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WksbllömerTagblatt
Tlruif intk Slorlnn-
Srscheimmgszeit
Druck und Verlag:
87. Jahrgang
Mittwoch, 22. November 1939
Nr. 274
Geldgeber war der britische Intelligence Service
und mit wem?
wo
Britische „Revolutionszentrale" im Haag
Wöchentlich
mit einer täglichen
8. S*etteebergW Bllchdruckerei, „Xagblatt=$>««»“ 1 Fernsttrecher-Sammel-Nr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. Postschecklonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Der Chef des Intelligence Service für Weiteuropa und
Berlin. 21. Nov. Amtlich wird verlautbart:
Die im Haag befindliche Zentrale des bri- tiichenIntellig'ence Service für Weiteuropa oer- iuchte ieit längerem, io Deutschland Komplotte anzu- »ettela und Anichläge zu organiiieren bzw. Berbindung mit von ibnen vermuteten revolutionären Organisationen aufzunebmen. Auf Grund einer ebenso verbrecherischen wie albernen Aufklärung durch deuticke Emigranten lebte man in der britischen Regierung und in dem ibr unterstellten Intelligence Service in der Meinung, es befände kick im Staat, in der Partei und in der Wehrmacht title Opposition mit dem Ziel, im Reich eine Revolution berbeizufubreu. Unter diesen Umständen wurden Beamte des Sicherbeitsdieuites der H beauftragt. Verbindung mit dieser britischen Terror- und R e v o - lutionszentrale im Haag aufzunebmen. In dem Glauben, tatsächlich mit revolutionären deutschen Offiziere» ru verbandel», offenbarte» die Vertreter des britischen
kein, Komplize von Beamten der Staatspolizei verhaftet
Intelligence Service den deutschen Beamten ihre Absichten und Pläne, ja. um eine danernde Verbindung mit diesen vermeintlichen deutschen Offizieren aufrecht- erhalten zu können, lieferten Re ihnen anberdem ein bestimmtes englisches Funksende- und Empfangsgerät. durch das die deutsche Geheime Staatspolizei bis zum heutigen Tage die Verbindung mit der britischen Regierung aufrechterhalten batte.
Am 9. November versuchten nun die Leiter dieses britischen Intelligence Service für Europa. Mr. Best und Kapitän Stevens, die holländische Grenze bei Venlo nach Deutschland zu überschreiten. Sie wurden dabei von den Re überwachenden deutschen Organen überwältigt und als Gefangene der Staatspolizei eingeliefert.
Die widersprechende» Angaben über ihre Eesaagea- nahme, ob noch auf holländischem oder deutschem Boden, werden zur Zeit geprüft.
nehmen war Service.
der britische Intelligence
Organisator des Verbrechens Otto Strasser
Die Ermittlungen nach seinen Auftraggeber» und Komplizen hatten bisher Veröffentlichungen noch mcht an- gezeigt erscheinen lallen. ,
Nunmehr aber ist jedenfalls ein Teil der mit dem Verbrechen im Zusammenhang st ebenden Subjekte bereits verhaftet.
Wer kann Auskunft geben?
Zur weiteren Aufklärung werden an die Öffentlichkeit folgende Fragen gerichtet:
1. Wer kennt noch Elser?
2. Wer kann noch Angaben machen über seinenUmgang? .
3. Wer kann noch Hinweise geben, mit wem Elser verkehrte? , ,
4. Wo ist E. in den lebte« Jahren aufgetaucht.?
5. Wo oder bei wem bat er Einkäufe getätigt oder Bestellungen ausgegeben?
6. Wer weih noch, dah sich E. mit Erfindungen, technischen Zeichnungen, Konstruktionen, Bauplänen usw. beschäftigte? „ . ,
