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Seite 2 Nr. 218

Wiesbadener Tagblatt

Montag. 23. Oktober 1939

ßanptid?riftleiter: Fritz Güntbet; Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Heinrich Lari Runz; Veranttoortlich für den politischen-tleil: Heinrich Lari Lunz; für Luu-, Unterbaltung und Sport: Dr. Heinrich Lkichert; für Stadtnachrichten, Vororte und wirtschaftsteil-. Willi Pempel; für Schlußdienst und Allgemeines. Hans Scharr; für den Bilderdienst: die betr. Ressortleiter; für den Anzeigenteil: Otto Kaiser; sämtlich in Wiesbaden. Gesamtleitung: Dr phtt. babü. Gustav Seb e Henberg und Otto Kaiser. Zur Zeit ist Preisliste Nr. L gültig. Druck und Verlag: L^chellenderg'sche Buchdruckerei, Wiesbadener Tagblatt, Wiesbaden

Die heutige Ausgabe umfafct 8 Seiten

Heimkehr deutscher Südtiroler ins Reich

Abkommen über die Umsiedlung unterzeichnet Freie Entscheidung der Volksdeutschen Rückführung der Reichs­deutschen innerhalb von drei Monaten

Bei der geplanten g r o h -

Rom. 22. Okt. Der Minister für auswärtige Angelegen­heiten. Graf G. Ciano. der deutsche Botschafter in Rom, von Mackensen, und Gesandter Clodius haben am Tomstag das Abtommen über die Umsiedlung von Reichs­deutschen und Volksdeutschen aus Südtirol in das Deutsche Reich unterzeichnet. . *

Zahlreiche Probleme, die durch die Umsiedlung einer Be­völkerung von einem Lande in das andere entstehen, wurden eingehend geprüft. Alle auftauchenden Schwierigkeiten wur­den in freundschaftlichem Geiste geregelt. Das ist ein neuer Beweis dafür, dah die beiden Regierungen in, gemetmamer Zusammenarbeit für die schwierigsten Fragen, die,, in anderen europäischen Staaten zu schweren Konflikten geführt haben, eine befriedigende Lösung zu finden wissen.

Durch das Samstagabend unterzeichnete Abkommen wer­den alle die Umsiedlung der Volksdeutschen aus Südtirol, in das Deutsche Reich betreffenden Fragen im Sinne der kürz­lichen Berliner Vereinbarungen geregelt, und »war lowoql hinsichtlich der Rückwanderung als auch hinsichtlich der Mit­nahme des beweglichen Eigentums und des Vermögens.

Grundsätzlich sollen die in Südtirol wohnhaften Reichs­deutschen innerhalb von drei Monaten nach Veröffent­lichung der gemeinsam aufgestellten Richtlinien in das Deutsche Reich abwandern. Die Umsiedlung der Volksdeutschen ist freiwillig. Das Abkommen sieht ferner vor, dah bis »um 31. Dezember 1939 alle in Südtirol wohnhaften oder aus diesem Gebiet stammenden Volksdeutschen . frei. und nnbe- einsluht eine Erklärung abgeben, ob sie tm italienischen Königreich bleiben und die italienische Staatsangehörigkeit behalten oder ob Re die deutsche Reichsangehörigkert .an­nehmen und in das Deutsche Reich übersiedeln wollen. Diese

Buenos Aires. 22. Okt. Die kürzlich gebildete ..Ver­einigung zur Wiedererlangung der M a I p inen-Jnseln. die sich die Propaganda für die Heimkehr der von England geraubten Malvinen oder Falklandsinseln ms argen­tinische Mutterland zur Ausgabe gemacht hat. hielt ihre eilte Arbeitssinuna in Buenos Aires ab. Angesichts der zahl­reichen Zustimmungserklärungen »u den Bestrebungen »es Bundes wurde die Gründung entsprechender Unterausschüße in ganz Argentinien beschlossen. Bei der geplanten g r oh - angelegten Propaganda soll dem argentinischen Volk ohne Ansehen der parteipolitischen.Einstellung gesteigert zum Bewußtsein gebracht werden, dah die alte Forderung am Rückgabe des durch England geraubten Archipels endlich be­glichen werden muh.

