Wiesbadener Tagblatt
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Nr. 216.
Freitag, 15. September 1939.
87. Jahrgang.
Polnische Regierung sanktioniert den Bandenkrieg.
In vrest-Litowsk eingedrungen.
Verzweifelte Durchbruchsversuche der bei Kutno eingeschlossenen polnischen Divisionen abgeschlagen Bomben- und Tiefangriffe der Luftwaffe. — Südgruppe überschritt die Straße Lemberg — Lublin.
Klaue Krieasstimmung in Paris und London
Das ist deutlich!
Berlin, 14. Sept. 5m Hinblick auf die zahlreichen Verschleppungen von Volksdeutschen aus dem von den deutschen Truppen besetzten Gebiet nach dem Innern Polens ist die mit der Wahrnehmung der polnischen Interessen in Deutschland beauftragte hiesige schwedische Gesandtschaft Dorn' Auswärtigen Amt gebeten worden, der polnischen Regierung einen Austausch verschleppter Volksdeutscher gegen Nationalpolen vorrukchlagen.
Die schwedische Gesandtschaft hat dem Auswärtigen Amt nunmehr mitgeteilt, daß es die polnische Regierung ablehnt, auf den deutschen Vorschlag eiuzugehen.
Sch. Die Ablehnung der polnischen Regierung kommt nicht überraschend. Sie bestätigt nur die deutscherseits immer
Informationsministerium" muhte deshalb nachstehende 'h'ö/liche Mahnung veröffentlichen: -Eine Anzahl Wehrpflichtiger erhielt eine Einberufung zur Ableistung ihrer militärischen Ausbildungszeit gemäß dem nationalen Dienstvflichtgesetz. Die Einberufung ging dahin, sich vor.dem 15. September an ihren Standorten zu. melden. Diese Leute müssen begreifen, dah es sich hier um ein en des nationalen Dienstpflichtgesetzes handelt und daß he sich daher dem Befehl entsprechend zu stellen haben. Viel schlimmer liegen die Dinge natürlich in .Irland. Em amerikanischer Publizist schreibt aus Dublin, dan die Ire n entschlossen leien, wenn auch tn Irland die Wehrpflicht em- geführt werden sollte, n i ch t z u marschieren. Indern auch den letzten Engländer rns Meer z u la gen. Die Feindseligkeit gegen England. ier in ^?len Gegenden Irlands groß. 95 Prozent aller Einwohner bestanden nicht nur auf Neutralität, sondern verlangten auch, dah die Regierung den Engländern die Benutzung irgendeines Zerles der Insel zur Durchführung kriegerischer Handlungen oder zur Verteidigung Schottlands.verweigere, Noosevelt: erhielt kürzlich aus Belfast ein Telegramm des Northern . Council o? Unity. in dem England beschuldigt wird. nach wie vor sechs Grafschaften Englands gewaltsam besetzt zu halten und über die eingeborene Bevölkerung Nordirlands eine für Europa beispiellose Tyrannei zu errichten. Das Telegramm spricht die Hoffnung aus, dag Roosevelt die Ire« unterstütze zur Beendigung oreser Aggresston.
Tiir Kriegs st immung in den beiden westlichen ^Demokratien läßt. vom. Standvunkt der Hetzer, wie Chamberlain. Churchill usw. <ms Mjawtet »u wünschen übrig. London w,e auch Paris haben bisher noch keine zugkräftige K r i e g s o a r o es noch nicht verstanden, dem einfachm Burger klar zu machen, weshalb und wofür er leine Knocken W Markte tragen soll. Ein bulgarischer Reisender, der am 10 beokniber Paris verlieh, berichtet, daß m der französischen Hauvt- stadr eine sehr aktive Propaganda »egen den K r i e a betrieben' wirb. Die eintücfenben ^eleroiiten äußersten sich offen gegen einen Krieg nut Deuts^anb unb erklärten, dah Deutschland gar keinen Krieg Mit/Frankreich wolle. In Englvnd liegen die Dinge nicht anders Der Londoner Berichterstatter des Belgrader Blattes -Politika schreibt, dah das englische Volk sehr wenig kriegswillig sei unb von ben bekannten Kriegshetzern einfach vor v o l l e n d e t e T a t s a ch e n gestellt worden sei Als der erste Fliegeralarm gegeben wurde, wußten viele überhaupt noch nicht, dah der Krieg erklärt worden war. Bis zum allerletzten Augenblick hatten alle oeboff.. das d.e Vernunft siegen und der Krieg vermieden wurde Das englische ..Insormationsministerium ist tn der netnltmen ~°ge, die flaue Kriegs st immun g a mtlich bet ege n zu müssen. Die jungen Engländer haben es bisher niwl eiug gehabt, ihrem Gestellungsbefehl nachzukommen. Sie scheinen die Aufforderung auch nicht allzu ernst zu nehmen. Das
ratungen über individuelle oder gemeinsame Maßnahmen gegen jede Beeinträchtigung der Neutralität vor sowie eine ständige Kontrolle der von vandelsschmen und Flugzeugen
SSSÄS. W5Ä « Konventionen, besonders aber rm Haager Abkommen von 1907 verankert seien, ausreichten, um die amerikanischen Republiken vor kriegerischen Verwicklungen zu bewahren.
