Donnerstag, 26. Oktober 1939
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 251 Seite 5
im Winter noch mit Söckchen auf. — Größere Wäschestücke, auch wenn sie sebr defekt sind, nicht zerreißen, nicht beseitigen. Sie sind in Lazaretten sehr willkommen, wo sie für Umschläge, Packungen. Unterlagen, Salbenverbände (nicht auf Wunden) und viele Zwecke meist in dicken Lagen gebraucht werden, oft auch nach kurzem Gebrauch beseitigt werden müssen. Der Berbrauch an solchem Material ist ungeheuer groß. „
— llnfallchronik. In der Westendstraße rutschte eine Frau beim Überqueren des Fahrdamms vom Bandstein des Gehweges ab und brach sich den Knöchel. — In einem Hause der Hellmundstraße glitt einer Frau beim Brotschneiden das Messer ab. so daß dessen Spitze in den linken Handteller fuhr. Die Frau erlitt eine stark blutende Wunde. — In der Walkmühlstraße verlor ein Radfahrer beim Ausweichen vor einem anderen Fahrzeug die Gewalt über sein Rad und stürzte zu Boden. Dabei zog er sich Handverletzungen sowie einen Unterschenkelbruch zu. Alle drei Verletzten mußten ins Krankenhaus gebracht werden.
Wiesbadener Lichtspiele
* Tbalia-Tbeater. Der Bavaria-Film „Eine Frau wie Du" (nach dem Roman von Dinah Nelken) gibt die Geschichte erner großen Liebe. Frl. Dr. Pretorias. Leiterin der sozialen Beratungsstelle in einem Industriewerk, kennt nur ihre Arbeit, darüber hinaus scheint sie kein versönliches Glück zu verlangen. Selbst dem besten Freund, einem Ingenieur des gleichen Werkes, bleibt sie nur die Berufskameradin. und um Io kühler lehnt sie die immer wiederholten Annäherungsversuche eines fremden Verehrers ab. Aber die schelmische. lungenhaft unbekümmerte Art seiner Werbung bereitet doch in ihr die große Wandlung vor. daß plötzlich alles versteckte frauliche Gefühl zum Ausbruch kommt. Und auch er. verwöhnt und unbeschwert tändelnd, wird in dem als Laune begonnenen Abenteuer ein anderer, eine tiefe Neigung verbindet die zwei so ungleichen Menschen, um durch das Dazwischentreten einer anderen Frau ein« schwere Prüfung zu erleben. Hilflos droht das früher so kühle und beherrschte „Fräulein Doktor" am Schicksal zu zerbrechen, denn stärker als ihr Stolz ist ihre Liebe. Zu diesem, den Höhepunkt des Spieles bedeutenden Herzenskonflikt weiß der Regisseur V. Tourianikv mit lebensvoller Schilderung hinzuleiten. Plastisch eindringlich zeichnet er den Rahmen, läßt viel menschliche Wärme verspüren, und bei dem ernsten Unterton bleibt doch eine gewisse Beschwingtheit, ein seiner, liebenswürdiger Humor nicht zu vermissen. Gerade diese Mischung heller und dunkler Farben zu einer dem Stoff entsprechenden tragikomischen Stimmung rst dem Spielleiter sehr echt gelungen. Psychologisch die interessanteste Gestalt wird die Heldin mit ihrem Schicksal unwiderstehlich über sie hereinbrechenden Gefühls. Brigitte H o r n e v erfüllt sie charakterlich mit einfühlsamer Lebensnähe: prachtvoll ist ihre Schlichtheit. ganz ursprünglich in jedem wechselnden Ausdruck, und dem Wesen des Spiels gemäß zeigt sie neben der Schwere auch feinhumorise Züge. Joachim Gottschalk, leicht beweglich. keck und sympathisch in strahlender Siegessicherheit, gibt das Urbild des liebenswürdigen Herzbezwingers, dem man Flatterhaftigkeit wie Treuherzigkeit glaubt. Volker v. Coll an de gefällt in kerniger Geradheit. Charlotte S u! a verkörpert eine elegante, launenhafte Frau. Brausewetter und Weisel heitere Evisodensiguren: weitere gutgesehene Typen bieten Marian Lex. Kalnberg. Meyerinck und Hans Leibelt als gemütlicher Schuvo- wachtmeister. — Ein schöner Beifilm berichtet von der aufopfernden. immer bereiten Tätigkeit der Männer von der „Deutschen Bergwacht“. die für Verirrte und Verstiegene ihr Leben einsetzen: ein Heldenlied aus der Welt des ewigen Schnees mit wundervollen Hochgebirgsaufnabmen. Dazu die sehenswerte, aktuelle Wochenschau, besonders fesselnd die Bilder von den Erfolgen unserer Seestreitkräfte und vom Kaverkrieg in der Nordsee. Heinrich Leis.
