Verlag Langgaffe 21
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tag. 14. August 1914.
Morgen'Kusgabe.
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„ffeLÄeutaten" unserer Gegner.
Nr. 375 . » 62. Jahrgang.
- ntan * n Deutschland in berechtigtem Stolz Äop“ , | t . über die Heldentaten unserer wackeren EttgE ^.draußen dem Feinde, über die kühnen
Lüttich und vor der Themsemünidurrg und >,. Bravourstücke prachtvollen Soldatengeistes,
Et ^^üsere slawischen und romanischen Gegner nur 10 Heldentaten berichten: über Heldentaten, "r?r Unbewaffneten, Frauen und Ki-nd-kn un-
w der österreichisch-ungarischen Nation!
{sw* es in der Kultur.auf dem Erdenrund so ^ -wert gebracht — '
--- so vermeinte man; und die
JSäW*, brutalen Ausschreitungen in Frankreich, Rußland zeigen uns nur, daß bei einigen " ^ europäischen Kulturwelt die Zivilisation
! 6 § ? , n . dünner, ein ganz dünner Firnis war.
?»d >n!fr nidE)t geleugnet werden, daß auch in Deutsch- «la s'-rend der ersten Tage der furchtbaren Er- lte »i5cr r "?d da Belästigungen und Verdächtigungen tkl, K . und einige geringfügige Verletzungen pri- Seniums stattgefunden haben. Der hoch- ä'illna ^rnlinung des. Publikums sind derartige Ent- MjJrw zugute zu halten, wenn sie auch nicht ent- .«ollen; aber wie rasch har sich das wieder zurecht gefunden, wie \ die übertriebene Spionenfurcht geschwun-
L lvelcher Selbstverständlichkeit hat sich der Gerechtigkeitssinn/ das Gefühl für Würde und ».^?bert wieder durchgesetzt, das den Deutschen eigentümlich ist! Es bedurfte tatsächlich ü, , -rnsten Slppells, um die kleinen Unebcn- der Behandlung der Ausländer wieder aus- Und alles, was nach dieser Richtung hin
«t» n wer, war tatsächlich .geringfügiger'Natur und »M Achu Teil auf- Herausforderungen von der satt-
.Äte. Mit welcher Korrektheit und schärfen kt luuüng hat man beispielsweise von seiten im*
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und Gesandten
die Personen dev abfahrenden Bot n der mit uns kriegführenden All Er lchüßen gewußt! Wie wohl sind die zahl- , ussen^ aufgehoben, die man aus staatlichen Rsch " aii einem Punkte zusammenhält und die das Iflta Entgegenkommen in der Behandlung dieser nicht laut genug rühmen können!
» gegenüber gähnt ein ungeheuer tiefer Abgrund, J» an die Behandlung der unschuldigen Deut- ? Sti,r r b>e wegen des Krieges Frankreich, Belgien ^x/bband verlassen mußten. Schmachvoll ist Weise, wie man diesen Unglücklichen mit- bat. Daten eines Kulturvolkes sind es nicht ck &_ - oie uns hier die entsetzlichen, im Kern
iS|w G böllig ü b c r e i n st i m m e n d c n Schil St ? der ^ Flüchtlinge berichten. Es waren die ^ ^ atisierter Horden, denen gegenüber
' die zum Schutz auch der Fremden berufenen Behörden nicht die nötige Autorität aufbrachten oder die sogar -— was noch trauriger ist — hier und da unter dem st i l l s ch w e i g e n d e n E i n v e r st ä n d n i s behördlicher und militärischer Organs ihr widerwärtiges Werk vollenden konnten.
Von Rußland wundern uns die Ausschreitungen des Pöbels, über dein sich hier einmal nicht der sonst überall funktionierende Polizeisäbel erhob, nicht weiter; die Barbarei ist in Rußland eben nur für gewisse Zeiten suspendiert, int übrigen tritt sie roh zutage. Die Schändung des deutschen Botschafter- Palais entspricht ganz der russischen Kulturhöhe, die nur zerstören, aber nichts aufbauen kann.
