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Unterhaltungsbeilage.
Nr. 244
Mittwoch, 18. Oktober 1939
87. Jahrgang
MtlioM gegen Sriegsffllifie
Die Luftwaffe im Seekriege
* Zum erstenmal in der Kriegsgeschichte sind Luftangriffe auf Flottenverbände unternommen worden. Deutsche Flugzeuge haben englische Seestreitkräfte — Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer und Zerstörer — angegriffen und mit Bomben belegt. Die Angriffe waren ein durchschlagender Erfolg für die deutsche Luftwaffe. Während die Engländer bei ihrem Anfang September durchgeführten erfolglosen Luftangriff auf deutsche Kriegshäfen mehr als die Hälfte ihrer eingesetzten Flugzeuge verloren, ist es den deutschen Luftstreitkräften gelungen, von ihren erfolgreichen Unternehmungen gegen die englischen Seestreitkräfte fast unversehrt zurückzukehren. Diese geglückten Angriffe auf englische Kriegsschiffe dürften bei allen Marinen für die gesamte Erörterung der Möglichkeit eines Luftkrieges gegenüber Kriegsschiffen von erheblichem Einfluß sein. In diesem Zusammenhang ist es interessant, etwas über den Einsatz de: Luftwaffe im Seekriege und über die Wirkung von Bomben auf Kriegsschiffe zu erfahren.
Die zahlreichen Flugzeuge- der Seeluft st reit- kräfte der großen Mächte finden sowohl an den Küsten als auch auf Schiffen Verwendung.
Fast alle Eroßkampfschiffe und modernen Kreuzer führen heute für Artilleriebeobachtung und Aufklärung je zwei bis vier Bordflugzeuge, die int allgemeinen mittels Schleuder vom Schiff aus starten. Es finden durchweg Seeflugzeuge Verwendung, also Flugzeuge, die von der Schleuder aus ihren Weg in die Lüfte nehmen können und auf dem Wasser niederzugehen vermögen. Die Einholung geschieht mit Hilfe eines Heißkranes.
Die Angriffswaffen der Flugzeugträger sind die Flugzeuge. Eine Gruppe oder auch schon eine Staffel Bomber oder Torpedoflugzeuge ist für einen Kriegsschiffsverband ein sehr beachtlicher Gegner. Es ist sehr fraglich, ob Flugabwehrgeschlltze imstande sind, z. B. eine größere Anzahl plötzlich aus großer Höhe in rasendem Sturzflug herniederstoßender Bombenflugzeuge mit Erfolg abzuwehren, zumal die Angreifer in unregelmäßigen Höhenäbständen voneinander auf ihr Ziel zusteüern. Außerordentlich schwer ist es allerdings auch für die Angreifer, hewegte, eng begrenzte Ziele — wie Schiffe es find — erfolgreich mit Bomben zu belegen. Witterunasverhältniße, Flughöhe und -geschwindig- keit des angreifenden Bombenflugzeugs, die Verfassung seiner Besatzung, die Größe und Sichtbarkeit des Zieles, alles das sind Faktoren, die für den Erfolg eines Bombenwurfs von entscheidender Bedeutung sind. Auch hängt viel von der Art des Angriffs ab. Ein Sturzangriff wird sich anders auswirken als ein Horizontalangrifft ' Die Art des Angriffs wiederum richtet sich hauptsächlich nach dem Typ der zum Angriff bestimmten Flugzeuge. Besonders konstruierte Sturzkampfflugzeuge, also Maschinen von hoher Baufestigkeit können ihr Ziel im Sturzflug, Eroßbomber z. B. dagegen nur im Horizontal- oder „gedrückten" — d. h. geneigten Flug angreifen.
Die Sturzflugtaktik stellt an die Besatzung des Flugzeugs sehr hohe Anforderungen. Auch das Fluggerat wird dabei aufs äußerste beansprucht. Durch diese Taktik kann aber ein Flugzeug bis auf wenige hundert Meter an das zu bombardierende Ziel herangebracht werden. Die Auslösung der Bomben erfolgt im Sturzflug. Die im 700-Kilometer-Tempo Herniederstotzenden Flugzeuge einer Staffel- z. B. würden auf ein Kriegsschiff einen wahren Bombenregen herunterprasseln lassen. Die Angriffsart kann aber selbstverständlich nur mit sehr fest gebauten, einmotorigen Zweisitzern ausgeführt werden. Bei einem Groß-
Zweimal Scapa Flow
Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
der
ieat noch schwerer. Das ganze deutsche Volk kann stolz sein 1.30 Uhr von einem deutschen U-Boot in Scapa Flow vor >f oiese Heldentat des Kapitänleutnants Prien und feiner Anker versenkt. Man kann nur mutmaßen, wie es dem
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Das italienische Amtsblatt veröffentlicht ein Eeietzes- dckret. demzufolge 33 kleinere Motorschiffe und Zerstörer von 20 bis 200 Tonnen der italienischen Kriegsmarine als Minensucher zugeteilt und entsprechend ausgerüstet worden sind.
