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Wiesbadener Tagblatt

Freitag. 13. Oktober 1939

Seite 4 Nr. 240

Wiesbadener Nachrichten,

Jetzt ist es Zeit!

Kleine Epistel für verfeindete Nachbarn

Manche Menschen haben sich um einer Nichtigkeit willen, ja, selbst wegen eines unbedachten Wortes, verfeindet.

Nachbarlicher Zwist, sogar vorschnelle Urteile über Kinder und kindliches Spiel. führten über Auseinander­setzungen zu Feindschast und zu Gerichtsverhandlungen.

Irrtümliche Auffassungen von unbedachten Äuherungen säten den Keim der Zwietracht und brachten Menschen. Familien und Sippen auseinander.

Jetzt ist es Zeit, zu vergeben und zu vergessen!

In diesen großen und harten Tagen müssen wir voller Beschämung auf diese Kleinheit des Herzens blicken, die meistens nichts weiter war, als verletzte Eitelkeit.

Die im Kern guten und friedliebenden Menschen, die sich in ihren verbissenen Trotz verrannt haben, und di« oft wegen toller Nichtigkeiten gegeneinander standen, litten selbst am meisten unter diesem Zustand.

Wie oft hatten sie sich vorgenommen, dem Nachbarn die Hand zu reichen und mit einem einzigen guten Wort den von beiden Seiten ersehnten Frieden wieder herzustellen!

Dann aber regte sich der alte Stolz, der bei genauer Prüfung nur Kleinmut und Eigensucht war.

Wer diese Zeit jetzt nicht nutzt, das eigene Ich zu opfern und seine Seele von überflüssigem Kram zu entrümpeln, hat den Sinn unserer Tage nicht begriffen.

Jetzt ist es Zeit, zu handeln! ___ , . ,,

Auch wir im Lande bilden eine Schicksalsgemeinschaft und eine wichtige Front! c .

Wäre es denkbar, daß unsere Soldaten drautzen rn Ha« und Kleinheit fremd aneinander voriiber gehen?

65 Beit

Wandelt den Stolz in Liebe und Hilfsbereitschaft. .

Geht zum Nachbarn, zum Gegner von gestern. Seine Hilfe kann euch so notwendig sein, wie das tägliche Brot.

Aber nicht dieser Gedanke soll euch leiten: Laßt das Herz zum Herzen sprechen. Folgt der inneren Stimme, die euch schon seit langem diesen Weg weist! _, ...

Der im Wort Gewandte wird leicht den ersten Schritt gehen können. . , .

Bedenkt, daß auch euer vermeintlicher Gegner Sohn und Bruder draußen hat, die auch für euch freudigen Herzens die Heimat schützen. , . .... ..

Fragt den Nachbarn, von dem euch Kleinlichkeiten trennten, ob er schon Kunde bat von Bruder oder Sohn!

Nehmt Teil an seinen Sorgen, die auch die euren und. Vergeßt den kleinlichen Hader!

Prüfet euer Herz, ob es sich in solchen Tagen noch weiter verhärten soll. Streit und Unfriede bringen me Dank, aber stets Unruhe, Gefahr und Zerrissenheit.,

Der innere Friede hängt immer vom Menschen selbst ab.

Schafft ihn euch und den andern!

Jetzt ist es Zeit! P- K.

In Wiesbaden sammeln am Samstagvormittag Vetriebsführer und Betriebsobmänner in ihrem Betrieb und anschließend um 15 Uhr beginnt in den Straßen der Stadt die Straßensammlung bis zur Dunkelheit und wird am Sonntag den ganzen Tag über fortgesetzt. Zum Verkauf gelangen sechs verschiedene Vuchabzeichen unter dem Kenn­wort:Der Führer macht Geschichte".

Das Kriegswinterhilfswerk ruft

Dr. Lev an die Männer und Frauen der DAF.

Männer und Frauen der Deutschen Arbeitsfront!

Ihr seid ausgerufen, am Samstag und Sonntag. 14. und 15. Oktober, wie alljährlich das Winterhilfswerk zu eröffnen. Damit gebt ihr das Tempo für diese gewaltige Gemein- schaftsleistung des deutschen Volkes an. Mit Stolz können wir feststellen, daß der Erfolg von Jahr zu Jahr gewachsen ist.

Dieses Jahr eröffnen wir nun anf Befehl des Führers das Kriegswinterhilfswerk!