Erklärung ist endgültig und verbindlich. Die, Um­siedlung jener Volksdeutschen, die die deutsche Re,chsangehor,g- keit annehmen, wird bis um 31. Dezember 1942 durchgefuhrt.

Das Vermögen der Abwandernden kann auf dem freien Markt oder durch Vermittlung einer staatlichen Gesellschaft der Ente Razionale per le tie venezie. verankert werden. Es wurden die erforderlichen Mahnahmen »erern? bart, um die Überweisung des Gegenwertes möglichst einfach und in kürzester Zeit unter weitestgehender Berücksichtigung der Interessen des einzelnen und der Gesamtheit vornehmen zu können.

Argentinien drängt!

Die von England geraubten Malvinen müssen znrückgegcben werden

Der Löwe hat Flügel"

The lion has wings" (Der Löwe bat Flügel), so lautet ein englischer Reklamefilm, der den angeb­lichen Angriff britischer Luftstreftkrafte aufKiel verherrlicht. Wre erinnerlich, brachte das englische Lugen-Ministerium sehr bald nach den so verlustreichen Angriffen englischer Flieger auf Wilhelmshaven als Ausgleich dieser schweren Schlappe die Meldung heraus, es seien gleichzeitig mit An­griffen auf Friedrichshafen»am Bodensee auch solche auf Kiel durch englische Flieger mH vernichtendem Erfolge durch­geführt worden. Einen Tag später hieß . es bann, ber Kommanbeur ber angreifenden Staffel sowie der englische Aufklärungsflieger seien mit hohen Orben ausgezeichnet worden. Nun bat man auf englischen Flugplätzen und unter Benutzung englischer Häfen von diesen angeblichen Angriffen einen Finn in England gedreht, der zunächst unter streng­stem Ausickluß der Öffentlichkeit nur 30 höheren Beamten gezeigt worben ist und demnächst tm Auslande verbreitet werben soll.

Wie erinnerlich hat es solche Fliegerangriffe auf Kiel ober Friebrichsbafen , bisher nie gegeben.. Das amtliche beutsche Dementi glaubte man in England einfach nicht. Als dann in Deutschland eine ganze Anzahl ausländischer 3our= nalisten sowohl in Kiel wie m Friedrichshafen ganz nach Belieben die Städte und ihre. Umgebung besichtigen und gleichwohl nirgends auch nur.die kleinste Beschädigung fest- stellen konnten, behauptete plötzlich der engltsche LuftfabrH Minister Kingsley Wood, niemals habe England amtlich solche Angriffe gemeldet. Nachdem also Ordensauszeichnungen für Angriffe verteilt worden waren, die gar nicht, statt­gefunden haben, dementiert ein englisches Kabinettsmltglled die eigenen amtlichenMelbungen emscklleßlick lener.Orbens- verleibungen! Das schallende Gelächter, mH dem die Welt­öffentlichkeit damals diese bornierte Lugenstumperei Quittierte, hat nun die Engländer schliehlich zur Herstellung jenes Schwindelfilms getrieben.

von Hermann Leitz)

lieb von Strabburg, ber wunberschönen Stabt . . .

ein

bes

gut

roieberfebrt.

Di«

Der Kopf des Postens vor Gewehr erscheint vor dem Loch: ..Eine Kuh vor dem Drahtverhau!" Schnell hinaus!

Dein Sohn und ber mutz sterben, im weit unb breiten Selb.

Im weiten und breiten allvorwärts vor dem Feind, dieweil ein schwarzbraun Mädel so bitter um ihn meint.

Argonnerwald, Argonnerwald, ein stiller Friedhof wirst du bald. In deiner stillen Erde ruht

so manches tapfere Soldatenblut. .

.....Annemarie!

Es braucht ja nicht grab einer sein von meiner Kompanie!"

