Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit:
Nr. 240
Freitag. 13. Oktober 1939
87. Jahrgang
Die Friedenshand des Führers zurückgestoßen
Chamberlain wählt Krieg!
Eine unverschämte Rede des britischen Ministerpräsidenten
Die Vernichtung Deutschlands als Ziel
Ein Verbrechen an Europa
Herren nichts zu ernmms Europas Daladier
proklamiert — Die Verantwortung für die Fortsetzung des wahnwitzigen Blutvergießens tragen einzig und allein die Kriegstreiber an der Themse — Die Abwehrfront des deutschen Volkes eisern und unerschütterlich
Wöchentlich
mit einer täglichen
Die letzte Chance vertan
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung)
Das Wettecho zu Chamberlains „Nein"
Endgültiger Beweis, daß in der Politik der Westmächte das verantwortungslose Spiel der Kriegshetzer die Oberhand gewonnen hat"
Moskaus Stellungnahme
Moskau, 13. Okt. (Funkmeldung.) Die gestrige Rede Chamberlains im Unterhaus wird in hiesigen politischen Kreisen absolut negativ beurteilt. Zwar hatte man hier von Anfang au damit gerechnet, dab Chamberlain dos Friedensprogramm und die Warnungen Deutschlands und der Sowjetunion in den Wind schlagen würde; die fadenscheinigen Argumente des englischen Regierungschefs werden jedoch jetzt als ein endgültiger Be w e i s dafür angesehen, dab in der Politik der Westmächte das verantwortungslose Spiel der Kriegshetzer und die verbrecherischen Pläne des Finanzkapitals, das an der Fortsetzung des Krieges interessiert sei, nunmehr endgültig die Oberhand gewonnen habe«. Im übrigen beurteilen die hiesigen Kreise die für England nunmehr geschaffene Lage als sehr ernst und rechnen damit, dab die Völker Englands und Frankreichs bald die Folgen der intransigenten Kriegspolitik der Regierungen zu spüren bekommen könnten. Die «owietpresse widmet der Chamberlain-Erklärung bezeichnenderweise nur wenige Zeilen. Eine Londoner TASS.- Meldung hebt hervor, dab Chamberlain die Friedenshereit- schaft des Führers abgelehnt habe, indem er die klägliche Behauptung aufstellte, dab die deutsche Regierung das einzige Hindernis für den Friedensschluh sei.
Das übrige Ausland
Holland und die nordischen Staaten
wt. Die Stellungnahme in der übrigen neutralen Presse liegt im allgemeinen — soweit es sich bis zur Stunde überschauen labt — auf der gleichen Linie. Der holländische ,,T e l e g r a a f“ bringt die Cbamberlain-Erklärung unter der Überschrift „Die Hand des Führers zurück- g«ftonen". Die Zeitungen kommen bei der Kommentierung zu sehr ernsten Rückschlüssen. Viele Blätter stellen die
Klarer antibritischer Kurs in Japan gefordert
Tokio verbittet sich das Herumlunger» britischer Kriegsschiffe au der japanischen Küste
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Marineattachös gerechtfertigt werden könnte, nach der England das Rechi für sich in Anspruch nehme, den Seeverkehr „rn aller Welt" zu kontrollieren.
. Die öffentliche Meinung in Japan wendet sich mit ledem Tag schärfer gegen die britischen Anmabungea. Die nationale .Kokumin Schimbun" wirft sogar der Regierung vor, dab ne es nicht verstanden habe, die a n t i b r i t i s ch e Bewegung, die im August durch Japan ging, auszu- nutzen. Das Blatt begründet die Zweckmähigkeit einer klare» Stellungnahme Japans gegen England und meint, m diesem Falle werde Rubland zweifellos feine Kräfte über Zentralasien und Iran auf Indien leiten. Dann heibt es wörtlich: .Wenn Deutfch- land. die Absicht hat, seine guten Dienste für eine japanisch- russiiche Annäherung anzubieten, fo wird Japan ernstlich die Notwendigkeit erwägen, eine Wendung in seiner Außenpolitik vorzunehmen." Japan solle Rubland wissen lassen, dab es entschlossen sei, die antibritische Politik umzusetzen. Darüber hinaus sollte Japan Ruß- land überreden, gemeinsame Anstrengungen für eine anti - britriche Bewegung im Fernen Osten zu mnchen.
