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Wiesbadener Tagblatt

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Nr. 268

Mittwoch, 15. November 1939

87. Jahrgang

Lustangriff trotz Nebel und Sturm

2 6 000 Tonnen

La Gunillas eine Gunillas liegt in Meeresbucht von

eignete sich in einem Petroleumseld bei schwere Brandkatastrophe. La der Nähe von Merida, südlich der Maracaibo.

Furchtbare Slbrandkatastrophe in Venezuela

Siedlerstadt Lagunillas in Flammen — Auch der Maracaibo-See brennt — Weit über 500 Tote? — Dreitägige Trauer

in Caracas

Amsterdam, 15. Nov. (Funkmeldung.) Nach hier vor­liegenden Meldi^gen aus Caracas (Venezuela) er-

Groberfolg eines U-Bootes

t 26 000 Tonnen durch ein einziges deutsches U-Boot tn den letzten Tagen versenkt

Berlin. 15. Nov. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

. 3m Weiten nutzer geringer örtlicher Artille- rtetatrgkert kerne besonderen Ereignisse.

Aus einem britischen Geleitzug herausgeschossen

Ein britischer Dampfer im Mittelatlantik von einem deutschen U-Boot torpediert

6300-Tonnen-Dampfer untergegangen

Miami, 15. Nov. (Funkmeldung.) In amerikanischen Flottenkreisen nimmt man an, daß der Dampfer „Cripple- Creek" untergegangen ist. In der Nähe von Titusville wurden 4000 Liter Öl in Fässern angeschwemmt sowie ein Eebrauchsgegenstand, der mit dem Namen eines an Bord des Dampfers gewesenen Matrosen gezeichnet war. Die „Cripple-Creek" hatte 6300 Tonnen Wasserver­drängung und befand sich aus dem Wege von New Orleans nach Liverpool.

angeordnct

ausgebrochen, datz eineEasolinlampe in der Caracas-Bar der kleinen Stadt Feuer gefangen hatte. Der Präsident der Provinz Z u l i a, Manuel M a l - donado, hat sofort die Leitung aller Hilssmatznahmen übernommen, die jedoch im Kampf gegen dieses Flammen­meer bisher wenig erfolgreich sind. Die Flammen dehnen sich mit ungeheurer Geschwindigkeit über die ganze Lagune und darüber hinaus aus. Eine Brücke, die die 3nselstadt mit dem Festlande verbindet und die sich auf der Rückseite der Lagune befindet, wohin sich das Feuer gerade jetzt aus- zudehneu droht, wird wahrscheinlich den Flammen auch noch zum Opfer fallen. Damit würde die letzte Hilfs - Möglichkeit von nutzen her für die Etndt vernichtet werden, denn nur über sie könnten sich die vielleicht 2000 Überlebenden der Stadt nuf dns sichere Festlnnd retten. Zweihundert Personen, die dort in den See gegangen find, wohin das Feuer noch nicht vorgedruugen ist, konnten von einem kleinen Schiff an Bord genommen und gerettet werden.

3u Caracas hat Staatspräfident Alcazar eine drei­tägige Trauer angeordnet. Sämtliche Gebäude der Haupt-

Das Grotzfeuer ist am Dienstag ausgebrochen. 3n allen Teilen der Ölstadt lodern die Flammen empor. Hunderte von Personen haben bereits den Tod gefunden. Die Zahl der Todesopfer wird gegenwärtig auf 560 bis 10 0 0 geschätzt. Mehr als 3000 Männer, Frauen und Kinder befanden fich in der am Rande des Öl- feldcs erbauten Siedlerstadt, als diese von dem Flammen­schicksal heimgesucht wurde.

ebenfalls auf eine Mine gelaufen und gesunken sein. Die deutschen Minenleger haben jedenfalls gute Arbeit ge­leistet. Herr Churchill aber mutz sehen, datz das schlechte Wetter weder deutsche Flugzeuge noch deutsche Minenleger den englischen Küsten fernzuhalten vermag. Wirklich pein­lich äußerst peinlich für Herrn Churchill.

