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Wiesbadener Tagblatt

B. SMXenbuakbe BiAtnAnL^rdM.Ant« ____ Eriche iimngszeit:

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Nr. 231

Dienstag, 3. Oktober 1939

87. Jahrgang

6 Ausgaben

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Zwischen zwei Kriegen"

(eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Friedens- und Trutzblock

SS. Berlin, 3. Okt. Die Berliner Besprechungen des italienischen Außenministers Graf Ciano haben 'Montag­mittag, wie schon kurz berichtet wurde, ihr Ende erreicht. Graf Ciano hat sofort danach die Rückreise angetreten und gestern abend München passiert. Er wird unmittlbar nach seiner Ankunft in Rom dem Duce Bericht erstatten Die Besprechungen in Berlin erfolgten bekanntlich auf initiative der Reichsregierung, die nicht nur den italienischen Freund über das zu unterrichten wünschte, was inzwischen geschah und was in Moskau vereinbart wurde, sondern die auch das Bedürfnis hatte, sich mit dem italienischen Außenminister über die weiteren Pläne undAbsichten ungestört zu unterhalten, wie die Achsen­vereinbarungen ja auch derartige Konsultationen ausdrück­lich vorsehen. Beide Staaten beobachten gemeinsam d i e Gesamtsituation und setzen ihrerseits alles daran, um den sinnlosen Krieg im Westen zu beenden. Die Berliner Besprechungen des italienischen Außenministers finden denn auch in der gesamten 'ausländischen Presse st a r k e Be a ch t u n g, wobei man nirgends verkennt, daß die Friedensfront eine weitere Stärkung erfahren hat. Ein norwegisches Blatt kennzeichnet die Situation dabei sehr richtig dahin, daß sich ein fester F r i e d e n s b l o ck gebildet habe, der aber auch jederzeit in einen kräftigen Trutzblock umaewandelt werden könne wenn Eng­land hartnäckig auf seinen Kriegsplänen bestehen sollte.

In den demokratischen Ländern verfolgt man die Ent­wicklung mit denkbar größtemMißver'gnügen. Man steht zur Zeit, so formuliert derPopolo d'Äalia" die gegen­wärtige Situation, zwischen zwei Kriegen;' dem­jenigen, der in Polen abgeschloffen wurde und jenem anderen, der im Westen, wo die großen Armeen noch nicht aufeinander geprallt seien, bisher noch nicht begonnen habe. Dazu macht die neutrale Presse den Staatsmännern der Demokratien immer wieder klar, daß eine weltgeschicht­liche Woche begonnen habe und daß alles von der Hal-

nur noch eine einzige lauer Erklärung ang.

ürzten Massen zum aufzurufen, daß Hitler in der Mos-

tung der Demokratien abhängt. Offenbar macht diese ganze Entwicklung den Engländern und Franzosen doch recht große Sorgen. Sie benötigen wenigstens ziemlich viel

für ihre Überlegungen. So hat Chamberlain gestern noch nicht seine Erklärung im Unterhaus abgegeben, sondern auf heute vertagt, da, wie es heißt, die Fiihlung- nahme mit Paris noch nicht zu einem befriedigenden Ergeb­nis geführt habe. In Paris scheint man sich sehr stark für die

»3 Stehens zu interessieren. Aber aus Paris liegt eine offizielle Stellungnahme bisher noch nicht vor.

Offensichtlich haben nun einige Kriegstreiber Angst, daß angesichts der ganzen Lage und der Aussichtslosigkeit eines Krieges für die Demokratien in England und Frankreich sich die Vernunft durchsetzen könnte. So hat Herr Churchill das Bedürfnis gefühlt, noch bevor der englische Ministerpräsi­dent Chamberlain im Unterhaus zur Lage Stellung genom- men Hat, sich rm Rundfunk zu äußern. Churchill hat es dabei für richtig befunden, die bestürzten Kriege mit der Begründung aufzurufer nur noch eine einzige Chance habe, nämlich die in der Mos- kauer Erklärung angelegte Beendigung des Kriegszustandes nn Westen. Ebenso legt auch dieTimes" wie einige andere Blatter die deutsche Friedensbereitschaft als Schwäche aus- Diese Herrschaften übersehen vollkommen, daß in den gleichen Moskauer Erklärungen ausdrücklich betont wird Deutschland, und Sowjetrußland würden kriegerischen Maß­nahmenentsprechend zu begegnen wiffen. Trotzdem setzt Herr Churchill auch fetzt noch seine Hoffnungen aufMeinungs- "^.Ä^'b.denheiten zwischen Berlin und Moskau und erzählt einem erstaunt aufhorchenden Publikum, daß die oowietruffen die neue Linie im ehemaligen Polen lediglich besetzt hattenzur Sicherung Rußlands gegen die Bedrohung durch Die Nazis". '