Führers, die ihre nationale Sicherheit gewährleisten und ihre Lebensinteressen respektieren, hatte Chamberlain nichts anderes zu erwidern als den Satz: „Die Stellen in der Rede des ttühvers, die darauf abgestellt sind, Hitlers Nachbarn neue Zusicherungen zu geben, übergehen wir. da die Nachbarn wissen werden, welchen Wert sie ihnen vei- messen sollen." Ein überzeugender Beweis dafür, dab es Chamberlain und seinem kriegshetzerischen Regierungs- tlungel überhaupt nicht darauf ankommt, sich mit de-n ernedensvorschlag des Führers und den Sorgen der neutralen Staaten zu befassen, sondern gegen das deutsche Volk Krieg um jeden Preis zu führen.
An den Schluß der advokatischen Winkelzüge, mit denen Chamberlain glaubt, eine nach Frieden strebende Welt düpieren und das eigene sowie das unglückliche französische Volk in einen sinnlosen Krieg Hetzen zu können, setzte Chamberlain mit frecher Stirn das Ultimatum, „dab die deutsche Regierung entweder einen überzeugenden Beweis geben müsse für die Ehrlichkeit ihres Friedenswunsches durch definitive Handlungen und durch die Schaffung effektiver Garantien für ihre Absicht, ihre Verpflichtung zu erfüllen, oder England müsse aus seiner Haltung bis zum Ende beharren".
Mit dieser jeglichen verantwortungsgefühlsbaren Rede, voll von Verlogenheit und Heuchelei, bat der englische Premierminister die Friedenshand zurückgestoßen. die der Führer mit seinen Ausführungen vom 6. Oktober geboten batte.
as. Berlin, 13. Okt. Nach der groben Reichstagsrede des Führers vom 6. Oktober hat die Presse des neutralen Auslandes in immer neuen Artikeln an die englische und französische Regierung appelliert, die von Deutschland ausgestreckte Friedenshand zu ergreifen. Es hat in England und Frankreich selbst ebenfalls nicht an Stimmen gefehlt, die sich im gleichen Sinne äußerten und die die ' Chamberlain und Daladier ermahnten, übereilen und sich auf Grund des konstruktiven Pro- des Führers mit Deutschland über den Aufbau zu verständigen. Herr Chamberlain und Herr .. haben geglaubt, sich über solche Mahnungen und Warnungen hinwegsetzen zu müssen. Sie haben ihre Zeit und ihre Chance nicht verstanden. In brüsker und beleidigender Weise hat Herr Chamberlain in seiner gestrigen Unterhausrede dem groben Friedensangebot des Führers sein Nein entgegengesetzt. Mit einem ganz üblen Advokatenknifs hat der englische Minister- prüsident dabes versucht, uns die Verantwortung für den Krieg zuzuschiebcn. Michi an uns aber war es zu wählen, sondern wir haben ihm die Frage vorgelegt, Krieg oder Frieden. Wir
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entschlossene Reaktion Deutschlands in den Vordergrund. Auch in den nordischen Staaten bat die Erklärung Ehämberlains auberordentliches Befremden hervorgerufen. Das norwegische Organ des Bauernbundes. „Nationen", schreibt u. a„ dab Chamberlains Rede in ihrem ersten Teil schärfer war als wohl die meisten erwartet haben. Auf Hitlers Gedanken, so fügt das Blatt hinzu, fei er überhaupt nicht eingegangen. „Tidens Tegn" hört nur das unbedingte „Nein" auf den deutschen Friedensvlan.
Völlig negativer Eindruck in den Südoststaaten
Der völlig negative Eindruck der Chamberlain-Rede kommt auch in der Presse der südo st eur ov äi s ch e n Staaten zum Ausdruck. „Pester Lloyd", die ungarische Zeitung, meint, mehr noch der Ton als die Formulierung zeige die Zurückweisung. Man habe den Eindruck, dab das Jneinandergreisen von Argumenten und Gegenargumenten in der Chamberlain-Erklärung fehle. Der „Magyar Nemzet" stellt fest, dab Chamberlain den Standpunkt der Westmächte insofern geklärt habe, als nunmehr klar sei, daß sie die Rede des Führers nicht als Verhandlungsbasis für den Frieden ansehen wollten. In Jugoslawien ist man überzeugt, daß England unter allen Umständen und mit allen möglichen Vorwanden ein starkes Deutschland vernicht en wilh wobei ihm jedes Mittel recht ist. In der ingoslMischen Presse wird zudem die teilweise Verlogenheit und Niederträchtigkeit der Chamberlainfchen Erklärung unterstrichen.
