WiesbaiknerTagblatt
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Nr. 264
Freitag, 10. November 1939
87. Jahrgang
England auf der Anklagebank
Deutsche Schicksalsstunde
Von Heinrich Karl Kunz
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)
agen.
geboren am 3. März
-ä-
Ausländische Glückwünsche an den Führer
geboren geboren geboren
am 17. Oktober
am 20. August
am 2. November
von des von
1885,
1907,
1902,
1882.
1909.
durch die Meldung von Anhaltspunkten zur Aufklärung des Attentats beizutragen.
wt. Wie nunmehr amtlich festgeitellt wird, sind bei dem ruchlosen Anschlag nicht, wie gestern gemeldet, acht, sondern nur sieben Todesopfer zu beku
tnuten später besiegelten einige von ihnen ihr Versprechen mit ihrem Blute. Ein Vorgang, den wir nicht ohne Ergriffenheit zu überdenken vermögen. Sie kehrten heim zu ihren 16 Kameraden, mit denen sie 1923 für die Freiheit marschierten, zu den Hunderten, die in der
Aus Anlab des iter hat eine grobe erhäupter und
München.
3. Kasberger. Emil. Wohnort München.
4. Schachte. Eugen, Wohnort München,
5. Weber. Wilhelm. Wohnort München.
6. Reindl. Leonhard.
SpezialtommWon an der Arbeit
Das Sprengftoffverbrechen in München sorgfältig vorbereitet — Die Spuren der Täter führen ins Ausland
Die Namen der Toten find:
1. Kaiser. Michael Wilhelm, geboren am 21. Januar 1889. Wohnort Solln bei München.
2. Lutz. Franz, geboren am 12. Oktober 1886. Wohnort
en...“ Sie stimmten ihm freudig
Wohnort München, und
7. Henle. Maria, geboren am 24. Dezember Wohnort München-Daglfing. , m
Am Abend des 9. November befanden sich noch 28 Ver-
Den Toten des verruchten infamen Anschlages gilt unsere stolze Trauer. Kurz bevor sich der Führer von seinen alten Mitkämpfern verabschiedete, sagte er zu ihnen: „. . . . nicht ohne Ihnen zu versprechen, daß wir auch in Zukunft die alten Ideale Hochhalten wollen und uns nicht scheuen werden, wenn es notwendig ist, auch das eigene Leben einzusetz zu und wenige Minu
Berlin, 10. Nov. (Funkmeldung), fluchwürdigen Attentats gegen den »yüb Anzahl ausländischer Staatsob..„----------
Regierungschefs dem Führer ihre Anteilnahme für dir Opfer und ihre Glückwünsche für die Rettung des Führers aus grober Gefahr zum Ausdruck gebracht. Aus Italien sandten der König und Kaiser Victor Emanuel III« der italienische Regierungschef Benito Mussolini, die Marschälle B a l b o und E r a z i a n i, sowie Aubenminister Gras C i a n o und Minister Dino Perroue telegraphisch herzliche Anteilnahme. Ferner bekundete» ihre Teilnahme und ihre Glückwünsche: Der König der Belgier, der König von Bulgarien. die Königin der Niederlande, der König von R n m ä n i e n, Prinz- reyent Paul von Jugoslawien, der Reicksverweler des Königreichs Ungarn und der Staa-eoräsident der Slowakei. Seme Heiligkeit der Papst lieb durch den
Ayostolychen Nuntius seine persönlichen Glückwünsche übermitteln. Bei dieser Gelegenheit brachte der Nuntius als Doyen die Anteilnahme des Diplomatischen Korps znm Ausdruck.
Die in Berlin beglaubigten fremden Misstonschess und viele andere Mitglieder des Diplomatischen Korps, als erster Botschafter A t t o l i r o und Gemahlin, bezeigten ihre -’teube über die Errettung des Führers durck Eintragung in das «n der Präsidialkanzlei ausgelegte Buck.
Zahlreiche führende Persönlichkeiten des Staates, der Wehrmacht und der Partei, zahlreiche Verbände und Eefolg- >chaften. lorote viele andere Personen des 2»- und Auslandes sandten Telegramme, in denen die Entrüstung über das verabscheu un gswürdige Verbrechen, die grobe tirteube de- deutschen Volkes über die Bewahrung des suhrers vor grober Gefahr lebhaften Ausdruck fand.
