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Nr. 222. Freitag, 22. September 1939. 87. Jahrgang.
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Flucht vor dem Recht.
England «nd Frankreich unterwerfen sich nicht mehr dem internationalen Haager Gerichtshof.
Bern, 21. Sept. Nachdem die englische und die fran- zösische Regierung bereits im Frühjahr dieses Jahres ihre Beteiligung an den wesentlichen Vorschriften der Genfer Eeneralakte von 1928 aufkündigten, haben sie nunmehr auch dem Völkerbundssekretariat ihren Rücktritt von der sogenannten Fakultativklausel des Statuts des Haager Gerichtshofes mitgeteilt. Im Namen des französischen Auszenministeriums richtete Alexis Leger an den Generalsekretär des Völkerbundes unter dem 10. Sevtember 1939 die Mitteilung, dah die französische Regierung sich nicht mehr an den Artikel 36 des Statuts des Ständigen Internationalen Gerichtshofes gebunden erachte. Ein ähnliches längeres Schreiben richtete auch namens der britischen Regierung der llnterstaaissekretär Cadogan am 7. Sevtember 1939 au den Generalsekretär des Völkerbundes.
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Seh. Dieser Schritt der britischen und französischen Regierung erhellt wieder einmal die ganze Scheinheiligkeit jener Rechtsmoral, deren Wortführer Herr Chamberlain ist. Artikel 36 bestimmt, dah der Haager Gerichtshof seine Meinung über jede internationale
Greenwoods Gewissen defekt.
England um weiteres Kanonenfutter in Verlegenheit.
werden sich Tür diesen Vorschlag bedanken und werden es vorziehen, den Winter in einem deutschen Gefangenenlager zu verbringen.
Pinsk von Sowjettruppen besetzt.
Moskau, 22. Sept. (Funkmeldung.) Amtlich wird folgendes Kommunique vom Eencralstab der Roten Armee über die Kampfhandlungen in Polen am 21. Sevtember bekanntgegeben:
„Sie Truppen der Roten Armee haben im Lause des 21. September auch die Linien befestigt, die am Vortage erreicht wurden.
Sie besetzte» Gebiete im westlichen Weihruhland und der Westukraine wurden von den Resten der polnischen Armee im Süden der Linie Kobrin — Luninez gesäubert: Abteilungen der Roten Armee besetzten um 19 Uhr am 21. September die Stadt P i»k k und säubern die Rayons von Lemberg und Sarny von polnischen Osfiziers- gruppen."
Der Bericht des Oberkommandos Mißglückte polnische Ausbruchsversuche aus Praga. — Planmäßige Besetzung der Semarkationslinie. — Ausländer verliehen unter deutschem Geleit Warschau.
Berlin, 22. Sept. (Funkmeldung.) Sos Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Sie Bewegungen der deutschen und russischen Truppen auf die vereinbarte Semarkationslinie vollziehen sich planmäbig und i m b e st e n E i n v e r n e h m e n. Bei Lemberg wurden die dort kämpfenden deutschen Truppen durch russische Verbände abgelöst.
Sie als Ergebnis der Schlacht bei Fomaszow bereits gemeldeten Gefangenen- und Beutezahlen wachsen noch ständig.
Mehrere polnische Ausbruchsversuche aus Praga wurden abgewieken. Auf der Strecke Warschau — S i e d l c e wurde bei K a l u s z y n nach kurzem Gefecht ein feindlicher Panzerzug genommen.
178 Angehörige des Siplomatischen Korps und 1200 sonstige Ausländer konnten gestern Warschau auf dem von den deutschen Kommandobehörden bestimmten Wege verlassen. Sie wurden von deutschen Offizieren empfangen und in bereitgestellten Zügen noch in der Nacht nach Königsberg befördert. Sämtliche Ausländer sind wohlbehalten und unverletzt.
Im Westen nur vereinzelte Stohtruppunternehmuugen. Ein französisches Jagdslugzeug wurde im Luftkampf abgeschossen.
