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Nr. 251

Donnerstag, 26. Oktober 1939

87. Jahrgang

Scharfe sowjeirussische Abfuhr für England

Britische Vanngutliste abgelehnt!

Antwort der russischen Regierung an London — „Desorganisierung der Versorgung der friedlichen Zivilbevölkerung mit lebenswichtigen Artikeln" — Kinder, Frauen, Greise und Kranke mit dem Hungertod bedroht — Moskau fordert Entschädigung für die zugefügten Schäden

Wortlaut der Note

Moskau. 26. Okt. (Funkmeldung.) Der stellvertretende Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten P o t e m - k i n überreichte dem englischen Botschafter in Moskau fol­gende Antwort der iowjetrussischen Regierung auf die englischen Noten vom 6. und 11. September 1939 be­züglich des Banngutes:

»Das Volkskommissariat kür auswärtige Angelegen­heiten hat im Auftrag der kowjetrussischen Regierung die Ehre, in Beantwortung der Noten der englischen Botschaft vom 6. und 11. September 1939 folgendes zu erklären:

1. Die durch einseitiges Vorgehen der bri­tischen Regierung erfolgte Aufstellung einer Liste von Waren, die in der Note vom 6. September als Kriegs­konterbande erklärt werden, überschreitet die Grundsätze des internationalen Rechts, wie sie in der internationale» Rechtserklärung über den Seekrieg vom 26. Februar 1909 ihren allgemeinen Ausdruck gesunden bat, fügt den Interessen der neutralen Länder schweren Schaden zu und zerstört den internationalen Handel. Da die britische Regierung aus die von ihr ver­öffentlichte Kriegskonterbandeliste Erzeugnisse und Waren wie Brennmaterial, Papier, Baumwolle, Biehfutter, Schube, Kleider und Rohstoffe für ihre Herstellung und sogar «ine Reihe von Lebensmittel» wie Eetretde, Fleisch, Butter, Zucker und andere Arten von Nahrungsmitteln gesetzt hat. erklärt sie so­mit die hauptsächlichen Artikel des allge­meinen Konsums als Banngut und schafft die Mög­lichkeiten vollkommener Willkür in der Beurtei­lung aller Artikel des öffentlichen Verbrauches als Kriegs­konterbande. Dies führt unfehlbar zu einer tiefen Desorganisier»»» der Versorgung der friedlrchen Zivilbevölkerung mit lebenswich­tigen Artikeln, brloet eine ernste Bedrohung der Ge­sundheit und des Lebens der Bevölkerung und läht eine unberechenbare Not der breiten BolksmaHen vorausahnen.

Bekanntlich verbieten es die durch internationales Recht allgemein anerkannten Grundsätze, die friedliche Bevölke­rung, Frauen, Kinder und Greise, Luftbombardie­rungen auszusetzen. Aus demselben Grunde betrachtet es

Sowjet-Delegation in Berlin

Besichtigung von Industrieanlagen und Rüstungsbetrieben

Berlin, 26. Okt. (Funkmeldung.) Heute trifft in Berlin eine Delegation der Sowjetregierung ein. Die Delegation ktebt unter Führung des Volkskommissars Tewohja» und wird begleitet von dem General der Artillerie Sawtschenko.

Nachdem bei de» Wirtschaftsverhandlungen in Moskau in den letzte» zwei Wochen eine Einigung über Lieferungen der Sowjetunion nach Deutschland erfolgt ist, insbesondere über die Lieferungen grober Menge» von Getreide, Erd­öl uud Erdölerzeugnissen, Holz, Baumwolle, Rohpostaten, ferner von Flachs, Platin, Mangan­erz ll»d anderen Erzen, gehen zur Zeit in Moskau die Ver­handlungen über die deutsche» Warenlieferungen weiter, die sich nach dem Briefwechsel zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop und dem Präsidenten des Rates der Volkskommissare der UdSSR., Molotow, vom 28. September 1939 aus längere Zeit erstrecken werden. Bei diesen Lieferungen an die Sowjetunion handelt es sich neben gröberen Lieferungen von Maschinen der verschiedensten Art auch um grobe iudustrielle Anlagen, bei denen Deutschland der Sowjetunion ferne neuesten Erfahrungen auf dem Gebiet der künstliche» Herstellung von Benzin. Kautschuk und anderem zur Verfügung stellen will. Die in Berlin eintreffende Delegation bat von der Sowjet- regieruug den Auftrag erhalte», sich zu diesem Zweck an Ort und Stelle zu informieren. Bei dieser Gelegenheit wird eine Besichtigung von Industrieanlagen, wirtschaftlichen Einrich­tungen, Rüktungsbetrieden usw. ftattfrnden.