Verdächtig schnell im Bilde
as. Berlin, 10. Rov. In der gesamten Welt fiebert die Erregung über den mißlungenen Attentats- versuch in München noch stark nach. Die Auslandsblätter befassen sich ohne Ausnahme sehr eingehend mit diesem Verbrechen, den mutmaßlichen Anstiftern und den voraus- sichtlichen Folgen. Die Freunde Deutschlands vereinen fick dabei mit uns in der Freude über die wunderbare Errettung des Führers. In der neutralen Presse kommt die tiefe Verachtung für die Verbrecher und ihre Anstifter zum Äisdruck. Sehr oft wird dabei die Überzeugung ausgesprochen, daß niemand anderes als England die Verantwortung für dieses Verbrechen trägt. Selbst dort, wo man glaubt, auf die Neutralität besondere Rücksicht nehmen zu müssen, betont man, daß zum mindesten di« englischen Kriegshetzer die Atmosphäre für dieses Verbrechen schufen. In Belgrad wird besonders darauf verwiesen, daß trotz aller Erschwerungen, die heute für den Nachrichtendienst bestehen, der Londoner Rundfunk ganz außerordentlich schnell über das Münchener Attentat berichten konnte. Dem wäre noch hinzu- zufiigen, daß als einziges von den Londoner Morgenblättern die „Daily Mail“ gestern bereits eine sehr ausführliche Schilderung des Verbrechens und darüber hinaus noch eine eigene redaktionielle Stellungnahme bringen konnte. Das ist um so bemerkenswerter, als die „Daily Mail" als Organ des.Secret Service gilt. Jedenfalls ist die Tatsache, daß ausgerechnet dieses Blatt zuerst die Nachricht von dem Münchener Verbrechen in großer Aufmachung und mit einer eigenen redaktionellen Stellungnahme bringen konnte, recht bemerkenswert. Sollte man etwa auf dieser Redaktion schon vorher im Bilde gewesen sein und nur auf die Vollzugsmeldung gewartet haben?
•3m feindlichen Ausland findet man die tollsten Lügen, um sich von allen Verdachtsmomenten zu entlasten. Däbei tut sich der Straßburger Sender besonders hervor, der nach der bekannten „Haltet-den-Dieb-Methode“
der Welt erzählt, daß es sich bei dem Münchener Attentat „um einen bedauerlichen Selbsthilfe-Exzeß“ des deutschen Volkes bandele und der weiterhin mit der dazu freilich im Widerspruch stehenden Lüge operiert, daß das Attentat von der Gestapo bestellt gewesen sei, um auf diese Weise unbequeme Elemente in der Partei beseitigen zu können. Die Lügner widersprechen sich also bereits und machen der $Bett, dadurch nur um so deutlicher, daß alle diese Lügen aus- - posaunt werden, um die Spuren zu verwischen undI um die Verbrecher durch allerlei Winkelzüge zu entlasten. Auch der englische Rundfunk arbeitet im gleichen Sinne. Das amtliche England hat es bisher vermieden, auch nur' das kleinste Wörtchen zu dem Attentat verlauten zu lassen. In einer Rede Chamberlains, die für den an Gicht leidenden Ministerpräsidenten Sir John Simon gestern im Unterhaus verlas, wird mit keinem Worte des Münchener Attentats gedacht, wohl aber werden die alten Beleidigungen gegen den Führer und die deutsche Regierung mit unverminderter Schärfe erhoben.
Bemerkenswert ist, daß die amerikanische Presse die britischen Ableugnungsversuche entgegen dem sonstigen Brauch nicht groß aufmacht, zum Teil sogar an versteckter Stelle bringt, wahrend selbst ausgesprochen deutschfeindliche amerikanische Blätter die einmütige Erregung des deutschen Volkes stark unterstreichen. Vielfach wird rn der amerikanischen Presse betont, daß der Münchener Anschlag große Tragweite für di e weitere Kriegführung erlangen kann. Das ist ein Gedanke, der auch in anderen Auslandsblättern zum Ausdruck kommt. Dann aber stellt auch die gesamte neutrale Presse fest, daß nach diesem Attentat Hitler noch stärker da st ehe und sich das deutsche Volk nur noch enger um seinen Führer schare. Das zeigen ja auch die zahlreichen Treuekuns- gebungen, die gestern überall im Reich stattfanden. Das Entsetzen, das für Augenblicke das deutsche Volk angesichts der Nachricht aus München überfiel, ist sehr schnell einer noch größeren Entschlossenheit gewichen, die sich gegen alles richtet, was Deutschland und seinem Führer feindlich ist.
