Wiesbadener Tagblatt
Berto«. MÄrömnflSieii:
Stad und »erlag:
87. Jahrgang
Samstag/Sonntag, 28./L9. Oktober 1939
Nr. 253
ufgabe übernommen, die Ord>
“ legt Wert darauf, die nichtkriegfiihrenden Erotz-
Die Stellung Italiens
Eine nichtkriegführende Großmacht, was mit Neutralität nicht identisch Ist
Die Kriegsstärke des faschistischen Italiens
Das Volk Mussolinis am Bor abend des Jahres XVIII.
setzen könnte. _____
Senat verwirft Antrag ans Aufrechterhaltung des Neutralitätsgesetzes
Washington, 27, Okt. Der Senat lehnte mit 67 gegen 22 Stimmen den von Senator Nye eingebrachten Entwun über das Neutralitätsges ab. .der .anstelle des Gesctzentwurses
feststellen, daß die sowjetrussische Blockaüenote alle Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit Englands mit Sowjetrutzland vernichtete. Das kommt auch in einer halbamtlichen englischen Darstellung zum Ausdruck, die davon spricht, daß weder jetzt noch in naher Zukunft Wirtschaftsverhandlungen mit Sowjettußland geführt werden würden. Diese Feststellung steht in offenem Widerspruch zu der noch nicht 24 Stunden vorher abgegebenen Erklärung des Außenministers im Unterhaus, der der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, Latz Rußland „unparteiisch mit allen kriegführenden Staaten Handel zu treiben wünsche" und mitteilte, datz man in London die Möglichkeit einer Erweiterung des Handels mit der Sowjetunion untersuche. Diese völlige Kehtt- schwenkung zeigt, wie sehr die Vlockadenote des Kremls in England enttäuscht und verärgert hat. Besonders schmerzlich ist es auch für die Engländer, datz die neutrale Presse sich weiter eingehend mit der sowjetrussischen Blockadenote befaßt. Dänische Blätter sprechen in diesem Zusammenhang davon, daß die Note eine neue Phase des Krieges ankündige, norwegische Blätter schreiben von einem neuen Stadium der deutschrussischen Zusammenarbeit. Insgeheim betrachtet man, sehr zum Kummer Londons, überall die sowjetrussische Note als eine sehr erfreuliche Unterstützung des gemeinsamen Kampfes der Neutralen um ihre Rechte.
garantieren.
Das Thema Polen ist somit erledig und hat heut« jede Aktualität verloren. Auch für England, datz es, wie sich jetzt herausstellt, kalt berechnend nur als Krieasgrund benötigt« und seine wahren Ziele jetzt preisgegeben hat. England hat heute ganz andere Sorgen. Die Fülle der von ihm mit dem Konflikt heraufbeschworenen neuen Probleme droht ihm bereits über den Kopf zu wachsen. Hatte es doch damit gerechnet, datz Polen mindestens fünf Monate Widerstand leisten würde, datz in dieser Zeit im Westen dem Bündnisgenossen einige Erfolge beschieden sein würden, im übrigen aber die Hungerblockade, die stch ja nicht nur gegen Deutschland richtet, sondern ganz Europa in Mitleidenschaft zieht, sowie die Hetzpropaganda des britischen Lügenministeriums dafür sorgen würde, daß stch die Neutralen mindestens zu einem Teil auf die Seite der Westmächte schlagen würden. Nicht gerechnet aber hat England mit der Tapferkeit der deutschen Truppen, der Stärke unserer Waffen und dem unerschütterlichen Widerstandswillen des deutschen Volkes, das seiner Führung blind vertraut und, wie Reichsminister von Ribbentrop in
Rom, 27. Okt. Am Vorabend der großen Ereignisse des Marsches auf Rom und damit des Beginns des XVIH. Jahres faschistischer Zeitrechnung, stebt die italienische Presse vollkommen im Zeichen dieses für die innere und außer« Neugestaltung Italiens entscheidenden Datums.
3m Mittelpunkt der Betrachtungen steht eine amtliche Verlautbarung über die Schlagkraft der italienischen Wehrmacht. Danach stnd in den ersten 17 Jahren des Faschismus für die italienische Wehrmacht an ordentlichen und außerordentlichen Mitteln insgesamt 133,281 Milliarden Lire aufgewendet worden. Davon waren für das Heer 72 672 Milliarden, für die Marine 32 652 Milliarden, für die. Luftfahrt 26 515 Milliarden und für die Miliz 1442 Milliarden Lire bestimmt.