Minenkub

Auf Gefechtsvorposten tm Westen Bunker 00" und feine Mannschaft

Das war das nächste Lied. Wie bock alle die Worte kennen, so, als wären es lauter alte Kriegsteilnehmer, die dieses Stell schon vor Verbun gelungen haben. Dann folgt ..Im Feldauartier auf hartem Stein", unb es ift nahezu rührend, wie sie'den Vers fingen, in bem bie Liebste ermahnt wird, nicht zu meinen unb zu klagen, roenn ihr Soldat nicht

2a, Kamerad" so meint bet Halbzugsührer, .... Gymnasiallehrer aus Siebenten?bas ist unsere Stimmung hier in ber vorbersten, kämpsenden Front. Alles zu seiner Zeit. Die fröhlichen Ulk-Lieber imponieren hier nicht mehr, Re geben unseren Männern auch nicht bas, was ihnen so ein rechtes beutiches Soldatenlieb bebeuten mag. Sie werben hier in bei vordersten, kämpfenden Front wohl kaum andere Lieber hören!"

Wahrlich, er bat Recht! Wenn ich es nicht aus alter Fronterfahrung selbst gemutzt hätte, bieBesatzung" t:. Bunkers Rull Null hätte es mir bewiesen.

Die guten Beziehungen zu Berlin ungetrübt

Erklärungen des japanischen Aubenministers

England hat Indien in den Krieg gezerrt"

warfen an kriegführende Nationen frci»ugeoeit. Hoover erklärte, er befürworte nicht eine haargenaue Gruppierung sämtlichen Kriegsgerätes in Angriffs- unb Verteidigungs­waffen. obwohl et 1932 und auch Roosevelt 1935 eine solche Unterscheidung vorgeschlagen hätten, ionbern er fordere me Beibehaltung bes Waffenausfuhr verbot es für sämtliche Waffen, welche Kriegsschrecken auf die Zivilbevölkerung loslieben. Diese Waffengattungen seien so leicht fei'tftellßar. daß in Europa jedes Kind darüber Aus­kunft geben könne. Er erklärte, sein Vorschlag entspringe gleichfalls dem Wunsche, die Frage des Wanenausiuhrver- botes auf einen von beiden Seiten annehmbaren General­nenner zu bringen. Denn er bedauere, dab der Meinungs- konflikt über das Waffenausfuhrverbot zu einer Erbitterung geführt habe, welche die Solidarität des ÜSÄ.-Volkes be­drohe. Hauptsache sei. die Vereinigten Staaten aus dem Krieg herauszuhalten.

Tokio, 21. Okt. (Ditaiienbienit des DNB.) Außenminister Nomura gab am Freitag in einem Interview für die japanische Presse außenpolitische Erklärungen ab. Er führte u. a. aus:

Nach Abschluß des Nichtangriffspaktes zwischen Berlin und Moskau ist fälschlich behauptet worden, dah Japan den Antibominternpakt auf- gegeben habe. Japan wird jedoch zu diesem Pakte neben und ihn als Richtlinie seiner Staatspolitik be­trachten. Die Beziehungen zu Deutschland und I t a I i e n auf Grund bes Antikominternpaktes finb burdj den deutsch-russischen Pakt nichtbeeinflutzt worben.

Zum europäiichen Krieg sagte Nomura, dah eine Vor­aussage schwer sei. Es sei aber wohl anzunehmen, dab trotz bes beutschen Friebenswillens ber Krieg von langer Dauer lein werbe.

Zur Fernostlage betonte Nomura, anscheinenb als Antwort auf den Einschüchterungsversuch der Vereinigten Staaten, dah Jovan stark genug sei unb entschlossen, bie Neu- oibnüng im Fernen Osten burchzufübren. jeboch nicht aus- schliehlich unb engherzig, wie gewisse Staaten immer wieber behaupteten. Entschlossen, aber nicht engherzig, also zwei Richtpunkte nach benen bie Beziehungen zu britien Staaten im neugeordneten Ostasien geregelt würben.

Nomura kam bann auf bie Beziehungen zu Eng- lanb unb Frankreich zu sprechen. Sie würden, so sagte er, dadurch bestimmt, ob die beiden Länder bie neue Lage in China anerkennen. Hiervon mache Japan auch weitere Ver­handlungen mit England abhängig.