die Sowietregierung als unzulässig, dah die friedliche Be­völkerung durch die Erklärung von Artikeln des öffentlichen Verbrauches als Banngut von Lebensmitteln, Brennstoff und Kleidern beraubt ist und dadurch Kinder, Frauen, Greise und Kranke allen Arten von Entbehrung und dem Hungertod ausgesetzt sind.

Von den oben erwähnten Erwägungen ausgehend, kann sich die Sowjetregierung mit der Note der britischen Regie­rung vom 6. September nicht einverstanden erkläre» und lehnt es ab, dieser Note irgendwelche Kraft zuzu- erkennen.

2. Die kowjetrussische Regierung erklärt ebenfalls, dab sie mit der britischen Note vom 11. September nicht einver­standen ist und dieser Note keine Kraft zuerkennt, in der durch einseitiges Vorgehen der britischen Regierung die Errichtung eines Systems der Durchsuchung von Handels­schiffen neutraler Länder in zu diesem Zweck von der britischen Regierung besonders bezeichnete» Häfen mitgeteilt wrrd.

Die Sowietregierung betrachtet es als eine vollkommen unbegründete nnd willkürliche Forderung, dab die oben erwähnten Schiffe gezwungen sind, in diese Häfen einznlanfen, eine Forderung, die durch die Drohung der gewaltsamen Einbringung der Schiffe in diese Häfen erschwert wird. Solche Mabnahmen überschreiten die Grundsätze der elementare» Freiheit der Handelsschiffahrt. Sie entsprechen gleichfalls nicht der internationalen Haager Sckiedsgerickks- erklärung vom 26. Februar 1909 ebenso wie der Entscheidung des Internationalen Haager Schiedsgerichtes vom 6. Mar 1913 in der Angelegenheit des französischen Schiffes »Carthage". Gleichzeitig mub die sowjetrusülche Regierung erklären, dab die sowjetrussischen Handelsschiffe dem Staat gehören und schon aus diesem einzigen Ernnde irgendwelchen gegenüber privaten Handelsschiffen angewandten Zwangs- mabnahmen nicht unterworfen werden dürfen.

3. Sich auf das Borangegangene stützend, behält sich die sowjetrusüsche Regierung das Recht vor. von der britischen Regierung Entschädigung für durch die oben erwähnten Mabnahmen der britischen Regiernn» den sowjetrukftschen Organisationen. Institutionen und Bürgern zugefügten Scha­den nnd für Aktionen der britischen Behörden rn fordernd Die Note ist von Volkskommillar Molotow unterzeichnet.

Der Bericht des Oberkommandos

Franzöftscher Gegenangriff westlich Völklingen im deutschen

Feuer liegengeblieben

Berlin, 26. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Der Feind versnchte gestern, die 12 Kilometer westlich Völklingen dicht an der Grenze gelegene Höhe, die unsere Truppe» am Tage vorher genommen hatte», zurückzugewinnen. Sei» Angriff in der Stärke eines Bataillons blieb noch auf französischem Boden in unserem Artillerie- und Maschiuen- gewehrfener liegen.

Sonst keine nennenswerten Kampfhandlungen.

Mussolini hat am Mittwoch an Bord eines drei­motorigen Bombers einen Jnsvektionsflug über die thyrrenische Küste und das Gebiet der ehemaligen vontinischen Sümpfe durchgeführt.