Mit dielen großen finanziellen Ausgaben, so betont die amtliche Mitteilung, bat das faschistische Italien Libyen bis nach Kusra wiedererobert, hat ferner Äthiopien erobert, am Krieg in Spanien teilgenommen, Albanien befreit und seine Grenzen in Europa und Afrika befestigt. Zur weiteren Ver-
Hmeiaetroteilt: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Wrydgentf« Grund, preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 6 Nachlässe nach Preisliste Nr. 6. — Für die Aufnahme oon Anzeigen an bestimmten Aajen uni) Plätzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 9'/- Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag oor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Der Oberste Sowjet einberufen
Außerordentliche Tagung am 31. Oktober
Moskau, 27. Okt. Wie amtlich verlautet, ist der Sowjet der UdSSR, zu seiner fünften außerordentlichen Tagung aufden31.OktobernachMoskaueiube- rufen worden. Die Tagesordnung wird nicht bekanntgegeben, man darf jedoch wohl annehmen, daß die a u ß e n - politische Lage und die mit der Haltung der Sowjetunion im europäischen Kriege verbundenen Fragen dabei zur Sprache kommen werden.
Die Eingliederung der West-Ukraine
Moskau, 28. Okt. (Funkmeldung.) Die in Lemberg tagende Nationalversammlung der West-Ukraine beschloß am Freitag, 27. Oktober, einstimmig, die Eingliederung der West- Ukraine in die Sozialistische Sowietrevublrk der Ukraine.
Erfolgreicher Handelskrieg
Bisher 115 Schiffe mit rund 500 000 Tonnen versenkt
Berlin, 28. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
5m Westen zwischen Mosel und Pfälzer Wald etwas lebhaftere Artillerietätigkeit als an den Vortagen. Ein örtlicher Vorstoß schwächerer feindlicher Kräfte im Grenzgebiet westlich des Warndt wurde abge- wiesen.
Der Handelskrieg in Ost- und Nordsee sowie im Atlantik war weiterhin erfolgreich. 5n der Zeit vom 12. bis 2 5. 10. 1939 wurden versenkt:
Nach Meldungen, die durch eigene Streitkräfte bereits bestätigt sind: 2 2 S ch i f f e m 11 10 9 3 7 0 B.-R.-T.
Nach Meldungen der Auslandspresse weitere 3 Schiffe mit 12 606 B.-R.-T., insgesamt also 25 Schiffe mit 121 976 B.-R.-T.
Damit steigen die Gesamtverluste seit Kriegsbeginn aus insgesamt 115 Schisse mit 475 321 B.-R.-T. Da bei dieser Zusammenstellung alle unbestätigten Meldungen nicht berücksichtigt sind, muß angenommen werden, daß die tatsächlichen Bersenkungszissern noch wesentlich höher liegen.
Trotz dieser Erfolge unserer Seestreitkräfte im Handelskrieg halten stch die eigenen Verluste in sehr ?eringen Grenze«. Es muß bisher mit dem Berti st von drei U-Booten auf Grund ihres langen Ausbleibens gerechnet werden.
London sucht auszuweichen
es. Berlin, 28. Okt. Das sowjetrussische Blatt „Jswestia" hat in einem aufschlußreichen Artikel erneut gezeigt, wie die englischen Seeräubermethoden die Existenz der Neutralen bedrohen. Gerade heute liegen nun Meldungen vor, die erneut zeigen, wie berechtigt die Klagen der Neutralen und wie richtig die Darstellungen des sowjetrussischen Blattes sind. So meldet das Stockholmer „A f t o n b I a d e d" aus London, datz der Dampfer „Venezuela", der mit Kaffee von Brasilien nach Schweden unterwegs war, in einem englischen Hafen eingebracht wurde, wo dann seine für Schweden b e - stimmte Kaffeesendung beschlagnahmt wurde. Es handelt sich dabei um mehrere tausend Sack Kaffee, die Schweden dadurch verloren gehen, datz England sich die Rationierung der Ernährungs- und Genußmitteleinfuhren für die Neutralen anmaßt. Dieser Diebstahl schließt sich würdig der Beschlagnahme zweier für Schweden bestimmter Tankdampfer an, von denen der eine bereits von den Engländern entladen wurde. England stiehlt also nicht nur die für die Neutralen bestimmten Lebensmittel, sondern auch das Benzin und Petroleum.