Zusätzliche Belohnung ausgesetzt
Berlin, 10. Nov. Der Reicksfübrer ff und Cbef der deutschen Polizei gibt bekannt:
Die Spuren der Täter, die das Sprengftoffverbrechen. in München begangen haben, führen ins Ausland. Es.werd daher für Angaben, die im Ausland bei deutschen Missionen. Konsulaten-usw. gemacht werde», und die zur Aufdeckung des Verbrecheus führe», unabhängig von der in Deutschland ausgesetzten Belohnung von 600 000 Reichsmark eine zusätzliche Belohnung in Höbe von 300 000 Reichsmark in ausländischer Währung, auszahlbar durck die zuständige deutscke Vertretung, ausgeietzt.
das große Eottseidank. daß uns der Führer erhalten blieb. Der Dank an die Vorsehung, von der der Führer noch wenige Minuten vor dem schrecklichen Unglück sprach, die ihn und unser Volk auch dabei wieder in ihren Schutz nahm. Ihr Walten bestärkt uns in dem gläubigen Vertrauen, saß der Führer Berufen ist, das Reich zu vollenden und ein neues Europa zu gestalten. Über die Berufenen aber wacht das Schicksal.
-i-
Der Gedanke, daß sich innerhalb ber Reichsgrenzen ei» b^ahltes Subjett fand, das die Hand gegen den Führer zu erheben wagte, treibt uns die Schamröte ins Gesicht. Eines aber wißen wir, dieser teuflische Plan ist keinem deutschen Hirn entsprungen. Mit Fingern zeigen wir auf England! War es nicht ein verantwortlicher englischer Minister, war es nicht Chamberlain, der das gemeine Wort in die Welt hinausschrie, daß er noch die Vernichtung Adolf Hitlers — die persönliche Vernichtung, zu erleben hoffe? Erstminister einer Nation, die eigene Könige dem Scharfrichter auslieferte, die Mörder auf ihrem Throne duldete, deren Geschichte von zahllosen Justizmorden verdunkelt ist. Einer Nation, die wehrlose (befangene vor die Kanonen band, die Zehntausende burischer Frauen und Kinder verschmachten ließ und unser Volk schon einmal — daß sie es heute nicht können, liegt nicht an ihnen — dem Hungertode auslieferten. Verbrecher mit Viedermannsmanieren! Ihre Armee wagt keine Begegnung mit unseren Waffen, ihre Flotte verkriecht sich in den Schlupfwinkeln der britischen Küste und englische Flieger lassen sich für -einen Sieg auszeichnen, den sie nie erfochten haben. Den Krieg aber hofften sie durch ein Verbrechen, das das deutsche Volk seiner Führung berauben sollte, zu entscheiden. So „kämpft“ England. Die Polen haben wir verachtet, dtzm Poilu gilt unser Mitgefühl, England aber hassen wir. Dieses England der Imperialisten, der Geldbarone, der Menschenschlächter. Heuchler und Mörder. Mit diesen Engländern wird das deutsche Volk, um mit den Worten des Führers zu sprechen, „in absehbarer Zeit" „in der Sprache reden, die sie allein wahrscheinlich noch verstehen werden.“
Die zuständigen Stellen Baben alle Maßnahmen getroffen. um die Untersuchung und Aufklärung des ruchlosen Attentats im Bürgerbräukeller zu beschleunigen. Reicks- fübrer ff £> im ml er hat im Interesse einer zentralen Leitung dieser Arbeit die gesamte Aufklärungstätigkeft einer SvezialkommiUion von Fachleuten uber= tragen. Diese Svezialkommission wertet selbstverstandlrch alle nur irgendwie in Betracht kommenden Anhaltspunkte für ihre Untersuchungen und Ermittlungen aus und ist bereits jetzt zu Feststellungen gekommen, die immerbtn wichtige Schlüsse zulasten.
Die Bergung der Toten. Schwer- und Leichtverletzten im Bürgerbräukeller wurde dank der vorbildlichen Zusammenarbeit aller an Ort und Stelle eingesetzten Kräfte und unter der Mitwirkung auch von noch anwesenden Alten Kämpfern in allerkürzester Zeit bewerkstelligt. Zwischen der Polizei, der Feuerschutzvolizei. den Pionieren der Wehrmacht, den Angehörigen der Formationen, dem Rettungsdienst usw. herrschte schon von der ersten Minute des Einsatzes an eine ausgezeichnete Zusammenarbeit, so daß die großen Schwierigkeiten der Rettungs- und Bergungsattion reibungslos bewerkstelligt werden konnten.
