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Wiesbadener Tagblatt

Samstag /Sonntag, 12. /IS. August 1939.

Zweites Blatt. Nr. 187.

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Zur Erinnerung an die Schlacht bei Tannenberg.

Die beiden große- Feldherren des Weltkrieges, Hindenburg und Ludendorff, errangen vor 25 Jahren auf dem historischen Schlachtfeld> von Tannenbergfernen^der grogier^ege der Welt/eMchte - Vml links: Deutsche Schützengräben im Höllental bei Hohenstein. - Der Feldherrnhügel bei Tannenberg. - Te.lanstcht des Iannenb^S^agenßotÄ berg-Eyrenmal. Durchblick. -___________-

Die Überraschung im Kriege.

Von Generalleutnant Waldemar Lrsurth.

Vor kurzem hat Generalleutnant Erfurth in der Militärwissenschaftlichen Rundschau überdie Über­raschung im Kriege" veröffentlicht, die nun in dankenswerter« Weise im Verlag E. S. Mittler u. Sohn, Berlin SW. 68, auch als Buch erschienen ist. Wir geben aus dieser wertvollen Arbeit einige Er­gebnisse und Folgerungen wieder.

Clausewitz weist darauf hin, daß jedem überrascher ein, wenn auch noch so geringer, Grad von List zu Grunde hegt Die List ist nicht nur eine Waffe des Schwachen; sie kann auch in der Kriegsführung mit Massenheeren große Be­deutung gewinnen. Dem deutschen Volkscharakter hegt es im allgemeinen nicht, seinen Gegner hinter das Licht zu führen. Der deutsche Soldat siegt lieber durch Tapferkeit als durch List und Verschlagenheit. Dieser gefühlsmäßigen Ablehnung aller auf Täuschung des Gegners abzielende» Maßnahmen muß schon in der Friedensausbildung entgegen­gewirkt werden. Der moderne Krieg wird nicht mehr nach den Grundsätzen des ritterlichen Zweikampfes ausgetragen; jedes Mittel ist berechtigt, das geeignet ist, den Fe,nd zu irrtümlicher Auffassung über die Lage und fehlerhaften Maß­nahmen zu verführen. Die Tapferkeit des Löwen und tue Schlauheit des Fuchses müssen sich heute verbinden, um dem Gegner den Sieg zu entreißen.

Systematische Täuschungs- und Verschleie- rungsmaßnahme« im Kriege mit Massenheeren er- Scdern einen beträchtlichen Aufwand von Zeit und Kräften, it schwächlichen Mitteln sogenannten Demonstrationen wird man auf den Feind wenig Eindruck machen. Die Täuschungsaufmärsche der Deutschen in Frankreich vor der Offensive im März 1918 und der Verbündeten an der Tiroler Front vor der Jsonzo-Offenstve im Herbst 1917 sind Bei­spiele dafür, wie die Irreführung des Feindes den operativen Absichten der Heeresführuna dienstbar gemacht werden kann. In großer Zahl sind im Weltkrieg bevorstehende Angriffe durch Überläufer und Gefangene verraten worden. Oft sind wichtige Befehle und Karten mit Einzeichnungen in die Hand des Gegners gefallen. Die Häufigkeit solcher^ Vor­kommnisse zwingt dazu, nach Abhilfen zu suchen. Der« (Er= ziehung der Truppe zur Verschwiegenheit und Vorsicht bei Aufbewahrung geheimer Anordnungen muß daher große Bedeutung heigemessen werden. Jeder« Soldat muß wissen, daß der Erfolg im Kriege von der Geheimhaltung unserer Absichten abhängt; ihm muß bekannt sein wie er sich zu ver­halten hat, wenn er das Unglück haben sollte, in Feindeshand zu fallen. Er muß immer wieder darüber belehrt werden, daß er sich nicht einschüchtern lassen darf, und daß er spater zur Verantwortung gezogen werden wird, wenn er sich vom Feinde zu Aussagen verleiten läßt.

Viele Beispiele aus den letzten Kriegen lassen erkennen, daß der Funkverkehr für die Überraschung im Kriege eine zweischneidige Waffe sein kann. Während des Welt­krieges, in dem zum ersten Male das neue Nachrichtenmittel angewendet wurde, sind von allen Kriegführenden und auf allen Fronten zur Irreführung des Feindes zurechtgemachte Befehle durch Funkfpruch übermittelt worden. Bor der Jfonzo-Offenstoe der Mittelmächte wurde an der Tiroler Front ein ganzes Armeefunknetz neu eingesetzt, um die Auf­merksamkeit der Italiener dorthin abzulenken. Es ist be­kannt, daß unsere Ostkttegführung durch die falsche Art und Weise, mit der die Russen fünften, große Vorteile gehabt hat. Wenigere bekannt ist vielleicht die Tatsache, daß der deutsche Vormarsch zur Marne und später auch noch mancher wichttge Befehl den Franzosen durch Funkspruch entschleiert worden ist. Der Kriegsminister Messimy berichtet, daß der chef du bureau central de T.S.F. et du chiffre der reine Hexenmeister gewesen sei, dem die Entzifferung der deutschen Funksprüche in kürzester Frist gelungen wäre. Die Deutschen hätten ihm seine Aufgabe erleichtert, einmal durch den Verlust von zwei deutschen Eeheimschlüsseln, die in die Hand der Franzosen fielen, sodann aber auch dadurch, daß ver­schiedene deutsche Stäbe ihre Funksprüche teils in Klarschrift und teils verschlüsselt gesendet hätten. Messimy bezeichnet dre vom bureau du chiffre im Kriege geleisteten Dienste als eclatants".

