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Wiesbadener Tagblatt

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Nr. 214.

87. Jahrgang.

Mittwoch, 13. September 1939.

Stürmischer Vormarsch des Nord- und Südflügels.

Unsere Truppen vor Lemberg

Motorisierte Einheiten stehen 40 Kilometer nördlich von Brest. — Die polnischen Heeresteile südlich von Radom vernichtet. — Fünf polnische Divisionen und zwei Kavalleriebrigaden um Kutno eingeschlossen. Vergebliche Durchbruchsversuche. — Vorpostengefechte im Westen.

Deutsche Gegenmaßnahmen.

Fübrer-Haupiauartier, 13. Sept. (Funkmeldung.) In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen polnische Regierungs - und Armee st eilen die Bevölke­rung offener Städte auffordern, eindringenden deutschen Truppen im Weichbild der Städte, Märkte und Dörfer Wider st and zu lei st en. In Warschau wurde durch Flugblätter, durch den polnischen Rundfunk und durch sonstige Aufrufe die Bevölkerung aufgefordert, zum

Franktireur-Krieg überzugehen. Die Stadt selbst wurde von polnischer Artillerie beschossen.

Das Oberkommando der deutschen Wehrmacht gibt dazu folgendes bekannt:

Die übergroße Rücksichtnahme der deutschen Artillerie und der deutschen Flieger auf offene Städte. Märkte oder Dörfer ist an eine Voraussetzung geknüpft, daß diese vom Gegner selbst nicht zum Kampfgebiet erklärt und gemacht werden. Da der Pole ohne Rücksicht auf seine eigene Bevölkerung diesen Grundsatz a b l e h «t. wird die deutsche Wehrmacht von jetzt ab mit allen ihr zur Verfügung stehenden Miteln den Wider­stand in solchen Orten brechen.

Die deutsche Luftwaffe wird im Verein mit schwerer Artillerie jene militärischen Mahnahmen durch­führen. die geeignet find, in kürzester Zeit solchen Orten die Zwecklosigkeit ihres Widerstandes klar zu machen. Die Folgen, die daraus der schwergeprüften Bevölkerung ent­stehen. fallen ausschliehlich zur Verantwor­tung der polnischen Regierung und ihrer ebenso unfähigen wie gewissenlosen Heerführer.

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Kz Der Führer brachte in der historischen Reichstags- ützung den Willen zum Ausdruck, die offenen Städte zu schonen und die Leiden, die der Krieg für die Zivil­bevölkerung zwangsläufig mit sich bringt, auf ein Minimum zu beschränken. Gleichzeitig warnte er die Polen, die hu­manen Grundsätze der deutschen Kriegs- f ü b r u n g zu mihbrauchen. Die Warnung ist. wie die Er­eignisse der letzten' Tage beweisen, ungehört verhallt. Die polnische Regierung und die völlig kopflos gewordene mili­tärische Führung fordern in ihrem Vernichtungswillen die Zivilbevölkerung auf. sich an dem Kampf gegen die deutschen Truppen zu beteiligen. ..Zeder schlage mit dem zu. was er gerade in der Hand hat!1 Mit diesen Worten feuerte der polnische Zivilkommissar B i r n a ck i in Wilna die Bevölkerung an. einen heim­tückischen Franktireurkrieg gegen die deutschen Truppen zu beginnen. Es bandelt sich biet nicht um die Entgleisung

eines einzelnen, verhetzten und fanatisierten Beamten, son­dern um eine allgemeingültige Parole der pol­nischen Regierung und Heeresleitung. Während die deutschen Truppen bisher alles nur mögliche taten, um die Städte zu schonen, verwandelten die Polen die Ortschaften in Zentren eines gemeinen, hinterhältigen Widerstandes., Sie drücken den Zivilisten Waffen in die Hände, organisieren den Abschaum der Bevölkerung, die Insassen der Gefängnisse, zu Franktireurbanden, die das Leben der deut­schen Soldaten und ihre rückwärtigen Verbindungen be­

drohen sollen. Sie scheuen sich nicht, ihre eigene Haupt- stadt in ein Schlachtfeld zu verwandeln und lassen Warschau durch die eigene Artillerie beschießen. Mit diesen außerhalb jedes Kriegsrechtes stehen­de n Methoden hat die polnische Regierung das deutsche Oberkommando zu Gegenmaßnahmen gezw uns e n. Ihre Gründlichkeit und ihre Durchschlagskraft wird den Polen sehr bald klar machen, daß man mit der deutschen Langmut nicht ungestraft spielen darf. Sie werden ihnen beweisen, dah ihre militärische Taktik, eine Großstadt zum Kamvffetd zu machen, nicht nur ein Verbrechen, sondern auch ein wahnwitziger Unsinn ist. Die verhetzten Ms- landsgaz^tten aber, das wissen wir beute schon, werden Wetz und Ach schreien. Ihnen gegenüber können wir nur fest- stellen. dah die Verantwortung für di e E wiecken und d i e Leiden, die über die polnische Zivilbevölkerung hereingebrochen sind, einzig und allein die sogenannte pol­nische Regierung und ihre Scharfmacher an der Themse tragen.

