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87. Jahrgang

Freitag, 25. August 1939

Nr. 198

Furchtbares Blutbad bei Bielitz,

Mord-

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Der Oberste Sowjet einberufen.

Moskau, 25. Aug. (Funkmeldung.) Durch Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, wurde der Oberste Sowjet für den 28. August zur vierten auher- ordentlichen Tagung nach Moskau ernberusen.

die von Tag zu Tag gesteigerte Kriegspsychose schuf, ist zur Stunde nicht mehr Herr über die Entschlüsse der Armee.

Aus ganz Polen laufen unablässig Alarmnachrichten ein, die zuverlässig darauf schliehen lassen, daß in vielen Teilen des Landes die Standortkommandos sich nicht mehr den Warschauer Anordnung fügen, sondern entschlossen sind, auf eigene Faust zu marschieren.

In überstürzter Eile werden Truvvenkonzentrationen, insbesondere im nördlichen Pommerellen, vorgenommen uud Befestigungswerke errichtet. Sn Kattowitz gehen die Reser, vifteneinberufungen weiter. Durch die Stadt rollen den ganzen Tag wieder motorisierte Abteilungen polnischen Militärs in Richtung aus die deutsche Grenze. Sn der Stadt selbst sind jetzt sämtlicke Personen- und Lastkraftwagen sowie sämtliche Taxen requiriert. Alle.Lokomotiven stehen, soweit sie nicht schon für Truppentransporte eingesetzt worden sind, vor den Remisen unter Dampf.

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Hnieiaeramite- Ein Millimeter tz-he der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Gründ- preis der 85 Millimeter breiten Spalts im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisllste Nr. 6, Na-bISIie na-b Dreisliste Nr. 6. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und DWen wird keine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen-Annahme 9 /- Uhr vormittags. GrH-r- Anzeig-n mUen spätestens -inen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Ermunterung Polens.

as. Berlin, 25. Aug. Die aus Polen kommenden Nach­richten lauten alarmierend. Es liegen Anzeichen genug dafür vor, daß Polen einen Handstreich auf Danzig plant. Diese Methoden sind nicht neu. In Warschau er­innert man sich offenbar gewisier Vorgänge, in denen die gleiche Methode zum Ziel führte. Wir meinen Ober­schlesien und Wilna. Damals lagen die Dinge inso­fern ähnlich, als die polnische Armee die Entwicklung schneller vorantrieb als die polnische Regierung, die aber auch damals hinter den Provokateuren stand. Nur eins, und zwar den entscheidenden Punkt übersieht man tn War­schau wenn man solche geschichtlichen Parallelen zieht, daß nämlich damals die überfallenen nicht in der Lage waren, sich zu wehren und ihre ganze Hoffnung auf das seltsame, heute schon fast in der Versenkung verschwundene Gebilde, Völkerbund genannt, setzten, während heute das starke nationalsozialistische Eroßdeutschland hinter allem steht, was deutsch ist. Das scheint man in Warschau noch immer nicht ganz begriffen zu haben.

Wenn Polen mit der Terrorisierung der

Acht Volksdeutsche erschossen

Zahlreiche Verletzte. Gewehrsalven der polnischen Aufständischen auf wehrlose Gefangene. ----- buben unter Führung eines Polizeileutnants. Ein Blutrausch, der keine Grenzen mehr kennt.

Die polnische Soldateska will losschlagen Warschauer Regierung nicht mehr Herr über die Entschlüsse der Armee. - Standortkommandos wollen auf eigen- Faust marschieren. Polnische Preise trommelt zum Angriffskrieg.

Geebnete Bahnen.

(Von unserem Sonderberichterstatter für

die Sowjetunion.)