Klop st ock st raße
Die vom Gutenbergplatz etwa westwärts ausgehende Klopstockstraße wurde stadtseits seit dem Jahre 1907 begonnen und in der Vorkriegszeit bis zur Wielandstraße und etwas darüber hinaus ausgebaut. Auf der Gegenseite zog sich ihr Ausbau bis in die letzten Jahre hin. Die Klopstockstraße ist ungewöhnlich breit angelegt. Die LinienführuM der etwas abschüssigen Straße, die nunmehr bis zur Wolsram-von- Eschenbach-Straß« aus gebaut ist, verläuft etwas geknickt.
Friedrich Gottlieb K l o p st o ck. am 2. Juli 1724 zu Quedlinburg geboren, befreite die deutsche Dichtung aus den Banden des trocknen Verstandes und machte sie wieder zum Ausdruck echten Empfindens und leidenschaftlichen Erlebnis. Als erster deutscher Dichter der Neuzeit, ganz seiner Dichtung lebend, verwandte er doch einen großen Teil seines, Lebens auf die Vollendung seines großen Gedichtes „Messias" dessen erste Gesänge er 1745 in Jena als Tbeologiestudent in Prosa niederschrieb, steht er am Ausgang des Barocks, zusammen mit Händel und Vach, den Musikern und Balthasar Neumann, dem Architekten. Sein Bestes gab Klopstock in seinen Oden, in denen er Religion, Vaterland, Natur, Liebe und Freundschaft in einer damals noch nie ver- nommenen Sprache besang. Sein Werk bahnte Goethe, Hölderlin und Platen den Weg. Am 14. März 1803 starb er, von der deutschen Nation zu Grabe getragen, zu Hamburg.
Und nun nächstens zur Knaus st raße.
Das Buch als Krastquell unserer Kämpfer im Felde — Dein bestes Buch als Sveude für unsere Soldaten gerade gut geuug.
^Mveutsche Mbeitssront-M
NS.-6emeinschaft „Kraft durch Freude“ OAF. Kreis Wiesbaden, Lulsenstr. 41, Fernspr.-Sammel-Nr. 596 41 Sprechstunden des Kreisobmanns: Dienstags u. Freitagsv.16-18Uhr
Musikschule:
(Eerneinschaftswerk der REG. „Kraft durch Freude" und der Hitler-Jugend.)
Der Musikunterricht wird in allen Fächern weitergesührt. Die llnterrichtsgebühr beträgt je Stunde 50 Pfg. bis RM 1.25. Anmeldungen u. nähere Auskunft: Luisenftr. 41, Zimmer 31. Fernruf 59641.
Sportamt!
Aus zwingenden Gründen mußte eine Änderung der Übungs- ktunden für Schwimmen im Viktoria-Bad eintreten, und zwar wie folgt:
Donnerstag 19.50—20.40 Uhr
Donnerstag 20.40—21.30 Uhr
Freitag 21.00-22.00 Uhr
Hallensport.
Allgemeine Körperschule.
Für Männer und Frauen.
Dienstag 20.30—22.00 Uhr Rieblschule Zietenring
Freitag 20.30—22.00 Uhr
Fröhliche Gymnastik uud Spiele.
Nur für Frauen.
Montag 20.30—21.30 Uhr
Mittwoch 20.30—21.30 Uhr
Nachmittagskurlus für Frauen.
Mittwoch 16.45—17.45 Uhr
Kiaderltunde.
Für Kinder von 3—10 Jahren.
Mittwoch 15.30—16.30 Uhr
Eingang zur Turnhalle von der Eckernfördestraße.
