung von antideutschen Ereuelbildern mit einer Rede eröffnet, die an gemeinen Beschimpfungen des Führers alles bisher von der englischen Presse in dieser Hin­sicht geleistete, bei weitem überbot. Wenn auch schon früher' in London solche antideutschen Greuelausstellungen statt­fanden, so blieben sie doch damals eine Angelegenheit privater und unverantwortlicher Kreise. Jetzt aber gibt sich die Re­gierung Chamberlain dazu her. derartige Hetzausstel- lungen offiziell zu fördern und zu betreuen. Das entspricht allerdings ganz der Haltung des haherfüllten Geistes Chamberlains, der erklärte, er hoffe noch die Stunde zu erleben, in der Hitler vernichtet sein wurde. Die vielen Enttäuschungen, die der Krieg bisher schon den Eng­ländern brachte, lassen es Herrn Chamberlain und seinen Ministerkollegen offenbar zweckmäßig erscheinen, sich an die Spitze der Greuel- und Hahpropaganda zu stellen, um die Sahin st inkte des englischen Volkes mobil zu machen. In dieser Hinsicht ist jedenfalls die Eröffnung der antideutschen Ereuelbilderausstellung mit einer Schimpf­kanonade des „ehrenwerten" Sir Samuel Hoare bemerkens­wert.

In das gleiche Kapitel der Ereuelhetzc gehören aber auch die Erzählungen der amtlichen englischen Stellen, dah die deutsche Luftwaffe entgegen allen Regeln des Völkerrechtes harmlose englische Fisch- damvfer auf der Nordsee angegriffen und versenkt habe. Wir wissen aus englischen Veröffentlichungen über den Weltkrieg, wie harmlos diese englischen Fischdampfer sind. Aus den Schilderungen der englischen Admiralität ergibt sich nämlich ganz klar, dah diese harmlosen Fikchdampfer als kl -Bootfa l len, zur Bekämpfung der Minengefahr, im Flugmeldedienst, sowie zur Beobachtung der Handelsschiffahrt eingesetzt wurden. Nicht anders arbeiten diese angeblich so harmlosen Fischdampfer auch heute im Dienst der englischen Kriegsmarine. Wir glauben gern, dah es Herrn Winston Churchill einigermaßen peinlich war, wenn er gleich 23 solcher Vorvostenschiffe verlor, zumal damit erneut der Beweis er­bracht ist. dah nicht England die Nordsee be­herrscht, sondern selbst an der Küste die Schiffe Winston Churchills nicht vor deutschen Fliegern sicher sind. Auch die Lüge schafft diese Tatsache nicht aus der Welt. Dazu unter­läuft den Engländern noch ein für sie einigermaßen peinlicher Regiefehler, als nämlich gerade jetzt der englische König eng­lischen Offizieren und Mannschaften solcher „harmlosen"

Fischer-Fahrzeuge Ordensausreichnungen verlieh, und zwar, wie es in den englischen Presseberichten heißt, weil diese Offiziere und Mannschaften sich ganz besonders beim Minensuchen ausgezeichnet hätten. Damit geben die englischen Blätter also selbst zu. dah die „zivilen Fischer­boote" eine äuherft wichtige Funktion im Dienst der englischen Kriegsmarine ausüben.

Überhaupt hat Winston Churchill zur Zeit eine Lügen- oechsträhne. Denn auch die Lüge, dah seinerzeit bei dem deutschen Fliegerangriff auf den Firth of Forth am 16. Oktober der Kreuzer „Southampton" nur leicht be­schädigt worden sei, wird jetzt durch die Veröffentlichung eines amerikanischen Blattes, nämlich des „Minor" wider­legt. , Aufgrund der Angaben eines „amerikanischen Beob­achters von drüben" berichtet dieses Blatt, dah die deutsche Bombe das Deck des Kreuzers durchschlug, im Schiffsraum in eine andere Richtung getrieben erst explodierte, als sie den Seitenpanzer des Schiffes durch­brach. Mag auch diese Veröffentlichung erfolgt sein, um Amerika zu veranlassen, lieber Flugzeuge statt Schiffe zu bauen, so zeigt doch auch sie wieder einmal, wie harmlos Bombentreffer auf englischen Schiffen in Wirklichkeit aussehen.

Der Bericht des Oberkommandos

Lebhafte örtliche Artillerietätigkeit im Westen — Abschuß eines französischen Aufklärers

Berlin, 21. Dez. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Westen etwas lebhaftere örtliche Artil­lerietätigkeit. Ein französischer Rahauf- Hörer wurde kurz nach überfliegen der Grenze durch deutsche Jagdflieger in Gegend Pirmasens ab- geschossen.