O. E. Der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion ist unterzeichnet. Die beiden Stamen haben ihn abgeschlossen, um. wie es in der offiziellen Mit­teilung heißt, der Sache des Friedens zu dienen. Die Hauvt- vunkte besagen, das beide Partner gegeneinander kerne aggressiven Handlungen irgendwelcher Art unternehmen wer­den, weder einzeln, noch im Bunde mit anderen Machten oder Mächtegruppen. In Deutschland wie in der Sowjetunion wird dieser Vertrag, ebenso wie das vorausgegangene Kredrt- und Handelsabkommen, mit uneingeschränkter Genug­tuung begrüßt. . , ,,

In allen Hauptstädten Europas und auch außerhalb Europas ist seit Monaten über das zu erwartende Ergebnis der langwierigen politischen und militärischen Verhandlungen orakelt worden, welche die Westmächte in Moskau nut der Sowjetregierung geführt haben bzw. noch führen. Die Kombinationen, Befürchtungen .und Prophezeiungen haben ihr Ende noch nicht gefunden, sie sind aber plötzlich durch die deutsch-sowjetrussischen Verträge völlig in den Hintergrund gedrängt worden, die eine umwälzende Änderung der europäischen Lage bedeuten. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion haben ihre wirtschaftlichen Beziehungen neu geordnet und ihre politischen Beziehungen durch einen Nichtangriffsvertrag umgestaltet. Die Verhandlungen, die zu diesem Zweck geführt wurden, haben, im Gegensatz zu den erst­erwähnten, die Weltöffentlichkeit nicht beschäftigt., Sie wur­den still und schnell geführt. Ihr Resultat hat weit über die Grenzen Europas hinaus ungeheueres Aufsehen erregt.

Wenn jetzt in England und Frankreich und auch in "manchen anderen Ländern über dieses Ergebnis als über eine peinliche Überraschung gezetert wird, wenn man dort so tut, als hätte diese deutsch-sowjetrussische Verständigung den Charakter eines auf Verblüffung berechneten Theater-

Deutschen, mit den Mobilmachungsmatz- nahmen, die jetzt wohl im gesamten polnischen Staats­gebiet durchgesührt werden und mit den Truppenzusammen­ziehungen an der Danziger Grenze einen Weg beschritten hat, der für Polen zur Katastrophe führen mutz, so trägt die Schuld für diese Gefährdung Polens, aber auch für die Gefährdung des europäischen Friedens England. Würde es noch eines Beweises dafür bedürfen, so hätte ihn die gestrige Unterhaus- und Oberhaus-Sitzung erbracht. Herr' Chamberlain der im Unterhaus und Lord H a l i f a x, der im Oberhaus sprach, haben auch nicht den mindesten Versuch unternommen, dre drohende Gefahr abzuwenden und Polen aus den Weg der Vernunft zu bringen. Statt befielt haben sie den Polen erneut einen Blanko-Scheck ausgestellt. Wenn englische Staatsmänner sich nämlich über die Leiden der Deutschen in Polen mit einigen leeren Phrasen hinweg­setzen und wenn die gleichen Staatsmänner auch nicht ein einziges Wort gegen die provokatorischen Maßnahmen Polens finden, dann kann man in Warschau solche englischen Reden nicht anders als eine Ermunterung auf­fassen, Zwar stellte Chamberlain fest, daß die Katastrophe noch nicht gekommen sei und sprach von Hoffnungen auf den Weg der Vernunft. Nur zog er leider keinerlei Schlußfolge­rungen aus solchen Worten. Zugleich ist man in England bemüht, die Volks st immun g aufzuputschen. Die englische Presse berichtet ihren Lesern in großem Umfang über alle möglichenVorsichtsmaßnahmen", die England er­griffen hat und noch ergreifen wird. Die Engländer werden äufgefordert, auf Schritt und Tritt ihre Gas­maske mitzuführen, es wird an die Warnsignale vor Luftangriffen erinnert, es wird über abgeänderte Fahrten von Vergnügungsschiffen im Mittelmeer sowie in der Nord- und Ostsee berichtet und dergleichen mehr. Und der Erfolg? Angesichts dieser Unruhe v e r st ä r k t sich derEold- abfluß aus England. So war gerade gestern wieder eine umfangreiche Eeldflucht nach Kanada festzustellen. Die Bank von England sah sich deshalb genötigt, den Dis - kontsatz von 2 auf 4 Prozent heraufzusetzen. Dazu mug man dann noch eingestehen, daß dreFrie­densfront" abzubröckeln beginnt. Jedenfalls verbreitet Reuter die Meldung, Polen sei von Rumänien mitgeteilt worden, daß es im Falle eines Krieges zwischen Deutschland und Polen strikte Neutralität wahren wurde. Nicht weit von dieser Meldung findet sich in den gleichen englischen Blättern die Nachricht, daß bie engl ische Re­gierung ihre Militärmission aus Moskau abbet Uten habe.