7. Wer hat bei anderen Personen Zeichnungen oder Pläne des Bürgerbränkellers gesehen?
8. Wer bat E. in Lokalen, auf Bahnhöfen, in Zugen, Autobussen usw. allein oder mit anderen gesehen?
9. Wer bat E. noch int Auslande gesehen? Wann,
Eine einzigartige Leistung unserer Polizei
Wie das gemeinste und raffinierteste aller Verbrechen aufgeklärt wurde
Strasser begab sich nach England
Berlin, 22. Nov. (Funkmeldung.) Ein bezeichnendes Schlaglicht aus die Hintergründe des Münchener Attentats und die enge Zusammenarbeit zwischen Otto Strasser und dem britischen Geheimdien ft wirst die Tatsache, dah bereits am 16. November die Agentur Stefan, aus Bern meldete, es werde in dortigen Kreisen davon gesprochen, dah Otto Strasser der in der Schweiz wohnte, m das Münchener Attentat verwickelt sei. Daraus erkläre sich auch der Umstand, dah Otto Straller plötzlich die Schweiz verlasse» und sich nach England begeben habe.
ameiocxeceife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 6, Nachläilenach Preisliste Nr. 6. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten -ragen unb Plötzen wird kein- Gewähr übernommen. — Schluß der dlnz-igen-Annahme 9 /i Ubr ootmttiags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeben werden.
. Organisator war Otto Strasser
Berlin, 21. Nov. Der Reichssührer H und Chef der deutschen Polizei gibt bekannt:
Sosort nach dem ruchlosen Anschlag im Bürgerbräukeller am 8. 11. 1939 wurden Mahnahmen getroffen, die zur Aufklärung des Verbrechens geeignet erschienen und dte Feft- nabme des Täters oder der Täter ermöglichen konnten. 2m Zuge dieser Fahndungsmahnahmen fand eine augenblickliche Sperrung aller deutschen Grenzen in Verbindung mit einer verschärften Grenzkontrolle statt. Unter bett noch in dieser Rächt Verhafteten befand Rch ei» Mann, der versuchte, auf illegalem Wege über dte deutsche Grenze in die Schweiz zu gelangen. Es handelte Rch dabei nm den 36 Jahre alten Georg Elker, zuletzt wohnhaft in München. Die inzwischen getroffenen Feststellungen der von der Sicherheitspolizei nach München entsandten Sonderkommillion ergaben zahlreiche Hinweise auf die Vorbereitung und Ausführung der Tat. Als Täter schien eine Person in Frage zu kommen, von der bereits am 12. 11. eine genaue Beschreibung veröffentlicht werden konnte.
Weitere Feststellungen Verstärktenden Verdacht, dah Georg Elker zumindest in irgendeiner Beziehung zu dem Attentat stehen muhte. Unter der Last des von der Sonder- kommillion sowohl am Tatort als auch in seinen inzwischen ermittelten Zukluchtsstätten Rchergestellten Beweismaterials und nach mehreren Gegenüberstellungen legte (Elfer no6 erst hartnäckigem Leugnen am 14. 11. 1939 eilt volles Geständnis ab.
