Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener TaMatt

Druck nab Strlag: (4^ Erscheinungszeit:

Erscheiimngszeit

Nr. 237

Dienstag, 10. Oktober 1939

87. Jahrgang

Bq-aspr-ise: Für eine B-zugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.— ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 235, zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, d,e Ausgabestellen, die Träger und alle Postanfkalten. — Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt reinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezug^retfe». ®®®®®®e®>e®e®@eee®e»ee@®®®a»e®@e®

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höbe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Erund. preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisllste Nr. 6, Nachlässe nach Preisliste Nr. 6. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Sewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 9‘A Uhr vormittags. Größere Anzeigen müßen spätestens einen Tag vor dem Erschsinungstage aufgegeben werden.

L. Schellenbera'^be BattonufertL JEaaMett*Amis* r »<

Fernsprecher-Sammel-Rr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. ÄLthöNll

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405. mit eimr täglichen

ft Wilcnnfl»« Werktäglich nachmittags.

u Seschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn. u. Feiertags

Unterhaltungsbeilage $6rlmer 23010: B-riin.Wilm°r-d°rf

Stimmen der Vernunft

Die politische Situation in neutraler Beleuchtung

wt. Die europäische Lage spiegelt sich in den Augen des neutralen Auslandes wesentlich anders als die Regierungen Frankreichs und Englands ihren Völkern glauben machen wollen. Allüberall hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß die heutige politische Situation in keiner Weise verglichen werden kann mit den Verhältnissen während des Weltkrieges. Eine aufschlußreiche Illustration dieser Einstellung bietet das Oktoberheft der „Europäischen Revue" (Deutsche Ver­lagsanstalt Stuttgart-Berlin), in dem wiederum eine Reihe namhafter Persönlichkeiten zu Gehör kommt. Zumeist be­schäftigen sich ihre Aussätze mit grundsätzlichen Fragen, die sich aus dem augenblicklichen Stand der Weltpolitik ergeben. „Deutschland und die Neutralen", überschreibt Botschafter von Hassell seine Untersuchung über Begriff und Wesen der Neutralität. Der Verfasier unterstreicht vor allem den Pflichtenkreis, den die Neutralität den einzelnen Staaten auserlegt. Sehr interessant sind auch seine Darlegungen über die Stellung Deutschlands den Neutralen gegenüber. Sie ist diesmal weitaus stärker als vor einem Vierteljahrhundert. Der Hinweis aus die offenen Türen nach dem Norden, Osten, Südosten und dem Süden erhärtet diese Feststellungen. Selbstverständlich, daß die Gegner Deutsch­lands auch heute wieder nach altbewährter Methode ver­suchen, die neutralen Staaten in die Feindfront gegen das Reich zu treiben. „Deutschland muß aber darauf bestehen", so schreibt Botschafter von Hasfell, „daß neutrale Länder keine Maßnahmen der Gegner, vor allem keine Kontrolle der eigenen Wirtschaft und des eigenen Verkehrs, dulden, die mit einer gleichmäßigen Fortsetzung der Handelsbeziehungen zu beiden Parteien unvereinhar sind."

Von erfreulicher politischer Einsicht zeugt auch der Ar­tikel des früheren jugoslawischen Ministers Dr. U l m a n s k i Zu dem Problem Politik-Wirtschaft. Er verweist vor allem auf die geopolitischen Fehler, die bei den sogenannten Friedensschlüssen begangen wurden und gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß sich unnatürliche Z u - stände nicht ewig aufrecht erhalten lassen, daß sie vielmehr mit der Zeit gerade zu neuen schweren Er­schütterungen der Völkergemeinschaft führen müsien. Auf der­selben Linie liegt der Aufsatz des norwegischen Gelehrten Dr. Hermann Harris Aall, der seine Ausführungen mit der Überschrift „Wcltdesvotismus und Frie­densfront" versieht und dadurch bereits seine Auffassung über die brennenden Probleme der Gegenwart kennzeichnet. Er zeigt u. a., daß das wichtigste Mittel Englands stets jene Herrschaft über die Meere war, die in Wahrheit mit einer Rechtlosigkeit auf den Meeren gleichbedeutend ist. Aber dieser rechtlose Zustand, so fährt der Verfasser fort, könnte dadurch sein Ende finden, daß sich der Kontinent zu einer gemeinsamen Politik zusammenschlösse. Um dieser Ge­fahr vorzubeugen, habe England das Prinzip des Gleich­gewichts der Mä ch te aufgestellt, ein Prinzip, mit dem es ihm indessen in Wirklichkeit gar nicht ernst war. „So läuft die britische Politik, kurz gesagt, darauf hinaus, daß die Sicherheit Englands die Unsicherheit Europas voraussetzt. Wenn die Völker erkennen würden, worauf diese Politik hinzielt, würden sie sich vereinigen und ihr gemeinsam ein E n d e bereiten."