Himmelschreiendes Verbrechen.

Berlin. 25. Aug. (Funkmeldung.) DieBerliner Jllusbnerte Nachtausgabe" meldet aus Mährisch-OItrau: Bei Bielitz richtete eine militärisch bewaffnete Bande polnischer Aufständischer ein entsetzliches Blutbad au, das acht Tote und zahlreiche Verletzte forderte. Seit den Aufständischenkämpfen des Jahres 1921 ist dies der größte Massenmord, den die Polen an unschuldigen Menschen verübten.

Die Aufständischen, die unter Führung eines Polizei- leutnants standen, hatten in den frühen Morgenstunden des Donnerstag in Bielitz etwa 25 Volksdeutsche und mehrere Tschechen aus den Wohnungen heraus ver­haftet, und zwar unter der fadenscheinigen Behauptung staatsfeindlicher Umtriebe" schuldig zu sein. Bei den Verhaftungen war cs schon zu toben Mißhand­lungen und Quälereien gekommen.

Die Gefangenen, unter denen sich auch zwei Deutsche im Alter vo« nahezu 70 Jahren und ein Stzjähriger Tscheche befanden, wurden wie eine Herde Vieh auf »wer offenen Lastwagen zusammengepfercht und aus der Stadt herausgefahren. Auf je einem Wasen vor und hinter dem Gefangenentransport saßen die Aufftändischen mit schuß­bereiten Gewehren und Pistolen.

Etwa 5 Kilometer hinter Bielitz mußte die Wagenkolonne halten, da der vorderste Wagen auf der verschlammten Straße ins Schleudern und auf den Ackerrand geraten war. Mehrere der Gefangenen, die anscheinend befürchteten, das Los der meisten Verschleppten teilen zu müssen, benutzten diese Situation, um vom Wagen zu springen und in Richtung aus ein nahes Wäldchen zu entfliehen. eineBerzweiflungs- tat. die sich blutig rächte. Die Polen gaben, auf die Fliehenden und auf die noch auf dem Wagen befindlichen Gefangenen mehrere Gewehrsaloen ab und im gleichen Augenblick wälzten sich etwa 15 der Unglück­lichen in ihrem Blute.

Acht Gefangene, darunter ein Tkcheche, waren sofort tot. sieben andere Männer wurden schwer verletzt, davon zwei Volksdeutsche lebensgefährlich.

Bei Wadowice, südwestlich von Krakau, soll nach einer noch nicht bestätigten Meldung ebenfalls auf einen Ge­fangenentransport geschossen worden lern, Es bat den An­schein. daß die Polen durch dre auf dem Höhepunkt befindliche Kriegspsychose jetzt völlig d i e V e r n u n f t v e r l o r e n haben und ein wahrer Mordwahn di« Banden der Auf­ständischen ergriffen hat.

Die Slowakei fordert von Polen

die Rückgabe der geraubten Gebiete.

Paris, 25. Aug. (Funkmeldung.) Aus Preßburg be­richtet die Havasagentur im Anschluß an die Erklärungen des slowakischen Propagandachefs Mach, daß die Slowakei die Wiedergutmachung des in der polnisch-slowakischen Grenzziehung ihr zugefügten Unrechtes fordere. Durch diese Grenzziehung waren nicht weniger als 52 slowa­kische Gemeinden von Voten in Besitz genommen worden.

