Wiesbadener Tagb latt
Erscheinungszeit
87. Jahrgang
Donnerstag, 14. Dezember 1939
Nr. 293
Wöchentl
mit einer täglichen
Druck und Verlag:
8. Schellender,'Ich- Buchdrnckerei, ^r-zblatt-Sans" Nernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Drahlanschrist: Tagblatt Wiesbaden. ~ v Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
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. Werktäglich nachmittags.
6 Ausgaben
Unterhaltungsbeilage. __________
Seegefecht an der La-Plata-Mndung
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Der Brandstifter England
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)
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das zu tun, wozu die Herren in London und Paris aus begreiflichen Gründen keine Neigung haben. Damit ist man in Norwegen wie in Schweden auf erhebliche und energische Ablehnung gestoben. Genau so wenig zeigten sich die Neutralen geneigt, gegen Deutschland Stellung zu nehmen. Die italienische Presse, die sich mit diesen Genier Borgangen eingehender besaht, stellt fest, dab alle diese Bemühungen Englands heute schon gescheitert sind und dah die Neutralen nicht die mindeste Neigung haben, sich von England ins Schlepptau nehmen zu lassen. Kein neutrales Land könnte verkennen, dah die Westmächte nicht wagten, Deutschland anzugreisen. Alle ihre Bemühungen um die Neutralen haben also nur den einen Zweck, andere, nämlich die neutralen Länder, zum Kriegsschauplatz zu machen. Die Neutralen dächten aber gar nicht daran, den Westmächten in die Falle zu gehen, und sich in deutschfeindliche Manöver verstricken zu lassen. Die We st Mächte müssen in Genf also einen Mißerfolg buchen.
Neues Kapitalverbrechen
Chlorkesiel einer rumänischen Zellulosefabrik vom britischen Geheimdienst gesprengt — Zahlreiche Tote und Verletzte
Bukarest, 14. Dez. (Funkmeldung.) In der Zellulose- sabrik Zernescht bei Kronstadt in Siebenbürgen, in der auch in Nachtschicht gearbeitet wird, explodierte Donners- tagmorgrn nach 3 Uhr ein grober Kesiel, der mehrere 1000 Liter Ehlorgas enthielt. Gleich darauf rrvlo- dirrten auch kleinere Kesiel mit Chlor. Die sabrik stand bald darauf in Flammen. Das Eblor verbreitete sich rasch über die ganze Fabrikanlage und über das nabe Dorf. Aus Kronstadt und den umliegenden Dörfern find alle Feuerwehren und einzelne Truppenteile rlnpetroffen, doch gestalten sich die Nettuugsarbeiten kehr schwierig, da man sich dem Dorf und der Fabrik nur. mit Gasmasken nähern kann. Es ist voraussichtlich eine k« b r grobe Zahl von Toten und Verletzten zu beklagen. Zahlen- angaben liege» bis zur Stunde noch nicht vor. In Kronstadt treffen stündlich Schwerverletzte et». Biele von ihnen sterbe» unterwegs onf dem Transport in das Krankenhaus. Auch grobe Viehbestände sind dem tödlichen Eblorgos zum Opfer gefallen.
Über die Ursache der Katastrophe find Einzelheiten.noch nicht bekannt, jedoch herrscht angesichts, der zahlreichen Sabotageakte, unter der die rumänische Wirtschaft in letzter Zeit in leiÜ» batte, die einmütige Überzeugung vor. dab
Wieder ein britischer Dampfer torpediert
Loudon. 14. Dez. (Funkmeldung.) Die britische Admiralität hat folgende Verlautbarung veröffentlicht: „Slot 13. Dezember, etwa um die Mittagsstunde, wurde der britische Dampfer .D e »t s o r d" in der Nähe des Standortes Kanningsvaag torpediert. Das Schiff ging innerhalb einer Minute unter. Bisher wurden nur fünf überlebende gerettet.^ __ .
