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Wiesbadener Tagblatt

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Unterhaltungsbeilage. ®eriineI 35010:

Nr. 212.

Montag, 11. September 1939.

87. Jahrgang.

Der Oberste Befehlshaber hei seinen Soldaten im Raume von Radom.

Die große Schlacht in Polen.

Die Operationen nähern sich ihrem Höhepunkt. Durchbruchsversuche der eingeschlossenen polnischen Divisionen überall gescheitert. Polnische Artillerie beschießt Warschau. Der Gürtel um Gdingen enger zusammengezogen. Wieder drei französische Flugzeuge abgeschossen.

Der Fronlflug des Führers.

. Führer-Hauvtyuartier, 10. Sept. Nachdem die mili­tärischen Operationen im Korridorgebiet als abgeschlossen gelten können, hat sich der Führer zur sch l e k i s ch e n Heeresgruppe begeben, jener Gruppe, die den Vorstoß rn nordöstlicher Richtung führte, der über Tschenitochau, Kielce, Konslie nach Radom und weiter in das Herz Polens nach Warschau führte.

Unsere Truppen durchmaßen in den vergangenen acht Tagen auf diesem Vorstoß Räume, die im Weltkrieg zu ihrer Überwindung ein. volles Jahr erforderten. Unsere Flieger, unsere Panzerwafse, die schnellen Truppen und die Infanterie vollbrachten Lei st ungen, die fast unglaublich sind. Aber eine Armee kann nicht unaufhörlich marschieren, sie muh die eroberten Gebiete auch in Besitz

nehmen. Eine ungeheure Kleinarbeit, ein rastloser Einsatz hinter den vorwärtsstürmenden Divisionen ist not- wenvig. um diesen ungeheuren Raum nun. nachdem er erobert wurde, auch militärisch völlig zu durchdringen. Ein Front­flug des Führers, der mitten hinein in den Raum von KielceRadom führte, in jenen großen Eefechtsablchnitt un­mittelbar westlich der Weichsel, in dem mehrere polnische Divisionen eingek'esselt und um­zingelt ihrer Auflösung entgegengehen. ergab einen Lber- zeugenben Eindruck, wie die Besetzung dieses Landes, seine endgültige Sickerung und Befriedung vor fick geht. Dieser Frontflug des Führers vermittelte aber darüber hinaus auch einen Einblick in die wirtschaftliche und soziale Struktur des Landes. Er war ein lebendiger Anschauungsunterricht für die Unfähigkeit eines Regimes, das ebenso größen- wahnsinnig wie hilflos gegenüber den Problemen des täglicoen Lebens war.

führenden polnischen Regierungskreise im Volke geweckt wurde, mußte.sich naturgemäß aus das grausamste auswirken.

. ,Dre Fanatisierung hat aber auch noch eine Folge ge­zeitigt. die die Blutschuld Englands und der polnischen Regie­rung ungeheuerlich erhöht. Das ist der aus der wahn­sinnigen Verhetzung entstandene Banden­krieg.. Manch deutscher Soldat hat durch die Kugel eines heimtückischen Mörders weit hinter der Front sein Leben lassen müssen. Gegen diese Strauchritter kann nur das scharf st e Einschreiten helfen. Und so wird grundsätz­lich leder,. der als Heckenschütze mit der Waffe in der Hand ergriffen wird, standrechtlich erschossen.

Die polnische Mißwirtschaft.

Die scheußlichen Gemeinheiten, die furchtbaren Greuel- taten, die entsetzlichen Morde aus dem Hinterhalt, die das Entsetzen und den Abscheu der ganzen Welt wachgerufen haben,

sind nur denkbar durch diese plan mit 8 ige Verhetzung, die von der englischen und der polnischen Regie - tuns systematisch am polnischen Volk begangen wurdet. Denn welch anderes Bild bietet sich dar, wenn man vom «rlugzeug aus dieses Land betrachtet. Sauber und ordentlich sind die Felder bestellt und gepflügt. Sie zeigen ein arbeitssames Volk, das in Frieden und Wohlstand leben mühte. Dennoch Ut die Armut der Bevölkerung unvorstellbar. Wege und Straßen sind in einem derartigen Zustand, daß ne in ihrer Verkommenheit wohl kaum in den unerschlossensten Teilen Europas ein Gegenstück finden. Rur die Strabe zwischen Warschau und Krakau ist einigermaßen mit einer euro­päischen Strahe zweiten Grades vergleichbar. Alle anderen Wege machen den Eindruck, als seien sie seit Jahrzehnten nie­mals gepflegt worden. Dieser furchtbare Gegensatz zwischen den

(Fortsetzung auf Seite 6.)

Das neue Lohngebaude.

Keiner darf sich seiner Opferpflicht entziehen.

