Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit:
Druck und »erlag
87. Jahrgang,
Mittwoch, 2. August 1939
Nr. 178
Wehrmacht gedenkt des Kriegsbeginns
Geschlossenheit, Einsatzbereitschaft
ins
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Wohnungsproblem wird gelöst
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Deutschland für
WöchenU
mit einer täglichen
8. WtUebaaW L-chdrn-krei, „Tagblatt. Ha>i-' Rremfpre*er.Sammel-9er. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt MCsbaden. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Tagesbefehle zum 2. August.
Berlin, 2. Aug. (Funkmeldung.) Am 2. August 1939, bet vom Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht zur Erinnerung an den Beginn des Weltkrieges vor 25 Jahren zum Feiertag der deutschen Wehrmacht bestimmt worden ist, haben die Oberbesehlsbaber bei bi ei Wehrmachtsteile folgenbe Tagesbefehle an bas Heer, bie Kriegsmarine unb die Luftwaffe erlassen:
An das Heer:
Kranz des Führers am Sarge Hindenburgs.
Berlin, 2. Aug. (Funkmelbung.) Am heutigen Todestag bcs verewigten Reichspräsidenten unb Eeneralfelb- marschalls von Hinbenburg legte im Auftrage bes Führers unb Obersten Befehlshabers ber Wehrmacht ber Kommanbierende General bes 1. Armeekorps, General bet Artillerie von Kübler einen Kranz am Sarge bes Feld- marschalls in bei Gruft bes Reichsehrenmals Tannenberg nieber. Die Ehrenwache am Denkmal war aus btefem Anlast als Offizierswache "verstärkt worben.
Ferner liest Staatsminister Dr. Meistner im Namen der Präsidialkanzlei und ihrer Gefolgschaft am Sarge Hindenburgs einen Kranz nieberlegen.
Soldaten damals und heute.
1914 — 2. August — 1939
Von Walter Stebing.
Am heutigen Tage sind 25 Jahre seit dem Tage verflossen, an dem jener Krieg ausbrach, der zum Weltkrieg führte und der das Gesicht der Welt entscheidend verändert hat. 25 Jahre, das ist ein Vierteljabrhundert. das ist ungefähr die Zeit, bie bas Leben einer Generation umschliesst. Unb wenn wir nun heute politisch fast bie gleiche Situation erleben wie damals, wenn u beute sehen, wie England und Frankreich Äuhland umu n und wie offen zugegeben wird, dast es sich um einen .. -Fronten-Krie» handelt, so werden die Gedanken aus jenem August 1914 lebendig. Wir, die wir damals jene Tage miterlebten, haben inzwischen ein Stück Weltgeschichte, ein Stück deutscher Geschichte erleben und übersehen können und der Vergleich zwischen dem Soldaten von damals und dem Soldaten von heute ist fast ein Gebot der Stunde.
Es war einwunderbaresHeer. das damals in den Krieg zog. Männer voll Begeisterung, voll Mut und Lebenskraft, die nun alles daran setzten, um ihre Pflicht zu erfüllen und um das Land und bie Heimat zu verteidigen in diesem Krieg, der uns auferzwungen war. Wir, die wir damals noch nicht aktiv gedient hatten, konnten kaum den Tag erwarten, um heraus zu kommen, nach drausten, an die Front. Die kurzen sechs Wochen der Ausbildung schon schufen jene Kameradschaft, die später unzertrennlich wurde. Aber auch damals konnte man noch nicht in sechs Wochen ein vollkommener Soldat werden und io kam es, dast schon die ersten Kriegsmonate schwere und schwerste Opfer forderten. In militärisch-technischen Betrachtungen ist später das Vorgehen der jungen Regimenter bei Langemarck kritisiert worden. Auherhalb aber jeder Kritik steht der Geist, der diese Regimenter beseelte und diese Begeisterung war kein Strohfeuer. Wenn man beute die zerschlisienen Tagebücher aufschlägt, die wir damals int Felde führten, io werden aus kurzen Andeutungen ganze Tage wieder lebendig. Gerade biete ersten Wochen des Kriegserlebens werden unvergestlich sein für alle Zeiten. Es wird jedem alten Soldaten io geben, dast die ersten .Kriegswochen noch heute vor ihm stehen, als ob es gestern ge> weien wäre. Später wurde das freilich anders und das ist auch ielbstverständlich. denn kein Mann, der den Krieg erlebt bat. könnte die Erinnerung an alle Tage dieier viereinhalb Jahre in gleicher Stärke mit sich tragen. Der Krieg war uns damals genau io eine romantische Angelegenheit, wie er das für die Soldaten von beute sein würde. Aber das Kriegserlebnis gehört nun einmal zu unserem Leben und ist untrennbar mit ihm verbunden. Unb nun erwuchsen aus ben Kriegslagen unb Kriegswochen unb Kriegsmonaten und Kriegsjabren bie (Bebanfen der Kameradschaftlichkeit und die Gedanken der Pflicht zu einer Eröste, wie diese Pflichtgedanken bisher niemals gedacht worden sind. Wir wollen doch nicht vergessen, dast noch am letzten Tage des Weltkrieges, am 11. November 1918, bie beutfchen Soldaten nach Kämpfen ohnegleichen die jungen amerikanischen Truppen zurückwarfen unb sich gegen bie französisch-englische Übermacht in einer Weise wehrten, bast der Ruhmes-. kranz dem deutschen Soldaten gehört, auch wenn er den Krieg nicht gewinnen konnte.