Diese kleine Auslese aussen ChurchillschenWeisheiten" mag genügen, um zu zeigen, wie verlogen diese ganze ffhnrAHf0« nur Ja9e*b Re war ein echter

Churchill. Herr Churchill kann aber sicher sein, daß ihm die Friedensfront, wenn die Zeit dafür gekommen ist, die ge­bührende Antwort erteilen wird. H

Feuerprobe der Bewährung

Von Hans Scharr

Das atemraubende Tempo der jüngsten volitischen Ereigniffe ließ kaum Zeit zu einer Stunde stiller Selbst­besinnung. Die Wucht der Tatsachen überdeckte ruhige Über­legung und ordnende Rückschau. So mögen wir auch die Umwertung überkommener und die Bildung neuer Begriffe zwar geahnt, nicht aber in ihrer ganzen Trag­weite erfaßt haben. Oder ist dieinnere Fron t nicht unendlich mehr als eine sprachliche Reuschöpfung, ist sie nicht Ausdruck einer charakterlichen Totalrevolution des Volkes im Kriege? Welcher Unterschied zu derEtappe" des Weltkrieges, jenes Sammelbegriffes für tapfere Einsatz­bereitschaft. treue Pflichterfüllung der Millionen Un­bekannter. schmieriges Drückebergertum und landesverräte­rische Zersetzung! Die Etappe dieser Sinndeutung ist aus dem deutschen Wörterbuch verschwunden; nicht einfach gestrichen worden, sondern sie bat ihren wirren, zusammen­gewürfelten Inhalt verloren. Ist auch nicht ersetzt worben durch ein anderes Wort.Innere Front" ist etwas ganz anderes, eine Geisteshaltung, die wir in diesen fünf Wochen erstmalig erlebten. Ein Teil der gesamtdeutschen Front, ohne soziologische Eigenständigkeit, ein Ausschnitt nur der geballten und gelösten Kräfte der Nation, ein von der Führung des Volkes zugeordnetes Aufgabengebiet. Auf­gaben! Pflichten! Ob es für einen jungen Menschen nicht leichter war und ist, mit den feldgrauen Kameraden ins Feld zu ziehen, an den Grenzen des Vaterlandes Wacht zu halten, für des Reiches Ehre zu streiten, als hinter dem Schraubstock, dem Ladentisch, dem Schreibtisch, im Kontor und Laboratorium, in der Fabrik und Werkstatt seine graue Alltagspflicht zu erfüllen, dieweil Millionen unter den Fahnen stehen? Nie wieder Hurrapatriotismus, dieses leicht veränderliche Stimmungsextrem! Erstmals seit Beginn des uns aufgezwungenen Krieges flattern in diesen Tagen die Fahnen des Sieges in deutschen Landen. Erinnern wir uns noch, wie das vor einem Vietteljahr- bundert "war? Und erkennen wir in dieser symbolischen Wandlung nicht die Wende, ja diametrale Umkehr im Denken und Empfinden eines ganzen Volkes? Harte Ent­schlossenheit. leidenschaftlicher Ei.nsatz- wille paaren sich mit dem aufrichtigen Wunsche nach

Graf Ciano berichtet dem Duce

. Rom, 3. Okt. (Funkmeldung.) Außenminister Graf Ciano kehrte beute um 10.50 llbr im Sonderzug von Ber­lin nach Rom zurück. Er begab sich sofort in den P a l a z z o Venezia, um dem Duce über seine Besprechungen mit dem Führer zu berichten.

Zum Empfang des italienischen Außenministers batten nch zahlreiche hohe.Beamte des Außenministeriums mit Staatssekretär V a it t a n t n i an der Spitze, ferner der deutsche Geschäftsträger von Plessen, der MilitärattechL und der Ortsgrnpvenleiter der AO. der RSDAP. sowie der ungarische Gesandte auf dem Bahn­steig emgefundcn. die von Graf Ciano überaus herzlich be­grüßt wurden.