In diesem Sinne werde die argentinische Regierung Uver wachungs- und Mitarbeitssystemen zustlmmen. dle mit der juristischen Gleichheit und den materiellen Möglichkeiten ledes einzelnen Landes vereinbar seien. mrrhe
Im Rahmen dieser grundsätzlichen Gedankengange werbe 9Iröciitinißit ueexen iebe ctrociöc (Sinmiinjunö ocr xrivB führenden in den freien Handel der Neutralen.und«egen jebe Diskriminierung Vorbehalte machen, wotnirch die Krzefp führenden versuchen sollten, den Handel in eine etmeu s vorteilhafte Richtung zu lenken.
wieder vertretene Auffassung, dah das Muten bewaffneter, ziviler Banden von Amts wegen sanktioniert wird. Jener Horden, die Volksdeutsche tief rn das Innere des Landes verschleppen und dort auf bestialische Meise ermorden. Auch beute wieder häufen sich die Meldungen über die Untaten dieser polnischen Bestien. Erschütternd sind die Berichte aus westpolnischen Erenzkreisen. wo sich erst vor wenigen Tagen der Rest der nicht verschleppten oder gemordeten Deutschen aus ihren Verstecken hervorwagen konnte. Im Neutomischler Kreis wurden rund 30 angesehene Volksdeutsche durch die Polizei und bewaffnete Meuchelmörder tn Niehautos nach Buk und bann mit Leiterwagen weiter nach Posen transportiert. Von dort aus muhten die ermüdeten und ausgemergelten Deutschen Ms En es en zu 5u6 marschieren, wobei Ite rohesten M,«Handlungen ausgesetzt waren. Ihr Schicksal ist zur Stunde noch ungewiß. tiurcht- bare Tragödien haben sich nach neuesten Berichten auch an der litauisch-polnischen Grenze abgespielt. Die polnischen Horden haben hier beim Herankommen der deutschen Truppen alles vernichtet und die Gebäude in Brand gesteckt. Das sind nur einige Beispiele aus der Vielzahl der Untaten polnischer Mörder in den letzten Tagen.
Menn nun die. polnische Regierung den Vorschlag Deutschlands nach einem Austausch verschleppter Volksdeutscher gegen Natwnalpolen ab lehnt, so kommt darin zum Ausdruck, dah Polen und damit die englischen Echan- macher das Treiben bewaffneter ziviler Banden, „als wesentliches Element ihrer Krregsfuh- rung ansehen. In diesem Zusammenhang ist die Betrachtung des holländischen Völkerrechisprofessors Francois in der niederländischen Zeitung „Telegraaf' aufschlußreich, in der untersucht wird, wann irreguläre Truppen nach internationalem Recht als Mitkämpfer tn kriegerischen Ausetnan-. dersetzungen eingreifen konnten. Der Gelehrte bezeichnet als entscheidende Voraussetzungen eine gemeinsame Besehlsgewalt. ein deutlich erkennbares Abzeichen, das offene Tragen von Waffen und die. Beachtung der. allgemeinen Gebräuche und Gesetze des Krieges. Auch tn dieser Veröffentlichung wird unterstrichen daß die polnischen Seckenschützen. die zivil und ohne tedes Abzeichen aus dem Hinterhalt deutsche Soldaten erschießen,. ohne weiteres stand-rechtlich erschossen werden können. Eine an sich selbstverst Südliche Schlußfolgerung. der sich ausschließlich die englischen Kriegshetzer und die polnische Regierung entziehen.