Nach de» bisherige» Feststellunge» handelt es lick bei der Tat auf keinen Fall um ein spontan verübtes Attentat, sondern vielmehr um ein kehr sorgfältig v orb e r c t = tetes. mit einem mechauischen Zeitzünder verübtes Verbreche». Es ist hier nickt etwas Primitives und vom A»ge»blick Geborenes geschehen, mas etwa erst ganz kurze Zeit vor der Kundgebung ausgeheckt wurde, sonder» sowohl die Auswahl der Stelle als auch die „fachmännische" Arbeit weise» darauf hi», daß die Täter kehr sorgfältige Vorbereitungen getroffen habe». Das große Gluck war nur. daß im Augenblick der Erolokion der Führer berefts abgefahren war. Das ganze Verbrechen war offenbar planmäßig >» angelegt worden, daß der Führer am exponierte st e» war und daß ein Erfolg des Attentatsplanes mit Sicherheit eiutrete» mußte.
Wenn auch noch nicht auf bestimmte Täter oder Täter- grupven geschlossen werden „kann, so zeigen immerhin Material und Svuren die Richtung an. in der sich die weitere Ermittlungstätigkeit zu bewegen bat. Im Rahmen dieser systematischen Kleinarbeit wird auch das zusammen- gebrochcne Mauerwerk auf das genaueste untersucht Erst auf den unzähligen Einzelergebnissen der llniersuckungs- arbeit kann sich die Mosaikarbeit der Polizei aufbauen.
Erfreulicherweise nimmt die Bevölkerung in der Hauptstadt der Bewegung ungeheuren Anteil an der Aufhellung des Verbrechens. Fortgesetzt melden sich aus allen Schichten der Bevölkerung Personen, um Angaben zu machen und
Belohnung um 100000 RM erhöht
Berlin, 9. Nov. Durch einen freiwilligen Beftrag privater Seite ist die zur Feststellung der Täter Münchener Sprengstoffattentates ausgesetzte Belohnung 500 000 RM um weitere 100 000 RM erhöbt worden.
letzte in den Münchener Kliniken. Davon sind 16 schwer verletzt. Zehn können bereits in nächster Zeit entlasten ‘ werden. Bei zwei der Schwerverletzten isi der Zustand bedrohlich. Etwa 30 weitere Volksgenossen konnten nach ambulanter Behandlung die Krankenhäuser mit unbedeutenden Verletzungen verlassen. Der Reicksfübrer ff und Cbef der deutschen Polizei richtet folgenden
Auftuf an die Bevölkerung:
Volksgenosse» und Bolksgeuoffinnen. die am Schluß der durch den Rundfunk übertragenen Münchener Rede des Führers vorn 8. 11. Äußerungen darüber gehört haben, daß es merkwürdig sei, daß nichts vorgekommen sei, oder die Zeuge davon waren, wie jemand mit Erstaunen feststellte, daß die Rede des Führers viel zu früh und viel schneller als man erwartet hatte, zu Ende war, wollen diese Wahrnehmungen sofort an die nächste Polireidienkt- stelle, am beste» die Staatspolizei. Leitstelle München, mitteilen.
Die gestern nachmittag bekannt gewordenen Einzelheiten über das verruchte Attentat ließen uns die furchtbare Unmittelbarkeit der Gefahr, die das Sehen des Führers bedrohte, erkennen. Während ihn die Liebe seiner alten Kampfgefährten umgab, Herz und Ohr von Millionen seiner nertrauten Stimme lauschten, eilte das Uhrwerk eines infamen Mordinstrumentes der Sekunde der Vernickfiung entgegen. Zehn Minuten trennten den Führer vom Tode, trennten das deutsche Volk von einem Verlust, dessen Möglichkeit wir, trotzdem er uns so nahe stand, einfach nicht zu fassen vermögen. Als der Führer in der Reichstagsrede, die den Polenfeldzug einfeitete, von seiner Nachfolge sprach, lief uns ein kalter Schauer an, als er das eben erst besetzte Lodz besuchte bangte unser Herz um ihn. Gestern aber erst empfanden wir zutiefst, was Adolf Hitler für uns bedeutet. Er ist das Fundament, auf das sich unser junges Reich gründet, auf dem unser Vertrauen ruht und unser Glaube an eine glückliche und stolze Zukunft. Was uns der Führer bedeutet, das drückte sich in den Mienen derer, die wir nach dem Vekanntwerden des Verbrechens trafen, mit erschütternder Deutlichkeit aus. In allen Äugen stand