Unb nun steht roieber vor uns eine bentsche Wehrmacht. Die besten Söhne Grostdeutschlanbs stehen unter ben Fahnen einer neuen Zeit unb willen, wenn bie Stunbe ber Bewährung kommt, bah sie bann bie grotze Prüfung abzulegen haben. (Berabe die alten Soldaten von damals, die bie neue Wehrmacht in ihrem Aufbau kennen, willen. baS bie jungen Solbaten genau so stehen unb kämpfen werben wie sie selbst gestanden haben. Eewist ist eine verhältnismähig kurze Zeit verflossen seit 1933, seitdem ber Aufbau ber deutschen Wehrmacht durch den Fübrerbefebl vonstatten geben, konnte. Es darf aber nicht vergellen werden, dast die Reichswehr den Geist deutschen Soldatentums aufrecht erhalten bat alle die schweren Jabre hindurch. Sie bat in unerhörter Arbeit und Pflichterfüllung auch die Grundlagen gelegt für das. was Adolf Hitler schätzten konnte. Bei den neuen Waffen, der neuen Ausbildung sind die Kriegserfabrungen des Weltkrieges nicht vergessen worden. Unsere Gegner im Weltkrieg haben tausend Experimente gemacht in ber Zeit
probt wirb.
So kann ich denn heute bei der Grundsteinlegung dieser ersten Berliner Großsiedlung mit ehrlicher Genugtuung mitteilen, daß — wenn der Führer den Befehl zum Groh- angriff des Wohnungsbau- unb Siedlungs- Problem erteilen wirb — alle technischen unb organisatorischen Voraussetzung sein werben, das Wohnungsproblem in L immer zu lösen.
Soldaten!
Heute vor 25 Jahren zog bas deutsche Heer in den Krieg. Niemals hat ein Heer tapferer ge- kämpft, mehr Opfer gebracht und gröbere Siege errungen, als die deutsche Armee von 1914 bis 1918.
Wieder versuchen die gleichen Kräfte, die uns damals jum Verteidigungskampf gezwungen haben, Deutschland ein- zulreisen. Wir wollen den Frieden! Wenn uns aber ein neuer Kampf aufgezwungen werde» sollte, wird das Seer mit derselben inneren Geschlossenheit, Einsatzbereitschaft und Tapferkeit wie 1914 um Deutschlands Friedensrechte kämpfen und die Überlegenheit des deutschen Soldaten erneut unter Beweis stellen.
Aus zwei Gründen haben wir gegenüber 1914 ein entscheidendes Übergewicht gewonnen:
Die Erfahrungen nach 1918 haben uns gelehrt, was cs heistt, der Willkür bastersiillter Feinde schutzlos vreisgegeben zu sein.
Der Führer hat uns ein klares politisches Ziel gegeben, für das wir kämvfen, und die Einheit der politischen und militärischen Führung bürgen dafür, dast die Wehrkraft unseres 80-Millioneit-Volkcs in einem solchen Kamps restlos eingesetzt wird.
Diese Erkenntnis und das verpflichtende Vermächtnis des Heeres von 1914 erfüllt uns mit zähem Siegeswillen unb wird uns zu unerbittlichen Kämpfern um die Freiheit und Ehre des bcutirficn Volkes machen.