I» einer in der Kriminalgeickichte einzig dastehenden Weise batte er in wochenlanger ÄIetnor6e11 in eine der Tragsäulen des Bürgerbränkellers eine Zeit- zündeladung eingebaut, deren llhrzeit auf sechs Tage oder 14 4 Stunden eingestellt war. Die Planung des Verbrechens gebt auf den September bzw. Oktober 1938 zurück. Im August 1939 fand der Einbau der Sprengkammer statt. Die Sprengladung brachte er am 7. Tage vor der Kundgebung im Bürgerbräukeller a». Sechs Tage vorher versuchte Elker zum ersten Male, die unterdes eingestellte Zündmakchine in die Sprengkammer zu bringen. „Dies mihlang. Auch die fünfte Nacht vorher war tim ungünstig und führte wieder zur Aufgabe des Unternehmens. Die Nacht vom vierten zum dritten Tag vor dem 8. November gab aber Elfer die Gelegenheit, keine Znnd- makchine in die vorbereitete Sprengkammer einzubanen. Der Täter fuhr daraufhin kokort ab, um Rdi über Stuttgart zu den in der Schweiz bereits auf »b« wartenden Auftraggebern zu begeben. Aus bestimmten Gründen fuhr Elker am Nachmittag des 7. noch einmal na» München zurück. Es gelang ihm, in der Nacht vom 7. »um 8. neuerdings in den Bürgerbräukeller eiuzudringen, um R» noch einmal durch persönliches Horchen von dem Ticken des Ubrwerks zu überzeuge«. Der Verbrecher batte hier nicht vergellen, für eine Abdämpfung des Geräusches zu sorgen. Er wiederholte diese Probe t« der Nacht vom 7. auf den 8. einige Male. Am 8. morgens frühstückte der Verbrecher dann in einer Münchener Wirtschaft ,»« der Nähe des Jsartores im Tal and begab Rck daraufhin mil der Bad« über Ulm an die Grenze. In der Nacht vom 8. auf 9. versuchte er nun, t« der Nähe von Konstanz die Grenze nach der Schwei, bin zu überschreiten. Die unterdes etn= getretene allgemeine Alarmierung machte wm di-s jedoch unmöglich und führte zn feiner Verhaftung. Auftraggeber bzw. Geldgeber für das Unter«
Die Einkreisung des Täters
Berlin, 21. Nov. Zu der Aufdeckung des Münchener Attentats erfährt der „Deutsche Dien st" noch folgende Einzelheiten:
Sofort nach der furchtbaren Untat am Abend des 8. November im Münchener Biirgerbraitteller traten durch Befehle des Neichsführers-ff sämtliche Teile der deutschen Polizei mit böchster Alarm stufe in Tätigkeit. Es begann in der Stunde des Verbrechens bereits von auhen nach innen gleichsam schon eine Einkreisung des Täters.
Sämtliche Erenziiberskänge wurden gesperrt, offene Grenzabschnitte besonders stark überwacht, keiner auch nur irgendwie verdächtig scheinenden Person wurde der Erenziibertritt gestattet, ehe nicht die besondere Genehmi
gung des Chefs der Sicherheitspolizei des Neichssicherheits- Sauptamtes dazu vorlag. In einem Sicherst knavven Zeitraum waren damit also die Türen, die aus dem Reich führen konnten, hermetisch abgedichtet und ver- schlollen.
Gleichzeitig begab sich eine kriminalvolizeiliche Svezial- kommission (Tatortskommillion). besondere Fachleute und S v e z i a l i st e n der Sicherheitspolizei, nach München, wo ebenfalls sofort nach dem Abtransport der Toten und Verwundeten der eigentliche Tatort völlig abgeriegelt wurde. Es begann dann hier noch in den Nachtstunde» zum 9. November eine besonders mühevolle Arbeit: der ganze Svrengschutt wurde sorgfältig gesichtet und systematisch durchgesiebt und geordnet. Nach tage- und nächtelangem methodischem Suchen unter genauester Druckberechnung und Beachtung der Eigenart dieser entsetzlichen Sprengung kam die Sickerheitsvolizei in den B e s i tz einzelner, teils geringfügig scheinender Splitter. Schräubchen und Federteile, die zur ersten Rekonstruktion des objektiven Tatbestandes die notwendige Voraussetzung waren. Es konnte nunmehr ein erstes klares Bild gewonnen werden über das U b r w e r k, das die Ervlosion auslöste, über die Art des Sprengstoffes und den ungefähren Umfang des zu diesem Verbrechen benötigten Svrengmaterials sowie über den mutmatzlichen Anbringungsort der Höllenmaschine sowie deren eigentliche Bauart.
Vorgefundene Teile eines Svezialubrwerks machten wichtige Schlülle auf deren Herstellerfirmen möglich und gaben damit ganz besonders wertvolle Fingerzeige für die Fahndung nach dem Täter.