Momentaufnahm en:
Selbstfahrer
Als junge Tübinger Studenten schwärmten wir für Selb st fahre r. Den mit sanften schwäbischen Braunen bespannten Kremser lenkte ein Kommilitone, der von Hause aus über etwas Pferdeverstand verfügte, und den wir in der Ausübung seiner Fahrkunst durch zweckentsprechenden Unfug unteritutzten. Doch dieser Jugenderinnerung gilt unser Umblick nicht, sondern dem Selbstfahrer von heute, dem Kriegsfahrzeug. Wenn jemals ein Fuhrwerk den Namen Selbittahrer verdient hat, dann dieses, bei dem Fuhrmann und Zugtier eins sind. Dabei ist es völlig nebensächlich, ob der, Selbstfahrer zwei- oder vierrädrig ist: das hängt von den Anwrüchen an seine Wendigkeit, vom persönlichen Geschmack, weniger von den Anforderungen an seine Tragfähigkeit ab. — Das Auto meines Kohlenhändlers pendelt irgendwo zwischen Rhein und Westwall, mahlt vielleicht auch polnischen sand. Hilssweise verfügt der Kohlenmann mal ab und zu über ein Auto mit dem Zeichen WH. Aber um alle seine Kunden, vor allem des Kleinverkaufs, zu befriedigen, ist er Selbstfahrer geworden. Sechs bis acht Zentner fährt er spielend vom höher gelegenen Lager hinab ins Wellritz- viertel, und ein Schleifklotz an der Karrenstütze wirkt als notwendige Bremse. Die Kohlenabfuhr ist ihm eine Spielerei, aber heimwärts wird der zweirädrige Selbstfahrer lästig. — Mit lauten Juchheh begrüßt eben ein ABC- Anwärter den väterlichen vierrädrigen Selbstfahrer durch die Torfabtt und läßt an Wänden und Torflügel die Spuren seiner Fahrkunst zurück. Nachdem er dann noch den Versuch gemacht hat, den Wagen rückwärtsstoßend einem ahnungslosen Fußgänger zwischen den Beinen hindurchzujagen, läßt et sich freudestrahlend in den Wagenkasten fallen und übergibt dem inzwischen eingetroffenen Vater den Selbstfahrer. Bei sinkendem Tageslicht kommen beide aus ihrem Gärtchen zurück, den Selbstfahrer hoch beladen, daß die Räder knarren, mit dem Lohn für saure Arbeit, und oben auf sitzt der Svrößling mit einem Strauß . von Herbstblumen im Arm. daß auch Mutter etwas vom Ausflug mit dem Selbstfahrer
habe. Miniaturbild eines ländlichen Erntetages in die Stadt transportiert. Und wie das Brummen des Autos immer seltener wird, so mehtt sich das ständige Klappern der klenien,Selbstfahrer in den Straßen. Noch deckt die Herbst- nacht die Stadt, dann basten schon die kleinen Selbstfahrer mit angehängter roter Sturmlaterne aus den Torfahrten und geben Zeugnis dafür, daß Kriegszeit unser gewerbliches Leben wohl umgestalten, aber nicht lähmen kann. Was sonst der Benzinmotor spielend und rasch herbeitrug, bringt das Heer der Selbstfahrer langsam, aber billig und sicher an den Ort der Bestimmung. Und wenn auch manchmal der Herr Selblttahrer verlangend der Zeiten bequemerer Warenbeförderung dentt, — er spuckt noch einmal kräftig in die Hände, greift nach Deichsel oder Schere und legt sich wieder ins Zeug mit dem stolzen Gefühl: Auch ich stehe in der Front! — Eben biegt der wortbeschilderte, und numerierte Milchkarren mit seinem schweren Aufbau in die merklich steigende Seitenstraße. Die Milchfrau muß heute — der Manu ist eingezogen — nicht nur die Milch austragen, sondern auch von der Milch-Zentrale herbeischaffen. Tief zur Erde
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die große Tube die kleine Tube
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starkwirksam, gegen Zahnsteinansatz, zahnfleischkräftigend, mild aromatisch, - und so preiswert!
beugt sie den Oberkörper vor, um den Karren in Gang zu bringen. Da. auf einmal — fast wäre sie vornübergefallen - läuft der Karren von selbst. Ein Mann, offenbar auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte, hat Hand angelegt. Im flotten Tempo geht es die Straße hinauf. Kein Wott wird gesprochen. Zwei Hände heben sich zu Dank und Gruß: Volksgemeinschaft in Nothilfe mit opferwilliger Tat. —n.