Seh. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet Hessen hat soeben eine Anordnung über Kriegslöhne getroffen, wonach jede Erhöhung der Löhne und Gehälter, soweit sie nicht durch das.nor­male, periodische Einrücken in eine durch Alter, Vetriebs- oder Berufszugehörigkeit bestimmte höhere Lohn- oder Ge­haltsstufe bedingt, ist jede Neueinführung oder Erhöhung von Zuschlägen und Zulagen auch soweit sie im Einzelarbetts- vertrag zugesichert sind verboten sind. Desgleichen dürfen Erhöhungen oder Neueinführungen von Treue­prämien. Wege- und Trennungsgeldern. Sozlalzu.lagen (Frauenhausstand- und Kinderzulagen) und sonstige soziale Zuwendungen nickt mehr gewährt werden. Verboten ist auch jede Erhöhung oder Neueinführung von Gratifikationen und Gewinnbeteiligungen (Tantiemen) sowie jede Aus­zahlung der sich auf Grund einer Betriebsordnung oder eines Einzelarbeitsvertrages ergebenden Erhöhung dieser Bezüge gegenüber der letzten Auszahlung.

Die Notwendigkeit einer solch einschneidenden Maßnahme ist zwingend. Nickt nur. daß damit die Forde­rungen der Kriegswirtschaftsverordnung vom 4. September verwirklicht werden. Neben der durch den Krieg bedingten Dringlichkeit war eine Neuordnung des gesamten Lohn­gefüges ohnedies das Gebot der Stunde. Eine Neuordnung, die sich zwar zu normalen Zeiten auf weniger scharfe Ein­schnitte beschränkt hätte, die indessen, an dem Kern der Probleme nicht hätte vorbeigeben können. Es rst unbestreit­bar, daß das Lohngebäude in den letzten Jahren etwas aus dem Gefüge geraten war. Der schnelle Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens mit seinem ungeheuren Bedarf an Arbeitskräften hatte Löhne und Gehälter zur Folge, die großenteils leistungsmäßig nicht begründet waren, sondern alsSeltenheitsprämien" gewertet werden müssen. Ein Einkommen aber, das nicht auf Leistung gründet, ist weder wirtschaftlich noch sozialpolitisch gerechtfertigt. Hier werden denn auch die ersten Abstriche erfolgen. Darüber hinaus umfaßt die Anordnung des Reichstreuhänders der Arbeit Einkommensteile, deren verhinderte Erhöhung oder Ein­führung ausschließlich eine Auswirkung des. Kriegszustandes ist. Die sozialpolitische Berechtigung für diese Eingriffe in das Lobngefüge steht außer Zweifel. Wieder und wieder muß auf das Führer-Wort verwiesen werden: Der Soldat an der Front soll aber auch wissen, daß in diesem Kampf erstmalig in der Geschichte nicht von dem einen verdient wird, während die anderen verbluten." Eines ist jedenfalls klar: wer dazu ausersehen ist, in der Heimat zu arbeiten, steht sich mit seiner Familie immer noch besser als der Kamerad im Felde. Zumal die niedrigeren Ein­kommen durch die Kriegssteuer nickt betroffen werden. Brutto-Einkommen bis zu 234 RM im Monat und Stunden­löhne bis zu 90 Pfg. werden von dem Kriegszuschlag zur Ein­kommensteuer nicht erfaßt. Des weiteren soll an dem Grund­satz festgehalten werden. daß echte Mehrleistung auch entsprechend bezahlt wird.

In den nächsten Wochen wird es auf diese Weise mög­lich sein, das gesamte Lohngebäude auf eine neue Grundlage zu stellen. Selbstverständlich steht wie früher auch beute wieder der Bergarbeit.er an der Spitze, Nack seinen Verdiensten wird die Lohnpyramide aufgerichtet. Entscheidend für die Gestaltung dieser Pyramide ist dann ausschließlich die Leistung unter Berücksichtigung der aus die Kriegseriordernisse abgestellten Wirtschaftsverhältniste. Wobei auch die Preisseite nicht.unberücksichtigt bleiben wird. Denn es ist selbstverständlich, daß die hier und da ejn- iretenden Lohnsenkungen oder der Wegfall einer beabsich­tigten Lohnerhöhung nicht den Unternehmern zugute kommen, sondern, wie es auch in der Kriegswirtschaftsver-

Der Bericht des Oberkommandos

Berlin, 11. Sept. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die grobe Schlacht inPolen nähert sich ihrem Höhepunkt, der Vernichtung des polnische» Feldheeres westlich der Weichsel.

Während in Südvolen der stch zäh wehrende Gegner über den San zurückgedrängt und der Übergang über den Find im Abschnitt Sanok JawornikPolkki, sowie bei Radymne und Jaroslaw erzwungen wurde, begannen die in de» verschiedenen Räumen ei»geschlossenen Truppen die Waffen zu strecken. Durchbruchsoersuche der eingeschlossene» Teile wurden überall verhindert.

Nach hartem Kampf um die polnische» Befestigungen am Narew gelang es bei Nowogrod und Wizna, Brücken­köpfe an dem Südufer zu bilden. Polnische Artillerie aller Kaliber hat von den östlichen Teilen Warschaus aus das Feuer gegen unkere im Weftteil der Stadt befindlichen Truppen eröffnet.