Deutscher Protest in Buenos Aires

gegen die Internierung der „Svee"-Befatz«ug

Berlin, 21. Dez. (Funkmeldung.) Die argentinische Regierung hat ei» Dekret über die Internierung der Besatzung des deutschen Panzerschiffes „Admiral Graf Spee" bekanntgegebeu.

Gegen dieses Dekret hat die Reichsregierung förm­lichen Protest eingelegt unter Berufung darauf, dah Schiffbrüchige, die ein neutrales Land erreichen, nicht interniert werden, wie auch die holländische Regierung die schiffbrüchigen Besatzungen der Kreuzer „Abukir". „Sogue" und „Cressy" nicht interniert, sondern alsbald sreigab.

60. Geburtstag Stalins

Glückwunschtelegramm des Führers

Berlin, 21. Dez. (Funkmeldung.) Der Führer hat an Stalin zum 60. Geburtstag das nachstehende Glückwunsch­telegramm gesandt:

„Zu Ihrem 60. Geburtstag bitte ich Sie. meine auf­richtigsten Glückwünsche entgegenzunehmen. Ich verbinde hiermit meine beste» Wünsche für Ihr persön­liches Wohlergehen sowie für eine glückliche Zukunft der Völker der befreundeten Sowjetunion. Adolf Hitler."

... und Ribbentrops

Berlin, 21. Dez. (Funkmeldung.) Der Reichsminister des Auswärtigen, v o n R i b b e n t r o v. bat Stalin an- lählich des 60. Geburtstages seine Glückwünsche übermittelt.

Er folgte seinem Schiff

Kapitän zur See Hans Langsdorfs gestorben

Berlin, 21. Dez. Das Oberkommando der Kriegsmarine teilt mit: Der Kommandant des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee", Kapitän zur See Hans Langsdorff, wollte den Untergang feines Schiffes nicht über­leben. Getreu althergebrachter Überlieferung und im Sinne der Erziehung des Offizierskorps, dem et fast drei Jahrzehnte angehört hatte, iahte er diesen Entschluß. Nach­dem er seine ihm anoertraute Bemuung in Sicherheit gebracht hat, sah er seine ihm gestellte Aufgabe als gelöst an und folgte keinem Schrff.

Die Kriegsmarine versteht und würdigt diesen Schritt. Der Kapitän zur See Langsdorfs hat damit als Kämpfer und Held die Erwartungen erfüllt, die kein Führer, das deutsche Holk und keine Marine auf ihn setzten.

Chamberlain ist am Dienstagabend nach seinem Besuch in Frankreich nach London zurückgekehrt.

Flug und Trug

* Der englische Ministerpräsident Chamberlain hat in einer seiner letzten Reden die Ideale des Christentums und der menschlichen Humanität als britisches Kriegsziel gegen Deutschland in Anspruch genommen. Er rechnete habet sehr nüchtern, daß die Anrufung solcher .Ideale m den religiös gestimmten Schichten der Weltöffentlichkeit ein warmes Echo finden würde. Denn zweifellos wirkt nichts sympathischer, als wenn der Erstminister eines Staates auftritt und mit dem Brustton der Überzeugung verkündet: ich bin für das Gute, folglich muß alles, was gegen mich ist, jur das Schlechte sein. Gerade um Weihnachten und Neujahr herum pflegen viele Menschen für solche Erwartungen des Herzens besonders zu­gänglich zu lein. Die Festtage und der Umschwung der Zeit erinnern auch die verstocktesten Geschäitssunder an dre besseren Tage ihrer Kindheit. Sie denken plötzlich wieder an die frommen Bilder und Worte, die sie in den ersten Jahren ihres Lebens ihrem Bewußtsein einverleibt erhielten. Und da man. um gut zu werden, gewiß auch gut denken muß. be­ginnen sie die dringend notwendigen Besserungsversuche ihrer werten Persönlichkeit zunächst von der theoretischen Seite „her. Sie erwärmen sich also für schöne Worte und fromme Spruche. Und wenn ihnen solche moralischen Epistel von einem alten Politiker wie Chamberlain vorerzählt werden, was billig ist und nichts kostet, so glauben sie gern daran. Sie suhlen sich emvorgehoben und trotz eigener Sunden gewissermaßen