Die Ausgaben sind gröber denn je! Ich weiß, daß ihr. Männer und Frauen der Arbeit, eure Pflicht tun werdet. Doch diesmal müssen wir schaffenden Menschen als Vortrupp des Kriegs«,nterhilfswerkes mehr als unsere Pflichi tun. Unsere Kriegsseinde und auch die Neutralen, das heißt die gesamte Welt, werden auf den Erösfnungserfolg des Kriegs­winterhilfswerkes mit besonderem Interesse schauen.

... , <6 rufe, euch auf, Männer und Frauen der deutschen Arbeit, Vetriebsführer und Gefolgschaften, jung und alt in Stadt und Land, tretet an und zeigt euch unseren Soldaten würdig!

Am Samstag und Sonntag wird die Heimat ihre Pflicht tun. Vorwärts ihr Werktätigen, ans stolze Werk! Das Kriegswinterhrlfswerk ruft euch!

gez. Dr. Ley.

Pom Tragödienschreiber ntm Schwankdichter

Von Dr. Otto Schwarz

Wir haben den in Wiesbaden lebenden Autor des SchwankesDer blaue Heinrich" gebeten, uns einiges über sich selbst mitzuteilen. .

Die Sckriftlettung.

Ich ging in meiner Jugend sehr ost über jenen großen freien Platz, auf dem der größte.Sohn meiner Vaterstadt Frankfurt a. M. mit falsch zugeknöpftem Rock steht, und dem damals die Regimentskapelle allwöchentlich be, gutem Wetter die neuesten Overettenfchlager vorfpielte . Also ich ging sehr oft über den Goetbevlatz und schrieb daher a u ch" ein Drama. Es war sehr schön! Es war e,ne Eifer­suchtstragödie mit dem freundlichen TitelDas Ehegespenst , und in deren Mittelpunkt stand ein betrogener Ehemann, gegen dessen Leidenschaftlichkeit und Temperament der senge Othello das Phlegma einer Riesenschildkrote belaß. 2m letzten Akt warf der gehörnte Gatte der Clou des Stückes leine bessere Hälfte samt Hausfreund zur Tur hinaus und er selber erschoß sich vor den in Tränen zerfließen sollenden Zuschauern. Keck, wie ich zu allen Zeiten war, sandte ich das Manuskript an eine große Bubnenverlags- sirma. Nack kurzer Frist erhielt ich die Aufforderung zu einer persönlichen Besprechung. Der Chef dieser <nrma.. ein liebenswürdiger Herr, empfing mich mit der Miene eines Alleinherrschers und ließ mich auf einem Klubsessel von zwei Meter im Quadrat Platz nehmen.Lieber Freund bub er an,Ihr Stück ist gar so übel nicht, aber welcher Ehe­mann erschießt sich heute noch wegen Untreue seiner Gattin > Überhaupt hat der Geschmack an Tragödien gewaltig nach­gelassen. Lassen Sie also den.Selbstmord des Gatten weg und macken Sie ein Schauspiel daraus. Nennen Sie das Stück .Melanie'. So hieb nämlich die blonde Sünderin, llbttgens mein Kompliment.: die , Szene, in der lick der geängstigte Hausfreund in die Badewanne fluchtet^ ist nut viel Verve und großer Spannung geschrieben. ^ck ging nach Haufe, vollzog die Umarbeitung und aus dem Drama war in wenigen Tagen ein SchauwielMelanie" geworden. Der Verlag sandte das Stück an diverse Bühnen und meldete mit endlich, daß sich ein Theater für die Uraufführung interessiere. Ich glaubte bestimmt, es iet das damals noch

Der Führer macht Geschichte"

Die Vuchabzeichen des Kridgs-WSW. künden das Werden Großdeutschlands

Über den Ereignissen unserer Tage versessen wir nur allzu schnell die einzelnen Phasen des Werdens Grob­deutschlands. Wir gleiten darüber hinweg und manches wird als selbstverständlich hingenommen, was stch nur erfolg­reich entwickeln konnte durch die ganze Willenskraft und kluge Staatsführung des Führers. Es ist ein Zeichen der Dankbarkeit an Adolf Hitler, wenn die Führung des Kriegs- Winterhilfswerkes 1939/40 die erste Reichsstraßensammlung dazu benutzt, dem Volksgenossen die gewaltigen geschichtlichen Taten des Führers noch einmal vor Augen zu führen. Es geschieht dies wieder in Form der geschmackvoll ausgestatte- ten Photobüchlein, die dem Spender als Quittung für feine Gabe überreicht werden.