Sein Minister-Kollege, der für das Landheer verant­wortlich ist, der Jude Höre Belisha, braucht.mit der­artigen unangenehmen Nachrichten die englische Öffentlich­keit nicht zu erschrecken. Was soll schon seinen Tommys passieren, wenn sie. während die Franzosen Wache halten, in der Etappe Fußball spielen oder ihren Fünf- Uhr-Tee einnehmen. Höre Belisha hat aber dafür der englischen Öffentlichkeit eingestehen müssen, datz tatsächlich heute die englrsche Armee noch nicht aus­reichend mit Mänteln versorgt ist. Der jüdische Kriegsminister brachte das Geständnis in der Form heraus, datz er erklärte, kein Soldat seiner Armee sei ohne

Wintermantel. Wenn er nicht einen Militärmantel be­sitzt, dann besitzt er wenigstens seinen Zivilmantel. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob es die Dienst­freudigkeit der Tommys wesentliH erhöht, wenn sie im Dienst ihre eigenen Sachen verschleißen dürfen. Vor allem aber gibt es in England Meckerer, die nun die Frage stellen, wie es denn mit der anderen Ausrüstung, wie Waffen und Munition, bestellt sei, wenn Herr Höre Belisha nicht ein­mal in der Lage sei, für „seine Armee" genügend Mäntel zu beschaffen. Das sind Fragen, die für den englischen Kriegsminister peinlich, äußerst peinlich sind.

Überhaupt soll es mit der Organisation in Eng­land noch immer nicht klappen. Die Klagen über Mängel bei der Nahrungsmittelverteilung reißen nicht ab. Nun würde man ja gern schleunigst das deutsche Kartensystem einführen, über das man sich anfangs lustig gemacht hat. Aber da stellt sich — peinlich, äußerst peinlich — heraus, daß das nicht geht, weil nämlich die organisatorischen Voraussetzungen fehlen. Das Geheimnis enthüllt uns das englische Blatt „News Chronicle", das u. a. schreibt, ungezählte Tausende von Stammkarten für die Rationie­rung könnten ihren künftigen Inhabern deswegen nicht zu- gestellt werden, weil bei der Herstellung des Rationierungs- registers der englischen Bevölkerung in den dabei her- gestellten Zählkarten kein Platz für die Eintragung der ständigen Adresse vorgesehen wurde. Jedermann mußte die Anschrift angeben, wo er sich am 29./30. September befand. Der 29. war ein Freitag, der 30. ein Samstag. Man hat also die Registrierung ausgerechnet an einem Wochenende vorgenommen, wo zahlrerche Engländer bei Ver­wandten und Bekannten außerhalb der Stadt zu Besuch zu sein pflegen. Alle diese Glücklichen können nun ihre Stammkarten nicht bekommen, obwohl sie alle Formulare richtig ausgefüllt haben. Es will also vielerlei in dem reichen und auch so tüchtigen England noch keineswegs richtig klappen, Dinge die in dem von England so verachteten Deutschland, diesem Deutschland, das mancher­lei Hilfsquellen entbehren muß die England besitzt, am Schnürchen laufen. Man mutz in London also noch mancher­lei lernen. Es gibt wirklich allzuviel, was für die Herren Engländer peinlich, Luherst peinlich ist.

as. Berlin, 15. Nov. Der deutsche Luftangriff gegen die Shetland-Inseln, der der gestrige Bericht des OKW. meldete, hat in Dänemark großes Aufsehen erregt. Man bucht ihn dort als einen neuen Beweis für die L e i st u n g s- fähigkeit der deutschen Luftwaffe. Dieser Luftangriff wurde aber auch fr*- Herrn Churchill eine äußerst unangenehme Überrasch« g. Eben hatte er erst in seiner Rundfunkastsprache verkündet, daß England durch Herb stnebel und Stürme gegen deutsche Flieger­angriffe geschützt sei, als prompt darauf ein deutscher Luft­angriff gegen die Shetland-Inseln erfolgte. Der Wetter­gott hat fich also als ein wenig zuverlässiger Bundesgenosse für Herrn Winston Churchill "erwiesen. Die „infamen" deutschen Flieger kümmern sich überhaupt nicht um das Wetter, fie führen Angriffe auch trotz un­günstiger Wetterlage durch und beweisen den Engländern damit erneut, daß ihr Land heute keine Insel mehr i st, sondern jederzeit den Angriffen der deutschen Luftwaffe preisgegeben ist. Schmerzlich ist dabei für Herrn Winston Churchill die Erkenntnis, daß der Aktionsradius der deutschen Flugzeuge keineswegs mit Scapa Flow seine äußerste Grenze erreicht hat, sondern daß die deuffche Luft­waffe auch die am weitesten nach Nordosten vorgeschobene Inselgruppe Englands, die Shetland-Inseln, zu erreichen vermag, so daß auch hier die Kriegsschiffe Winston Chur­chills nicht mehr sicher sind. Peinlich, äußerst peinlich für den Ersten Lord der britischen Admiralität.