Aun unterscheidet sich glücklicherweise die göttliche Welt­regierung von gewissen irdischen Regierungen darin, daß. sie sich bei oer wirklichen Beurteilung eines Charakters nicht durch die menschliche Sehnsucht nach einer.kleinen Erbauungs­stunde im letzten Wintermonat täuschen laßt. Sie blickt unbe­stechlich in alle Schwächen der menschlichen Seele hinein. Und mag ein Mensch auch noch so fromm und wohlgefällig daher reden, so nützt ihm dies, praktisch gesprochen,, garnichts tm Leben. Wenn schwere Stürme brausen und Schiffe und Slug» S gewaltig hin und her schwanken, vermag sich doch nur nige Pilot durchsetzen, der Mut und Vertrauen tm Herzen hat und entschlossen ist. auf Biegen und Brechen hin seine innere Pflicht zu tun. Er wird sich durch kerne falschen Hoffnungen und noch so schönen Träume bet seinem Ringen und Kämpfen beirren lassen. Er weiß gans genau, da es um sein Leben geht, zwischen Theorie und Praxis zu unter« cheiden. Und wer ihm ein Helfer sein will, der muß gerade in solchen Augenblicken der allerschärf sie» Probe, nämlich der Wahrheit und Stichhaltigkeit seiner Worte, standhalten können. ,

Das deutsche Volk bat gerade während dieser ersten Kriegsweihnachiswoche Veranlassung genug, mit einer der­artigen Selbstbesinnung auch in die Gefilde der Politik und des Kampfes hinauszublicken. die unter den Ein­schlägen der Granaten und dem Donner der Flugmotore er­zittern. Denn es unterscheidet sich gerade darin von anderen Völkern, daß es nickt, wie zum Beispiel die Engländer, dem Selbstbetrug der frommen oder unfrommen Lüge huldigt. Es kann nur fechten, wenn es die Wahrheit klar vor Augen hat. Und es ist tm Grunde überrascht, wenn es zum Beispiel an Männern wie Chamberlain, Churchill oder anderen immer neu erleben muß. daß sie schwierigen Situationen nicht mit klaren Befehlen und militärischer Offenheit begegnen, wie sie zum Beispiel den Versenkungs- befebl des Führers an den Kommandanten des „Graf Svee" erfüllt, sondern daß sie mit den Mitteln plumpe st er F ä l s ch u n g aus Schwarz Weib zu machen suchen, um damit das eigene Volk und zugleich sie Dummen in der ganzen Welt zu bluffen.

Gewiß, es gibt Stunden int Kriege, wo Verluste nicht sofort eingestanden werden können, weil man dadurch dem Gegner eine Chance gibt. Aber lügen, obwohl der Gegner aus eigenen Feststellungen heraus bereits die Wahrheit kennt, ist nicht nur töricht, es ist u n s o l d a t i s ck und feig. Es ist so feig, daß man nicht weiß, wen man mehr bedauern soll, die englische Regierung, die aus den mißglückten Flügen ihrer Bombengeschwader in den letzten Tagen gröbste Lügen hervor­zauberte. oder jene englischen Flieger selbst, die tapfer und heldenmütig dem Befehl nachkamen, in ihren Maschinen gegen Deutschland flogen und abgeschossen wurden.

Aber dieser Einzelfall ist nur ein Beispiel für viele. Auch in Deutschland erweckt die Festeszeit und Jahreswende in vielen Menschenherzen herzliche Gefühle, die in der verständlichen leisen Sehnsucht nach vergangenen Friedenstagen ausmünben. Wenn die Kerzen an den grünen Tannenzweigen schimmern, wenn der Zauber des Advent auch unser wirtschaftliches und politisches Leben ergreift, entsteht leicht eine Stimmung, bei der das Herz das Denken vergißt und die Wirklichkeit vor träumenden Äugen zu ver­schwimmen scheint. Gerade in solchen Stunden müssen wir jedoch bekennen, daß sie für den Einzelnen etwas Schönes

Deutsche Wirtschastsabordnung

wieder in Moskau eingetroffen

Moskau. 20. Dez. Die Mitglieder der deutschen Wirt­schaftsabordnung mit Botschafter Dr Ritter und Gesandten Dr. Schnurre an der Spitze, sind am Dienstagnachmittag wieder in Moskau eingetroffen.