Anders liegt die Sache bei B e l g i en und Fr ank- r e r ch. Beide Staaten sind unsere Feinde in der jetzigen kriegerischen Zeit; das hindert uns nicht, anzucr- kennen, welche Kulturgüter dort geschaffen sind, welche reiche Anregung auch die deutsche Geisteswelt von der französischen Kunst und Literatur, von den belgischen Kunstsamnrlungen, Baudenkmälern und Werken der Industrie erhalten hat. Hier schmerzt es uns, zu sehen, daß die Nationen, . die solche Güter erhalten haben, der damit zugleich verbundenen moralischen Verpflichtung, sich auch im Kriegszustände als gesittete Völker zu benehmen, in einem erheblichen Teile so wenig entsprochen haben. Dem aufgeregten Ncktnrell der Belgier, die auch in nonnalen Zeiten stets den Eindruck erwecken, als ob sie auf einem Pul- verfaß säßen, mag noch so viel aufs Kredit geschrieben werden; ihr Verhalten den abzichenden Deutschen gegenüber und jetzt die unerhörten Taten der Franktireurs und Frauen hinter der Front unserer Truppen — die Taten, die berichtet werden, sind so scheußlich, daß wir sie nicht erzählen mögen — sind und bleiben eine ungeheure Schmach für das ganze . Volk; und gleichzeitig ist es ein Zeichen des ungeheuren Mangels an Verantwortlichkeitsgefühl, das in, diesem Volke vorhanden ist; die Belgier sind unter allen Umständen der G n a d e d e s Siegers überlassen. Glauben die Belgier wirklich, daß 'ihiren chre grauenhaften Exzesse, ihre Schandtaten an Frauen und Kindern von den Deutschen jemals b e r g e t f e n werden?
. ^ud rz-rcmkreich! Das Land der Galanterie, der fernen Lebenssitte! Wie hat sich der Pöbel hier be- uommen! Selbst die geschützte Person des deutschen ^f b . or schweren persönlichen Insulten
md)t bewahrt geblieben; eine unerhörte Deut- schen Hetze war die erste „kriegerische Tat" der „glorreichen . Nation" jenseits der Vogesen. Auch Frankreich wird, wie auch sein Schicksal im Kriege sein möge und welche furchtbare Strafe es auch von uns zu erwarten hat, I a n g e an sich selb st zu arbeiten yaoen, ehe cs den niederziehenden Eindruck von der eigenartigen „Kulturhöhe", die es hier gezeigt hat, aus den Annalen der Geschichte hinwegwischt.
KrankrsichZ Mobilmachung.
Moderne Festungen.
schriebm P cn ^ m ^ Q wird uns unter dem 30. Juli ge-
Ein besonderer Auftrag, der mit den ersten Gerüch- ten über bevorjtehende Mobilisationen an der französischen Grenze un Zusammenhaiig steht, führte mich vorgestern von Turin über Lyon nach Marseille, 7 I 111 ?J 1 ' „p izzci nach Ventimig lia an die ikallemsche Grenze. Dre Eindrücke meiner zweitägigeii Jutnbfcujrt fctnit trfj nur in dem Sähe )viedergehen: wenn die französische Regierung es wagt, ihre Mobili'-^ sierungen größten Stiles abzuleugnen, so hat sie kein gutes Gewissen gegenüber I t a l i e n, das niit seinen Gegenmaßnahmen noch in weitem Rückstände ist, wenn ich auch gern zugebe, daß ich auf der Strecke von Susa bis Bavdonecchia auch aus der italie- Nischeii Seite sowie in Bentimiglia größerer Truppen- ansaminlungen beobachten konnte, wie sie in normalen Zeitläuften aii diesen am stärksten gefährdeten Grenz- dlstrikten nicht zusammengezogen werden. Bon Modane ab starren alle Stationen bis Chambäry von Truppen aller Waffengattungen. Als ich in Modane abstieg, glaubte ich mich in ein Riesenkriegs- manvver versetzt. Ich fragte einen Stationsbeamten, ob detin etwa gar innerhalb der letzten Stiltide der Krieg erklärt wäre. Er zuckte die Achseln imd meinte, in wenigen Tagen könnte der Verkehr für Zivilisten vollkomnien eingestellt wenden. Eine ganze Reihe Güterzüge seien ausgefallen, da der Massentransport der Soldaten, die seit 48 Stunden an die Grenze geworfen