Jedenfalls kann sich nunmehr nach der Ablehnung des deutschen Vorschlags die polnische Regierung nicht mehr damit entschuldigen, dgh das Banden-Unwesen Ausschreitungen einzelner darstellte. Es wird hingegen, was übrigens wiederholt durch amtliche Aufrufe ttn polnischen Rundfunk erhärtet worden ist. das Treiben dieser polnischen Horden
Wandlungen in der Ostwirtschaft.
Von Willi Pempel.
Dem Begriff „Polnische Wirtschaft" hastet im Volksmuud etwas an. was uns Deutschen nicht liegt, kurz gesagt, schlechte Wirtschaft. Run verfügte ja der polnische Staat . von Versailles Gnaden über genügend Möglichkeiten, sich wirtschaftlich zu betätigen, und er hat diese günstigen Voraussetzungen, die sich ihm durch den Anfall der großen, von deutschem Geist und deutscher Hand erstellten Werke im Sudwesten seines Gebietes boten, auch genutzt, d. h. besser gesagt, er gat ausgebeutet, was in seiner Krast lag. ohne an eigenem oct Produktionsmöglichkeit neue Austriebe zu geben. Es■ Tenlic nicht nur die großzügige Planung, die jedem wirtschaftlichen Schaffen aus lange Sicht voranzugehen hat. es iMte auch der Wille zum Aus- und Ausbau der bestehenden Möglichkeiten. Heute kann man rückschauend säst die Vermutung ausipremen. dah die polnischen Machthaber wohl geahnt haben mögen, dan es mit der Herrlichkeit ihres Staates doch einmal Schluß sein werde. Dah sie die Seotemberwochen 1939 vorausgesehen haben sollten, .glauben wir nicht: die Umstande des Selbstmordes wären dann um so tragischer.
Wir haben unser Aufbauwerk von, Jcchrzehnten im. jetzt besetzten polnischen Gebiet in ungünstigster.Verfassung wieder- gelehen. Die deutsche Wirtschaftsführung, ist tn diesem Raum vor neue Möglichkeiten gestellt und he wird sie nutzen. Hermann Göring bat ja davon.bereits tn seiner letzten Rede gesprochen, als er aut die wittschaitlichen Maßnahmen verwies, die wir in dieser Kriegszeit ergreifen müssen, um unseren Lebenskampf siegreich zu beenden. Da sind uns io.nun allerdings — sehr zum Leidwesen der Engländer — durch Sie gewaltigen Erfolge Gebiete in die Sande gefallen, tue uns sehr gelegen kommen, weil sie dazu beitragen, unsere wirtschaftliche Macht noch zu verstärken. Einmal stnd es die. reichen Rohstofslager. zum anderen zur Seniungsiteigerung fähige Jnbustriewerke und schließlich — wichtig für den Ernährungs- sektor unserer Kriegswirtschaft — weite. Strecken Ackerlandes, bei dem in Zukunst der Leistungsbegrist E r z e u g u n g s- schlacht" eine neue Auslage erleben bunte.