Hinsichtlich der Vereinigten Staaten betonte Nomura, bah Japan und Amerika bie gemeinsamen Interessen hätten, den Frieden im Stillen Ozean aufrechtzuerhalten und sich in den europäischen Krieg nickt einzumischen. Japan müsse aber von Amerika Verständnis für die neue Entwicklung im Fernen Offen verlangen und eine Berücksichtigung der neuen Lage an Stelle der einseitigen Forderungen Amerikas.

Zum Schluß unterstrich Nomura, dah Japan fried­liche Beziehungen mit der Sowjetunion wünsche. Hierfür sei das Nomanhon-Abkommen ein erfreu­licher Anfang. Alle anderen Fragen sollten in diesem Sinne gelöst werden.

Die. sogenanntesüdwärts gerichtete Politik" Japans sei durchaus friedlich und rein wirtschaftlich. Javan brauche jedoch die dortigen Rohstoffe unb erwarte, bah die Zufuhren nicht gestört würden.

Hoovers Stellungnahme zum Waffenembargo

Eine Rundfunkrede des früheren USA.-Vräfidenten

New Bork, 22. Okt. Der frühere Präsident der Ver­einigten Staaten Hoover nahm in einer Rundfunkrede zu dem Vorschlag Stellung, nur bie Ausfuhr vonVerteidigungs-

(?. L. -Sonderbericht

Es ist gewiß nicht so, daß der deutscke Soldat in den Bunkern an der Westfront ein beneidenswertes Dasein führe, so ein frisch-fröhliches Soldatenleben, das nur an­genehme Seiten kennt. Wer das glaubt, der irrt gewaltig. Acht Tage Bunker könnten ihn schnell eines Besseren be­lehren.

Daß der Landser es versteht, auch dem Bunkerleben angenehme Seiten abzugewinnen. bas ist nur selbstverständ- lich unb richtig. Die Heimat gönnt ihm bas auch von Herzen unb freut sich bariiber. Aber weit vor ben Bunkern liegen in behelfsmäßigen Löchern bie beutschen Eefechtsposten, bie wahren Selben biefer Tage. Was weiß bie Heimat schon, was es heißt. Tage unb Nächte unb Wochen ba vorn zu liegen, fast ohne Schlaf unb Ruhe, nahezu schutzlos den Un­bilden der Witterung ausgesetzt, im Angesicht des Feindes. In einer Stellung womöglich, in der jede Bewegung gegne­risches Artilleriefeuer heraufbeschwört. In ständiger Bereit­schaft zum Kampf mit dem Feind, die Handgranate am Koppel, die Pistole in der Rocktasche, bas Gewehr griff­bereit! Da liegt man sich gegenüber, ber Poilu auf ber anderen Seite ebenso im Lehm und Dreck, und weiß, daß im nächsten Augenblick das gegenüberliegende feindliche ME. loshämmern kann. Vielleicht hat es die für dich be­stimmte Kugel schon im Lauf? Vielleicht wird auch die nächste Salve einer feuernden feindlichen Batterie nicht auf das rückwärtige Dorf im Tal, sondern hierher auf deine Stellung gerichtet sein? Vielleicht, daß der nächste Granat­einschlag dir gilt, deinem Kampf ein Ende setzt. Viel­leicht . . . ? Wer weiß es!?

Entschlossen und doch fröhlich

Hier in dieser vordersten, kämpfenden Front ist daher die Stimmung nickt weniger zuversichtlich und entschlossen, aber naturgemäß nicht io voll lauter Fröhlichkeit, als dies weiter rückwärts gelegentlich der Fall sein mag.

Bunker 00 so nennen sie scherzhaft bas Vorpostenloch, das sich bie hier liegenben Männer aus bem Gau Hessen-Nassau, ben Kreisen Biebenkopf und Dillen­burg, in einer weit vorgeschobenen Stellung der Westfront leidlich eingerichtet haben. Ein paar Balken drüber und et­was Erde, ein Loch zum Hineinkriechen und derBunker" ist fertig!