Wiesbadener Vororte
W.-Frauenstein. Ein Landwirt stürzte von seinem Wagen und zog sich innere Verletzungen zu. — Nack Fertigstellung der Arbeiten an der Winzerhalle ist unser Stadtteil um ein Schmuckstück reicher. — In der Winzerhalle wird zur Zeit der Rotwein gekeltert, mit dessen Ergebnis der Winzerverein zufrieden ist. — Der Stand der Rebschule ist ausgezeichnet. — Die Obstanlieserungen lassen allmählich nach, da Frauenstein hauptsächlich Frühodstgediet ist.
W.-Jgstadt: Ihren 80. Geburtstag feierte dieser Tage die hiesige Einwohnerin Frau Elise Hörne, Wwe.
Jlus Gau und Provinz
erlag. Er wurde als erster Toter der neuen Gemeinde auf dem neugeichafsenen Friedhof zu Grabe getragen.
— Darmstadt, 26. Okt. Die 12jährige Schülerin Liselotte N e z z e r bat sich am 23. Oktober unerlaubt aus der elterlichen Wohnung entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Sie ist mit Berchtesgadener Jäckchen, Mayern Rock, grauen Kniestrümpfen und braunen Halbschuhen bekleidet. Sie führt ihre Schulbücher und Rollschuhe mit sich. Wer etwa Angaben über den Aufenthalt des Kindes machen kann, wird gebeten, der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen.
— Siegen, 26. Okt. In Büschergrund lief dem 30jäh- rigen Maurer Robert Maag aus Hohenhain, der sich auf der Heimfahrt von der Arbeitsstelle befand, plötzlich aus einer Gruppe spielender Kinder ein Junge ins Fahrrad. Maag stürzte und erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er im Krankenhaus starb.
' — Nordenstadt, 26. Okt. Morgen beginnt die Traubenlese.
— Rüdesheim i. Rhg., 26. Okt. Ihren 75. Geburtstag begehen am 27. Oktober die Wirtin zur „Eroobeer", Frau Gertrude Philipp, und am 30. Okt. der Winzer Balthasar Peary. Beide sind noch gesund und rüstig. — In volksverbundener Weise haben sich SÄ.-Kameraden des Rbeingauer Sturmes eingesetzt, indem sie allsonntäglich frühmorgens nach den neuen Erbhöfen auf der Geisenheimer Heide marschieren und dort den teilweise eingezogenen Erbbauern helfen.
— Nierstein, 26. Okt. In dem am gegenüberliegenden Rheinufer gelegenen "leubouernborf Hessenaue bat sich der erste Todesfall eretgn Ein Einwohner stürzte eine Treppe herab und zog sich so ;ere Verletzungen zu, daß er ihnen
Theater • Kurhaus • Film ~)
Deutiches Theater. Donnerstag. 26. Okt.. 19—21.45
Uhr: „Antonius und Cleopatra". St.-R. 0 8. — F r e i - c» ?kt.. 19—21.15 Uhr: „La Traviata". St.-R. F8.
Reftdenz-Theater. D o n n e r s t a g. 26. Okt.. 19—21.10 Uhr:
»Der blaue Heinrich". — Freitag. 27. Okt.. 19—21.10 Uhr: „Der blaue Heinrich".
Kurhaus. Freit a g..27. Okt.. 16 Uhr: Konzert. Leitung:
August Vogt. Sollst: Th. Dieckmann (Oboe). 20 Uhr:
Konzert. Leitung: Ernst Sckalck.
Brunnenkolonnade. Freitag. 27. Ott.. 11 Uhr: Konzert.
Leitung: W. Soblbach.
Scala-Variete: Weltstadt-Programm mit Henriette Browell. die mysteriöse Kugel und 8 Attraktionen.
Film-Theater.
Thalia: „Eine Frau wie Du".