werden, die Durchführung eitws regelmäßigen Dienstes der französischen Bahnen nicht mehr gestatte. In der Tat blieb mein Schnellzug, dem ich entstiegen war, drei volle Stunden in Modane liegen, um den Rücktransport der vielen Hunderte französischer Wagen, die sich hier .leeren, zu ermöglichen. Es herrscht ein n nb e sch r e ib li ch es Tohuwabohu auf dem Bahnhof. Die Mobilisic- rnngsmaßnahmen scheinen in Paris n b e r ft ürzt worden zu sein. Jedenfalls gelangten heute in Modane drei Regimenter schwerer Artillerie an die offenbar an die deutsche Grenze gehen sollten. Sw wurden nämlich, als sie bereits ihr Biwak in Entfernung von einer Stunde aufgeschlagen batten, beordert, in aller Hast die nächstbesten'bereitstchen- den Zuge zu bestelgeii, um nach L y 0 n z u r li cf 3 u- f eh r en. .^;ch muß gestehen, wenn die Kri e g s- beMeisterung unter diesen Einberufenen nicht noch starker wahrnehmbar witd, so dürsten die Herren Offiziere peinliche Überraschungen erleben. Man braiicht gar nicht allznnahe zil stehen, um allerlei Verwünschungen aus dem Munde der vielfach r c ch t s ch l e ch t g e n ü h r t e n und krankhaft aussehenden Mannschaften zu ver- nehmen, denen man es ansieht, wie fatal ihnen der Zwang geworden ist, ihr Heim und ihre Familien zu
Von I. CT. Lusztig.
die starke Maas-Festung, ist gefallen, und dadurch
^iegsgeschichte wieder einmal einen Beweis dafür ^ E Vorairssehungen und Berechnungen im Kriege
Iga- bip „ U.11V ;üttCU)UUt[[jtU 1111 01U-Ö-
^ Ile Ereignisse mitunter alle Theorie zu dem stempeln, i' zu einer Geringfügigkeit im Hinblick auf die tSw'. r Allerdings mutz man es sagen, dah derartige , stse besonders auf dem Gebiete des Befestigungs- jAdst den allerseltensten Ausnahmen gehören. Wohl L,.Hl>»i^rschichte Fülle genug, daß feste Plätze mit stürmen-
weil JlC uu» yn
t 0 >ttit, Öat ^ e brraus entwickeln müßte, ist bisher noch nicht V' . ® enn die Anlage der großen Lagerfestungen auf dem Grundsatz basiert, daß sie zumindest die % !| t -ireppe festhalten sollen und dadurch der operie- Pn Siei~- ee cincn »roßen Teil der Streitkräfte abziehen h-Iihoy werden solche Beispiele in der Kriegsgeschichte,
,, ^ähnt, zu den allergrößten Ausnahmefällen stets s^>>, Fd sewst dieser große Erfolg kann daran nichts »,5 F" die Festung als Verteidigungsmittel höherer
< mer ihre große Bedeutung auch für die Zukunft \ »itt d^d.
L Re t v Anlaae aröberer Befesiionn^nn Nn-ri-itt
'^d'dj^rch Ausfälle und Geschützfeuer, die Flügel, Flan- ^ickwärtsgen Verbindungen des Feindes bedrohe.
-Truppen gewähren die Festungen die Bewegungs
freiheit Furch das Offenhalten von Stromübergängen und andern Verkehrsverbindungen, während sie die Bewegungen oes Z-erndes innerhalb ihres Wirkungsbereiches wesentlich yinoern.^ Außerdem dienen sie noch zum Schutz besonders wicyttger Örtlichkeiten, wie zum Beispiel der Landeshaupt- stad, ser großen Mikitärwerkstätten, der Zeughäuser und der Borratsmagazine. Schließlich bilden sie in solchen Landes- t ? tlen r ,,.i e r bDm Feldheere aus irgend welchen strategischen oder taktischen Gründen außgegeben sind, Stützpunkte für die eigene ..lacht, die die spätere Wiedereroberung erleichtern ober lvenigstens dem Staate einen wertvollen Ortsbesitz er- hal cn tollen. Nach den schon im Frieden aufgestellten Plänen ist sw mit den stärksten Mitteln der Technik ausgestattet, und darum können derartige Festungen die erwähnten Aufgaben Ö. er,n Ö ere n Truppenstärke und auch mit weniger geuo.cn Truppen (Reserve und Landwehr) lösen, wie es beim tf ien Felde möglich wäre. Dadurch wird das Fe.oheer rn den Stand gesetzt, an anderer Stelle um so stärkere Kräfte zum Angriff einzusetzen.
