MMener Tagblatt
Erscheinungszeit:
S. Schtllexberz'sche $a<66txiferei, „Zagblatt. Sems*
Nr. 230
Montag, 2. Oktober 1939
87. Jahrgang
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Ciano vom Führer empfangen
Mehrstündige Aussprache im Beisein des Reichsautzenministers — Der deutsche Reichstag zur Entgegennahme einer Regierungserklärung einberufen — Die Verantwortung der Kabinette in London und Paris
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Die Nervosität der anderen
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner
Schriftleitung.)
as. Berlin, 2. Okt. Zwei Nachrichten haben Vie Nervosität in den westlichen Demokratien sehr wesentlich verstärkt, die Nachricht von der Einberufung des Reichstages und die Meldung von den Berliner Besprechungen des italienischen Außenministers Graf Ciano. Hatte man sich in den Kreisen unserer Gegner noch vielfach der Hoffnung hingegeben, daß man Deutschland und Italien voneinander trennen könnte, so muß man jetzt feststellen, daß auch diese Hoffnung gescheitert ist. Dabei hatte man von vornherein damit rechnen müssen, daß die enge deutsch-italienische Fühlungnahme, wie in der ganzen Welt festzustellen war. gerade jetzt besonders in Erscheinung tritt. Einmal war er selbstverständlich. daß wir das befreundete Italien genai unterrichten würden, nachdem in Moskau die Verein barungen zustande gekommen sind, die das in Versailles geschaffene Polen ein für allemal beseitigten und die Damit die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden im Osten schufen. Zum anderen aber war ja auch in der gemeinsamen deutsch-sowietrussifchen politischen Erklärung bereits die Rede davon, daß beide Regierungen „im Einvernehmen init anderen befreundeten Regierungen" ihre Bestrebungen darauf stützen würden, dem sinnlosen Kriegszustand int Westen ein Ende zu machen.
Es ist auch nötig, in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, daß niemand anderes als der Duce selbst es war, der sich vor dem Ausbruch des Konfliktes bemüht hat. den Frieden aufrecht zu erhalten. Bemühungen, die bekanntlich an dem Widerstand Englands scheiterten. Mussolini hat dann in seiner letzten großen Rede am 23. September nochmals auf die Sinnlosigkeit des Krieges im Westen hingewiesen und betont, daß es noch Möglichkeiten gebe, die Fortsetzung des Kampfes zu verhindern. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen den Demokratien die neue deutsch-italienische Aussprache auf die Nerven fällt.
Die ungeheure Verantwortung, die die Kriegstreiber der Demokratien auf sich nehmen, wenn sie sich weiterhin allen vernünftigen Überlegungen verschließen und wenn sie weiterhin versuchen sollten, das englische und das französische Volk in den Krieg zu treiben wird durch die nachdrücklichen Bestrebungen der Friedensfront noch stärker herausgestellt. Die Stimmen, die bisher aus England vorliegen, lassen freilich von vernünftigen Überlegungen recht wenig erkennen. Wohl aber ist ihnen zu entnehmen, daß im demokratischen Lager eine außerordentliche Nervosität herrscht. Daß aber die Kriegshetzer ihre Bestrebungen noch nicht aufgeben wollen, zeigt die Nachricht, nach der stch im Äen Unterhaus eine Gruppe von Abgeordneten zu dem msammengeschlossen habe, um der Regierung „die Notwendigkeit einer energischen Kriegssührung vor Augen zu halten'. Wir wollen aber auch nicht übersehen, daß das alles Stimmen unverantwortlicher Politiker und Journalisten sind. Die ermlische und die französische Regierung haben bisher auf die Moskauer Vereinbarungen noch nicht geantwortet. Vorerst ist man immer noch im Stadium der Beratungen und Erwägungen. Das ganze Wochenende hindurch war demgemäß die Fühlungnahme zwischen London und Paris äußerst rege. Es gab Aussprachen. Konferenzen und Beratungen in beiden Hauptstädten. Man fühlt sich dort
Begeisterter Empfang