Sehr wertvoll ist auch eine Äußerung aus neutralem Munde über die Beurteilung der englischen Agitation, die zwischen das deutsche Volk und seinen Führer einen Keil schieben möchte. Diesem Bestreben tritt der Stockholmer Schriftsteller Dr. Rutger Essön entgegen, wenn er die alte Anmaßung der Westmächte geißelt, die ein geeintes Deutschland stets als eine „Gefahr" bezeichnet haben. Rur so ist es zu verstehen, daß jedem deutschen Staatsmanne, der die deutsche Einigkeit zu verwirklichen trachtete, bedeutet wurde, daß er, nicht das „wirkliche" Deutschland vertrete. Denn dieses „wirkliche" Deutschland sei im Gegensatz zu den Völkern der älteren Großmächte naiv und solle darum lieber die Führung Europas den älteren und reiferen Völkern über­lassen. Dr. Essön stellt fest, daß das nationalsozialistische Regime die verschiedenen Erscheinungsformen des deutschen Wesens — Dichter und Staatsmann, Soldaten und Ar­beiter — zu einer Einheit gemacht habe. „Es ist fortan unmöglich, von „verschiedenen Deutschlands" zu sprechen. Das „wirkliche" Deutschland ist zu einem einzigen und einigen geworden."

Der Neubau Europas beginnt

unserer Berliner Schristleitung

Eigener Drahtbericht

Umsiedlung der Batten-Deutschen

as. Berlin, 10. Okt. Die kurze Meldung des DRV., daß im Zuge der vom Führer in seiner Reichstagsrede angekün­digten Maßnahmen der Umsiedlung deutscher' V o l k s t e i l e zwischen der Reichsregierung und der estnischen und lettischen Regierung Besprechungen ausgenom­men worden sind, die Umsiedlung unter Wahrung der Ver­mögenswerte einzuleiten, zeigt, wieschnell auchhier der Nationalsozialismus handelt, um die Pläne zur europäischen Befriedung zu verwirk­lichen. Der Führer hat ja in seiner großen Reichstagsrede vom 6. Oktober nachdrücklich darauf verwiesen, daß ohne eine Umsiedlung der Nationalitäten eine endgültige Befriedung im europäischen Ost- und Südostraum unmöglich ist, da durch die jetzige unglückliche Verteilung der Nationalitäten, durch die verschiedenen Volkstumssplitter immer wieder Kon­fliktsmöglichkeiten geschaffen werden. Es ist nun nicht so, daß gerade um dieser Frage willen mit den baltischen Staaten, zu denen wir gute und feste Beziehungen haben, be­sondere Meinungsverschiedenheiten bestehen. Der Grund der Verhandlungen mit Lettland und Estland ist vielmehr darin zu suchen, daß die zurückgewonnenen deutschen Ostgebiete wieder mit deutschen Menschen gefüllt und durch deutsche Arbeit wieder zu Kulturgebieten gemacht wer­den sollen. Als Deutsche unter Deutsche im Schutz des mäch­tigen Eroßdeutschen Reiches werden diese Volksgenossen künf­tig wieder eine Arbeit leisten können, die auch unmittelbar wieder dem Volksganzen zugute kommen wird. Das alles kann nur denjenigen mißfallen, die immer die Lüge verbrei­teten, Deutschland wolle seine Volksgruppen öder Volks­splitter als Vortrupps und als Vorwand für eine imperia­listische Einmischungspolitik mißbrauchen. Mit der Rücksied­lung dieser deutschen Volksgruppen werden diese Lügen schlagend widerlegt, genau so wie durch den deutsch-sowjet- russischen Vertrag das Gefasel von deutschen Weltherrschafts­plänen, deutschen Absichten auf die Ukraine usw. ein für alle­mal erledigt wurden.