Meister in der Kunst des Entschlüsselns sollen auch die Engländer gewesen sein. Der diese Arbeiten leitende Edinburger Professor A. Eaving hat es durch seine der eng-

lischen Marineleitung geleisteten Dienste in seinem Lande zu einer Berühmtheit gebracht. Schon frühzeitig (Ende August 1914) hatten russische Taucher« auf dem bei Odins- Holm auf ein Riff aufgelaufenen und von der Besatzung verlassenen deutschen KreuzerMagdeburg" den Chiffre- schlüssel für den Funkdienst der deutschen Flotte aufgefunden. Eine Kopie des Buches wurde den Engländern eilends über­sandt, die hieraus großen Nutzen gezogen haben sollen.

Auch in den auf den Weltkrieg folgenden Kriegen sind oft Funksprüche von der Gegenseite mitgelesen und entziffert worden. Im Russisch-Polnischen Kriege sind dadurch wieder­holt die Absichten der Gegenseite bis in alle Einzelheiten bekanntgeworden. So erfuhren z. B. die Polen die Weisung des Kommandos der sowietrussischen Südwestfront für den Aufmarsch zur Gegenoffensive in der Ukraine vom 18. Mai 1920, ebenso erhielt die Reiterarmee Budjennys durch Auf­fangen eines Befehls des Oberkommandos der polnischen 3. Armee vom 15. Juni 1920 Kenntnis von der Art und Weise, wie der Rückzug der Polen von Kiew in Richtung Jskoroszt ausqefiihrt wurde.

Bei der Eroberung Abessiniens haben nur die Italiener Vorteile aus den Funksprüchen des Gegners zu ziehen ver­mocht. Marschall Vadoglio berichtet darüber, daß die wenigen abessinischen Funkstationen infolge des ausgezeichnet arbei­tenden italienischen Abhör- und Dechiffrierdienstes weit mehr ihm selbst als dem Feind gedient hätten.

Damit solche Vorgänge nicht zu einer ständigen Er­scheinung des Krieges der Gegenwart werden, müssen Ab­hilfen gefunden werden. Derjenige, dessen Befehle vom Feinde mitgelesen werden, begibt sich selbst des Vorteils der Überraschung und gibt den Überraschungsversuchen-des Geg­ners vermehrte Aussicht auf Gelingen.

In den Ausblicken auf künftige europäische Kriege wird im Schrifttum immer wieder die Hoffnung geäußert, daß der nächste Krieg einen anderen Verlauf, einen anderen Stil haben müsse als der Weltkrieg. Zu einem durch Jahre sich hinschleppenden Stellungskrieg durfte es nie wieder kommen. Der Bewegungskrieg muhe in einem künftigen Kriege vorherrschen. Ohne Frage ver­langt die große Abhängigkeit moderner Kriege vom ^tntertai ihre schnelle Beendigung. Wirtschaftliche Momente können die Weiterführung eines Krieges überhaupt tn Frage stellen. Wie kann aber die kurze Dauer eines Krieges er­zwungen werden? Offensichtlich doch mit dadurch, daß voll­ständige Siege erfochten werden. Man hofft von den neuen Waffen, daß sie schnelle und vernichtende Schläge ermog-

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liehen werden. Sicherlich werden sie einer Führung, die von ihnen den richtigen Gebrauch macht, große Möglichkeiten geben. Voraussetzung aber bleibt, daß die Feldherren mehr als im Weltkriege in der Operation die Lösung der modernen Kriegführung mit Millionenheeren suchen. Bewegung er­möglicht erst Überraschung und Überaschung löst wiederum Bewegung aus. In der Geheimhaltung der eigenen» sichten und in der. Überraschung des Gegners liegen die Voraussetzungen' für den Sieg. Das Glück und die Kunst des Feldherrn müssen sich vereinigen, um den Gegner völlig un­erwartet zu treffen. Im Kriege bat das Unerwartete gewöhn­lich den glücklichsten Erfolg. Dadurch wird dte Überraschung zum Arkanum des Sieges.

das Judentum.

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General Halder dankt Mussolini.