Nicht minder peinlich für Herrn Churchill ist es, daß er gerade in diesem Augenblick auch den Verlust eines englischen Zerstörers zugeben mutz. Der Zerstörer ist nämlich nach den amtlichen englischen Angaben auf eine deutsche Mine aufgelaufen und gesunken. Drei Offiziere und zwölf Matrosen wurden verwundet, ein Matrose getötet, sechs Matrosen werden vermißt. Nach einer privaten Meldung soll eine Stunde später ein englischer Frachtdampfer unweit der Stelle, wo der Zerstörer sank, ebenfalls auf eine ' *" ' ' ' * 2"

,,Die englische Admiralität gibt den Verlust eines 3 er - st o r e r s bekannt, der auf eine deutsche Mine gelaufen sei. Der englische Frachtdampfer „Matra" (8600 Tonnen) wurde durch eine Explosion vernichtet. Eines unserer U-Boote bat in den letzten Tagen versenkt und eine Prise eingebracht.

Gerechte Bekleid ungsplanung

Don Willi Pempel

Die Neuregelung des Bezuges von Textilwaren, deren Einzelheiten wir im Innern der vorliegenden Ausgabe veröffentlichen, löst — mit einigen wenigen Ausnahmen für Mäntel, Berufskleidung, Uniformen und Schuhen — die Organisationsform des Bezugscheines ab, eine Lösung, die zu Kriegsbeginn gefunden wurde, aber doch auf die Dauer nicht befriedigen konnte. Eine ungeheure Derwaltungs- arbeit mutzte geleistet werden und der Volksgenosse, der dringend ein Bekleidungsstück benötigte, war gezwungen, eine geraume Zeit zu warten, bis ihm der Entscheid des Wirtschaftsamtes wurde, der entweder die Bejahung seines Antrages oder aber seine Ablehnung brachte. Mit dem er­teilten Bezugschein war es dann dem Verkäufer erst mög­lich, die Ware abgugeben. Man schwebte also im Unge­wissen, während jetzt nach Einführung der Kleider- karte jeder Volksgenosse weitz, wieviel Punkte er zur Verfügung hat, d. h. über wieviel Punkte er für den Ab­lauf eines Jahres disponieren kann.

Von allem Anfang an war die Bezugscheinregelung für Textilwaren nur als Zwischenlösung gedacht. Deshalb wurde auch immer wieder an das Verständnis der Volks­genossen appelliert, nur den dringendsten Bedarf zu bean­tragen. Während die Mehrzahl der Volksgenossen Ver­ständnis für diesen Appell zeigte, war leider festzustellen, oatz andere wieder die Wirtschaftsämter bestürmten, um zu einem Bezugschein zu kommen. Auf die Dauer gesehen wäre es dadurch erforderlich geworden, die Produktion dem Be­darf anzupassen oder aber sehr stark ablehnende Entschei­dungen zu fällen. Das Bezugscheinsystem hätte auch zur Folge haben können, Laß mehr Scheine ausgegeben worden wären, als diese Wünsche von der Geschäftswelt hätten be­friedigt werden können.

Nach Festlegung eines Eesamttextilplanes ist es nunmehr möglich geworden, die Kleiderkarten auszugeben und jedem Volksgenossen eine einheitliche Punktzahl zu sichern. Jetzt kann ' er haushälterisch seinen Jahresbedarf feststellen und zu den gegebenen Fälligkeitsterminen decken. Damit ist auch sichergestellt, daß auf Grund unserer Er- zeugungsmöglichkeiten allen Wünschen entsprochen wer­den kann. Diese Planung ist dabei nicht nur auf ein Jahr beschränkt, vielmehr kann der Volksgenosse sicher sein, datz, falls der Krieg längere Zeit Lauern sollte, auch in Len kom­menden Jahren sein Textilbedarf befriedigt werden kann. Die gleichen Erwägungen haben ja beispielsweise auch bei der Regelung der Lebensmittelzuteilung Berücksichtigung ge­funden. Wie hier bereits Lockerungen und Mengenerhöhungen Lurchgeführt werden konnten, so kann auch bei besonderem Textilanfall der gleiche Weg bei der Kleiderkarte beschritten werden. Zu diesem Zweck enthält die Kleiderkarte eine An­zahl Abschnitte mit römischen Ziffern, über die während des Jahres jeweils Bekanntmachungen erfolgen werden.