London, 21. Sept. Der britische Oppositionsführer Ereenwood rang gestern im Unterhaus die Hände über das Schicksal Polens. Leider wandte sich Herr Greenwood nicht gegen Herrn Chamberlain, der Polen kaltblütig in die Katastrophe bineinstieh, die auf den von mnem englischen Blankoscheck ausgelösten polnischen Grotzenwahn folgen muhte. Herr Ereenwood meinte lediglich, es liege schwer auf seinem Gewissen und auf dem, anderer Mitglieder des Unterhauses, dah England in dieser schweren Prüfung nicht mehr für Polen habe tun können.
Diese „Last auf dem Gewissen" eines Ovpositions- lubrers also ist das einzige, was Großbritannien zu dem Kampf der Polen beizutragen hatte, in den es dieses Land hineinhetzte. Herr Ereenwood machte sich aber noch weitere Gedanken. Er meinte. England müsse aus dem Schicksal Polens die wichtige Lehre ziehen, dah die Hilfe, die es seinen Freunden in Zukunft gewähre, schnell, sicher und a»4- gegeben werden müsse, sonst würden mögliche
yur unwillig passive Freunde. Herr Greenwood brauchte sich um die zukünftige Hilfe für von England in den Tod geschickte andere Völker nicht allzu viele borgen zu machen, denn es ist nicht anzunehmen, dah sich noch weitere Volker finden werden, die für England die Kastanien aus dem «Teuer holen wollen, um sich die Finger zu verbrennen. *
Das durfte umsoweniger der Fall sein, als Herr Erecn- wood ganz, ungewollt ein bezeichnendes Eingeständnis machte. Er rühr nämlich fort, es sei sehr wichtig und werde immer wichtiger, dah England alle möglichen Kräfte hinter sich mobilisiere und Freunde rufe, ohne sich zu schämen Herr Greenwood weih, dah die britische Regierung die. Volker, die es „.hinter sich mobilisiert", „ohne sich zu lchamen vor sich hertreibt, um sie als Kanonenfutter preis- zugeben.
Geplatzte Lüge.
Holländische Zeitung entlarvt eine Falschmeldung des Londoner Lügenministeriums.
as. Berlin, 22. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Schrlftleltung.) Das englische Lügen- und Reklameminislerium hat wieder einmal Pech gehabt. Es hatte nämlich durch das Reuterbüro die Meldung verbreitet, dah im Protektorat Unruhen entstanden seien, wobei sich blutige Zusammen- stöhe ereignet hätten. Daraufhin seien dann Masienverhaf- tungen erfolgt. Demgegenüber stellt der Prager Korrespondent des A m st e r d a m e r „T e l e g r a ä f" feit, dah im Protektorat von irgendwelchen Ruhestörungen nicht die Rede sein könne, ebensowenig wie von Massenoerhastungen. Die englische Meldung, so sagt der Prager Korrespondent des holländischen Blattes, mühte schon deshalb als völlig unglaubwürdig gelten, weil man unter der Protektorats-Bevölkerung von der schnellen Niederwerfung Polens durch die deutschen Armeen sehr beeindruckt sei und vielfach seiner Genugtuung darüber Ausdruck verlieh, dah den Tschechen das Schicksal der Polen erspart geblieben sei. Damit ist auch diese Lüge Londons gxvlatzt. Neben der allgemeinen Lust, Deutschland etwas am Zeuge zu flicken, hat bei dieser Lüge das Bemühen Pate gestanden, die im Ausland, d. h. vor allem in England und Frankreich lebenden Tschechen zum Eintritt in die Fremdenlegion zu bewegen. London braucht, nachdem die Polen ausgefallen sind, neues Kanonenfutter. Die tschechischen Emigranten sollen die Lücke schlieben helfen und für England kämpfen. Das ist der Zweck des neuen englischen Lügenmanövers Es entspricht ja durchaus der bekannten Einstellung der Engländer, andere für sich kämpfen zu lassen. So ist England auch entschlossen bis zum letzten Polen zu kämpfen. Der „Daily Telegraph" gibt den versprengten Resten der polnischen Armee den Ratschlag, sich in den Wäldern versteckt zu halten und zu Wintersanfang den Kleinkrieg im Rücken der Besatzungstruppen zu organisieren. Ein wirklich humaner Vorschlag. Aber die Polen
Gegen lügenhafte Hetze.