Während hier also sehr prompt die weit vorausschauen­den Pläne des Führers der Verwirklichung entgegengeführt werden, erhebt die neutrale Presse immer wieder die Frage, ob die englischen Kriegshetzer sich wirklich dem Neubau Euro­pas entgegenstellen wollen. Denn daß es jetzt, wenn die Frage Krieg oder Frieden gestellt wird, nicht mehr darum geht, ob die Zertrümmerung des in Versailles geschaffenen Polen anerkannt wird oder nicht, sondern daß es sich um weitaus mehr, nämlich um den Aufbau eines neuen und f e st e r e n Europas, als es in Versailles zusammen­gestümpert wurde, handelt, ist in der großen Reichstagsrede des Führers klar zum Ausdruck gekommen. Das ist auch durchweg richtig erkannt worden. Es scheint auch fast, als ob in England, zum mindesten in einigen Kreisen die Ansicht aufflackert, daß das alte Polen nicht wieder hergestellt wer­den kann. So muß die „Time s" einer Zuschrift ihre Spal­

ten öffnen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß es eine Möglichkeit, Polen in seinen früheren Grenzen wiederherzu­stellen, nicht gibt. In ganz ähnlichem Sinne äußert sich auch Lloyd George in einem Artikel, den er allerdings in amerikanischen Blättern veröffentlicht, offenbar weil ihm die englische Presse nicht zur Verfügung stand. Es gibt freilich auch genug andere und völlig unsinnige englische Anschau­ungen und Artikel. Dasalles aber sind Äußerungen von Männern, die keine Verantwortung zu t r a g e n h a b e n. Es ist nicht die Antwort der wirklich maß­gebenden englischen und französischen Stellen. Wann diese Antwort erfolgen wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Man spricht davon, daß Herr Chamberlain noch im Laufe dieser Woche antworten würde, doch heißt es dann zugleich, daß es sich dabei voraussichtlich noch nichtumeine end­gültige Antwort handeln werde. Wir verzeichnen solche Mitteilungen, ohne ihnen besondere Bedeutung beizu­messen. Daß die Verantwortung bei den Westmächten liegt, ist auch von neutraler Seite ganz klar und eindeutig festgestellt worden. Auch darüber wird man sich in London und Paris nicht täuschen können, daß unsere Position nach der Niederwerfung Polens und nach den«deutsch-sowjet- russtschen Vereinbarungen, aus denen ja gerade jetzt auf wirtschaftlichem Gebiet die ersten Folgerungen gezogen wer­den, außerordentlich günstig ist. Die Engländer und Franzosen werden sich weiterhin nicht darüber täuschen können, daß sie auf den härtesten deutschen Abwehrwillen stoßen werden, wenn tatsächlich die Kriegshetzer den großen Krieg herbeiführen sollten. Wir unsererseits beginnen jeden­falls schon jetzt, wie die Umsiedlungsverhandlüngen zeigen, den Neubau Europas getreu der Parole des Führers.

Infamer Schwindel

Meldung über den „Rücktritt des englischen Kabinetts" ein Werk des Secret Service

Berlin, 10. Okt. (Funkmeldung.) Das englische Lügen­ministerium bat sich zur Verwirrung der öffentlichen Mei­nung einen neuen infamen Schwindel ausgedacht. Durch die Agenten des Secret Service läßt es in der ganzen Welt das Gerücht verbreiten, daß die englische Regie­rung zurückgetreten und ein „W affen st ill st and mit Deutschland abgeschlossen fei“. Dieses Gerücht soll, wie jedermann sofort feststellen wird, nur dazu dienen, die Völker in Unruhe zu versetzen, in der es der Lügenpolitik der englischen Kriegshetzer um so leichter möglich würde, ihre dunklen Pläne zu verfolgen.

Es muß demgegenüber mit aller Klarheit sestgestellt werden, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort ist.

Der Bericht des Oberkommandos

Die befohlenen Tagesziele in Polen erreicht

Berlin, 10. Okt. (Funkmeldung). Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im O!t e » wurden im Vorgehen auf die deutsch-russische Juteressengrenze die befohlene« Tagesziele erreicht.

Im Gebiet nördlich des Bug und im Suwalki-Zipfel sind damit die Bewegungen im wesentlichen abgeschlossen.

Im Westen geringe Svähtruvv- und Artillerie­tätigleit.

Litauen stimmt zu

Bizauskas und Rastikis auf dem Rückflug nach Moskau

Kowno, 10. Okt. (Funkmeldung.) Der litauische Bize- ministervrafident Bizauskas uud der Armeechef, General Rastikis, die gestern zur Berichterstattung über die Mos­kauer Verhandlungen nach Kowno gekommen waren, find heute morgen mit einem Sonderflugzeug wieder nach Moskau abge- flogen.