Nie seit dem Weltkrieg habe ich. Soldaten wieder so innig Rügen hören, als hier in diesem Erdlock. hundert Meter vor dem Feind. Es ist wie damals int Groben Krieg, erst die vorderste Front, di« ständige Gefahr, bas gemein­same, große, auch schwere Erleben. Entbehrungen unb Stra­pazen schweißen einen iu jener unverbrüchlichen Kamerab-

Wir gönnen ben Englänbern gern bie neue Selbstbloß- iteUung unb wollen nur noch hinzufügen, daß ui den nächsten Tagen Photographien von. den schweren Einschlagen deutscher Fliegerbomben auf englischen Kriegsschiffen Peroffenthebt werben. Diese Pbotos durften auch brausen in bei Welt eine ungleich größere Beweiskraft haben alsi en e r e na hl die Film, ben man nach bet Feitlgstellung eist so streng geheim gehalten hat.

Wer hat versagt?

Das beutsche Versagen sowohl zur See als auch in ber Luft wirb in neutralen Landern .ausführlich besprochen Diesen urkomischen Satz produzierte letzt der englische Rund­funk ausgerechnet am Ende der Woche, die die blshm schwersten Verluste für England gebracht batte! Man kann aus diesem Satz entnehmen, wie peinlich der. englischen Regie­rung unb nicht zuletzt ber engluchen Admiralität die wirk­lichen Gespräche in ben neutralen fianbern sind, wo man noch immer die Versenkbarkeit bisher für unversenkbar gehaltener britischer Grotzkampfschiffe durch, deutsche Bomben unb Tor­pedos und die Angreifbarkeit selbst des stärksten und vermeiM- lich sichersten englischen Flottenitutzpunktes erörtert D« diese TiskuMoncn bie logische Schlußfolgerung von bem Zusammen­bruch bes britischen Seevrestmes zogen.. suchte man in London verzweifelt nach einem Mittel, diesen peinlichen Er­örterungen in bei Weltöffentlichkeit ein Ende zu Mchen Das Resultat bei gemeinsamen Anstrengungen des Nachdenkens der englischen Behörden war die verhluffeicke Entdeckung des deutschen Versagens zur See und in der Luft .

Wir überlassen bas Urteil über diese Affäre mit Ver­gnügen denjenigen, bie seit einigen Wochen chr inneres Resvektverhältiiis zu bem für allmächtig gehaltenen Eng­land gründlich renibieren müssen.

schäft zusammen, bie als eine einmalige, wundervolle Offen­barung in vorderster Kampffront erblüht unb auch gerade Hier ihre höchste unb schönste Bewährung findet.

Jetzt sitzen bie Lanbier wenige Schritte davon bie Posten am Gewehr, ben Blick unverwanbt zum Gegner ge­richtet, in ihrem Loch zwischen Schanzen, Wachen unb Kämpfen beisammen. Ihre aus ber Tiefe bes deutschen Gemüts entsprossenen Volkslieder füllen ben Raum. Eine Mundharmonika klingt auf unb bie Männerstimmen fallen ein. Der Ebor ber Männer singt bas wehmütige Soldaten-

Wahrhaftig. ba trollt sie über bie Wiese am Wall» entlang. Der Franzose hat sie vorgetrieben: von ungefähr kommt bas Tier nicht hierher, wo sich sonst kein Vieh mehr befinbet. Der Franzmann will Ücker feststellen, ob bie Wiese verwirft itt eine Frage, bie ihn natürlich sehr bewegen muß, auch wenn er nur beabsichtigen sollte, einen kleinen Spähtrupp vorzutreiben. Da heißt es also, heute ganz besonders gut aufgepaßt. Es sind Beispiele bekannt, wo der Franzmann ganze Herden von Kühen durch Walder und über verminte Wiesen getrieben hat. Unsere Kuh tut nun allerdings bem Franzmann nicht ben Gefallen, sie trottet seitwärts in eine Senke unb bleibt verschwunben.