Die Sammler der DAF. und der Volksgenossen aus den Betrieben, die am Samstag und Sonntag diese erste Straßensammlung durchführen, werden bald ihre Abzeichen abgesetzt haben. Wer möchte nicht Besitzer einer solchen kleinen Bibliothek werden wollen und sich durch den Erwerb der Vüchelchen der großen Dankesfront an den Führer cm- schließen? Wir wollen auch nicht vemessen, einige Tur unsere Soldaten im Felde zu erwerben. Wenn ste unser nächster Feldpostbrief erreicht, sollen ihnen die Fotos in die Sande fallen. Sie werden sicherlich grobe Freude daran haben.

Sckaffend e sammeln Schaffende geben'.': Unter diesem Motto steht die Wochenendsammlung Sie wird den Feinden zeigen, daß DeutschlandsInnere Front zum freiwilligen Opfer bereit ist. v.

steiler lachten, die Souffleuse, der Beleuchter, die Garde­robenfrau vor allem aber der Schreiber dieses. Denn. Wer zuletzt lackt, lacht am besten!' .

Am anderen Morgen stand int Winzighauser Tageblatt eine gute Kritik. Nur gegen. ben.66I.uB bm . hieß es: Warum nennt der Autor sein Stuck ein LuMmel? Bei dieser Fülle von ausgelassenen Scherzen und Witzen wäre doch die Bezeichnung Schwank weitaus angebrachter Hier scheint überhaupt die Stärke unters lungen Autors zu liegen, und wenn er sich auf der Lime der heitersten Muse wetter- bewegt. wird ihm noch mancher gioBe ö6manteriolg ge­schieden sein." Der weitblickende Kritiker des Winzighauser Tageblatts hat Recht behalten.

»Wilhelm Teil" im Posener Opernhaus,. Unter tat­kräftiger Förderung des Reichsministertums tur Volksam- kläruna und Propaganda und im engsten Einvernehmen nut dem Stadtkommissar von Posen. Dr. Schettler, ist es. erfreu­licherweise in kürzester Frist gelungen, nach SBeginn ber kulturellen Aufbauarbeit eine Auimbrung mit Schillers SchauspielWilhelm Teil" im Posener Opernhaus zur Durchführung zu bringen. Außerdem schweben Verhanb- lungen mit ersten reichsdeutscken Buhnen, um Over,.Overettt. Schauspiel unb große Konzerte in Gastspielen in Posen, bu.rck- fübten zu können. Es ist in absehbarer Zett mit ber lauten­den Befpielung der Posener Bühne 8u rechnen.

* Ihr Scheidungsgrund. Zu dem Rechtsanwalt eines mecklenburgischen Landstädtchens kommt eine Sauersrrau nut dem für dortige Verhältnisse ungewohnlicken Wun w. von ihrem Manne geschieden zu werden.. Der Anwalt setzt ihr auseinander, daß das gar nickt so einfach sei und fragt he. ob sie denn auck Gründe habe. Daran habe Ne noch gar nickt gedacht, erklärt sie.Ist Ihr Mann denn nicht gut zu Ihnen?"O doch. Allens was reckt is. Dann und wann frneet be woll mit Tellers und Beervullens.aber dann krigt be wat aufs Jack und allens is wedder god.Laßt er Sie vielleicht hungern?"Ne. ne. wi hebbt uns Swien .und lütt Kau in Stall un allens. wat forucktig dortogehott." Stimmt es vielleicht mit der Treue nicht?Jo. bat meen ick eben! Dor krigt wi'm to packen: bat bntte Ätnb ts näm­lich nich von ein!

3ebermann bandelt, wenige denken.

Friedrich der Eiotz«.

Kleine Stadtbegehenheiten., Unsere Anlagen find jetzt mit japanischem Chrysanthemum bepflanzt worden. Auch die breiten Schalen in ber Wilhelmstraße unb die Kurhaus­rampe wurden mit Chrysanthemum inbicum besetzt. Da die Beflaggung anläßlich des siegreichen Ausganges des Polenfeldzuges bereits am Dienstagabend beendet war. wird es jetzt Zeit, die restlichen Fahnen emzuholen. 28 RM hatte ein Lehrling einer hiesigen Firma verloren Die Freude war groß, als das Fundbüro nutteilte baß eine junge Volksgenossin den Betrag abgeliefert habe. Ein schönes Zeichen der Ehrlichkeit, das auch em Volksgenosse. kuttlick bewies, der gefundene Lebensmittelkarten tn dem Geschäft, das aus dem Firmenstempel auf dem ttund erkennbar war, ablieferte. Beide haben den Verlierern Sorge und Unan­nehmlichkeiten erspart.