„Man kann also nicht sagen", so erklärte unser General- ieldmarlchall, „wir seien durch ben polnischen. Feldzug tn unserer Wirtschaftskraft geschwächt worden. Nein nur find unendlich gestärkt worden. Wit haben uns das wieder geholt was deutscher Fleiß! und deutsche -atkraft einst dort drüben aufgebaut haben." Diese Worte konnten schon, acht Tage nach Beginn des Kampfes von dem Manne ausgesprochen werden, der vom Führer den gigantischen Auftrag erhielt, das Gebäude des Vierjahresplanes zu erstellen, bas zu einer stolzen Burg unserer kriegswirtschaftlichen Führung getürmt würbe, an der jedes Blockademanover des Briten zerschellen wird In den polnisch besetzten Gebieten haben wir gewaltige Außeniorts dieser wirtschaftlichen. Kriegsfuhrung: hinzu erobert die es nun auszubauen gilt. Schon find deutsche Ingenieure und Fachkräfte an der Arbeit, der deutsche nationalsozialistische Ausbaugeist, dessen vorwärts stürmende Krast wir alle tn den letzten sechs Jahren selbst erlebt haben marschiert auch im Osten Aber wir leisten diese Ausbauarbeit dort nicht alletn für uns. sondern auch, im Interesse aller der neutralen Staaten denen jsolett seine Hndustrreerzeugnlsse und Rohstoffe heterte unb bic ben Verfall ihrer Wirtschaften herannahen .sehen müßten, wenn wir nicht Verständnis tur ihre Sage zeigten. England gebt in seinem Kriegsrausch andere Wege, es versucht, die Neutralen wirtschaftlich unter Druck zu setzen, mn ste seiner Machtpolitik gefügig, zu machen. Dies wird ihm schwer- fi(b aclinaen weil es ntii fültwen ^Boiöitsiebunöen ein bic Verwirklichung dieses teuflischen Planes herangeht, -.ic neutralen Länder sind hellhörig «/worben ste machen nicht mit unb bilden eine Einheitsfront gegen die britischen Angriffe auf ihre wirtschaftliche unb politische Selbständigkeit.
Die Wirtschaft Polens ist im tiefsten Kern getroffen mit ihr kann die Welt nicht mehr rechnen. Jetzt schon geht die Wirtschaft Großdentschlands aus dem uns auigezwungenen
von amtlicher polnischer Seite eindeutig gedeckt. Diese Feststellung genügt, um die polnische Regierung mit diesem Verbrecherunwesen zu identifizieren.
Argentinien bleibt fest.
Gegen jede Einmischung in den freien Sandel. r
Buenos Aires, 14. Sept. Am Vorabend der Abreise der argentinischen Delegation zur Panama-Konferenz hat die Regierung eine Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt, daß Argentinien der amerikanischen Regierung bereits sein Einverständnis mit dem von Washington ausgearbeiteten Tagungsprogramm mitgeteilt habe. Dieses Programm beschränke sich ausschließlich auf die Neutralitatsprobleme und die sich daraus ergebenden wirtsckaftlichen Fragen, ohne irgendwelche politischen oder militärischen Verpflichtungen zu berühren. Dementsprechend sehe das Tagungsprogramm Be-
Der Bericht des Oberkommandos
Berlin, 15. Sept. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Am 14. 9. überschritt die Südgrnppe des deutschen Ostheeres die Straße Lemberg — Lublin.
Die sehr starken nnd sich verzweifelnd wehrenden, um Äutno eingeschlosienen polnischen Kräfte versuchten gestern nochmals nach Südosten durchzubrechen. Auch diese Angriffe schlugen fehl. Ostwärts der Weichsel nähern sich Kittete Truppen von Norden, Osten und Südosten der Warschauer Vorstadt Prag«. Auch dort wurden Durchbruchsversuche nach Osten abgewiesen. Die auf die Festung Breft-Litowsk angesetzten Truppen stnd von Norden in die Befestigungsrone eingedrungen. Die Forts find zum Teil gesprengt. Die Zitadelle ist noch vom Feinde besetzt.
Die Stadt Gdingen ist in unserer Sand. Seestreitkräfte griffen in den Kampf um Edingen und auf der Halbinsel Hela wirkungsvoll ein. Die Einfahrt ix den Südhafen von Edingen wurde erzwungen.
Die Luftwaffe griff trotz schlechter Wetterlage Bahnlinien und Bahnhöfe mit Erfolg an und unterstützte den Kampf des Heeres gegen die um Kutno eingeschlostene feindliche Armee durch Bomben-undTiefangriffe.
Die noch im Hafen H eisternest liegenden polnischen Kriegsschiffe wurden durch Bomben versenkt.
Im Westen feindliche Artillerietätigkeit ostwärts von Saarbrücken. Der Feind, der am 12. 9. bei Schwei; (Grenzort südlich Pirmasens) angegriffen hatte, ging unter demEindruckunseresArtilleriefeners wieder über die Grenze zurück.
Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet fanden nicht statt.
