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Nr. 245
Donnerstag, 19. Oktober 1939
87. Jahrgang
Die Westfront feit Nriegsbeginn
Umfassender Überblick des Oberkommandos der Wehrmacht über die Kampfhandlungen
Berlin, 19. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Zwischen der Saar und der Strahe Hornbach—Bitsch warfen unsere Truvven die noch aus deutschem Boden befindlichen feindlichen Nachhuten nach kurzem hartnäckigem Kampf auf und über die Grenze zurück.
Verfehlte Spekulation
Von Willi Pempcl
An den übrigen Abschnitten der Westfront nur örtliche Artillerie- und Spähtrupptätigkeit. An einigen Stellen ist die Fühlung mit dem Feinde vorübergehend verloren gegangen, da ^unsere Gefechtsvorposten die französische Grenze nicht überschritten haben.
Damit kann der erste Abschnitt der Kampfhandlungen im Westen — hervorgegangen aus der Initiative der Franzosen — als abgeschlossen betrachtet und folgender Überblick über die Ereignisse an der Westfront seit Beginn des Krieges gegeben werden:
Chronologische Darstellung der Ereignisse
Die Initiative der Franzosen
Mit dem Beginn der Operationen in Polen wurden auch unsere Grenzbefestigungen im Westen durch starke Kräfte besetzt.
Am 9. SeptembercröffnetendieFranzosen die Feindseligkeiten und überschritten mit Spähtrupps an verschiedenen Stellen zwischen Luxemburg und dem Rhein westlich Karlsruhe die deutsche Grenze.
Seit dieser Zeit haben an der ganzen Westfront an keiner Stelle ern st hafte Kampfhandlungen stattgefunden.
Die rein örtlichen Kämpfe spielten sich in einem flachen, nahe der französischen Grenze liegenden Streifen im Vorfeld unseres Westwalles ab.
Die Unternehmungen im Borfeld
Bon einer einzigen Ausnahme abgesehen, führten diese Kämpfe aus beiden Seiten nur kleine Verbände, meist unter Kompaniestärke. Besetzt wurden von den Franzosen im Laufe des Monats Sevtember lediglich:
1. Einige nahe der französtschen Grenze gelegene deutsche Ortschaften zwischen der luxemburgischen Grenze und Saarlautern;
2. das südwestlich Saarbrücken gelegene, nach Frankreich vorspringende Waldgebiet „Der Warndt" und
3. der ebenfalls vorspringende Gebietsteil südostwärts Saarbrückens zwischen Saar und dem Pfälzer Wald.
Rur in den beiden zuletzt genannten Gebietsteilen, die von uns plaumätzig geräumt waren, hat sich der Feind unter erheblichen Verlusten in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometer auf deutschem Boden festgesetzt.
Das ganze übrige deutsche Gebiet vor dem Westwall blieb frei vom Feinde.
Der Westwall nirgends erreicht
An keiner Stelle stnd französische Kräfte auch nur in die Nähe des Westwalles gekommen, «über dort, wo der Westwall, wie bei Saarbrücken, in unmittelbarer Nähe der französtschen Grenze verläuft.
Dieser geringen infanteristischen Gefechtstätigkeit entsprach auch das Artilleriefeuer.
Es beschränkte stch, von der Unterstützung kleinerer Unternehmungen abgesehen, aus Störuugsfeuer gegen Eeländepuukte im Vorfeld unserer Befestigungen. In einem einzigen Falle wurde ein Bunker in der Nähe von
196 Tote. 356 Verwundete. 114 Vermitzte. sowie insgesamt 11 Flugzeuge.
Demgegenüber wurden bis 18. 10. allein 25 französische Offiziere und 664 Unteroffiziere und Mannschaften als Gefangene eingebracht.
An der 170 Kilometer lange» Oberrhein-Front wurde nur ein Mann durch einen gelegentlich eines Flakabschusses herabsallenden Granatsplitter verwundet.
Britische Truvven konnten bisher in der vorderen Linie der Westfront nirgends kestge- stellt werden.
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Kapitänleutnant Prien
Ausgenommen nach seiner Ankunft in Berlin, wo ihm und der Besatzung ein begeisterter Empfang zuteil wurde. (Weltbild. K.)