Zwei britische Schiffe gesunken
an der Ostküste Englands
Amsterdam, 13. Dez. Das Londoner Motorschiff „King Egbert" (4536 Tonnen) ist an der Ostküste Englands nach einer Explosion untergegangen. Die aus. 32 Mann bestehende Besatzung landete an der Küste. Desgleichen ist der englische Schlepper „Warwick Sead" an der englischen Dlttuite auf eine
Wieder aktiv
Von Willi Pemvel
Millionen oeutscher Menschen haben.durch den Krieg neue Aufgaben übernommen, «rreudlg und opferbereit sind sie dem an sie ergangenen Appell gefolgt, sie haben Familie und liebgewordenen. Beruf v er Iahen. um im grauen Kleid des Soldaten dort ihre Pflicht zu tun. lvo ihnen ihr Platz im deutschen Lebenskampf angewiesen wurde. Der Soldat aus dem Weltkrieg sieht Schulter an Schuller mü dem jungen Kameraden, der tn der stolzen Wehrmacht des Grotz- deutschen Reiches das Wafienhandwerk erlernt und letzt, seine vorbildliche Ausbildung zu beweisen bat.. Der alte Soldat hat schnell das Neue gelernt, was ihm seine jungen Kameraden vermittelten, wie auch umgekehrt, diese m den Kameraden aus dem Weltkrieg gute Schulmeister des kriegsmatz.- gen Verhaltens an der Front haben. Es dauerte nicht lange, da waren die alten Weltkriegsteilnehmer wieder aktiv. Der Berufsoffizier, der schon Jahre,i.m Ruhestand übte, stellte ebenso seine Erfahrung zur Beringung. wie der Handarbeiter seine körperliche Kraft oder der Buroarbeiter seine geistigen Fähigkeiten. Ihnen allen scheint dies alles als eine Selbstverständlichkeit, über die nicht viel Worte zu verlieren sind. Und doch müssen wir in der Heimat uns diese a-rbereitschaft immer wieder vor Augen halten, wir
en willen, dab alle diese Manner das Recht haben, auch von uns im Dienste der inneren trennt höchste Pflichterfüllung zu verlangen. , . , u,
Nehmen wir uns dabei auch die Manner zum Vorbild, die als Beamte dem Staate Jahrzehnte hindurch in Treue dienten und bei Erreichung der Altersgrenze em Lebe» voller Pflichten mit einer Zeit vertauschten, in denen ne sich an ihren wohlerworbenen Rechten erfreuen und einen geruhsamen Lebensabend verbringey.konnten Da kam der Krieg, Jede Arbeitskraft wurde benötigt und so folgten, denn auch viele Ruhestandsbeamte dem Appell zur Mitarbeit, sie. wurden wieder aktiv. Für manche unter ihnen, die.sich körperlich und geistig auf der Höbe fühlten, war ein gewisser Stolz unverkennbar, als sie an einem Morgen wieder das Amt nach einem langjährigen „Zwangsurlaub betraten, das sie mit den besten Wünschen ihrer Vorgesetzten und Kameraden verlassen hatten, um in Pension zu geben.
So ganz hatten sie sich ihrem Aufgabenkreis ja nie entfremdet und doch ist ihnen manches neu .vorgekommen, als sie wieder antraten, um ihre Kraft noch einmal ihrer Behörde zur Verfügung zu stellen, die ihnen zu einer zweiten Heimat geworden war und bei der sie sich letzt wieder geborgen fühlen. Wir haben dieser Tage einen Volksgenossen besucht, der auch wieder sofort bereit war. mitzuarbelten..als der Ruf an ihn erging. Der rüstige Relchsbahnoberinspektor E. empfängt uns in seinem Amtszimmer im Reicksbabnver. kehrsamt in der Rheinbabnstratze. Dab er bereits 69 Lebensjahre zählt, wollen wir ihm nicht so reckt glauben, aber er muh stimmen, denn seit vier Jahren lebt er nn Ruhestand. Nun ist er wieder eingespannt in das groge. Räderwerk des Reichsbahnbetriebes, er ist keine Aushilfskrair. fein „fünftes Rad am Wagen", wie man im Volksmund sagt, sondern er hat den Platz eingenommen, den ein jüngerer Arbeitskame« rad verlieb, um an der äußeren .Front Dienst, zu tun. Die Jahre, in