wt. Der italienische Außenminister Graf Ciano. der am Samstagabend um 18 Uhr Rom verließ, traf Sonntagfrüh. kurz nach 8 Uhr in München ein. Auf keiner Reise nach Berlin, die er auf Einladung der Reichsregierung durchführte, begleiteten ihn Minister und Gesandter A n s u s o und Marchese D'A j e t t a. Rach einer kurzen Begrüßung auf dem Münchener Sauptbahnhok fetzte der italienische Außenminister seine Fahrt fort und erreichte gegen 18 llhr die Reichshauvtstadt. Die italienischen Gäste wurden auf dem Anhalter Bahnhof von dem Reichsminikter des Auswärtigen, von Ribbentrop, begrüßt. Außer dem Königlich-italienischen Botschafter in Berlin, Attolico. waren Mitglieder der Reichsregierung und der Reichsleitung der NSDAP., sowie weitere führende Persönlichkeiten aus Staat, Partei und Wehrmacht zugegen. Ferner hatten sich die Mitglieder der italienischen Botschaft, namhafte Vertreter des Fascio und der italienischen Kolonie, sowie der jugoslawische und
slowakische Gesandte in Berlin aus dem Bahnhos eingesunden. Eine Ehrenkompanie der tt-Leibstandarte „Adolf Hitler" erwies die Ehrenbezeigungen. Auf der Fahrt zum Gästehaus der Reichsregierung, wo Graf Ciano von Staatsminister Meißner empfangen wurde, bereitete die Bevölkerung dem hohen Gast einen begeisterten Empfang. Bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft begab sich Graf Ciano in das Auswärtige Amt. Nach einer kurzen Unterredung mit von Ribbentrop empfing der Führer den italienischen Außenminister zu einer mehrstündigen Aussprache, die in Gegenwart des Reichsaußenministers ktattfand. Am Abend gab Ribbentrop in seinem Haus in Dahlem zu Ehren des italienischen Gastes ein Essen im kleinsten Kreise.
Reichstag noch in dieser Woche
Berlin. 30. Sept. DRB. teilt mit: Der Deutsche Reichstag wird in der kommenden Woche zur Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung einberuken.
Das Urteil des neutralen Auslandes
„Deutschland und Rußland schenken der Welt den Frieden" — Festigung der deutschen Posttion — Geringe Erfolgschance)! für die Westmächte.
• wt. Das deutsch-russische Abkommen und die möglichen Konseauenzen. die die Westmächte aus ihm ziehen könnten, beherrschen auch weiterhin die Presse der neutralen Staaten. Dabei wird die wirtschaftliche Festigung des Reichs, die jede Blockademöglichkeit zunichte macht, in den Vordergrund der Betrachtungen gerückt. Die neutralen Beobachter ziehen gerade aus dieser Folge des Moskauer Übereinkommens und aus der militärischen Überlegenheit Deutschlands, die der polnische Feldzug so schlagend bewies, den Schluß, daß die Demokratien das Friedensangebot nicht überhören sollten. Dte Hoffnung der Westmächte. Deutschland und Rußland könnten sich über das polnische Problem in die Haare geraten, wird als absolut gestrig und unwirklich abgetan und die Verantwortung, die die Kabinette in London und Parts durch dte Weiterführung des Krieges auf stch nehmen wurden, eindeutig herausgearbeitet
Selbst die nordamerikanische Presse kann, trotz ihrer Sympathien für die Westmächte, die von England und Frankreich aufgestellte These, daß das Moskauer Abkommen weder überrascht noch eine neue Lage geschaffen habe, nicht vertreten, Die „New York Herald Tribüne" stellt fest, daß der Krieg nach dem Moskauer Abkommen für Eng- land und Frankreich zweifellos eine un- gunstige Wendung, nehme. „New York Journal American" spricht von einer „äußerst ernsten Entwicklung, die die Alliierten offenbar nicht
tt L* e f" e n". Auf den Regierungen der westlichen Demokratien aber laste eine furchtbare Verantwor- tung. w schreibt Lloyd George in einem Artikel dieses Blattes und England und.Frankreich sollten keine Entscheidung treffen, „ohne eine gründliche Prüfung der Kampf läge".. Die „New York Daily News" fordert daß Cha m.6 ei Iain eindeutig die „Kriegsziele
Alliiert en" klarlege denn sein angekündigter Krieg „bis zur Vernichtung vitlers sei ein so arnfter Bisten, daß England und Frankreich sich damit selbst ver- nianen wurden.