Europäische Mission

Don Heinrich Karl Kunz

Die bitteren Erfahrungen, die der Führer in den letzten sechs Jahren machen mutzte, vermochten nicht seinen Glau­ben an Europa und die Überzeugung, datz die weihe Rasse ihre Aufgabe noch lange nicht ausgeschöpft hat, zu erschüttern. Der Führer erkannte, datz die europäischen Völker auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind und setzte aus nationalen Antrieben heraus der fatalisti­schen These vom Untergang des Abendlandes seine schöpfe­rische Lebensbejahung entgegen. 2m völkischen Boden wurzelnd, reckt er sich in übernationale Matze empor. 2m besten Wortsinn: Ein grober Europäer! Ein Begriff, der nichts mit dem albernen Gefasel pazifistischer Einfaltspinsel und „paneuropäischer" Salonaktivisten zu tun hat, die den R a s s e n b r e i als Voraussetzung der europäischen Solidarität proklamierten. Das H o ch - bild Europas, das der Führer in uns aufrichtete, ist ein Europa gesunder und starker Völker, die sich ihres Eigen­wertes und ihrer Eigenart bewuht sind. Die weihe Völker­familie, deren Glieder — auf den Boden absoluter Gerechtig­keit gestellt — um den LorbeerderhächstenLeistun- gen ringen. Ein Europa der aufbauenden Arbeit, des friedlichen Wettbewerbs, ein kulturschöpferisches Europa von antiker Gröhe, die in den Bauten des Führers ihren sinnfälligsten Ausdruck fand.

Als Träger des deutschen Selbsterhaltungswillens be­gann der Führer den Kampf gegen das Schand­diktat von Versailles, der heute in das entschei- dende Ringen um die Erneuerung Europas einmündet. Ein Kampf gegen Gewalt und Ungerechtigkeit, die nicht nur Deutschland zu erdrosseln drohten, sondern auch unseren Kontinent in politische Zerrissenheit und wirtschaft­liches Elend stürzten. Jede Handlung Adolf Hitlers wurde dabei ebensosehr von der Verpflichtung gegen das eigeneVolk, wie von der Verantwortung gegen­über Europa bestimmt. Der Führer versuchte unermüd­lich, wie Reichsauhenminister von Ribbentrop in seiner Danziger Rede nochmals unterstrich, die Wiederherstellung der deutschen Lebensrechte auf dem Verhandlungswege zu erreichen. Erst wenn das Wort, der Appell an die Einsicht und den guten Willen versagte, setzte er die Tat an seine Stelle. Und es erfüllte ihn mit gröhter Genugtuung, dah es seinem staatsmännischen Geschick gelang, ohne einen Tropfen Blut zu vergiehen, die deutsche Webrboheit zu erneuern, das Rheinland wieder unter den Schutz der deut­schen Waffen zu stellen und die deutsche Ostmark, den Sudeten­gau und das Memelland heimzuführen. Nicht ein tyran­nisches Reich, auf den Trümmern des Abendlandes aufge­richtet, roarjetn Ziel, sondern ein glückliches Deutsch­land in einem blühenden Europa. In diesem Bestreben, auf das in ähnlicher Lage befindliche Italien aus­gedehnt, fanden sich der Führer und der Duce, vereint in der Forderung nach Gleichberechtigung und Gerechtigkeit, ohne die keine Staatengemeinschaft gedeihen und kein wahrer Frieden sich entfalten kann.