Das Dorf wird beschossen

Weit hinter der französischen Stellung dröhnen. Ab­schüsse feindlicher Artillerie auf. Kaliber 10,5! Heulend ziehen bie Geschosse ihre Bahnen über, uns, um sich bann laulenb unb gurgelnb hinabzustürzen in bas Tal, wo die Sauser eines traulichen, deutschen Dorfes stehen. Die ersten Schussv liegen zu weit am jenseitigen Hang. Jetzt aber! Volltreffer mitten auf die Straße, ein anderer in ein Haus unb nun kommen sie angewirbelt, stürzen sich wie ein Rudel heulen­der Wölfe über die Häuser einer ganzen Straßenseite. Dach harren wirbeln empor unb bas Krachen der berstenden Granaten brickr sich an ben Hängen bes Tales. Dicke Staub« unb Rauchwolken hängen über bem Dorf. Wo noch vor wenigen Wochen beutsche Familien im Frieden ihrer dörf­lichen Gemeinschaft wohnten, haust jetzt bas Grauen. Was aber suchen Re nun eigentlich bort oben tm Wald? Jetzt schlagen bie Granaten bes Feindes etwa 1000 Meter weiter rückwärts an einem Waldrand ein. Salve um Salve liegt bort. aber es steht beileibe nicht so aus. als ob stck in ber Gegend auchnur ein deutscher Soldat oder gar irgendeine Stellung befände.

Fliegerdeckung! hallt ein Ruf! Natürlich, die feind­lichen Aufklärer sind auch schon da. Unsere Flak setzt ihnen kräftig zu. Rechts unb links, oben unb unter ihnen zer­springen mit scharfem Knall bie weißen Eranatwolkchen. unb bas Rattern einiger Maschinengewehre beweist eben­falls, daß schon bie deutiche Flugabwehr dafür sorgt, das den Aufklärern der Spaß gründlich oerborben wird. Sie drehen daher schnell ab und suchen ihr Heil in der gluckt.

Jüdisches Palästinadorf als Sprengstofflager

Der Rabbiner unter den Verhafteten

Rom. 22. Ott. WieTeuere aus Jerusalem erfährt, wurde in einem jüdischen Dorf im Distrikt Tel Aviv em ge­waltiges Lager von Explosivstoffen entdeckt. Unter ben non der Polizei Verhafteten befindet auch auck em Rabbiner. Wie groß die Unsicherheit und Unruhe im Lande ist. beweisen die längsten Nachrichten, denen zufolge auf der Strage nach Bethlehem Schüsse auf eine leitende arabische Persönlichkeit abgegeben wurde und eine Gruppe von bewaffneten Em- geoorenen einen Anschlag auf ein Polizeiauto verübte.

indischen Nationalkongresses

treten, daß der Wunsch Indiens nach Selbst- reaierung erfüllt werden müsse. ,

Wie diese plötzliche Bereitschaft zuerklären nt. geht u a. aus einer Meldung desDaily Erpreß hervor, der niil allen Zeichen des Mißbehagens die Nachricht aus Neu-Delln registriert daß der Präsident ber ...Kongreß- p art ei nunmehr auf die negativen. Ausfichiungen des indischen Vizekönigs hin von ben acht Ministern ber^mgreß- partet bie angekündigten Rucktrittsgesuche erbalten habe Der Präsident habe im übrigen selbst erklärt, daß tue Antwort des Vizekönigs absolut ungenügend sei... Die einzige Frage sei bie. wann bie ÄongieBtniniiter äurucftiaten.. und ob der Kongreß gegenüber bei britischen Verwaltung eine neutrale Haltung einnehme oder zum offenen Kampf übergehen werde.

Vrotettentschließung des

London. 22. Okt. Associated Preß zufolge erklärte der Ministerpräsident der Provinz Bombay und Mitglied des indischen Nationalkongresses Kur. die. gesetzgebend Ver­sammlung befasse stch mit einer Entickließung. in der das Be­dauern zum Ausdruck gebracht werde, daß Englaiw. ohne Zustimmung bes indischen Volkes Indien m ben Krieg hineingezerrt habe.

Auch die englische Labour Party wendet stick jetzt in einer entrüsteten Erklärung gegen bie Indien-Politik der britischen Regierung. Die Labour Party habe. mittiefem Bedauern", so heißt es. von der Haltung Kenntnis genommen, die die britische Regierung Indien und .dem Krieg gegen­über einnehme. Die Labour Party seistets damr emge-