Auf dieser Unterlage der Tatortskommillion baute dann die Täierkommillion der Sicherbcitsvolizei. aus Beamten der Geheimen Staatsvolizei zusammengesetzt, ihre weitere Arbeit auf. und unter diesen gewonnene» G-llchtsvunkten konnten nun die tausend und abertausend Angaben aus dem ganzen deutschen Volk durchkämmt und abgesondert werden.
Der Kreis um de« Verbrecher wurde enger unb enger, ba man nun ja jetzt in ber Lage war. bas Wesentliche vom Unwesentlichen, das Zugehörige vom Richtzuoehöriaen zu trennen. Alle Arbeit konnte darum in erster Linie RA ans beu mutmakilichen Täterkreis konzentrieren, um ko bann systematisch auf den Täter, den Verbrecher selbst zu stoben, unb bann bie von ihm ausgehenden Verbi«- bnngslinieu zu verfolge«.
In Richtung der ersten Unteriuchungsergebnille wurden auf Weisung des Reichsfübrers-tt aus dem ganzen Reichs«
Der Schuldige ist England
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner
Schriftleitung.)
as. Berlin, 22. Nov. Mit Genugtuung vernimmt das ganze deutsche Volk die Nachricht, dab es der rastlosen Arbeit aller mit der Untersuchung betrauten Stellen gelungen ist. das ruchlose Münchener Attentat aufzuklären und den Tater zu verhaften. Besondere Genugtuung herrscht darüber, datz es nicht nur gelang, den Täter zu fallen und in Otto Strasser den Organisator dieses Verbrechens festzustellen, sondern dah es möglich war. vollkommen eindeuti.g die Hintergründe aufzudecken und den Beweis dafür zu erbringen, dah dieses Verbrechen einPlan des Secret Service ist. Was weder militärische Mah» nahmen, noch durch die Hungerblockade erreicht werden konnte, das sollte durch das ruchlose Verbrechen in München erzielt werden. Das deutsche Volk sollte seines, yuhrers und des Kreises um den Führer beraubt und dann niedergerungen werden. So fein aber auch dieses NH gesponnen war, es konnte nunmehr ßis ins einzelne aufgedeckt werden. Wieder einmal steht die Welt vor der Tatsache, dah der englische Secret Service nicht vor den ruchlosesten Verbrechen zurückschreckt, um die Ziele Englands und das heiht in diesem Falle, die Ziele der englischen Kriegshetzer, zu erreichen. Wo bleiben nun die englischen Lügner, die damals behaupteten, das Münchener Attentat sei von der Gestapo bestellt worden und es fei arrangiert worden, weil man sich der Kreise habe entledigen wollen. die die Ruhland-Politik des Führers angeblich nicht wollten. Alle diese unsinnigen Lügen, die schon damals das schlechte Gewissen der Engländer verrieten, sind nun vor aller Welt widerlegt. Die Zusammenhänge zwischen dem Secret Service und dem Attentäter sind aufgedeckt. England ist als der Schuldige dieses Verbrechens entlarvt. Auch jetzt windet sich noch einmal die englische Prelle um das Eingeständnis herum und versucht es noch einmal mit der Lüge, dab die Gestapo ein Subjekt aufgegriffen habe, das mit dem ganzen Attentat nichts zu tun habe. Die Welt fällt auf solchen plumpen Schwindel nicht mehr herein. Wir aber werden dafür sorgen, dah es den Engländern unmöglich wird, mif diesen und ähnlichen Lügen weiter hausieren zu geben, denn über die wirklichen Urheber des ruchlosen Münchener Attentats, über den Secret Service, wird noch einiges zu lagen lein.
Der Verbrecher von München gefaßt Der Täler, der 36 Jahre alte Georg Elser, legte nach hartnäckigem Leugnen am 14. November ein volles Geständnis ab — Die Planung des Attentats geht auf den September 1938 zurück — Seit Ende August 1939 in wochenlanger Kleinarbeit vorbereitet — Schnelle Aufklärung durch den deutschen Sicherheitsdienst
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