Brüssel, 22. Sept. (Funkmeldung.) Wie die Agentur Belga mitteilt t>at das hiesige Gericht ein Verfahren gegen ein Brüsseler Mittagsblatt eingeleitet, weil es einen tendenziösen Bericht veröffentlicht hat, in dem entsprechend den Hetzmeldungen der englischen und der französischen Presse von der Zusammenziehung ausländischer Truppen an der belgischen Grenze die Rede war.
Der javanische Ministerpräsident General Abe teilte in der Kabinettssitzung am Donnerstag mit, dah Anfang November eine neue Zentralregierung in China unter Wangtschinywei eingesetzt werde, nachdem eine Einigung mit den provisorischen Regierungen in Peking und Nanking erzielt worden sei.
Die Präzision der deutschen Kampftechnil.
Ungarischer Journalist berichtet über
Budapest, 21. Sept. Der Berliner Vertreter des ..Bester Lloyd" gibt einen Bericht über die Reise der Berliner Auslandsjournalistenandie Danziger Front. Er schreibt u. a.:
Am Dienstag hatte eine Gruppe ausländischer Journalisten Gelegenheit, aus Einladung der Presseabteilung der Reichsregieruna und des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht die Wirkung des modernen Krieges und seine furchtbare Zerstörungskraft kennenzulernen, Heute sind bereits polnische Kriegsgefangene zu Aufräumungsarbeiten an der Westerplatte eingesetzt. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis hier alle Trichter im Erdreich, von denen einzelne.so groß sind, dah glatt ein kleines Haus darin Platz finden könnte, weggeräumt sind.
seinen Besuch im Danziger Kampfgebiet.
Heftiges Maschinengewehrseuer ist von beiden Seiten zu hören, und trotz des ununterbrochenen Bombardements der deutschen Arrillerie. das von den Beobachtungsrliegern geleitet wird, leisten die Polen anscheinend zähen Widerstand. Ihre Lage scheint freilich hoffnungslos zu sein, was auch in den Flugzetteln zum Ausdruck kommt, die über den polnischen Stellungen abgeworsen werden. Das ganze Bild von dieser Kampfhandlung ist erschütternd unwahricheinlich. Wie auf dem Manöverfeld ist die Gefechtsentwicklung auf einer Entfernung von etwa zwei Kilometer gut zu verfolgen. In der Stadt selbst, an deren Rand gekämpft wird, ist das normale Zivilleben wiedergekehrt. Die Menschen nehmen kaum vom Getöse des Waffeneinsatzes Notiz. Sie tun beinahe so. als ginge dieser ganze Krieg sie nichts mehr an.
Streitigkeit zum Ausdruck bringt, die ihm vom Volker- bundsrat oder der Genfer Vollversammlung unterbreitet wird. Bemerkenswert ist. dah es sich hier um eine Fakultativklausel handelt, .dah also die Anerkennung und Unterwerfung unter ihre Bestimmungen von England und Frankreich freiwillig erklärt worden waren Was hinter den jetzigen Äucktrittserklarungen steckt, ist klar aus der britischen Note ersichtlich. Das Spiel geht einzig und allein um die Neutralen. England fürchtet, dah die neutralen Staaten die flagranten Verletzungen des Völkerrechts durch die briti.lche Blockade und die damit verbundene schwere Storung ihres Wirtschaftslebens zum Anlah nehmen konnten, beim Haager Gerichtshof Klage einzureichen.
Es mub recht schlimm um die eigene Überzeugung von Recht und Gerechtigkeit stehen, wenn England und Frankreich die von ihnen errichtete Genfer Institution selbst unterhöhlen und damit ihren ganzen Bestand illusorisch machen. Mit eigentümlicher Offenheit gibt die englische Note zu. „daß es im vorliegenden Falle einen völligen Zusammenbruch des Paktes gegeben bat, dah der ganze iur die'Aufrechterhaltung des Friedens vorgesehene Mechanismus auseinandergebrochen ist". In der Tat sind dem Volker- bundsvakt die wichtigsten Grundpfeiler geraubt worden, nachdem die meisten Mitgliedstaaten eine Bindung an die Artikel 16 und 17 über Sanktionen und Durchmarschrecht nicht mehr anerkennen. Trotzdem behält sich die britische Regierung bezüglich der Neutralen ..alle ihre Rechte in ihrer Eigenschait als Mitglied des Völkerbundes vor", wenn sie auch nicht wagt, direkte Klage wegen deren Neutralität zu eiheken. Dah England und Frankreich auf der «anderen Seite dieselben neutralen Staaten der Möglichkeit einer Beschwerde gegen die britische Seeräuberei beim Haager Gerichtshof berauben, offenbart den ganzen Zynismus und die abgrundtiefe Verlogenheit englischer Rechtsauffasimig. Daran ändert auch nichts die Begründung der französischen Note, worin es u. a. heiht: „Seitdem das durch den Volker- bundspakt aufgestellte System der Regelung internationaler
Zeichen einer offensichtlichen Geistesgestörtheit
Wie man die Bevölkerung Warschaus in den Tod hetzt. — Frivole Sendung von Radio London.