I» Japan starke Befremdung
. 3n Japan haben die verantwortungslosen und hetzerischen Erklärungen des britischen Premiers allgemeine Enttäuschung und Ablehnung hervorgerufen Die politischen Kreise in Tokio betonen, daß der Mangel an klarer Vweisfiihrung in den Reden Chamberlains und Daladiers angesichts der.„klaren und unmißverständlichen Vorschläge Deutschlands stärksten? befremdet. Sie seien lediglich auf die innere Propaganda berechnet und lieben rede konstruktive staats.politische Einstel- luns vermissen Die javanische Preste stellt fest, dab die etriedenspolitik Adolf Hitlers von London abgelehnt worden sei ohne konkrete Gegenvorschläge anzuführen. Aus der Haltung Englands und Frankreichs gehe jedenfalls her- vor, daß diese Lander ihre direkten und indirekten antideutschen Machenschaften weiterzuführen beabsichtigen.
„Chamberlain will keinen Frieden"
Den gleichen Tenor haben auch die mexikanischen und ivanischen Pressestimmen. Die mexikanischen Zeitungen weiten.allgemein darauf bin, daß Chamberlain keinen Frieden will. „Noticias" hebt hervor dab nunmehr ein Friedensschluh vorläufig nicht zu erwarten sei, dag vielmehr der Krieg voraussichtlich mit verstärkten Mitteln aufgenommen werde. In Spanien wird von der Cdamberlain-Erklarung ein kurzer Auszug gebracht unter der Schlagzeile „Chamberlain weist Hitlers Friedens- vrogramm zuruck".
... Muss o l i n i hat in Anwesenheit des Staatssekretärs mr Ztalienisch-Ottafrika den Oberbürgermeister von Addis Abeba empfangen, der ihm eingehend Über den Aufschwung der Sauptttadt von Jtalieniich-Ostafrika und Über die dortigen.Neubauten berichtete. Ebenso wie in der neuen EurooaeMadt sind auch im Eingeborenenoiertel grobe Ar- deiten im Gange.. .Dort, werden nickt weniger als 25 000 wann Ratten für die Eingeborenen errichtet.
Tokio, 13. Okt. (Funkmeldung.) Nachdem „Nitschi- Nitkchi" die Nachricht verbreitet batte, daß britische Kriegsschiffe in unmittelbarer Nähe der japanischen Hoheitsgewässer ausgetauchr seien und javanische Handelsschiffe angehalte» hätte», bat eine amtliche britische Bestätigung dieser Meldung in Tokio stärkste Erregung beroorgerufe». Die hiesigen politische» Kreise erwarte» daher, daß auf die Erklärung des hiesigen britische» Marineattackes eine javanische Eegen- erkläruag erfolgen werde. Tatsächlich, so meinen die politischen Kreise, fei diese Überwachung javanischer Häfen durch den Engländer für Japan in höchstem Maße befremdlich. Geradezu herausfordernd sei jedoch die britische Behauptung, dab die britischen Schiffe in der Nähe der javanischen Hoheitsgewässer nur für den „gewöhnlichen Patrouillendienst" eingesetzt seien, wie er „über die ganze Welt" durchgeführt würde. Die politischen Kreise erklären zu dieser dreiste» Ausrede, daß sich Japan im Kriege mit China befände nnd daß der Aufenthalt britischer Kriegs- schiffe innerhalb der seettrategisch wichtigen Nachschubzone Mischen der javanischen und der von Japan blockierten ÄnAfchen ÄSMe nicht mit der Erklärung de» britischen
Amsterdam, 13. Okt. Am Donnerstagnachmittag gab der englische Ministerpräsident vor dem Unterhaus seine angekündigte Antwort auf den Friedensvorschlag des Führers.