Wenn England bisher geglaubt hat, uns durch Vlockade- magnahmen seinen teuflischen Wünsche» gefügig machen zu können, so dürste es an der Zeit sein, diese Meinung aufzugeben. Unsere Kriegswirtschaft arbeitet vom ersten Tage an exakt und mit einer selbstverständlichen Ruhe und Sicherheit, so daß wir — im Gegensatz dazu — die ständig wachsende Nervosität englischer Kreise durchaus verstehen können. Die Kriegstreiber an der Themse haben eben nicht damit gerechnet, daß die Ausrichtung des deutschen Volkes in nationalsozialistischem Geiste so umfassend und tiefgreifend ist, daß die Maaenfraae, die ja sonst im Leben des Menschen eine große Rolle spielt, dabei einen völlig untergeordneten Posten einnimmt, ja bei der Spekulation der Engländer völlig ausscheiden muß. Als die Lebensmittelratiönicrung einsetzte, da hofften viele unserer Feinde im stillen, daß nun der Zeitpunkt gekommen sei, an dem die innere Front des deutschen Volkes Sprünge und Risse zeigen würde. Auch diese Hoffnung kann endgültig begraben werden, denn der Widerstandswille der Volksgemeinschaft wird nicht von diesen oder jenen, guten oder schlechten Voraussetzungen bestimmt, sondern er ist ic hundertprozentig, daß daran alle bösen Wünsche scheitern müssen. England hat aus dem Weltkrieg anscheinend keine Lehren gezogen, unsere nationalsozialistische Regierung dafür um so mehr. Die Verantwortlichen int englischen Kriegskabinett machten eine nach ihrer Meinung höchst einfache Rechnung auf, in denen drei Faktoren wichtige sollen zugewiesen waren: politische und militärische Einkreisung, wirtschaftliche Blockade des Reiches und Aushungerung seiner Bevölkerung. Damit glaubte man, den Krieg ruhig vom Zaune brechen zu können. Das war eine durchaus verfehlte Spekulation. Die Einkreisung erlitt schmählich Schiffhruch und damit hatte auch der Vlockadering ein schweres Loch bekommen. Bleibt nun noch der dritte Punkt: Aushungerung der deutschen Bevölkerung.
Man könnte meinen, die Engländer seien mit Blindheit geschlagen. Sie stellen eine Weltfremdheit unter Beweis, die nicht mehr zu überbieten ist. Zweifellos ist der Begriff der Erzeugungsschlacht in England nicht richtig "verstanden worden. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß dieser Begriff für uns kein Schlagwort war oder daß diese Aufgabe, die dem Reichsnährstand gestellt worden war, nur durchgeführt worden wäre, um unseren Volksgenossen auf dem Lande mehr Arbeit zuzumuten. Wir haben klipp und klar erklärt, daß die Erzeugungsschlacht durchgeführt wurde, um die Nahrungsfreiheit unseres Volkes sicherzustellen. Haben die Engländer es als einen Scherz aufgefaßt, als Hermann Göring ankündigte, in Turnhallen, Tanzsälen und sonstigen Lagerräumen Eetreidereserven aufzustapeln? Wir jedenfalls haben gewußt, was unser Eeneralfeldmarschall damit bezwecken wollte und heute wird uns die Gewißheit, daß diese gewaltigen Vorräte genau so wichtig sind wie Waffen und Munition.
Die Engländer haben sich vielleicht aber auch gedacht: Laßt die Deutschen nur hamstern, dann schränken sie sich im Ernstfälle nicht ein, eine Mißernte frißt dann die letzten Bestände auf, dann haben wir sie soweit wie in den Jahren 1916 und 1917: dann ist der Hunger unser bester Verbündeter. So mögen sie gedacht haben. Aber an einem schönen Sonntag im August waren die Lebensmittelkarten da. Mit einer solchen Organisation hatten sie bestimmt nicht gerechnet. Wie konnten sie auch? Für uns Deutsche selbst kam ja die ganze, alle wichtige Bedürfnisse des Lebens umfassende Bezugschein- und Lebensmittelkartenregelung überraschend. Und nun läuft dieses System schon 6 Wochen. Es hat klare Ver
Saarbrücken mit 80 Schutz mittleren Kalibers ohne jeden Erfolg beschosien.
Am Oberrhein von Karlsruhe bis Basel herrscht
Das Ritterkreuz für Kapitänleutnant Prien
seit Kriegsbegin» völlige, satt friedeusmätzige Ruhe.