Die Serliner Reise Graf Ciauos beherrscht auch das Bild der Morgen- und. Mittagsblätter, die die lebhaften Kundgebungen der Berliner Bevölkerung für den Duce und Graf Ciano lowie feine überaus herzliche Verabschiedung von Reichsaußeuminister von Ribbentrop unterstreichen.

Der Bericht des Oberkommandos

Umfangreiche Kriegsmaterialbestände in den Festungen Warschau und Modlin erbeutet

Berlin, 3. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Laufe des 2. Oktobers rückten weitere deutscheTrnppenindieFestungWarschanein.

Die Zählung der Gefangenen sowie der in Warschau und Modlin erbeuteten umfangreichen Bestände an Waffen und sonstigem Kriegsgerät dauert noch an.

3m Westen nur. geringe Artillerie- und Flugzeugtätigkert.

Neuorientierung des Baltikums

Zweistündige Besprechung MnntersMolotow

Moskau, 3. Okt. (Funkmeldung.) Am Montagabend land eine zweistündige Besprechung zwischen Außenkommiffar M o l o t o w und dem lettischen Außenminister M u n t e r s statt. Der Veiprechung wohnten die Herren Stalin, der stellvettretende Außenkommiffar Potemkin sowie der Sowjet- sesandte in Lettland.Sotow und der lettische Gesandte in Moskau Kocrns her.

Der kitanische Außenminister fliegt nach Moskau

Kowno. 2. Ott. Auf Einladung der fowjetruffischen Re­gierung. die ihm durch den lowjettuffischen Gesandten per­sönlich überbracht wurde, begibt sich der litauische Außen­minister 1l r b s v s morgen, den 3. Ottober, um 12 Uhr mit dem Flugzeug nach Moskau. Am Sonntag und heute vor­mittag haben Ministerratssitzungen stattgefunden, auf denen die von Moskau angeschnittenen Fragen einer Neu­regelung der gegenseitigen Beziehungen auf Grund der gegenwärtigen europäischen Lage beschloffen wurden.

Herzlicher Telegrammwechsel zwischen Selter und Molotow

Moskau. 2. Ott. Der Präsident des Rates derVolks- kommiffare und Volkskommissar tut das. Äußere. Molo­tow. erhielt vom estnischen Außenminister Selter ein herzlich gehaltenes Telegramm, in dem dieser den Dank der estnischen Regierung für die weile Leitung der politumen und wirtschaftlichen Bett reckungm in Moskau und für das daraus entstandene neue freundschattttche Abkommen zw.i.ichen den beiden Staaten -um Ausdruck brachte. Molotow rubtte

Lir*au<- ?aB ^as Abkommen zwischen der est- M^en9ifL unö äer Sowieiunion günstige Möglich- Aufschwung und rum, Gedeihen der Völker Est­lands und der Sowietunion schaffen werde.

Besprechungen auf dem Balkait

Der türkische Außenminister besucht Constantza und Sofia

Bukarest, 2 Oki. Wie verlautet, wird sich Außenminister Gasencu nach Constantza begeben und dort mit dem tur- kischen Außenminister Saracoglu auf dessen Rückreise non Moskau eine Besprechung haben. In Sofia erwartet man anschließend in der bulgarischen Hauptstadt eine Be­sprechung des bulgarischen Ministerpräsidenten Kjossei- w a n o f f mit dem türkischen Außenminister.

Frieden. Muß das dem abstrakten Denken nicht paradox erscheinen?

Rudolf Heß hat in seiner Rundiunkansprache am Sonntag von der vorbildlichen Haltung der deutschen Frau und Mutter gesprochen. Insonder­heit jener Frauen und Mütter, die zum zweiten Male Not und Ängste eines Krieges durchleben müssen. Das ist unsere Art: daß die deutschen Menschen nicht verbittert und unfähig zur heroischen Leistung aus dem Völkerringen hervor­gegangen sind, daß sie zwar mit tiefem Ernst, aber auch unendlich starken Herzens den Appell des Führers ver­nommen, daß Entbehrung und Drangsale einer barten Zeit die Seelen geläutert haben. Man verwechsle die Grund­sätzlichkeit, das Große nicht mit dem Nebensächlichen, dem Beiläufigen und Kleinen. Daß im Metzgerladen mal

Das Gesicht Mitteleuropas nach Abschluß des Grenz- und Frenndschaftsvettrages DeutschlandRußland (Weltbild-Eliefe ÄJ

* Schneen

Weimar

............ frühere Keichsgreitzen

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