Die Blutschuld der Engländer und der von ihnen inspirierten Polen wächst ins llngebeuer­lich e. Die vorliegenden Nachrichten bestätigen leider die schauerliche Ahnung, dah das furchtbare Blutbad in Brom­berg nicht vereinzelt dasteht. Die Mitteilungen Über bestialische Grausamkeiten, die sich die Polen im Kreise Briesen, einem westpreuhischen Landkreis bei Thorn, zuschulden kommen liehen, zeigen, dah der Vermch- tungsfeldzug gegen das Deutschtum im ganzen polnischen Raum durchgeführt worden ist. Man muh leider damit rechnen, dah ein Viertel des Deutschtums in Polen, wenn nicht noch mehr, durch die Ereueltaten des von England aufgeputschten Untermenschentums vernichtet wurde. Das Vorgehen dieser Horden ist so entsetzlich grau­sam. dah es nahezu unverständlich wird. Das D e u t s ch e Rote Kreuz sandte ein Telegramm an das Inter­nationale Komitee vom Roten Kreuz in Eenr, in dem es den dringenden Wunsch ausspricht. dah das Internationale Komitee Vertr et e r en t- senden möchte zu eigener Bezeugung bei völliger Frei­heit der Feststellung. Die Vertreter des Roten Kreuzes wer­den. wenn sie der Bitte entsprechen, der Welt beweisen müssen, dah es sich bei den Meldungen über die polnischen Greuel nicht, wie das Londoner Lügenministerium behaup­tet, um deutsche Propaganda handelt, sondern um erschüt­ternde Tatsachen, die für die niemals mehr zu tilgende Schuld Englands Zeugnis ablegen.

Seeräuberei.

Der Wirtschaftskrieg Englands gegen die neutralen Staaten. Von Hans Scharr.

In maßgebenden politischen Kreisen Englands hat wohl nie ein Zweifel darüber bestanden, dah D e u t s ch l a nd m i l i- tärisch nicht beizukommen ist. Die unerhörten Er­folge der deutschen Truppen haben diese Vermutung bestätigt. Umso nachdrücklicher hat John Bull schon seit Jahren den Wirtschaftskrieg gegen das Reich vorbereitet. Die Methoden des Weltkrieges sollen ein Vierteljahrhundert spater fröhliche Urständ feiern. Man will durch Blockade-Mah- nahmen das W-Millionen-Bolk seiner wirtschaftlichen Grundlagen berauben, will es langsam aber sicher aus- hungern. Dieser saubere Plan hat indessen den bedenk­lichen Konstruktionsfehler, dah sich die Struktur der deutschen Wirtschaft inzwischen entscheidend gewandelt hat. Wir denken dabei nicht nur an die durch den Vierjahresvlan frei- gesetzten und nutzbar gemachten gewaltigen Energien im er­nährungswirtschaftlichen und industriellen Sektor. Auch unser A u h e n h a n d e l s - S y st e m hat grund­legende Veränderungen erfahren. Einmal haben wir uns von gewissen Gold- und Devisen-Erfordernissen weitestgehend gelöst und an ihrer Stelle das Prinzip des reinen Güteraus­tausches verwirklicht: zum anderen umfassen unsere Auhen- Handels-Pattner in erster Linie Nachbarn, die auf dem Landwege zu erreichen sind. Unser überseeischer Handel ist nicht derart, dah durch die englische Blockade Deutschlands Existenz ernstlich bedroht werden könnte. Eine Stelle übrigens, an der der wirtschaftliche Machtblock des Britischen Weltreiches leicht verwundbar ist.

Es ist unbestreitbar, dah der englische Wirtschaftskrieg weniger Deutschland, als vornehmlich den neutralen Staaten schaden wird. Wir berichteten bereits vor einigen Tagen, dah England diesen Ländern eine recht umfangreiche Liste jener Waten übergeben hat, die es als Konterbande behandelt, über die Berechtigung der kriegführenden Par­teien, die Unterstützung des Gegners durch Waffen- und Munitionslieferungen dadurch^ zu unterbinden, dah solche Güter als Konterbande, das heiht Bannware er­klärt werden und der Beschlagnahme verfallen, besteht kein Zweifel. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß man nicht alle möglichen Dinge, die mit dem Krieg nicht das geringste zu tun haben, in die Liste der Konterbande auf­nehmen kann. Zumal England wider jedes Völkerrecht Lebens­mittel zur absoluten Konterbande rechnet, die ohne Rück­sicht auf den Empfänger beschlagnahmt werden soll. Die deutsche Auffassung über die Stellung der Neutralen im Kriege ist diesen Ländern gegenüber in einer Weise präzisiert worden, die rückhaltlose Zustimmung gefunden hat. Danach soll jeder neutrale Staat das Recht haben, seinen Warenaustausch und Transitverkehr mit anderen Ländern so fortzusetzen, wie er in normalen Friedenszeiten gepflegt wor­den ist. Wenn England diese vernünftige und überdies selbst­verständliche Auffassung nunmehr sabotiert, so ist ein solches Verhalten von Seeräuberei nicht mehr zu unterscheiden.