Die Besatzung des siegreichen U-Bootes vom Führer in der Reuen Reichskanzlei empfangen
Diesen von französischer Seite als grobe« Erfolg und wirksame Unterstützung der Pole» hingestellten geringen Geländegewinn hat der Feind zwischen der luxemburgischen Grenze und dem Warndt, sowie zwischen der Saar und dem Pfälzer Wald freiwillig wieder aufgegeben und ist. von unseren daraufhin energisch nachttobenden Truppen bedrängt, bis dicht au und über die französische Grenze ru- rückgegaugen.
Die Luftkriegführung an der Westfront ging bisher über Aufklärungstätigkeit sowie Jagd- und Flakabwehr auf beiden Seiten nicht hinaus. Bombenangriffe fanden nicht statt. Der wirkungsvollen deutschen Abwehr durch Jäger und Flak sind seit Kriegsbeginn an der Westfront 60 feindliche Flugzeuge, darunter 12 britische, erlegen.
Di« feindlichen Flugzeugverluste im Innern Deutschlands und im Küftenvorfeld sind in diese» Zahlen nicht enthalte«.
Die deutschen Gesamtverluste
Die deutsche» Gesamtoerlnfte durch feindliche Einwirkung en der Westfront betrage» seit Kriegsbegin« bis »um 17. 10.
Berlm. 18. Okt. Der Führer empfing heute mittag in seinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei im Beisein des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine. Großadmiral Dr. h. c. Ra «der. den Kommandanten Kapitänleutnant Prien und die Besatzung des erfolgreichen U-Bootes, das mitten in der Bucht von Scava Flow den Schlachtkreuzer ..Repulse" und das Schlachtschiff „Royal Oak" torpediert hat.
Kapitänleutnant Prien meldete dem Führer die angetretene Besatzung des U-Bootes zur Stelle Der Führer begrüßte jeden einzelnen der Offiziere und Männer der Besatzung durch Handschlag.
In einer Ansprache brachte der Führer sodann seinen und den Dank der ganzen deutschen Nation für diese Tat zum Ausdruck. Er erinnerte daran, daß die Männer, die heute vor ihm ständen, diese einzigartige Leistung auf jenem Platz vollbrachten, auf dem einst die deutsche Flotte durch eine schwache Regierung ausgeliesert wurde in der trügerischen Hoffnung, sie vielleicht zurückerhalten zu können, und aus dem dann ein deutscher Admiral diese Flotte vor der letzten Schande bewahrt und gerettet habe. Die große und kühne Tat der Männer, die er glücklich sei. heute persönlich begrüßen zu können, habe das ganze deutsche Volk in seinem unerschütterlichen Vertrauen auf den Sieg nur noch bestärkt.
Der Führer gab in bewegten Worten seinen und des ganzen deutschen Volkes Stolz auf die Männer der deutschen U-Boot-Waffe Ausdruck. Was sie geleistet hätten, sei die stolzeste Tat. die überhaupt ein deutsches Unterseeboot unter
nehmen und vollbringen konnte. Sie habe nicht nur ganz Deutschland auf das tiefste bewegt, sondern ihr Ruhm sei in die ganze Welt hinausgegangen.
Der Führer überreichte sodann dem Kommandanten. Kapitänleutnant Prien, als h ö ch st e Auszeichnung, die es für einen deutschen Soldaten geben kann, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Diese Auszeichnung ehrt zugleich auch die ganze Besatzung.
Kapitänleutnant Prien erstattete sodann dem Führer ausführlichen Bericht über seine Erlebnisse in der Bucht von Scava Flow.
Anschließend waren der Kommandant und die Besatzung des U-Bootes Gäste des Führers zum Mittagessen in seiner Wohnung.
Peinlich für Daladier
Das französische Parlament möchte endlich Ausklärnna über di« Kriegsursachen haben
Paris, 19. Okt. (Funkmeldung.) Der Auswärtige Kammer- ausichug hat dem Ministerpräsidenten eine Forderung nach Vorlegung der „diplomatischen Dokumente über die Kriegsursachen" überbracht. Das französische Parlament bekundet damit, daß es sich nicht auskchalten läßt und daraus besteht, daß über die wahren Umstände, untei denen otrankreich in den englischen Krieg hineingezogen wurde, endlich vollst« Klarheit herrschen mutz.