Wie die Havasagentur weiter meldet, seien an den Mauern Preßburgs Plakate angeschlagen worden, die die Aufforderung au Hlmka-Garde enthielten, um die von den Polen geraubten slowakischen Gebiete wieder zurück,»gewinnen.

an, »in« SBeauasaeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2., ein- [d&etlub Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld Einzel- nummern 10 Rpf. - Bezug-bestellungen nehmen an: der Verlag dl« Ausgabestellen du TrSaer und alle Postanstalten. Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt leinen Anspruch auf-tzahlung d« Bezugspreises. 'DVDVVVDD'DVVTDGDDDVDDDVV'VDVDVVTD

Warschau, 24. Aug. Die militärischen Vorbereitungen der Polen haben jetzt offensiven Charakter angenommen. Die Kriegspsychose innerhalb der polnischen Armee ist aufdem Höhepunkt angelaugt. Die polnische Presse trommelt zum Angriffskrieg. Me Anzeichen sprechen dafür, daß Polen schon in den nächsten Stunden einen Handstreich unternimmt und gegen Danzig vorgeht.

Die Saat der westlichen Kriegshetze ist aufgegangen, und während die Warschauer Regierungsstellen »och unter dem lähmenden Eindruck der Unterzeichnung des deutsch-russischen Nichtangriffs- und Konsulationsoaktes stehen, wartet das Militär stündlich auf den Befehl rum Los­schlag en. Unter diesen Umständen ist es durchaus wahr­scheinlich. daß die Truppe im blinden Vertrauen auf die Kriegshilfe der westlichen Demokratien, die Nerven ver­liert. Die Warschauer Regierung, die mit dem Abschluß des englischwolnischen Beistandspaktes die Voraussetzung für

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Sturz des englischen Pfundes.

Große Verwirrung an den internationalen Devisenmärkten.

Berlin, 25. Aug. (Funkmeldung.) An den internatio­nalen Devisenmärkten kam es am Donnerstagmittag zu einer ungeheuren Verwirrung, da das englische Pfund trotz Einsatz stärkster Mittel des englischen Währungs­ausgleichsfonds von London nicht mehr gehalten werde» konnte und einen Sturz antrat, dessen Ende vorläufig »och nicht abzusehen ist. Wie es heißt, zog sich der Wäh­rungsausgleichsfonds völlig aus dem Markt zurück und lieh den Dollarkurs von 4,68»/= los. Die Pfunde-Kabel-Notrz ging inzwischen bereits auf 4,05 zurück. Praktisch bedeutet dies eine Loslösung von dem bekannte» Dreierabkommen. Bisher ist »och nicht abzusehen, aus welchen Kurs das Pfund von de» englische» Stellen wieder sestgelegt werden soll.

In London ergab sich st ü r m i s ch e Nachfrage nach Dollardevisen, die alsbald auch aus allen übrige» Märkte« in Erscheinung trat. So wurde der Dollar in Amsterdam mit 187% gefragt, während alle anderen Va­luten angeboten wurden. Das Pfund stellte sich hier zur Zeit aus 840 bis 850, doch kamen keinerlei Umsätze zustande. 3n Zürich und Varis war die Entwicklung ähn­lich.

Sang- und klangloser Abschied.

Moskau, 24. Aug. Nach und nach verlassen die Mit­glieder der Militärmissionen Großbritanniens und Frankreichs in aller Stille die russische Hauptstadt, die sie mit so hochgespannten Erwartungen betreten haben. Jetzt sind zwei weitere Mitglieder, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, im Flugzeug via Stockholm von Moskau abge­reist und zwar Kapitän Colier und Oberst Davidson.

Wie Reuter aus Moskau meldet, werden auch die rest­lichen Mitglieder der franzMchen und britischen Militar- mission binnen 24 Stunden Moskau verlassen.

England ist der Schuldige!

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Erscheimmgszeit:

Werktäglich nachmittags.

6 Ausgaben «ischästsziit- 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends aüßÄ SonniU'Feiertag«

. , . Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf

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