K a' p l i 1Tßen bestehen in der Hauptsache nach aus dem Festung^iepn und einer rings um diesen angeordneten vorge- schobenen Verteidigungsstellung, der sogenannten Haupt- ftellung. Den Festungskern bildet meist eine größere Stadt, Behauptung wegen ihrer Lage an der Grenze, an Flußubergangen oder an Eisenbahn- oder Straßcnbahn- knotenpunkten besonders wichtig ist. Sperrbefestigungen bestehen aus einem oder mehreren geschlossenen Werken, die miteinander rn taktischem Zusammenhänge stehen. Auch sie sollen dern Fernde die Benutzung von Verkehrswegen ver- Punkten^"" ^Egcn demnach in der Regel an solchen geeigneten
„^"^'^ b ^""gSkanipf um die Festung soll in der Hauptttellling geführt werden, also draußen in dem Forts- mv-H-s "ber hierbei der Festungskern nicht Phon in
werde, muß die Hanptstellunglso weit
t.ot 9 e,a,pnc l ,. werden, daß die Batterien des Angreifers nicht uocr sie hinweg bis in die Stadt schießen können. Da die
Schußweite der neuesten Flachbahngeschütze auf etwa 12 bis 14 Kilometer gesteigert ist, und da die Anqriffs- batterlen von der Hauptstellung sich ungefähr 4 Kilometer weit befinden, so müßte der Abstand zwischen dieser und dem 4tcrn der g-estung 8 bis 10 jlilometcr betragen. Bei älteren ercstungen jedoch, die zu einer Zeit erbaut worden sind, in der die Schußdistanzen noch nicht so groß waren, beträgt der Ab- ftand der Hauptstellung vom Kern iin Durchschnitt nur ungefähr 5 Kilometer. Bei den wichtigsten Festungen aller Länder aber,^ zumal ber Grenzfestungen, deren Hanptstellung so wie m Lüttich erst in den letzten Jahren ansgebaut wurde, ist sie schon den Schußweiten der modernen Flachbahnaeschütze entsprechend ivert vorgeschoben. Dadurch ergibt sich, daß auch die Lange der Hauptstellung eine erhebliche Ausdehn»nr erfahren hat, und diese Stellung erfordert demnach wesenüich mehr Kräfte zur Verteidigung und auch mehr Kosten zur Herstellung. Der Angreifer wird aber auch seinerseits zur Verteidigung und zum Einsatz zahlreicher Strcitkräfte und Streitmrttel gezwungen. Reben der Rücksicht auf den Festungskern wirkt auf die Lage der Hauptstellung das Gelände bestimmend ein. Mitunter zwingt der Mangel geeigneten Geländes in der günstigen Entfernung dazu, die .Hauptstellnng weiter nach rückwärts oder weiter nach vorwärts zu legen. Die Hauptstellung ivird in Abschnitte cingc- twlt, deren Verteidigung gesonderten Abschnittsbesatzungcn zugewiesen wird. Die Kampfstellungen ficr die Infanterie und die Artillerie sind derart auszuwählen, daß den Kampf- bcdingungen beider Waffen voll Rechnung getragen und ibr Zusammenwirken sicher gewährleistet wird. Die Infanterie soll sich dabei möglichst so weit von der Masse der Artillerie befinden, daß sie unter dem Feuer nicht leidet, welches der Angreifer auf die Artillerie richtet. Die Hauptsache ist ein gutes Schußfeld für die Infanterie und gute Beobachtung für die Artillerie. Bei der großen Ausdehnung der Stellung im Verhältnis zrt der verfügbaren Truppenstärke bedarf sie besonders zahlreicher und widexstandsfähiger Stützpunkte. In der Regel sind diese nur für die Verteidigung durch die In-