Die Kleiderkarte stellt allen Volksgenossen die Aufgabe, äußerst sparsam mit ihren Bekleidungsbeständen umzu­gehen. Eine genaue Nachprüfung Les Kleider- und Wäsche­schrankes wird die vordringliche Aufgabe der Haushaltungen sein. Wo Möglichkeiten der Erneuerung gegeben sind, müssen sie im ureigensten Interesse Berücksichtigung finden. Es ist nun einmal während eines Krieges nicht zu vermeiden, daß wir Beschränkungen auf uns nehmen müssen. Durch die Einführung der Kleiderkarte hat eine gerechte und für alle Volksgenossen verbindliche Regelung Platz gegriffen. Wer von Anfang an Disziplin wahrte und auf die Beantragung eines Bezugscheines verzichtete, kann jetzt auf Grund der Kleiderkarte seinen dringenden Bedarf ohne Laufereien, Schreibereien und Wartezeit befriedigen. Dabei müssen sich alle die, die bereits Waren auf Bezug­scheine erhalten haben, jetzt etwas gedulden, denn die ent­sprechenden Abschnitte werden auf den Kleiderkarten abge­trennt. Das ist ein einfaches Erfordernis der Gerechtigkeit.

Wenn wir unsere Bekleidungsplanung für das kommende Jahr Lufgestellt haben, haben wir die Gewißheit, daß wir die Waren, die wir benötigen, auch bekommen werden. Die zeitliche Einteilung der Abschnitte verhindert, daß nun nach Ausgabe der Karten ein Ansturm auf die Geschäfte einsetzen

Boston, 15. Nov. (Funkmeldung.) Vesatzuugsmitalieder des hier eingetroffenen britischen Dampfers „Nova Scotia" berichtete«, datz ein deutsches U-Boot tm Mittelatlantik aus einem britischen von Zerstörern geschützten Geleit,ng ein Schiff erfolgreich torpe­diert habe.

Versenkung des Fischdampfers „Crehwell"

London, 15. Nov. (Funkmeldung.) Der Fischdampfer „C r e tz w e l l" aus Fleetwood ist versenkt worden. Sechs von der aus 12 Mann bestehenden Besatzung werden vermitzt. Die Besatzungsmitglieder wurden von dem U-Boot aufge­nommen, das sie 7 Stunden lang an Bord behielt und dann dem Fischdampfer „Phvlisia" übergab, von dem fie am Nachmittag in Fleedwood an Land gesetzt wurden.

Als der Kapitän des Fischdgpipfers das U-Boot verließ, sagte ihm der deutsche Kommandant: „Sagen Sie dem Herrn Churchill, deutsche U-Bootsleute sind keine herzlosen Mörder."

Ein anderer Mann der Besatzung erzählte: „Die ll- Boot-Männer taten alles, um es uns 6equem zu machen. Sie gaben uns Kleidung, warmes Essen und Brantwein. Während wir an Bord des U-Bootes waren, sahen wir, wie der „Cretzwell" versank.

Die „Matra" auf eigene Mine gelaufen

Amsterdam, 15. Nov. (Funkmeldung.) Der 8600 Tonnen große britische Handelsdampfer „Matra ist nach einer Meldung aus London auf eme Mine gelaufen und schwer beschädigt worden. Vom Ufer aus kann man das gekenterte Schiff sehen. . "

Ergänzend wird gemeldet, daß bei der Explosion auf dem englischen Frachidampfer „Matra" 2 Mann getötet, und o D er m und et wurden. Die „Matra" war in Liverpool beheimatet Der Kapitän, der Lotse, 10 Offiziere und 40 Laskaren (indische Matrosen) wurden von einem Rettungs­boot gerettet, das dreimal zu dem Dampfer fuhr. Andere Mitglieder der Besatzung, die das Rettungsboot des Dampfers benutzt hatten, wurden von einem Tankdampfer ausgenommen. Der Verlust des Dampfers ist den Liver­pooler Redern von der Admiralität mitgeteilt worden.

Selbst -er Wettergott versagt

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)

Flöge und Fähre« mit Feuerwehr und Hilssmanu- schaften wurde« zugleich zu der 40 Meile« südöstlich von Maracaibo gelegenen Stadt entsandt. Das Feuer hat den von einer dicken Ölschicht bedeckten Maracaibo-See i« ein höllisches Flammenmeer verwandelt. Etwa 300 Wohn­küchen, die unmittelbar am Ufer gelegen find, waren sofort von de« Flammen völlig eingehüllt. Das Feuec ist dadurch stadt haben halbmast geflaggt.