Mehr noch als die 2 8 = 3 entimeter-Eranaten des deutschen Schulschiffes „Schleswig-Holstein" scheinen ganz grohe Bomben der Sturzbomber den tapfer sich wehreiäien Gegner ernstlich erschüttert zu haben. Eine der Luftbomben hat einen größeren Bunker genau gehörten und ihn derart zerquetscht, daß nichts mehr übrig blieb. Seine Besatzung hat ganz in der Nähe in einem Massengrab die letzte Ruhe gefunden. Hm ganzen sind von der Besatzung der Westerplatte über 60 gefallen Sie haben während der vier Tage und vier Nächte ein wahres Söllenfeuer über sich ergehen lassen müssen, denn die deutsche Kampftechnik hat mit unheimlicher Präzision gewirkt.
Bei Gdingen wohnte Dienstag vormittag die Gruppe der Auslandsiournalisten einer.mit einet nahezu unwahr- schein!ichen Realität geMrten Gefechtsentwicklung und Kamvfhandlung auf dem Orhotter Höhenrücken bei. vier hatten die Reste versprengter polnischer Regimenter aus dem Korridorgebiet noch eine Verteidigungsstellung bezogen. Knavv am Stadtrand gegen Gdingen siebt man von einem erhöhten Vorsprung am Südrand der Stabt die Einschläge des de ursch en Erschütterungsfeuers und das durch Leucht- kuaeln markierte Vorgaben deutscher Stvhtruvvs.
Warschau, 21. Sept. In einem behelfsmäßig berge r i ch 1 e ten Warschauer Rundfunksender erklärte geftcin abend ein Oberst Lesinski der bedauernswerten Warschauer Bevölkerung, daß die polnische Armee den Feind im westlichen Sektor klar zurückgewiesen habe. Er teilte weiter mit. dah die von allen erwarteten Nachrichten über den Kampf der polnischen Armee nicht bekannt- gegeben werden kynnten, da die militärischen Befehlshaber Tag und Nacht zu kämpfen hätten, und nicht die Zeit fänden. Meldungen zu redigieren. Sie schrieben lediglich für die Truvve bestimmte Befehle. Diese Mitteilungen sind Zeichen einer offensichtlichen Geistesgestörtheit. Kein normal empfindender Mensch könnte auf den Gedanken kommen, mit solchen Mitteln zu einem aussichtsloien Kampf gegen eine grohe Armee aufrustacheln. die mit der gesamten polnischen Wehrmacht so schnell fertig geworden ist.
Radio London verbeitete in der vergangenen Nacht einen Stimmungsbericht von dem kleinen Rest der noch kämpfenden polnischen Truppen. Angeblich soll dieser Bericht vom Warschauer Sender gegeben worden sein. In ihm beiht es: „Die polnischen Truppen lachen über jeden deutschen Angriff und teilen einander die besten Methoden mit, wie man Tanks unschädlich machen tarnt. Sie verachten ihren Feind, der Warschau niemals direkt anzugreifen wagt."
Dieses „Stimmungsbild" von den Resten der polnischen Arme«, die verraten und verkauft noch ihre soldatische Pflicht tun. die längst ihren Sinn verloren hat. muh wie eine Verhöhnung des Volkes wirken, das die verantwortlichen Staatsmänner Englands für ihre eigenen wichtige» Ziele ins Verderben gestoben haben.