Aus der Bezugscheinpraxis. Koh len.sind bekannt­lich bezugscheinfrei. ihre Lieferung, enolgt am Grund von Kundenlisten, die beim Koh enhandler. geiubrt werden. Morgen läuft die Frist zur Eintragung m diese Listen ab. Wer sich nicht eintragen läßt, muß damit rechnen, bat; er tn bett nächsten Monaten keine H'ausöranbtoöle oetommen fannL_ Kartoffeln bleiben berugscheinfrei.' Der Auf- lonntenn3!n5B h^gt^n^bem^Um^tanb^b^B $as^3irnCenmetterIber letzten Woche die Bauern unb Landwirte von bei Ernte weiterer Äartoffelmengen abhielt. Da außerdem her gronte Teil der im hiesigen Gebiet verbrauchten Ernkellungskartotteln aus den Weinbaugebieten Rheinhessenskommt, tritt hier erschwerend hinzu, bas bort augenblicklich die Weinlese tm vollen Gange ist. und auch deshalb die Kartmfelernte vor­übergehend aussetzt. Binnen kurzem werden von dort Kar­toffeln in völlig ausreichender Menge an dl« Markte gelangen. Ausdrücklich wird darauf bingewiesen. bas an eine andere Bewirtschaftung der Kartoffeln bent Verbraucher gegenüber, d H an bte Bezugsckeinpflickt tn irgendeiner ttorm nicht ge­dacht ist und auch nickt gedacht zu werden braucht, da oon ber großen in Deutschland geernteten Karfosielmenge von durch­schnittlich 50 Mill. Tonnen im Jahr la ohnehin nur 25°/° tür Sveisezwecke Verwendung finden.

- Zahlungsfristen in. bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. Der Zahlungsverkehr muß im Interesse der Eesamtwirtschaft unbedingt und reibungslos aufrechterhalten werden. Bei Verbindlichkeiten, die vor Knegsbeginn entstanden sind, können sich biertei unter dem Einfluß der, gegenwärtigen Verhältnisse in Einzelfällen... Härten ergeben, zu deren Beseitigung der Mimsterrat tui die Reicksverteldigung die Verordnung über die Bewilligung von Zahlungsfristen in Reichsstreitigkeiten vom 11. 10. 1939 erlassen hat. Danach ^nn das Gericht einem Schuldner, der vom Gläubiger wegen einer vor dem 1. September b. 2. begründeten Zahlungs- verbinblichkeit verklagt wirb, eine Zahlungsfrist bis zu brei Monaten bewilligen, wenn dies ,im.Interesse bes Schulbners bringenb geboten unb dem Gläubiger nach Lage der Verhältnisse zumutbar ist. Es sei aber, nochmals hervor­gehoben daß im Interesse der Allgemeinheit ied«r zahlungs­

Milch und Brötchen müssen ins Haus gebracht werden

Verschlechterung der Lieferungsbedingungen verstößt gegen Die Preisstoppverordnung

Der Reichskommissar für die Preisbildung hat einen Erlaß herausgegeben, der den Hausfrauen ihre arbeit erheblich erleichtern wird. Eine Reihe von Bäckern. Milch- unb Einzelhändlern bat in der letzten Zeit am Morgen nickt mehr die Brötchen ausgetragen und nicht mehr die Milck ins Haus gebracht. ,. ..

Ein solches Vorgehen ist ein Verstoß gegen die Bestim­mungen ber Preisstoppverordnung. Di« Händler bürten ihre Lieferungsbebingungen nicht verschlechtern, müssen, also wie bisher Milch unb Brötchen ins Haus bringen. Sie können sich ihre Arbeit baburch sehr erleichtern, baß ste sich schon für einen bestimmten Zeitraum im voraus entspreckenbe Ab­schnitte ber Reichsbrotkarte unb des Bestellscheines der Reichsmilchkarte für Vollmilch geben lassen. Bei der bezug­scheinfreien entrahmten Frischmilch ist eine Änderung, gegen früher überhaupt nicht eingetreten. Bei solchen vereintachten Verfahren muß es allen Bäckern, Einzelhändlern und Mtlch- öerteiiern möglich sein, wie bisher ihre Waren am Morgen auszutragen. Diejenigen Betriebe, di« wegen ganz besonderer Verhältnisse dazu nicht in ber Lage sind, haben dies der zuständigen Preisbehörde unter Angabe ..von Gründen anzuzeigen. Nur wenn Mangel an Arbeitskräften nachgewiesen wird und die fehlenden Arbeitskräfte nicht ersetzt werden können, kann mit einer Ausnahme gerechnet werden.