Sie wurden am Bahnhof begrüßt durch den sowjet- russischen Divisionsgeneral Sawtschenko. der als stell­vertretender Leiter der sowjetrussischen Wirtickastsdelegatlon vor kurzem in Deutschland gewesen ist... Senter roaren er­schienen der stellvertretende Volkskommissar für Außenhandel Krutikow, der sowjetrussische Protokollchef B a r k o w. der Leiter der mitteleuropäischen Abteilung Außenkommissar Alexandrow und zahlreiche Vertreter der towietrussischen Außenhandelsbehörde. Auch der deutsche. Botschafter Graf von der Schulenburg hatte sich mit seinen nächsten Mit­arbeitern gleichfalls zum Empfang eingefunden.

Nordwestindien in Aufruhr

Blutige Kämpfe tm Gebiet von Wazrnak

Sirnla, 20 Dez. An der nordwestlichen Grenze Indiens, in Waziristan. ist der Aufstand der Wazir is und Mahsud in verstärktem Maße aufgeflammt. Die Aufständischen haben einen Überfall auf die britischen Vortrupps tm Norden von Wazrnak gemacht, wobei es ju blutigen Kamvken, kam. Alle Stämme in der bergischen Grenzzone find in Aufruhr.

London leugnet noch immer die Schlappe ab

Falsche Dementis sollen die schweren Verluste der britischen Luftwaffe vor den Augen der Welt vertnkchen

Amsterdam, 21. Dez. Die vernichtende Niederlage, die die tapfere deutsche Luftwaffe einem britischen Flugzeug­verband über der Nordsee beigebracht bat, batte den Eng­ländern bekanntlich zunächst völlig die Sprache ver­schlagen. Erst am Mittwoch, volle zwei Tage nach der Luftschlacht, bat man sich in London zu einem „amt­lichen Kommentar" aufgerafft, der jedoch selbstver­ständlich in keiner Weise ein Eingeständnis der ickweren Schlappe enthält. Da man andererseits aber sogar in der Londoner Lügenzentrale die Unmöglichkeit einer direkten Ableugnung der unumstößlichen Tatsachen eingeieben haben dürfte, hilft man sich mit dem bewährten, oft angewandten englischen Taschenspielertrick: Man dementiert seelenruhig alle möglichen Dinge, die von deutscher Seite gar nicht be­hauptet worden sind, und gebt auf die unangenehmen Tat­sachen einfach gar nicht ein. So wird u. a. eine angebliche deutsche Behauptung als unwahr bezeichnet, daß britische Bomber die Ortschaft Rantum auf Sylt angegriffen hätten, obwohl im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht doch deutlich zu leien steht, daß englische Kampfflugzeuge Wil­helmshaven anzugreifen versuchten.

Die in- und ausländische Presie Hatte Dienstagabend in Berlin Gelegenheit, die persönlichen Erlebnisberichte der siegreichen deutschen Flieger zu Hören. Die Welt wird un­schwer erkennen, wo die Wahrheit liegt: Bei den klaren Tat­sachenberichten deutscher Frontkämpfer ober bei dem lendenlahmen „Dement i" der Londoner Giftküche.

Die „Times" tanzte ans der Reihe

Berlin, 21. Dez. Die Engländer haben sich immer noch nicht angewöhnt, für ihre Lügen einheitliche Sprachrege­lungen ausäugeben. Bis vor kurzem waren die deutschen Messerschmitt-Maschinen für sie noch plumpe und ungelenke Kisten, die beim ersten Schuß wie ein Stein ins Meer fielen. Über den großen deutschen Luftsieg bei Helgoland, bei dem unsere Menerschmitt-Jäger mindestens 36 britische Flugzeuge nicht zuletzt auf Grund ihrer Gelenkigkeit und Geschwindig­keit abschossen, berichtete der Londoner Rundfunk: „Man will uns einreden. daß die englischen Flugzeuge wie eine sckar aufgescheuchter Vögel auseinanderflatterten — und ausgerechnet vor den Messerschmitt-Maschinen, die noch nie bewiesen haben, daß sie den englischen und französischen Maschinen gewachsen sind."

Ganz anders sieht die Dinge freilich der Luft- ? erich ter statt er der „Times", der die gewaltige brunche Schlappe in.diesem Kampf mit der Feststellung ent­schuldigt. daß die britischen Flugzeuge gegen deutsche Appa­rate angeben mußten, die ja „bekanntlich ungleich rascher und leichter manövrierbar" seien. . .

Wir haben erfahrungsgemäß keinen Grund, dieses un­gewollte Lob der Messerschmitt-Maschinen zu schmälern, «ich in die widersprechend suggerierten Köpfchen der Eng­länder Hineinzudenken, ist indessen wirklich nicht ganz einfach.