Offensichtlich hofft England auf diese Weise seine eigenen Zufuhren verstärken zu können. Daß es nämlich mit der Versorgung Englands selbst keineswegs zum besten bestellt ist, das lassen englische Zeitungen immer wieder erkennen. Die Blätter üben scharfe Kritik an den Maßnahmen der Regierung und sprechen von einer Desorganisation der Lebensmittelversorgung. Ganz zweifellos ist es aber nicht nur die mangelhafte Organisation, die sich für die englischen Hausfrauen so unangenehm fühlbar macht und die zu immer neuen Preissteigerungen in England führt, sondern es stnd nicht minder die deutschen Handelskriegsmatznahmen, die sich unangenehm fühlbar machen. So weist auch die „Tribuna" darauf hin, daß die deutschen Maßnahmen den Westmächten schwere Sorgen bereiteten, zumal die Unterbindung des Handelsverkehrs die Westmächte mit Skandinavien diese nicht nur einer Reihe wichtiger Lebens- und Genutzmittel beraubt, sondern auch die Zellstoffversorgung gefährdet.
Unter solchen Umständen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn in der „Time s" die Frage angeschnitten wird, ob es denn zweckmäßig sei, durch Vlockademaßnahmen sie Neutralen zu verärgern und deutsche Gegenmaßnahmen auszuldsen, zumal man Deutschland ohnehin nicht aushungern könne. Dieser „Tirnes"-Artikel ist also keineswegs von Gefühlen der Humanität diktiert, sondern es ist für den Verfasser lediglich eine Frage der Zweckmäßigkeit, ob es sich lohnt, die neutralen Handelszufuhren und sich selbst durch deutsche Gegenmaßnahmen in Schwierigkeiten bringen zu lassen.
Solche Überlegungen dürften nicht zuletzt im Hinblick darauf angestellt werden, daß London eine Verschärfung des englisch-russischen Verhältnisses vermeiden möchte. Man mutz ohnehin schon
Datz sich die Dinge in den acht Wochen, die der Krieg letzt dauert, ganz anders entwickelten, als es die Hetzer an der Themse voraussahen, war von den Herren Chamberlain. Churchill und Konsorten nicht in Rechnung gestellt worden. Es war ein fundamentaler Irrtum dieser Herren, zu glauben, datz sich die Weltgeschichte wiederholt. Sie rechneten nicht damit, datz P o l e n bereits nach vier Wochen von den deutschen Truppen restlos erobert würde, daß der von (Snfllänb garantierte und gekaufte polnische Staat innerhalb dieser kurzen Frist zu existieren aufgehört hatte. Das sogenannte polnische Polk aber, dem von den Westmächten mit der Versailler Staatsgründung eine besondere zivilisatorische Aufgabe im Osten Europas angedichtet wurde, stellte sich bei näherer Betrachtung als ein von ebenso größenwahnsinnigen wie feigen politischen Hochstaplern geführter heterogener Haufen kulturell minderwertiger und rassisch durch den prozentual hohen jüdischen Einschlag stark beeinträchtigter Elemente heraus, die schon in Friedenszeiten in dem künstlich aufgeblähten Unstaate den zahlreichen völkischen Minderheiten das Leben zur Hölle machten, im Kriege aber ihre wahre Natur durch unerhörte Grausamkeiten erkennen ließen. Die abscheulichen Gewalttaten, grausamen Morde und Brandschatzungen, mit denen sich der abgrnndttefe Haß austobte, haben allein unter den Volksdeutschen Opfer gefordert, die nach den bisherigen Feststellungen die Ziffer 5000 bereits überschritten. Mit solchen blutigen Methoden läd ein Volk nicht nur schwere Schuld auf sich, es löscht sich selbst aus. Den Anspruch auf eine eigenstaatliche Existenz, die ihm int Lause der Geschichte so oft abgesprochen wurde, hat Polen jedenfalls verwirkt. Die ihm geistig und kulturell weit über- legenen Nachbarn haben die Aufgabe übernommen, die Ordnung in seinem Lebensraum wieder herzustellen und zu
Ein neuer Abschnitt
Von Fritz Günther.