Die Brüsseler „Gazette" erklärt, daß infolge des Abkommens mit Sowjetrußland die Rohstoffve r f o r g u n g
In die Festung Warschau eingerückt
Sela hat fick bedingungslos ergeben
Berlin. 2. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Settern vormittag stnd die ersten deutschen Truppe» ohne Zwischenfälle in Warschau ein- gerückt. Die Besetzung Pragas wurde gestern beeudet.
Der letzte Stützpunkt polnischen Widerstandes, die befestigte Halbinsel Sela, hat stch gestern bedingungslos ergeben, noch bevor der von Heer und Kriegsmarine gemeinsam vorbereitete Angriff durchgeführt wurde.
Die Besatzung von 52 Offmere», darunter der volnische Flottenchef Konteradmiral von Unruh, und 4000 Mann wird heute vormittag die Waffen strecken.
3m Westen nur örtliche Artillerie- und Spähtrupp tätigkeit.
Ein britisches Aufklärungsflugzeug wurde östlich Pabovbovns abgekchosteu.
Deutschlands durch Moskau übernommen werde. Diese Hilfe werde es den motorisierten Truppen des Reiches ermöglichen, den Druck Englands und Frankreichs auszuhalten. Das Verhältnis Deutschlands und Rußlands, so schreibt das holländische Blatt „Oprechie Haarlemsche Courant"', zum Westen, stehe drei zu eins. Das beziehe stch. nicht, nur auf Einwohner, sondern auch auf Soldaten. Kriegsmittel und wirtschaftliche Hilfsquellen. Wenn England und Frankreich den durch Deutschland und Rußland geschaffenen Zustand nicht anerkennen wollten, so drohe den Westmächten eine neue Blockbildung, nämlich Ruß- land. Deut sich land, Italien und Japan. Es sei deshalb das klügste für die Westdemokratien, den Frieden zu wählen. Selbst wenn sie diesen Kampf gewinnen sollten, so könnte dieser Sieg nur mit so großen Opfern erkauft werden, daß er schließlich doch zu einer Nieher - läge für London und Paris führen müßte. Verlieren Frankreich und England, so schließt das holländische Blatt seine Betrachtungen, jedoch diesen Krieg, so bedeutet das für sie den Untergang.
. Die spanische Presse beurteilt die Aussichten für den «neben durchaus optimistisch. Die Blätter variieren in ihren Überschriften den Leitgedanken: „Deutschland und Rußland schenken der Welt den Frieden". Wenn die Westmächte wirklich einen dauerhaften Frieden wünschten, dann sollten sie sich mit den in Polen geschaffenen Tatsachen abfinden, zumal die Aussichten, die ihnen der Krieg biete, außerordentlich gering seien.
Außenminister Graf Ciano in Berlin.
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Auf Einladung der Reichsreqlerung traf der Königlich Italienische Außenminister Graf Ciano in Berlin ein. Unser Bild: Reichsaußenminister von Ribbentrop geleitet Außenminister Graf Ciano nach seiner Ankunft auf dem Anhalter Batznhof zum Wagen. Weltbild (SR.)