Erfolge der deutschen Luftwaffe
Englische Kriegsschiffe in Scapa Flow bombardiert und 10 feindliche Flugzeuge abgeschossen — Zahlreiche Gefangene
im Westen
Berlin, 18. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando
Wehrmacht gibt bekannt:
Zwischen Mosel und Pfälzer Wald gaben die
Sie Trümmer des in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Nähe von Groß-Gerau abgeschossenen englischen Bombers vom Tuv Whitleu n (Photo: Archiv)
französischen Truppen im Lause des 17. Oktober weitere auf deutschem Boden liegende Geländepunkte entlang der Grenze auf, die von unseren nachstodenden Truppen besetzt wurden. Zahlreiche Gefangene sind eingebracht.
Die deutsche Luftwaffe setzte gestern ihre Operationen «egen die Kriegshäfen an der englischen Ostküste fort. In der Bucht von Scapa Flow wurde nach den bisher vorliegenden Meldungen außer anderen Kriegsschiffen ein älteres englisches Schlachtschiff von Bomben schweren und mittleren Kalibers getroffen. Während eines Luftkamvfes wurde ein englisches Jagdflugzeug von deutschen Flugzeugen abgeschossen. Ein deutsches Kampfflugzeug wurde durch englische Flakartillerie zum Absturz gebracht.
Am 16. und 17. Oktober hat der Gegner 10 Flugzeuge verloren, und zwar:
Uber deutschem Hoheitsgebiet durch Flakartillerie 5 Flugzeuge, davon ein englisches, durch Jagdflieger je ein französisches und ein englisches, und im Luftkamps über englischem Hoheitsgebiet 3 englische Flugzeuge.
„Bemerkenswerte und wagemutige Tüchtigkeit"
Churchill unterschlägt noch immer die Torpedierung der „Repulse"
London, 18. Okt. (Funkmeldung.) Im Unterhaus gab Marineminister Churchill eine Erklärung über die Ber- senknng der „Royal Oak" ab, in der es u. a. heißt: Das Schlachtschiff „Royal Oak" wurde am 14. Oktober etwa
U-Boot gelang, die Berteidigungskette zu durchbrechen. Wenn wir bedenken, daß dieser Ankerplatz im ganzen letzten Kriege als immun gegen solche Angriffe aalt, wegen der Hindernisse, die die Strömung und die Netzbarrikaden bildeten, müßen wir diesen Durchbruch eines U-Bootes als bemerkenswerte Errungenschaft wagemutiger Tüchtigkeit ansehen. In Scapa Flow ist jetzt eine Untersuchungskommission tätig, die über alles, was sich ereignet hat, berichten wird, und alles, was ich hier sage, muß der Revision im Lichte der Schlußfolgerung unterliegen, zu der die Kommission gelaugt. Das Schiff lag am äußersten Ende des Hafens, weshalb viele Offiziere und Mannschaften ertranken, bevor von anderen Schiffen Hilfe kam. Eine Liste der ltberlebenden ist bereits veröffentlicht worden, und ich bedauere sehr dem Hause mitteileu zu müssen, daß 800 Offiziere und Mannschaften ums Leben gekommen sind. Die Admiralität hat den Verlust diese? Schiffes sofort mitgeteilt. Der Verlust ist schwer. Inzwischen hat eine intensive Durchsuchung des Hafens zu keinerlei Er- gebnisien geführt. Es ist jedoch klar, daß der Hafen nach einer gewißen Zeit wieder für klar erklärt werden kann, da jedes U-Boot an die Oberfläche kommen müßte, um Luft zu faßen oder zugrunde gehen würde. Es werden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen, die sich im letzten Kriege als wirkungsvoll erwiesen haben. Im übrigen muß ich den Bericht des Ausschußes ab- warteu, der jetzt den Vorfall in allen technischen Einzelheiten ausführlich untersucht.
pulse" in der Lage sei, die Herrschaft über die Nordsee zu Sttieren. Tatsächlich trat das Königspaar also nicht die auf der „Repulse" an, sondern auf dem Handelsdampfer „Jmpreß of Australia", jenem Schiff, das die Engländer uns raubten und das vor dem Weltkrieg den Namen „Tirpitz" führte. Die „Repulse" aber mutzte in der Nordsee bleiben, um „die englische Seeherrschaft zu garantieren". Nun ist die „Repulse", das für England so bedeutende, wichtige Kriegsschiff, durch ein deutsches U-Boot mitten im englischen Hafen torpediert worden. Die einzigartige Leistung, die Kapitänleutnant Prien damit vollbrachte, erinnert an die Heldentat Otto W e d d i g e n s, der als Kommandant von „U 9“ am 22. September 1914 in der Nordsee die englischen Panzerkreuzer „Abukir", „Hogue" und „Eressy" versenkte, eine Tat, die damals zum Fanal für die deutsche Seekriegsührung wurde. Die jüngste Leistung unserer U-Boot-Waffe geht in ihrer Bedeutung noch über Weddigens Heldentat hinaus und wiexck noch schwerer. Das ganze deutsche Volk kann stolz sein
U-Boot-Besatzung und damit auf die junge Kriegsmarine des nationalsozialistischen Deutschlands und ihre Leistungen.