Bei den im Laufe des gestrigen Tages geführten Be­ratungen hat die litauische Regierung beschlossen, das Ab­kommen in dem von Sowjetrubland vorgeschlagenen Rahmen ru ratifiziere« und den von Sowjetrußland vorgeschlagenen Bedingungen zuzustimmen.

Ankauf wünschenswert sei, um sie Deutsch­land zu entziehen (!), in enger Fühlung stände. Zu­ständig für diese Käufe seien das Versorgungs-, Lebens­rnittel- und Handelsministerium.

Bia Sibirien

Mandschurische Sovabobnen für Deutschland und Italien

Tokio, 10. Okt. (Funkmeldung.) Wie das Jndustrie- büro in Osaka mitteilt, stehen die Mandschukuo-Regie- rung und die slldmandschurischen Eisenbahnen mit den Sowjets in Verhandlungen über den Transport von Soya- bobnen nach Deutschland und Italien via Sibirien. Der be­trächtliche Soyabohnenerport Mandschukuos nach diesen Län­dern, der früher übers Mittelmeer ging, ist in­folge des Kriegszustandes aufs schwerste bedroht.

Aus Stockholm verlautet: Gewisse Kategorien von Militärdienst pflichtigen, die für Svezial- dienste unter die Fahnen gerufen worden waren und die am 15. Oktober wieder entinobilisicrt werden sollten, wer­den bis aus weiteres unter den Fahnen bleiben.

„Nicht einen Tropfen Blut für Englands Krieg!“

Moskau erwartet die finnische Abordnung

Moskau, 10..Okt. Die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft einer finnischen Regierungsdelegation in Moskau unter Führung des Geiandten Paasikivi wird heute in den Sowjetblattern stark hervorgeboben. Die Aufgabe der finnischen Unterhändler.sei es. so betonen die Zeitungen, die Finnland und die Sowietunion berührenden politischen und wirtschaftlichen Fragen einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. ________

Englische Aushungerungspotttik!

Chamberlain über die Tätigkeit der Einkauksabteilungen der Regierung

Loudon, 10. Okt. (Funkmeldung.) Ministerpräsident Chamberlain gab im Unterhaus bekannt, daß die Ein- kaufsahteilungen der Regierung mit dem Minister für die Wirtschaitskriegfübrung wegen der Frage von Waren, deren

Scharfe südafrikanische Abrechnung

Amsterdam, 10. Okt. (Funkmeldung.) Daß es in Süd- airika nicht nur Männer wie General Smuts gibt, die die Union an den englischen Kriegswagen anhängen, sondern auch solche, die hinter das Spiel blicken, das England mit der Südafrikanischen Union zu spielen versucht, geht aus den Ausführungen hervor, die der Führer der Nationa­listischen Opposition Südafrikas. Dr. Malan, in einer Rede im Volksrat gemacht hat. Dr. Malan. der in diesen Gedankengängen dann auf der Seite des von Smuts gestürzten früheren Ministerpräsidenten General H e r tz o g steht, sagte dabei u. o.: „Jetzt kommt General Smuts zur Behauptung, Deutschland habe die Absicht. die ganze Welt zu beherrschen. Dabei geht es um Propaganda, wie wir sie auch im Weltkrieg gekannt haben. Ich frage: Ist das deut­sche Auftreten nicht immer von zwei Gedanken beherrscht ge­wesen, erstens wiederherzustellen, was mit dem Frieden von 1919 geraubt wurde, und zweitens alle in einem Reich zu vereinigen, die zum deutschen Volke gehören und die

mit dem Engländersreund Smuts

deutsche Sprache sprechen. Für einen Afrikaner ist das kein Gedanke, der abzulehnen ist. Dieser Wunsch ist natürlich.

„Unter diesen Umständen, uns zu bitten, unser Blut für Danzig und den Korridor zu opfern, ist zu viel von Südafrika verlangt. Ein derarttger Krieg ist nicht eine Kugel aus einer afrikanischen Flinte und nicht einen Tropfen Blut eines Südafrikaners wert. Man hat hier gesagt, Südafrika sei moralisch verpflichtet, an der Seite Englands zu kämpfen. Wir reden hier von Frei­heit. wenn das.aber so ist, dann sind wir ein Land von Sklaven. Jenes Argument ist nichts anderes als eine Unterminierung unseres Unabbängigkeitsstatuts.“