Nach den harten Schlägen, die Deutschlands ll-Boote und unsere erfolgreiche Luftwaffe der „Grand Fleet" des britischen Inselreiches zufügte, scheint den Engländern nun endgültig alle Lust zu militärischer Aktivität vergangen zu sein. Sie hatten ja wohl auch gar nicht die Absicht, sich allzusehr in dieser Hinsicht zu engagieren. Wozu hat man schliegltch seine mit Garantieversprechungen geköderten und gekauften oder mit Bündnisverpflichtungen sich hörig gemachten Blutspender auf dem Kontinent. Mögen die sich für Englands Interessen schlagen und verbluten. Das Britische Weltreich ist ja noch so groß und verfügt über so viel materielle Hilfsquellen, datz sich das Inselvolk darauf beschränken kann, mit berüchtigten Seeräubermethoden eine nach den Erfahrungen des Welttrieges erfolgreich scheinende Hungerblockade, begleitet vom Trommelfeuer einer hetzerischen Lügenpropaganda, über den Gegner zu verhänge« und ruhig abzuwarten, bis sich die Wirkung bemerkbar macht. So ungefähr stellten sich die britischen Kriegshetzer den Verlaus eines Waffenganges, der die Vernichtung Deutschlands zum Ziele hat, vor, als sie den von langer Hand vorbereiteten Krieg im geeignet erscheinenden Augenblick mutwillig vom Zaune brachen. Auf diese für England sicherlich bequeme Art glaubten sie die Probleme lösen zu können, die, aus dem Unrecht von Versailles geboren, Europa in einem ewigen Zustand der Unruhe hielten, was dem englischen Idealbild vom Gleichgewicht der Mächte entspricht.
wt. Die italienische Presse beschäftigt sich sehr ausführlich mit der inneren Lage Frankreichs. Die Pariser Staatsmänner und die Presie der französischen Hauptstadt betonten mit verdächtigem Eifer, so schreibt die „Tribuna", die Unzerstörbarkeit der englisch-französischen Solidarität. Es sei jedoch sehr fraglich, ob das französische Volk die Gefühle seiner berufsmätzige« Politiker teile und darauf brenne, für die „Vernichtung" des Nationalsozialismus zu kämpfen. Je länger der Ktteg dauere, um so unzufriedener werde die Stimmung. Das Politiker-Unwesen schösse gleich Schimmelpilzen empor und der Parlamentarismus mache wieder von sich reden. In der Donnerstag- SitzuiH der Präsidenten der politischen Gruppen der Kammer sei gleich eine ganze Serie vonProtesten vorgebracht worden, die sich mit den Requisitionen, mit der Langsamkeit des Entschädigungsverfahrens, mit den neuerlichen Räumungsvorkehrungen bewohnter Zentren und mit der zunehmenden Lebensmittelknappheit befassen. Bor allem errege die übermäßige Ausdehnung der als Kriegszone betrachteten Gebiete den Unwillen der Bevölkerung.
Sehr auffällig seien die Bemühungen der Pariser Politiker, Italien auf eine Position strenger Neutralität festzulegen. Die „Tribuna" legt Wert daraus, die Haltung Italiens als die einer nichtkriegführenden Großmacht zu definieren, was mit Neutralität nicht identisch sei. Die Pariser Bemühungen entsprängen, so sagt das italienische Blatt, der Befürchtung, daß Italien den entscheidenden Einfluß, der ihm gerade auf dem Balkan und im Mittelmeerraum zukommt, gegen die Demokratien ein
Milliarden vorgesehen, die auf die nächsten Saushaltsiahre verteilt werden. ,
„Tribuna" betont, diese Verlaurbarung beweise, welches Kriegspotential das faschistische Italien erreicht habe und Zeige, daß Italien schon letzt restlos rmstande sei, jedem Ereignis, wie vielgestaltig es auch sem möge, entgegenzutreten. Zwei siegreiche Kriege und eine blitzartig durchgeführte militärische Attion hatten der Welt Italiens geistige und militärische.Bereitschaft bewiesen. Die unermüdlichen Anstrengungen auf dem Gebiet der Wehr- haftmachung der Nation würden dem Seer einen neuen, modernsten und schlagkräftigsten militärischen Äpeerat der Marine gewaltige über- und Unttnoassereintetten. der Luftwaffe eine immer wachsende Schlagkraft und der Miliz Bataillone sichern, die durch Schulung. Einsatz. Bereitschaft und Disziplin vorbildlich dastehen. Man erfernte heute, welches ausschlaggebende Gewicht dem Italien Mufwlinis unter jenen Kräften zukomme, die die Geschicke der Volker bestimmen. Hinter dieser starken Wehrmacht, stehe, ein geschlossenes Volk, das im fetzen «pla^ben bereit fa. lebet IÄ18 tii aMuh •
ZBtrn«g«ip -iiymrriagi.
AUS yuDen Sefchiftszeit: s Uhr morgens bis 7 Uhr abends nutzer Sonn- u. Feiertags
8. SchMe»berg'sche »uchdruckerei, Fernfprecher-Eammel-Nr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. WWgeilU
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(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitungj
