Seite « 9h. 232
Wiesbadener Tagblatt
Mittwoch, 4. Oktober 1939
Plato und Fontane
Zwei merkwürdige Prophezeiungen . . .
-er. Ein gelegentlicher Mitarbeiter legt uns aus seiner Sammlung merkwürdiger Voraussagen der Weltgeschichte zwei höchst zeitgemäße Stücke vor. Die eine Prophezeiung stammt von dem griechischen Philosophen Plato, der 427 bis 347 vor der Zeitenwende lebte und — in Timäus S. 24 A bis 25 D, Critias S. 110 C bis 121 C — folgendes berichtet:
„Es war einmal in Europa ein ansehnliches Volk, das auf gesegnetem Boden in fleißiger Arbeit ein wohlgeordnetes Gemeinwesen begründet hatte. Ackerbau und Gewerbe schufen wachsenden Wohlstand. Künste und Wissenschaften gediehen zu herrlichster Blüte. Die Lebensführung hielt die rechte Mitte zwischen Prunk und unedler Ärmlichkeit. Tüchtigkeit, Einsicht und Gerechtigkeit waren in schönem Bunde verknüpft. Die kraftvollen und wafsengeübten Männer übertrafen an Tapferkeit alle anderen und wurden Führer und Beschützer schwächerer Stämme. Aber zufrieden mit den Erträgen ihres Landes und ihrer Tätigkeit begehrten sie nicht nach den Gütern der Fremden und lebten in Frieden und Freundschaft mit den Nachbarn. Nun lag westlich von diesem Lande draußen im Meer eine Insel, auf der ebenfalls ein mächtiger Volksstamm wohnte. Sie hieß Atlantis und war fruchtbar und reich an Schätzen des Bodens, namentlich an Erz. Viele Güter strömten auch von außen herzu, denn die Insulaner gewannen vermöge ihrer Schiffsmacht bald die Herrschaft nicht nur über die Nachbarinseln, sondern weithin an den Küsten Aftikas bis nach Ägypten. So wurden sie unermeßlich reich, wie kein anderes Volk zuvor, und bauten hohe Tempel und prächtige Schlösser, zahlreiche Häfen und geräumige Schiffswerften. Solange sie nun Edelsinn und Tüchtigkeit höher achteten denn das viele Gold, waren sie glücklich und angesehen. Als es ihnen aber zu wohl wurde und die Schwächen der menschlichen Natur die Oberhand gewannen, da rissen Selbstsucht. Habgier und Eroberungsdrang ein. Dem schärfer Sehenden wurden sie jetzt verächtlich, weil sie das Schöne und Ehrenvolle um schnöden Geldgewinn preisgaben, den Toren aber schienen sie gerade damals auf der Höbe ihres Glanzes und Glückes zu stehen.
J I M
«r / .« et
Idyll bei einem Bombengeschwader an der Front (PK-Weltbild. K.)
Da beschloß Zeus ihren Übermut zu strafen. In ihrer Verblendung lieben sie sich zu einem Heereszuge gegen jenes friedliche Volk des Festlandes hinrerßen. Und nun bewahrte
sich der Unterschied zwischen wahrer und Lernbarer Tüchtigkeit. Denn das Ostvolk zeigte sich auch ohne Hilfe her anderen in der äußersten Bedrängnis so überlegen an Seelenstärke und in jeglicher Ari von Kriegskunit. dag es über die Gegner den völligen Sieg gewann So ichutzte es zugleich die noch nicht Unterworfenen vor der Knechtlchait und befreite die schon Geknechteten. Es war die größte und schönste Heldentat, welche dies Volk vollbracht bat Die. Insel Atlantis aber soll in einer furchtbaren Nacht mitsamt ihren Bewohnern ins Meer versunken sein."
Eigentlich ist das die bekannte Atlantis-Sage. Aber man fetze einmal für Atlantis England, und man ist überrascht von soviel Sehergabe.
Englands tönerne Füße
Die zweite merkwürdige Prophezeiung hat der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane (geb 1819. gest. 1898) ausgesprochen. Dieser feinsinnige Preuße aus Hugenotien- blut war nicht nur Romandichter, sondern auch ein ausgezeichneter Kenner und Schilderer Englands. Er untersuchte in dem Buch über seinen Aufenthalt im Vereinigten Königreich Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts..mit welchem Recht damals ein französisches Blatt England einen Koloß auf tönernen Füßen nannte. Zu jener^Zert klang diese Bezeichnung noch wenig glaubhaft, aber montane erkannte klar die Richtigkeit des Wortes.. „Die tönernen Füße Englands", sagt er. „sind das gelbe Fieber des Goldes, das Verkauftsein aller Seelen an den Mammonsteufel Die Krankheit ist da und wühlt zerstörend wie ein Gift im Körper, aber unberechenbar ist es, wann bie Vertaultheit sichtbar an die Oberfläche treten wird. England, in äußere, selbst unglückliche Kriege verwickelt, mag die roten Backen der Gesundheit noch ein Jahrhundert und darüber zur Schau tragen, aber das Lager von Boulogne in einer Nebelnacht 10 Meilen nördlich verpflanzt, und — der Goliath liegt am Boden. England ist ein Simson, aber erfaßt am eigenen Herde, sind ihm die Locken seiner Kraft genommen, und. einmal gedemütigt. würde es sich schwer zu neuem Mut erheben. Jener starken Dogge ähnlich, die den Kampf selbit gegen den Schwächeren nicht wieder wagt, der ne einmal besiegt. Der Engländer flieht schwer: wenn er flieht, flieht er gründlich. Auf eigenem Boden angegriffen, war diese Insel immer schwach. Die Römer, die Sachsen, die Dänen, die Normannen, alle kostete es nur eine Schlacht, um sich zu Herren und Meistern der Insel zu machen.
11
llntemW
MWMW
Danksagung
Statt Karten
■| Betrifft
reldpost!l
12
im 68. Lebensjahr.
an
(Name des Bestellers)
(Straße und Nr.)
(Ort)
Wiesbaden, den 4. Oktober 1939 Seerobenstraße 21
täglich frisch von der Kelter in bekannter Güte
An den Verlag des „Wiesbadener Tagblatt“ Wiesbaden, Langgasse 21.
Ich beauftrage Sie, ab sofort das „Wiesbadener Tagblatt'
£ Aufstoßen?
Dr. Hähle’s Heilkrafterde Sandfrei
Diät- u. Reformhaus
Langgasse 8
Für die uns erwiesene Anteilnahme und für die Kranrund Blumenspenden bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sprechen wir unseren herzlichen Dank aus.
Bringen Siejetzt Ihren Winter- but z. Modistin. Roberts.
Steingasse 30. 1.
Wilhelm Enders
Ulla Enders, geb. Geis.
Die Beisetzung hat in aller Stille statfgefunden. — Blumen dankend verbeten.
Ihren Winterhut bekommen Sie schnellstens und preiswert umae- vreßt u. umae- arbcitet bei
Erna Wehle
Damenbüte. Wellritzstr. 2. Ecke Sckwalb. Straße. Laden.
Die Beerdigung findet am Freitdg, den 6. Oktober 1939, nachmittags VV2- Uhr auf dem Südfriedhof statt; das Seelenamt am gleichen Tag vorm. 10 Uhr St.-Elisabeth-Kirche.
In tiefer Trauer: .
Auguste Muth
Josef Schütte u. Frau, Margarethe, geb. Muth
Hans Muth u. Frau, Inge, geb. Michel
Gustel Muth
Wolfgang Schütte, Enkel und Verwandte x
Für Möbeltransport ab Saarbrücken 5-To.-Laktwagen gesucht, d. 6-w- Möbelwaaen ab Mesb. bin und zurück anbänaen kann. Ana. unt. 2, 431 an T.-V.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johann Wenzel
Goebenstraße 15.
Feldpost Nr.-------------------------------------------
Feld postsam melsfelle------------------
zu senden.
Den Monatsbezugspreis von RM 2.— wollen Sie bei mir kassieren lassen.
Unser lieber Vater
Herr Fritz Enders
ist am 1. Oktober im 85. Lebensjahre sanft entschlafen.
Fahrschule Brezing
Bertramstr. 15 . Ruf 23016 . Ausbildung in allen Klassen
Gestern abend entschlief plötzlich und unerwartet, im 71. Lebensjahr, unsere bis in den Tod treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Margarethe Form, im.
geb. Pauli.
In tiefer Trauer:
im Namen der Hinterbliebenen:
Friedrich Reuß u. Frau, Maria, geb. Form Schwester M. Ordinate, a. D.J. Chr.
Helmut u. Inge, als Enkelkinder.
Wiesbaden (Körnerstr.8), Willebadessen, den 3. Oktober 1939
Die Beerdigung ist am Donnerstag. 5. Oktober, nachmittags 2.15 Uhr auf dem Südfriedhof; die Seelenmesse ist am gleichen Tage, vormittags 8 Uhr in der St.-Dreifaltigkeits-Kirche.
Schiersteiner Straße 11
I Wellritzstraße 17 Jfallll Schwalbacher Straße 9
W-Hl
6-Sitzer. Langckassis. mit Hintertür. als Kombinationswage«, in gutem Zuktand zu verkaufen.
Wäscherei A. Herborn.
W.-Bier!tadt. Lansaalse 48. Fernruf 2L481.
Mmung eines GrüberWes ans dem neuen MWs in MMeu-Werstein
Mit Genehmigung der Eesundheitsvolizei .soll ein Teil des Kindergräberfeldes B auf dem Friedhof an der Wallufer Straße in Wlesbaden-Schler- ftein zwecks anderweitiger Belegung abgeräumt werden. Es betrifft die von 1898 bis 1. 10. 1909 belegten Kindergräber und zwar die eilten zehn Gräber in den Reiben Nr. 1—7.
Die Hinterbliebenen der auf diesem Teil des Gräberfeldes Bestatteten, die Anwruch aus noch vorhandene Erabzeichen und Erabrabmen haben (Pslanzenschmuck. wie Koniferen und Sträucher ausgenommen) werden aufgefordert, ihr nackweis bares Eigentumsrecht bei der Verwaltungsstelle Wiesbaden-Schierstein geltend zu machen. Dem Antragsteller wird ein Erlaubnisschein ausgefertigt, gegen dessen Aushändigung an den «iriedhofswarter gestattet wird, das Grabreichen uiro. b,s spatesten» 15. Oktober 1939 abzubolen. ..
Anderweitige Aufstellung von abgeraumten Grabzeichen usw. ist gegebenenfalls nur n^.der bei der Verwaltung der Garten-, Park- und Friedbois- anlagen nachzusuchenden gebührenpflichtigen Genehmigung zulässig.
Erabzeichen usw.. die bis zum 15. Oktober 1939 nickt abgebolt sind, geben in das Eigentum der Stadt Wiesbaden über, die über die Verwendung verfügt.
Wiesbaden, den 28. September 1939.
Der Oberbürgermeister.
Süßer
Wfel-Most
G Lampions,-Papiere
Leucht-Ansteckabzeichen f. Wiederverkäufer
Fahnen-John
Ecke Rhein- u. Oranienstr. 2,Tel.24325
Eründl-Nackbilfe i. Deutsck. Franz, u. Enal, erteilt erfahr. Lehrerin. Wiederhol, für Ahitur. Ana. u. E. 416 an T.-V.
Am 2. Oktober 1939 entschlief nach kurzem schwerem Leiden unser herzensguter treusorgender Vater, lieber Bruder, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel
Herr Hermann Muth
Junae Frau empfiehlt fick in Wäsche- und Kleidernähen. Ana. G. 431 TV.
Werde Mitglied der NSV.
Sören EeMeil
Verl, am 2. Okt.
Mill
aez. E. B.. R .K. 7. 7. 88. Gegen Belohn, abzua. Weinberaktr. 17. Parterre.
Kl. aold. «tmL» Uhr gell, abend verl. d. Rhein- itr.. Haltestelle
Linie 2. b. Bahnhof. ober dort. Da Andenken bitte abzuaebeu aea. Bel. auf d. Fundbüro.
\y
Wasser-Wirth
Wiesbaden, im G ü ter bah n hof West • Ruf20054