Die Solidarität der weiten Rasse, die die Kriegstreiber in London, wenn es um ihre egoistischen Wünsche geht, so gern im Munde führen, ist ein Ideal, das das unsinnige Menschenmorden des Weltkrieges tief in die

Chamberlain leugnet Gistgaslieferung

Eine »kategorische" Lüge des englischen Premierministers — Das furchtbare Verbrechen Englands ist nicht abzustreiten

Die volksdeutsche Umsiedlung

Reickskübrer ff mit der Durchführung beauftragt

Berlin. 25. Okt. Der Führer hat den Reichssührer ff durch Erlag vom 7. Oktober d. 3. beauftragt, für die Rück­führung der endgültig ins Reick bermkehrenden Aus­lands- und Bolksdeutfcken Sorge zu tragen. Der Reicksführer ff hat ferner den Auftrag.erhalten, die zur Ge­staltung neuer deutkcker Sredlungsgebiete erforderlichen llmsied.'nngsmahnahmen zu treffen und damit im Zusammenhang stehende Aufgaben zu löten. Der Reichs­führer ff wird sich zur Durchführung seines Auftrages der vor- handeuen Behörden und Einrichtung bedienen.

Dem Beispiel Japans und Mandschukuos folgend hat die vorläufige Regierung in Peking beschlollen. den nordchinesischen Buan ebenfalls von der Ster­ling-Währung zu lösen und zu einem Wechselkurs von 28’/m Dollar per 100 Vuan mit Wirkung vom 25. Oktober mtt der Dollar-Währung zu verbinden.

Dokumentarische Beweise

London, 25. Okt. Im Unterhaus wurde Chamberlain gefragt, ob er eine Erklärung zu den wiederholte» Be­hauptungen Deutschlands abzugeben habe, datz Eroh- britannien Pole» Giftgas geliefert habe. Chamberlain erklärte, er nehme gern die Gelegenheit wahr, um kate­gorisch festzustellen, Sah von England niemals Giftgas in irgendeiner Form an Polen geliefert worden fei.

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Seh. Datz die Lüge ein wesentliches Instrument der britischen Politik ist, brauchte Chamberlain durch sein Dementi nicht erneut zu belegen. Bekanntlich hat die frühere polnische Gesandtschaft in London schon die ersten Meldungen über die Verwendung von Eelbkreuzgas durch polnische Truppen abgestritten. Wobei bemerkenswert ist. datz diese Nachrichten vor allem auch in der neutralen Auslandspreise stark verbreitet waren. Vor 14 Tagen veröffentlichte nunmehr die deutsche Presse den unwiderlegbaren dokumentarischen Beweis dafür, datz England Eiitgasmunition in erheblichem Umfang an Polen geliefert hatte. Ein Beweis, der vor allem durch die Diagnose eines bekannten Schweizer Professors sowie durch neutrale Feststellungen und polnische Aussagen er­härtet wurde. Prompt iah sich der Londoner Rundfunk

veranlatzt. mit einem einzigen Satz dieses erdrückende Be- weismaterial abzutun. Wir haben damals bereits darauf hingewiesen, dah sich Deutschland mit einem solchen Dementi, das auf die eindeutigen Argumente unserer Beweisfüh­rung überhaupt nicht eingeht, aus keinen Fall abfinden kann. Nunmehr sah sich Herr Chamberlain durch eine Anfrage im Unterhaus gezwungen, zu der deutschen Anklage Stellung zu nehmen. Der britische Premier hat sich bewogen gefühlt, in die Fußtapfen der Mac Millan. Churchill und Konsorten zu treten und „kategorisch. festzustellen, dah von England niemals Giftgas in irgendeiner Form an Polen geliefert joorben ist".

Es mag gewih peinlich für einen englischen Regierungs­chef sein, nach all den vielen Reden über humanitäre Kriegführung nunmehr jenes furchtbare Verbechen einzugestehen. Herr Chamberlain hätte aber auch erwägen müssen, dah er mit dieser frechen Lüge seine und seines Landes Ebre erneut beschmutzt. Oder sollen wir vielleicht annehmen, dah der britische Premier von den Eistgasliefe- Tungen Englands an Polen keine Ahnung gehabt habe? Die Schluhsolgerungen sind die gleichen. Die Tatsache der englischen Gistgaslieferung steht uner­schütterlich fest: der Makel dieses Verbrechens reiht itck würdig den bewährten Methoden brutaler britischer Gewaltpolitik an.