denen Reichsbahnoberinspektor G. im Ruhestand lebte, haben einen weiteren Ausbau der Reicksbahnaufgaben gebracht. Gewaltige Arbeitsleistungen liegen perabe fiter im Westen des Reiches hinter den Männern, die im Dienste der Deutschen Reichsbahn stehen. Manche organisatorische Änderung war notwendig, die jetzt der wieder.aktiv gewordene Ruhestandsbeamte <§. zu seinem alten Willen hmzufugen muß. Gerade feine Aufgabe ist ja Mit der ALt-Stunden- Ärbeit durch Schreibarbeiten nicht erfüllt, er fahrt tn feiner Eigenschaft als Kontrolleur hinaus zu bejt Betrieben an den Strecken. Mit jugendlicher Arbeitsfreudlgkelt — uns allen ein Beispiel — steht er wieder in seiner ihm einst lieb gewesenen und nun wieder lieb gewordenen Arbeit. Als wir ibn fragen, was ihm während feiner Abwesenheit besonders in seinem Dienstbetrieb ausgefallen fei. erzählt er uns von der „Schönheit der Arbeit", die ihn besonders überrascht hat, denn keine vorgesetzte Dienststelle hat sich nicht nur tn Main» ein grobes, vorbildlich eingerichtetes Verwaltungsgebäude
' Wirtschaftssabotage im Südosten
as Berlin, 14. Dez. In Jugoslawien sind zwei grobe Lausfabriken mit ihren gesamten Vorräten nieder - aefirannt In beiden Fällen liegt Brandstiftung vor. Da die Hanferzeugung und Hanfverarbeitung in Jugoslawien zum gröbten Teil in volksdeutschen Händen liegt, so kann mit Sicherheit angenommen werden, dab diese Brande ein Werk englischer Agenten sind. Die Engländer haben keinen Zweifel daran gelassen, dab sie uns zu gern auch von den Märkten abschneiden möchten, die man für Deutschland durch keine Blockademabnahmen sperren kann, so haben die Engländer erklärt, man müsse die Vorräte, auf die Deutschland Wert legt, auflaufen. Das ist, ganz abgelegen davon, dab man dazu auch willige Verkäufer finden muß. eine ziemlich kostspielige Angelegenheit, zumal die Engländer bet ihrem Mangel an Schiffsraum diese Vorräte nicht abtrans- Dortieren und mithin nicht für sich selbst nutzbar machen können. Billiger ist es für England zweifellos, wenn man solche Vorräte vernichtet. DaB man mit derartigen Vernichtungsaktionen die Neutralen schwer schädigt ficht die Herren Engländer nicht weiter an, wie die Brandstiftungen englischer Agenten im rumänischen Erdol- gebiet klar erwiesen haben. Dort sind Millionenwerte in Flammen ausgegangen. Jetzt greift die Welle der Sabotageakte nach Jugoslawien über, wie die Brandstntungen in den Hanffabriken beweisen. Nachdem also die Bemichungen des englischen Handelsministers. Bukarest und Belgrad durch Ankäufe von Vorräten und durch die Verbilligung englischer Exportwaren für die englische Front zu gewinnen, nicht zum Ziele geführt haben, greift nunmehr der Secret Service ein und versucht durch seine Methoden den Handelsverkehr zu stören. Die Zusammenhänge Jinb leicht zu erkennen, zumal die Welt seit langem weist, da« M o r d u n d Brand- ftiftung das Handwerkszeug Londons sind. Deutschland wird diesen Brandstiftern ein für allemal das Handwerk legen und die Welt wird aufatmen, wenn he von dieser Plage befreit ist. . _ .
Mord und Brandstiftung ist die etne serte des Kampfes, den England um. oder richtiger gesagt, gegen dre Neut^len rührt. Tic andere Seite dieses Kampfes wurde deutlich in Genf erkennbar. London und Paris hätten gar zu gern die dort erschienenen Neutralen für ihre Kriegszwecke einge- spannt. Man legte vor allem den nordischen Staaten nahe, gegen Sowjetruhland oorgugefien, alio
auch in diesem Falle ein von Agenten des englische» Geheimdienstes planmähig vorbereitetes Verbreche« vorliegt.