Chamberlain begann seine Ausführungen mit der An- tunbtgung, dab er auf die Rede des Führers, nachdem Beratungen mit den Regierungen der englischen Dominien und der französischen Republik stattgefunden hätten, nun die Stellung der britischen Regierung klarmachen müsse. Nachdem er zunächst rückblickend alle lügenhaften Argumente und Fälschungen der politische und diplomatischen Vorgeschichte des Konfliktes nochmals mit £er berannten englischen Arroganz wiederholt und heuchlerisch, behauptet hatte, daß England nickt um irgend- «ines rachsüchtigen. Zweckes willen in den Krieg gezogen sei. sondern lediglich zur Verteidigung der Freiheit, und einem Frieden zustrebe, der keinen unstcheren Waffenstillstand, sondern eine Beseitigung der „ständigen Drohungen" bringen müsse, wies er unter heraus- forberuhen Beleidigu.ngen Deutschlands die dar- gebotene Friedenshand, des Führers zurück mit den Worten: „Was einer solchen <yriehensregelung im Wege steht, ist die Regierung und .die deutsche Regierung allein Chamberlain ging tn seiner Heuchelei so weit ^„SeJ.fLu-pteni Deutschland habe. ein Vermittlungsangebot Mussolinis abgelehnt, wahrend in Wirklichkeit alle Welt weis, dab England es. war, das den von Deutschland bereits angenommenen..Vermittlungsvorschlag des Duce sabotierte Auf den großzügigen und von wahrhafter Verantwortung gegenüber den Volkern Europas getragenen Friedensvlan des H.uhrers hatte Chamberlain nichts anderes zu erwidern als die z y n i s ch e A b s a ge: „Friedensbedingungen, die damit anfangen. daß man dem Angreifer verzeiht tonnen nicht annehmbar sein." Die von höchst realpolitischen Erwägungen getragenen . konstruktiven und präzisen Vor- tolage des Führers bezeichnete er unter Verfälschung der ?^af,Jpeit als „vage und unsicher", da sie Heine Andeutungen 'ur die Wiedergutmachung des — wie Chamberlain sich ausdruckte — Unrechtes an . der Tschecho-Slowakei und Polen enthielten. Chamberlain scheute stch nicht, diese abgedroschenen Phrasen aufs neue vorzubringen, obwohl er, wiereder andere, weiß, dab die Tschechei durch einen freiwillig abgeschlossenen Staatsvertrag stch unter den Schutz des Deutschen Reiches stellte und in der Führer-Rede als Ziel der Relchsreglerung die Herstellung eines polnischen ■ Staates ausdrücklich festgelegt wurde.
. Chamberlain lieb in seinen weiteren Ausführungen keinerlei Zweifel mehr daran, dab, ganz gleich, was Deutschland auch immer vorschlagen wird, England esdarauf an kommt, Deutschland zu vernichten unter dem plumpen Vorwand, feine Regierung beseitigen zu wollen. Er erklärte nämlich, selbst wenn Hitlers Vorschläge definierter gewesen wären und Andeutungen enthalten hätten, dieses angebliche Unrecht wiedergutzumachen, würde es noch immer notwendig sein zu fragen, mit welchen Mitteln die deutsche Regierung die Welt davon zu überzeugen beabsichtige, dab der Angriff. aufhören werde und dah Versprechungen gehalten wurden. In diesem Tone hält es der britische Premierminister für. angebracht, mit dem deutschen Volke, das England die Friedenshand dargeboten hat, zu sprechen. Obwohl der Führer in seiner Friedensrede außerordentlich konkrete Vorschläge unterbreitete und gangbare Wege zur Garantie der Sicherheit der europäischen Völker wies, so dab bei gutem Willen Englands und Frankreichs die Taten sogleich hätten folgen können, erklärt derselbe Mann, der durch seine Haltung diese Taten verhindert, pharisäerhaft: „Taten — nicht Worte allein sind notwendig, ehe wir, das bttttsche Volk und Frankreich, unser tapferer und vertrauter Verbündeter, berechtigt wären, anfzuhören. einen Kampf bis zur äußersten Grenze unserer Stärke zu führen."
Gegenüber den von den neuttalen Nachbarn Deutschlands mit grober Genugtuung begrüßten Zusicherungen des
ß Ollicnnhon Werktäglich nachmittags.
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Unterhaltungsbeilage. $erliner $üro: ®er!m-Wmct3b0tf