Aus dieser Situation heraus hatten sich die Staaten der sogenannten Oslo-Gruppe, d. h. Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Holland. Belgien und Luxemburg, in Brüssel zu wichtigen Besprechungen zusammengefunden, die am Dienstagabend beendet worden sind. In einer Verlaut- barujtg über diese zweitägige Konferenz heißt es, daß der Meinungsaustausch sich auf die Maßnahmen erstreckt habe, die infolge des Krieges auf den Gebieten des Handelsverkehrs vorauszusehen seien. Es sei eine vollständig überein­stimmende Stellungnahme der vertretenen Länder erzielt worden. In unterrichteten Kreisen bemerkt man dazu, daß England die Regierungen der Oslo-Staaten aufgefordert hat, eine Aufstellung der Güter einzureichen, die für die Existenz dieser Länder notwendig sind. Man ist nun der Ansicht, daß diese ungeheure Zumutung Englands, deren Verwirklichung den gesamten Transitverkehr und wo­möglich auch den oirekten Warenaustausch mit Deutschland lahmlegte, von den Neutralen abgelehnt wird mit dem Hinweis darauf, daß eine solche Handlungsweise ihrer Neutralitätspolitik widerspreche.

Inzwischen hat die organisierte Seeräuberei bereits eingesetzt. Wie die belgische Zeitung „Voix du veuvle" erfährt, werden sämtliche Schiffe, die mit Getreide für Belgien beladen sind, in England zurückgehalten. Neben den nordischen Staaten ist Jugoslawien außerordent­lich besorgt wegen der Schwierigkeiten, die für seine Kohlen­versorgung infolge der englischen Blockade entstehen könnten. Es ist also so, daß der englische Wirtschaftskrieg in erster Linie die neutralen Staaten betrifft, für die der Handel mit Waren, die der englischen Kontrolle unterliegen, zum großen Teil lebenswichtig ist. Deutschland erwartet, daß die neutralen Staaten in ihrer Ab wahr..der englischen Zumutungen hart und entschieden bleiben. Zu­mal sich auch hier die Situation gegenüber dem Weltkrieg

Der Bericht des Oberkommandos

Berlin, 13. Sept. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 12. September fetzte das deutsche Oftheer mit feinem Sud- bzw. feinem Nordflügel die stürmische Ver­folgung des Feindes fort.

Beiderseits Przernyfl verstoßend, wurden Sambor und Iaworow genommen und mit vorgeworfenen Abteilungen Lemberg erreicht.

Die südlich Radom eingeschlossene polnische Truppe hat ausgehört zu existieren. Die gewaltige Beute an Gefangenen, «efchützen nnd Kampfgerät aller Art wird noch gesichtet und gezählt. Alle Versuche der um Kutno umstellte« fünf polnischen Divisionen und zwei Kavalleriebrigaden, nach Süden durchzubrechen, sind gescheitert. Der konzentrische Gegenangriff unserer Divisionen ist im Gange.

Ostwärts «nd südostwärts von Warschau sind Straße und Bahnlinien Warschau — Siedlce mit Hatten Kräften überschritten. Am äußersten Ostflügel stehen motorisierte Truppen 40 Kilometer nörd­lich Brest.

Weit hinter der Front ist die zu spät aus Lomza nach Süden weichende 18. polnische Dioikio« nördlich des Bug gestellt.

Die Luftwaffe griff auch gestern erfolgreich Straßen, Brücken und Eisenbahnen ostwärts der Weichsel an. 3m Bahnhof Kryftynopol brennen drei Züge. Der Flugplatz Luck wurde schwer beschädigt, die Flugzeugfabrik Biala- Podkast in Brand geschallen. 14 feindliche Flugzeuge wurden zerstört, davon 2 im Luftkamvf. Die Luft­aufklärung brachte ausgezeichnete und für die Führung wertvolle Ergebnisse.

3m Westen wurde der Birnberg, etwa 6 Kilometer südostwärts Saarbrücken, auf dem sich der Feind mit zwei Kompanien festgesetzt hatte, im Gegenangriff durch unsere Vorposten wieder genommen. Sonst nur geringe Vorvoftenkämpfe.

Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet fanden nicht statt.