Das rumänische Kabinett greift ein
Bukarest, 14. Dez. (Funkmeldung.) Der Komma»- dierende General des Bukarester II. Armeekorps, in dellen Bereich auch das ganze Erdölgebirt von Plojekchti fällt, ordnete an, dab alle Unternehmungen und Betriebe sinkchlieblich der Transportunternehmungen, die im Betriebe fette, flüssige oder gasförmige Kraftstoffe verwenden, e»t- svrechende Mastnahmen ergreifen müllen, um Sabotage« AkteoderAnschlLge, die eine, wen» auch nur teilweise Stillegung oder Unterbrechung der Betriebe zur Folge Batten, z u verhindern. Die Eigentümer bzw. Leiter der Unternehmungen sind dafür persönlich verantwortlich und können bei Nichtbeachtung dieser Borschrift mit Gefängnis bis r» zwei Jahren bestraft werden.
Die Berordnung, dir zweifellos als eine Folge der dauernden Sabotageakte im Erdölgebiet anznieben ist, hat hier grobes Aufsehen erregt. Man sieht darin einen ersten Schritt der Negierung, die eutschlolleu ist, die offensichtlich durch englische Machenschaften hervor- gerufenen Anschläge auf lebenswichtige Betriebe der rumänische» Wirtschaft in Zukunft mit allen Mittel» zu ver« hindern.
Mine gelaufen und gesunken. Der Schlepper hatte 496 Tonnen Wasserverdrängung.
Wie der Finanzkorrespondent des, „Algemeen Handelsblad" aus London meldet, trifft die britische Regierung Vorbereitungen. um die Handelsflotte im nächsten Jahre auszu- bauen. Die» Ute man nicht nur. um die reinen Verluste auszugleichen. sondern um auch der Tatsache Rechnung zu tragen, dast imolge der längeren Seereiien miolge des Geleitsystems mehr Schiffsraum benötigt wird. Obgleich der Wunsch bestehe, die Einfuhr von Rohstoffen auf der alten Hobe zu halten und den Export auszubauen, glaube man doch in London, oas „die heutigen Umstände" es mit sich bringen, dab bei der Einfuhr Beschränkungen notwendig sind, sowohl was die Art der Waren, als auch die Menge betrifft.
Schwedischer Tanker auf eine Mine gelaufen
Stockholm, 14. Dez. (Funkmeldung.) Der schwedische Tankdampfer „Algol" .889 Tonnen, ist in der Rabe von Falsterbo auf eine Mine gelaufen. Die Mannschaft ist gerettet worden.
Setli», 14. Dez. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Reben geringem feindlichem Artillerie-Störungsieuer auf das Vorfeld an der Front zwischen MoselundRbein lebhaftere Spähtrupptätigkeii. An mehreren Stellen konnten wiederum Gefangene gemacht werden.
I« de« letzte» Tage» fanden Operationen der Seeftreitkräfte in der nördliche» Nords" statt, «uf dem Rückmarsch ereignete sich bei einem leichte» Kreuzer eine Uutrrwasserdetonatio». Die Schaden sind geringfügiger Art. das Schiff ist in den Heimathafen zuriickgekefirt.
Das Panzerschiff „Admiral Graf Svee". eines der seit Kriegsausbruch in den Atlantischen Gewässern overierende» Kriegsschiffe, stieb gegen de» Geleitzngweg La Plata-Europäische Gewässer vor und verseukte die britische» Dampfer „Tairoa" (7983 Tonnen) und „Sire-nsh-ll" (3895 Tonnen). Hierbei lam bas Panzerschiff in Sef echtsberLbrnng mit dem sch« eren englischen Kreuzer .Exeter" und den leichten Kreuzer« .Aiar" und .Achilles". Bei dem Gefecht gelang es dem Panzerschiff, den zahlenmabig überlegenen feindlich.» Streitkräfte» schwere» Schade« zuzufügen. „Exeter" mnbte sich nach schwere» Treffern ans dem Gefecht zurnck- xiefie». Siner der leichten Kreuzer wurde gleichfalls schwer beschädigt. Das Panzerschiff „81 dmital Groi Sv erhielt seinerseits einige Treffer. Zur Zeit befindet es sich i« dem Hafen von Montevideo (Uruguav).
Die britische Admiralität teilt den Verlust des Zerstörers „Ducheb" in den heimischen E-wässern mit.