Wiesbadener Vororte

W.-Dotzheim: Die Kartoffelernte ist nun. in vollem Gange. Die 2ugenb leistet den Vauern dabei wertvolle Hilfe. Die Obsternte, die einen guten Durchschntttsertrag abwarf, kann als beendigt angesehen werden. Zwischendurch stnd die Bauern eifrig mit Feldbestellungsarbeiten be­schäftigt. 2n der unteren Wiesbadener Straße stießen am Freitagvormittag zwei Radfahrer zusammen. Außer Haitt- abschürfungen erlitt der eine Radfahrer , erheblichen Sach­schaden. Heute vollendet Frau Luise Rossel, Wwe.. Obergasse 3, ihr 83. Lebensjahr. Die. Freudenbergstrabe erhält bis zum Forsthaus Rbeinblick Kleinpflasterbelag und die Schöiüergstraße wird in ihrer gesamten Lange mit Teer­asphalt versehen. _ , , v ,

W.-Sonnenberg. Am Mittwoch wurde der durch einen tragischen Ünglücksfall ums Leben gekommene Ehrenvor­sitzende bes MEV.Gemütlichkeit". Hackenberger, zur letzten Ruhe geleitet. Der Verstorbene, ber 18 2abre ben Verein als erster Vorsitzenber führte, hat sich um den beut« schen Männergesang sehr verdient gemacht.

Die Oktober-Türplakette

bes Kriegswintethilsswerks des deutschen Volkes.

(Scherl-Wagenborg. M.)

Königliche Schauwielbaus tn Berlin, es war aber nur bas Stabttbeater in Winzighausen an ber Wupper. Kurze Zett barauf bat mich bei Dramaturg jener Kunstwerkstatte »u einer mündlichen Aussprache zu sich. ..Lieber Freund bub ei an,Sie sind zweifellos ein Talent und ick will Ihr Stück unserem Direktor zur Annahme empfehlen. Ich setzte mein holdseligstes Läckeln auf. mit zehn Prozent Dankoarkett burchtiänkt.Trotz der ernsten Handlung steckt viel unent- wickelter Humor in dem ganzen Stofi., Namentlich in der Szene, in ber fick der geängstigte Hausfreund in die Bade­wanne flüchtet! Wenn ick -ohnen unmaßgeblick raten, darf bei unmaßgebliche Rat eines Dramaturgen. kam tn da- maliger Zeit an zwingenbei Kiaft dem.Befehl eines oberften Kriegsherrn gleich. Jo gestalten Sie ben ba unb boit veisteckten Humor noch weiter aus unb macken aus bent Sckaufviel eine Komöbie. Auch eine Tttelanbeiung mürbe ich Ihnen Vorschlägen. Nennen Sie bas Stuck hoch einfach .Die Liebe auf ben eisten Blick'." 26 zog mit meinem Dons von bannen, unb na6 ganz kurzer Zeit war aus bem Schau­spiel eine Komöbie geworben, bie i6 geiabesroegs an ben Direktor jenes Theaters in Winzighamen an bei Wupper ianbte. Wenige Tage barauf bat er mich um meinen Besuch. .Lieber Freunb" Hub er an.Sie haben Humor. Das stück bat wirklich iamoie Pointen. Namentlich die Szene, in ber fick ber geänstigte Hausfreund in bte Badewanne flüchtet. Warum lassen Sie aber bem tragischen Konflikt einen so breiten Raum? Wenn Sie meinem Rat folgen, bann machen Sie ein L u st s v i e l daraus. Lassen Sie. doch ^6iem Humor die Zügel schießen! Natürlich müssen Sie den Titel andern. Nennen Sie das Stück hock emiack: .Wer zuletzt lacht, lacht am besten'.". Ich ging also beim, nahm meinem Musenkinde den letzten Rest logischer Entwicklung, taube mir einen halben Zentner alteFliegende Blatter" und spickte meinLustspiel., mit Situationsscherzen und Wortwitzen aller Zeiten und Völker. Der Direktor war sehr zufrieden, und meine bis zur Unkenntlichkeit veränderte Ehettagodle ging am Stabttbeater in Winzighausen an ber Wupper erstmalig in Szene. 2ck stand hinter den Kulissen, angetan mit einem neuen Frack, falls ichgänzlich unvorbereitet an die Rampe gerufen werden sollte und bangte für. die, Wirkung meiner Szenen, die sich erst ganz allmählich emstellen. wollte. Als sich aber der Hausfreund in die Badewanne iluchtete. war der Erfolg des Abends gesichert. 26 wurde stürmisch vom Publikum verlangt, durfte mi6 verneigen, und als per Vorhang zum letztenmal fiel, war alles in heiterster Stim­mung. Das Publikum lackte, der Direktor lackte, bte Dai-

totiSPifül Hi I #»