Ufa-Palast: „Es war eine rauschende Vallnachi" Walhalla: „Das Ekel".
Filmpalast: „Die barmherzige Lüge".
Capitol: „Wer ist so glücklich wie ich".
Apollo: „Wer ist so glücklich wie ich".
Urania: „Schuß am Nebelhorn".
Luna: „Das Mädchen mit dem guten Ruf".
Olympia: „Im goldenen Westen".
Union: „Der Hampelmann".
Der Präsident des RLB.
General von Schröder im Gau
Frankfurt a, M., 26. Okt. Der im Mai 1939 von Generalfeldmarschall Göring zum Präsidenten des Reichsluftschutzbundes ernannte General der Flakartillerie von Schröder traf am Mittwoch in der Gauhauptstadt Frankfurt a. M. ein. Von hier aus beginnt eine Besichtigungsfahrt durch verschiedene Städte unseres Gaues, die dem Präsidenten des RLB. Gelegenheit geben wird, sich von der Luftschutzbereitschaft der Bevölkerung zu überzeugen. Am Abend fand im überfüllten Saalbau ein Amtsttägerapvell statt. Zu Beginn des Avvekls sprach der Stellvertretende Gauleiter Linder. Nachdem General von Schröder die Arbeit des früheren Landesgruppenführers. Oberst Oldenburg, gewürdigt und der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, daß alle Amtsträger wie bisher auch unter dem neuen Landesgruppen- fübrer. Generalleutnant Müller-Michels. Weiterarbeiten, führte er u. a. aus: Unsere Arbeit besteht nicht darin, daß wir jedem einzelnen Volksgenossen alle Mühe abnehmen, sondern wir bemühen uns. durch unsere Aufklärung und Ausbildung besonders jetzt im Kriege jedem deutschen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu helfen. Auch unsere Arbeit muß mit dem Willen getan werden, das Volk moralisch und seelisch zu festigen, damit sich niemals wieder ein November 1918 ereignet. Wenn Besserwisser fragen: ..Wozu dies alles?“ mühen wir sie mit der Güte unserer Argumente gewinnen. Wir find unserer Sache stcher. und wir werden mit der gleichen Zähigkeit und Entschlossenheit Weiterarbeiten wie bisher, dann wird es uns gelingen, auch den letzten Volksgenossen zu Überzeugen. Dies wird um so leichter sein, daß die vom RLB. angestellten Überlegungen richtig und zutreffend waren. General von Schröder zeigte dann noch eine große Zahl von Bildern über die Wirkung von Luft- bombarbements. die ebenso wie seine erläuternden Hinweise von stärkster Wirkung waren.
Fünfzigmal Großmutter. Ein wohl einzigartiger Fall ist das freudige Ereignis, das eine Bäuerin in Maria-Neustift im Gau Oberdonau, die elf Kindern das Leben schenkte, erleben konnte. Dieser Tage, als die Bäuerin zu einer Mütterehrung erschien, wurde ihr das 50. Enkelkind geboren.
Wirlschafisieil
Kriegslöhne und Gehälter
Erhöhung oder Senkung der Arbeitsentgelte untersagt
Von dem Grundsatz ausgehend, daß niemand am Kriege verdienen soll, hat der Rerchsarbeitsniinister in den Zweiten Durchführungsbestimmungen zum Abschnitt III der Kriegswirtschaftsverordnung einen allgemeinen Lohnstopp angeordnet. In dieser Verordnung ist bestimmt worden, daß für die Dauer des Krieges die geltenden Lohn- und Gehaltssätze sowie sonstige regelmäßige Zuwendungen nicht erhöht werden dürfen. Auch die Gewährung einmaliger Zuwendungen mit dem Ziele, die Arbeitsverdienste entgegen diesem Verbot zu erhöhen, ist untersagt. Von diesem Lohnstopp werden jedoch die Erhöhungen nicht berührt, die sich aus den Vorschriften eines Gesetzes, einer Tarifordnung oder einer vom Reichstrcuhänder oder Sondertreuhänder der Arbeit gebilligten Betrieb s-(Dienst-)ordnung ergeben, oder die auf einer Anordnung des Reichstreuhänders der Arbeit beruhen. Damit ist stchcrgestellt, daß Vcrdiensterhöhunaen, die sich aus einem Aufrücken in eine höher entlohnte Altersstufe, Berufs- oder Tätigkeitsgruppe ergeben, nicht ausgeschlossen sind. Da Verdienft- erhöhungen in Auswirkung einer gestiegenen Leistung nicht unterbunden werden sollen, stnd die Akkordverdienste nicht begrenzt worden. Es ist hier lediglich untersagt, feste Sätze oder aus= geprobte Akkorde mit dem Ziele der Erhöhung des Arbeitsverdienstes zu ändern.