In den neutralen Ländern aber stellt man immer stärker heraus, wie richtig die These ist, datz England seinen In sei- charakter zum größten Teil verloren hat. Die englische Flotte ist, wie die Heldentaten der deutschen U-Boote und der deutschen Luftwaffe zeigen, weder auf See noch in ihren Schlupfwinkeln sicher. Den Engländern wird damit wohl langsam das ganze tödliche Risiko des Krieges klar, den ihr Ministerpräsident Chamberlain herbeiführte. Sie werden sich daran gewöhnen müßen, nachdem sie den Weg zum Frieden nicht einschlagen wollten, dem Krieg mit allen seinen Konsequenzen ins Auge zu sehen. Sie werden erkennen müssen, was besonders ihnen ja schon der Feldzug in Polen hätte klar machen müßen, datz Deutschland seine Eetzner zu treffen weiß. Scapo Flow aber hat durch die jüngste und kühnste Tat, die ein deutsches U-Boot und die deutsche Flieger vollbringen konnten, für uns einen neuen Klang und einen neuen Inhalt bekommen.
England keine geschützte Insel mehr
as. Berlin, 18. Okt. Immer neue schwere Schläge mutz England einstecken. Die deutsche Luftwaffe und die deutsche U-Boot-Waffe machen in immer neuen Heldentaten den Engländern klar, datz ihr Land heute keine geschützte Insel mehr ist sondern unserem Zugriff zu jeder Zeit preisgegeben ist. Wenn die letzten dieser schweren Schläge sich mit dem Namen ScapaFlow verbinden, so ist das für das deutsche Volk eine besondere Genugtuung. Scapa Flow, diese Bucht in der Insel Mainland, ber Orkney-Insel im Norden Schottlands, das war einst die Stelle, wo nach dem Waffenstillstand vom November 1918 die deutsche Kriegsflotte von den Engländern interniert wurde und wo dann am 21. Juni 1919 diese ehemalige deutsche Kriegsflotte den freiwilligen Untergang der Gefangenschaft vorzog und mit wehenden Flaggen versank. Scapa Flow war schon im Weltkrieg und rst auch heute wieder derstärksteStützpunktdereng- l i s ch e n Flotte, der am meisten geschützte und am besten gesicherte Liegeplatz. Hier also, in diesem wichtigsten Flottenstützpunkt Englands haben jetzt deutsche Luftstreitkräfte, die eben erst den Engländern gezeigt haben, daß ihr anderer Flottenversammlungsplatz, der Fi r t h o s Forth, nicht vor deutschen Angriffen sicher ist, die englische Flotte mit Erfolg angegriffen. In den gleichen englischen Flottenstützpunkt drang das Unterseeboot des Kapitänleutnants Prien ein, im Weltkrieg sind solche Versuche deutscher Unterseeboote gescheitert. Im November 1914 ging das Unterseeboot „U 18“ bei einem solchen Versuch unter und im November 1918, wenige Tage vor dem Kriegsende, ging „UB 116" bei dem gleichen Versuch verloren, da es auf elektrisch gezündete englische Minen lief. Kapitänleutnant Prien ist das lln- vorstellbaregelungen, er ist mit seinem Unterseeboot in diese stark geschützte Bucht eingelaufen und er hat dann aus den dort liegenden englischen Kriegsschiffen die beiden größten und wertvollsten Schiffe herausgeschoßen. Es ist ihm nicht nur gelungen, die englische Hochseeflotte mitten in ihrem sichersten Liegeplatz schwer zu treffen, sondern es ist ihm auch gelungen, sein Boot glücklich wieder herauszubringen.
Wenn der alte Lügner Churchill zunächst den Versuch machte, die Torpedierung der „Repulse" zu verschweigen, so ist das begreiflich, wenn man sich vor Augen hält, welche Bedeutung gerade die „Repulse" für die englische Flotte hatte. Es ist dasjenige Schiff, das im Mai dieses Jahres das englische Königspaar nach .Kanada bringen sollte. Schon hatte man Staatskabinen eingebaut, und immer wieder betonte man, daß kein anderes Schiff repräsentativ genug sei. um das Königspaar nach Kanada zu bringen. Dann aber setzte in England sich jene Strömung durch, die erklärte, daß man angesichts der politischen Lage aufdie „Repulse" in derNordsee unter keinen Umständen verzichten könne, weil nur die „Re-