Rom, 11 Slug. Der Chef des Generalstabes des deut­schen Heeres, General Halder, hat an Mussolini folgendes Telegramm gettchtet:Beim Perlassen Italiens bitte ich Euer Exzellenz, meinen aufrichtigen Dank für die liebens­würdige Einladung und > die herzliche Gastfreundschaft des italienischen Heeres genehmigen zu wollen. Der Aufenthalt in Italien und die Teilnahme an den Manooern der Po- Armee werden mir eine unvergeßliche Erinne­rung sein. Es war für mich eine große Ehre und Genug- tuung, den Übungen des italienischen Heeres beizuwohnen, das von einem so hohen Geist beseelt ist, und persönlich den kraftvollen Rhythmus des faschistischen Italiens mttzu- - erleben."

Eingeborenen-llnrnhen in Dentsch-Ostasrika.

England muß Truppenverstärkungen durchführen.

Daressalam, 11. Slug. Wie die hiesige Presse meldet hat der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Sir Mark Aucht|0n V o u n g, wegen der Aufstände unter den Hafenarbeitern tn Tanga seine geplante Reise ins Innere bes 2ani>es abge­sagt. «Nachdem die Polizei in Tanga von der S ch u ß w a f f e Gebrauch machen mußte, wurde eine Kompanie Sol­daten aus Moschi angefordert. Ebenso sind Poltzeiverstar- kungen aus Daressalam auf dem Wege nach Tanga. In Tanga wurden bisher ein Hafenarbeiter getötet und zwei schwer verwundet. _______

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Institut der NSDAP.

zur Erforschung der Zudenfrage

durch Reichsleiter Rosenberg in Frankfurt a. M. errichtet.

NSK. Berlin, 12. Slug. Als Trägerin des geistigen und politischen Kampfes gegen das Judentum ist die National­sozialistische Deutsche Arbeiterpartei in der Erfor­schung und Behandlung des Iudenproblems unmittelbar besttmmend. DieStadt des Deutschen Hand­werks", Frankfurt a. M., besitzt in ihrer Judaica- und Hebraica-Sammlung ein wertvolles, einzigartiges Quellen- material zur Judenfrage, Vas noch der Erschließung und ein­dringlichen wissenschaftlichen Bearbeitung harrt. Zur Aus­wertung dieses Materials hat die Stadt Frankfurt am Main die gesamte Judaica- und Hebraica-Sammlung der NSDAP, zur uneingeschränkten Benutzung zur Ver­fügung gestellt und sich darüber hinaus bereit erklärt, die Forschungsarbeit der NSDAP, auf diesem Gebiet in jeder Weise zu unterstützen. Reichslefter Alfred Rosenberg hat sich daher entschlossen, in Frankfurt a. M. einInstitut der NSDAP, zur Erforschung der Judenfrage" zu errichten, das die genannten Aufgaben unverzüglich in Angriff nehmen wird.

Die bisher in seinem Arbeitsbereich auf diesem Gebiet tätigen Forschungsstellen werden nach Frankfurt a. M. iiber- ert werden. Die NSDAP, gewinnt damit eine neue e Waffe gegen das Judentum, die Stadt Frankfurt a. M. aber einst Hochburg der weltanschaulichen Feinde wird dadurch zur Zenttale des geistigen Kaxnpfes gegen

zig wirksame Abwehr und ihre Notwendigkeit umfassend zu begründen. Viele Männer der Vergangenheit und Gegen­wart haben hier vorgearbeitet und manche wichtigen Grund­lagen für die Führung des Kampfes geliefert. Viele For­scher und Institutionen wirken auch heute in erfreulicher Weise für weitere Vertiefung der historischen und rassen- kundlichen Erkenntnisse.

Die Stadt Frankfurt a. M., einst die Hochburg der jüdi­schen Finanz, wird zum Forschungszentrum erhoben und auch dadurch die radikale Abkehr unserer Zeit symbolisch hervorgehoben.

Durch die nationalsozialistische Bewegung ist die Juden­frage ein weltpolitisches Problem geworden. Die Gesetz­gebung des Reiches ist schon in bezug auf das Judentum ein Akt von so grundsätzlicher Bedeutung, daß erst eine fer­nere Zukunft ihre ganze Tragweite auch für andere Staaten erweisen wird. Diese Haltung des Staates aber ist das Ergebnis eines neuen geschichtlichen Den­kens und einer neuen rassenkundlichen Erkenntnis. Frühere antijüdilche Empörungen der Völker werden dadurch in einem anderen Lichte erblickt, das bisherige Versagen der Abwehr aber durch ungenügende oder gar falsche Ein­schätzung des Judentums durch Kirchen, Souveräne oder liberalisierende Polittker begriffen.

Es erwächst also der gesamten deutschen, darüber hin­aus der ganzen europäischen Forschung die Aufgabe, Wesen und Geschichte des Judentums neu darzustellen und die ein-

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