Ebenso wie eine Erhöhung der Gehälter und Löhne verboten ist, kann es auch nicht zugelassen werden, daß der Unternehmer von stch aus ohne jede Kontrolle Löhne und Gehälter senkt. Eine Senkung der Arbeitsentgelte ist daher grundsätzlich untersagt. Gebieten die Verhältnisse eines Betriebes dennoch eine Zurück- führung der Löhne oder Gehälter, so muß der Reichstreuhänder der Arbeit hierzu seine Genehmigung geben. Ebenso ist zur Herabsetzung nicht leistungsbedingter Entgelte (Locklöhne) die Zustimmung des Reichstreuhändcrs erforderlich.
Steigerung der deutschen Wollerzeugung. In einem Erlaß an die Gemeinden erklätt der Reichsinncnminifter, cs würde nicht den nationalwirtfchaftiichen Notwendigkeiten entsprechen, wenn.
wie es gelegentlich oorgekommen fein soll, die Beschaffung geeigneter Weideplätze für die Schafhaltung bei den Gemeinden oder Gemeindeverbänden auf Schwierigkeiten stößt. Gegenwärtig sei es mehr denn je erforderlich, die einheimische Rohstofferzeugung zu steigern. Das könne für die Wollerzeugung nur erreicht werden, wenn gleichzeitig die Futtergrundlagen für die Schafhaltung ausreichend stchergestellt und erweitert werden. Der Minister ersucht, die Bestrebungen zur Steigerung der Wollerzeugung tatttästig zu unterstützen und alle zum Beweiben durch Schale geeigneten Flächen und Grundstücke soweit irgend möglich hierfür zur Verfügung zu stellen.
Spiegel der Wirtschaft. Die Zahl der Postscheckkonten ist im September 1939 um 1343 auf 1 294 965 gestiegen. Die Guthaben auf den Postscheckkonten betrugen am Monatsende 1334 Mill. RM, im Monatsdurchschnitt 1294 Mill. RM. — 3m letzten Vierteljahr 1938 wurden von der Reichspost an Empfänger im Jnlande rund 97,6 Millionen Pakete abgefertigt. Das waren 8 % mehr als in der gleichen Dorjahreszeit.
Von den heutigen Börsen
Berlin, 26. Okt. (FM.) Die Umsätze an den Aktienmärkten find eher noch geringer geworden, da von der Bankenkundschaft kaum Aufträge Vorlagen und auch der Berufshandel keine stärkere Unternehmungslust bekundete. Beachtenswett ist jedoch die weitere Befestigung der Steuergutscheine I und die anhaltende Kauftätigkeit am Rentenmarkt. Fest lagen Kaliattien. In der chemischen Gruppe waren die Veränderungen nur klein. Gummi- und Linoleum-, Brauerei- und Bauwerte lagen ausgesprochen still. In Elektro- und Versorgungswetten blieben Kursveränderungen gering. Autowerte lagen freundlich und die Anteile von Mafchinenbaufabttken vermochten stch nicht voll zu behaupten. Reichsaltbefitzanleihe 134%, Gemeindeumschuldung 93,30. Tagesgeld 2% bis 2% %.
Frankfurt a. M„ 26. Ott. (Eig. Drahtm.) Während an den Aktienmärkten die Geschäftstätigkeit vor dem Ultimo weiter sehr gering blieb und stch auch die Kursveränderungen im allgemeinen in engstem Rahmen hielten, setzte am Rentenmarkt lebhafte Nachfrage fort. Lebhaft im Telefonverkehr Steuergutscheine I April, Mai mit 9840 (98,10). Tagesgeld 2%.