Die Einschließung-des polnischen Kriegshafens Edingen wurde fortgesetzt. Neustadt und Putzig fiud in deutscher Sand. *

Seeftreitkräfte unterstützten das Borgehen des Heeres durch erfolgreiche Beschießung polnischer Batterien sowie des Kriegshafens Edingen.

Die Luftwaffe hat die Straßen- und Eisenbahnlinien ostwärts nnd nordostwärts Warschau und in de» Räume» Lemberg und LublinChelm wiederholt mit Erfolg angegriffen und Kolonnen und Truppentransporte dort zerschlage». Ja Lemberg wurde der Westbahnhos zerstört,

3m Weste» wurde der geräumte Flugplatz Saarbrücke» von französischer Artillerie beschossen. Drei srauzösikche Flugzeug« wurde» über dem Reichsgebiet abgeschosken.

Polen int Zustand völliger Auflösung

Auslandsstimmen über die Verhältnisse im polnische» Staat.

Haß gegen die Magnaten.

Im Herren des Radomer Raumes landen wir auf einem Stoppelfeld, das jetzt zu einem idealen Feldflugplatz umge­wandelt ist. Das Feld gehört zu den Besitzungen eines polnischen Magnaten, der beim Herrannahen der Deutschen mit seiner Familie nach Osten floh. Ehe deutsche Truppen das Schloß besetzen konnten, hatten es seine polnischen Hintersassen vollständig demoliert. Sie plünderten es nicht etwa aus, um fick rn den Besitz des Silberzeuges, der kostbaren Leinenwäsche, des Porzellans oder der wertvollen Spielsachen für die junge Magnatentochter zu setzen, nein, sie »erschlugen alles in einem Ausbruch wilden Hasses. Sie rächten nct) an der Einrichtung dieses Magnatenhauses dafür, daß die.dünne chauvinistische Ober- schickt, deren einer auch dieser Schloßherr war. ihr Land, und ihr Volk in das Verderben stürzte. Es ist erschütternd, diesen Ausbruch des Volkszornes zu sehen, denn das polnische Volk wurde mit den schlimmsten Lügen und wahn­witzigsten Vorspiegelungen in den Krieg hinew-

Die englische Blutschuld.

In dem Woiwodschaftsgebäude in Kielce hat man einen aufschlußreichen Briefwechsel mit der eng­lischen Botschaft in Warschau gemnden. der zeigt, wie die polnische Provinzbevölkerimg belogen, aufgestachelt, tanatl- siert und schließlich in das Verderben geführt wurde Der Amümmmw, der von englischer Seite unter Mithilfe der

wt. Wenn auch die Engländer und Franzosen sich erst am Sonntag bemüßigt fühlten, das Eindringen der deutschen Truppen in Warschau bekanntzugeben, so kann die Schön- särberei der englischen und französischen P r e s s e die Niederlage der polnischen Armee nicht mehr ver­tuschen.New York Herald Tribüne" entwirft ein erschüt­terndes Bild der polnischen Lage. Die Nieder­lage des polnischen Heeres, so schreibt das amerikanische Blatt, sei v o l I st ä n d i g, da nach dem Verlust Westpolens jeder Widerstand in Ostpolen von der deutschen Umklamme­rung zunichte gemacht worden sei. Obwohl hohe polnische Regierungsbeamte durch die Ereignisie der letzten Tage furchtbar mitgenommen seien, weigerten sie sich, die Nieder­lage einzugestehen. Die polnische Bevölkerung in den noch nicht besetzten Gebieten sei ahnungslos und ihre Leiden spotteten jeder Beschreibung. Polen sei völlig demoralisiert, das Verkehrssystem zusammenge­brochen und die Regierung sei nach einem ungenannten innerpolnischen Städtchen, weit von der Front entfernt, ge-

Von Lublin nach Pinsk.

flüchtet. Die rumänisch e Regierung rechnet bereits, wie aus Bukarest gemeldet wird, mit der Möglichkeit, in ben nächsten Tagen einzelne polnische Regie­rungsmitglieder anderErenze empfangen z u m ü f f e n: Drei Sonderzüge mit Franzosen passierten die rumänische Grenze in Richtung Constanza, von wo aus sie in ihre Heimat verschifft werden sollen. Wie der Reuter-Ver­treter berichtet, soll die polnische Regierung nach Pinsk, das inmitten der Rokitno-Sümpfe liegt, unterwegs sein. Die rumänische Presie will wissen, daß der französische General W e y g a n d t, der sich zur Zeit in Ankara aushält, die Absicht haben soll, über Bukarest nach Polen zu reisen. Rach wei­teren rumänischen Presiemeldungen steht Oftgaiizien in hellem Aufruhr. Die dortige ukrainische Bevölkerung soll sich gegen die Eewaltmaßnahmen der Polen erhoben haben. In dem Gebiet zwischen Colomea und Snyatin haben ukrainische Bauern zahlreiche Höfe polnischer Gutsbesitzer in Flammen aufgehen lasten. Diese aus neutralen Quellen stammenden Mitteilungen zeigen, daß sich Polen in einem Zustand völligerAuflösung befindet.