Es lebe der Führer!
von Brauchitsch, Generaloberst.
An die Kriegsmarine:
Die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile an die Truppen und Tapferkeit wie 1914.
Aiqeigenpreife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grundpreis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste 9tr. 6, Nachlässe nach Preisliste Nr. 6. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schlich der Anzeigen-Annahme SV- Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Dann brachte schmählicher Verrat das bittere Ende. Ein Friedensdiktat zerschlug unsere Wehr zur Luit und verhot Deutschland jede, auch die geringste Luftverteidigung. Jedoch: Man konnte wohl die Flugzeuge und die Motoren zerschlagen, nicht aber den deutschen Fliegergei st.
Der deutsche Fliegergeikt marschierte mit der nationalsozialistischen Bewegung, denn im Nationalsozialismus erstanden ja alle die Tugenden und seelischen Kräfte, die unsere Flieger im Weltkrieg zu ihren herrlichen Taten befähigt batten.
Der Führer schenkte dem deutschen Volke die deutsche Luftwaffe und er gab mir ihren Oberbefehl. Ich habe in den vergangenen Jahren mein Bestes, aeton. um unsere Luftwaffe zu ber grünten unb madiHaften ber Welt zu machen. Ihre Starke unb Einsatzbereitschaft hat nicht zuletzt bie Schaffung unteres Grohdeutschen Reiches eruiöglicht.
Geboren aus bem Geist bet beutschen Flieger bcs Grasten Krieges, verschworen ber Idee unseres Führ e r s unb Obersten Befehlshabers, — so steht heute b_te. beutiche Luftwaffe, bereit, (eben Befehl bes »uhrers blitzschnell und mit ungeahnter Stostkraft durchzu- sühren. Unter Gedenken gilt beute dem Tag vor 25 wahren, unter Blick aber ist voraus gerichtet in bie Zukunft unteres ewigen Deutschlands. .. .
Goring. Gencralfeldrnarschall.
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Kameraden! deute vor 25 Jahren zog bie beuttoe Armee ____ Feil), um bie Heimat vor ben rings an ben beutschen Grenzen aufmartchierten feinblichen Mächten zu schützen. In bieter Armee war auch eine Fliegertruvvc. Klein, wenn man sie nur in Zahlen werten wollte, ober grast, wenn wir den Geist, der sie beseelte, als Masst ab anlegen. In diesem Geist, der sich in ben Heldengestalten eines Boelcke unb Richthofen verkörperte. hat bie deutsche Fliegertruppe vier Jahre gekämpft. Sic stritt gegen eine vielfache Übermacht, gegen die unerschöpflichen Reserven von Mensch und Material einer Welt von Feinden.
Aber wenn auch auf einen deutschen Flieger drei, fünf, ja zehn Gegner kamen — die deutschen Flieger kämpften mit unerschüttertem Mut, sie kämpften und siegten bis zuletzt.
Die 25jährige Wiederkehr des Kriegsbeginns ruft bte Erinnerung wach an den vierjährigen heldenhaften Abwchr- kamvf des deutschen Volkes gegen eine feindliche Welt, ^n diesem Ringen um Freiheit und Ehre der Nation bewährte sich deutsches Soldatentum in höchster llendung.
Aus allen Weltmeeren kämpften von 1914 bis 1918 deutsche Seeleute. Unvergessen bleiben die Taten der Auslandskreuzer und die Tage von Coronel unb Falkland, unvergessen ber zähe unb entsagungsvolle Kampf gegen, ben Feind auf, über unb unter bem Wasser. Unvergänglichen Ruhm erwarben sich unsere Unterseeboote. In der grüdten Seeschlacht aller Zeiten errang bte
könnte die Lage als hoffnungslos erscheinen. Man würde auf diesem Wege den fehlenden Wohnraum nie schaffen können und vielleicht nur unter äuherster Anstrengung den lausenden Bedarf zu erstellen vermögen.
Wenn mit den heutigen Vaumethoden und dem heutigen Bauverfahren das Wohnungsbauproblem nicht gelöst werden kann, so ziehen wir Nationalsozialisten den einzig möglichen Schlug: Die fetzigen Baumethoden reichen nicht aus, sie müssen vervollkommnet werden.
Seit Jahren hat die Deutsche Arbeitsfront eine e r - staunliche Vorarbeit geleistet.
Die Deutsche Arbeitsfront stellte sich hierbei drei Ziele:
Einmal mutzte erreicht werden, den Rohbau durch eine rationalisierte Bauweise zu verbilligen, ohne etwa dabei die Güte bei Häuser leiden zu lassen.
Zweitens mutzte durch eine weitestgehende Normung des Fertigbaues — Normung der Türen, Fenster, Decken, Futzböden — eine weitere Verbilligung erstrebt werden. Diese Normung der Einzelteile bedeutet selbstverständlich keine Uniformierung der architektonischen Gestaltung.
Drittens aber stellte sich die Deutsche Arbeitsfront das Ziel, eine neue Wohnkultur durch praktische, billige und schöne Möbel herbeizuführen.
Die Deutsche Arbeitsfront ist vielmehr schon längst dazu übergegangen in gewissenhafter Zusammensührung von Praxis und Wissenschaft ein völlig neues Bauversah r e n zu entwickeln, das bereits jetzt in einem grötzeren Bauprojekt von mehrstöckigen Etagenhäusern praktisch er-
Richtuugweiseude Rede Dr. Leys.
Berlin, 1. Aug. In einem würdig ausgestalteten Festakt wurde am Dieostagnachmittag unter stärkster Anteilnahme der Charlottenburger Bevölkerung durch Reichs- orgauisationsleiter Dr. Ley, bett Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Staatsrat Speer, und Oberbürgermeister und Stadtpräsident Dr. Lippert die feierliche Grundsteinlegung für die grotze Wohnsiedlung Charlottenburg-Rord vollzogen. Sie wird ein nach neuzeitlichsten Gesichtspunkten durch weite Grünanlagen ausgelockertes neues Stadtviertel für sich barstellen und mit insgesamt 11 500 vorbildlich angelegten Wohnungen rund 40000 Menschen aufnehmen.
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hielt die Festansprache. in der er u. a. folgendes ausführte:
Jede Zeit prägt ihr Gesicht in Stein und Eisen unb überliefert ihren Geist der Nachwelt in großen Bauwerken. Der Führer hat das deutsche Volk gelehrt, wieder an seine eigenen Fähigkeiten zu glauben, und so sind dank seiner Führung im neuen Deutschland Bauten entstanden, wie sie grötzer und schöner nirgends auf der weiten Welt zu sehen sind.
Wenn ich hier von dem in Stein und Eisen geprägten Gesicht sprach, so trägt das Gesicht unserer Zeit zwei Züge: Einmal den der gigantischen repräsentativen Bauten und dann den jener grotzen und einmaligen sozialen Werke, der in der Fülle der Siedlungen und Heimstätten in allen Städten und Dörfern, die in der gleichen Zeit gebaut wurden, in Erscheinung tritt. So hat der Führer die sozialen Belange des Volkes nie vergessen.
Trotz erheblicher Anstrengungen ist es aber den Städten und Gemeinden, der Industrie und der Landwirtschaft tatsächlich bisher noch nicht gelungen, den Siedlungsbedarf auch nur annähernd zu decken. Unter Zugrundelegung des bestehenden Bauverfahrens
deutsche Hochseeflotte die Achtung einer ganzen Welt. Der Tag von Skagerrak wird uns Sinnbild höchster Pflichterfüllung bleiben.
Durch dunkle Zeit hinübergerettet wurde das Vermächtnis der Toten des Grotzen Krieges, bis der Führer uns Freiheit von Wehr und Waffen wiedergab.
Der neu erstarkenden deutschen Kriegsmarine sind grotze Aufgaben gestellt. Wir werden, wenn die Pflicht uns ruft, ein ft eben für des Reiches Macht und E r ö tz e, getreu unserem Eid und eingedenk des heldenhaften Kämpfens und Sterbens unserer Väter und Brüder.
Wir fetzen unerfchütterlichesBertranen auf die Führung des Reiches und glauben fest an die Zukunft unseres Vaterlandes.
Heil unserem Führer! Heil Erotzdeutschland!
R a e d c r, Grotzadmiral, Dr. h. <■-
An die Luftwaffe:
Werktäglich nachmittags.
■AUSyttOCH Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn- u. Feiertags
Unterhaltungsbeilage. $erlmec $ilro: --«lm-r-d°rf
